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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 371

    Strategien bei ADS

    Ich hatte ein interessante Gespräch mit Forummitglieder und glaube, es ist Zeit etwas zu beschreiben.

    Wie viele, bin auch ich ein Spätentdeckter. Diagnose: Leichte Ade, noch was anderes (aber wir wissen nicht was) und Persönlichkeitsakzentuierung. Persönlichkeitsakzentuierung ist bedeutet im Grunde nur, das man ein kämpfer ist (salopp ausgedrückt), also eine Störung, weil meine Preußische Tugenden als Werte hat.
    Auf das andere möchte ich garnicht so tief eingehen, nur soviel: einwenig Pechgehabt in der Frühen Kindheit / Dramatische Erlebnisse oder wie Watzlawick es so schön formuliert: Man kann nicht vorsichtig genug sein, bei der Auswahl seiner Eltern.
    Vielleicht ein Grund, warum das relativ unbekannte ADS nie auffiel.
    Erstaunt war man, über meine in Weiterbildungszertifikaten, welche die Kompensationsfähigkeit im Umgang mit ADS wiederspiegelt

    Das erste mal hörte ich von ADS, mit einer ausführlicheren Darstellung, bei der Trainerausbildung: Gesundheitssport bei Kindern. Das, was ich dort hörte, entspricht bei weitem nicht, was ich heute weiß.

    Wie viele, habe auch ich einen sehr umfangreichen und facettenreichen Lebenslauf.

    Diagnostiziert wurde ich vor 3 Jahren, kurz nach dem Tot meiner Mun und einem neuen Arbeitsvertrag in der Umgebung. Vorherige Versuche meine beruflichen und damit auch persönliche Pechsträne aufzuklären, hatte ich bereits Hilfe bei einem Dachdenker (Physiotherapeutin) gesucht - mit der Vermutung meine Kinder und Jugendzeit aufzuarbeiten. Das Problem ADS wurde debei nicht erkannt.
    Angesicht der Situation eine aktuellen Job, stimmte das LWL Münster mit mir überein, eine ganztägige Verhaltenstherapie nicht zu machen, sondern eher aus den beruflichen Erfolgen und aufgrund bereits vorhandener Kompensastionsstrategien Kraft zu ziehen. Das erste 1/2 bis 3/4 Jahr war es für mich eine Achterbahn und dank der Suchfunktion diese Forum und anderer Internetquellen, konnte ich vieles verstehen.

    Bereits vor der Diagnose hatte ich Kompensationsstrategien begonnen zu entwickeln. Und man braucht überall andere Strategien: beim lernen, in Netzwerken, im Sport, in der Feuerwehr, im Job - kurzum, in jeder Rolle die wir im Leben spielen. Es sind oft nur Nuancen, denn der persönliche Habitus bestehen. Nun habe ich das Glück,
    • das sich bestimmte ADS-spezifische Begabungen besonders auf Analyse beziehen
    • ich Weiterbildungen absolvierte, die Rüstzeug zu vielen Feldern liefern, wenn man das Rüstzeug erkennt
    • ich kritische Bemerkungen zu meine Person reflektierte und zur Schwachstellen-Analyse nutze.

    Auch, wenn ich heute sehr ruhig und manchmal souverän wirke, so bin ich oft genug am Ende meiner Kraft - bis das bärenherz wieder erwacht.

    Erzählen will ich aber Strategien, abseits von Psychogeplapper und Medis. Von Methoden, die man unter dem Preis der Zähmung von Affekten im Leben agieren kann. Was nützen ausgelebte Affekte, wenn diese nicht zur Selbstbestätigung im leben und zur Kontinuität den Lebens führen. Es gibt einen wunderschönen bildlichen Leitspruch aus der Freimauerei: Jeder arbeite an seinem Stein. Diese Arbeit an sich selbst unterstelle ich einfach jedem.

