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Diskutiere im Thema freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt



    Ich fahre bald wieder auf ein Symposium, und habe meiner Kollegin gesagt " Egal was passiert und wie ich jammer und mich winde, aber zwing mich dazu das Schei*ding endlich zuende zu kriegen"

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    creatrice schreibt:


    Ich fahre bald wieder auf ein Symposium, und habe meiner Kollegin gesagt " Egal was passiert und wie ich jammer und mich winde, aber zwing mich dazu das Schei*ding endlich zuende zu kriegen"
    YES! Aber so was von - yes...und wenn ich noch 100 Mal durch dies Texte krieche. Sie werden fertig werden....ok, ich werde sie irgendwann unfertig loslassen

  3. #13
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 197

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    Für mich ist freiberufliches Arbeiten das beste was es gibt. Ich organisiere gerne Events - wahrscheinlich für die meisten ADHSler ein No-Go. Ich mag daran aber die Mischung aus Eigenmotivation und Aufgaben, die organisch auf mich zukommen. Ich habe mit etwa Anfang 30 durch die Notwendigkeit mich als Musiker selbst zu promoten gelernt mich zu organisieren und bin darin mittlerweile sehr gut geworden. Ausschlaggebend ist wirklich die Motivation und das Gefühl eine Sache ernsthaft zu wollen.

    Was mich an der Selbstständigkeit jedoch demotiviert ist Akquise. Ich weiß, dass "Nein" in diesem Zusammenhang das häufigste Wort ist und es normal ist mit seinen Bemühungen ins Leere zu laufen, aber ich kann damit emotional nicht umgehen.

  4. #14
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    Das kann ich dir gut nachvollziehen Linus. Ich habe auch mit jedem NEIN und so sehr zu kämpfen, aber bei euch Selbstständigen ist das ja sozusagen Teil eures täglichen Brots.

  5. #15
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 38

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    @Junie

    Ich bin Freiberufler, also selbständiger Illustrator.
    Hab auch beruflich mit Schriftstellern zutun. Covers, Illus usw. Mit "grossen" und "kleinen", "alten" und "jungen". Selbstzweifeln gehört zum Leben und Schreiben dazu, wie denn sonst? Ehrlich gesagt, kann ich Dein "Nebel" nicht ganz nachvollziehen. Es sieht für mich bissl nach Panik aus. Doch dafür sehe ich in Deinem Fall keinen Grund.

    Für den Fall, dass es doch Panik ist, hier einpaar Ideen.

    Wenn 1000 Sachen auf einen zurollen, macht man ne Prioritätsliste und arbeitet sie ab.

    Als "nebenfreiberuflerin" wirst Du wahrscheinlich keine Umsatzsteuervoranmeldungen machen müssen. Wenn doch, dann nur einpaar Monate am Anfang. Online geht's in 15 min.

    Als Kreativtätige betreffen Dich alle Gewerbefragen nicht. Dafür gibt's Personal. Es sei denn, Du möchtest Dich wirklich selbst um Druck, Marketing, Vertrieb kümmern. Fürs erste würde ich Dir dringend davon abraten. Für einpaar erste kleine Sachen ist Amazon perfekt. Wenn Du Dich dann benachteiligt fühlen solltest, wirst Du auch wissen warum und was Du selbst besser machen würdest.

    Und bei alledem, Du gehst keinerlei Risiko an! Würdest Du den Job hinschmeissen und mit nem Rucksack in die Wüste ziehen um den grössten Roman in der Menschheitsgeschichte schreiben zu wollen, würde ich Deine Sorgen verstehen. Doch so wie ich's lese, schreibst Du nebenbei, keine Deadlines, keine Vorleistungen, kein (Erfolgs)Druck... paradisische Zustände!

    Nur wenn der Partner sich vernachlässigt fühlen sollte und die Beziehung unter Zeitmangel leiden sollte... das erwähnst Du aber nicht?

    Es gibt ein Trick, den ich bei mir auch mal angewendet hab und mittlerweile bei allen "freien" Projekten automatisch "abgespühlt" wird.

    Stell Dir vor, es hat nicht geklappt. Alles ist schief gegangen, keiner will's weder kaufen noch lesen. War alles umsonst, alle Deine Investitionen und Anstrengungen. Und jetzt guck mal genau hin, wieviel ist das? Würdest Du es noch mal versuchen?

    Ab da klärt sich alles, da denke ich nicht mehr an "was könnte denn so alles schlimme passieren" und mache das Ding einfach. Ist eh schon alles passiert.

    Erfolgreiche Künstler lassen sich auch oft nicht gerne in die Karten schauen.
    Dem würde ich so nicht zustimmen.
    Alle Künstler die ich kenne, und die "es drauf haben", helfen immer und gerne. So wie ich es auch tu. Es ist nun mal so, wenn jemand kommt und eine Frage stellt, wird sie beantwortet. Wenn jemand kommt, und sagt: "ich möchte ein Bild malen, aber ich weiss nicht wie ich's tun soll" fällt es schwer was dazu zu sagen, weil's keine Frage ist. Bzw. möcht man zurück fragen, und wie soll man da helfen?
    Je erfolgreicher der Künstler, desto anspruchvoller sollen auch die Fragen sein. Weil a)man/frau hat weniger Zeit, b)man/frau möchte auf dem entsprechend schmeichelhaftem Niveau annerkannt werden. Als ADHSler würde ich ja vllt durchdrehen, wenn ich 1000te mal jemandem die Basics erklären sollen täte. Würdest Du gerne 1000 mal Satzaufbau erklären? Umsonst? Und am Ende auch noch zu hören: "Oh... das ist ja schwer... das muss man ja üben!"

