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Diskutiere im Thema Pädagogikbereich und die lästige Elternarbeit, wie macht ihr das? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 230

    Frage Pädagogikbereich und die lästige Elternarbeit, wie macht ihr das?

    Mein Problem: Elternarbeit
    Was ich mir wünsche: Eure Erfahrungen und evtl. Tips dazu

    Kurz zu mir: Um mir die Maturaschule leisten zu können, leite ich nebenberuflich selbstständig eine Spielgruppe. Ich bin mir nicht sicher ob es in anderen Ländern sowas auch gibt: Eine Spielgruppe ist ähnlich wie eine Vorschule, wobei es privat geführt wird. Kinder sind zwischen 3 und 5 Jahren. Spielgruppen sind nicht obligatorisch und finden nur zwei bis drei mal pro Woche statt, zu jeweils drei Stunden.

    Zurück zum Problem: Es gibt Eltern mit denen verstehe ich mich hervorragend. Bei denen klickt es von Anfang an und alles ist super.

    Die meisten Eltern sind mir jedoch ein Rätsel. Bei unangekündigten Elterngesprächen, fühle ich mich jedesmal überrumpelt. Manchmal stottere ich sogar. Ich bin davon überzeugt, dass ich meine Arbeit gut mache und bekomme dafür auch im Nachhinein positive Feedbacks. Ich kann Vorschulkinder, wie ein Buch lesen und spüre intuitiv, was sie brauchen. Deren Eltern machen mir jedoch eher Angst.

    Ich kann mir keine Vornamen von Eltern merken (die Namen der Kinder merke ich mir vom ersten Tag an). Ich kann nur deren Gesichtern, den entsprechenden Kindern zuordnen, mehr nicht. Elternabende mache ich keine. Erstens finde ich die im Vorschulater unnötig und zweitens machen die mir Angst. Am ersten und am letzten Tag sind die Eltern willkommen, sonst nicht. Bei extremen Verhaltensauffälligkeiten dürfen sie ebenfalls ein paar Mal mit rein. Besuche erlaube ich, aber keine spontanen.

    Das komische dabei ist, dass ich eigentlich überhaupt nicht schüchtern bin. Ich habe schon in Büros, im Service und im Verkauf gearbeitet und nie ein Problem mit Kundenarbeit gehabt. Im Gegenteil: Ich bekam sogar während der Arbeit Jobangebote von Kunden, weil die meine Ausstrahlung toll fanden. An den Jobs bin ich "nur" wegen der Büroarbeit oder wegen den Mitarbeitern gescheitert.

    Ein anderes Problem: Ich bin zu direkt. Daran bin ich bei Praktikumsplätzen häufig gescheitert. Wenn meine Meinung gefragt wird, bin ich erbarmungslos ehrlich. Ich habe einmal als Aupair gearbeitet, bei einer reichen Familie, die ihre Kinder zu verzogenen Monstern erzog und es wurde von mir verlangt dieselbe "Erziehungsart" zu pflegen. Das älteste Kind hat mich, dann einmal mit voller Wucht in den Magen geboxt. Das tat weh und es machte mich furchtbar wütend, also schrie ich ihn an. Kurze Zeit später fragte mich seine Mutter ob ich ihn, denn mag. Ich sagte nein und war natürlich den Job los.

    Das passiert bei der Spielgruppenarbeit nicht, denn da habe ich die Zeit an jedem Kind etwas liebenswertes zu finden, ohne dass mir Eltern vorschreiben, wie ich meine Arbeit machen soll. Die Kinder vertrauen mir und die Eltern spüren das und vertrauen mir irgendwann auch. Reicht das? Kann ich mein Defizit bei der Elternarbeit durch hervorragende Leistung bei der Kindererziehung ausgleichen?

