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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 27

    "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Ich bin jetzt 35 Jahre alt und habe job-technisch gesehen schon so einiges gemacht. Obwohl ich nicht gerade "von Dummsdorf" bin, habe ich es eigentlich zu nicht viel gebracht. Meine höchste Position war mal Assistant Front Office Manager in einem 5-Sterne-Hotel. Dagegen stehen aber drei Arbeitsstellen, wo ich fast rausgeschmissen worden wäre... und auch sonst bin ich eigentlich nirgends so wirklich klar gekommen. "Zwischenmenschliche Probleme" (kann man das so nennen?) standen stets mit auf dem Programm und ich wüsste ganz gerne mal, ob Euch das ein oder andere bekannt vorkommt...

    1. Ich tue keinerlei Hierarchie anerkennen, denn ich habe mein eigenes "Werte-System". Ob Big Boss einer Firma, Abteilungsleiter oder der Kaiser von China: zieht bei mir alles nicht! Wenn ich denke, dass derjenige daneben ist, dann ist einfach so. Meine Chefin in Ägyptin fiel z.B. sofort bei mir durch mein Werte-Raster, da Sie so dieses Denken "Ich tolle Deutsche - ihr kleine Ägypter!" hatte. Eine andere Chefin wollte mir mal einen Vortrag über Etikette halten, rauchte aber tagsüber tierisch Kette im Büro und das mit 'ner schwangeren Mitarbeiterin nebenan. Irgendwie nervt es mich tierisch, wenn Leute mich belehren wollen, die vielleicht erstmal bei sich anfangen sollten... (?)

    2. Ich hasse Schleimer! Um an ein berufliches Ziel zu gelangen, würde ich nie meinem Vorgesetzten "den Hintern kraulen". Und doch hab' ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich Leute, die sich - sagen wir mal - "stark sozialisieren" und so den beliebten Kern einer Abteilung bilden, fast immer bessere Karten haben.

    3. Ich halte sehr stark an meinen Prinzipien fest, lehne es ab mich mit gewissen Leuten mehr als nötig zu "sozialisieren". Auf der anderen Seite habe ich aber auch noch nie jemanden die Cooperation oder auch Unterstützung verweigert. Habe z.B. kaum ein Problem damit in der Kantine alleine zu sitzen. Manchmal bin ich erstaunt, wer sich eigentlich voll daneben findet, aber dennoch die Pause miteinander verbringt... (oder gar private Zeit). Warum soll ich mich zu gewissen Leuten setzen? Man ist sich nicht grün... die Gespräche sind sehr gezwungen und hin und wieder geht es auch nur darum das Privatleben auszuhorchen, um was zu tratschen zu haben. (So kriege ich es dann später mit). Der Hotel-Direktor meiner alten Arbeitsstätte hat z.B. kurz nach seinem Einstieg ALLE Mitarbeiter des Hotels auf Facebook in sein Freundes-Netzwerk eingeladen. Fast alle - inklusive meinem Chef - haben seine Einladung angenommen: ich nicht. Ist mein privates Netzwerk und ausserdem fand ich auch diesen Direktor mal wieder doof.
    4. Ich bin grundsätzlich sehr direkt! Gehe immer davon aus, dass jemand auch meine ehrliche Meinung hören möchte, wenn er mich fragt. Ja, ich sage einer Freundin, dass sie in ihrem neuen Kleid zu dick ausschaut, und wenn der Chef mich fragt, wie ich seine Idee finde, dann gebe ich ein ehrliches (aber auch konstruktives Feedback mit Begründungen). Hat mich auch immer wieder in "Teufels Küche" gebracht, denn wie kann es sich jemand in einer niedrigeren Position erlauben, den Vorgesetzten indirekt zu kritisieren? Muss ich immer "diplomatisch" sein, weil sonst irgendso'n Egomane nicht klarkommt? Tja, ich denke da sind wir mal wieder beim Thema: erst denken, dann reden. Und bitte, bitte, bitte ein wenig diplomatischer!!!!

    5. Ich mag mich nicht dumm stellen, nur weil jemand ein Problem damit hat, dass ich (auch) was kann. Diesbezüglich kann ich mich noch gut an den Vorwurf einer ehemaligen Chefin erinnern:"Du kommst irgendwie so daher, als ob du immer alles wüsstest." Nee, ABER ich bringe mir vieles selbst bei (z.B. durch selbständiges Austesten von Funktionen im Hotel-Reservierungssystem Fidelio), vieles macht für mich auch irgendwie ohne Erklärung Sinn oder ich hab's so ähnlich einfach auch schon mal in der Vergangenheit kennengelernt. Zu dem Vorwurf der Chefin meinte ich dann nur:"Nun, ich bin von unterschiedlichen Personen eingelernt worden! Am Tag 3 wurde mir zum Teil das gleiche erklärt wie an den Tagen 1 und 2. Daher meine Aussage "Das weiss ich schon!". Klar klüger wäre es gewesen, sich zu entschuldigen und zu sagen, dass das nicht wieder vorkommt, aber hab' ich nicht eigentlich recht? Soll ich mir alles dreimal erklären lassen, damit ich nicht als "Ich-weiss-alles-besser-Mensch" eingetütet werde? Sehr häufig habe ich Ideen gehabt um Arbeitsabläufe zu optimieren. Wird das nicht geschätzt, wenn jemand so was anbringt... oder ist vielleicht einfach meine Art... meine Mimik... meine Aussenwirkung... meine Art die Idee vorzutragen so daneben? In einem anderen Hotel wollte mich die damalige Chefin unbedingt rauswerfen - mein Glück war es aber, dass der neue Chef schon mehr oder weniger vor der Tür stand... tja und der hat mich dann zu seiner Asst. befördert. Hmm... Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.