    Viel Erfolg!

  6. #16
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 430

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    Ich hab zwar keine Diagnose, aber ich hab auch etwas mit künstlerischem Schwerpunkt studiert. Das müsste über kurz oder lang auch in Freiberuflichkeit enden.

    Mein größeres Problem ist eher die kreative Blockade "weil" ich studiert habe.
    Weil man nicht mehr nur sein Hobby ausübt und sich auf das fokussiert, was einem am meisten Spaß macht. (Technik... usw.)
    Das hat jetzt alles einen "bildungsbürgerlich-akademisch-independent"-Charakter. Was ich aber sehe ist, dass ich mit den Tipps "frei zu arbeiten" oder "einfach das machen was einem spaß macht" und "nicht denken, machen" für mich selbst aber nicht viel zu tun hat.
    Freiheit ist relativ. Ich bin halt nicht von der "intellektuellen Hochkultur" geprägt, sondern eher von der Populärkultur. Das heißt: meine Techniken sind andere.
    Und eigentlich ist das, wie ich denke, sogar von "postmodernen/poststrukturalistischen Theorien" abgedeckt.
    Ich bin halt nicht "Avantgarde".



    Weiß garnicht ob sich hier jemand mit solchen Sachen auseinander gesetzt hat, aber ich weiß irgendwie nicht, ob ich es irgendwann wieder hin krieg so locker zu arbeiten wie vor'm Studium.
    Wenn bestimmte Themen mich im Studium nicht getriggert haben, hab ich keinen Einstieg gefunden und deswegen irgendwie alles und nix gemacht.
    Es gab halt keine Aufgabenstellungen sondern nur Stichwörter, keine "Bedingungen", die genannt werden.
    (Angeblich gibt es keine Bedingungen, keine Regeln, keine Zielgruppe, kein irgendwas.... Neee, ist klar, aber wie kommt es dann, dass man dann Arbeiten kritisieren kann, wenn es keine Kriterien gibt? Und warum arbeiten verdammt viele nach einem bestimmten Schema, das man nur im akademischen Umfeld wirklich findet? Sind Akademiker keine Zielgruppe? Oder steckt manch einer zu sehr in seinem eigenen Umfeld? Es gibt ja diesen tollen "künstlerischen" Fehlschluss: Wenn die breite Masse es ablehnt, muss es gute Kunst sein.)

    (Und bei dem, was ich ursprünglich gemacht habe, hieß es: "Das sieht ja alles gleich aus." Ja komisch, im hochkulturellen Umfeld ist auch nicht alles "absolut individuell".
    Das ist für mich ein Wahrnehmungsding, also selektive Wahrnehmung: Im eigenen Interessenfeld erkennt man meist mehr die Unterschiede. Bei dem, was einem Fremd ist, sieht man eher die Schubladen.
    Ich mache ja Eingeständnisse, dass vieles innerhalb meines ursprünglichen Interessengebiet vielfältiger sein kann. Das das muss es sein, ohne die essentiellen Dinge wegzukürzen, die es ausmachen.

    Um es mal anschaulich mit einem anderen Beispiel zu machen:
    Das wär so, als würde man sagen "in der Metal-Musik klingt alles gleich, mach mal lieber Jazz". Mag sein dass Jazz schon länger existiert und deshalb eine größere Bandbreite hat, aber es gibt auch im Metalbereich eine große Bandbreite, sogar einiges was sich vom Jazz inspirieren lassen hat und ähnliche Tonfolgen verwendet. Warum muss man Jazz hören oder machen, wenn man sich darin einfach nicht wiederfinden kann?)


    Ich weiß nicht, ob das eine ähnliche Problematik ist.


    (Dass immer, wenn man nen Strich zeichnet, der innere Kritiker einem sagt "das musst du anders machen". Und dann bin ich mehr mit Grübeln und Denken beschäftigt und komme garnicht in den lockeren Prozess. Früher war es wenigstens so, dass ich erstmal das Ding durchgezogen hab. Und zwei Tage später immernoch sehen konnte: "ist scheiße", aber dann war es kein Problem. Man hat aus seinen Fehlern gelernt.
    Und wenn ich was Größeres gemacht hatte, hab ich mir auch erstmal eine Struktur und einen Plan erarbeitet und die Sache dann auch nicht chronologisch durchgezogen. Es gibt an jedem Projekt ja immer Teile, die mehr Spaß machen als andere. Also hab ich je nach GEfühl die Sachen gemacht, auf die ich gerade Lust hatte, und die unbequemen Sachen manchmal erst zum Schluss. Es geht dann ja auch viel einfacher, wenn meinetwegen 60% des Projekts fertig sind, und schon was auf dem Papier ist. Dann zieht man das eher komplett durch, als wenn ich einfach so ins Blaue hineinarbeite. Vor allem dann schweife ich ab, wenn es langweilig wird, komm aber auch nicht mehr auf die eigentliche Aufgabe zurück, weil das ganze ja, wenn es so zwanghaft neu und spontan sein muss und nicht geplant sein darf. Wenn es eine undefinierbare nicht greifbare Richtung einschlagen soll, weiß ich nicht wo ich quasi anfassen soll. Ich brauch doch zumindestens eine Vorstellung davon, was ich machen soll. Ich bin auch nicht total darüber erstaunt was mein unterbewusstsein so auf dem Blatt fabriziert, wenn ich grad nix konkretes im Sinn hab. Mein Unterbewusstsein guckt sich dann meist eher nach was anderem um, Internet usw. )
    Geändert von tasseKaffee (22.04.2015 um 17:53 Uhr)

