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Diskutiere im Thema Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ?? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    creatrice schreibt:
    Es gibt keinen Job, der immer den Hyperfokus triggert, der nicht auch mit Stereotypien versehen ist. gerade verantwortungsvolle Berufe erfordern keine Impulsivität und eine konstant gute Arbeitsleistung.
    Das stimmt und Alles in Allem gebe ich Dir mit Deinem Posting auch recht.

    Aber obwohl ich ja selber auch eher zu denen gehöre, die eine ADHS so sehen wie sie ist, nämlich als Beeinträchtigung, so gibt es dennoch auch Berufe, die für ADHS-Betroffene gut geeignet sind.

    Es muss nicht immer der "Hyperfokus" getriggert sein (ich setze den Begriff bewusst in bezug auf ADHS in Anführungszeichen).
    Es kann aber schon gut ausreichen, wenn ein Berufsfeld ausreichend Abwechslung bietet, innerhalb derer man aber auch wieder ruhigere Phasen hat.

    Das kann gut funktionieren.
    Wenn ich mir da so den Job meines Vaters betrachte, (er war Elektroniker in der Entwicklung von Geräten für zerstörungsfreie Prüfmethoden bei Stahl, Rohren etc):
    Das war sowohl die Arbeit am Computer mit Schaltplänen, früher ohne Computer, dann war da die Praxis im Schaltungsaufbau, wenn die Geräte dann fertig waren, wurden sie beim Kunden aufgebaut.
    Dafür war er oftmals auch längerfristig auf Montage im Ausland in vielen Ländern.
    Es musste dort oft improvisiert werden etc.
    Da fielen viele Dinge an, die einen "ADHS-Fokus" triggern können und in denen er gut funktioniert hat.

    Das bedeutet nicht, dass er jetzt aufgrund seiner ADHS besonderes Talent mit Improvisation oder ständigem Wechsel hätte, das können sehr wohl auch Menschen ohne ADHS, aber das sind Voraussetzungen, unter denen er gut funktionieren konnte.
    Da wurden nicht bestimmte, auf ADHS zurückführbare, besondere "Gaben" genutzt, nein, das ist einfach "nur" das richtige ADHS-Management gewesen.

    Viele missverstehen das als "Gabe" oder "besondere Fähigkeiten von ADS-Betroffenen".
    Das ist aber nicht richtig.
    Es ist ein sauberes ADHS-Management, in welchem genau die vorhandenen Beeinträchtigungen funktional kompensiert werden und der ADHS-spezifische Mechanismus korrekt angesprochen wird.
    Aber damals in den 70gern/ 80gern ging das auch noch.
    Heute stehen auch da die Prozessoptimierer mit der Stoppuhr hinter einem und hinter denen stehen die Aktionäre, die auf permanente Gewinnmaximierung aus sind ...

    Zumindest im Beruf hat da einiges funktioniert.
    In anderen Bereichen dagegen hat seine ADHS voll zugeschlagen ...
    Geändert von Fliegerlein (28.11.2014 um 15:30 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  2. #22
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Nur um mal die Tragweite zu erläutern.....

    es gibt einen Arzt mit ADHS, ich halte ihn für genial, er ist einfühlsam, geht vllt auch mal unkonventionelle Wege dem Patienten zum Wohle, auf sein eigenes Risiko. Er ist international bekannt und trägt seinen Teil zur Forschung bei. Was nützt das aber alles, wenn er bei Rezepten ausserhalb der Termine prokrastiniert, das man als Patient mitten in einer aggitierten Depression mit Suizidgedanken ohne Antidepressiva dasteht? Wenn Wichtige Unterlagen verloren gehen, nicht ausgestellt werden? Was nützt es wenn Patienten wegen wiederholter Unzuverlässigkeiten abspringen, in Gefahren geraten, sauer sind, sich Impulsivität und/ oder mangelnde Hilfe aufgrund von mangelndem Interesse/ Dranbleibenkönnen bei Klienten und Kollegen rumsprechen? Was nützt Genialität wenn Arbeitgeber genervt von den Defiziten der ADHS nicht mehr bereit sind diese weiter zu tragen? Wenn die Selbstständigkeit u.U. auch durch diesen Ruf und mangelnde Kompetenzen in Bürokratie gefährdet ist? Die Storys zur Impulsivität lass ich mal aus.......

