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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 3

    Bin ich ein Idiot? Und wenn ja, welches Gegenmittel gibt es?

    Scherz bei Seite. Ich studiere seit Herbst letzten Jahres das erste Semester Chemie. Mir wurde im Alter von sech Jahren eine Verdachtsdiagnose auf ADS gestellt, ich bin dem aber nie näher nachgegangen.

    In der ersten Klasse fiel ich durch Schweigsamkeit und Selbstversunkenheit auf. Wurde in der Gruppe diskutiert, saß ich nur still da und widmete mich meinen eigenen Gedanken. Der Arzt, der die Verdachtsdiagnose stellte, war eher genervt von mir, denn ich interessierte mich weniger für seine Fragen, als viel mehr für die interessanten Gegenstände im Zimmer. Zugegeben, es war fünf Uhr nachmittags, war zuvor unausgeschlafen und es war nur ein Besuch... aber der Arzt war sich ziemlich sicher. Das Problem ist hier allerdings multikausal. Ich besitze extrem unterentwickeltes Hodengewebe, sowie ein shwach ausgeprägtes Geschlechtsorgan. Zwar bin ich zum Orgasmus fähig, aber nicht zur Produktion von Testosteron oder Sperma. Daher bin ich seit meinem 14. Lebensjahr auf monatliche Testosterongaben angwiesen.

    Ungeachtet dessen, besaß (und besitze) ich die Fähigkeit, mich stundenlang auf die Dinge und Probleme zu konzentrieren, die mich interessieren. Mit sechs habe ich mir das lesen sebst beigebracht und habe diese Fähigkeit sogleich genutzt, um die Credits am Ende aller Disneyfilme komplett zu lesen. Ich besaß schon immer ein ausgezeichnetes Faktengedächtnis- mit elf Jahren konnte ich alle Hauptstädte der Welt auswendig, beherrschte mehr Englisch als alle alle anderen in meiner Klasse zusammen und war stolz darauf zu als einziger zu wissen, was ein Velociraptor ist. Ich verbrachte auch einen nicht zu verachtenden Teil meiner Kindheit hockend im Gebüsch, beim Umdrehen von Steinen, um die darunter liegende Insektenwelt zu erforschen.

    Mein Hang, mich meinen eigenen Gedanken mehr als mit der Außenwelt zu widmen, hat mir den Ruf eingebracht, ein "zerstreuter Professor" zu sein.Das Karatetraining ab sechs Jahren hat mir sehr geholfen. Ich erhielt 2005 sogar bei der Deutschen Meisterschaft in Kata Einzel den ersten Platz, ebenso auf der Süddeutschen Meisterschaft für Shotokan Karate 2006. Seit vier Jahren habe ich allerdings aus Zeitgründen (Oberstufe) mit dem Karate aufgehört und nun steht mir das Studium im Weg, wieder anzufangen. Ich vermisse den Fokus und die abendliche Erschöpfung, die einem das Karatetraining gibt. Ich besitze momentan den ersten Blaugurt und will endlich den Braunen. Aber der Tag hat nur 24 Stunden.


    Ich besaß shon immer große Freude an Naturwissenschaften, doch in der Mathematik schrieb ich zunächst nur im 3 er Bereich, ab der Mittelstufe dann im 2 er (10-11 Punkte). In Physik, Chemie und Biologie war ich seltsamerweise immer besser als in Mathe.Im Bio Leistungskurs (ich will mich später auf Biochemie spezialisieren) gehörte ich zu den besten und aktivsten Schülern der Klasse. Ich bereue es allerdings heute, nicht den Chemieleistungskurs gemacht zu haben- vielleicht fiele mir Stöchiometrie dann leichter.

    In der Schule habe ich nie wirklich systematisch gelernt (Karteikarten etc.). Es war mir ein Leichtes, große Faktenmengen in kurzer Zeit aufzunehmen, aber da dann auch schon die nächste Klausur anstand, habe ich vieles vergessen. Ich habe übrigens ein sehr gutes Abitur geschrieben- Durchschnitt 1,3. In den Sprachen und Geisteswissenschaften konnte ich am Meisten Punkten, da ich sehr redegewandt bin, Sprache und Grammatik in wenigen Wochen voll beherrsche und geschichtliche, sowie politische Zusammnhänge schnell verstehe. Ich habe kein naturwissenschaftliches Fach abgewält. Allerdings litt ich sehr unter dem Physikunterricht von 16.30 Uhr bis 18 Uhr. Ich habe letztlich mit 11 Punkten abgeschlossen. Bio-Lesitungskurs ebenfalls mit 11-12 Punkten, Chemie sogar mit 15 (wobei ich zugeben muss, dass der Lehrer nicht gerade der Anspuchsvollste war).

