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Diskutiere im Thema Tabuthema??? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 9

    Tabuthema???

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin zwar neu hier aber eine Sache beschäftigt mich derweil schon ein wenig, weil es mir (nicht nur bei mir selbst) aufgefallen ist:

    Denkt mal an das gerade aktuelle Thema "Robert Enke's Freitot" und die damit verbundene Tabuisierung des Themas "Depressionen und Leistungsdruck"...

    Hierbei erkenne ich gewisse Parallelen bezüglich des Arbeitswesens und der damit verbundenen Verschwiegenheit gegenüber Vorgesetzten, denn auch hier im Forum möchte ich nicht unbedingt von meinem Arbeitgeber erkannt werden. Ein gewisser Zwiespalt umgibt mich persönlich, da ich einerseits offen und ehrlich sein möchte und andererseits Angst vor einem "Outing" und negativen Konsequenzen habe..

    Jetzt Frage ich mich welche Erfahrungen ihr im Berufsleben so hattet und ob es vielleicht auch schon mit offenen Bekenntnissen zur Krankheit gegenüber Kollegen und Vorgesetzten durchaus positive Entwicklungen gab?

    Wie geht ihr damit um und wie hoch ist die Belastung bei euch, wenn ihr das alles verschweigt?

    Gibt es beispielsweise Mobbingfälle wenn die Kollegen oder Chefs von der Krankheit wissen?

    Über eine kleine Disskusion würde ich mich freuen..

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 317

    AW: Tabuthema???

    hallo.

    am anfang meiner diagnose hielt ich es noch geheim.
    aber als es hiess, dass ich anfang nächsten jahres in reha soll konnte ich nicht länger schweigen.
    ausserdem fielen meinem chef einige verhaltens"fehler" auf, konnte mir oft die namen am telefon nicht merken oder hab sie verwechselt, musste öfter nachfragen, weil ich nicht mehr wusste, was ich jetzt mit diesem formular oder so anfangen sollte...solche dinge eben.
    da habe ich dem ganzen büro reinen wein eingeschenkt und es auch bisher in keinster weise bereut.
    allerdings sind wir ein kleines steuerbüro, mit dem chef gerade vier leute.
    einerseits ist das ja schön, andererseits ist es doof, wenn einer ausfällt.
    und als ich vor kurzem zwei wochen ks hatte, weil ich ein absolutes tief hatte, da war mein chef nicht begeistert, aber er lässt mich auch nicht spüren, dass er meinen ks scheisse fand...

    wenn das jetzt alles etwas verwirrt klingt, dann sorry....

    lg

  3. #3


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.807
    Blog-Einträge: 40

    AW: Tabuthema???

    Hallo

    Ich denke, dass es sehr vom individuellen Einzelfall abhängt, ob es nun mehr Sinn macht, Kollegen und Vorgesetzten von einer psychischen Problematik bzw. von ADS / ADHS zu berichten, oder dies zu verschweigen.

    Das hängt zum einen von der Ausprägung und der Art der psychischen Probleme ab, zum anderen von der individuellen Einstellung und dem Umgang der Kollegen und Vorgesetzten mit solchen Thematiken und nicht zuletzt auch von anderen Faktoren, wie einem eventuellen Wunsch nach einer Führungsposition in naher oder ferner Zukunft.

    Mir sind sowohl Betroffene bekannt, bei denen die Information des beruflichen Umfeldes die Gesamtsituation verbessert hat (eher der seltenere Fall), wie auch solche, bei denen dieser Schuss sehr nach hinten los ging (leider eher der viel häufigere Fall).

    Generell und ohne die nähere, individuelle Situation eines Einzelnen zu kennen, würde ich also eher sehr davon abraten.

    Ab einem gewissen Grad an vorhandenen Beschwerden/Problemen lässt sich das Ganze aber meistens gar nicht mehr verheimlichen und ein Verschweigen führt dann in aller Regel unweigerlich irgendwann zu größeren Problemen im beruflichen Umfeld, als ein offener Umgang damit.

