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Diskutiere im Thema Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf... im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Lin


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Ich möchte so ungern so hoffnungslos klingen, denn ich bin es selten, war es auch selten. Aber auch hoffnungslose, schwache Momente möchten mal geteilt werden.

    Eine zu detaillierte Beschreibung meines bisherigen Werdegangs möchte ich euch ersparen. Es sei soviel gesagt: Die letzten > 10Jahre habe ich sehr viel angefangen, jedoch weder Ausbildung, noch Studium beendet. Zwar gearbeitet, aber eher Studentenjobs während der Studienzeit. Nie etwas geregeltes also. Ich brauchte ständig Abwechslung. Oder ich glaube, diese Abwechslung zu brauchen, weil ich keine andere Erklärung hatte, warum ich nicht am Ball blieb. So schwierig zu unterscheiden, oder?

    Vor allem aber, habe ich offenbar mit der Zeit gelernt, stets fleißig zu rationalisieren. Warum ich etwas nicht mehr wollte, konnte ich überaus genau und sehr einleuchtend erklären. Natürlich kamen mir ab und an (vor allem mit der Zeit immer öfter) Gedanken, dass ich auffällig viel versuche, anfange, aufhöre, abbreche. Man fragt sich, ob etwas anderes dahinterstecken könnte. Man traut sich schon gar nicht mehr, sich über etwas total zu freuen, weil man entweder das große Vorhaben trotz sehr aufwändiger Planung letztendlich kurz vorher doch nicht umsetzt. Oder weil man sich fragt, ob man bei diesem Hobby/Interesse länger durchhält. Dennoch bleibt man wer man ist und ist auch beim nächsten Vorhaben, der nächsten Idee, etc. euphorisch und begeistert. Vor allem aber immer noch überzeugt.

    Wie sehr das an der Fähigkeit der Selbsteinschätzung nagt,
    muss ich euch wohl nicht erklären...

    Ich habe nun fachlich/thematisch meinen Bereich gefunden. Aber Arbeit habe ich trotzdem nicht. Und ich weiß nicht mehr, ob ich jemals welche haben werde.
    Was lässt mich nun genau daran zweifeln?

    1. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich über längere Zeit jeden Tag stundenlang arbeiten kann. Ich habe auch schon wochenlang auf Messen gearbeitet, teilweise mit 16Stunden-Tagen, aber das ging immer nur, weil es kurzfristig war. Ich bin einfach viel zu schnell überfordert. Das ist keine leichte Aussage für mich. Denn ich wünschte mir, ich könnte von mir behaupten, dass ich sehr belastbar bin etc. Dem ist aber nicht so. Dies einsehen zu können, hat 32Jahre gedauert. So dämpfend das auch ist, die Einsicht an sich hatte etwas Befreiendes. Ich kann auch meine Freizeit nicht vollpacken, brauche immer Zeit für mich. Nicht zwangsläufig allein, aber eben Zeit, in er ich entscheide & ich nix muss. Das Höchste, was ich bisher durchhielt, waren 3 Monate Vollzeit-Job, dann kam die Notbremse, aufgehört. Ich kann auch schlecht erklären, was mir zuviel wird. Ich brauche einfach diese Auftankphasen. Ansonsten bin ich völlig neben der Spur, noch unkonzentrierter, völlig reizbar, kaum leistungsfähig. Jeder braucht natürlich Zeit für sich. Aber ich fühle mich ansonsten so stark überfordert, dass mir fast egal ist, worum es geht: ich zieh mich einfach zurück und sage ab. Denn der Gedanke/das Gefühl, wenn ich mich ohnehin schon etwas ausgelagt fühle, also emotional besonders "offen" (was emotionale oder sensitive Reize betrifft), der Gedanke an die anstehende Situation (Treffen mit jemandem, Arbeitstag, irgendeine Verpflichtung, Gruppentreffen, manchmal Tel.) macht mich total fertig und ich will um keinen Preis in diese Situation!

    Wie soll man denn bloß jemandem erklären,
    dass es rein gar nichts damit zu tun
    als hätte man einfach keinen Bock!
    Hinzu kommt: was ich bereits für Jobangebote in den Wind geschossen habe!
    Im letzten Moment bekam ich vermutlich kalte Füße. Warum?
    Ich weiß es manchmal nicht.
    Wenn ich zurückdenke, kann ich nicht immer genau sagen,
    was im Moment der Entscheidung das Ausschlaggebende war.
    Und es waren so tolle Glücksgriffe dabei.