    Verantwortungsvolle Jobs und Posten für ADHSler die stark betroffen sind, und die nicht auf 0 kompensieren können, ist in meinen Augen ein No-Go, besonders im Interesse aller die mit dran hängen.





    Fliegerlein ich sehe es ja so wie du, mein Vater auch ADHSler war das selbe nur im Abwasserpumpenbereich. Nur in meinen Augen sind es keine typischen ADHS Berufe, da einmal das Interesse für Technik da sein muss, und es auch darauf ankommt, ob man hypo oder hyper ist. Für mich wäre Aussendienst Überforderung pur. Das Interesse für den Job erachte ich als wichtiges Kriterium, nicht die Tätigkeit an sich. Mein Cousin ist absoluter Hyper und im Büro total glücklich, seine Hyperaktivität lebt er in der Freizeit aus.
    Geändert von creatrice (28.11.2014 um 15:32 Uhr)

  3. #23
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Ich stimme Deinem Posting voll und ganz zu .

    Ich selbst habe oft genug im Beruf erlebt, dass ich da nicht hingehöre und es eben doch immer wieder zu Fehlern kam, die sich mit heutigem Wissen sowas von deutlich auf die ADHS zurückführen ließen ...

    Selbst die Fliegerei, in der ich wirklich gut funktioniert habe (das war und ist mein Lebenstraum, ein größeres Interesse als das gibt es in meinem Leben nicht), würde ich mit dem heutigem Wissen eher nicht fortsetzen.
    Obwohl das gar nicht mal so schlecht ist, denn es ist alles sehr strukturiert und es gibt Checklisten gegen die Vergesslichkeit ... ich hab mir daraus auch vieles für mein tägliches Leben abgeschaut.
    Zugegeben, da mag mir auch der ebenfalls vorhandene Asperger eine "Hilfe" sein, obwohl ich auch darüber noch prächtig philosophieren könnte ...

    Aber dennoch ... obwohl mir immer wieder gesagt wurde, dass ich ein zuverlässiger und besonnener Luftfahrzeugführer sei, erinnere ich mich auch an genug Situationen, in denen die ADHS doch durchkam und es ist einfach ein Sch...gefühl, gerade in der Luft zu sein und sich dann zu fragen "Sach ma ... haste eigentlich den Tankdeckel zugeschraubt?)
    Zwar hatte ich das, aber ich wusste es nicht mehr, ich hatte es vergessen und ich hätte auch vergessen haben können, es tatsächlich zu machen.

    Es gab nie eine wirklich kritische Situation und auch in Notfällen konnte ich trotz ADHS und trotz Asperger, aber dank der guten Struktur etc. immer alles richtig machen.
    Aber ich sehe im Nachhinein genug Potential, bei dem ich mir nicht sicher wäre, ob das wirklich auf Dauer und immer so gut gehen würde, obwohl ich wirklich immer auf der, wahrscheinlich schon übervorsichtigen Seite war.
    Diese Übervorsichtigkeit (korrekter gesagt: Zwanghaftigkeit) hat mir einen guten Schutz geboten, mich aber auch deutlich beschränkt.
    In der Berufsfliegerei hätte das niemals funktioniert.
    So konnte ich mir mehr Zeit für mehrfache Prüfung etc. lassen und wenn ich unsicher war, bin ich halt nicht geflogen.
    Da ich aber beruflich auch Luftaufnahmen gemacht habe, hatte das dann schon wieder Konsequenzen für die Aufträge und da gehts schon los.

    Allein aus diesen und vielen anderen Erfahrungen heraus kann ich Dir nur recht geben.

    Das soll nicht heißen, dass man als ADHS'ler nichts kann oder nur für Hilfsjobs gut ist, aber man sollte mit Bedacht prüfen, ob die ADHS-typischen Beeinträchtigungen schwerwiegende und nicht mehr rückgängig zu machende oder abfangbare Konsequenzen hat.


    creatrice schreibt:
    Verantwortungsvolle Jobs und Posten für ADHSler die stark betroffen sind, und die nicht auf 0 kompensieren können, ist in meinen Augen ein No-Go, besonders im Interesse aller die mit dran hängen.
    Das sehe ich auch so, würde aber vielleicht die kleine Ergänzung anführen, die ich oben geschrieben habe, nämlich dass ein möglicher Fehler nicht rückgängig gemacht oder abgefangen werden kann, es also so gar keine Kontrollinstanz, kein Fangnetz mehr gibt und die Folgen dann wirklich auch für andere gravierend sind.