    Insgesamt also ein sehr umfangreiches Thema, zumal bei einigen (wenigen) Berufsbildern zudem gesetzliche Vorschriften ein Verschweigen psychischer Probleme eigentlich untersagen.




    Liebe Grüße,
    Alex

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 50

    AW: Tabuthema???

    Habe ADHS, das wissen sie mittlerweile auf Arbeit,war überrascht,das die gesagt haben(grinsend)as wundert mich gar nicht,aber das ich auch Depressionen habe habe ich verschwiegen,denn man wird schnell als "Nicht belastbar"aufs Abstellgleis gestellt.
    Habe das so gemacht das ich über mein sohn der auch ADHS hat gesprochen habe,dadurch konnte ich ein wenig vorfühlen wie die Reaktionen darauf so sind.

    LG Walhai

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 3.146

    AW: Tabuthema???

    Bei mir war es so, dass sich meine Depressionen in meinem letzten Job nicht verschweigen ließen. Ich habe anfänglich versucht, meine Probleme von zu Hause bei der Arbeit auszublenden, was aber nicht funktioniert hat. Erst ist nur aufgefallen, dass ich nicht mehr so gut drauf war, viel ernster und verschlossener als sonst. Die Situation zu Hause wurde schlimmer und ich habe nach durchweinten Nächten, nach ganz vielen ratlosen Versuchen etwas zu ändern, nach absoluter Verzweiflung (hatte ganz schlimme Probleme mit pupertierender Tochter,die Schule schwänzte) keine Nerven mehr und meine Gedanken kreisten nur noch um zu Hause, ich konnte einfach nicht mehr und es brach aus mir heraus, ich bekam mehrfach während der Arbeit Weinanfälle und das in einem Großraumbüro, da brauchte ich nicht mehr viel sagen.

    Ich wurde nach Hause geschickt und man zeigte auch erst mal Verständnis, sogar ein viertel Jahr lang Tagesklinik und anschließende Widereingliederung machte man mit, aber ich war eben nicht sofort wieder voll im Ablauf drin und ich war eben nicht die "Alte" und ich hatte auch gleich nachdem ich wieder da war, das Gefühl, dass ich unter ständiger Beobachtung stehe, es war unerträglich und dann hat man unter fadenscheinigen Gründen auch meinen Vertrag nicht verlängert (war befristet), obwohl in der Firma ständig Leute gesucht werden.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 50

    AW: Tabuthema???

    Ja typisch,nicht belastbar und abschiessen!

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Tabuthema???

    Ich denke, dass es keine allgemein gültige Regel gibt, mal abgesehen von Berufen mit Auskunftspflicht. Ich persönlich würde also erst mal überlegen und das Terrain sondieren, bevor ich mich für oder gegen ein "Outing" entscheide.

    lg
    lola

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Tabuthema???

    guten morgen erstmal an alle und schön dass es hier so viele einschätzungen gibt!

    den o-ton den ich hier so raushöre sind es bei den meisten doch eher depressionen, die den (berufs)alltag so erschweren; klar das man das nicht mehr verheimlichen kann und soll.

    ich kann mich beispielsweise noch an einen samstag im abgabezeitraum meiner diplomarbeit erinnern, an dem ich viel in der uni schaffen wollte.. ich hatte mir richtig viel vorgenommen und war guter dinge in meinem büro angekommen. das ende vom lied war, dass die tochter eines dozenten auf dem flur herumlief, das wetter draussen schön war und ich keinen einzigen satz aufs papier bekommen habe, da mich nahezu ALLES abgelenkt hat. aus dieser ohnmacht heraus habe ich mich dann wie eine hängebrücke bei erdbeben aufgeschauckelt, bin alle 2 minuten aufgestanden und hab versucht, mich mit musik abzulenken.. final hatte ich dann so etwas wie einen depressiven "touchdown" und bin völlig fertig wieder nach hause gefahren.