    6. Paranoid oder feinfühlig? Ich merke es schon recht häufig, wenn Leute "auffällig freundlich" zu mir sind und man "einen auf Harmonie macht". Auch frustiert es mich manchmal ernorm, wenn ich mitkriege, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber man einfach mal so tut als ob. Ein Beispiel: arbeite momentan als Bedienung. Neulich fragte mich der Chef, ob ich mir sicher sei, dass die Gesellschaft nur 6 Flaschen Wein getrunken habe. Ich erwiderte ihm, dass das sehr gut hinkommen könne. Er meinte dann nur so:"Ah ok, dann ist gut." und verschwand. Sorry, der hat doch einen Grund, dass er sowas fragt! Bin daraufhin die leeren Flaschen zählen gegangen. Es waren 7, also hatte ich eine vergessen zu verrechnen. Ok, dumm gelaufen, aber klar, dass ich die bezahle. Als mein Chef kurz darauf wiederkam, sagte ich zu ihm:"Herr X, Sie haben doch einen Grund gehabt wegen der Flaschen zu fragen." Er murmelte sich daraufhin irgendwas in den Bart. Daraufhin erklärte ich ihm kurz, dass ich die Flaschen nachgezählt hätte. ER:"Ja... ich hatte auch gezählt und dachte, dass vielleicht eine Flasche noch von gestern sei." ICH:"Nee, den Wein hab' ich gestern nicht verkauft und die Flaschen liegen ja auch alle oben drauf. Es sind definitv 7 und ich werde die vergessene Flasche später bezahlen. Aber warum haben Sie mich eigentlich nicht direkt darauf angesprochen?"
    Tja, eigentlich auch schon wieder ein Verhalten, was gar nicht geht... Aber ich tendiere in solchen Situationen einfach zur Impulsivität. Und wenn mir jemand ins Gesicht sagen würde, dass ich grossen Mist gebaut habe, so wäre mir das immer noch lieber, als mich "politisch korrekt" einfach nur bei Laune zu halten. Man merkt es doch, dass etwas nicht stimmt!

    7. Unangepasstheit durch falsche Themen? Mich interessieren manchmal "komische" Dinge. Hier und da stolpere ich über einen Begriff... oder schnappe von jemand anderen etwas auf und los geht meine Recherche. Von Day Trading... bis hin zur französischen Fremdenlegion... bis hin zu einem ehemaligen Gang-Mitglied, das sich mittlerweile sein eigenes Imperium aufgebaut und darüber ein Buch geschrieben hat... der Krieg in Afghanistan... Probleme mit Salifisten in Deutschland... usw. Bitte nicht falsch verstehen.... ich unterhalte mich auch mal "ganz normal", aber wenn es vom Kontext her einigermassen passt, bringe ich auch mal das ein oder andere zur Sprache. Auch erzähle ich hin und wieder Beispiele aus meiner Vergangenheit (war in Ägypten, China usw.) und einige finden meine Erzählungen auch interessant. Auf die meisten wirke ich aber anscheinend "recht sonderbar". Was ist das denn für eine? Beispiel: Der Koch in dem Hotel, wo ich gerade arbeite, erzählte neulich, dass er es hier auf dem Lande sehr nett finden würde, jeder würde jeden grüssen und es sei doch echt idyllisch hier. Ich meinte daraufhin, dass ich das Freizeitangebot und die Möglichkeit Leute kennenzulernen sehr begrenzt finden würde. Für mich sei das Leben hier eher weniger geeignet und dass ich eigentlich eher Lust hätte in Asien zu arbeiten. Thailand sei wohl ganz toll. Tja, das war dann auch irgendwie so das Ende des Gesprächs. Irgendwie hatte ich wohl mal wieder was falsches gesagt, obwohl meine Äusserung für mich absolut normal war. Es geht mir dabei auch nicht darum irgendwie cool zu wirken... oder damit angeben zu wollen. Es ist für mich einfach normal!

    Im Übrigen bin ich mir meines "Fehlverhaltens" sehr häufig bewusst und ich denke oft: "wie konntest du nur?" Aber irgendwie scheine ich gewisse Verhaltensmuster nicht steuern zu können. Kann ich das alles irgendwie mit ADS entschuldigen, oder wird's Zeit für ein T-Shirt, wo am Besten gleich ein Warnhinweis draufsteht: "Achtung, schon immer mehrheitlich nicht kompatibel". Aufgefallen ist mir, dass es mal besser, mal weniger besser im Job klappt, aber irgendwo ziehen sich diese Sachen doch wie ein roter Faden durch mein Leben... Wer von Euch erkennt sich zumindest ein bisschen wieder? Habt ihr Euch ändern können? Wie? Medis oder Verhaltenstherapie?
    Bin schon jetzt mega-gespannt auf Euer Feedback! Und ja eben: ich kann auch damit leben zu lesen, dass es nicht am ADS liegt.

    PS: Bestimmt fallen mir gleich noch viel bessere Beispiel ein und ich ärgere mich...

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Hallo freshnut

    Danke für diesen ehrlichen und reflektierten Beitrag!

