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  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    Finanzielle Abhängigkeit

    Meine Mutter und ich machen gerade einen Kurzurlaub, und um ehrlich zu sein bin ich richtig erschrocken über ihr Wohlbefinden. Meine Mutter ist mit ihren 63 Jahren sonst eine absolut vitale Frau, sehr fit und beweglich, und man sieht ihr das Alter wirklich nicht an. Die letzten Tage ist sie größtenteils total schlapp, kaputt und jammert viel. Grund: Ihre Arbeitgeber überfordern sie total.

    Im Gegensatz zu mir ist meine Mutter kein Mensch, der schnell überfordert ist, ganz im Gegenteil.... Sie ist eine richtige Powerfrau. Sie arbeitet im Haushalt eines Ehepaares, kocht für die Beiden, ihre Kinder und Enkel, wäscht, putzt usw. - Montag bis Freitag 5 Stunden täglich. Ihr Chef war einst der Chef meines verstorbenen Vaters und hat ihr die Stelle vor über 3 Jahren selbst angeboten. Anfangs war sie begeistert, denn der Lohn stimmt... aber inzwischen ist sie nur noch ausgelaugt und kraftlos. Meine Mutter braucht das Geld, denn mein Vater ist vor seiner Rente gestorben. Folglich ist die Witwenrente nicht sonderlich hoch und ihre eigene Rente sowieso nicht (sie hat seit meiner Geburt nie in Vollzeit gearbeitet und seit ich 12 war immer nur paar Stunden wöchentlich geputzt und/oder gekocht). Ohne dieses Geld könnte sie ihre Wohnung (die ist NICHT groß) und die Nebenkosten gar nicht bezahlen.

    Auch ich habe mal ein Jahr lang in der Firma dieses Mannes gearbeitet und bin froh, dass ich dort weg bin. 60-70 Arbeitsstunden pro Woche sind dort völlig normal, und es interessiert niemanden, wenn man gesundheitliche Probleme bekommt. Die Leute verlangen immer mehr und kriegen nie den Hals voll. Ich mache mir große Sorgen um meine Mutter und habe ihr empfohlen, mit der Chefin ein ernstes Gespräch zu führen (auch wenn ich weiß, dass die blöde Kuh nur mit den Augen rollen und gar nicht richtig zuhören wird). Ich kann mir das nicht mehr anschauen. Meine noch vor wenigen Monaten so lebensfrohe Mutter redet schon davon, dass sie am liebsten bald sterben und zu meinem Vater gehen würde... das macht mich unheimlich traurig. Doch aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit leidet sie lieber weiterhin still vor sich hin und lässt sich kaputt machen.

    Mein Vater konnte ebenso wenig wie ich mit Geld umgehen und hat sie nicht abgesichert. Er hat sein komplettes Geld in sein Haus in der Heimat sowie in teure Lebensmittel gesteckt. Ich denke, ich werde nachher mit meinem Bruder telefonieren. So geht es jedenfalls nicht weiter. Aber mein Bruder verdient auch nicht die Welt, und ich als Zeitarbeiterin muss eh immer schauen wie ich über die Runden komme. Ist es überhaupt möglich, trotz finanzieller Abhängigkeit die nötigen Grenzen zu setzen?

  2. #2
    ErichW

    Gast

    AW: Finanzielle Abhängigkeit

    In zwei Jahren steht sowie die Rente an. Von daher sollte überlegt werden, ob man den Zeitpunkt der Verrentung nicht vorzieht und mit der Kombination Altersrente (geht ja bei Frauen wohl immer noch ab 63) plus Nebenjob finanziell genauso dasteht, vielleicht sogar besser. Auf jeden Fall gäbe es weniger Belastung.

    Was in weiteren zwei Jahren Arbeit an Rentenpunkten noch dazu kommen kann, kann man finanziell leider nahezu vergessen. Sa macht man sich leicht Illusionen.

    Wenn die Rente die Grundsicherung nicht übersteigen wird, braucht man die Überlegungen ohnehin nicht zu machen. Dann wäre das Modell Rente plus Nebenjob wohl immer sinnvoller. Es sei denn wiederum, auch Rente plus Nebenjob blieben unterhalb der Grundsicherung.

    Die zukünftige Rentenhöhe kann man ja aus den regelmäßigen Rentenbenachrichtigungen entnehmen. Wie sich die Altersrente auf die Witwenrente auswirken würde, weiß ich leider nicht.

