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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 49

    AW: Ingenieurstudium

    Hallo,

    ich treibe mich im Bio-Ingenieurswesen rum, genauer gesagt, studiere ich Biotechnologie und bin in einem Jahr fertig - wenn ich das durchziehe (Würde ja gerne zu Physik wechseln).

    Also meine Erfahrung ist, dass sich AD(H)S alleine nicht sooo schlimm auf die Leistung auswirkt, es sei denn es kommt eine richtig schwere Depression hinzu - und man hat somit ein grosses Problem mehr, aus welchem noch mehr Probleme entstehen (in der Regel).

    Ich konnte mein AD(H)S halbwegs im Griff halten durch strenge Disziplin, Kompensationsstrategien, etc., aber das hat meine Psyche soviel Kraft gekostet, dass ich irgendwann komplett abgeschmiert bin (13 Stunden schlafen, ganzen Tag müde, morgens nicht aus Bett kommen, kein Antrieb, und und und...).

    Ausgeprägtes AD(H)S + Ausgeprägte Depression + Beides ohne Diagnose + Beides unbehandelt = Totaler Super - Gau!!!

    Ich besuche die Uni zur Zeit nur noch für Klausuren schreiben und Praktikas und mir arbeiten 1-2 Kommilitonen zu (Mitschriften, Manuskripte, wichtige Termine, etc.).

    Was das Lernen angeht, ich habe meistens mit Hilfe von Probeklausuren gelernt, die helfen den Lernstoff zu minimieren. Einfach gucken was für Fragen gestellt werden und wie die Lösungen aussehen, damit dann den Lernstoff filtern und übrig bleibt das wichtigste.

    Zusätzlich den Lernstoff auf verständliche Sprache umschreiben, neu gliedern, Absätze reinbauen, Textmarker benutzen. Ordnung auf dem Schreibtisch halten, möglichst Ablenkungen vermeiden, Fernseher aus, keine Musik laufen lassen, Computer wenn laut ist auch aus, bei Straßenlärm das Fenster zu machen wenn es hilft, usw. .

    Auch sehr hilfreich: Sich einer Lerngruppe anschließen, dort bringt jeder Student seine eigene Perspektive/Sichtweise zu einem Thema ein, sowie eigene Lösungsansätze für Aufgaben/Probleme.
    Diese kreative Vielfalt hilft ungemein sich einen guten Überblick zu verschaffen und mehr Verständnis von der Thematik zu bekommen.

    Lerngruppen sind meiner Meinung auch ein Motivationsfaktor, denn man sieht, dass man nicht allein ist und der einzige ist, der für eine Klausur lernen muss. Zusätzlich gewinnt man neue soziale Kontakte, die sich nicht nur auf das Lernen beschränken müssen. Das wirkt sich stabilisierend auf die eigene psychische Verfassung aus - meiner Erfahrung nach.

    So können sogar neue Freundschaften entstehen, mit denen man auch persönliche Probleme teilen kann (wenn Vertrauen da ist).

    Als Motivation hab ich z.B. die Aussichten auf einen gut bezahlten, zufrieden stellenden Job mir in meinen Gedanken ausgemalt, sowie das Sprichwort: "Bildung statt Armut" oder "Bildung schützt vor Armut". Wobei selbst ein Akademiker auf der Straße landen kann, was aber in der Regel in Deutschland eher selten der Fall ist.

    Geholfen hat da auch die Tatsache, dass bereits vor Abschluss des Studiums an unserem Campus Firmenvertreter versuchen einen für den eigenen Konzern anzuwerben, bzw. zu locken.

    Sogenannte Info-Heftchen sollen einen dann, wenn es soweit ist, daran erinnern, dass es ja Firmen gibt die einen mit offenen Armen aufnehmen würden, wenn man sich bei ihnen bewerben würde.

    Ich habe zwar die Zeiten des "Diplom"-Studiums nicht mehr selber erleben dürfen, dank des Bologna-Prozesses, aber ich konnte mir eine Meinung zu dem Bachelor-/Master System bilden.

    Ich denke es ist auf jeden Fall hart und Krankheiten werden nicht wirklich toleriert. Man hat Module, die man erfolgreich abschließen muss, um sogenannte Credit-Points zu bekommen. Wie schließt man ein Modul ab? In dem man die Klausur schreibt und hoffentlich besteht.

    So sammelt man nach und nach Credit-Points, von denen man gegen Ende des Studiums sich den Bachelor "kauft", soll heissen man darf eine Bachelor-Arbeit schreiben wenn man fleißig genug war. Z.B. für 183 Credit-Points die Erlaubnis haben, eine Bachelor-Arbeit über "Präzise DNA-Sequenzierung mittels Einsatz von Kohlenstoffnanoröhren"

    Das ganze System kommt mir recht straff vor und erlaubt kaum Fehler.