    2. Mittlerweile habe ich mich für die Selbständigkeit entschieden. Unbewusst wohl aus Gründen der ADS-Symptomatik und der hohen Empfindsamkeit. Bewusst / "offiziell" ging es natürlich fast ausschließlich darum, dass man sein eigener Chef sein möchte etc. Doch obwohl ich fachlich mehr als begeistert bin, schaffe ich unheimlich wenig bis gar nichts. Es ist mir einfach zu viel. Mittlerweile denk ich mir, wie soll auch jemand, der sich so schlecht konzentrieren kann (jedenfalls selten konstant konzentriert), ständig von Hölzken auf Stöcksken kommt, ständig den Fokus verliert, ständig Auszeiten braucht und sich dann wieder neu motivieren muss, ständig abgelenkt wird und für 5Minuten-Aufgaben manchmal Wochen (!!!) braucht, alles selbst organisieren muss aber trotz Vorliebe für ToDoListen & Ordnung schnell überfordert ist und das nach hinten schiebt, wie soll so jemand komplett allein die Selbständigkeit schaffen und von dieser leben?

    Ich sehe mittlerweile so oft mein zukünftiges Dasein als ewig vom Staat Abhängige. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie zermürbend und deprimierend das ist. Ich sehe grad aber keinen Lichtblick. Der Gedanke an Teilzeit z.B. ist für mich dann an die Panik gekoppelt: "Was ist, wenn ich an manchen Tagen wieder so ausgelaugt bin und einfach nicht kann?!? Wie soll ich denn bitte mit dieser Angst den Schritt auch aus der Arbeitslosigkeit wagen? Und abgesehen von Menschen, die diese Symptomatik kennen gibt es so wenige, mit denen man sich hierüber austauschen kann. Ausheulen, ja, aber wirklich austauschen?

    Ich habe vor einigen Monaten erst die Diagnose erhalten und mit der Medikation angefangen. Tagsüber spüre ich Verbesserungen durch das MPH. Das AD möchte ich so gern absetzen, denn es macht mich so müde. Es bringt aber meinen seit Jaaaahren völlig verrückten Schlafrhythmus auch nicht in Ordnung was noch ein weiterer Grund für meine Angst vor einer offiziellen Arbeitsaufnahme ist. Es ist so wahnsinnig viel, um das man sich kümmern muss. Allein für das eigene Wohlbefinden, für die eigene GEsundheit. Und dann noch eine 40Stunden-Woche jeden Tag? Unmöglich!


    Ich frage mich, wer von euch ähnlich extreme Erfahrungen & Empfindungen kennt und welche Zukunftpläne ihr habt oder welche Ansätze euch inwiefern geholfen haben.

    einen lieben Gruß,
    von einer sonst nicht so pessimistischen
    Lin

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Hi.

    Wenn ich dran denke, dass ich noch länger arbeiten gehen muss wie ich auf der Welt bin krieg ichs kotzen. Absolut unvorstellbar. Habe bisher immer Arbeit gehabt und mich so durchgefummelt. Aber der Gedanke, dass das immer so weiter geht....
    Oft bin ich so im Arsch und unmotiviert, dass ich morgens liegen bleiben könnte. Aber wenn man dann daran denkt, dass man nen guten Job verliert und sich die Zukunft als schwarzes Loch darstellt, dann schleppt man sich ausm Haus. Das belastet unwahrscheinlich. Die Angst vor der Zukunft richtets meistens.
    Ich denk mir dann immer: "Tja, hat keiner gesagt dass das Leben Spass macht" Übrigens: Wenn ich einen von denen in die Finger kriege die immer vollmundig behaupten dass das Leben schön sei, gnade ihm Gott.

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Ich sehe auch öfter die beiden Seiten der Medaille.

    Also- Panik mir etwas erschaffenes wieder selbst kaputt zu machen, weil ich eben dies

    Ich kann auch meine Freizeit nicht vollpacken, brauche immer Zeit für mich. Nicht zwangsläufig allein, aber eben Zeit, in er ich entscheide & ich nix muss.
    auch genau kenne.