    FG ErichW

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Finanzielle Abhängigkeit

    War deine Mutter schon beim Arzt?
    Dort könnte sie sich erstmal durchchecken lassen. In dem Alter könnte auch was organisches die Ursache für ihre Erschöpfung sein.
    Wenn das nicht der Fall sein sollte, könnte der Hausarzt mit deiner Mutter über psychische Ursachen ihrer Erschöpfung sprechen.
    So habe ich das vor einigen Jahren mit meiner Mutter gemacht. Sie hat daraufhin eine Psychotherapie gemacht.

    Denn um sich abgrenzen zu können, muss man erstmal lernen, wie das geht. Man muss erstmal die eigenen Grenzen kennen lernen.
    Und dann kann es möglich sein, trotz finanzieller Abhängigkeit Grenzen zu setzen. Es kann aber auch sein, dass die Arbeitgeber ihr dann kündigen und sich jemand Jüngeres suchen.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Finanzielle Abhängigkeit

    Meine Mutter geht regelmäßig zum Arzt, ihr nächster Termin ist morgen. Gestern habe ich meinen Bruder auf das Thema angesprochen. Seine Antwort: "Mama ist wie du. Die ist keinen Druck gewöhnt und kann damit nicht umgehen." Meine Mutter war schon immer ein sehr beweglicher Mensch, hatte nie Übergewicht und war grundsätzlich als Reinigungskraft oder Küchenhilfe tätig. Sie kann gar nicht still sitzen und muss immer was tun. Allerdings gibt es einen Unterschied im Vergleich zu ihren früheren Jobs (in einem Altersheim, in der Reinigungsfirma eines Großunternehmens sowie in anderen Privathaushalten): Sie hatte früher viele Tage, an denen sie einfach ihre Anweisungen bekam was sie zu hatte und konnte dann ihre Pflichten erledigen. Ihre jetzige Chefin ist die meiste Zeit im Haus, während meine Mutter arbeitet. Der Chef nimmt morgens sein Frühstück zu sich, geht dann in die Firma und kommt zum Mittagessen nach Hause. Die erwachsenen Kinder (die eigentlich gar nicht dort wohnen) ebenfalls und manchmal auch die Enkel. Sie wird ständig hin und her gescheucht, und das macht ihr genauso zu schaffen wie mir im Büro.

    Ich kann das verstehen, denn mich nervt das auch wenn alle 2-3 Minuten jemand mit Sprüchen wie: "Frau X, könnten sie bitte das erledigen?" und "Ach Frau X, das muss auch noch fertig werden." und "Frau X, eine Bitte noch: " plus "Frau X, dies und jenes habe ich noch vergessen..." daherkommt. Mir ist es am liebsten, wenn mir jemand die Aufgaben direkt nacheinander diktiert und ich sie dann abarbeiten kann. Wenn ich schon bei der Arbeit bin und alle 2 Minuten mit einer neuen Bitte überfallen werde, bin ich schnell überfordert und könnte platzen. Vermutlich hat meine Mutter dasselbe Problem.

    Mein Bruder ist ein Karrieremensch und hat für Menschen wie uns wenig Verständnis. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass man als arbeitsuntauglich angesehen wird, wenn man nicht rund um die Uhr funktioniert. Die belastbaren Menschen können sich absolut nicht in uns hineinversetzen. Dabei sind wir keineswegs faul und geben immer unser Bestes. Mein Bruder (er ist Abteilungsleiter in einer kleinen Firma) war gestern richtig entsetzt, als ich ihm erzählte dass mein berufliches Ziel eine Festanstellung als Sekretärin in einem Großunternehmen sei. Wie man sich nur als Sekretärin zufrieden geben könne... er kann nicht verstehen dass es Menschen gibt, die nicht die Karriereleiter aufsteigen und keine Führungsposition übernehmen möchten. Diese Einstellung haben viele Menschen, die ich in den letzten 3-4 Jahren meines Berufslebens kennengelernt habe. Ich sehe das so: Wenn jemand Karriere machen will und damit glücklich ist, dann soll er das auch machen. Aber warum wird heutzutage so oft vorausgesetzt, dass man gerade im Büro unbedingt Karriere machen will? Stellt euch mal vor, in einem Unternehmen arbeiten ausschließlich Führungskräfte... wie bitte soll das funktionieren? Wer soll den "Kleinkram" für diese Leute dann erledigen, wenn alle eine leitende Position einnehmen wollen? Die brauchen uns genauso wie wir sie.

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