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Diskutiere im Thema Intellektuell fordernde Arbeit für Person mit ADHS? / ADHS und Büro im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 55
    Forum-Beiträge: 457

    AW: Intellektuell fordernde Arbeit für Person mit ADHS? / ADHS und Büro

    Moin submarine,

    vor gut einem Vierteljahrhundert war ich in einer ähnlichen Lage wie Du jetzt. Mit ganz passablem Studienabschluss, leider in einem eher brotlosen Fachbereich, mit eher bescheidenen Berufserfahrungen, dazu auch noch bestenfalls "Großmuttersprachler" und neu im Lande. Zudem hatte ich noch keine Ahnung von meinem ADHS, das heißt, mir war klar, dass mir eine ganze Ecke irgendwo fehlt und anderswo zuviel ist, aber was genau, das wusste niemand.

    Was hab ich nun gemacht?… hm, das war recht lange her. Außerdem war Deutschland noch geteilt, ich in dem westlichen Teil, und die Lage in der Arbeitswelt noch eine ganz andere als heute.

    Aber nun denn, da ich mein philologisches Studium auf Lehramt absolvierte, hatte ich die passenden Papiere in der Tasche. So fing ich, teils mit Hilfe der Behörde mit dem großen roten A (nein, nicht Apotheke und auch nicht Anarchie), erst einmal im pädagogisch-sozialen Bereich an. Das war zum eine gut: keine Großraumbüros, flexible Dienstzeiten. Zum Anderen aber ging es nicht gut wegen anderer Arten von Overload in solchen Jobs.

    Glücklicher Weise habe ich irgendwann die Chefin der PR-Abteilung des damaligen Arbeitgebers kennen gelernt. Die Dame galt als schwierig, absolute Nervensäge, mit überhöhten Ansprüchen an sich selbst und an allen anderen. Also typisch PR-Tante. Und auch: genau mein Fall! Ja ja ja, als Vorgesetzte, als Vorgesetzte, mehr war da nix.

    Da habe ich mich neben den ganzen PR-Klassikern auch noch in die Computerei eingearbeitet, von der ich früher keine Ahnung hatte. Dank Lohnerhöhung konnte ich mir selbst einen Computer kaufen, ein Auslaufmodel von Apple Macintosh, und habe mich da in die ganzen Programme zu Hause selbst eingearbeitet.

    Irgendwann dann bewarb ich mich bei einer gerade gegründeten Werbeagentur… es war schon damals kein Job, mit dem du gleich bauen konntest, aber eben: kleiner Laden, die Leute zwar meist leicht freaky, aber auch hoch interessant. Das Arbeitsspektrum jeden Tag anders, die Arbeitszeiten freilich auch. Genau mein Ding, mal wieder.

    So ging das dann weiter über Berg und Tal – so kleine Agenturen waren nie Oasen der stabilen Jobs – bis ich irgendwann dann doch als Mediengestalter einigermaßen sicher in so einer Art Behörde gelandet bin. Da war ich bereits Anfang 40. "Und wenn er nicht gestorben ist, dann…"

    Ein paar Jahre später bekam ich dann endlich die richtige Diagnose und die adäquate Hilfe…

    Ich wünsche Dir viel Glück und viel Erfolg. Es ist ein sehr spannendes Leben. Zwar habe ich kein Reihenhaus oder so, dafür aber dicke Tagebücher und pralle Fotoalben. Ein schönes Leben, after all.

    Grüße, der Dalek

  2. #22
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Intellektuell fordernde Arbeit für Person mit ADHS? / ADHS und Büro

    Dalek, deine Antwort klingt echt interessant

    Submarine: Ich kann aus eigener Erfahrung berichten dass es durchaus Behörden gibt in denen du (zumindest einen Teil) deine(r) Wünsche an eine Arbeitsstelle erfüllen könntest.
    Ich arbeite selbst in einer solchen. Der Unterschied zu dir: mangels Struktur in meinem Kopf finde ich äußere Strukturen und den in einer Behörde zwangsweise anfallenden Papierkram mitsamt Verfügungen eher als für mich im Job überlebenswichtige Grundstruktur und mag das sehr gerne . Es gibt dennoch mehr als ausreichend Bereiche in denen ich mir meine eigene Struktur basteln muss.