    Ehe man mir empfiehlt, eine Geisteswissenschaft zu studieren- hier liegen nicht meine Leidenschaften. Klar, ich interessiere ich sehr für Geschichte und Archäologie, aber mein Traum war es immer, in einem Labor zu stehen und zu forschen. Vor Allem die Biochemie hat es mir angetan. Ich habe vor, einen Doktor zu machen und zukünftig in der Wirkstoffentwicklung tätig zu sein.

    Ich habe mit 19 meinen Führerschein gemacht, hatte aber immer Probleme, mich längere Zeit um auf etwas anderes als meine eigenen Gedanken zu konzentrieren. Ich bevorzuge es, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In der Fahrschule kam ich mir regelmäßig so bescheuert vor, Zunächt hatte ioch Angst vor hohen Geschwindigkeiten, dann konnte ich kaum denken, wenn ich unter Stress stand.

    Nun zu meinem eigentlichen Problem. Ich studiere momentan im ersten Semester Chemie. Das Studium ist extrem zeitaufwändig und es fällt mir schwer, mich richtig zu organisieren und zu disziplinieren, obwohl ich noch zu Hause lebe. Ich tendiere dazu, im Internet mehr als nur Recherche zu machen und surfe gerne. Wenn ich abends um sechs Uhr vom Laborpraktikum komme, möchte ich einfach nur entspannen und verschiebe das Ordnen meiner Unterlagen auf den nächsten Tag... nur um am Ende in Hektik zu verfallen, weil ich noch ein Vortestat ausfüllen muss. Meine Notizen sind eher unordentlich.

    Gerade diese Woche ist mir etwas Schreckliches passiert. Ich habe vergessen, ein korrigiertes Protokoll von meinem Tutor abzuholen. Glücklicherweise hat er ein Auge zugedrückt und mir und meiner Gruppe erlaubt, das Protokoll eine Woche später abzugeben. Nun hasst mich meine Gruppe (drei Personen) und rollt über meine Vergesslichkeit/Unordentlichkeit verärgert die Augen. Einer war dann passiv-aggresiv und sagte : "Schau nicht auf mein Messprotokoll, das stört". Als dann ein anderes Gruppenmitglied längere Zeit ohne Zurechtweisung und in der selben Weise wie ich auf das Blatt schaute, sagte ich zu ihr im ironischen Ton: "Schau nicht hin, das stört ihn". Er gab mir dann zu verstehen, dass ich das Fass nicht zum Überlaufen bringen sollte. Ich schwieg daraufhin.

    Lineare Algebra und Analysis bereiten mir große Probleme, weil ich in der mathematischen Sprache und im Rechnen eher unbeholfen bin. Es ist seltsam, dass ich für diese Sprache so lange braiche. Mich längere Zet hinter ein Mathenuch zu klemmen, ödet mich an. Ich habe das starke Gefühl, dass ich nun für meine angeborene Gedankenversunkenheit und mein Bulimielernen bestraft werde. Ich möchte mich bessern, aber ständig prasseln neue Vortestate, Protokolle und Powepoint-Präsentationen auf mich ein. Gerade die EDV Aufgaben waren zeitrauben und lästig. Ich habe ständig das Gefühl, hintereherzuhinken, lernen zu wollen, aber letztlich zu scheitern. Und dann noch diese Frustration, wieder mit Karate beginnen zu wollen, aber es nicht zu können, weil mir die Energie fehlt. Ein gesteigertes Konzentrationsvermögen erreiche ich sonst nur über Kaffee- dringend notwendig, denn aufgrund des ganzen Lernens gehe ich recht spät ins Bett (6.30 Stunden Schlaf sind die Regel).

    Ich fühle mich so entsetzlich dumm. Im naturwissenschaftlichen Unterricht in der Schule habe ich mich nie so gefühlt- nun fühle ich mich allen Mathe- und Chemieleistungskurslern hoffnungslos unterlegen. Dabei möchte ich Chemie studieren und meinem jüngeren Bruider eine Hilfe sein, der bald ebenfalls in die Oberstufe kommt.

    Ich brauche Tipps zur Organisation und Zeitmanagement. Ich will auch wissen, wie ich mein verdammtes Geirn dazu bringen kann, mich auf die äußere Welt und nicht auf die innere zu konzentrieren. Ich will endlich aufmerksam und diszipliniert sein. Ich habe auch dieses scheinbar unüberwindliche Problem mit der Mathematik.

    Was sind eure Vorschläge?
    Geändert von Cogito (29.01.2015 um 21:23 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.965

    AW: Bin ich ein Idiot? Und wenn ja, welches Gegenmittel gibt es?

    Dumm? Wenn ich das so lese, fällt mir dazu alles andere als dumm ein ... Du bist es bloss gewöhnt, vieles im "Vorbeigehen" zu erfassen. - Ich fürchte, ich muss jetzt erst einmal verdauen, mich selbst nicht für dumm zu halten.