    in einer anderen situation habe ich einem kunden eine präsentation geschickt, in der lustige schlümpfe zu sehen waren und nicht, wie geplant, eine agenda für einen termin. ich war an dem tag so aufgekratzt und gut "druff", dass ich den knopf zum senden schlichtweg zu früh gedrückt hatte OHNE die spass-präsentation vorher zu löschen. ein glück hatte der kunde auch einen sinn für humor; mein vorgesetzter fand die sache allerdings weniger witzig..

    wenn ich mir so eine situation im büro vorstelle gruselt es mich und an die konsequenzen mag ich überhaupt erst nicht denken. bekommen kollegen und vorgesetzte von so einem zusammenbruch mit ist die person als labil und (wie hier öfter schon gesagt) nicht belastbar abgestempelt . aber hängt das zwingend mit ads zusammen??

    die frage ist natürlich auch, ob diese unausgeglichenheit die dann ja oft in starke emotionale schwankungen (trauer-depression oder wut-cholerik) ausartet überhaupt vermeidbar ist? tendieren ads'ler also zwangsweise zu depressiven oder cholerischen ausbrüchen aufgrund ihrer krankheit, oder ist dies beispielsweise ein gesellschaftliches beigut, dass in unsersen zeiten heutzutage eh weit verbreitet ist. gründe hierfür wären die übermedialisierung und mangelnde identifikation, stets steigender leistungsdruck, verschiebung sozialer gefälle usw.

    mich würde mehr interessieren, wie sich die unordnung, vergesslichkeit und andere ad(h)s-beiwerke zu grunde schlagen..

    liebe grüße,

    contrabender

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 50

    AW: Tabuthema???

    Dadurch das ich ewig Frust mit den ADHS Symtomen habe,mich entsprechend unfähig und meinen Gefühlen ausgeliefert fühle kommt es auch zu Depressionen,sind noch einige Dinge aus der Kindheit auch durch das ADS,keine Freunde,Gewalt in der Familie(sie wurden mir nicht fertig,früher war man ja einfach ungezogen...)
    Dies sind Dinge die mich geprägt haben und mich traurig machen.
    Dieses Gefühl so oft Fehler zu machen,das andere einen für nervig halten,kein gutes Gefühl.
    Und dann kommt dazu das ADSler auch oft einen grossen Gerechtigkeitssinn haben,ich fühlre mich sehr schnel ungerecht behandelt,noch mehr belastung,da klappt man halt irgendwann zusammen...
    Nach 34 Jahren Kampf,als mir eröffnet wurde das ich diesen Sch.....auch noch meinem Sohn vererbt habe da war das Maß dann voll!
    Error..nichts ging mehr.

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Tabuthema???

    "Nicht belastbar" ist DAS Damoklesschwert, das angesichts zunehmender sozialer Kälte über jedem Menschen mit psychischen Problemen oder chronischen körperlichen Leiden schwebt.

    Und bezüglich ADHS ist mir gerade das Unwissen und Halbwissen in den Medien eingefallen. Nachdem ich sogar von Fachärzten sehr veraltete Einschätzungen der Störung (so es denn eine ist) gehört habe, erwarte ich mir nach der Medienberichterstattung der letzten Monate von medizinischen Laien eher Vorurteile als eine realistische Einschätzung.

    Da ich an einer eher unauffälligen Form von ADHS leide, die sich in der Arbeit recht gut kompensieren lässt, werde ich es mir im Einzelfall wirklich gut überlegen, ob ich was sage oder nicht. Sonst könnte zu dem ominösen "nicht belastbar" auch noch ein ähnlich tödliches "unbeherrscht und unverlässlich" dazukommen, egal ob ich wirklich so bin oder nicht. Vorurteile sind leider oft mächtiger als die Realität.

    lg
    lola

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