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Diskutiere im Thema Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer?

    @Fliegenpilz

    1. ich hab's generell nicht so mit Routinen. Ich könnte mich jetzt nicht erinnern, dass ich mir eine Routine schon einmal bewusst angeeignet hätte. Manches klappt einfach durch lange Gewohnheit. Bei regelmäßigen Terminen (z.B. Sportverein) hab ich z.B. kaum/keine Probleme mit Pünktlichkeit. Diese Regelmäßigkeit aber selbst aufzubauen, ist furchtbar schwer für mich.

    2. Symptome:
    Unter Stress will ich immer alle Probleme sofort lösen und kann kaum nachdenken. Wenn ein Problem auftritt und ich in einer Drucksituation bin (z.B. Spielt die letzte Reihe wieder verrückt, oder ich habe Lehrprobe und hinten sitzen 5 Leute und schauen mir zu), dann reagiere ich extrem oft nach dem ersten was mir in den Sinn kommt. Das fühlt sich an, als wären alle anderen Gedanken einfach weg, ausgeblendet. Das passiert auch bei Situationen an die ich vorher gedacht habe. z.B. Wenn ich eine Frage stelle. gibt es immer mögliche Antworten, die richtig sind, aber weg vom Thema führen. Deswegen lege ich mir oft Sätze zurecht, um die Schüler in die richtige Richtung zu schubsen (Das machen alle Referendare, nicht nur ich). In der Lehrprobe falle ich genau an der Stelle rein, weil ich "vergesse" dass ich da einen vorbereiteten Satz hatte. Bei Strafen/Strichen/Hausaufgabenkontrollen geht mir das ganz genau so. Ich "vergesse", dass ich eine Strichliste führen wollte oder dass Schüler A letztes Mal eine Strafarbeit zu erledigen hatte (Verzeihung, "Zusatzaufgabe").
    In Klassen wo ich mich wohl fühle, wenn ich also ohne Druck unterrichten kann, bin ich selbst viel lockerer. Da vergesse ich auch viel, aber die Schüler arbeiten instinktiv eher MIT mir als GEGEN mich.

    Meine Fachleiter (Lehrer, die mich ausbilden) haben mir auch schon gesagt, dass ich sehr fahrig und gestresst wirke (einmal konnte ich in einer Besprechung an jeden Kritikpunkt im Geiste einen kleinen Haken machen, die standen alle auf der Liste der ADS Symptome). Angeblich nimmt diese sichtbare Unruhe auch ab, wenn alles glatt geht und die Klasse mitspielt.

    Gruß
    adskind

  2. #22
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer?

    @Sapasi

    Diese Verhandlungen und Organisationsprozesse muss man planen wie völlig normale Unterrichtsstunden
    Das ist ein guter Tipp. Hatte ich irgendwann schonmal gesagt bekommen, aber nie durchgezogen. Ich starte mal einen neuen Anlauf, das so zu machen.

    Das "Zusammen Regeln erarbeiten" finde ich im Prinzip gut, habe es auch schon mal probiert, aber das ist wieder an der Einhaltung gescheitert. Also zu Regeln zu kommen ist weniger ein Problem. Ich habe natürlich auch eine Klasse, die mir besonders gegen den Strich geht (das hat jeder, oder?) und da ist leider aus verschiedenen Gründen schon viel an die Wand gefahren. Also in dieser speziellen Klasse werde ich wohl Regeln einfach vorgeben müssen, das ist die einzige Klasse, wo ich das Gefühl habe, dass man mehrheitlich gegen mich arbeitet.


    Diese Struktur gibt mir einfach eine ganz große Sicherheit, weil sie nach ein paar Wochen eben völlig ohne "Kopfkino " funktioniert.
    Das hoffe ich. Zumindest wenn ich es mal schaffe, eine Struktur so lange durchzuhalten, ohne sie zu ändern oder zu vergessen...

    Danke und Gruß
    adskind

  3. #23
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 218

    AW: Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer?