  4. #24
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Dem habe ich nichts hinzuzufügen 😊

    Kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen voll als MTA- Labor, meiner ersten Ausbildung zu arbeiten. In Histologie hatte unsere Dozentin immer ein Schild/ Kelle beim mikroskopieren hochgehalten... Auf der einen Seite stand peinlich.. Wenn man was "erkannt" hat, was gar nicht da war... Auf der anderen Seite stand tötlich, wenn man z.b. Krebs nicht erkannt hat. Mich hat das nachhaltig beeindruckt, vor allem als es um meine rezidiv. Depressionen ging, die ich für die Vergeslichkeiten u Schusselfehler hauptsächl. Damals verantwortlich gemacht habe.
    Es war und ist heute noch mein eigentlicher Traumberuf, aber die Verantwortung gerade die Konsequenzen bei Fehlern ( zB auch Rausgabe der richtigen Blutkonserven etc.) ist einfach zu hoch für meine Fehlerquote, ohne Kompensation und auch mit Kompensation aufgrund der Überlastungserschöpfung.

  5. #25
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Wobei man natürlich auch andersherum sagen kann, dass eine gut gemanagte (EDIT: Sieht besser aus, Danke creatice ) und behandelte ADHS eigentlich für viele Berufe keine Hürde mehr sein sollte oder dürfte.

    Wenn man sich damit auseinandergesetzt hat, sich auskennt und die ADHS verstanden hat und auch, sofern erforderlich, medikamentös eingestellt ist, sehe ich keinen Grund, warum ein Betroffener nicht in vielen Berufen gut sein kann, bei denen man sonst vielleicht zweifeln würde.

    Nehmen wir als Beispiel den Polizisten.

    Ist das (im Außendienst) ein grundsätzlich "ADHS-tauglicher" Beruf?
    Sicher ... irgendwie schon.
    In Situationen, in denen darauf ankommt, hat er den Fokus da, wo er sein soll, während andere vielleicht ja wirklich schon am Rad drehen.
    Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssin, finde ich eine gute Voraussetzung für diesen Beruf.

    Andererseits weiß ich nicht, wie wohl mir bei dem Gedanken wäre, dass ein Mensch mit einer nicht durch ihn kontrollierbaren Aufmerksamkeitsinkonsistenz und vor allem mangelnden Impulskontrolle ausgerechnet in kritischen Situationen intervenieren soll ... ohne dabei jetzt besonders in Richtung der Schusswaffe zu denken, sondern durchaus generell.

    Aber das wären z.B. Punkte, die sich mit Medikation und auch therapeutischer Hilfe ja durchaus in den Griff bekommen ließen.

    Da kommen dann nur wieder die typischen deutschen Behörden auf den Plan, die dann sagen:
    "Um Gottes Willen, wenn da einer eine psychische Störung hat und Medikamente nimmt, die unter das BtMG fallen ... dann können wir das doch nicht zulassen, schon gar nicht mit einer Schusswaffe ... Himmel nochmal das geht ja gar nicht..."
    Völliger Schwachsinn in meinen Augen und typisch deutsch...
    In den USA überlegt man, ob man Menschen mit ADHS nicht lieber zur Auflage machen sollte, dass sie ihre Medikamente nehmen müssen, wenn sie z.B. Auto fahren, während die Köppe hier eher darüber nachdenken, ob das Autofahren unter diesem "Betäubungsmittel" denn überhaupt erlaubt sein sollte...

    Da merkt man dann, dass die's auch nicht verstanden haben ...

    Dazu gibt es aber in der Geschichte zu hauf Beispiele, über die man nur den Kopf schütteln kann ... eine davon ist der sog. Luftfahrt-Farbwahrnehmungsstandard ... kein Scherz, den gibt es.
    Darin wurde 1918, ja genau 1918 von Militärärzten mit Pickelhauben auf der ariser Friedenskonferenz nach dem ersten Weltkrieg festgelegt, wie die Farbsehfähigkeit von Piloten sein müsse.
    Denn damals gab es nur rote und grüne Fahnen und Signalraketen und das waren die einzigen Kommunikationsmittel, die man damals hatte und da ein Farbenblinder die nicht auseinanderhalten konnte, man aber solche in der damals viel zu schnell aufgebauten Flotte hatte, gab es Probleme.
    Damals kannte man zu wenig vom Farbensehen, so wie das heute bei vielen noch mit ADHS ist ... man wusste schlicht nicht, welche Abstufungen es gibt, wie das alles genau funktioniert und und und.
    Gründlich wie man war, hat man die Kriterien dann derart hoch gesetzt, dass man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln konnte und die gelten bis heute.
    Obwohl man heute darüber viel mehr weiß, traut sich keiner, daran zu rütteln, denn in der Hinsicht haben die Verantwortlichen allesamt keinen Arsch in der Hose.