  7. #17
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 38

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    @ tasseKaffee

    Mein größeres Problem ist eher die kreative Blockade "weil" ich studiert habe.
    Weil man nicht mehr nur sein Hobby ausübt und sich auf das fokussiert, was einem am meisten Spaß macht. (Technik... usw.)
    Interessante Aussage. Ich glaube, das hat nichts mitm Studium zutun. Wenn einem als erste spassmachende Argument die "Technik" einfällt, würde ich mich fragen, ob das mit Kunst das Richtiges für mich ist.
    So wie ich es sehe, und immer wieder die Beispiele dafür erlebe, ein Künstler lebt nicht nur in seiner eigenen Welt, sondern hat ein unstillbares Bedürfnis das allen mitzuteilen. Er möchte seine Geschichten erzählen, seine Empfindungen, Gefühle oder Gedanken präsentieren. Die Art oder das Medium sind da sekundär. Es ist auch keinesfalls Merkmal von einem "guten" oder "erfolgreichen" Künstler. Nur von einem als solchen. "Technik" interessiert so einen nur insofern es für "transport" seiner "message" (seiner Meinung nach) hilfreich wäre.

    Aus diesem Blickwinkel erklären sich einige "Unverständliche" Sachen. Z.B.

    Angeblich gibt es keine Bedingungen, keine Regeln, keine Zielgruppe, kein irgendwas....
    Weil für den wahren Künsler das auch so stimmt.

    Und bei dem, was ich ursprünglich gemacht habe, hieß es: "Das sieht ja alles gleich aus."
    Weil in jungen Jahren suchen die Künstler üblicherweise nach dem o.g. Medium, Technik usw. Da erwartet man Suchnachweise durch sichtbares Experimentieren.

    Ja komisch, im hochkulturellen Umfeld ist auch nicht alles "absolut individuell".
    Naja, erstens, nicht alles im "hochkulturellen Umfeld" ist gleich Kunst. Zweitens, über die Jahre und mit (hoffentlich!) steigender Bildung ändert sich auch Wertesystem. Vieles was man/frau aktuell für doof hält kann später mal richtig "flashen". Das erlebe ich bei mir mit erfreulicher Regelmässigkeit und bemühe mich meine Ablehnung gegen etwas mit mangelnder Wahrnehmungsreife zu erklären. Es kann also sein, dass die Nuancen der individueller Interpretation schon mal sehr subtil sein können.

    Das bedeutet auch nicht, dass alles was doof ist eine unvestandene Kunst ist. Einiges ist wirklich einfach doof.

    An Deiner Haltung fällt mir auf, dass Du Dich viel mehr damit beschäftigst die "Spielregeln" zu verstehen, anstatt sich um "eigenen Kram" zu kümmern. Das ist die Haltung eines Unternehmers/Dienstleisters, nicht so sehr eines Künstlers. Klar, gibt's krasse Typen, die Beides zu verbinden wissen (wie z.B. Dali oder Hirst), aber exhibizionistische (insich)Selbstbezogenheit wiegt bei diesen und allen anderen Künstlern deutlich mehr, würde ich meinen.

    Natürlich nicht jeder arroganter egoistischer Snob ist auch ein Künstler!

    Mir geht es sehr ähnlich wie Dir. An einem "keystone" meines Lebens wurde mir ganz intuitiv einiges von dem Obenbeschriebenem bewusst (auch wenn damals ich's nicht so beschreiben könnte) und seitdem "recycle" ich meine künstlerische Ambitionen als Illustrator. Auch wenn meine Umgebung mich für nen "Künstler" hält, das Wissen um die Unterschiede bewährt mich vor Blockaden und Lebenskrisen.

    Zeichnen, musik spielen, bildhauen oder malen kann jeder. Wie gut derjenige darin ist, liegt an seinem Fleiss. Doch diese Fähigkeiten machen keinen zum Künstler.

    Ich hoffe Du wirst mir meiner Offenheit nicht böse.


    PS. Und gegen kreativen Blockaden kenne ich ein 100% wirksames Mittelchen: Zeichne/Male! Jeden Tag steck mal Deinen Finger in ein (Wörter)buch und nimm Dir genau 30min Zeit um ein Bild zu malen, das Dir dazu einfällt. Es muss nicht fertig werden, es ist nur Übung!
    Gugg mal hier: Kreatych Genial gell?!

    PPS
    Es gibt ja diesen tollen "künstlerischen" Fehlschluss: Wenn die breite Masse es ablehnt, muss es gute Kunst sein.
    Da sehe ich genau den Punkt, wo man nen Unternehmer, der sich gegen Konkurrenten abschottet von nem Künstler unterscheidet. Ist klar, dem Künstler isses egal ob die "breite Masse" ihn ablehnt oder nicht. Doch die Verwalter des "Kulturbetriebs" scheinen sich für Priester zu halten, die als einzige zwischen dem "Kunstgott" und dem Pöbel da unten vemitteln dürfen. Ist übrigens in Deutschland besonders pervers ausgeprägt, weil da auch sehr viel mit Staatskohle gezüchtet wird. Wo Staatskohle drin ist, isses immer langweilig, korrupt und mittelgrau.
    Geändert von schlummi (26.04.2015 um 17:57 Uhr)

  8. #18
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    @Schlummi, nicht böse aber das ist übelstes Klischeedenekn was du da so hast. Sollest du lieber für dich behalten !