    Liebe Adskind,

    nur um noch mal das Missverständnis zu vermeiden: Du brauchst nicht krampfhaft an Routinen festhalten. Wenn du den Eindruck gewinnst, das eine Routine nicht zielführend ist, kannst du sie in Absprache ändern. Deine Beschreibung von deinem Unterricht könnte von mir vor 12 Monaten sein!
    Keine Panik, das wird besser. Aber- nicht von selbst. Such dir auf jeden Fall Unterstützung. Bei mir hat der Beratungslehrer der Schule mir sehr geholfen. Er hat mit mir über 2 Wochen jeden Tag meine täglichen Unterrichtsentwürfe besprochen. Ich musste sie also haarklein durchdenken und erläutern, damit bekam ich Sicherheit und war nicht mehr so fahrig. Die Nebenbeiaufgaben, Klassenbuch führen, Schulverwaltungsblatt lesen, Konferenzbeschlüsse umsetzen haben wir in einer Checkliste aufgeführt und abgehakt. Nach 3 Monaten hatte ich das Gefühl diesen Job schaffen zu können. Jetzt nutze ich meine Ads sogar für den Unterricht, was ich ja immer wollte, aber das geht erst seit die Strukturen etabliert sind. Und- jetzt macht es richtig Spaß! (Außer in der 8b, da gebe ich auch einfach vor)
    Es klingt auch ein bisschen so, als würde es dich noch verunsichern, wenn Schüler nicht mitarbeiten. Ich denke dann immer an meine Schulzeit. Hatte ich immer Lust? War ich immer begeistert vom Unterricht? Mathe habe ich gehasst (Dyskalkulie) Die neue Liebe war wichtiger als alle Lehrer der Welt. Wenn wir ehrlich sind, sind wir und unser Unterricht gar nicht sooo wichtig in der Wahrnehmung der Schüler.
    Wir bemühen uns zwar spannenden Unterricht zu gestalten, möglichst gut binnen zu differenzieren aber wir können nie alle erreichen.
    (Die in der letzten Reihe nerven immer? Setz sie um. Am besten wieder in Absprache mit der Lerngruppe)

    Aber wir ADSler sind halt Perfektionisten auf unsere Art. Wir wollen ja immer die 100% und sind mit weniger nicht gut zufrieden. Blöderweise klappt das in unserem Job nicht. Wir haben ständig neue Situationen, müssen jeden Tag genauso viele Entscheidungen treffen wie ein Jetpilot und alle Entscheidungen müssen verantwortlich getroffen werden, weil wir direkt für die Biografien der Schüler mitverantwortlich sind. Das macht keiner perfekt. Der 100% Anspruch muss scheitern. Mittlerweile darf ich Fehler machen, ich habe mir das erlaubt. Ich darf mal inkonsequent sein, darf mal was vergessen. Das einzige was ich mir nicht gestatte ist Unachtsamkeit den Schülern gegenüber. Da habe ich meine Priorität gesetzt. Das geht zu Lasten der Seminarbesuche, der Kollegen und der Verwaltungsaufgaben.
    Aber das Ref ist meine einzige Gelegenheit mich wirklich in diesem Beruf auszuprobieren, rauszufinden welcher Lehrertyp ich bin, wie ich arbeiten will. Später geht das ja nicht mehr in diesem Rahmen (26 Std. Vollzeit, da will ich mir meiner selbst in dieser Rolle sicherer sein)
    Aber ich glaube jetzt schweife ich ab.
    Schöne Grüße
    Sapasi
    Geändert von Sapasi (27.07.2012 um 18:09 Uhr)

  4. #24
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

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    Forum-Beiträge: 117

    AW: Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer?

    Du brauchst nicht krampfhaft an Routinen festhalten
    Nein, so habe ich das auch nicht verstanden. Ich schmeiße oft zu früh alles um, deswegen fallen mir Routinen so schwer. Wenn sie mal da sind, kann ich mich gut daran festhalten.

    verunsichern, wenn Schüler nicht mitarbeiten
    In gewissem Sinne ja. Aber ich verstehe, dass einigen Physik und Mathe ganz weit am Allerwertesten vorbeigehen. Ich fand auch alles andere interessant als die Schule. Womit ich nicht umgehen kann, ist, wenn einige das so richtig raushängen lassen und den Unterricht für die paar regelrecht zerstören, die tatsächlich mitmachen wollen.

    MIt dem Perfektionismus hast du recht. In der Stunde drückt sich das so aus, dass ich allen gleichzeitig gerecht werden will. Muss schiefgehen. Aber ich bin da schon besser geworden..

