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Diskutiere im Thema Hyperfokus richtig einsetzen - geht das??? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    Hyperfokus richtig einsetzen - geht das???

    Hallo ihr Lieben,

    die Frage geht vor allem an Alle die auch eine Ausbildung machen, noch in der Schule Klausren schreiben oder aber Studieren ...

    Ich mache ja meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Wir schreiben wenige Klausuren. In jedem Jahr 2 Stück heißt nun kommt bald die 4. auf mich zu ... die letzte im zweiten Lehrjahr. Die ersten zwei habe ich wirklich gut geschrieben, die letzte war für mich echt unbefriedigend vom Ergebnis her, dabei habe ich ne Menge gelernt dafür.

    Ich bin echt gut eingestellt mit Concerta und in der Schule und auch auf der Arbeit komme ich sehr gut zurecht damit.
    Aber wenn ich zu Hause lerne merke ich, dass ich wenn es um medizinische Sachen geht, die ich großteils wirklich gerne lerne, dass ich dann manchmal ohne Medis einen echten Hyperfokus entwickeln kann und vieles einfach "aufsauge". In der letzten Klausur vor der ich natürlich Medis genommen habe, stand ich mir irgendwie gedanklich selber im Weg und kam an den Punkt wo ich dachte "man ein Hyperfokus würde Dir grade echt helfen"

    Nun zur Frage, kann man seinen Hyperfokus lenken. Ich würde irgendwie gerne mal versuchen eine Klausur ohne Medis zu schreiben, einfach nur um zu sehen wie es läuft, aber soviel Risiko eingehen? Was ist wenns schief läuft? Eine wichtig Klausur von zweien in einem Jahr verhauen.... das will ich mir nicht leisten und mir meinen Schnitt nicht versauen, aber die Frage ob es klappen könnte drängt sich mir immer wieder auf.

    Wie ist das bei Euch, könnt ihr bei Themen oder Lernfeldern die Euch so sehr interessieren Euren Hyperfokus einsetzen, kann man sowas trainieren? Vielleicht ist das eine komische Frage, aber das beschäftigt mich jetzt schon seit längerem.
    Irgendwie müssen wir doch auch mal Vorteile aus unseren "Talenten" ziehen können !

    Ich würd mich über Erfahrungsberichte von Euch freuen!

    LG

    Rose

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 305

    AW: Hyperfokus richtig einsetzen - geht das???

    Hallo Rose,

    ja genau das kenne ich auch. Ich muß dazu sagen, daß ich Schule und Uni ohne Medis irgendwie geschafft habe (und ohne Wissen über ADHS)
    An der Uni fand ich es schon manchmal seltsam, daß ich manche Dinge einfach ewig nicht verstanden habe, aber manches ging dann doch,
    z.B. wenn ich es mit nem Kollegen in einer sozusagen 1:1 Situation nochmal durchgegangen bin.
    Mit einem Gegenüber ohne Ablenkungsmöglichkeit und mit entsprechender Einstimmung war ich dann offensichtlich im Hyperfokus.
    Ebenso bei den Arbeiten (Vorausgesetzt ich hatte bis dahin verstanden, worum es ging )


    Ich denke fast das ist der Grund warum ich mich mit der Medikamenteneinstellung so schwer tue und immer noch nicht sicher bin, ob es überhaupt wirkt.
    Hyperfokus ist irgendwie noch viel mehr Konzentration, aber es ist eben auch extrem anstrengend, was man erst hinterher merkt und absolut nicht als Dauerzustand zu haben

    Ja, ich kann es gezielt einsetzen. Der Anfang ist viel Überwindung und Kraftanstrengung.
    Ich muß für mich wirklich beschließen, was ich machen will und wann (ist ja bei einer Klausur keineFrage) und mir auch vorher schon die ersten Schritte überlegen, am besten sogar aufschreiben. Nicht um nochmal draufzuschauen, sondern nur zur Einstimmung.
    So habe ich es die letzten 2 Jahre geschafft (ohne Medi), die Buchhaltung und monatliche Umsatzsteuervoranmeldung pannenfrei und immer pünktlich über die Bühne zu bringen.
    Oder an hektischen Tagen auf einem Messestand stundenlang verkaufen, mitdenken, 3 Gespräche parallel führen, rechnen, lächeln und hinterher sogar noch den Autoschlüssel finden

    Was ich aber auch denke, es geht doch sicher auch mit Medi, trotzdem in einen Hyperfokus zu kommen und wenn du sie sonst nimmst, ist es vielleicht zu sehr Umgewöhnung, sie wegzulassen? Also ich glaube, wenn ich wirklich gut eingestellt wäre und die Wohlfühldosis gefunden habe, würde ich es nicht weglassen.
    Bin aber wirklich gespannt, wie du dich entscheidest und wie es funktioniert.