    Eine Passage daraus hat mich "angesprungen", und deshalb möchte ich meine Gedanken dazu loswerden.

    freshnut schreibt:
    Beispiel: Der Koch in dem Hotel, wo ich gerade arbeite, erzählte neulich, dass er es hier auf dem Lande sehr nett finden würde, jeder würde jeden grüssen und es sei doch echt idyllisch hier. Ich meinte daraufhin, dass ich das Freizeitangebot und die Möglichkeit Leute kennenzulernen sehr begrenzt finden würde. Für mich sei das Leben hier eher weniger geeignet und dass ich eigentlich eher Lust hätte in Asien zu arbeiten. Thailand sei wohl ganz toll. Tja, das war dann auch irgendwie so das Ende des Gesprächs. Irgendwie hatte ich wohl mal wieder was falsches gesagt, obwohl meine Äusserung für mich absolut normal war. Es geht mir dabei auch nicht darum irgendwie cool zu wirken... oder damit angeben zu wollen. Es ist für mich einfach normal!
    Ich glaube, da ist ein Problem zum Vorschein gekommen, das ich schon bei manchen ADHSlern erlebt habe. Du hast die Bemerkung des Kochs offenbar wörtlich aufgefasst, d.h. seine Aussage als Wiedergabe von Fakten gewertet und mit eigenen Fakten geantwortet. Wahrscheinlich steckte aber noch etwas anderes hinter seiner Aussage. Er hat ja nicht nur eine Tatsache wiedergegeben, sondern gleichzeitig auch etwas über seine Gedanken und Gefühle gesagt. Er hat dir damit auch Wissen über seine Person und seine Gefühlswelt angeboten. Und deine Antwort war: Ich! Du bist nicht auf ihn eingegangen, sondern hast dich selbst in den Mittelpunkt des Gesprächs gerückt. Das ist für deinen Gesprächspartner ziemlich brüskierend, weil du damit gleichzeitig signalisierst, dass er dir völlig egal ist und nur du selbst eine Rolle in deiner Gedankenwelt spielst.

    Ich wollte damit nicht sagen, dass ich dich für egozentriert halte. Es war ja gar nicht deine Absicht, jemanden zu verletzen. Du hast einfach den Inhalt, der sich hinter den Worten verborgen hat, nicht mitbekommen.

    Wie gesagt, ich kenne dieses Verhalten auch von anderen ADHSlern, und ich kann mir auch vorstellen, dass mir selbst das ebenfalls passiert. Das kann ich dir allerdings nicht genau sagen, weil ich es ja nicht mitbekomme. Wenn ich es mitbekommen würde, dann hätte ich das Problem ja gar nicht...

    Ich weiss nur, wie ich mich fühle, wenn jemand das Thema, das ich anschneide, abrupt auf sich selbst lenkt. Mich frustriert das ziemlich, wenn ich jemandem den Zugang zu "meiner Welt" anbiete und derjenige sich selbst (scheinbar) viel wichtiger nimmt. Inzwischen sehe ich das als eine Art Unfähigkeit, den Inhalt eines Gespräches korrekt zu erfassen. Früher war mir der Zusammenhang nicht klar, und ich habe dieses Kommunikationsverhalten als Selbstdarstellung des anderen aufgefasst: Ich bin viel wichtiger als du, habe die tolleren Erfahrungen, und du bist mir sch...egal! Ich dachte dann immer: Hast du eigentlich irgendetwas von dem begriffen, was ich gesagt habe?

    Mittlerweile sehe ich das etwas gelassener, aber es ändert nichts an meinen Gefühlen, wenn jemand das, was ich sage, auf diese Weise übergeht.

    Ich hoffe, du fühlst dich jetzt nicht angegriffen, das wollte ich nämlich nicht. Ich habe einfach meine Worte nicht in Watte gepackt.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 27

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Vielen Dank für dein ehrliches Feedback, Morgenröte! Nein, ich fühle mich nicht wirklich angegriffen . In dem Thread, den ich gepostete habe, komme ich überwiegend als "schwieriger" Mensch rüber... vielleicht jemand, der ein übersteigertes Selbstbewusstsein hat... oder gar arrogant ist? Altklug? Nervig? Dreist? Mit war beim Schreiben absolut klar, dass nicht jede Antwort in Richtung "Tja, ist halt für ADSler typisch und kommt uns auch allen bekannt vor!" gehen würde.

    Auf "so einen Post" kam es natürlich auch sehr harsche Kritik geben, aber genau das möchte ich ja! Wenn mir hier zehn Leute vorwerfen würden, dass sie mich für egozentrisch halten, könnte ich vielleicht etwas daran ändern! Und darum geht es mir! Ich möchte offen eingeschätzt werde!

    Morgenröte schreibt:
    Er hat dir damit auch Wissen über seine Person und seine Gefühlswelt angeboten. Und deine Antwort war: Ich! Du bist nicht auf ihn eingegangen, sondern hast dich selbst in den Mittelpunkt des Gesprächs gerückt. Das ist für deinen Gesprächspartner ziemlich brüskierend, weil du damit gleichzeitig signalisierst, dass er dir völlig egal ist und nur du selbst eine Rolle in deiner Gedankenwelt spielst.
    Ganz ehrlich? Ich empfinde nix Schlimmes an diesem Dialog. Wenn ich jemanden erzähle, dass ich dieses oder jenes tun möchte und jemand antwortet mir mit: " Aha, also ich hab' das und das vor" dann ist das für mich "normal. Wie hätte in deinen Augen meine Reaktion aussehen müssen?

    Grundsätzlich ist aber anscheinend etwas dran, dass ich mich manchmal (ungewollt) in den Mittelpunkt rücke. Es sprudelt in solchen Situationen einfach aus mir heraus...

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Hallo freshnut

    Nein, ich halte dich nicht für egozentrisch. Es ist, denke ich, einfach ein Kommunikationsproblem bzw. eine Art Aneinander-Vorbei-Reden. Insofern hast du auch nichts falsch gemacht im eigentlichen Sinne.

    Die Frage, wie du hättest reagieren müssen, lässt sich nicht beantworten. Ein Müssen gibt es ja sowieso nicht, allenfalls Irritation bei einer nicht in dieser Form erwarteten Antwort. Zudem ist ja jedes Gespräch einmalig, und es gibt einfach kein Patentrezept dafür, wie man einander versteht. Ausserdem war das, was ich geschrieben habe, meine spontane Assoziation, die völlig an dem, wie der Koch die Sache empfunden hat, vorbeigehen kann.