    Ich fürchte, dass sich in bezug auf die ADHS derzeit genau das gleiche Muster zeigt.
    In meinen Augen ist das wirklich abgrundtief dumm, ... aber in heutigen Zeiten zählen nur Effizienz und Rentabilität und hochfunktionale, hochflexible und bitte fehlerfreie "menschliche Ressourcen" ...
    Geändert von Fliegerlein (28.11.2014 um 20:14 Uhr) Grund: Satzergänzung/ Fehlerkorrektur

  6. #26
    Ist hier zuhause

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    Forum-Beiträge: 6.847

    Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Ich würde es mit "t" schreiben.... gemanagte.... Irgendwie eingedeutscht, man schreibt ja auch gegoogelt und nicht gegooglet.... Ach egal...

    Ich glaube das Problem liegt aber auch bei der Versicherung.... Was wenn doch etwas schief geht? Lag das an der Medikation, an der Erkrankung? Wer übernimmt die Haftung dafür wenn man es gewusst hat?
    Alles Bürokratie, aber teils auch mit begründeten Zweifeln finde ich. Aber eben nur teils.... Ich finde es sollte Einzelfallprüfungen geben, das entlastet alle Parteien.

    Denn gut behandelt heisst ja auch nicht in jedem Fall das es ohne Defizite ist, und nur eine therapeutische oder medikamentöse Therapie kann bei anderen wiederum zum absoluten Weggang der Symptome führen.

    Nur kurz mal meine persönl. Meinung: ADHS hat so gravierende Einschränkungen in alle Lebensbereiche, ich glaube nicht das ein ADHSler mit absolut optimaler Therapie Symtomfrei ist, ich glaube auch das mit Spektrum nicht die Stärke/ Milde gemeint ist, sondern die Subtypen. Ich persönlich bin da ganz bei Piero Rossi und glaube das MPH vielen hilft, aber nicht alle ADHS haben, so wie es eigentlich lt Definition gemeint ist. Von daher ist die Sicht, das ADHSler in verantwortungsvollen oder stressigen Berufen viel anzutreffen sind, oder gut aufgehoben, für mich schlicht falsch. Aber das ist wie gesagt meine persönl. Und wohl äusserst unpopuläre Meinung.

  7. #27
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 385

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Ich selbst habe oft genug im Beruf erlebt, dass ich da nicht hingehöre und es eben doch immer wieder zu Fehlern kam, die sich mit heutigem Wissen sowas von deutlich auf die ADHS zurückführen ließen ...
    Fliegerlein, darf ich dich fragen wie du mit dieser Situation umgegangen bist? Hast du nun eine Arbeit gefunden, in der du dich wohl fühlst und dich damit identifizieren kannst?

    Fliegerlein schreibt:
    aber in heutigen Zeiten zählen nur Effizienz und Rentabilität und hochfunktionale, hochflexible und bitte fehlerfreie "menschliche Ressourcen" ...
    Dem kann ich nur beistimmen. Ich bekomme dies leider momentan gerade am eigenen Leib zu spüren über...

  8. #28
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    creatrice schreibt:
    Ich würde es mit "t" schreiben.... gemanagte.... Irgendwie eingedeutscht, man schreibt ja auch gegoogelt und nicht gegooglet.... Ach egal...
    Klingt und liest sich jedenfalls plausibel

    creatrice schreibt:
    Ich glaube das Problem liegt aber auch bei der Versicherung.... Was wenn doch etwas schief geht? Lag das an der Medikation, an der Erkrankung? Wer übernimmt die Haftung dafür wenn man es gewusst hat?
    Richtig, es ist die Schiss davor, haftung übernehmen zu müssen.