    Gruß September

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Hyperfokus richtig einsetzen - geht das???

    Danke erstmal für Deine ausführliche Antwort !
    Also nicht, dass das jemand falsch versteht, es geht hier nicht um Auslassversuche meines Medikaments. Ich weiß mittlerweile genau wie, wie lange und in welcher Dosierung mein Medikament wie wirkt.... daran habe ich mit meinem Arzt lange gefeilt und habe zusätliche Möglichkeiten bekommen (unretadiertes Medikinet für "Notfälle" zB). Ich weiß wie ich ticke mit Medis und ich weiß wie ich ticke ohne....und ich bespreche an sich alles mit meinem Arzt und dieser weiß von mir auch, dass ich manchmal zB ein Wochenende komplette Medikamentenpause mache (nicht regelmäßig, aber manchmal brauche ich das um mir wieder darüber bewußt zu werden was genau mit Medikament anders ist, das ist für mich und vor allem meine "Begleiterkrankung" ,wie ich meine BPS liebevoll nenne, wichtig)!
    Ich hatte die Erfolgserlebnisse wie Du sie beschreibst in der Schule oder in früheren Ausbildungen eben nicht so, ausgenommen Themen interessierten mich eben wirklich sehr und das ist dann auf ein, zwei Fächer herunterzubrechen und auch da kam es drauf an ob ich in der Stimmung war !
    Meine Schulzeit war die Hölle... an sich war für mich jeder Beruf die Hölle (und ich hab einige gemacht) ... es ist eben das erste Mal in meinem Leben, dass ich was mache worin ich wirklich gut bin und woran ich wirklich Freude habe und auch verdammten Ergeiz entwickelt habe.. und das liegt nicht an den Medikamenten, die Medikamente verhelfen mir nur zu Konzentrationsvermögen und Geduld und weniger Hibbeln , aber ich habe eben auch meine Vorzüge erkannt, die definitiv teilweise auch mit ADHS zusammenhängen. In Punkto Empathie macht mir aus meinem Kurs niemand was vor, ich verstehe Menschen, ich kann mich einfühlen, ich bin jemand dem Patienten sich anvertrauen und den sie gerne um sich haben.... sowas kann man nicht erlernen.

    Aber Theorie muss man erlernen und ich mache mir eben meine Gedanken ob ich quasi etwas "unterdrücke" was mir eigendlich hilfreich sein könnte. Ich weiß nicht ob man das nachvollziehen kann, aber ich hoffe ihr versteht was ich meine !

    LG

    Rose

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 199

    AW: Hyperfokus richtig einsetzen - geht das???

    Du wirst wohl nicht drum rum kommen es zu probieren.ohne findest du es nicht raus...;-)

    Ich bin gut eingestellt auf Medikinet....möchtes es nicht missen...

    .es fällt mir gerade ein wo ich deine zeilen lese-
    Hat aber nicht direkt mit deiner situation zu tun.

    Das ich tatsächlich nicht nur Vorteile durch die Medikation habe....hab ich auch schon gemerkt...
    vorher konnte ich z.b. wunderbar mich per auto in
    ein grossstadt getümmel stürzen.....egal wie viele spuren...ob bekannt oder unbekannt....ich war in meinem hyperfokus
    mit nichts überfordert...
    Mit medikinet überfordert es mich fast....ich hab dann nicht mehr so den überblick......

    Denke es gibt tatsächlich situationen wo man es mal ohne probieren sollte.....drück dir die daumen

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Hyperfokus richtig einsetzen - geht das???

    Rose schreibt:
    Nun zur Frage, kann man seinen Hyperfokus lenken.
    Nein. Das ist eine Eigenschaft des "Hyperfokus" - oder nein, das ist eine Eigenschaft von ADHS. Nämliche die Aufmerksamkeit nicht willentlich lenken können. Weder hin noch weg. Das ist in meinen Augen sogar der wesentliche Punkt, das wesentliche Defizit bei ADHS. Alles andere folgt mehr oder weniger daraus.

    Wer die Aufmerksamkeit willentlich und mit Anstrengung auf etwas lenkt der Konzentriert sich einfach, der Hyperfokus ähnelt eher dem Flow, er entsteht total unangestrengt (ist aber im nachhinein schon anstrengend, das stimmt) aber anders als der Flow weder provozierter noch so einfach zu stoppen. "Es interessiert mich einfach brennend, ich kann nicht anders als es zu tun und in dem Moment interessiert mich auf der ganzen Welt nur das, ohne Ziel und Zweck". Aber da gibts laaaange Treads zu hier ihm Forum.