    Vielleicht hatte er einfach schlechte Laune oder war in Gedanken schon wieder bei der Suppe, die er als nächstes kochen wollte, und das Gespräch war für ihn so völlig ok.

    Eine Möglichkeit wäre es gewesen, nachzufragen, wo der Koch vorher gewohnt hat bzw. wie es am früheren Wohnort war. Dann wäre der Ball wieder bei ihm gewesen, und er hätte gemerkt, dass es dich interessiert, was er denkt. Dann hättest du auch deine Empfindungen nennen können, ohne dass es wie ein krasser Gegensatz er-du wirkt.

    Wenn es so aus dir heraussprudelt, ist es vielleicht eine Möglichkeit, dass du, sobald du das merkst, wieder auf die Aussage deines Gesprächspartners zurückschwenkst und eine Frage zu seiner Aussage stellst. Das ist dann vielleicht eine sprunghafte Abfolge von Gedanken, aber zumindest gehst du wieder auf den Beitrag deines Gegenübers ein, und er ist wieder ins Gespräch einbezogen.

    Liebe Grüsse
    Morgenröte

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 31

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Hallo Ihr Zwei,

    Ein ganz großes Danke an Freshnut von mir (man kann ja nur eins vergeben). SUPER Thema und SUPER Beitrag. Ich kann das nicht unkommentiert lassen.
    1.

    1. Ich tue keinerlei Hierarchie anerkennen, denn ich habe mein eigenes "Werte-System". Ob Big Boss einer Firma, Abteilungsleiter oder der Kaiser von China: zieht bei mir alles nicht! Wenn ich denke, dass derjenige daneben ist, dann ist einfach so.
    Ich hätte hier statt dem Kaiser von China den Papst noch mit eingefügt

    2.
    2. Ich hasse Schleimer! Um an ein berufliches Ziel zu gelangen, würde ich nie meinem Vorgesetzten "den Hintern kraulen". Und doch hab' ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich Leute, die sich - sagen wir mal - "stark sozialisieren" und so den beliebten Kern einer Abteilung bilden, fast immer bessere Karten haben.
    Oh Oh Oh, wie ich das kenne

    3
    3. Ich halte sehr stark an meinen Prinzipien fest, lehne es ab mich mit gewissen Leuten mehr als nötig zu "sozialisieren". Auf der anderen Seite habe ich aber auch noch nie jemanden die Cooperation oder auch Unterstützung verweigert. Habe z.B. kaum ein Problem damit in der Kantine alleine zu sitzen. Manchmal bin ich erstaunt, wer sich eigentlich voll daneben findet, aber dennoch die Pause miteinander verbringt... (oder gar private Zeit). Warum soll ich mich zu gewissen Leuten setzen? Man ist sich nicht grün... die Gespräche sind sehr gezwungen und hin und wieder geht es auch nur darum das Privatleben auszuhorchen, um was zu tratschen zu haben. (So kriege ich es dann später mit). Der Hotel-Direktor meiner alten Arbeitsstätte hat z.B. kurz nach seinem Einstieg ALLE Mitarbeiter des Hotels auf Facebook in sein Freundes-Netzwerk eingeladen. Fast alle -
    ...freshnut Du wirst mir unheimlich, woher kennst Du mich

    4.
    4. Ich bin grundsätzlich sehr direkt! Gehe immer davon aus, dass jemand auch meine ehrliche Meinung hören möchte, wenn er mich fragt. Ja, ich sage einer Freundin, dass sie in ihrem neuen Kleid zu dick ausschaut, und wenn der Chef mich fragt, wie ich seine Idee finde, dann gebe ich ein ehrliches (aber auch konstruktives Feedback mit Begründungen). Hat mich auch immer wieder in "Teufels Küche" gebracht, denn wie kann es sich jemand in einer niedrigeren Position erlauben, den Vorgesetzten indirekt zu kritisieren? Muss ich immer "diplomatisch" sein, weil sonst irgendso'n Egomane nicht klarkommt? Tja, ich denke da sind wir mal wieder beim Thema: erst denken, dann reden. Und bitte, bitte, bitte ein wenig diplomatischer!!!!
    Was soll ich dazu noch sagen...außer Volltreffer. Ich habe es mir sogar! angwöhnt sehr direkt zu werden, obwohl ich weiß das ich den anderen damit zuweilen brüskiere.

    Warum?: (hole gerade mir meinen 2. Kaffee)

    a) weil ich der Meinung bin damit Mißerverständnisse aus dem Weg zu gehen zu können

    b) weil die Direktheit sowas wie Struktur / Sicherheit für mich ist und ich mich in ihr mittlerweile wohlfühle

    c) weil ich mich sonst verhaspele oder mir nicht merken kann was ich gesagt habe, d.h. Wenn ich zu Zeitpunkt x diplomatisch war und Zeitpunkt y aber was anderes sage, die "anderen" das irgendwie mitkriegen und wenn ich dann als Lügner hingestellt zu werden, kann ich partout das nicht leiden (egal ich oder die anderen) ergo ist Ehrlichkeit (in meinen Augen) wie ein ROTER FADEN

    d) weil ich ungern für Andere als Unzuverlässig / Falsch gelten möchte, ich kann es nicht leiden wenn man hinter meinem Rücken über mich herzieht. ICh darf dann das nicht mitkriegen. So habe ich mir angewöhnt lieber ein kleines ********* mit einer eigenen Meinung zu sein, in der Hoffnung das die anderen mich auch direkt behandeln.

    Sozusagen lieber schnell und hart durchs Feuer, als von dem Anderen enttäuscht und traurig ohne Wiedergutmachung.