    Ich habe ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich im Bereich Elternarbeit eine Niete bin... In meiner Gruppe gibt es ein Mädchen, das ständig zu spät von den Eltern abgeholt wird. Zuerst war ich nett und sagte "kann ja mal vorkommen". Als es nicht aufhörte, fragte ich nach dem Grund. Das half nichts, also betonte ich jedesmal, dass sie zu spät sind. Es hörte nicht auf, also schaute ich ein paar Mal genervt. Gestern jedoch reichte es mir. 30 Minuten nach Spielgruppenende war das arme Mädchen immer noch bei mir. Ich rufte den Vater an und sagte: "Die Spielgruppe ist seit 30 Minuten vorbei. Ich habe ein Leben und Termine. Du holst deine Tochter jetzt ab! Und. ich. meine. jetzt!" Anschliessend habe ich mich und das Kind angezogen, alles abgeschlossen und habe vor dem Gebäude gewartet. Ich versuchte, dem Kind zuliebe, nicht zu wütend auszusehen. War ja nicht ihre Schuld. Der Vater kam, zehn Minuten später, gab mir die Hand und entschuldigte sich zwei Mal. Irgendwas von wegen Stau. Ich sagte ihm, dass ich von jetzt an ein Anruf erwarte, wenn er sich mehr als fünf Minuten verspätet. Ich sagte aber auch, dass ich Pünktlichkeit erwarte, da ich ja schliesslich auch immer pünktlich bin.

    Ich weiss ehrlich nicht ob ich richtig reagiert habe. Ich fühlte mich einfach so ausgenutzt und nicht respektiert.

    Wie macht ihr das? Wie handhabt ihr Elternarbeit? Fällt es euch einfach oder bereitet es euch auch solche Kopfschmerzen? Ich habe Bücher dazu gelesen aber keins hat geholfen. Ist Elternarbeit wichtig? Ich lese überall, dass es das ist und vermutlich ist es das auch. Ich empfinde es als lästig. Mir ist aber bewusst, dass die Eltern zum Kind gehören. Deshalb habe ich so ein schlechtes Gewissen.

    Ich bin ratlos und wär dankbar für jeden Ratschlag oder Erfahrung dazu!


  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Pädagogikbereich und die lästige Elternarbeit, wie macht ihr das?

    Das kenn ich zum Teil ...


    Zurück zum Problem: Es gibt Eltern mit denen verstehe ich mich hervorragend. Bei denen klickt es von Anfang an und alles ist super.
    Menschlich.

    Ich kann Vorschulkinder, wie ein Buch lesen und spüre intuitiv, was sie brauchen. Deren Eltern machen mir jedoch eher Angst.
    Kann es sein dass dir das Selbstbewusstsein für die Erwachsenen fehlt?

    Ich kann mir keine Vornamen von Eltern merken (die Namen der Kinder merke ich mir vom ersten Tag an). Ich kann nur deren Gesichtern, den entsprechenden Kindern zuordnen, mehr nicht. Elternabende mache ich keine.
    Klar, die Eltern interessieren dich nicht. Merk sie dir halt über die Kinder.

    Das komische dabei ist, dass ich eigentlich überhaupt nicht schüchtern bin. Ich habe schon in Büros, im Service und im Verkauf gearbeitet und nie ein Problem mit Kundenarbeit gehabt. Im Gegenteil: Ich bekam sogar während der Arbeit Jobangebote von Kunden, weil die meine Ausstrahlung toll fanden.
    Das ist was anderes als mit den Kindern der Leute zu arbeiten ...

    Ein anderes Problem: Ich bin zu direkt. Daran bin ich bei Praktikumsplätzen häufig gescheitert. Wenn meine Meinung gefragt wird, bin ich erbarmungslos ehrlich.
    Ach du auch? Training. Das ist auch ein Fall für den Theraputen .... und ein bisschen hilft da MPH (Selbstkontrolle)

    Das passiert bei der Spielgruppenarbeit nicht, denn da habe ich die Zeit an jedem Kind etwas liebenswertes zu finden, ohne dass mir Eltern vorschreiben, wie ich meine Arbeit machen soll. Die Kinder vertrauen mir und die Eltern spüren das und vertrauen mir irgendwann auch. Reicht das?
    Meine Meinung? Ja solange du nicht Chefin einer Einrichtung bist.

    Ich habe ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich im Bereich Elternarbeit eine Niete bin... In meiner Gruppe gibt es ein Mädchen, das ständig zu spät von den Eltern abgeholt wird. Zuerst war ich nett und sagte "kann ja mal vorkommen". Als es nicht aufhörte, fragte ich nach dem Grund.... Ich weiss ehrlich nicht ob ich richtig reagiert habe. Ich fühlte mich einfach so ausgenutzt und nicht respektiert.
    Hast du. Und, ja, die Eltern tendierend dazu dicht auszunutzen; nicht absichtlich sondern weil sie im Stress sind. Wehren. Der Anfang ist gut.

