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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 30

    Der ADHS´ler als Kaufmann - tägliche Aufgaben

    Moin Leute!

    Ich steh vor folgender Herausforderungen im Berufsleben in der Ausbildung als IK´ler....

    Ausbildungsabteilung 1; Spaß gehabt als Vertriebsassistent im Front-Office am Telefon mit Kunden - aber ich glaube bei den Kollegen habe ich einen unsymphatischen Eindruck hinterlassen. In der Phase hab ich mir auch den Kontakt mit den Mitazubis total versaut. Sozial ist da bis heute im Eimer.

    Ausbildungsabteilung 2; Sachbearbeiter im Export - total versagt, weil´s recht eintönig war, gefolgt von üblichen Chaos und Desorganisation.

    Abteilung 3; Chef der Juniorenfirma - viele Erfolge gefeiert, was Projekte angeht, aber als Sachbearbeiter (Rechnung ausstellen etc.) tatsächlich wieder versagt. Den Part hat mir zum Glück mein Mitazubi abgenommen.... Das hat mich gerettet.

    Kennt jemand ähnliches aus seinem Berufsleben, wo er / sie alltägliche Aufgaben in den Sand setzt und den Überblick bei mehreren Fällen verliert? Wie kriegt ihr das in den Griff?

    Meine nächste Praxisphase steht unmittelbar bevor (6 Monate) und ich fürchte, das ich da ziemlich viel Chaos anrichten werde, wenn es mich nicht fordert.

    Mit Glück krieg ich einen Termin beim Doc im Februar und würde gerne MPH antesten um die Auswirkungen für mich zu erörtern. Aber bis dahin muss ich mich unter Kontrolle kriegen....

    Bitte im Tipps!

    Grüße, Sailor.

  2. #2
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Der ADHS´ler als Kaufmann - tägliche Aufgaben

    Oh ja, das kenn ich leider. In der Ausbildung hatte ich immer nur 3-Monats Praktikumsphasen, da ging das noch, sooo viel Chaos konnte ich da einfahc nicht anrichten und am Anfang gehts ja auch meistens ganz gut, weil die Dinge noch neu sind. Aber nach der Ausbildung war ich zwei Jahre Assistentin des Regionalleiters und das war eine ziemliche Katastrophe. Wohlgemerkt, ich wusste noch nichts von ADS. HAtte Glück, dass viele Dinge auf meiner Aufgabenliste standen, die ich echt klasse fand, so Veranstaltungen zu organisieren etc. Außerdem kam ich dann in ein übergreifendes Projekt, wodurch ich 1 Tag pro Woche weg war und an dem Tag sprang ein Ersatz für mich ein, der ich dann so Dinge wie Ablage, Listen pflegen etc überlassen habe (die hat das tatsächlcih gerne gemacht... ) Ansonsten half nur: Knallhart organisieren. ich hatte so Fächer mit Montag, Dienstag etc, wo ich immer alles sofort reingelegt habe, was an dem entsprechenden Tag erledigt werden musste. Außerdem hatte ich so ein dickes Kalenderbuch, wo jeder Tag eine eigene Seite hat, wo ich pingelig genau aufgeschrieben habe, was ich am jeweiligen Tag machen muss. Zb. stand dann da drin, Geburtstagskarte an Kunden xy muss raus. Dann habe ich gleich nachgesehen, wann die nächste Karte danach raus muss und das am entsprechenden Tag in den Kalender geschrieben. Auch Dinge, die nicht an einem bestimmten Tag erledigt werden müssen standen da drin. Habe ich sie dann heute nicht erledigt, schreibe ich sie für morgen gleich wieder rein. E-mails mit Dingen, die gemacht werden müssen, wurden genauso gleich ausgedruckt und entweder in ein entsprechendes Fach (mo-Fr) oder auf den Stapel "Dinge für heute" gelegt. Und ich hatte ein Eingangskörbchen, damit mir die Kollegen nicht immer alles auf den SChreibtisch geschmissen haben. So habe ich versucht, wirklcih immer nur auf dem Schreibtisch zu haben, woran ich gerade arbeite, zwecks ablenkung. Zudem habe ich versucht, zu Zeiten im Büro zu sein, wo sonst keiner da ist. War bei mir leicht, die meisten kamen zwischen 9 und halb 10, also war ich um 8 da und hab in der einen ungestörten Stunde oft mehr weggepackt als den ganzen restlichen Tag über. Übrigens war ich auch im Kundenkontakt am besten! Unsere Kunden haben sich immer echt gefreut, wenn sie mich am Telefon hatten. Menschen haben mich halt interessiert...