    Zitat von Morgenröte:

    Er hat dir damit auch Wissen über seine Person und seine Gefühlswelt angeboten. Und deine Antwort war: Ich! Du bist nicht auf ihn eingegangen, sondern hast dich selbst in den Mittelpunkt des Gesprächs gerückt. Das ist für deinen Gesprächspartner ziemlich brüskierend, weil du damit gleichzeitig signalisierst, dass er dir völlig egal ist und nur du selbst eine Rolle in deiner Gedankenwelt spielst.
    Das habe ich in diesem Zusammenhang mittlerweile auch festgestellt, das ich andere mit meiner EGO-Zentriertheit nerve. *Zustimm* *nick*

    Annahme von mir : Freshnut und auch mir fällt esschwer nicht mit Fakten auf Gespräche zu reagieren. Und auf das verbindende soziale Element zu reagieren. (das was hinter den worten steckt.... weil der Hyperfokus nicht an ist.... wenn man von der Seite angquatscht wird, auch wenn es sehr nett! gemeint ist.

    Das nennt man dann Smalltalk....ABER was ist bitte schön Smalltalk?????????? Können AD(H)s ler weniger Samlltalk? Frage hier auch an die anderen.....

    Zurück zum Thema:

    Ich empfinde Smalltalk als ineffizient, obwohl ich mittlerweile weiß, das er für die anderen sehr wichtig ist.

    - Ich versuch mich daran zu üben. (standard floskeln: wie am Telefon: " Wie geht es DIR? usw.)

    - Ich versuche meinen Freunden und den anderen klar zu machen , wenn Sie wirklich meinen Rat brauchen, micht direkt darum zu fragen. (Hilft gleichzeitig mein leichtes Helfersyndrom zu begrenzen = 2 Fliegen mit einer Klappe)

    - Ich versuche bei Gesprächen meine Unart anderen ins Wort zu fallen oder die Wörter die Sie sagen wollen (Empathie) Ihnen vorweg zu nehmen zu unterlassen.

    WARUM:

    Die anderen müssen auch lernen sich aúszudrücken.

    Indem ich irgendwas vorwegnehme, unterbreche ich Ihren Gedankengang und nehme möglicherweise die Chance das DIE was lernen weg.

    Genau in diesem Moment, habe ich für mich erkannt, bin ich selber! ungerecht - UND das darf nicht sein.


    So zurück zu Dir Freshnut: Letzte Worte weil mein Reservoir sich langsam den Ende zu neigt

    Im Übrigen bin ich mir meines "Fehlverhaltens" sehr häufig bewusst und ich denke oft: "wie konntest du nur?" Aber irgendwie scheine ich gewisse Verhaltensmuster nicht steuern zu können. Kann ich das alles irgendwie mit ADS entschuldigen, oder wird's Zeit für ein T-Shirt, wo am Besten gleich ein Warnhinweis draufsteht: "Achtung, schon immer mehrheitlich nicht kompatibel". http://1.1.1.4/bmi/adhs-chaoten.net/...milies/002.gif Aufgefallen ist mir, dass es mal besser, mal weniger besser im Job klappt, aber irgendwo ziehen sich diese Sachen doch wie ein roter Faden durch mein Leben... Wer von Euch erkennt sich zumindest ein bisschen wieder? Habt ihr Euch ändern können? Wie? Medis oder Verhaltenstherapie?
    Bin schon jetzt mega-gespannt auf Euer Feedback! Und ja eben: ich kann auch damit leben zu lesen, dass es nicht am ADS liegt. http://1.1.1.1/bmi/adhs-chaoten.net/...milies/004.gif
    - Ja ich erkenne es es auch als roten Faden an

    - Ja ich erkenne mich auch wieder

    - Ja ich bin dabei mich zu ändern (hoffe ich) Wie: Selbsteflexion /Geniale Freunde die mir helfen die Perspektive zu wechseln, (ist fast immer ein AH AHSO OHJE - Erlebnis)

    PS: Bestimmt fallen mir gleich noch viel bessere Beispiel ein und ich ärgere mich...
    @ Freshnut Deine Beispiele waren top! 1+, setzen und 3. Danke von mir. Und Nimm es um Gottes Willen auch an. (das Danke)

    Großes Kino

    GLG Frank
    Geändert von Chaosgrübler (25.08.2011 um 10:24 Uhr)

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 31

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    2. Beitrag:


    Hallo Freshnut

    Wie Du es ändern kannst kann ich Dir nicht sagen. Aber ich kann versuchen meinen Weg oder meine "Lösung" Dir anzubieten.

    Bei Gesprächen die nicht unmittelbar direkt erfolgen (auch vom Ansatz her) versuche ich gerade zu lernen mich zurückzunehmen und auch die Gefühle zu zulassen, aber ohne sofortige Reaktion.
    Weil viele viele Situationen mir klargemacht haben, die Suppe wird kaum so heiß gegessen wie sie gekocht wird.

    Fall dich was bei Gesprächen bewegt, cool Down und falls doch es Dich nicht loßläßt, frage engst Vertraute (Ich habe meine Freundin/ kleine große Schwester / kleine kleine Schwester und besten Feund) zu diesem Thema. der Blickwinkel der anderen kann durchaus besänftigend auf Dein gEfühl wirken (meine Erfahrung)

    ÜBE Dich in NICHT - Wertung!!! (Ist auch super großes Thema in mir)

    Lerne zu wieder zu vertrauen....(zumindest geht es mir so)

    Lerne zu akzeptieren das die Anderen (Normalos?) auch mal nur "drüber" reden wollen.

    Lerne, das Du auch ohne Mittelpunkt Du Du bist, und zwar zu 100%. (Das sage ich auch mir selber)

    Lerne nicht nur zu 100% sinnvoll zu antworten, d.h. den anderen auch mal in seinem Gespräch zu bestätigen, auch wenn Du selber nicht dieser Meinung bist.
    Du brauchst doch auch hin und wieder Bestätigung Oder?