    Problem:
    Wir plappern zuviel. Dabei vergessen wir manchmal die Distanz. Manchmal vergessen wir auch nur dem Gesprächspartner oder auch nur ihm zu zuhören. Manchmal wollen wir im missionarischen Eifer und im Überschwang der Gefühle die begeisterte Reden Halten.
    Lösungsansatz:
    Es gibt klare Regeln im Umgang in einer Gesellschaft. Bei aller Methodik müssen wir diese auf unsere eigenen Fähigkeiten Regeln in unsere Gedankenwelt verstehen und uns auch zurücknehmen.
    1. Methoden aus der Organisation und Personalführung, sofern diese demokratisch sind, können helfen. Auch hier wieder pragmatisch ein einen saloppen Satz zusammengefasst: Betroffene zu Beteilgte machen. Dazu gehört das zuhören und akzeptieren von Wünschen.
    2. besser sein als andere durch Methodenkompetenz: Benimmkurs.
    Und natürlich alles reflektieren.
    3. sich zurücknehmen. in vielen Bereichen spricht man von einer 80:20 Regel. Warum nicht auch hier. Wir sind wichtig, aber wir müssen es nicht beweisen. Wer uns schätzt, wird uns fragen.
    4. reflektieren, wie es uns geht. Bei Besprechungen hakt man jeden Punkt ab. Ist man der Moderator faßt man kurz den Punkt zusammen, (also das ist sososososo, ist das so ok?) und erst dann abhaken. Bei nicht Moderator muss nicht nur abhaken, sondern punkte dazu schreiben (Heiner hat immer noch keine Ahnung, kurzschließen mich micha, ...).
    5. Nur wir sind in der Lage 8 Gespräche paralell zu führen, daher müssen wir Rücksicht nehmen auf Muggels. Deswegen lieber 15 min seine anliegen auf ein Block (Blöcke sind schön) notieren um dann in 5 minuten alles Abzufragen.
    Fazit: starke Orientierung an sachliche Vorgehensweise - Affekte, Lob, Achtung kommt später.

    Problem:
    Alles 100% machen.
    Lösung: 1. 20% brauchen 80% der Energie. Wenn wir uns mit 80% zufrieden geben, und von den letzten 20% nur das relevante machen - können wir zufrieden sein. Leider müssen wir das bei anderen akzeptieren, bei uns und gegenüber dem Chef.
    2. Lösung: Marketing leben. Das bedeutet nur die Frage: Was will der Kunde. Der Chef ist dein Kunde. Es gibt aber auch andere Kunden, mit denen man Tauschhandel treiben kann. Und der Kunde weiß nicht, was du im Lager hast. Und die Steigerung ist: einen Hyperfokus aktivieren.



    Problem:
    Struktur und Ordnung am Arbeitsplatz.
    Ich habe das wahnsinnige Glück, derzeit einen Job mit mehren Aufgaben und Projekten zur gleichen Zeit zu haben. Aber es gibt auch hier Regeln. Mein einziger ordentliche Schreibtisch steht in der Firma. Der Schreibtisch ist deine Visitenkarte. Nun geht es darum bei allen Methode die eine Methode mit deiner Persönlichkeit und Arbeitsstruktur zu verbinden. Bei meiner jetzigen Tätigkeit hat das Ablagesystem mit drei Fächern 1/2 Jahr auf die Zuordnung gewartet, die Beschriftung nur 2 Tage. Und das aktuelle liegt vor der Tastatur, und dieser Stapel soll nicht dick werden. Wenn man den Stapel durchblättert, bleibt man am Richtigen Vorgang hängen. Und manchmal hängt da sogar eine Haftnotiz, mit Aufgaben dran. Ratet mal, auf auf dem vollsten Ablagefach steht: "Warten auf andere".

    Kommen wir zurück auf diese Haftnotizen. Aufgaben stehen bei mir auf drei verschiedene Medien: Haftnotizen, Kalendereintrag, Aufgaben im Outlook. Die ersten Aufgaben sind also auch immer: Mail und Kalenderprogramm starten und reinguggen, Stapel vor der Tastatur.