    LG

  2. #12
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 236

    AW: Ingenieurstudium

    Ich mache ein Ingenieurstudium und bin kurz vorm Ende und leicht hinter der Regelstudienzeit. Ich habe meine Diagnose im Hauptstudium bekommen.
    Bei mir geht es in Richtung Werkstoffingenieurwesen und Verfahrenstechnik.
    Im Grundstudium hatte ich kaum Probleme. Die Lehrveranstaltungen waren alle strukturiert und es gab zu den Rechenübungen Übungspläne (welche Aufgaben welche Woche zu lösen waren), was ein guter Anhaltspunkt für mich war. Die Praktika fand ich ziemlich hart, insbesondere das Protokolle schreiben und die Vorbereitung. Ich hatte auch manchmal Probleme, während eines Praktikums richtig zuzuhören und den Anweisungen zu folgen.
    Wenn ich in den Vorlesungen nicht zugehört hatte oder nicht mitdenken konnte weil es zu schnell war, war das häufig kein Problem: ich bin das Skript oder die Aufzeichnungen durchgegangen und habe versucht, mir die Inhalte mit Hilfe der Anhaltspunkte selbst zu vermitteln - auch wenn es nicht immer erfolgreich war habe ich dadurch mehr gelernt, als wenn ich brav zugehört und den Inhalt gepaukt hätte.
    Ich finde die vielen Skizzen, Zeichnungen, Formeln, Diagramme und Bilder anschaulicher als viel Text - was mir beim Ingenieurstudium sehr geholfen hat.
    Ich habe mir für die Prüfungen Lernpläne gemacht. Zu Beginn des Studiums habe ich mich trotz der Lernpläne verzettelt oder nicht gelernt, später ist es etwas besser geworden. Mir hat es geholfen, eine Gliederung fürs Lernen oder einen Plan direkt über den Schreibtisch zu hängen.
    Lerngruppen haben mir etwas gebracht, wenn wir uns vor dem Treffen schon etwas vorbereitet hatten. In den Übungsgruppen konnte ich aber oft nicht folgen, wenn sich mehrere Studenten zusammengetan haben und ich blieb außen vor.
    Am schwierigsten war es für mich die Studienarbeiten zu planen, Ordnung in den Aufzeichnungen zu halten und das Schreiben zu strukturieren. Selbst meine Ordnungshilfen und Pläne sind im Chaos versunken. Ich habe mir beispielsweise vorher genau überlegt und aufgeschrieben, wie ich meine Proben umordne und als ich es getan hatte, hatte ich die Proben dann doch vertauscht. Beim Schreiben habe ich mir die Zähne fast ausgebissen Mir ist bis heute noch nicht ganz klar, in welchen Kategorien ich die Aufzeichnungen ordnen kann, weil es mehrere Möglichkeiten gibt. Trotzdem hat es mit der Zeit immer besser geklappt und andernfalls sollte man den Betreuer fragen, wie man ordnen sollte.
    Dennoch haben gerade wir AD(H)Sler kreative Ideen, um Probleme zu lösen.

    Was für Probleme auftreten und mit welchen Mitteln man am besten vorankommt, entscheidet das individuelle Störungsbild und die Komorbiditäten spielen auch eine wichtige Rolle. Ich hatte beispielsweise mit sozialen Ängsten zu kämpfen.
    Geändert von verpeilt. (13.04.2013 um 00:45 Uhr)

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 60

    AW: Ingenieurstudium

    Habe Mechatronik studiert und abgeschlossen.

    Ein paar Tipps, die vielleicht helfen können, aber nicht jedem müssen:

    FH eignet sich m.E. besser für ADHS'ler, weil's strukturierter und überschaubarer ist und Uni mehr Selbstdisziplin verlangt.

    Soziales Netzwerk aufbauen. Als ADHS'ler braucht man hin und wieder Unterlagen, die man gerade verlegt hat, Terminchaos oder man hat nicht immer aufgepasst. Kollegen können da helfen und in Tiefs findet man durch sie wieder Mut. Zu Zweit oder zu Dritt lernen macht Spass, man muss so eine Lernsession durchziehen ohne sich ablenken zu lassen.

    Sich von Tiefs nicht unterkriegen lassen. Strategien dagegen entwickeln.

    Es kann nicht schaden sich vorher mal das Jobangebot in diesem Bereich anzuschauen und sich zu überlegen, wo man gerne arbeiten möchte. Je nachdem kann man sich auch die geeigneten Praktika suchen.

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Ingenieurstudium

    Hallo,
    bin Werkstoffingenieur B.Sc. und bin im Master.
    Wichtig im Studium ist grundsätzlich
    Ruhe, nur das wichtigste Lernen und Lerngruppen. Dann klappts auch
    Und man muss nicht alles verstehen. Außer man ist sehr schlau

  5. #15
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 104

    AW: Ingenieurstudium

    Manuu schreibt:
    bin Werkstoffingenieur B.Sc. und bin im Master.
    Dem Sc. nach zu urteilen an einer Uni? Respekt!
    Ich habe das bisher nicht mal an einer FH auf die Reihe bekommen...

  6. #16
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Ingenieurstudium

    Manuu schreibt:
    und Lerngruppen. Dann klappts auch
    Jepp. Ich hab praktisch nur in Lerngruppen richtig lernen können, ich hab dann die Gruppe organisiert ("einer muss es ja machen" - mach's halt ich) und immer drauf geachtet dass mindestens einer/eine dieser strenge Arbeitstiere dabei waren damit es nicht in Teepartys ausartet ...

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