    Wenn du auch so ein Gerechtigkeitsempfinden hast versuche alle unter den Schirm zu holen. Ich versuche mittlerweile es so. Wenn ich schon dieses starke Gerechtigkeitsempfinden habe, dann versuche ich es eben auch für alle auszuleben. Das hilft mir. Immer. Weil je nachdem was oder wie man "An" ist, hat man die anderen oder sich selber "vergessen". Gerechtigkeit = die andere Seite betrachten, egal ob ich ich bin oder ich mal wieder mich in die anderen hineinversetze (zu sehr?)

    Bitte Bitte reagiere nicht verärgert auf meine Antworten (falls Du es als Kritik empfindest). Danke. (Manchmal bin unter meinen Freunden als Kritiker vom Dienst verschrien, obwohl ich den Nagel auf den Kopf treffe)

    LG Frank

    Tante Edit: 3. Kaffee
    Geändert von Chaosgrübler (25.08.2011 um 10:41 Uhr)

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 152

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    freshnut schreibt:
    Vielen Dank für dein ehrliches Feedback, Morgenröte! Nein, ich fühle mich nicht wirklich angegriffen . In dem Thread, den ich gepostete habe, komme ich überwiegend als "schwieriger" Mensch rüber... vielleicht jemand, der ein übersteigertes Selbstbewusstsein hat... oder gar arrogant ist? Altklug? Nervig? Dreist? Mit war beim Schreiben absolut klar, dass nicht jede Antwort in Richtung "Tja, ist halt für ADSler typisch und kommt uns auch allen bekannt vor!" gehen würde.

    Auf "so einen Post" kam es natürlich auch sehr harsche Kritik geben, aber genau das möchte ich ja! Wenn mir hier zehn Leute vorwerfen würden, dass sie mich für egozentrisch halten, könnte ich vielleicht etwas daran ändern!...
    Puhhh, ich hoffe nicht, dass du auf diesen Thread die Reaktion auf Egozentrisch erhälst, im eigenen Interesse... Sonst hätte ich noch ein Part, an dem ich stark arbeiten müsste...

    Ohhh, lese gerade, dass Chaosgrübler mir viele Worte schon aus dem Mund genommen hat....

    Auch mir fällt es schwer in gewissen Hierachien zu arbeiten. Es gab bisher nur sehr wenige Menschen, die ich als Vorgesetzte respektieren konnte. Daher hoffe ich für mich, das ich wirtschaftlich gesehen, nicht mehr in einer Lage komme, um mich dieser Situation aussetzen zu müssen...

    Genauso der Smalltalk. Dein Beispiel mit dem Gespräch des Kochs hätte bei mir ähnlich ablaufen können. Früher habe ich darunter gelitten, keine leichten, seichten und für mich absolut belang- und inhaltslosen Gespräche zu führen. Inzwischen stehe ich dazu, ich kann es nicht und weiss auch nicht, ob ich es noch jemals lernen werde!!! Es ist ähnlich wie früher in der Schule, meine Mitschüler haben auf eine Frage in der Arbeit ganze Romane geschrieben -> und gute Noten bekommen. Ich habe die Frage mit einem Satz beantwortet -> schlechte Note, weil ich meine Antwort nicht begründet habe. Davon stand allerdings nie was in der Frage drin...

    Aber die Frage, die sich mir hier stellt: Müssen wir uns denn auf Biegen und Brechen anpassen, um in der "Gesellschaft" zurechtzukommen? Ich habe es mein Leben lang versucht und bin dabei fast vor die Hunde gegangen. Jetzt fange ich an, mir kleine Egozentriken zu leisten. Ich bin halt so...

    Ok, man muss auch Kompromisse eingehen, sonst eckt man nur noch an. Und es ist verdammt schwer, hier einen Mittelweg zu finden. Aber ich kann für mich sagen, seit ich mir kleine Eigenheiten zustehe, fühle ich mich wesentlich besser, bin im Umfeld mit anderen nicht so verkrampft und komme daher komischerweise etwas besser zurecht...

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 31

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Hallo Brived,

    bei all dem was ich geschrieben ist noch eins vorweg, wo Du mir die Worte aus dem Mund genommen hast (Danke)

    Aber die Frage, die sich mir hier stellt: Müssen wir uns denn auf Biegen und Brechen anpassen, um in der "Gesellschaft" zurechtzukommen? Ich habe es mein Leben lang versucht und bin dabei fast vor die Hunde gegangen. Jetzt fange ich an, mir kleine Egozentriken zu leisten. Ich bin halt so...

    Ok, man muss auch Kompromisse eingehen, sonst eckt man nur noch an. Und es ist verdammt schwer, hier einen Mittelweg zu finden. Aber ich kann für mich sagen, seit ich mir kleine Eigenheiten zustehe, fühle ich mich wesentlich besser, bin im Umfeld mit anderen nicht so verkrampft und komme daher komischerweise etwas besser zurecht...
    Genau da bin ich auch und eine ganz konkrete Lösung habe ich noch nicht....außer wie gesagt das mit der Gerechtigkeit bzw Neutralität...


    NEutralität

    , das wars was ich noch sagen wollte

    Ich versuche den Gesprächen zuzuhören und sobald gehetzt wird mich rauszuhalten. Sozusagen keine Partei zu ergreifen. (Meine Lösung)

    Leider gab / gibts penetrante *********** die einen immer wieder versuchen mit reinzuziehen....(aktuell grad bei mir auf Arbeit, bin auch selber gekündigt)

    Hier brauch IcH Hilfe! Von Euch Community... Wie sollte ich reagieren,? abblocken , ignorieren, zum Schein darauf eingehen, keine einzige Strategie hat geklappt. Scheinbar sollte ich auch rausgemobbt werden.

    Hilfe BITTE per PN oder EXTRA Thema, da dieser Beitrag von freshnut zu schön und zu wichtig, als das ich hier eine neue Diskussion aufmachen möchte.