    Ich will an dieser Stelle aber auch ehrlich sein, ohne dir jetzt Angst einzujagen. Mein sonstiges Leben ist im totalen Chaos versunken, weil ich meine ganze Energie für Ordnung auf der Arbeit aufgebraucht habe. Meistens war meine Bluse erst an dem Morgen gebügelt und das nur an Kragen und Manschetten, so dass ich das Jacket auf der Arbeit angelassen habe. Wie meine Wohnung aussah will ich gar nicht mehr dran denken. Und nach zwei Jahren bin ich nachts mit einem völligen Zusammenbruch im Krankenhaus gelandet, weil ich einfach nicht mehr konnte. Mit Medis wäre das vielleicht nicht passiert. Da hätte ich sicherlich länger kompensieren können. Aber wäre ich glücklich geworden? Heute glaube ich nein und bin froh, dass ich wegen fehlender Medis so schnell in die Katastrophe geschlittert bin, wo ich noch jung genug war, mein Leben neu zu planen und nicht erst Jahre später. Daher möchte ich dir auf den Weg geben: Überlege gut, was du dir nach der Ausbildung tatsächlich als Job vorstellen kannst! Was für möglichkeiten hast du? Und dann spiele diesen Job mal wirklich durch und frag dich, würde dich das glücklich machen? Sei ehrlich zu dir selbst! Wenn du da etwas findest, super, dann wirst du auch die Ausbildung schon schaffen! Dann halt dir diesen Job immer wieder vor und du wirst ganz viel Motivation daraus ziehen können! So mache ich es gerade im Studium, was mir auch nicht immer Spaß macht. Aber wenn du feststellst, das es keinen Job in deinem Bereich gibt, auf den du wirklich Lust hast, den du dir wirklich gut vorstellen kannst, denk frühzeitig darüber nach, was es für Alternativen geben würde. Die Ausbildung fertig machen würde ich auf jeden Fall, aber nur weil man in einem Bereich eine Ausbildung hat, muss man da noch lange nicht arbeiten. Nicht, wenn es einen nicht glücklich macht. Dafür verbringt man noch zu viele Jahre und zu viele Stunden pro Tag mit dieser Arbeit!

    Viele Grüße
    Cam

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Der ADHS´ler als Kaufmann - tägliche Aufgaben

    Hi Sailor,

    ich kann Dir raten neben der Wahl des passenden Jobs auch weiter an deinen Softskills zu arbeiten. Der beste auf AD(H)S gemünzte Job wird Dir nichts nützen wenn Du in der Kommunikation versagst. Gerne erzähle ich Dir dazu einen Schwank aus meinem ADHS geprägtem Leben.

    Mit 17 begann ich nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. Zu beginn fand ich Fremde Länder und Kulturen super spannend, aber mit der Zeit hat mich der öde Vertriebs- und Verwaltungskram gelangweilt, so dass ich mangels Motivation bei der stellvertretetn Büroleitung angeeckt bin und direkt nach der Ausbildung das Büro wechseln musste.

    In den drei folgenden Reisebüros verlief es nicht viel besser. So beschloss ich, geprägt von der ersten Lebenskrise, mit 22 Jahren mein Fachabitur nachzuholen. Als ich zum Halbjahr mit einem Notendurchschnitt von 1,9 alles hinwerfen wollte (aufgrund von Differenzen mit Klassenkammeraden und Problemen in der Beziehung) bekam ich ich die Diagnose ADHS. Dank Ritalin hab ich das Abi doch noch erzielen können.

    Mit 23 begann ich Toursimusbetriebswirtschaft zu studieren, mit den Schwerpunkten Reiseveranstaltung und Controlling. Während dem Studium absolvierte ich Praktikas im Produktmanagement und Controlling und war mir absolut sicher, dass das analytische und strategische Denken sowie der Umgang mit Zahlen genau meinen Stärken entspricht und suchte den Einstig ins Berufsleben als Controllerin.

    Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums arbeite ich nun seit einem Jahr im Controlling in einem sehr großen Konzern. Bereits in der Dritten Arbeitswoche bin ich bei meiner Chefin durch mangelhafte Kommunikationsfähigkeiten angeeckt. Die Probezeit überlebte ich nur um Haaresbreite und vor kurzem wurde mir ein Aufhebungsvertrag (ohne jegliche Abmahnungen) angeboten.
    Gründe für dieses scheitern waren vermutlich meine herablassende Mimik und Gestig gegenüber meiner Chefin und das ruppige umsetzten von Arbeitswerkzeugen und damit der Angriff auf das Selbstwertgefühl meiner Chefin, da sie die alten Dateien erstellt hatte.

    Mit anderen Worten habe ich vielleicht gute Fähigkeiten als Controller, konnte mich aber im Gegenzug nicht in den gegebenen Strukturen unterordnen und die Bedürfnisse meiner Chefin befriedigen!!!

    Nach großer Bemühung werde ich im neuen Jahr intern Wechseln und meine 2te Chance in einem anderen Bereich ebenfalls als Controllerin wahrnehmen!!!

    LG und viel Erfolg
    Sento

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Der ADHS´ler als Kaufmann - tägliche Aufgaben

    Dann weiss ich nun, dass ich trotz meinen gleichen Stärken und Schwächen, im Controlling eher schlechte Karten habe.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Der ADHS´ler als Kaufmann - tägliche Aufgaben

    Hallo Cladiac,

    mein Arbeitsverhältnis war nicht an meinen Controllingskills, sondern vielmehr an mangelhaften Kommunikationsfähigkeiten gescheitert. Das hätte mir in jedem andern Bereich auch passieren können.

    Wenn Dir Controlling Spaß macht, dann glaub an Dich! ...wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

    LG,
    Sento

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 316

    AW: Der ADHS´ler als Kaufmann - tägliche Aufgaben

    ADS kann im Job auch eine ziemliche Bereicherung sein. Nämlich dann wenn man die "Jägereigenschaften" einsetzt und neue Bereiche erschließt während ein Stino das aufsammeln und sortieren übernimmt. Irgendwo habe ich über dieses Bild mal was gelesen und ich finde es sehr treffend. ADSler können gut jagen aber wehe sie müssen aufsammeln, verpacken und transportieren...

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