    Durcharbeiten von Dokumenten:
    Auch ich habe mal Kopfkino, kann den Text nicht begreife und schweife ab in Gedanken an ...... .
    Ersatzhandlungen zum redeten: Kaffee Holen, Schorle mischen, Apfel zerschneiden und Kerne rausschneiden, ...., Aufgabe (kurzzeitig) wechseln.
    Naja, und es geht immer noch nicht ... Bären sind zu dick, um sich vor Ärger in den Hintern zu beißen ...: Nun geht nur noch Dokument aktiv bearbeite,dh. Unterstreichen, anmarkern, Randbemerkungen, Dokument unterteilen in kleinere Einheiten, Kernaussagen abhaken, etc. . Dies gilt sogar bei eigenen Dokumenten: Ein Haken für gut so, habe ich gut gemacht.
    Auch hier kann es sinnvoll sein, 30 min sein Vorgehen zu überlegen und es in 15 Minuten zu erledigen. Beim nächsten mal dauert das "vorher Überlegen" nur noch 25 min!


    so, eben honigklauen ist

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 214

    AW: Strategien bei ADS

    Ha, alles gelesen.
    Und mal wieder gemerkt, dass ich Vieles eigentlich weiß aber leider nur bedingt um- oder einsetzen kann...

    Ich hatte jetzt eine Woche Bildungsurlaub, da wurden viele tolle Strategien vorgestellt. U.a. die 20:80 Regel. Oder die Mikroschritte. Mein Problem ist, dass es mir meist nicht gelingt, solche Strategien in den Alltag zu integrieren.

    Ich werde in "langweiligen" Meetings und Vorträgen schnell müde. Und ich befürchte, ich bin ein kleiner Nerd. :o Hatte gestern den ersten Tag einer Fortbildung für Fortgeschrittene und freue mich heute aufs Programmieren. Hyperfokus sei Dank nehme ich echt alles mit. Aber wie stelle ich den bewusst an, wenns weniger spannende Themen sind?


    Gruß
    Mary

  3. #3
    pero

    Gast

    AW: Strategien bei ADS

    Schön das es für dich so funktioniert. Ich habe das mit dem Schreibtisch 1000 mal angefangen, hielt so 2-3 Wochen.

    Aber wie stelle ich den bewusst an, wenns weniger spannende Themen sind?
    Gar nicht. Wenn Du das könntest hättest du kein ADHS.

    Das Problem ist doch das das Hirn nicht so funktioniert wie bei anderen, das es laufend den "Kanal wechselt" ohne das man dagegen etwas tun kann.

    lg
    pero

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 731

    AW: Strategien bei ADS

    Kann ich alles nachvollziehen.

    Konversation: Halte ich mich zurück, bzw. rede nur, wenn ich angesprochen werde.
    Alles 100% machen: Eher so ... Tausend Dinge anfangen, alles perfekt machen wollen und am Ende nichts hinkriegen. Exakt hier - vor allem in schulischer Hinsicht - verwende ich das Paretto Prinzip. Je nach Stresslevel schaffe ich es in einen Hyperfocus und mache 100% aber ich erzwinge es nicht (mehr).
    Struktur & Ordnung: Lol ... ne danke.
    Durcharbeiten von Dokumenten: Bei (langweiliger) Lektüre lese ich Zusammenfassungen. Alles andere geht (mit MPH) ansonsten sehr gut, weil mich Theorie an sich sehr interessiert. Je komplexer die (motivierende) Thematik, umso tiefer durchdringe ich den Stoff, das Gelesene und habe keine Probleme damit aufmerksam zu bleiben.

    Zusätzlich ... Verhaltenskurse. Eh, nein danke. Ich bin nett und freundlich, halte mich zurück und schwärze niemanden an aber solche Dinge stehen mir gar nicht. Gut, ich habe nicht vor mich jemals wieder anstellen zu lassen. Die Lehre war für mich alles, was ich wissen musste, um sofort wieder back to school zu gehen. Danach folgt Uni und eigenständiges Arbeiten.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 47

    AW: Strategien bei ADS

    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
    - F.N.

    (Kein copy-paste, ist Buchstabe für Buchstabe getippt.)

    (Bin gerade an einem dunklen, schweren Ort, drum mag ich nicht umfangreich antworten. Wollte lediglich das Zitat mit dir teilen, das mir beim lesen deiner für mich tröstenden Wote in den Kopf schoss. Ahoi!)

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