    Und bei belanglosen Gesprächen ein hmm dazugeben und/oder falls man anderer Meinung ist:

    Floskel als Bsp.:
    Mhm klingt nicht schlecht und was hältst du davon?.....und hier die eigene Meinung zu plazieren. Der andere fühlt sich ins Boot geholt und man kann trotzdem ehrlich bleiben.

    LG Frank
    Geändert von Chaosgrübler (25.08.2011 um 11:15 Uhr)

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    freshnut schreibt:
    Wer von Euch erkennt sich zumindest ein bisschen wieder? Habt ihr Euch ändern können? Wie? Medis oder Verhaltenstherapie?

    Ein bisschen??

    Es ist schlicht beängstigend, wie stark ich mich darin wiedererkennen kann.

    Das Problem ist nur, ich kann uns auch nicht weiterhelfen. Ich habe mein Studium beendet und komme so langsam erst in der Berufswelt an. Und siehe da - EXAKT die hier beschriebenen Probleme.

    Der einzige Unterschied: Ich versuche noch ein bisschen mehr die feindselige Haltung auszuschalten. Ich kann das auch noch nicht aber ich bin der Meinung, dass das "Schleimertum" die einzige Möglichkeit ist, für uns an sozialem Stand auf dem Job zu gewinnen. "Schleimen" ist jedoch das falsche Wort dafür.

    Für mich wird eine soziale "Hackordnung" über Dominanz festgelegt. Dominanz ist die Fähigkeit, andere dazu zu bringen, im eigenen Interesse zu handeln. Dominanz ist nicht, jemanden gegen seinen Willen zu etwas zu zwingen, das ist Gewalt. Dominanz erzeugt eine freiwillige Unterordnung im subdominanten Gegenüber. Das geschieht laufend, meist unbewusst.

    Symbolisch betrachtet sind Dominanzgebahren soetwas wie das Shirt aufzureißen, zu zeigen wieviele Muskeln man hat und dem Gegenüber dann zu sagen was er zu tun hat. Dieses lächerlich anmutende Bild kommt der Wahrheit jedoch recht nahe denke ich. Verallgemeinert gesagt zeigt man, was man hat und fordert dann zur Subdominanz auf. Ich bin Biologe, betrachte den Mensch da auch nur als Tier und sehe ganz klare Parallelen im Verhalten. Auf primitive Weise ausgeführt, posieren die Kontrahenten, der Stärkere klatscht dem Schwächeren eine und der verzieht sich in Folge. Der Sieger bekommt das Weibchen. Wunderbar zu beobachten in Bierzelten.

    Nun, dieses Verhalten sind wir nicht los wenn wir uns auf Ebene des Arbeitsplatzes begeben. Auch dort herrschen Bierzeltmanieren, wenn auch auf einem sehr unterschwelligen Niveau. Chef sagt "Benimm dich, eigne dir Manieren an" ("Glotz meine Frau nicht an!") und der Angestellte hat das dann zu tun.

    Ziehen wir diese Analogie weiter: Man nehme an, der Herr mit den Eifersuchtsproblemen ist 2,05m groß mit einem muskulösen Kampfgewicht von 120kg und zufällig ostdeutscher Freefight-Meister. Vorrausgesetzt, derjenige, bei dem er sich beschwert ist nicht gerade 2,09m mit 130kg Kampfgewicht und europäischer Freefight-Meister wäre es schon irgendwie dumm, Wiederworte zu geben, meinst du nicht? Und für das Resultat ist dann wohl auch vollkommen egal, ob er die Frau dann wirklich angeglotzt hat oder nicht und ob er sich im Recht sieht.

    Nun, wir sind dann doch keine ganz so primitiven Tiere mehr. Wir haben eine weitere Ebene der Dominanz entwickelt: Sozialverhalten. Jetzt stell dir mal vor, die beiden hätten sich im Gespräch kennengelernt. Sich über Gemeinsamkeiten ausgetauscht, der Freefight-Meister von seinem Beruf erzählt, der andere ihm staunend seinen Respekt dafür ausgesprochen und die beiden und ihre Freunde würden sich wunderbar verstehen. Ein paar Jokes, ein bisschen freundschaftliches Hin und Her ohne gekünstelte Unterwürfigkeit und schon wäre der andere akzeptiert. Die Freundin des Fighters beginnt von sich aus ein Gespräch. Denkst du der Fighter reagiert nun genauso wie zuvor? Nein, es besteht eine gute Chance, dass der andere so korrekt war, dass er sogar währenddessen unterbricht und sagt "Hey, stopp mal. Ich gehe jetzt Bier holen - wollt ihr auch eines?"

    Und was haben wir da auf unterschwelliger Ebene? Ein komplett gedrehtes Dominanzverhältnis. Das soll jetzt nicht ausdrücken, dass ich jeden abwertend betrachte, der sich einfach nur freundschaftlich verhält!

    Es soll eines deutlich machen: Es gibt eine andere, wesentlich elegantere Ebene der Dominanz, die es zu beherrschen gilt. Und das ist zwischenmenschliches bonding. Das ist kein Schleimen. Schleimen wäre jemand, der im Gespräch dann immer nickt und sagt "ja, ja ja genau *Hundeaugen* Und du bist echt Fighter? Und tut das nicht weh? *staun*" Der oben beschriebene Typ würde dann wohl eher so reagieren: "Fighter? Okay, los gehts! * spielerisch Fäuste ballend* - Ne, danke, ich kann nix, ich glaub da muss ich ja aufpassen was ich sage, was? *augenzwinkern* " Anerkennung von Autorität ohne sich selbst zu deutlich unterzuordnen.

    All das basiert aber auf einer Sache: Der Wertschätzung des anderen ohne Angst. Denn dort ist der Knackpunkt, Dominanz wird über Agression oder über Sozialverhalten entschieden. Wer Angst zeigt, der stellt das Verhältnis auf ein Kräftemessen genauso ein wie mit Aggression.

