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Diskutiere im Thema Ausbildung zum Programmierer - bin ich überfordert? Wie entspannt ihr? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 88

    Ausbildung zum Programmierer - bin ich überfordert? Wie entspannt ihr?

    Hallo ihr Lieben,

    ich hab vor einigen Monaten meine Ausbildung zum Programmierer angefangen. Mein Betrieb ist echt super nett und alle sind total sozial. Wenn ich durch dem Betrieb laufe, fühl ich mich pudel wohl, weil alle so nett sind - selbst die Geschäftsführer machen ihre Scherze, bieten Gespräche an und sind mit all ihren Mitarbeitern per Du.

    Auch meine Abteilung ist total toll. Die anderen Programmierer haben richtig gut was drauf und sind trotzdem total nett und nicht überheblich oder so. Ich hatte zwar mal Informatik studiert, aber nie wirklich lange gemacht, weil ich nicht in den Vorlesungen sitzen bleiben konnte. Wusste da auch noch nicht, dass ich ADHS habe.

    Wie dem auch sei... fing meine Ausbildung so zimlich bei 0 an und das was ich konnte war eher soetwas wie in einer anderen Sprache "Hallo", "Ich bin <Name>" und "Wie gehts?". Das doofe ist, dass ich nur 2 andere Auszubildende in meiner Abteilung habe, wobei beide vor ihrer Ausbildung schon erfahrungen sammeln konnten. Die in meiner Berufschule haben zum größten Teil jetzt erst angefangen, überhaupt was über Programmiersprachen zu erfahren.
    Ich selbst bekomme mittlerweile meine Aufträge zugesteckt und ich mach sie dann. Mir macht die Arbeit echt Spaß und der Tag ist sofort um.
    Meine Probleme kann ich auch gut selber lösen. Da ich aber Angst habe, dass man mich für Unfähig hält und ich absolut keine Vergleichsmöglichkeiten habe, versuche ich so viel wie möglich so schnell wie möglich zu lernen.
    Aber wenn ich Heim komme, bin ich so am Boden, was meine Energie betrifft, dass ich mich nur noch vor dem PC setzen kann.

    Meine Frau sagt, dass ich immer verwirrter werde und sie immer größere Schwierigkeiten hätte, mich zu verstehen, was ich meine. Ich werd auch immer lustloser und mir wird alles immer gleichgültiger.
    Gerade jetzt, wo sie noch 2 Wochen weg ist, ist es besonders schlimm, denn mein Haushalt versinkt im Chaos. Ich komme meist frühestens um 17 Uhr nach Hause und hab dann keine große Lust, noch etwas zu machen.

    Meine Ärztin rät mir, spazieren zu gehen und mehr auf mich selbst zu "hören". Aber Spazieren gehen find ich sterbens langweilig und mir selbst war ich eigentlich schon immer egal. Tabletten will ich einfach nicht nehmen, weil ich bisher nur schlechte erfahrungen gemacht habe, aber meine Frau wünscht sich, dass ich zum Arzt geh und Therapie oder ähnliches mache. Nur hab ich einfach nicht die Zeit für einer Therapie und nach 5 Therapeuten, wovon 4 richtig grotten schlecht waren und nur eine super gut (diese aber in einer Klinik arbeitet und somit nur Klinikpatienten aufnehmen darf - und dazu noch zu weit weg wäre, um alle 2 Wochen hin zu fahren) bin ich auch stark von einer Therapie abgeneigt.

    Ich hab auch keine Freunde, die ich mal treffen könnte oder so etwas, weswegen ich auch nicht weggehe oder so.

    Ich weiß nur, dass meine Frau und ich uns immer häufiger anecken, weil wir uns teilweise missverstehen oder weil sie mit der Situation - verständlicher Weise - total unzufrieden ist. Sie will ja auch was erleben und so etwas. Und nerven tu ich sie mit meiner Vergesslichkeit und das alles ebenso.

    Meine Fragen sind jetzt recht weit gespannt, aber ich versuch sie einfach mal:

    1. Kann es sein dass ich soetwas wie ein Hyperfokus auf das Progarmmieren habe und mich dieser so sehr auslaugt? Ich hab ein Buch zur Programmierung (mit 650 Seiten) in gut einer Woche abgearbeitet - samt deren Übungen. Und ich fühle mich, seit ich die Ausbildung anfing, total mit Wissen vollgestopft, dass mir der Kopf schwirrt, wenn ich nur daran denke.
    Wenn das der Fall ist - wie würdet ihr damit umgehen? Es fällt mir echt schwer, auf der Arbeit mal ruhiger zu arbeiten bzw. nicht so intensiv darüber nach zu denken, da ich sonst nicht durch steige. Ich schaff es zwar, Kaffeepausen zu machen, aber das sind max. 4 Stück am Tag in denen ich auch nur nen Kaffee holen gehe - die anderen bleiben schon mal länger weg und so.

