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Diskutiere im Thema Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!! im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
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  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    Lächeln Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!

    Guten Abend....

    Ich bin platt, richtig ausgelaugt.
    Ich sollte heute einen Vortrag halten. Wie immer war ich spät dran mit vorbereiten (im Vergleich zu anderen), aber diesmal auch nicht sooooo spät. Jedenfalls habe ich mich richtig reingelegt, viel zu viel gelesen. Dennoch habe ich mich (fast ) ans reine "Zusammenfassen" gehalten, sowas LANGWEILIGES, aber die Dozentin hat es so gewollt und ich hatte mir ohnehin schon viele Minuspunkte bei ihr eingeholt.

    MIndestens eine und eine halbe Nachtschicht sind ebenfalls draufgegangen.
    Heute Morgen nichts getrunken, fast nichts gegessen, um 2 Uhr in Ruhe nochmals den Stick ausprobiert. Und dann der Vortrag....

    Ein BLACKOUT!!!! Alles weg. Zuerst hätte ich beinahe die Begrüssung vergessen, eine Einleitung auch, und dann starrte ich auf die Folien ohne zu wissen, was ich sagen sollte..!!!!!! Ich stotterte die Wörter zusammen, ohne dass ich wusste, was als nächstes folgen sollte. Dabei hätte ich die Stichpunkte vor mir auf einem Blatt gehabt....!!!!! Hab das auch ab und zu wieder bemerkt, aber es war, als würde ich es zum ersten Mal sehen. Als hätte ich noch nie etwas über das Thema gelesen!!! Dabei hatte ich die Stichpunkte praktisch aus dem Kopf aufgeschrieben....!!!!! Auch noch als ich die Wörter dann ablies (und sie mit viel Stuss und wahrscheinlich wenig Sinn ergänzte), verlor ich immer wieder den Faden!!!

    Eigentlich kann ich ganz gut improvisieren. Aber dass davon heute etwas rübergekommen ist, bezweifle ich. Es ist GAR NICHTS gekommen. Und vor allem fühlte ich mich so .... nun ja, bescheuert!!!! es war eine schreckliche Blamage, zum Verzweifeln. am liebsten hätte ich mittendrin aufgehört.
    Eigentlich hätte ich es kommen sehen sollen: Schon am Morgen, als ich nochmals in der Unibibliotheok war, war ich TOTAL CHAOTISCH, musste etwas fünfmal hin und her rennen, weil ich ständig etwas vergessen hatte, etc.

    Nun ja.... Das Resultat waren (bzw. sind) Kopfschmerzen. Zu viel Energie, die sich in meinem Kopf angestaut hat und nun nicht weichen konnte.
    und ich habe das Geühl, bei einem Marathon gelaufen und ausgeschieden zu sein - würde am liebsten Ferien machen.
    "Ich brauche irgendwas, das mir das Gefühl gibt, Feierabend zu haben, abgesehen davon, dass es Freitag ist", sagte ich mir, kaum war ich zu Hause angekommen.

    Und dann kam es mir in den Sinn: Klavier spielen!!!! Habe zwar keines in meiner jetzigen Wohnung, doch es gibt die Möglichkeit, eines an der Uni ab und zu zu benutzen.
    Und siehe da - ich bekam den Schlüssel!!!!

    1.5 Stunden habe ich gespielt und obwohl es sich wie 5 Minuten angefühlt hat, waren es mit Abstand die besten 90 Minuten des heutigen Tages!!!
    Danach ging es mir schon wieder viiiiiiiiiel besser. Bin zwar immer noch müde, aber nicht mehr todunglücklich.

    Eher voller Hoffnung, denn: So ausweichlos mies eine Situation mir auch erscheint - ich kann mich ebenso schnell wieder für etwas begeistern lassen. Und im Lichte der Begeisterung sehen Niederlagen schon wieder ganz anders aus: Ich spüre dann jeweils förmlich, wie ich aufstehe, den Dreck abschüttle und weitergehe.

    Niederlagen dieser Art hatte ich schon unzählige und jedesmal denke ich im Moment der Verzweiflung, jetzt bin ich am Ende, noch einmal kann ich das nicht ertragen.
    Aber jedesmal nehme ich dennoch wieder einen Anlauf.
    Vielleicht werde ich das mein ganzes Leben lang tun.