    Tassekaffe, die wir hier alle in ihrem künstlersichen Wirken und Streben nicht kennen, wirst du damit jedenfalls nicht gerecht. Halte dich doch deswegen bitte mit so dirketen Ratschlägen und Kritiken an jemand der darum ringt Kunst zu machen zurück, denn an Hand dessen was du schreibst, kann man sehen, dass du von Kunst und Künstlern nicht viel Ahnung hast, sondern nur eine Lischen-Müller-Vorstellung.
    Geändert von Wintertag (26.04.2015 um 21:49 Uhr)

  9. #19
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 430

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    Ich beantworte mal in umgekehrter Reihenfolge:

    Wintertag schreibt:
    @Schlummi, nicht böse aber das ist übelstes Klischeedenekn was du da so hast. Sollest du lieber für dich behalten !

    Tassekaffe, die wir hier alle in ihrem künstlersichen Wirken und Streben nicht kennen, wirst du damit jedenfalls nicht gerecht. Halte dich doch deswegen bitte mit so dirketen Ratschlägen und Kritiken an jemand der darum ringt Kunst zu machen zurück, denn an Hand dessen was du schreibst, kann man sehen, dass du von Kunst und Künstlern nicht viel Ahnung hast, sondern nur eine Lischen-Müller-Vorstellung.
    So hart würd ich es nicht sehen. Ich finde den Kommentar hilfreich und empfinde den nicht unbedingt als einen Vorschlaghammer -->.
    Denn so kann ich nun auch fragen stellen die vielleicht meine Blockade lösen.
    (Ich sag ja: wenn ich im "künstlerischen" Umfeld fragen stelle, kriege ich ja nur eine Antwort die keine Antwort ist, sondern nur drei neue Fragen aufwirft, die ich wieder nicht lösen kann.)

    Die andere Frage wäre, ob das wirklich "Lieschen-Müller-Klischeedenken" ist, denn das was Schlummi schreibt ist eine Haltung, die ja gerade im akademischen Kontext gepflegt wird. Unter Leuten, die zu Kunst keinen Zugang finden, findet man doch eher die Haltung "Kunst kommt von Können, käme Kunst von Wollen hieße sie ja Wunst".

    Können und Wollen im Kunstbetrieb, dazu gibts einige Bücher. Und die große Blockade da ist doch, dass das gerne mit der "Entarteten Kunst" zusammengeschmissen wird.
    Ehrlichgesagt hab ich mir um das "Wollen an sich" keine Gedanken gemacht, bevor ich nicht auf diese Bücher und Meinungen gestoßen bin.

    Es gab einfach irgendwann diesen Bruch zwischen "moderner Kunst" und "alt-akademischer Kunst".
    Und wenn man Pech hat und meinetwegen Da Vinci teilweise interessanter findet als van Gogh, oder Alfons Mucha interessanter als Paul Klee, dann hat man ein Problem. Wenn man noch größeres Pech hat, wird man damit in eine konservative Ecke gestellt. Die moderne Kunst wollte sich von der alten "Adels und Klerus"-Kunst emanzipieren, die meistens einen Blick auf die Welt hatte, der "objektisierend" ist, oder halt "monarchisch" usw.
    Aber: die Kunst der Moderne ist vom (Bildungs-)Bürgertum geprägt, sie ist "subjektiv" (wie schlummi schreibt).

    In meinem bisherigen Leben hatte ich immer das Gefühl, dass das Objektive aussagekräftiger ist als sas Subjektive. (Also nicht im Kunstkotext, sondern wenn es um Argumentationen geht). Im Kunstkontext wird das Subjektive gefeiert. Wenn es da nicht so poststrukturalistische Theorien gäbe die behaupten, dass es letztlich scheißegal ist was der Künstler meint, es zählt das, was der Betrachter mit dem Bild oder Werk macht, was es für ihn persönlich macht.

    In abgespeckter Form lasse ich das als "alternative herangehensweise" gelten. Natürlich lassen sich Botschaften nicht eins zu eins übertragen, wie beim kopieren von Festplatte zu Festplatte. Jeder Betrachter muss erstmal sich selbst in ein Bild einbringen, um dessen Botschaft erkennen zu können. Aber das heißt doch nicht, wie ich das manchmal an Meinungen erfahren habe, dass das Werk des Künstlers langweilig ist, sobald man liest was er wirklich gemeint hat.

    Wenn es am Ende dazu führt, dass der Betrachter des Werks eigentlich der deutlich kreativere und wichtigere Part ist, und es eigentlich egal ist was der Künstler wirklich meinte, dann versteh ich den Sinn dahinter nicht.

    Denn zum einen scheinen viele in dem Bereich es so zu betrachten wie Schlummi: es geht einem als Künstler um die eigenen Gefühle, Gedanken, Erlebnisse usw
    Wenn ein und derselbe Mensch dann aber zum Werk eines anderen geht, zählen wieder die eigenen Gefühle und Gedanken mehr, als die des anderen Künstlers.

    Ich sage nicht das es allen so strikt geht, aber es gibt den Trend das viele garnicht mehr sagen, wie sie zu ihrem Werk gekommen sind, und erfreuen sich in erster Linie an der Fantasie anderer, was die zu dem Werk zu sagen haben.

