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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 5

    Kennt ihr das, in jedem Job zu scheitern?

    Liebe Community,

    ich bin sehr, sehr verzweifelt, weil ich in jedem Job scheitere!
    Ich habe schon verschiedenes ausprobiert, aber ich konnte nie etwas recht machen. Entweder bin ich zu langsam, zu vergesslich, nicht flexibel genug, zu introvertiert, nicht clever genug...
    Auf dem ersten Arbeitsmarkt habe ich wohl definitiv keine Chance.
    Auch ein Grund, warum ich glaube, eine ADSlerin zu sein.

    Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht, die ich nur unter größten Schwierigkeiten geschafft habe. Im theoretischen Teil, also Berufsschule, hatte ich sehr gute Leistungen, aber in der Praxis war ich eine Niete!
    Anschließend arbeitete ich als Telefonistin, aber der Job war sehr monoton und ich kündigte nach ein paar Jahren.
    Ich versuchte mich wieder im kaufmännischen Bereich, aber alles endete in einer Katastrophe. Ein Personalchef meinte mal, ich solle überlegen, vielleicht besser nur Hausfrau und Mutter zu werden.
    So wurde mir viermal innerhalb weniger Jahre gekündigt!

    Später war ich in einer Begegnungsstätte für Senioren tätig, wo ich überwiegend in der Küche arbeitete und putzte.
    Es war eine Maßnahme vom Jobcenter und somit zweiter Arbeitsmarkt. Dort fiel ich mit meiner Langsamkeit auf, so dass eine Kollegin fast handgreiflich geworden wäre.
    Ich machte einen 1 Euro Job in einer Bibliothek, wo ich mit manchen Arbeiten auch Schwierigkeiten hatte. Vor allem, wenn in den Regalen Bücher umgeräumt werden mussten. Da verlor ich schnell den Überblick, wie ich wieder eine sinnvolle Reihenfolge in der Anordnung der Bücher hinbekomme.

    In Zeiten von Arbeitslosigkeit putzte in einem Büro und privaten Haushalten, aber nur einmal war man mit mir zufrieden. Ich schaffte es meistens auch nie in der dafür vorgegebenen Zeit.

    Vor zwei Jahren arbeitete ich als Präsenzkraft in einem Altenheim. Dieser Job war auf ein halbes Jahr befristet und das Gehalt wurde zu 75% vom Jobcenter gezahlt.
    Ich verrichtete dort hauswirtschaftliche Arbeiten und war zuständig für die Betreuung Demenzkranker.
    Schnell wurde mir vom sozialen Dienst und meiner Teamleiterin deutlich gemacht, dass ich mich ändern müsse. Zum einen fehlte es mir an Durchsetzungsvermögen und Flexibilität im Umgang mit den alten Menschen. Zum anderen arbeitete ich in der Küche zu umständlich und brauchte daher viel mehr Zeit als die Kolleginnen.
    Zuerst wollte man mich nach drei Monaten rauswerfen, doch dann gab man mir noch eine Chance in einem anderen Wohnbereich, wo ich ein bisschen mehr geschätzt wurde. Letztendlich waren aber alle Beteiligten (mich eingeschlossen) froh, als meine Zeit dort auslief. Der Vertrag wurde natürlich nicht verlängert, während die anderen Präsenzkräfte in diesem Altenheim gerne weiterbeschäftigt wurden.

    Die schlimmsten Erfahrungen machte ich in meinem letzten Job als kaufmännische Angestellte in einem Sekretariat.
    Meine Sachbearbeiterin von der Reha-Abteilung im Jobcenter hatte mich ermuntert, es noch mal mit einer Bürotätigkeit zu versuchen.
    Leider wurde es eine Katastrophe. Die mir im Vorstellungsgespräch zugesagte gründliche Einarbeitung blieb aus und ich hatte größte Schwierigkeiten, mich selbständig in dem mir völlig fachfremden Arbeitsgebiet zurechtzufinden.
    Auch als einige Dinge für mich zur Routine geworden waren, konnte ich mich oft nur schwer konzentrieren. Ich arbeitete auch sehr langsam, vor allem, wenn ich Rechnungen prüfen musste. Dabei verlor ich regelmäßig den Überblick oder tippten die falschen Zahlen im Taschenrechner ein. So musste ich alles mehrere Male nachrechnen.
    Der Chef verlor nach einigen Monaten die Geduld mit mir und brüllte mich fast täglich an. Auch da war ich froh, als mir nach 8 Monaten endlich gekündigt wurde.

    Ich habe oft auch Probleme, weil ich sehr wenig Selbstvertrauen habe. Andere spüren das und nutzen es aus.
    Allerdings weiß ich auch, dass ich oft sehr unbeholfen, unselbständig und naiv wirke.
    Eine Bekannte sagte, dass ich wie eine wirke, der man "ein x für ein u vormachen" kann.