    Ich weiss, dir steht das Wasser gerade etwas bis zum Hals, aber was hälst du davon, das Pferd von vorne aufzuzäumen und der Verdachtsdiagnose von damals nachzugehen? Das wäre eigentlich der vernünftige Weg, denn wenn die Diagnose steht, dann weisst du, woran du bist und dir stehen die Möglichkeiten zur Therapie offen. Sicherlich könntest du jetzt schon Flickschustern, aber es heisst ja nicht, dass die Verdachtsdiagnose von damals sich wirklich bewahrheitet - vielleicht steckt auch etwas anderes dahinter , denn immerhin besteht eine Möglichkeit, dass es so sein könnte. Nicht alles, was nach AD(H)S aussieht, muss es am Ende auch sein.

    Bis dahin könntest du schauen, ob du hilfreiche Tipps zur Organisation und zum Zeitmanagement hier abgreifen könntest. Da können sicherlich die anderen Studenten hier oder auch die Ehemaligen ein Lied davon singen. Sollte sich die Sache mit dem AD(H)S allerdings bestätigen, wird es nicht leicht sein, da die Prokrastination eben ein grosses Thema ist. Da hilft am Ende nur ausprobieren, was bei dir greift und was für dich ein gangbarer Weg ist.

    Für diagnostizierte AD(H)Sler gibt es aber wohl auch im Studium eine Art Nachteilsausgleich. Irgendwo gibt es dazu auch schon einen Thread.

  3. #3
    wali_karimya

    Gast

    AW: Bin ich ein Idiot? Und wenn ja, welches Gegenmittel gibt es?

    uiiiii.......... eine herausfordernde Aufgabenstellung....

    ja, was soll ich sagen... je mehr ich mich unter Druck und Zwang setzte, desto chaotischer wurde ich, dümmer fühlte ich mich und nervöser zappelte ich durchs Leben. Ich brauchte die letzten vielen Monate (tschuldige, aber ich will ehrlich sein...) um überhaupt ein wenig "runter" zu kommen, von all dem Stress. Immer nur Leistung, Power......mehr, MEHR!!!
    "Das ist nicht genug, streng dich mehr an. Sieh doch, die anderen können das alle besser als du... " Solche und andere innere Antreiber führen (oder führten bei mir) zum geistigen Bankrott.

    Ruhe. Fokus. Abstriche machen. Cool down. Was M U S S nicht U N BEDINGT sein... keine Ahnung. Atmen. "auch mal drauf sch**ßen". Mal alles liegen und stehn lassen.

    Nen neuen Plan aufstellen.
    HA!! Darin bin ich gut. Pläne schmieden. Ja gerne. Da bin ich noch voller Motivation dabei... aber sobald das in die Routine übergehen soll....uhhh...keine Chance.

    Ich hab ein Buch über das "Aufräumen und Ausmisten" gelesen. Dort steht unter anderem, dass man Dinge, die man sowieso tun muss, gleich machen/erledigen kann. Warum warten? Worauf? Dass ich mich in zwei, drei Tagen noch immer darüber ärgere (insgeheim... is ja nie so richtig im Bewusstsein), dass es noch nicht gemacht ist.
    Die Energie, die beim Aufschieben verpufft, kostet dich den allerletzten Nerv.
    Machen, wo man sowieso nicht drumherum kommt.
    Gleich.
    Oder halt von der Liste streichen und auf "egal, wurscht, muss auch ohne gehen" verschieben . Aber dann muss man das wirklich in den Mistkübel schmeißen und "vergessen". Sonst nervt es ja doch nur innerlich... und man kann nicht schlafen.

    Also.
    Liste machen.
    Täglich.

    Prioritäten setzen

    Nummerieren

    Liste nacheinander abarbeiten.


    Weiß nicht, ob du was davon hältst.
    Find ich halt mühsam.
    Außerdem bin ich dann doch manchmal faul. Dann schreib ich am Vorabend doch keine Liste mehr (damit bereite ich mich geistig auf den nächsten Tag vor- ich brauch das) und dann is alles irgendwie chaotisch,.. ungeplant... unwirklich...

    Ich verwende für meine Listen viiiiiele verschiedene Farben der Größe A4.
    Jeden Tag irgendeine andere Farbe. Find ich irgendwie nett.

    Gaaanz extrem wichtige Dinge (aber das darf nur seehr vereinzelt vorkommen) schreib ich (wenn es sich nur um ein extreeeem wichtiges Detail handelt) alleine (und riesengroß) auf ein A4 Papier und stopf es mir zuoberst in den Rucksack (bzw. leg es mir auf den Schreibtisch (der ansonsten am Vorabend leergeräumt wurde) um es gleich als erstes in der Früh zu sehen), sodass es nicht heißen kann: "Aus den Augen- aus dem Sinn" (is ein heißes Thema bei mir)...

    Äh. So. Aus... brabbel...brabbel...
    hoff, irgendwas hat dir a bissl was gebracht. lg

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