    Aber wenn ich ein Werk Schaffe, dann hab ich doch auch so etwas wie eine Botschaft. Ich will nicht irgendwie vor mich hin malen, ich will irgendwas sagen. Dazu muss ich mir gedanken machen, was das ist. Selbst wenn ich eine GEschichte erfinde, bringe ich meine Weltsicht da mit ein. Dazu muss es ja nicht autobiografisch und quasi exhibitionistisch sein. Aber ich will ja dennoch irgendetwas mit meinem Werk kommunizieren, ich habe da dann Mühe reingesteckt.
    Wenn DAS aber einfach bewusst ignoriert wird und mein Werk dann nur als reine Projektionsfläche benutzt wird, weil es halt dem zeitgeist entspricht. Warum geb ich mir dann überhaupt so viel Mühe, ich könnte ja auch irgendwas inhaltlich wirsches machen, hätte den gleichen effekt.

    Also der Text, den ich meine, der dieses zeitgeist-Ding meint nennt sich "Der Tod des Autors" und wurde von Roland Barthes geschrieben. Bezieht sich nicht nur auf Texte, sondern genau so auf Bilder oder anderes. Wenn man untersuchen will, welche Relevanz ein Roman in der Gesellschaft hat, ist dieser Ansatz wirklich nicht schlecht. Die gesellschaftliche Relevanz geht nicht ausschließlich vom "Autor als handelndes Subjekt" aus, nicht wenige Texte wurden vom Publikum anders verstanden als sie gemeint waren. Aber muss man denn jetzt darauf hinarbeiten es genau so zu machen?

    Gerade im kreativen Bereich, wird das "Divergente Denken" so sehr vom "Linearen Denken" abgegrenzt. (Auch wenn es nicht so konkret formuliert wird, sondern immer nur so schwammig im Raum steht. Vielleicht gehen einige davon aus dass man so kompetent ist genau zu wissen was man meint, oder notfalls in die Bibliothek zu gehen. Oder das, oh wunder, Menschen mit ähnlicher Denkweise über das divergente Denken vollautomatisch zu der einzig richtigen Lösung kommen. (Wer einen Widerspruch findet darf ihn behalten. Mit eine der wichtigsten Eigenschaften von Kreativen sei es, dass er Widersprüche nicht als Widersprüche empfindet. Ich hab das Gefühl, dass es aber nicht um so einfache Dinge geht wie das "Henne-Ei-Problem", das sich widerspruchsfrei auflösen lässt))

    schlummi schreibt:
    Interessante Aussage. Ich glaube, das hat nichts mitm Studium zutun. Wenn einem als erste spassmachende Argument die "Technik" einfällt, würde ich mich fragen, ob das mit Kunst das Richtiges für mich ist.
    Der Witz daran ist doch, dass ich eigentlich Design studiert habe. Hätte ich Kunst studieren wollen, hätte ich Kunst gewählt.

    (Dass sich beide Sparten gegenseitig Inspirieren ist ja kein Problem. Als gelernter Koch kann man sicher auch einen Kuchen backen und verzieren, auch wenn man dadurch noch nicht zum gelernten Konditor wird. Wobei....wenn man mal grenzen Sprengen will: Kunst bedient die Sinne, im allgemeinen meist visuell, haptisch oder akustisch. Beim Konditor kommen ebenso das visuelle wie auch das haptische als auch das geschmackliche dazu, da geht es auch um Kreation, um persönlichen Selbstausdruck (wer backt schon nen kuchen, der ihm selbst nicht schmeckt) und auch technisches Handwerk zusammen. Also warum eigentlich hatte ich nie einen Kochkurs im Studium? Oder darf man dann doch nicht zu weit um die Ecke denken? Warum sind die Grenzen dann so eng und bestimmte Richtungen vorgegeben, auch wenn das negiert wird?)

    So wie ich es sehe, und immer wieder die Beispiele dafür erlebe, ein Künstler lebt nicht nur in seiner eigenen Welt, sondern hat ein unstillbares Bedürfnis das allen mitzuteilen. Er möchte seine Geschichten erzählen, seine Empfindungen, Gefühle oder Gedanken präsentieren. Die Art oder das Medium sind da sekundär. Es ist auch keinesfalls Merkmal von einem "guten" oder "erfolgreichen" Künstler. Nur von einem als solchen. "Technik" interessiert so einen nur insofern es für "transport" seiner "message" (seiner Meinung nach) hilfreich wäre.
    Es geht nicht nur um Technik (zudem heißt Technik für mich nicht, dass ich tutorials durcharbeite oder die Linienführung von van Gogh kopiere. Hast du nicht behauptet, kann man da aber reindeuten). Denn meiner Meinung nach bringt es auch nicht so viel, wenn das, was man ausdrücken will, nicht rüber kommt, weil man nicht die richtigen "Mittel/Techniken" anwendet. Experimentieren gehört auch dazu.
    Aber ich sag ja: selbst mal von der Technik angesehen: Wenn es den betrachter wenig schert, was der Künstler eigentlich meint. Und der künstler davon ausgeht, dass es einem entweder klar werden muss, oder eigentlich jeder selber was eigenes darin sehen sollte, dann geht das mit dem selbstausdruck vielleicht auch nicht mehr auf.


    Mein eigentliches Problem ist, dass ich zwar Bilder machen kann und positive Resonanz bekomme, aber nicht nachvollziehen kann warum.
    Mir macht es mehr Spaß, wenn ich meinetwegen ein Bild innerhalb von meinetwegen 5-6 Stunden fertige, und zwischendurch in einen Flow-Zustand komme. Weil mich der Prozess fordert, genau das richtige Maß an können besitze, um diese "neue" Aufgabe zu meistern. Nur dann macht es mir spaß länger am Ball zu bleiben und mich weiterzuentwickeln.