    Ich würde irgendwie gerne mal versuchen eine Klausur ohne Medis zu schreiben, einfach nur um zu sehen wie es läuft, aber soviel Risiko eingehen?
    Ich nicht. Zum Ausprobieren würd' ich einen kleinen Test bei dem es nicht wirklich drauf ankommt nehmen. Oder falls ihr so was habe eine Übungsklausur.

    Ansonsten - und das gilt nicht nur für ADHS sondern für alle: Gut vorbereitet, mit gesundem Essen im Bauch, Körperlich ausgleichen (Sport am Tag vorher, genug schlafen - wenigstens versuchen), wenn es ein bekannter Saal ist: der angestammte Sitzplatz etc. - alles: wie immer, auch normale Kleider, normale Kaffeedosis, ... und natürlich normale Medikamente wenn nötig, einfach so stinknormal wie zu einer stinknormalen Vorlesung in die Klausur. Ach ja, wenn irgendwie beeinflussbar: Gute Laune, Mundwinkel hoch.

    Klausur ist eh eine Ausnahmesituation. Das solltest du nicht noch verschärfen.
    Geändert von Wildfang (14.03.2014 um 13:17 Uhr)

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Hyperfokus richtig einsetzen - geht das???

    Hallo Rose,

    ich glaube ich habe da eine Zwischenmeinung von september und Wildfang.
    Ich glaube auch nicht, dass man aus eigener Kraft den Hyperfokus lenken und herbeiführen kann, aber ich glaube schon, dass man sich Appetit darauf holen kann.

    Mir ist aufgefallen, dass wenn ich mir zu einem bestimmten Fach etwas herauspicke was mich interessiert und darüber google (es sollte von meinem Wissensstand aus gesehen oberflächlich und nicht zu detailliert/schwierig sein, sonst verliere ich das Interesse), dann gewinne ich daran das nötige Interesse, sodass ich auch stundenlang meinen Kurs durcharbeiten kann.

    Man muss dazu sagen, dass ich ein Fernstudium an der Fernuni Hagen mache und einen kompletten Kurstext habe. Habe ich nur stichpunktartig den Lernstoff, kann ich ihn auch nicht lernen, das ist mir zu langweilig. Ich brauche Fließtexte und überlese auch Aufzählungen im Text
    Mir bringen daher auch eigene Stichpunkte nichts. Ich muss darauf vertrauen, den Stoff nach dem Lesen zu beherrschen und wenn Lücken auftauchen, muss ich diesen Abschnitt noch einmal lesen.
    Ich habe in einer Lerngruppe gemerkt, dass ich dadurch ein viel detaillierteres Wissen hatte als die, die stichpunktartig das wichtigste herausgeschrieben und gelernt haben und ich wusste sogar wo sich die Informationen im Text befinden.

    Wenn ich einen Kurs habe, was zu meiner Spezialisierung gehört, dann schaue ich mir auch gerne im Internet meine Wunsch-Arbeitgeber nach dem Studium an. Ich sehe dann, was meine Aufgaben wären und was ich können muss und bin dann auch hochmotiviert, dass ich mit einem Hyperfokus diese Fächer "durchlesen" kann.

    Dies hilft mir, dass ich nicht auswendiglernen muss (denn das kann ich einfach nicht), sondern nur über das Thema lesen muss und eventuell in der Praxis anwenden muss, falls dies möglich ist. (Ich studiere Informatik und das praktische Anwenden ist ein bisschen wie rätseln und macht mir wiederum Spaß)

    Oft passiert es mir dann zwischendurch z.B. unter der Dusche, dass ich tagträume, indem ich Teile des Stoffs erkläre oder anderweitig reflektiere. Das steuere ich allerdings auch nicht von mir aus und es verursacht Wasserkosten

    Mit dem MPH in Klausuren geht es mir ganz anders. Ich habe das Gefühl, dass ich viel konzentrierter bin und besser auf mein Wissen zurückgreifen kann.
    Ich habe auch mal gehört, dass ADHSler Schwierigkeiten haben, auf das Gedächtnis zurückzugreifen und eher an Blackouts leiden, obwohl man es eigentlich kann.

    Einen Hyperfokus halte ich in Prüfungssituationen für sehr unwahrscheinlich, da man sich im Hyperfokus mit dem beschäftigt, wo gerade in dem Moment spontan das Interesse geweckt ist und das wird sehr wahrscheinlich nicht das Thema sein, worin dich jemand prüfen will, denn das ist ja eher eine unangenehmere Situation. Und ich habe noch von keinem gehört, der sich für etwas Unangenehmes interessiert

    Naja, so komme ich durchs Studium, vielleicht sind ja nützliche Infos für dich dabei.

    Viele Grüße
    Chris

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