    Wenn ein Pilot mit ADHS ohne aufgefahrenes Fahrwerk landet, war die ADS schuld, hatte er keine ADHS, war es seine Schuld ... kaputt ist die Mühle in beiden Fällen ... und das ist deshalb so ein schönes Beispiel, weil es nicht so weit hergeholt ist.

    Aber Du hast Recht, so oder so, da müssen wir uns nichts vormachen.


    creatrice schreibt:
    Alles Bürokratie, aber teils auch mit begründeten Zweifeln finde ich. Aber eben nur teils.... Ich finde es sollte Einzelfallprüfungen geben, das entlastet alle Parteien.
    Genau das finde ich auch.

    creatrice schreibt:

    Denn gut behandelt heisst ja auch nicht in jedem Fall das es ohne Defizite ist, und nur eine therapeutische oder medikamentöse Therapie kann bei anderen wiederum zum absoluten Weggang der Symptome führen.

    Nur kurz mal meine persönl. Meinung: ADHS hat so gravierende Einschränkungen in alle Lebensbereiche, ich glaube nicht das ein ADHSler mit absolut optimaler Therapie Symtomfrei ist, ich glaube auch das mit Spektrum nicht die Stärke/ Milde gemeint ist, sondern die Subtypen. Ich persönlich bin da ganz bei Piero Rossi und glaube das MPH vielen hilft, aber nicht alle ADHS haben, so wie es eigentlich lt Definition gemeint ist. Von daher ist die Sicht, das ADHSler in verantwortungsvollen oder stressigen Berufen viel anzutreffen sind, oder gut aufgehoben, für mich schlicht falsch. Aber das ist wie gesagt meine persönl. Und wohl äusserst unpopuläre Meinung.
    Ja, der Meinung bin ich auch und ich weiß auch, dass eine ADHS niemals "weg" sein wird und man kann sie schon gar nicht mit Medikamenten "wegmachen".
    Aber es sollte schon auch eine "Fall zu Fall Entscheidung" geben können und eine, die so gestrickt ist, dass sie auch als realistisch betrachtet werden kann.

    In der Fliegerei gibt es für Farbsehschwache einen sog. "Laternentest", bei dem ein Probant kleine Lämpchen (Leuchtdioden) in den drei Farben gelb, grün und rot in einem dunklen Raum zurodnen muss, dien jeweils zufallsgesteuert für etwa eine halbe Sekunde oder eine Sekunde aufleuchten ...
    Die Farben und das Setting sind so gewählt, dass man selbst mit einer lechten Farbsehstörung diesen Test nicht bestehen kann, es ändert sich also gar nichts.
    Sie haben das Ding pro Forma eingeführt, können sich auf die Schulter klopfen, dass man damit doch jedem die Möglichkeit gibt, aber letztlich wissen sie genau, dass das nur Alibi ist, mehr nicht.
    Ich weiß das, weil ich einen Farbsehfehler habe.
    Ein sog. Anomalquotient von 1.0 beschreibt einen Menschen mit voller Farbsehfähigkeit. Unter 1 ist man rotschwach, über 1 ist man grünschwach.
    Ich habe einen AQ von 1.6.
    Der Grenzwert für die Tauglichkeit zum Berufspiloten liegt bei 1.4.
    Ich liege also 0.2 Punkte daneben .... zum Vergleich: Farbenblind ist man bei einem AQ von 20 .... noch Fragen?

    Aber es ist schon so wie Du schreibst, keine will die Verantwortung oder Haftung dafür übernehmen, wenn dann doch was passiert.

    Und in gewissen Grenzen finde ich das auch recht verständlich.
    Ganz ehrlich:
    Ich bin auch mit Medi's noch genug verpeilt.
    Und mehr und mehr muss ich auch zugeben, dass meine inzwischen erfolgte Einstufung als voll erwerbsgemindert, wenn auch zusätzlich durch die Komorbiditäten bedingt, durchaus berechtigt ist.
    Ich möchte nichts mehr machen, in dem es wirklich drauf ankommt und keine Kontrollinstanz mehr nach mir kommt .... ganz ehrlich nicht.