    Liebe Grüsse,
    gute Hoffnung,
    viel Mut,

    jetztaber

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!

    Danke für diesen Beitrag!

    So ein totales Blackout bei einem Vortrag hatte ich auch schonmal erlebt und mir zog sich auch gerade beim Lesen wieder der Magen zusammen

    Aber, was du dann am Schluss daraus gemacht hast, ist echt toll!

    Das versuche ich mir einzuprägen und bei der nächsten ähnlichen Situation anzuwenden.

    Statt im Selbstmitleid zu versinken, kreativ und aktiv werden! Super Idee, Danke!

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 236

    AW: Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!

    Sei froh darüber, dass du den Vortrag hinter dir hast. Du hast den Vortrag bis zum Ende vorbereitet und vor allem durchgezogen.


    Vorträge waren noch nie meine Stärke. Ich habe mich häufig gefragt, wie man so schnell die Stichpunkte lesen kann, im Kopf einen Satz ausdenkt, redet und gleichzeitig mit den Gedanken beim Thema ist und im selben Moment auch noch das Publikum anschaut.

    Ich hake jetzt Vorträge als erfolgreich ab, wenn ich sie inhaltlich einigermaßen richtig vorbereitet habe, mit der Vorbereitung fertig geworden bin und das Sprechen bis zum Ende durchgezogen habe - wenn alle anderen besser sind ist mir das egal.

    Bei Vorträgen komme ich mir häufig so vor, als würde ich nebem mir stehen; mit den Gedanken nicht beim Thema oder beim richtigen Abschnitt sein zu können, weil ich gleichzeitg lesen und reden muss. Ich komme mir dann so vor, als würde ich "abstürzen". Bei Dialogen, z.B. wenn mir vor Publikum Fragen gestellt werden, komme ich gut zurecht, aber bei Monologen nicht. Häufig habe ich meine Stichpunktzettel sehr oft gepaukt und als ich den Vortrag dann gehalten habe sah es so aus, als hätte ich mich kaum mit dem Thema beschäftigt und alles abgelesen.
    Beim Vorträge halten muss man das Richtige zum richtigen Moment im Kopf haben. Genau das funktioniert bei AD(H)S nicht so gut (ein anderes Beipiel zum selben Problem wäre Termine oder Dinge vergessen)

    Wichtig ist, dass man beim vorträge halten nicht übermüdet ist, weil dann die Konzentration noch weiter im Keller ist (ich schreibe da aus Erfahrung).

    Ich habe auch schon Vorträge vorformuliert abgelesen und das fand ich für mich bis jetzt die beste Methode! Wenn es etwas ganz Wichtiges ist z.B. Bachelorverteidigung würde ich die vorträge sogar auswendig lernen.

    Falls du eine Sicherheit mit etwas mehr Aufwand haben willst: Lege dir normale Stichpunktzettel an und noch eine vorformulierte Version für Notfälle.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!

    Ein schöner Post, das Ende gefällt mir

    @ verpeilt
    Das mit dem Auswendiglernen finde ich bei mangelnder Konzentration eher disaströs. Kommt man einmal raus, gerät man in Panik und ist voll am Ende... Auch würden mich Stichpunktzettel + vorformulierte Version stark durcheinanderbringen. Lieber so wenig Ballast wie möglich dabei haben! Wir haben doch eine Filterschwäche



    Ich halte Vorträge immer so, als würde ich einem Freund von einem interessanten Thema erzählen. Da ist die Monologsituation dann auch nicht so komisch, da man ja auch im Alltag, wenn man etwas erklärt oder erzählt, so einen Monolog hält. Und frei von der Leber wegerzählen sollte man als AD(H)S-Mensch ja auch schaffen, das ist ja keine Anstrengung