    Was mir keinen spaß macht ist, wenn ich 15-30 Min einfach so vor mich hin kritzel, ich mich ständig bremsen muss mein können einzubringen und mich daran weiterzuentwickeln. Und das dann das fertige Bild ist. Und das darf dann natürlich nicht alleine stehen, also muss eine Reihe daraus werden. In dieser Reihe mag dann in der fantasie anderer Menschen eine Menge passieren, aber mich selbst lässt das kalt.

    Kann ich "mal" machen. Ist ja kein Problem, Hobbies wechseln ja auch immer wieder mal, man probiert gerne mal was neues. Dann hatt man mal mehr lust auf das eine, dann auf das andere.
    Aber ich will nicht nur Bilder für andere produzieren, ich möchte nicht bei jedem Bild quasi bei "Null" anfangen und völlig ungeplant da ran gehen.
    (Ungeplant heißt: ich hab ein grobes thema im Kopf, aber ich habe keine Geschichte die ich erzählen will. Zuerst entstehen wahllos bilder, dann setze ich diese in Reihenfolge, dadurch entsteht die Geschichte. Im Prozess folgt eins nach dem anderen, und hinterher wird die Reihenfolge verändert. Diese Methode kann für mich der erste Schritt sein etwas "großes" entstehen zu lassen. Aber ich möchte nicht, dass es im Prozess stehen bleibt. Wenn eine geschichte entsteht, will ich in diese geschichte eintauchen können, und nicht ratlos davor stehen und in 12 Richtungen denken und doch keine Ahnung haben, worum es eigentlich geht. Wenn mir Sachen zu schwammig sind, geht meine Motivation flöten und das Projekt ist nur noch mit eiserner Disziplin zuende zu bringen.)

    Wenn ich in dieses Arbeitsschema aus persönlichem Interesse halbwegs natürlich reingewachsen wäre, wäre das kein Problem.
    Aber ich möchte nicht immer nach diesem Schema arbeiten.

    Und es gibt auch noch viele andere Möglichkeiten, so als Beispiel: Concept Art für Filme und Videospiele.
    Auch wenn da die Themen vorgegeben sind, hat da doch ein persönlicher Strich ebenso platz. Dinge im Kopf zu visualisieren und dann auch für andere Sichtbar zu machen, daran rumzufeilen, bestimmte Stimmungen einzubringen usw hat da doch ebenfalls einen Platz. Gleichzeitig darf man da dann auch technisches finesse mitbringen (muss man eher sogar). Ist natürlich aus Sicht der "Kunst" alles viel zu kommerziell.

    (warum darf Populärkultur oder Subkultur, die sich auch irgendwie finanzieren muss, nicht auch mal "anspruchsvoll" sein? Ich hab gehört, diese Trennung zwischen "Unterhaltung" und "Anspruch" sei eher so ein typisch deutsches Ding, uns sei in anderen Länderen nicht immer so fein säuberlich voneinander getrennt. In den soziologischen und philosphischen Theorien ebenso nicht).


    Weil in jungen Jahren suchen die Künstler üblicherweise nach dem o.g. Medium, Technik usw. Da erwartet man Suchnachweise durch sichtbares Experimentieren.
    naja...jein... eigentlich gehts nicht um medium und technik. Eigentlich darf das experimentieren nie aufhören. (Stichwort: Avantgarde)
    Wenn nicht ständig neue Medien und Techniken erfunden werden, "wird es langweilig". Man muss sich ständig selbst neu erfinden.
    (das Leitthema der Moderne, selbst wenn es ständig diskutiert wird, existiert immernoch)

    Naja, erstens, nicht alles im "hochkulturellen Umfeld" ist gleich Kunst. Zweitens, über die Jahre und mit (hoffentlich!) steigender Bildung ändert sich auch Wertesystem. Vieles was man/frau aktuell für doof hält kann später mal richtig "flashen". Das erlebe ich bei mir mit erfreulicher Regelmässigkeit und bemühe mich meine Ablehnung gegen etwas mit mangelnder Wahrnehmungsreife zu erklären. Es kann also sein, dass die Nuancen der individueller Interpretation schon mal sehr subtil sein können.
    Da stimm ich zu. und das führt wieder zu meinem problem: ich weiß dass die alten sachen inhaltlich flach waren, ist ja inzwischen auch 10-15 Jahre her, wo ich von den Sachen überzeugt war. Aber: die neuen Sachen haben für mich immernoch nicht das potential, die Lücke zu schließen, die bei mir entstanden ist.
    Die neuen Sachen fordern mich nicht, auch wenn ich durch jahrelange übung auch schnelle linien aufs papier werfen kann die "sitzen" und nicht "amateurhaft" sondern geschult wirken.