    2. Wenn ich nach Hause komme, bin ich total matschig. Ich will einfach nur mein Frieden haben und mich für nichts interessieren müssen. Dann zu sehen, wie schnell die Zeit verrint, bis ich ins Bett muss, setzt mich noch mehr unter Druck. Seid ihr auch nach der Arbeit so am Boden? Vor allem Geistig? Und wie regeneriert ihr eure Energie? Macht ihr überhaupt noch was?
    Das größte Problem ist wohl vor allem die Ignoranz meiner Frau gegenüber. Es tut mir wirklich schrecklich Leid, dass ich ihr nicht mehr viel erzähle und ich scheinbar immer öfters nur mit halben Ohr zu höre, aber irgendwie macht mein Kopf das nicht mehr so mit. Wenn sie nach meiner Meinung fragt, sag ich auch meistens, dass es mir egal ist, weil es mir einfach zu anstregend ist, darüber nach zu denken - vor allem, wenn se was total unwichtiges ist. Für mich zumindest.

    3. Und zu guter letzt suche ich vielleicht irgendwelche Anregungen für Hobbys oder der gleichen. Ich bin totaler Einzelgänger, obwohl ichs nicht gerne bin. Ich hasse es eigentlich fast schon, dass ich mir nicht gerne helfen lassen mag und ich niemanden hab - dabei bin ich total offen, redseelig und komme mit anderen immer sehr gut ins Gespräch. Aber irgendwie melden sich die Leute irgendwann nicht mehr, weil sie wichtigeres zu tun haben. Wenn ich mich dann nach einer Weile wieder melde, kommt zwar eine Entschuldigung dafür, aber das war dann oft das letzte, was ich von denen hörte.
    Aber zurück zur Frage: Was macht ihr so für Hobbies? Findet ihr, man braucht sie? Und woran merkt man, dass ein Hobby wirklich zum Ausgleich gut ist?

    So.. ich glaube das wars erst mal. Und ich ja - selbst dieser Eintrag hat mir immense Kraft gekostet, aber ich hätte ihn wirklich nicht geschrieben, wenn ich ihn nicht für so wichtig halten würde.

    Und danke an dieser Stelle für das Durchlesen .

    Liebe Grüße

    Volucris

  2. #2
    THF


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 12

    AW: Ausbildung zum Programmierer - bin ich überfordert? Wie entspannt ihr?

    Hey Volucris,

    Wenn du ein 650 Seiten Programmierenbuch in einer Woche durcharbeitest (vorallem mit Übungen), würde ich deine "Ausgelaugtheit" nicht auf die Materie schieben, sondern einfach das du wahrscheinlich Tag und Nacht dran gesessen bist. Mir hat beim Programmieren immer geholfen nebenbei Musik zu hören, das stellt mich ruhig und hemmt mich mich von anderen Dingen ablenken zu lassen. Pausen würd ich bei Computerjobs sowieso alle 30-60 Minuten machen, nicht lange, aber auf jedenfall ein paar Minuten nicht auf den Screen starren, um Augen zu schonen und das Gehirn einfach ein bissl zu entlasten.

    Habe zwar nur 6 Monate als Programmierer dann gearbeitet (nachdem ich Ausgebildet war), aber ich denke es ist relativ normal dannach Müde zu sein. Ausmaß ist natürlich unterschiedlich. Einen Ratschlag kann ich gleich auf für deine dritte Frage geben. Sport ist denke ich umso wichtiger wenn man einen Job hat, bei dem man den ganzen Tag dasitzt und in die Kiste starrt, außerdem ein tolles Hobby. Wenn man das eine Weile durchzieht, merkt man relativ schnell das man auch im Alltag mehr Energie hat.
    Hobbys und Sport halte ich für sehr wichtig, man muss nurmal das richtige finden. Und wann ein Hobby das richtige für Ausgleich ist, musst du schon selber merken (Spaß haben, dich nacher gut fühlen...).
    Ich weiss ja nicht was du so für sportliche Interessen hast, Klettern ist auf jedenfall ein toller Sport, weil er anstrengend ist, gerade am Anfang die Leistungskurve stark nach oben zeigt, so ziemlich alle Muskeln beansprucht und das Gefühl eine schwere Route geschafft zu haben ein gutes ist
    Bietet, da man sich ja gegenseitig sichern muss, auch die Möglichkeit Leute kennenzulernen...

    Lustlosigkeit auf Gespräche mit meiner Freundin kenne ich nur zu gut. Kann ich leider nicht helfen...

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 88

    AW: Ausbildung zum Programmierer - bin ich überfordert? Wie entspannt ihr?

    Hallo THF,

    danke für das Lesen meines Threads und deiner Antwort.

    Das Buch hab ich nur auf der Arbeit gelesen und durch gearbeitet. Sprich: 8 Std. am Tag. Manchmal - aber eher selten - hab ich dann noch kleine Aufgaben nebenbei erledigt. Azubi-Aufgaben und Aufgaben für Arbeitskollegen usw.