    Und von dem was du beschreibst scheint dein Wunschbüro eher vom dazugehörigen Team abhängig zu sein. Ich persönlich spreche meine Gedanken (bei geöffneter Bürotüre) häufig laut aus. Da meine Kollegen und ich uns mittlerweile recht gut kennen kommt das bei denen eher gut als seltsam an - für mich eine Frage meiner inneren Haltung hinter meiner "Verschrobenheit"
    Ich schweife mal wieder ab...
    Weiterer Vorteil: Gleitzeit. Weiterer Vorteil: es gibt durchaus Jobs (wie meinen beispielsweise) mit mindestens teilweiser Tätigkeit im Außendienst.

    Und was du zum Müde sein nach "normalem" Tag beschreibst: Ich bin nach fast anderthalb Jahren abends immer noch so müde dass ich nur ins Bett will. Das ist einer von mehreren Gründen aus denen ich mich entschieden habe einen Antrag auf Teilzeitarbeit zu stellen. Ich bin nach vier Tagen durch. Eine 32-Stunden-Woche ist für mich derzeit ideal.

    Das muss ja für dich gar nicht zutreffen. Vielleicht gewöhnst du dich auch an die Anforderungen die mit einer vollen Stelle einher gehen. Mir ist es aber wichtig zu sagen dass es nicht jedermanns (-fraus) Ding ist 39-42 Stunden in der Woche zu arbeiten.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall einen super Start ins Arbeitsleben nach deiner Promotion! Ich hoffe dass du das Richtige findest. Stell nicht zu hohe Ansprüche an dich. Ich habe wie viele andere hier sicher auch erlebt dass ich persönlich daran gescheitert bin und gerade so am Burnout entlang geschrappt bin.
    So der Bus ist zu Hause angekommen (ja ich komme erst jetzt von der Arbeit). Ich wünsche ein schönes Wochenende allerseits

    Edit: wo kommt nur die Signatur immer her?... gelöscht.
    Geändert von lilalu (22.02.2014 um 00:13 Uhr)

  3. #23
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: Intellektuell fordernde Arbeit für Person mit ADHS? / ADHS und Büro

    Erfahrungen sammeln!

    Auch ADHSler funktionieren nicht nach einem Schema. Und "auf Ratschläge hören" ist ja an sich etwas schwieriger für uns

    Ich muss alles selbst erfahren. Vor allem mich selbst - ich glaube, ich muss diesen Draht zu mir immer bewusst aufrecht erhalten, sonst funktioniert er nicht so gut, wie bei anderen.

    Und - nicht so defizitorientiert sein Andere haben andere Hemmnisse. Die einen hören schlecht und können gar nicht im Großraumbüro sitzen. Andere sind zu langsam um gut im Team zu arbeiten. Durchatmen.

    ich passe sehr gut in eine große Organisation, weil mir dort viel abgenommen wird. ich muss mich eben gerade nicht mit allem Kleinkram selbst beschäftigen und zur Not frage ich nach.

    Ich kenne andere ADHSler die sich nicht wohl fühlen in großen Organsisationen, weil sie sie als unübersichtlich erleben...sich verlieren darin.

    Das muss man einfach austesten.

    Ich brauche

    - ein Einzelbüro
    - Kontakt zu Kollegen, ohnen gleich ständig an gemeinsamen Projekten arbeiten zu müssen
    - viel Freiraum meine Zeit zu gestalten
    - eine nicht authoritäre Führungskraft, die mich lässt und nur unterstützt

    Und dann bringe ich gute bis sehr gute Leistungen - ich habe aktuell Glück

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