    Die Angst vor der Zukunft richtets meistens.
    Ich denk mir dann immer: "Tja, hat keiner gesagt dass das Leben Spass macht"
    Das hier aber auch. Und genau so funktioniert es bei mir morgens, wenn ich MUSS.

    Materieller Zwang zu etwas und Motivation durch Zwang ist natürlich eine schlechte Basis um morgens zum Job zu gehen.
    Als ich einen Job mit Gleitzeitsystem hatte, war das alles etwas besser.
    Das funktionierte sehr gut für mich.
    Möglich, das ich da genug Druck hatte um hinzugehen, die (kleine) Wahlmöglichkeit des "wann genau", hat es mir aber sehr erleichtert.

    Bei deiner Selbstständigkeit hilft dir vieleicht mal ein Coach? Es gibt doch Unternehmerverbände und sowas.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 314

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Dein Text hätte von mir stammen können, ok ich habe eine Ausbildung und Weiterbildung geschafft aber Studienabbrüche, studijobs, Messetätigkeiten mit besagten 16stunden tagen, etc pp....
    Also mittlerweile habe ich hier im Forum herausgefunden, dass es wohl 80-90% der Leute hier so ergeht, schnell überfordert/unterfordert schnelles interesse aber genauso schnell desinteresse etc pp.... deswegen hoffe ich auf eine geeignete Coaching-Therapie und medikamentöse Begleitung. Zurzeit mache ich DBT , das ist schon mal ganz gut, aber dennoch, man wird ja auch nicht jünger und was das berufliche angeht, wird die konkurrenz aber immer jünger und welcher personaler stellt gerne eine/n Ü30 Studi ein? es ist sau schwer und die existenzangst wächst und wächst. ich selber bin schon schwerbehindert und werde wohl für die belastungserprobung erst einmal den fachdienst reha machen mit je zwei 2.5monate langen praktika die auch erst mit 4 stunden täglich anfangen , man ist so lange schon raus, da muss man sich wohl erst einmal wieder an die ganze sache heranpierschen, statt direkt 100% geben zu müssen.
    Vielleicht wäre dies auch eine alternative für dich?

  5. #5


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 9.020

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Hallo,

    mir ging es mit Anfang 30 ähnlich wie Dir. Kein Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Perspektiven. Immer die Jobs verloren, geschmissen und immer tolle Ausreden gehabt. Auch oft umgezogen bin ich (bis heute). Auch Drogen spielten eine Rolle. Zum Glück war ich nie wirklich abhängig, außer von Zigaretten. Schulden gemacht.

    Ich habe dann aufgrund des Frusts mit Suizidgedanken (und ich bin eigentlich ein recht fröhlicher Mensch) eine Therapie begonnen. Radikal. Einweisung in die Psychiatrie, nach 2 Monaten Tagesklinik, dann 7 Monate Aufenthalt in einer Therapieklinik. Während dieser Zeit habe ich einen anderen Menschen kennengelernt in mir. Und ein Pfleger, der unvergessene Herr Müller, hat sich meiner angenommen. Er hat mit mir meine Alltagsprobleme bearbeitet, ist z.B. mit mir zur Schuldenberatung gefahren etc. Klasse Typ.

    Ich habe dann die meisten Kontakt von früher erst mal auf Eis gelegt, bin dort geblieben, wo ich die Therapie gemacht habe, habe den Abschluss nach gemacht, habe eine Ausbildung angefangen und auch beendet und bin dann irgendwann wieder in die Heimat zurück. Achja, meinen Mann habe ich während der Therapie auch kennen gelernt.

    Leider war damit nicht das Problem mit der Arbeit gelöst. Nachdem ich innerhalb von 2,5 Jahren beim 4. angelangt war, habe ich mich, wie Du, selbständig gemacht und das bin ich bis dato. Aber mir fallen trotzdem viele essentielle Dinge schwer. Termine halte ich fast immer ein. Ging früher gar nicht. Privat fällt mir das viel schwerer. Früher bin ich oft erst so gegen Mittag auf der Arbeit erschienen. Ging natürlich gar nicht, aber ich konnte nichts dagegen machen.