    An Deiner Haltung fällt mir auf, dass Du Dich viel mehr damit beschäftigst die "Spielregeln" zu verstehen, anstatt sich um "eigenen Kram" zu kümmern. Das ist die Haltung eines Unternehmers/Dienstleisters, nicht so sehr eines Künstlers. Klar, gibt's krasse Typen, die Beides zu verbinden wissen (wie z.B. Dali oder Hirst), aber exhibizionistische (insich)Selbstbezogenheit wiegt bei diesen und allen anderen Künstlern deutlich mehr, würde ich meinen.
    Wenn man hinterher im Job als Dienstleister und nicht als Künstler arbeitet, finde ich diese Haltung nicht verkehrt. Wenn ich eh nur machen will, worauf ich selbst lust habe (ganz gleich ob ich damit großer Künstler werden will oder blos in meiner Freizeit mich selbst entfalte), warum geh ich dann studieren?
    Als Autodidakt braucht man das Studium ja nicht, wenn es einem eh nicht so wichtig ist, was der "Markt" so verlangt.
    Wenn das Studium aber meine "Erstausbildung" ist, einen haufen Geld kostet, und ich bewusst etwas Gewählt habe das ich nicht nur als teures Hobby betreiben will, dann will man auch mal konkretere antworten. Selbst wenn ich Künstler werden wollte, müsste ich wissen wie der Kunstmarkt funktoniert, wie das mit Galeristen läuft, und die man sich sein Leben finanziert. (Zum Kellnern braucht man keine Anleitung, da kommt man auch alleine drauf).

    Natürlich nicht jeder arroganter egoistischer Snob ist auch ein Künstler!
    Der Witz ist, aller Ideale zum trotz: wenn der arrogante egoistische Snob es schafft, im Kunstmarkt anerkannt zu werden, ist er Künstler.
    Wer dagegen ständig an seinen Fähigkeiten zweifelt, kann auch anderen seine Sachen nicht schmackhaft machen.
    Gerade da, wo "Leistung" letztenendes rein subjektiv und emotional bewertet wird, ist es deutlich einfacher mit dem richtigen Selbstbewusstsein und den richtigen Worten andere für sich zu gewinnen. Ganz gut funktioniert das auch, wenn man die Regeln des Zeitgeistes intuitiv erkennt und einfach befolgt.
    (Das kann keiner leugnen, dass es sowohl in der Designszene als auch in der "zeigenössischen Kunst" bestimmte Strömungen existieren, die einen ähnlichen Umgang mit der Themenwahl und den Ausdrucksmitteln gibt. Aber der Zeitgeist spricht auch von Individualismus, und es kratzt am Ego zu erkennen, dass auch wenn die eigene Handschrift individuell und wiedererkennbar ist, es verdammt viele Handschriften gibt die dieser sehr ähnlich ist. Vor allem sind die Vorbilder der Kreativschaffenden doch ebenso offensichtlich, wenn man sie denn kennt.
    Es gibt einfach zwei Typen von Mensch: die einen sagen ganz offen "ich hab mich von X,Y,Z inspirieren lassen", die anderen betonen das Eigene.

    Dazu gibt es seit der Epoche der Romantik das Ideal des "Genies", des Kreativen. Der Stereotyp ist exzentrisch bis geheimnisvoll. (Im Extremfall sogar Schizophren, Bipolar oder gar ADHS). Und wenn man diesem Stereotyp nicht entspricht, kann man immernoch so'n bisschen so tun als ob. ("Ein bisschen Show gehört dazu"... Von Dalí stammt das Zitat: "Wer heutzutage Karriere machen will, muß schon ein bißchen Menschenfresser sein.“)

    (Damit will ich nicht sagen, dass alle "psychisch auffälligen" Künstler Simulanten sind. Aber wenn sich ein bestimmtes Muster im Erscheinungsbild des "Mythos: Künstler" zeigt, ruft das auch immer Nachahmer auf den Teppich, die eine bestimmte exzentrische Weise kopieren, ohne sich Gedanken zu machen ob der Schuss nicht nach Hinten losgehen kann.
    Wobei, ich hab da auch mal gelesen dass psychologische Studien gemacht wurden wo festgestellt wurde, dass Kunst von (angeblich)"psychisch gebeutelten" als Hochwertiger angesehen wurde. Also quasi: zwei Gruppen von Menschen, die gleichen Kunstwerke:
    - eine Gruppe erfährt, der Künstler hätte bestimmte psychische "Krankheiten"
    - die andere Gruppe hatte diese Information nicht

    (fragt sich, ob diese Form des subjektiven Bewertens und des Placeboeffekts wirklich erwünscht ist. Nicht umsonst heißt es, das Kunst eigentlich immer kontrovers sein muss, sonst wär sie keine Kunst)


    Mir geht es sehr ähnlich wie Dir. An einem "keystone" meines Lebens wurde mir ganz intuitiv einiges von dem Obenbeschriebenem bewusst (auch wenn damals ich's nicht so beschreiben könnte) und seitdem "recycle" ich meine künstlerische Ambitionen als Illustrator. Auch wenn meine Umgebung mich für nen "Künstler" hält, das Wissen um die Unterschiede bewährt mich vor Blockaden und Lebenskrisen.
    Dann kennst du mein Problem anscheinend auch sehr gut
    Aber wie streif ich das Künstlerding denn jetzt ab und kann einfach Illustrationen machen, ohne diese ganze Künstlergeschichtserwartungsw iderspruchsbildungsanspruchs-Wurst mit jedem Strich aufs Papier zu zeichnen?

    (Manchmal glaub ich dass ich im Sprachausdruck deutlich kreativer bin als in meiner Bildsprache)

    Beim zeichnen bin ich nie nur mit dem Gedanken im Bild, ausser ich bin an den Punkt gelangt in diesen Flow reinzukommen. Aber der bedarf auch etwas Vorplanung und kommt dann einfach so. Wenn nicht mein Hirn ständig diesen Frust wieder auspackt.

