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Diskutiere im Thema Selbstständig mit AHDS, ein Wunschtraum oder realistisch? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    p@x


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 27

    Selbstständig mit AHDS, ein Wunschtraum oder realistisch?

    Hallo,

    Wer keine Lust auf die Vorgeschichte hat, kann einfach runterscrollen zu "Worum es eigentlich geht"
    Durch mein extremes Mitteilungsbedürfnis werden die meisten meiner Themen sehr lang, aber das Gefühl kennt ihr ja sicher... ich bemühe mich um einen angenehmen Schreibstil und ne gute Strukturierung, dann wird das schon xD

    Vorgeschichte:

    ich bin seit mehreren Jahren schon darüber am nachdenken, was später mal aus mir werden soll.

    Ich werde definitiv niemals in irgendeiner Firma 'alt werden'. Unter Berücksichtigung meines Berufs als Programmierer ist das im Grunde kein Problem, da man gut daran tut, spätestens alle 5 Jahre den Job zu wechseln weil a.) dann die Gehaltserhöhungen in der aktuellen Firma meist stagnieren/wegfallen/sehr gering sind und b.) man fachlich stagniert.
    Das Problem was ich eher sehe ist, dass es für mich schon EXTREM schwer ist, überhaupt mal einen Job zu finden, den ich länger als ein paar Monate durchhalte.
    Wenn ich mir nun überlege, ich müsste noch mindestens 6 Mal im Leben einen Volltreffer landen wo ich wirklich ein paar Jahre bleiben kann, wird mir klar, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist.

    Ich habe nun in den letzten Jahren mehrere eigene Kunden gehabt, denen ich verschiedene Dienstleistungen verkauft habe, meistens handelte es sich um Websites für Kleinunternehmer, aber ab und zu auch kleinere Programmierprojekte. (Das zum kommerziellen, ich habe auch diverse erfolgreiche unkommerzielle Community-Projekte laufen)
    Noch dazu habe ich sehr gute Fähigkeiten was Konzepte entwerfen angeht, effiziente Arbeitsabläufe entwickeln usw. und ich kann 'dem kleinen Mann' extrem gut Themen der IT vermitteln, also Alles so erklären, dass es auch ein Höhlenmensch verstehen würde (2 meiner Kunden sind über 60 und sehr zufrieden mit mir).

    Ein andere User hier im Forum hat geschrieben:
    Oft umschreibe ich AD(H)Sler als geniale Problemlöser und Analytiker, die aber nicht in der Lage sind Strukturen selbst zu leben. Ein scheinbarer Gegensatz.
    Und hier sehe ich (Ausschließlich in dieser Thematik, privat bleibt das Chaos) den Vorteil dass ich wesentlich weniger Probleme damit habe es auch zu leben, weil da noch mein Kollege mit drin hängt, ich KANN einfach nicht sinnvoll arbeiten, wenn ich die Konzepte nicht auch verfolge, die ich entwerfe (bzgl. Arbeitsabläufe z.B.) und an die er sich strikt hält, das ganze Ding an sich würde also dann keinen Sinn mehr ergeben. Es werden auch keinerlei Ausnahmen gemacht, was einmal festgelegt wurde, ist erstmal so, oder wird nur noch geringfügig und sinnvoll angepasst, und wir halten uns dann beide dran.

    Programmieren habe ich mir selbst beigebracht, danach erst eine Ausbildung gemacht, allerdings im falschen Fachbereich (Netzwerklastiger, weniger Coding), trotzdem bekomme ich heute nach einem Vorstellungsgespräch im Bereich Coding in 99% der Fälle den Job angeboten.

    Seit 3 Jahren stelle ich in einem größeren Forum zusammen mit einem Freund die Leitung, d.h. wir schmeißen den Laden, bezahlen die Server, programmieren Erweiterungen, managen das Team usw., bei uns läuft im Background eig. alles genau so professionell (Software, Abläufe, Support, Infrastruktur etc.) wie in größeren IT-Firmen ab, das einzige was anders ist: wir verdienen damit kein Geld (ist momentan auch nicht unser Ziel).

    Aus rechtlichen Gründen (fürs Forum kann man Spenden und bekommt als Dankeschön einen Rang, der Staat meint das sei eine gewerbliche Tätigkeit blah, blah) hat der Kollege Anfang dieses Jahres ein Gewerbe angemeldet, ich werde nun im Januar nachziehen und es wird eine GbR draus (Verträge sind auch schon fertig, Buchhaltung macht Jemand aus meinem Bekanntenkreis für uns, Steuerkrams und Verträge macht mein Anwalt).