    In der Rückschau denke ich, dass ich diesen Weg u.a. geschafft habe, dass ich dies teilweise für mich aber auch teilweise für meinen Mann geschafft habe. Ich wollte es uns beweisen.

    Oben wurde schon mal ein Coach vorgeschlagen. Ich glaube dies ist eine tolle Idee, weil du dann jemanden hättest, der Dich immer wieder in die Spur bringt und Du mit der Zeit merkst, es geht ja doch.

    Außerdem solltest Du vielleicht noch mal mit dem Arzt über das Antidepressivum reden, weil in Deinem/unserem Zustand noch zusätzlich müde sein ist eigentlich ein no go.

    So jetzt habe ich aber viel palavert.

    Erst mal viel Glück
    Minzi

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 39

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    ... ich habe das gleiche Problem, trotz abgeschlossenem Studium und 2 Ausbildungen, nur Chaos in meinem Berufsleben.., kein Job länger als 2 Jahre, ständiger Wechsel zwischen Über- und Unterforderung, Motivation und Langeweile ... mehr oder weniger notgedrungen in der Selbstständigkeit gelandet, doch bisher ohne nachhaltigen Erfolg, da ich mir ständig selbst im Weg stehe .. ... seit ich MPH nehme bin ich zumindest nicht mehr müde und kann theoretisch länger arbeiten, doch bestimmte ADS-Symptome verschwinden einfach nicht...so der Zwang ständig etwas Neues anzufangen, obwohl man das Alte noch nicht fertig hat.. mein Gehirn quillt mittlerweile über vor unfertigen Projekten... http://www.en.kolobok.us/smiles/user/Cherna_07.gif eine Lösung habe ich auch noch nicht... ich könnte mich am liebsten wegschmeissen http://www.en.kolobok.us/smiles/user/Alvarin_34.gif....naja was soll man machen, das Leben geht trotzdem weiter...

  7. #7
    Lin


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Vielen lieben Dank für all eure Rückmeldungen!

    Es ist seltsam, wie übermannt ich mich derzeit fühl. Ganz gleich, was in meinem Leben bisher passierte, ich war die meiste Zeit optimistisch, lebensfroh und auch in den schlimmsten Momenten in der Lage, nicht zu verzweifeln sondern sogar daraus Kraft zu schöpfen, auch für die Menschen in meinem Umfeld. Jeder, der mich kennt, kennt & bezeichnet mich als überaus positiven Menschen, der dies auch seinem Umfeld vermittelt. Und ich meine keine 2minütige affektive Euphorie. Ich glaube, der Grund, warum ich grad so einen Riesenberg an Aufgaben & Schwierigkeiten vor mir sehe, liegt an der Einsicht über das Ausmaß meiner Schwächen. Bisher hat man die ja so oft heruntergespielt oder umformuliert.

    @Manta & Stargazer

    Die Angst vor der Zukunft richtets meistens.
    Angst lähmt mich eher. Der Gedanke, dass ich unbedingt muss, funktioniert selten im entsprechenden Moment. Nicht à la "gut, wenn man Geld verdienen möchte, MUSS man arbeiten" etc. Sondern eher die Momente, in denen man meint, sich zwingen zu können, weil man angeblich muss. Klappt nicht, ganz im Gegenteil. Da blockier ich noch mehr Die Grundmotivation muss da sein, DANN ist es mir oft auch egal, was zwischendurch auf dem Weg auch mal gemacht werden muss. Je besser die Grundmotivation, je mehr ich also will, desto seltener hab ich Probleme mit Dingen, die ich grad nicht so toll find. Klingt ja auch logisch. Aber wir Hochsensiblen haben eben viel größere Schwierigkeiten damit, Dinge zu erledigen, die unser "Lustprinzip" nicht erfüllen... Heißt, ich will ja arbeiten, mich betätigen, finanziell unabhängiger sein, usw. Die Grundmotivation ist da. Wenn's aber z.B. ein Bereich ist, der mir kaum zusagt, ist die Grundmotivation für DEN Job schon mal schlecht und Probleme sind vorprogrammiert. Hab nun also auch einen Bereich gefunden, der mich seit ca. 2Jahren begleitet und das Interesse eher noch steigt. Grundmotivation ist also für meinen Bereich vorhanden. An der Umsetzung hapert es aber so häufig. Und da spielt so viel eine Rolle, das ich nicht mal zusammenfassen kann... Lese ich sämtliche Fachliteratur nicht, weil ich keine Struktur habe? Oder weil der Gedanke, mich damit zu befassen, mich doch langweilt? Oder überfordert? Oder weil es einfach zu viel ist, um was ich mich alles kümmern muss? So dass ich oft einfach nur unwichtiges Zeugs lesen/hören/sehen will um mich nicht zu überfordern? Denn zwischendurch erledige ich ja auch Dinge, die weniger angenehm sind, aber die gemacht werden müssen, wenn auch selten. Vielleicht rationalisier ich grad auch wieder viel zu sehr.