    (Wie gesagt: Was ich begreifen und einordnen kann, da kann ich Lösungen für finden. Manche würden den vorgang "rationalisieren" nennen. Aber solange mein Hirn mich ständig an irgendwelche Widersprüche erinnert, das Thema so "bedeutungsoffen" vor mir liegt, und ich mich dann schon ziemlich zwingen muss "fünf gerade sein zu lassen", solange bleibt das Thema in meinem Kopf. Das heißt: wenn ich was anderes mache, ist es auch weg. Aber sobald ich irgendwas zeichnerisches kreatives machen soll, komm ich wieder zu dem Thema und Dreh mich im Kreis. Ich krieg die Haltung "alle doof ausser mutti" einfach nicht hin, auch wenn das die gesündeste und normalste Einstellung wäre, wenn man ganz bewusst und subjektiv sich den Papierkorb schnappen könnte und da alles reinwerfen kann, was mich im Kopf blockiert.
    ...na...irgendwas hat mich ja auch ins ADHS-Forum getrieben, auch wenn ich keine Diagnose habe, mein Verhalten teilweise Parallelen zum AD(H)S-Problem aufweist, auch wenn ich bei mir auch vermute, dass es bei mir an was anderem liegen könnte.)

    Ich hoffe Du wirst mir meiner Offenheit nicht böse.
    Wie gesagt: bin ich nicht. Diskussionen sind wichtig, auch kontroverse (wobei sie ja nicht wirklich kontrovers ist).
    Besser als wenn ich still und leise versuche, die dinge für mich zu lösen und mich in alle möglichen Richtungen aufmache, ein vermutlich einfaches und banales problem zu lösen. Ich sag ja: psychologie, soziologie, kunstgeschichte, kunstkritik, philosophie, kommunikationswissenschaften und blabla.

    Beim Versuch dieses Problem zu lösen bin ich deutlich kreativer und vielseitiger als bei meiner eigentlichen Aufgabe. (vielleicht hätte ich Philosophie studieren sollen... haha... dann würd ich vermutlich auch zeichnerisch mehr drauf haben)


    PS. Und gegen kreativen Blockaden kenne ich ein 100% wirksames Mittelchen: Zeichne/Male! Jeden Tag steck mal Deinen Finger in ein (Wörter)buch und nimm Dir genau 30min Zeit um ein Bild zu malen, das Dir dazu einfällt. Es muss nicht fertig werden, es ist nur Übung!
    Gugg mal hier: Kreatych Genial gell?!
    Sollte ich machen, dann wird das Zeichnen wieder "normaler" und hat auch wieder mehr mit mir und meinem Alltag zu tun.

    (Wenn ich mit Freunden über das PRoblem rede, sagen die mir immer: "Aber du bist nicht mehr im Studium. Jetzt kannst du machen was du willst und musst dich nicht mehr danach richten")

    PPS
    Da sehe ich genau den Punkt, wo man nen Unternehmer, der sich gegen Konkurrenten abschottet von nem Künstler unterscheidet. Ist klar, dem Künstler isses egal ob die "breite Masse" ihn ablehnt oder nicht. Doch die Verwalter des "Kulturbetriebs" scheinen sich für Priester zu halten, die als einzige zwischen dem "Kunstgott" und dem Pöbel da unten vemitteln dürfen. Ist übrigens in Deutschland besonders pervers ausgeprägt, weil da auch sehr viel mit Staatskohle gezüchtet wird. Wo Staatskohle drin ist, isses immer langweilig, korrupt und mittelgrau.
    Wir zitieren uns da immer so'n bisschen gegenseitig, kann das sein ?
    Wobei ich es weniger drastisch formulieren würde: Das was da im stillen Kämmerlein mit Staatsfinanzierung entsteht, entspricht irgendwelchen bildungsbürgerlichen Idealen, zu denen man als Otto-Normalverbraucher nicht immer einen Zugang findet.
    (Zählt nicht für die Rundfunkgebühr, da trifft deine Formulierung)

    Ist halt irgendwo auch so ein Statusding. Kunst = Bildungsbürgerliches Ideal (ungleich: Demokratisches Ideal, trotz der vielen tollen poststrukturalistischen Theorien)


    ---

    Ist http://www.kreatych.de/ ein Projekt von dir?

    Ich kannte ein ähnliches Konzept aus den Internetforen damals, wo ich rumhing. Da gab es dann auch eine tägliche oder wöchtentliche kleine Aufgabe dieser Art und es wurde gesammelt. Also auch so eher so halb absurde Wortzusammenwürfelungen. Hab da zwar nur zwei Bilder gemacht, aber eins davon auch in meiner Bewerbungsmappe gepackt.
    (Frage an mich selbst: warum hat der lockere Umgang da geklappt? Naja, war halt spaß, und nicht ernst >_> )
    Geändert von tasseKaffee (27.04.2015 um 00:32 Uhr)

  10. #20
    Ist hier zuhause

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    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: freiberufliche Tätigkeit und der Nebel im Kopf steigt

    Sorry, mir ist es ein bisschen zu lang, aber wieso meinst du dich zwischen "Alt-akademischer Kunst" und moderner Kunst entscheiden zu müssen? Solange du keine konkreten Auftragswerke machst, ist es doch rein deine Sache.

    Hast du eine Gruppe oder Gemeinschaft der du dich anschliessen kannst? Meist bringt das ja neben einem gewissen Selbstbewusstsein und Sicherheit auch viel in Sachen konstruktiver Kritik. (Und man wird auch vom theoretisieren der Theorie etwas abgehalten

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