Zeige Ergebnis 1 bis 5 von 5

Diskutiere im Thema Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 97

    Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos

    Mich würde sehr interessieren, ob es noch mehr Leute in einer ähnlichen Lage gibt und was sie vielleicht für Lösungsansätze haben.

    Zwischen 20 und 30 habe ich nachts in einer Videothek gejobbt, dann Abi nachgeholt und dann 5 Semester studiert, abgebrochen – Ängste, Reizüberflutung zu groß gewesen.

    Dann Diagnose ADS, Depressionen, Ängste....

    Medikamentöse und psychotherapeutische Therapie, Betreutes Wohnen...

    Das hat rund 3 (!) Jahre in Anspruch genommen, nach denen es mir im Grunde unverändert schlecht ging. Bei AntiDepressiva scheine ich ein Non-Response Typus zu sein.

    Mit 36 eine Umschulung zum MediaDesigner angefangen und 2010 dann abgeschlossen.

    Seit 2010 arbeitslos und .... deprimiert ;-)

    Achso, 2010 habe ich auch alle Medis wieder abgesetzt. Weil ich das Gefühl hatte, dass die vielen Medis (MPH, AntiDepressiva, Schlafmittel, Benzos) insgesamt viel zu viel waren.

    Seitdem fühle ich mich zwar körperlich endlich wieder fitter und gesünder, treibe Sport, lebe halbwegs gesund, aber ich habe absolut keinen Antrieb. Überhaupt nicht.

    Am liebsten würde ich wieder studieren, weiß aber nicht, wie ich das organisieren und erstrecht finanzieren soll. Auf der anderen Seite bin ich inzwischen 40 und habe das Gefühl, dass es eigentlich für alles zu spät ist: nochmaliger Studienbeginn oder als Berufsanfänger in meinem Ausbildungsberuf, ....

    Mir gefiel schon ein wenig die Ausbildung, aber ich merke, dass ich viel zu chaotisch bin, als dass ich mich stundenlang auf die Programme konzentrieren könnte, um sie besser zu verstehen. Meine Frustrationstoleranz ist da gleich Null: verstehe ich nach 5 Minuten etwas nicht, lasse ich es liegen. Deshalb auch meine Angst, in dem Bereich zu arbeiten, weil ich das Gefühl habe, ich kann nix richtig.

    Bei zwischenmenschlichen Dingen sieht das komplett anders aus, da kann ich stunden-, tage-, monatelang grübeln und nachforschen, bis ich zu einer Lösung komme, wenn jemand mir z.B. seine Probleme erzählt. Da bin ich auch viel selbstsicherer, was meine Fähigkeiten angehen.

    Deshalb habe ich damals auch Psychologie studiert, weil mich dieses Erforschen fasziniert hat.

    In Moment stehe ich total auf dem Schlauch und weiß absolut nicht weiter in welche Richtung in mich bewegen soll und kann. Es geht einfach gerade gar nichts.

    Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass viele das nicht verstehen können. Ich bin derzeit noch im Betreuten Wohnen, seit Anfang des Jahres. Es bringt mir aber absolut nichts, weil das nur aus Treffen und bissl unterhalten besteht. Es »trifft« mich nicht. Ich kann es nicht anders beschreiben, es muss irgendwie mehr in die Tiefe gehen, als es das gerade tut.

    Da auch damals die Therapie nicht wirklich etwas gebracht hat, bin ich da auch etwas vorsichtig, nochmal eine zu initiieren. Es lag sicher auch an mir, dass sie nichts gebracht hat, weil ich damals noch sehr viel Alk getrunken habe und da, so mein Wissen, bringt Psychotherapie wohl nicht viel.

    Habt ihr da vielleicht eine Meinung zu? Oder geht es anderen hier ähnlich? Oder gibt es einen Stein der Weisen, den ich noch nicht gefunden habe? ;-)

    Wäre toll, wenn ich etwas hinzulernen könnte, was mich aus dieser Situation herausbringen könnte.

    Achja, den ThreadTitel habe ich besonders aufs Alter bezogen, weil mich das Alter und das damit verbundene Bewusstsein, es scheint nicht mehr – gesellschaftlich – so einfach zu sein, wie mit 20 oder 30, total zu schaffen macht.

    Liebe Grüße...

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos

    Huhu,

    also ich kann das gut nachvollziehen was Du schreibst, aber ich denke auch, dass Du das zu pessimistisch siehst!