    War das einigermaßen verständlich?
    Ich glaube ohnehin mittlerweile,
    dass mir die größten Schwierigkeiten
    von der hohen Empfindsamkeit bereitet werden.
    Ablenkbarkeit - Konzentrationsschwäche - Reizüberflutung - Überforderung.

    Daher auch die AD, damit mein Empfinden etwas runtergefahren wird. Diese "egal"-Phase ist ganz schön angenehm manchmal. Sich öfter einfach zu trauen, gewisse Dinge auszusprechen. Ist das wirklich von den AD oder doch vom MPH? Manchmal glaub ich nämlich, sobald die Wirkung des MPH nachlässt, bin ich konfuser & nachdenklicher als sonst (oder als mit MPH, was sich so erst bemerkbar macht natürlich). Also vielleicht doch eher vom MPH. Ich liebe die Wirkung von MPH. Hätte ich niemals gedacht. Ich bin jahrzehntelanger Anti-Medikamente-Verfechter Und nun gleich sowas. Aber die Wirkung ist so erleichternd, ihr wisst ganz sicher was ich meine. Gedankenchaos geht gar nicht, so eklig finde ich das. Starkes Empfinden & Gedankenchaos lösen bei mir oft erst diese Überforderung aus, nach der ich dann blockiere.


    @hitori
    man ist so lange schon raus, da muss man sich wohl erst einmal wieder an die ganze sache heranpierschen, statt direkt 100% geben zu müssen.
    da sagste was. Ich hätte nie gedacht, dass es so unglaublich gut tun kann, Gleichgesinnte zu treffen! Ist man doch sonst so kommunikativ und gesellig und denkt sich, ach, wenn ich wollte könnte ich mit so vielen Menschen drüber reden. Aber erst wenn man sich mit Gleichgesinnten austauscht, merkt man, welches Gefühl vorher gefehlt hat.
    Ich hätte mich schon längst um Therapie kümmern sollen seit meiner Diagnose vor 3 (?) Monaten. Habe allerdings aufgrund meines völlig katastrophalen Schlafrhythmus selten zu entsprechenden Zeiten am Tel. gesessen. Bisher war ich zu faul & angeschlagen dafür. Und ich habe auch noch überhaupt keine entsprechenden Fachleute mit besonderer Ausrichtung auf ADS finden können. Das lässt sich so schwer in Erfahrung bringen. Aber einfach anfangen, nehme ich an. Verhaltenstherapie möchte ich auch anfangen. Habe aber davon gehört, dass vielleicht doch der psychoanalytische Ansatz für Hochsensibilität geeigneter wäre (oder bringe ich da grad etwas durcheinander).

    Ich muss mich um Therapie kümmern, aber welche. So viel Recherche (und somit so viel Getrödel wieder). Dann das Coaching. Bin noch beim Arbeitsamt, also wird das vielleicht gefördert? Alles andere kann ich mir nicht leisten. Dann kommt das Prozedere mit dem AA :-/ aber erstmal wieder Recherche, bei der ich oft für 10min-Dinge 3Tage brauche. Aber gut. Ich hab mir auch schon überlegt, dass ich mir erstmal sage, dass ich nur Di-Do arbeite. Bisher hatte ich den Anspruch von Mo-Sa 10-12Std. (nicht, dass ich das durchgehalten hätte). Ich muss sagen, dass mir die Überwindung fehlt, um ganz offiziell damit umzugehen, also ADS-Diagnose beim AA bekanntgeben, Reha, Maßnahmen, etc. Ich weiß aber, dass du Recht hast, und ich definitiv erstmal langsam anfangen muss.