    Und wenn man plant, Dominanz über ein Kräftemessen zu erlangen sollte man sicherstellen, dass man die Kräfte zu gewinnen auch besitzt. Denn ansonsten endet es böse. Da ist dem Freefightmeister egal, wer du bist, ob du Recht hast, welche sachlich fundierten Argumente du vorbringst. Der klatscht dich einfach weg, komme was wolle. Und jeglicher Versuch von dir, das auszudiskutieren interpretiert er als Hohn, dass du seine Autorität nicht akzeptieren willst. Sei froh wenn du das überlebst...


    Und so können wir diese großartige Bierzeltphilosophie nehmen und eventuell ein bisschen auf den Berufsalltag übertragen. Deine Vorgesetzten haben die Hosen an. Und wenn die auf Stress aus sind ziehst du besser den Schwanz ein.
    Optimalerweise hast du bereits im Vorfeld soviel soziale Dominanz, dass dein Chef garnicht erst versucht, seine Dominanz klarzustellen*. Aber wie im Bierzelt - so auch im Berufsleben: Manche sind einfach kaputt, manche wollen einfach irgendjemanden klatschen um sich besser zu fühlen. Und da kannst du sagen was du willst, es endet ja doch mit Klatsche für den Schwächeren. In einem solchen Fall gilt: Der Klügere gibt nach und geht einfach. Die Nase kannst du dir auch dann brechen lassen wenn du es auch wirklich verdient haben solltest.

    *P.S.: Ich glaube, dass genau hier unser Problem liegt. In einem Arbeitsumfeld haben wir eben nicht so dicke Muskeln zum Zeigen wegen unserer Krankheit. Wir starten mit einer geringgeschätzten Meinung über uns in das Arbeitsumfeld, weil wir von den Werten die dort wichtig sind nicht viel zeigen können. Leute, die ein Dominanzgebahren an den Tag legen wollen, werden sich dann gezielt uns dafür aussuchen. Ich weiß damit auch noch nicht optimal umzugehen. Ich weiß aber, dass es falsch ist, sich dann auf die Aggression einzulassen. Denn dann rutscht man zunehmend in ein ständiges Kräftemessen und in folgedessen in eine Art Mobbingverhältnis. Uns bleibt folglich eher die soziale Schiene als Ausweg - oder wie du es nennst "Schleimen". Sieh das nicht so, die Leute schleimen nicht. Sie sind sozial und wenn du es wirklich zulassen würdest wären sie vermutlich auch dir sympathisch.
    Geändert von hypocampus (25.08.2011 um 13:19 Uhr)

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 27

    AW: "Zwischenmenschliche Probleme" am Arbeitsplatz

    Hallo Morgenröte!

    Mir ist in der Tat hier und da schon aufgefallen, dass ich zeitweise doch einen erhöhten "Geltungsdrang" oder wie auch immer man das nennen mag, habe. Es ist mir auch selbst schon aufgefallen, dass ich andere vielleicht auch mal mehr zu Worte kommen lassen sollte. Manchmal stellt mir jemand eine harmlose Frage, erkundigt sich zum Beispiel nach meinem Befinden und es fällt mir dann einfach schwer, mich kurz zu halten. Auch komme ich oft ungewollt von einem Thema aufs andere. Dies wird nicht immer vom Gegenüber abgelehnt - es entstehen hier und da auch sehr interessante (zumindest für mich!) Dialoge, aber bei vielen solcher Gespräche ermahne ich mich nahezu, doch auch mal dem Anderen die Möglichkeit zu geben, sich mitzuteilen. Ich unterbreche dann häufig abrupt, so nach dem Schema "Aber genug von mir. Wie schaut es denn momentan bei dir aus?".

    Auf der anderen Seite gehe ich häufig aktiv auf Leute, denen es nicht gut zu gehen scheint zu und höre mir ihre Wehwehchen an, bzw. versuche Ihnen zu helfen. Da schreibe ich dann Bewerbungen für andere, google im Internet nach Infos, die der Person helfen könnten, biete diveres Gefallen an ("Ich kann das doch für dich besorgen!"). Da geht es dann irgendwie überhaupt nicht um mich oder eben doch? Wenn ich jemanden etwas Gutes tue, wertet mich das als Mensch ja eigentlich auf... ITut man's dewegen? Ist ja schon ein schönes Gefühl, wenn man sich's sonst immer wieder verscherzt, aber dann da doch jemand ist, der einen wertschätzt und dem man weiterhelfen kann. Komischerweise kommen auch Leute auf mich zu, mit denen ich nichts grossartig zu tun habe und vertrauen sich mir an... Das irritiert mich sehr häufig, aber ich kann dann auch nicht nein sagen, obwohl ich mir nachher häufig denke: Gutmütigkeit ist Dummheit.

    Irritierend ist momentan auch, dass meine Chefs, also die Hotelbesitzer doch schon sehr genervt von mir sind, aber das Feedback von den Gästen ist fast immer super. Ich werde sehr häufig beim Check Out lobend erwähnt, Leute lassen mich rufen, damit sie sich noch von mir verabschieden können, ich bekomme sehr viel Trinkgeld (auch mal CHF 50.- (ca. 40 Euro) für zweimal bedienen!) und die Leute scheinen Spass mit mir zu haben. Im Restaurant bin ich super drauf (es sagte sogar mal ein Gast, dass er es bemerkenswert fände, dass ich immer so gute Laune habe... Tja, wenn der wüsste!), bin charmant... witzig... anscheinend ein prima-Gastgeber. Ich verstehe die Welt nicht mehr! Wieso klappt das da? Manchmal habe ich echt das Gefühl, dass ich auf der einen Seite des Hotels Jekyll bin und auf der anderen Seite Mr. Hyde.

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