    Worum es eigentlich geht:

    Wir haben vor, neben dem Forum auch eine neue Form des Webhostings anzubieten (dazu kann ich selbstverständlich keine näheren Angaben machen, Ideenklau und so xD), die ersten Kunden sind auch schon da, und wir wollen das erstmal nebenbei machen und gehen noch regulär arbeiten bzw. der noch sehr junge (20) Kollege fängt nächstes Jahr seine Ausbildung (natürlich als Programmierer an).

    Ich möchte aber in spätestens 4 Jahren (wenn der Kollege mit der Ausbildung fertig ist, so viel Zeit muss sein) davon leben können, was natürlich bedeutet entsprechend viel Geld einzunehmen, Arbeit, Zeit und Elan da kontinuierlich (und da sehe ich noch einige Probleme) rein zu stecken.

    Frage:

    Sind hier vielleicht Menschen mit ADHS, die sich in der Vergangenheit erfolgreich selbstständig gemacht haben ohne ihre Firma an die Wand zu fahren (denn das ist ja meine Angst), und die mir Tipps geben können, wo es Engpässe geben kann und was man unbedingt vermeiden/beachten sollte?
    (am besten wären natürlich Leute ausm IT-Bereich, ist aber kein Muss, ich freue mich über JEDEN Tipp diesbezüglich)

    Anmerkungen/Gedanken:

    In meinen Augen ist die Selbstständigkeit der einzig mögliche Weg für einen Menschen mit ADHS berufliche Erfüllung zu finden, ich habe wirklich LANGE darüber nachgedacht, es ist für unsereins ein ENORMER Unterschied, ob da jetzt 'oben' einer sitzt und einen rumdirigiert, oder ob man es für sich selbst macht.
    Denn selbst bei langweiligen Rotzaufgaben denke ich mir dann immernoch "du tust das für DICH, für deine ZUKUNFT, tust du es nicht, kann das extreme Auswirkungen auf dein späteres Leben haben", als Angestellter denke ich nur "och, wenn das so weiter läuft, musst wieder 20 Bewerbungen schreiben und zum Amt rennen".

    Des Weiteren kann ich mir in meinem Beruf dann tatsächlich die Zeiten so einteilen, dass wenn ich mal wieder die Konzentration verliere, einfach aufhöre zu arbeiten, den Kunden juckt es nicht, ob ich das Programm nun Nachts oder Tags oder um 10 oder um 15 Uhr programmiert habe, Hauptsache der Abgabetermin wird eingehalten. Und allein bin ich glücklicherweise auch nicht, so dass mein Kollege dann im absoluten Notfall auch einspringen könnte, ohne gleich die Gesellschaft danach aufzulösen (Vergleich --> Kündigung wegen 'Faulheit' oder 'Lahmheit').

    Ich glaube auch, dass ich 'Angst' davor habe, von irgendwas oder wem abhängig zu sein, ich HASSE Abhängigkeit schon immer, es graust mich schon, nur daran zu denken, dass man mich einfach auf die Strasse setzen und mir mein Leben versauen kann, und ich absolut NICHTS dagegen unternehmen kann, wenn es nur gut genug begründet wird. Bah...

    Klar, als Dienstleister ist man auch vom Kunden 'abhängig', allerdings sieht der einen mit ganz anderen Augen, und die Abhängigkeit, grade im IT-Bereich, ist meist nicht so einseitig wie ein Angestelltenverhältnis, zumal ich in meinem Fachgebiet auch nicht nur einen Kunden haben werde.
    Geändert von p@x (24.11.2014 um 03:55 Uhr)

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 268

    AW: Selbstständig mit AHDS, ein Wunschtraum oder realistisch?

    Wenn ich meine Selbständigkeit wieder auf Start zurücksetzen könnte, dann würde ich darauf achten, von Anfang an so viel wie möglich von dem zu delegieren, was nicht zur Kerntätigkeit gehört. Das Blödeste was ich tun konnte war zu glauben, ich müsse erst genug Geld verdient haben, um dann irgendwen einstellen zu können. Dadurch habe ich nämlich so viel Chaos aufgebaut, dass es jetzt schwer ist, das wieder in den Griff zu bekommen und dadurch konnte ich auch nicht das nötige Geld verdienen.

    Ich würde diesmal lieber einen Kredit aufnehmen um von Beginn an jemanden einstellen zu können.

    Außerdem würde ich, wenn ich alles wieder auf Start schieben könnte auch von Anfang an darauf achten, mir feste Gewohnheiten anzutrainieren und die Strukturen und Arbeitsabläufe organisieren, BEVOR ich loslege, nicht erst während dessen. Nicht zu letzt würde ich dieses Mal den Rat ernst nehmen, dass es besser ist erst einmal irgendwo in Anstellung zu lernen, wie das alles so geht, bevor ich selbst loslege.