    @minzi


    Toll, dass du diese guten Veränderungen vollziehen konntest, das freut mich sehr! Ich bin noch Single, wohne alleine. Das macht es bei dieser Symptomatik etwas schwerer. Mit dem Rauchen habe ich aufgehört. Drogen sind kein Thema. Habe früher einiges ausprobiert, fühlte mich jedoch nie gefährdet und ging damit sehr behutsam und bewusst um.Ich weiß aber, glaube ich, was du mit anderem Menschen in dir meinst. Obwohl ich so unglaublich viel nachdenke und reflektiere, habe ich auch zum 1. Mal das Gefühl, irgendwie mehr ich selbst zu sein/werden. Abgesehen von manchen seltsamen Empfindungen hin und wieder (bissl verpeilt/konfus/müde).

    In den letzten Tagen habe ich bereits einige Male an einen längeren stationären Aufenthalt gedacht, oder eine Tagesklinik, kenne mich da noch nicht so aus. Einfach um mal von null anzufangen und mich völlig neu einzurichten und einzustellen. Schlafrhythmus (a und o eigentlich), Dosierung der Medi's (bald vielleicht nur noch MPH oder gar nichts), Empfindsamkeit besser kontrollieren, Techniken für mehr Struktur, usw. Umzüge hab ich auch hinter mir. Schulden halten sich in Grenzen, irgendwie belastet mich das nicht allzu sehr, weil's eben nur Geld ist und noch im Rahmen. Wenigstens Abitur habe ich zwar, auch erst im 2. Bildungsweg. Und eine Weiterbildung ebenfalls vor kurzem abgeschlossen, weil es eben meine bevorzugte Richtung ist und mich sehr interessiert. Und, weil ich selber entscheiden konnte, wie schnell und wann ich lerne, so dass es mich total anspornte so schnell wie möglich fertig zu werden. Möchte nun gerne nächstes Jahr weiterstudieren, bzw. endlich mal etwas zu Ende studieren ;-) Aber auch da tun sich wieder einige Fragezeichen auf. Schreib dir gleich mal ne PN zu deinem Aufenthalt.


    @tobilan

    wie schön, dass du immerhin einiges abgeschlossen hast!
    Hast du denn mal Therapien / Coaching probiert,
    die dir Methoden aufzeigen, Dinge besser in den Griff zu bekommen?


    Vielen Dank nochmal für eure Rückmeldungen
    Und mein nächster Beitrag wird NICHT mehr so lang!
    man verheddert sich eben.

    Liebste Grüße
    Lin

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Angst lähmt mich eher.
    Da hast du recht.

    Ich glaube, der Gedanke an die Zukunft hat mich angetrieben, so wie du das mit den Wegen beschriebst, die dann eben mal gemacht werden müssen.
    Ich habe aber auch den Punkt mit der Angst desöfteren erreicht und muss sagen, das geht mir dann genau so.

    Wird die Angst zu gross geht gar nichts mehr.

    Das ist dieser "selbsthypnotisiertes Kaninchen vor der Schlange sitz" Zustand, bei mir.

    Ich wünsch dir mit dem Weg zur Therapie viel Glück.

  9. #9
    Lin


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Ja, verstehe was du meinst.
    Kenne das hypnotisierte Kaninchen.
    Für mich ist es der Moment,
    in dem die "Angst vor der Angst" quasi hochkommt
    und auch wirklich gefühlt wird.
    War früher häufiger, allerdings in Beziehungen. Bin nicht umsonst seit Jahren solo

    je mehr ich mich mit den Möglichkeiten beschäftige, desto besser geht es mir, so wie heute. Besserer Tag als die letzten 2, was meine Zukunftsängste betrifft.

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Existenzangst - berufsunfähig? hört das niemals auf...

    Gut zu hören ...

    Die Phasen wo solche Gedanken kommen , werden sich wahrscheinlich immer wieder mit den hoffnungsvolleren abwechseln, aber mit der Zeit werden sie weniger. Spätestens wenn du wieder Selbstvertrauen und ein Ziel hast, das du dir zutraust.

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