    Inzwischen fühle ich mich als totale Versagerin und weiß gar nicht, auf was ich mich noch bewerben soll.
    Ich bin fast 36 und finde einfach keinen für mich passenden Platz im Berufsleben.

    Ist meine "Karriere" typisch für Menschen mit AD(H)S?

    Liebe Grüße
    DarkNovember

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.935

    AW: Kennt ihr das, in jedem Job zu scheitern?

    Vermutich hast du recht, wenn du sagst, du hast deinen Platz noch nicht gefunden. Typisch ist es nicht unbedingt, aber wie es bei allem so ist, bei einem gehts schneller, der andere braucht länger und du bist nicht die Einzige, sei versichert. Schlimm ist das erst einmal nicht wirklich und ich bin mir sicher, dass du keine Vollversagerin bist, auch wenn du dich gerade so fühlst. Sicher gibt es auch einen passenden Platz für dich da draussen.

    So wie es mir scheint haben immer viel die anderen gesagt, was du probieren solltest. - Hast du dich jemals eigentlich selbst gefragt, wo deine Interessen eigentlich liegen und was du gerne machst? Was machst du in deiner Freizeit? Hast du Hobbies? Womit beschäftigst du dich gerne? Sprichst du vielleicht andere Sprachen? Was macht dir Spass? - Dem würde ich mal nachgehen und darauf langsam aufbauen.

    Und sag jetzt nicht: "Nichts!" Das ist dann nur deiner momentanen Stimmung geschuldet. Gib dir ein bisschen Zeit und notier immer mal wieder, was dir einfällt. Wenn du so gar keine Erinnerung hast, dann frag dein Umfeld, Menschen die dich gut kennen, oft kommt da noch eine Anregung. Nicht nachdem, was du beruflich machen sollst, sondern ob sie dir sagen können, ob sie sich erinnern, was dir Spass gemacht, was du gerne gemacht hast, ob sie bei dir Fähigkeiten oder Fertigkeiten erkennen, die nicht jeder hat .....

    Ich drück dich. Lass den Kopf nicht hängen, da unten gibts nichts Schönes zu sehen.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 173

    AW: Kennt ihr das, in jedem Job zu scheitern?

    ich kenn das... ich dachte schön öfter ich wäre nicht "arbeitsgeeignet"...

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 385

    AW: Kennt ihr das, in jedem Job zu scheitern?

    Hallo DarkNovember

    Ich glaube, dir nachfühlen zu können. Mir geht es momentan ganz ähnlich. Du bist natürlich einiges älter als ich und trotzdem, denke ich, dass wir momentan in einer ganz ähnlichen Situation stecken.

    Meine erste Ausbildung war auch im kaufmännischen Bereich! Nun bin ich im sozialen Bereich gelandet. Die Arbeit, die ich jetzt ausführe gefällt mir sehr und ich gehe darin auf. Meine Praxis - Ausbildnerinnen sehen das allerdings nicht so. Fachlich sei ich zwar top doch was Sozial- und Selbstkompetenz anbelange total flop! Deswegen wird mein eigentlich für ein Jahr geplantes Prakti nach einem halben Jahr, sprich im Januar beendet sein!

    Ich weiss nicht was ich dir Raten kann/soll, weil ich selbst nicht weiss wie ich meinen Platz in der Berufswelt finden soll/kann. Aber vielleicht tut es dir schon nur gut zu lesen, dass du mit deinem Problem nicht alleine bist .

    Liebe Grüsse
    Chubasco

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Kennt ihr das, in jedem Job zu scheitern?

    5 erlernte Berufe, in 30 Jahren ungefähr 40 Arbeitsstellen.

    Ja, das kenne ich. Leider.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 36

    AW: Kennt ihr das, in jedem Job zu scheitern?

    Hallo DarkNovember,

    ich habe auch eine Kaufmännische Ausbildung gemacht. Auch nur mit Hängen und Würgen geschafft.
    Ich hatte aber mehr Probleme mit der Berufsschule oder es fiel da mehr auf...?!
    Der Betrieb war eine Chaosfirma, dort hat man also, nicht nur meine Fehler gesehen.

    Aber generell würde ich sagen, dass der Kaufmännische Bereich mir nicht so liegt.
    Konnte nie mehr da richtig Fuß fassen.
    Und Telefongeschichten, Call-Center ist nichts für mich. Hatte große Schwierigkeiten das Kundenanliegen zu verstehen.
    Man muss halt überlegen, welche Tätigkeiten einen Freude machen und wo man relativ gut drin ist.
    Ist nicht ganz so einfach...Aber ich denke ein guter Ansatz.

    Ich bin im Moment auch am Denken, Suchen und Rätzeln in Beruflicher Hinsicht......

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