    Also grundsätzlich glaube ich schon, dass es mit einer Selbständigkeit klappen kann, wenn Du es schaffst es so zu organisiern, dass die ADHS-typischen Defizite kompensiert werden. Mir ist das bislang leider nicht gelungen.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Selbstständig mit AHDS, ein Wunschtraum oder realistisch?

    Ich kann Gianna absolut zustimmen!
    Das erste Mal als ich mich selbstständig machte, hatte ich unheimliche Probleme Dinge aus der Hand zu geben und dachte ich müsste alles selber machen. Ebenfalls dachte ich auch, dass ich wenn ich irgendwann genug Geld verdient habe, jemanden für gewisse Tätigkeiten einstellen kann. Nur bis zu diesem Punkt ist es leider nicht gekommen, da auch ich im Chaos untergegangen bin und ganz einfach den Überblick verloren hab

    Vor ca. einem halben Jahr hab ich mich noch einmal gewagt ein Unternehmen zu gründen (dieses Mal aber vorerst nebenberuflich) und habe von Anfang an Leute aus verschiedenen Bereichen mit ins Boot geholt und kann mich so heute schon auf die Dinge konzentrieren, die mir liegen. Also der Kreative Part, Strategien, Visionen, Ideen, Prozesse entwickeln etc.
    Es ist zwar noch nicht so weit, dass wir von Leben können, aber ich empfinde es als "erfolgreich" für mich, da ich die Arbeit gut in den Alltag integrieren kann, ohne dass es zur Belastung wird.
    Es ist einfach wesentlich entspannter, wenn man gewisse Aufgaben teilen kann, bzw. sich mit den Dingen auseinandersetzen kann, die einem liegen und Spaß machen.
    Ich erstelle ebenfalls die Konzepte und Prozesspläne und versuche alles so gut zu durchdenken, dass wenn ich Arbeiten "delegiere" die gleiche Qualität rauskommt, wie wenn ich es selbst erledige.

    Durch das delegieren der Arbeit schaffe ich mir selbst einen enormen Freiraum und kann mich auf einzelne Dinge konzentrieren. Wir arbeiten beispielsweise mit einem "gemeinsamen Kalender" in den ich alles eintrage was zu erledigen ist und Namen auswählen kann, wer sich bitte um was kümmert. (kleiner Tipp um nicht den Überblick zu verlieren)

    Zum Thema Abhängigkeit:
    Abhängig von einem Arbeitgeber zu sein ist grausam, absolut!
    Nur musst du aufpassen, dass du dieses "Abhängigkeitsgefühl" nicht mitnimmst. Es kann schon schnell ein gewisser Druck entstehen, wenn du mit Kunden zusammenarbeitest. Und wenn du dir dein "Baby" aufgebaut hast und überzeugt von bist, kann es schnell passieren, dass man Kritik sehr persönlich nimmt. (das war eins meiner Probleme, weshalb ich die Kundenbetreuung ebenfalls von jemand anderen erledigen lasse)

    Jetzt denkst du dir bestimmt: "wie soll ich die Leute bezahlen?"
    Das Problem hatte ich auch, aber habe mich entschlossen lieber von Anfang an, Anteile abzugeben und mit einer Hand voll Leuten eine GbR zu gründen. Ich bereue die Entscheidung bis heute nicht und es fühlt sich absolut richtig an im Vergleich zu meinem ersten Versuch.

    Jetzt ist natürlich noch die Frage, ob du Selbstständig sein möchtest, oder Unternehmer. Weil da gibt es gravierende Unterschiede.
    Also möchtest du quasi als Fachkraft selbstständig dein Geld verdienen? Oder möchtest du ein Unternehmen gründen, dass mit deiner Geschäftsidee Gewinne generiert?
    Der Unterschied ist, dass man in der Selbstständigkeit (wie mein erster Versuch) schnell zum "Gefangenen" seiner eigenen Selbstständigkeit mit den dazugehörigen Routinen und Verpflichtungen werden kann.
    Als Unternehmer versuchst du hingegen etwas zu erschaffen, das im Prinzip ohne dich läuft und in das du dich mit deinen Fähigkeiten und Interessen einbringen kannst. (was meiner aktuellen Unternehmung entspricht und für mein Empfinden angenehmer ist) -Die nächsten Projekte sind schon in Planung und werden jetzt nach und nach umgesetzt

    Mach dir einfach mal Gedanken dazu, damit du auch von Anfang an den richtigen Weg für dich einschlägst (das musst du natürlich ganz für dich entscheiden)

    Ansonsten: viel lesen, viel lernen (ich kann dir zu gewissen Themen gute Bücher empfehlen, die mir die richtigen Denkanstöße gegeben haben)

    Ich hoffe, dass ich dir vielleicht ein oder zwei interessante Gedankenanstöße gegeben hab

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