    Zu diesem Zweck lese ich mich erstmal lange in das Thema ein und widme mich speziell den Dingen, die mich interessieren, auch wenn das heißt, dass evtl andere wichtige Punkte verloren gehen. Ich mache das solange, bis ich alles ohne großes Nachdenken wiedergeben kann. Es muss so in Fleisch und Blut übergegangen sein, wie wenn ich jemandem ein Hobby von mir erklären würde.
    Dann überlege ich mir, z.B. mit einem spontanen Testvortrag für mich selber, in welcher Reihenfolge ich das Thema einem interessierten Zuhörer darlegen würde und fasse meine Stichpunkte auch in dieser Reihenfolge ab.
    Halte ich dann den Vortrag, ist er schon in so einer Form abgefasst, wie er mir ganz natürlich über die Lippen geht und mit Inhalten gefüllt, die ich aus Interesse und nicht aus Pflicht gelernt habe - und somit kaum einem Blackout anheim fallen können. Ich erzähle immer Folie für Folie. Also werfe ich einen Blick auf die erste, sehe worum es in etwa geht und erzähle dann was mir dazu einfällt. Ich kucke die Zuhörer an und nicht weiterhin die Folie! Die würde nur verwirren. Dann nächste Folie, kurz ansehen, dann auf die Zuhörer kucken und plaudern. Vergesse ich etwas oder weiche ab, nicht so schlimm. Das fällt kaum auf wenn man es nicht selber zugibt.

    Es kann gut sein, dass Kritiken folgen über Form und Inhalt der Präsentation - da ich ja nicht darauf, sondern auf meine eigene chaotische Art und Geschmack optimiert habe. Aber das ist es mir wert, denn die souveräne und natürliche Art den Vortrag zu halten, ohne sichtbar auswendig Gelerntes oder Stottern, macht häufig sehr viel wett. Und der reduzierte Stress (denn wenn man "erzählt" anstatt "vorträgt" vergeht die Zeit wie im Fluge) ist mir jede kleine Notenkürzung wert.

    NB: Das klappt nur bei Themen, an denen man zumindest einen Teil interessant findet. Ist einem alles am Thema völlig zuwider, sollte man sich dringend fragen ob man nicht ein anderes bekommt!

    Und ja, ich habe mit dieser Methode bis zum Masterstudiengang Chemie durchgehalten



    Am Rande: Ultima ratio bei häufiger Vortrag- und Prüfungsangst sind übrigens Benzodiazepine wie z.B. Lorazepam (extra niedrig dosiert, sonst machen die müde). Dann wird man besonders bei Präsentationen und mündlichen Prüfungen zum Ruhepol. Dass die allerdings nicht harmlos sind, und es auch ohne geht, brauche ich ja nicht weiter zu erläutern...

  5. #5
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!

    Au wei, sowas kenne ich aus meiner Schul- und Unizeit! Grässlich! Ein Rumgestottere, der Kopf öd und leer und ein inneres Zittern, Lampenfieber vom Schrecklichsten! Einmal dachte ich, mein Kopf wackelt vor Zittern die ganze Zeit.

    Aber am Ende war doch alles fast immer SEHR GUT! Die Selbstwahrnehmung spielt nämlich auch Streiche.


    Wie ist denn dein Vortrag am Ende bei den Zuhörern angekommen?

    Wegen meines Lampenfiebers, das immer schlimmstens blieb, vermeide ich heute Vorträge o.ä., so möglich, und habe auch beruflich davon Abstand genommen, weil ich mir sagte: Wenn ich Medikamente auf "der Bühne" brauche, um es nervlich zu ertragen, dann ist es wohl nicht mein Ding, auch wenn es inhaltlich noch so mein Ding ist.


    LG! Maggy

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    AW: Blackouts - Niederlagen - aufstehen und weitergehen!!

    Naja, vielleicht bist du einfach hyperintelligent, Maggy, und hast dich deswegen unterschätzt?

    Aber eigentlich sind viele meiner Kommilittonen so, ich glaube, das ist eher eine Studenten-Krankheit als etwas anderes. Sie denken (oder sagen), "ooooh, ich war ja soooooo schleeeeecht" und dann sind sie's natürlich nicht.

    Das passierte (und passiert mir) auch immer bei Prüfungen. Die anderen sagen "jaaa, es war schwierig, blablaa, hoffentlich falle ich nicht durch", und dann haben sie meist die besseren Noten als ich, die nichts gesagt hatte, weil ich das Thema eigentlich gut verstanden hatte.

    Aber nein, der Vortrag ist tatsächlich nicht gut angekommen - ihren runzelnden Stirnen und Blicken nach zu schliessen, haben sie nichts verstanden von dem, was ich sagen wollte. Und dass ich hundertmal den Faden verlor, war ja offensichtlich.

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