  9. #29
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Chubasco schreibt:
    Fliegerlein, darf ich dich fragen wie du mit dieser Situation umgegangen bist? Hast du nun eine Arbeit gefunden, in der du dich wohl fühlst und dich damit identifizieren kannst?
    Nein, leider nicht.
    Das ist eine längere Geschichte.
    Aber kurz gefasst:
    Am Schluss war ich in einer Fabrik für elektronische Leistungsmodule als Maschinenbediener tätig und habe dort eine Produktionslinie gefahren, also mehrer Produktionsmaschienen bedient.
    Das war absolut das Gegenteil von artgerechter ADHS-Haltung.
    Ständig überall sein müssen, an alles denken müssen, lange, 12 stellige Zifferncodes mit den Bauteilbezeichnungen auf deren Trägern beachten zu müssen.
    Überall in der recht großen halle blinkt es, blinken Monitore, ein hoher Geräuschpegel, überall rufen sich Leute was zu, ... ich wusste nicht mehr wo hinten und vorne ist und habe dadurch letztlich mehrere Serienfehler produziert und damit auch einen signifikanten materiellen Schaden angerichtet.
    Auch wenn es die Kontrollinstanzen dort gab (Tester usw.), so waren, bis sie anschlugen, dann doch öfter mal mehrereTausend Eure im Bobbes.

    Alles in Allem hat mich das so fertig gemacht, die Angst davor wieder und wieder zu versagen, zusätzlich auch mobbing, denn andererseits habe ich eine hohe Auffassungsgabe und habe mich sehr schnell in die für mich eigentlich einfache Tätigkeit eingefunden und damit auch schnell hohe ergebnisse produziert, was wiederum im Kollegenkreis nicht gut ankam ("Streber" war da noch die angenehmste Formulierung)...

    Naja, am Ende bin ich im Burnout gelandet, mit schwerer Depression und Angststörungen und einer zwanghaften PS.
    Vieles davon war aber auch schon vorher absehbar und dass das nicht schon Jahre zuvor passiert ist, war zum Einen Glück und zum Anderen Arbeitsplatzwechsel, teilweise auch innerhalb einer Firma, aber dennoch ... man könnte auch sagen permanente Flucht...
    Das innere und äußere Chaos und die Beeinträchtigungen der AHDS (und des Aspergers) waren mein ständiger Begleiter und mit dem heutigen Wissen zieht sich das wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben seit der Schulzeit.

    Dummerweise ist da im Anschluss noch einiges mehr schief gelaufen, sowohl seitens des ersten Klinikaufenthaltes, als auch in bezug auf dem, was Karnkenkassen, Rentenversicherer, Arbeitsämter und auch meines ehem. Arbeitgebers so abgefahren haben, was letztlich meinen Zustand derart verschlimmert hat, dass ich mich jetzt kaum mehr ans Telefon oder den briefkasten traue und mein Streßlevel im Ruhezustand extrem dicht am Hochstress liegt.

    Anyway, das soll Dir aber keine Angst machen,
    Wie gesagt, da ist wirklich einiges schief gelaufen, und läuft auch immer noch schief, aber da hängt wohl auch ein bisschen mehr dran, als "nur" ADHS, sondern auch Komorbiditäten wie PS, Depr. etc.
    Zur zeit bin ich als erwerbsunfähig (bzw. "voll erwerbsgemindert") eingestuft und leider muss ich wohl zugeben, zu recht.


    Lass Dich davon also nicht abschrecken, das ist nicht der Normalfall .

  10. #30
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 385

    AW: Eingeschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl durch ADHS ??

    Liebes Fliegerlein

    Danke für deine offene und ehrliche Antwort.
    Ich kenne vieles was du beschreibst...

    Es ist schwierig auf zu stehen und weiter zu machen.
    Der Glaube an sich und seine Fähigkeiten nicht zu verlieren.
    Sich als wichtiger Bestandteil der Gesellschaft zu sehen.

    Durch die Intoleranz unseren heutigen Gesellschaft wird dies leider nicht unbedingt gefördert. Obwohl unsere Krankheit mehr an gesellschaftlicher Akzeptanz gewinnt, ändert sich trotzdem wenig bei unseren Mitmenschen. Es wird auch von uns erwartet, dass wir funktionieren, uns einordnen, die gleiche Leistung erbringen, und so sind wie die "Anderen".

    Das macht es uns leider auch nicht einfacher...

    Ich versuche an der Aussage in meiner Signatur fest zu halten und daran zu glauben, dass ich es schaffen kann.

    Trotz deiner Schwierigkeiten glaube ich auch, dass du noch viel erreichen kannst.

    Wir können noch über uns hinauswachsen... davon bin ich überzeugt.

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