  5. #25
    Ist öfter hier

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    Forum-Beiträge: 218

    AW: Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer?

    Damit kann keiner gut umgehen!
    Manchmal helfen 4-Augen Gespräche oder ein Elterngespräch. Manchmal auch nicht. Wenn mir Schüler den Unterricht kaputtmachen fühle ich mich auch hilflos. Oft hilft nur rauswerfen, aber das sollte man ja eigentlich vermeiden. Aber den lernbereiten Schülern gegenüber ist dieses Verhalten dann so ungerecht und unsozial, dass ich manchmal keine Wahl habe. Dann heißt es wie im schlechten Film "Hans, raus! du gehst jetzt in die Paralellklasse und in der Pause treffen wir uns mit der Schulleitung." Nicht, schön aber manchmal nötig.

    Wie gehst du mit der Frustration um? Ich liege manchmal noch Stunden wach und überlege was ich wohl falsch gemacht habe, versuche neue Wege, scheitere oft an pubertären Verhaltensweisen die in unserer Erwachsenenwelt absolut sinnfrei erscheinen.

  6. #26
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Gibts auch Verhaltenstipps für ADS-Lehrer?

    Wie gehst du mit der Frustration um?
    Fällt mir auch schwer. Ich neige leider auch dazu, mir gerade über Konfrontationen noch lange Gedanken zu machen. Je ruhiger ich in der Situation selbst bin, desto besser und kürzer auch das "Nachgrübeln".
    Ich habe auch kein Rezept, aber inzwischen immerhin ein wenig Übung, mir einige Dinge ins Gedächtnis rufen zu können

    1. Schüler X ist NIE nur bei dir auffällig, sondern ganz oft in der ganzen Schule bekannt.
    2. Alle anderen Schüler schaffen es ja auch, mehr oder weniger in der Spur zu laufen (wenn beim Schüler eine bekannte Störung vorläge, wärst du anders vorgegangen)
    3. Du wirst nicht als Person angegriffen, sondern weil "Lehrer sind Scheiße"
    4. Du hast so gut reagiert, wie du eben konntest. Perfekt muss es nicht sein, gut reicht völlig.
    5. Wenn es um Noten o.ä. geht, liegst du mit deiner Einschätzung so gut wie immer einigermaßen richtig, und die Schüler haben lange geübt, dir das Gegenteil zu erzählen.

    Außerdem ist es gut, sich mal die Einschränkungen der Schüler ins Gedächtnis zu rufen. Manchmal können die einfach noch nicht anders. Die Schüler wollen wie Erwachsene behandelt werden, reagieren aber wie kleine Kinder, besonders auf Frustration. Die Intelligenz ist schon voll ausgebildet und die soziale Entwicklung hinkt hinterher. Die Schüler können sich im Prinzip auf nichts verlassen, weil sie noch nicht die Fähigkeit haben, sich in jemand anderen hinein zu versetzen. Kleine Kinder halten im Zweifel das für wahr, was die Eltern ihnen sagen. In der Pubertät bricht diese Sicherheit weg, und die eigenen Reaktionen taugen noch nichts, weil die Erfahrung fehlt. usw.

    Das hilft in der konkreten Situation weniger, aber wenn man in Ruhe nachdenkt. Pubertierende sind Egoisten (müssen sie in dieser Entwicklungsphase auch, weil da die "Hackordnung" festgelegt wird). Der Schüler braucht manchmal einfach eins auf den Deckel, wenn er sich richtig daneben benimmt. Bewusst oder nicht, der Schüler wird so weit gehen BIS er eins auf den Deckel bekommt.
    (Das gilt natürlich abhängig von der Persönlichkeit der einzelnen Schüler, manche testen ihre Grenzen anders, oder nicht gerade an dir, aber alle testen auf die eine oder andere Weise. Und bevor sich jetzt alle kreischend auf mich stürzen: Mir ist das System der positiven Verstärkung bekannt, ich meine nur, dass man in der Phase der Pubertät AUCH mehr und deutlicheren Gegenwind braucht, um sich einordnen zu können)

    Oh Mann, wieder zu lang... muss eine Labertasche zum Frühstück gehabt haben..

    gruß
    adskind

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