    Wir hören bei uns in der Abteilung eh Musik - zwar leider schon recht viel Schrott, aber dafür darf halt jeder seine Musik einbringen und falls die Musik gar zu schlecht ist, darf man auch mal "weiter!" rufen .
    Ich hab ca. alle 1 - 2 Std. kurz ne Pause - was aber meist nur der Gang zur Toilette oder in die Küche zum Kaffee holen ist. Aber ansonsten versuche ich konzentriert zu arbeiten und vergess dann das Pausieren.

    Wieso hast du denn nach nem halben Jahr nicht weiter gemacht? Und was hast du danach bzw. jetzt gemacht?
    Das doofe an Sport machen ist, dass ich so Kraft- und Lustlos bin, dass es schwer ist, mich aufzuraffen. Ausserdem Jogge ich irgendwie nicht gerne. Klettern klingt zwar ganz nett und ich finds auch faszinierend, aber ich hatte das einmal im Boulder-Room oder wie man das nennt, ausprobiert, als ich ehrenamtlich mit einer Jugendpflege und der Kindergruppe zum Klettern bin. Mir taten danach die Finger doch sehr heftig weh, weswegen ich es wohl doch lieber lasse.
    Das mit dem kennenlernen klingt schon sehr gut - da ich wirklich auf der Suche nach neuen Bekannten bin, aber leider hab ich da so eine Störung, die es mir extrem schwer macht, Hilfe anzunehmen - geschweige denn danach zu fragen . Und wenn ich dann da hoch kletter und vielleicht abrutsche oder so, komm ich mir auch noch doof vor. Von daher steh ich Klettern doch sehr skeptisch gegen übre xD.

    Woher kommt denn deine Lustlosigkeit für Gespräche? Meine Frau und ich haben schon darüber nach gedacht, dass es vielleicht daran liegt, dass wir einfach zu viel Reden und uns zu viel Erzählen. Wir wissen bereits so viel über dem Partner, seine Interessen und seine Vergangenheit, dass es schwer ist, neue Ansichten und Erfahrungen auszutauschen.

    Was ich aber mal gelesen habe, ist, dass viele Paare oft ein anderes Paar als Freunde haben. Im Gespräch mit denen soll man gut auf neue Gedanken, Ansichten und Denkanstöße kommen. Vielleicht habt ihr ja so ein Pärchen, mit dem ihr euch mal treffen könnt oder so?

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 16

    AW: Ausbildung zum Programmierer - bin ich überfordert? Wie entspannt ihr?

    Hi,

    ich arbeite al system engineer und mir geht es genauso bin geistig platt da ich am tag 100 000 sachen gleichzeitig mache und am abend bin ich KO.

  5. #5
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Ausbildung zum Programmierer - bin ich überfordert? Wie entspannt ihr?

    Hi Volucris,

    ich picke mir mal aus deinem Eingangspost zwei Aspekte raus:

    • Sozialer Rückzug ... kenne ich total gut ... habe ich von meiner Psychologin erklärt bekommen vor dem Hintergrund der Reizüberflutung: Ich sauge alles, aber auch alles auf ... Gerüche, Farben, Gesprächsinhalte, auditive Reize (Geräusche, die Stimmen der Gesprächsteilnehmer ...) Nach einem "sozialen Vollkontakt" wie Geburtstagsfeiern oder einem Stadtbummel bin ich sensorisch so erledigt, dass es erst mal wieder für längere Zeit reicht.

      Das Problem bekomme ich jetzt einerseits mit der endlich richtigen Medikation hin und mit viel Willensarbeit. Entspannung finde ich beim Sport - gehe seit kurzen mit meinem Partner in einen Verein und arbeite daran, auch wirklich immer hin zu gehen ... es wird immer besser und der Sport tut total gut!

      Ansonsten versuche ich, meine Problembereiche anzuerkennen und gnädig mit mir zu sein. Damit meine ich, dass ich ein paar Vermeidungsstrategien akzeptiere und nicht mehr versuche, mich krampfhaft zum "Sozialprofi" zu trimmen ;-)
    • Arbeitsdruck/fehlende Vergleichsmöglichkeit ... kenne ich auch ziemlich gut. Hat vielleicht etwas damit zu tun, dass man schon älter ist und Quereinsteiger - das in Verbindung mit sozialem Rückzug macht es dann nicht leichter. Hier hat mir mit der Zeit vor allem geholfen, mich richtig gehend aus meinem Einsiedlerbau zu schubsen und Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen zu suchen. Außerdem finde ich Forenbesuche und Bloggerlektüre praktisch, indem ich dort gepostete Lösungsstrategien mit meinen vergleiche und mit der Zeit ein immer besseres Gefühl dafür bekomme, welche Techniken gut oder nicht so gut sind ... hier kann ich dir nur viel Mut und Kraft, Ausdauer und Geduld wünschen ... es wird besser!

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