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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 139

    Frage Ritalin - Neue Perspektiven werfen alles über den Haufen

    Hallo zusammen!

    Ich wurde vor zwei Wochen auf ADHS diagnostiziert und habe eine Therapie mit Ritalin begonnen. Dies war wohl der wichtigste Augenblick in meinem bisherigen Leben und eine Art "Erleuchtung". Obwohl ich es bisher ohne Diagnose und Therapie, durch grosse Hartnäckigkeit und extrem viel Sport, für meinen Schweregrad an ADHS sehr weit gebracht habe: Ich konnte trotz zweimaligen Wiederholen einer Klasse meine Matur erfolgreich abschliessen und habe in dieser Euphorie begonnen Germanistik und Filmwissenschaften zu studieren.

    Dies gefiel mir vom Stoff her sehr konnte es aber natürlich nicht aushalten. Es war mir nicht möglich 10 Minuten da zu sitzen, um mich in die Literatur einzulesen oder Arbeiten zu schreiben. Darum habe ich das Studium nach 2 Semestern abgebrochen und als Kompromiss angefangen Oberstufenlehrer zu studieren, was zwar auch nicht ohne Schwierigkeiten klappte, ich es jetzt aber immerhin bis ins 5te Semester geschafft habe. Da ich wieder kurz davor stand abzubrechen und es mir auch sonst extrem schlecht ging, habe ich mich abklären lassen und befinde mich seitdem in Therapie.

    Und nun, wie soll ich sagen, das Ritalin eröffnet mir völlig neue Perspektiven. Plötzlich kann ich mich hinsetzen und konzentrieren, plötzlich schaffe ich es Dinge zu strukturieren und zu organisieren. Ich kann lesen, zuhören und mich besser unterhalten, schiebe nichts mehr heraus und erledige die Dinge gleich. Und irgendwie stelle ich jetzt mein Studium ziemlich in Frage. So richtig gefallen hat es mir nie, es war ein blosser Kompromiss, ein "sicherer" Job. Das Unterrichten der Schülern macht mir zwar Spass, aber es ist nichts, was ich mit Leidenschaft tue. Viel lieber würde ich jetzt endlich meinen Traum verfolgen und in Richtung Journalismus gehen (war ursprünglich auch meine Motivation für das erste Studium).

    Die Seklehrerausbildung dauert insgesamt 9 Semester wobei ich dieses Jahr mit dem Bachelor abschliessen werde. Der Bachelor ist jedoch "nutzlos", da er nicht zum Unterrichten befähigt. Ich überlege mir nun, nur noch den Bachelor zu machen, um wenigstens ein Diplom zu haben und nachher in Richtung Journalismus zu gehen.

    Wie habt Ihr das erlebt? Habt Ihr das auch so intensiv erlebt und wolltet Euer Leben umkrempeln? Was habt Ihr dann schlussendlich getan?

    Liebe Grüsse

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Ritalin - Neue Perspektiven werfen alles über den Haufen

    Hallo Kaot,

    nach meiner Erfahrung spürst du das Ritalin nur am Anfang so stark, weil der Unterschied so deutlich ist plus dazu die Freude über die positive Veränderung. Später merkst du bei korrekter Dosierung subjektiv nicht mehr so viel, und es kommen auch wieder Durchhänger. Unterm Strich ist die Verbesserung in der Arbeitsfähigkeit aber auf jeden Fall gegeben.

    Ich habe erst kürzlich durch einen Absetzversuch gemerkt, wie gross der Unterschied ist obwohl ich den subjektiv oft gar nicht spüre. Das zeigt sich am Abend, wenn ich sehe, was ich (mit Medis) geschafft bzw. ohne Medis nicht geschafft habe. Es ist genau so wie du es schilderst, nur ohne die Anfangseuphorie.

    Ich denke am besten machst du auf jeden Fall mal den Bachelor. Bis dann siehst du auch schon, wie sich die Medikation längerfristig auf deinen Alltag auswirkt und hast auch schon Routine mit der neuen Einteilung des Lebens in Wirkung (->> Konzentrierjobs) und Stunden ohne Medis (besser was anderes machen als ausgerechnet konzentrieren ). Darauf kann man sich ganz gut einstellen in der Planung von Jobs und Aktivitäten.

    Journalismus ist grundsätzlich keine schlechte Berufswahl für ADHSler, Lehrer aber auch nicht. Und die pädagogische Ausbildung im Lehramtsstudium kannst du in jedem Job mit Menschen gut gebrauchen. Du hast ja jetzt noch einige Monate Zeit, dir in Gedanken ein paar Szenarios durchzuspielen.

    Ich freue mich jedenfalls für dich, dass die Medis bei dir so gut anschlagen.

    lg
    lola

    P.S.: übertreib jetzt bitte nicht! Du wärest nicht der Erste, der sich in der Anfangseuphorie über die schöne neue Konzentration heillos überarbeitet. Du findest in jedem Forum Beiträge von Leuten, die sich in ihrer Begeisterung innert kurzer Zeit eine bildschöne Erschöpfungsdepression gezüchtet haben.

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