    Heute ist nichts wie es mal war. Ich selbst habe jetzt mit 30 (ja ich weiß ein Unterschied aber dazu gleich) nochmal eine Ausbildung begonnen, weil ich es einfach wollte...weil ich sonst nie zufrieden gewesen wäre, weil ich mich nutzlos und nicht anerkannt fühlte... und auch weil ich mich für diesen Beruf berufen fühle (klingt komisch ist aber so). In meinem Kurs bin ich mit Abstand die älteste bis auf zwei Ausnahmen *juchuuu* eine Kollegin ist zwei Jahre jünger als ich und eine ist definitiv über 40 (sie möchte ihr genaues Alter nicht sagen, ist auch schwer zu schätzen, da sie eine Abstammung hat die das sehr schwer macht). Ich denke es kommt sehr auf das Berufsfeld an.
    Ich habe auch in meinem alten Beruf Leute in der Ausbildung gehabt die weit über dem Durchschnitt lagen, aber das hatte nicht immer Nachteile. Lebenserfahrung und eine gewisse Reife machen es in manchen Berufen sogar leichter. Klar man lernt nicht mehr so leicht wie die die grade aus der Schule sind und für uns ist es sowieso schwer. Aber ich persönlich sehe bei mir einen Vorteil den viele vielleicht nicht haben mit 20 .... diesen Willen dahinter.... ich WILL das und ich weiß auch, dass meine Perspektiven ansonsten nicht das sind was ich vom Leben erwarte, wenn ich das nicht schaffe.

    Wir haben meist eine Menge Emphatie und auch die hilft uns in gewissen Bereichen sehr.

    Es ist Dein Leben und niemand anderes kann Dir sagen was für Dich das Richtige ist und niemand kann Dir sagen "tu das" oder "tu das nicht".

    Dem was Du schreibst kann man entnehmen, dass Du sehr hin und hergerissen scheinst und das kenne ich, aber manchmal muss man auf sein Bauchgefühl hören und einfach sehen wohin es einen bringt.

    Den Stein der Weisen wie Du so schön sagst *g*(find ich gut).... ob wir den jemals finden... keine Ahnung, aber wir können für uns selbst entscheiden was uns Zufriedenheit und eigene Anerkennung bringt was für unseren Selbstwert super wichtig ist.
    Für mich wäre der Stein der Weisen, irgendwann mit mir im Reinen zu sein....ob ich das jemals erreiche....ich weiß es nicht ....aber ich denke daran zu arbeiten kann nie falsch sein....

    LG

    Rose

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos

    Hi Rose,

    dank dir für deinen langen und persönlichen Beitrag!!

    Und 30 ist für mich tatsächlich ein Unterschied zu 40 ;-) Mit 30 habe ich noch mengenweise Perspektiven gesehen und damals, komischerweise, war mir das völlig egal, was die Gesellschaft um mich herum vielleicht aufs Alter bezogen anders dachte. Ich war optimistisch, voller Elan und voller Hoffnung.

    Heute gibt es Momente, in denen ich das Gefühl habe, ich sei am Ende meines Lebens angekommen.

    Das hat vielleicht auch bissl etwas mit meiner Erscheinung äußerlich zu tun. Bis ich Mitte 30 war, haben mich die meisten auf Anfang 20 geschätzt. Das mag oberflächlich klingen, ist es ja auch ;-) aber es hat einen immensen Effekt auf die Psyche.

    Man wird von außen gleich ganz anders behandelt. Mit 33 noch Student, kein Problem, siehst ja aus wie 21. So Sätze habe ich ständig gehört und irgendwann internalisiert man die dann auch.

    Als ich 2009 aufhörte zu rauchen, 30kg innerhalb eines Jahres zunahm und dann innerhalb des darauf folgenden Jahres wieder 30kg abnahm, war mein Körper wohl so gestresst, dass ich direkt um 20 Jahre alterte und jetzt im Prinzip als 40jähriger wahrgenommen werde. Jetzt plötzlich bekomme ich auch von außen immer wieder bestätigt, oh, ok, ja, du bist ja schon älter, also besser nicht noch viel Zeit verlieren, etc.

    Also, ich kann mich einfach nicht so einfach freimachen, wie ich äußerlich in der Gesellschaft wahrgenommen werde und wie ich neuerdings so stark aufgrund des Alters eingestuft werde. Und mir das noch zunehmend Hoffnung mindert.

    Ich bewundere deinen Enthusiasmus, deinen Elan.... den habe ich leider irgendwo vor vielen Jahren verloren. Ich glaube, ich fühle mich älter als mein 80jähriger Vater.