    Nimm die Erwachsenen ein bisschen wie die Kinder: Die musst du dir auch erziehen.


  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 230

    AW: Pädagogikbereich und die lästige Elternarbeit, wie macht ihr das?

    Hmm... Damit könntest du Recht haben Wildfang. Ich befürchte schon länger, dass mir das Selbstbewusstsein bei Erwachsenen fehlt. Sollte ich mal in der Therapie aufgreifen...

    Witzig, dass du das MPH erwähnst. Ich nehme MPH seit ca. acht Jahren ein. Davor war ich auch ungefragt ehrlich. Jetzt kann ich es auf gewisse Situationen beschränken. Besuche bei meiner Familie sind seither viel angenehmer!

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Pädagogikbereich und die lästige Elternarbeit, wie macht ihr das?

    Gell. Meine Familie ist auch angenehmer wenn ich MPH nehme, mein Auto braucht weniger Benzin und und und - komische Wirkungen.





    ---
    Zwischen Angel und Tür: Per Telefon und passender App

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.410

    AW: Pädagogikbereich und die lästige Elternarbeit, wie macht ihr das?

    Also: der Anruf bei dem Vater war absolut richtig. Es ist nicht nur dir gegenüber eine Unverschämtheit, sondern auch dem Kind gegenüber, dass immer als Letzte abgeholt und quasi vergessen wird. Das muss sich dann ja auch echt blöd fühlen. Stau kann mal sein, aber nicht so regelmäßig, wie das Kind zu spät abgeholt wird.

    Aber keine Elternabende durch zu führen, finde ich schwierig. Die Eltern geben dir das Wichtigste vertrauensvoll in die Hände und wollen auch mit eingebunden werden, auch wenn es nur dazu dient ihnen Sicherheit zu geben, dass die Kiddies bei dir gut aufgehoben sind. Sie wollen die Sicherheit haben, dass im Herbst herbstlich gebastelt wird und im Frühjahr mit auch was zu frühjahrsbezogenen Themen gemacht wird. Auch wenn es für dich selbstverständlich ist, für die Eltern ist es erstmal neu (zumindest im ersten Jahr), wenn es sich dann wiederholt, kommen sie auch nicht mehr so rege zu Elternabenden.

    Und du kannst den Elternabend dazu nutzen, dir die Eltern zu erziehen, in dem du öffentlich - natürlich ohne Namen zu nennen - darauf hinweist, wie wichtig es für die Kinder ist, pünktlich abgeholt zu werden und was es bei den Kindern für Ängste hervorruft, "vergessen" zu werden, wenn die Eltern die Zeit nicht einhalten. Du kannst auf die Notwendigkeit von Wechselkleicdung, Regenkleidung etc. hinweisen und die Eltern bei allem, was dir ein Dorn im Auge ist, in die Pflicht nehmen. So nen Elternabend beschränkt man zeitlich, damit die Eltern auch wissen, wie lange sie nen Babysitter angagieren müssen ( und damit nicht soviel Zeit bleibt, in der sie dich in Verlegenheit bringen können ;-) )

    Bei uns in D sind Elternabende in Kindergärten zu Beginn des "Kindergartenjahrs" nach den Sommerferien und zu Ende vor den Sommerferein üblich. Allerdings werden teilweise auch die Eltern in die Kindergartenarbeit mit eingebunden, weil es Elterninitiativen sind und dann eben auch die Eltern aktiv - und sei es nur mit Gartenarbeit - mitwirken müssen.

    Wegen der Namen: mach doch regelmäßig ein Thema "Familie", bei dem du dann Fotos von allen Familienmitgliedern(mit Namen) auf ein Blatt klebst und dies dann so dekorierst, dass du unauffällig drauf gucken kannst, wenn dich die Eltern wegen irgendetwas ansprechen. Das merken die gar nicht und du kommst dann nicht mehr in die Verlegenheit, Blut und Wasser schwitzen zu müssen, weil dir der Name nicht einfällt...

    LG Trine

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