    Pessismistisch passt da schon von deiner Einschätzung her. Aber was tun, wenn man es ist? Sich einfach Optimismus verschreiben?;-)

    Liebe Grüße...

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos

    *kicher* Optimismus verschreiben finde ich sehr schön vom Gedankengang her und so lustig es sich anhört JA vielleicht solltest Du das versuchen Dir ein kleines bissl Optimismus jeden Tag zu verschreiben.

    Ich finde es sehr gut von Dir wie offen Du schreibst was Dich beschäftigt dahingehend und ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist wenn man irgendwann diesen Punkt hat wo man sich "alt fühlt"! Das ist auch so eine Angst von mir.... denn der Spruch man ist so alt wie man sich fühlt ist für mich SEHR wahr !

    Die Frage ist doch, was hat sich verändert zu der Zeit wo Du 33 warst? Sind es wirklich diese 7 Jahre oder ist es nicht das was Dir in den 7 Jahren widerfahren ist und was Du mitmachen und durchleiden musstest?
    Ich verstehe, dass Dich die Umwelt und die Gesellschaft beeinflusst und es weh tut nicht mehr jünger geschätzt zu werden, aber ich denke man kann und sollte lernen das nicht zu nah an sich ran zu lassen.
    Umso besser man sich fühlt umso besser sieht man aus.... klar 30 Kg mehr (und auch das kenne ich und weißt wie es sich anfühlt) sind verdammt hart und auch verdammt hart wieder loszuwerden ABER es ist möglich und die Tatsache, dass Du nicht mehr rauchst solltest Du dabei auch nicht außer acht lassen (denn das macht definitiv jünger sowohl innen als auch außen )!

    Ich habe so den Eindruck, dass Du Dich sehr verloren und alleine mit diesem Problem fühlst und vielleicht wäre es wirklich ratsam sich jemanden (oder auch eine Gruppe) zu suchen die einen schubst und einem eine optimistischere Denkweise wieder nahe bringt. Ich weiß, es ist leicht so Reden zu schwingen und kann mir vorstellen, dass die Umsetzung total schwer ist. Aber die Frage ist doch aufgeben oder aufstehen und was verändern?
    Aufgeben kann man immer ..... ist auch recht einfach.... hab ich letztes Jahr auch so gesehen und gedacht und hab auch nix mehr gewollt.... was solls....

    Aufstehen und was verändern und an sich arbeiten ist hammer hart und tut weh und ist anstrengend und dauert lange und man hat das Gefühl NIE damit fertig zu sein (ist man meiner Meinung nach auch nicht aber irgendwann wird es einfacher). Aber es bringt was und irgendwann merkt man das und dann tut es gut, dass man merkt, dass man nicht ausgeliefert ist und, dass man selber in der Hand hat was passiert.

    Ich lese irgendwie raus, dass Dein Problem nicht nur beim Job liegt und nicht nur bei der Lösung dieses Problems, kann das sein???
    Aber ich verstehe, dass der Job ein wichtiger Teil ist, denn unsere Arbeit kann und viel geben und ist meiner Meinung nach wichtig um sich als gutes und wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu fühlen.

    Jetzt hab ich den Faden verloren.... aber ich denke Du weißt was ich meine und worauf ich hinaus will! Klar ist 40 nicht 30 ...aber die Einstellung kann trotzdem wieder die gleiche werden! Ich wünschs Dir sehr!

    LG

    Rose

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos

    Hallo Rose,

    wenn ich mir Optimismus verschreiben könnte, hätte ich es bestimmt längst getan ;-)

    Es ist sicher so, dass auch die 7 Jahren an sich auf mich wirken. Aber am stärksten wirken zur Zeit einfach die für mich demotivierenden Möglichkeiten, die ich in meiner Situation noch habe, und das auch aufgrund der 40.

    Deshalb war es auch hier ein wenig meine Hoffnung, dass jemand in meinem Alter oder älter ähnliche Erfahrung macht oder gemacht hat und ich mich darüber austauschen könnte.

    Trotzdem aber vielen Dank für deine Gedanken und Anregungen, die ich sicher noch mehrmals durchlesen werde und vielleicht ändert es ja noch etwas bei mir.

    Liebe Grüße...

Ähnliche Themen

  1. Antriebs los aber warum?
    Von sonic_229 im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 11.08.2012, 16:20

Stichworte

Thema: Mit Ü40 Berufsanfänger – antriebs- und orientierungslos im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum