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Diskutiere im Thema Wie gut könnt Ihr Vorträge halten? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hi Karla,

    vielen Dank für Dein sehr aufschlußreiches Posting. Vorweg will ich noch ein Mißverständnis ausräumen: Meine Schüler haben die mangelnde berufliche Eignung nur auf die Lehrertätigkeit bezogen, als Ärztin konnten sie mich natürlich nicht beurteilen und haben sie auch nicht getan. Die Rückmeldung habe ich erhalten, als eine Umfrage an meiner Schule zur Qualitätssicherung erhoben wurde. Meine negative Beurteilung als Ärztin hatte ich seinerzeit durch Kollegen im PJ erhalten, weil ich einfach zu langsam, tollpatschig und begriffsstutzig war, einige dachten, ich sei richtig faul; ich hatte dann schnell auch keine Lust mehr, da ich mich unwohl fühlte und auch Probleme hatte, immer wieder um Rücksicht zu bitten und immer wieder nachzufragen. Am Ende saß ich meine Zeit nur ab; und das habe ich nicht nur in dem Beruf, sondern auch in anderen... Ich habe richtiggehend Angst, Dinge nicht zu verstehen, nicht schnell genug zu sein, bin kein Multitasker und bin schnell erschöpft; das haben mir viele schon zum Vorwurf gemacht. (ich habe neben der Schwerhörigkeit auch eine leichte Gehirnschädigung durch Sauerstoffmangel)

    Ich bin Dir auch nicht böse, im Gegenteil, ich freue mich auf differenzierte und gedankenanregende Postings.

    Ja, Du hast es richtig erkannt, ich habe sehr viele Probleme psychischer Art, Ängste, Minderwertigkeitskomplexe, aber eben auch das Gefühl, den Anforderungen niemals gewachsen zu sein. Ursächlich sehe ich jetzt immer mehr meine von Geburt an bestehende an Taubheit grenzende Hörminderung; da hatte ich einfach im Kindesalter nicht so die Chance, soziale Interaktion zu lernen, und ich stehe ziemlich dumm da. Habe nicht direkt Angst vor Menschen, aber es ist so, dass ich immer die Befürchtung habe, dass andere irgendwas Wichtiges sagen und ich davon nichts mitbekomme (was ja auch immer passiert ist), und daher kommen auch Minderwertigkeitsgefühle. Ich habe es einfach verdrängt, auch meine Eltern haben das nicht für so wichtig genommen; habe jetzt mit ihnen mal darüber gesprochen, und sie sagen, dass sie sich nie ausmalen konnten, wie schlimm diese Beeinträchtigung ist. Mir war das auch nicht klar, aber jetzt habe ich nach Abschluß einer Selbsterkenntnisphase bemerkt (ich bin bei mir selber einem Eigenverdacht auf Asperger nachgegangen), wieviel mir bislang entgangen ist und wie wichtig das eigentlich alles war. Erst jetzt fällt mir das auf. Weiterhin habe ich ab und an starke Probleme mit der Impulssteuerung, so dass es mal vorkommen kann, dass ich einfach einen Wutausbruch habe, weil etwas nicht klappt, ich ungeduldig werde oder in Tränen ausbreche, weil ich mich nicht angenommen fühle. Das Autoritätsproblem wäre bei mir erledigt, wenn ich meine Minderwertigkeitsgefühle los bin, mehr von den Abläufen in der Klasse mitbekäme und das Gefühl habe, im richtigen Beruf zu sein; mein Mann sagt, dass ich eine "natürliche Autorität" habe, das merke ich bei unserem Hund und bei meinem Neffen.

    Bislang hat mir noch niemand gesagt, dass ich überflüssig sei, das ist meine eigene Denke, wenn ich sehr down bin. Aber dass ich nervig sei, anstrengend, Sorgenkind, etc., das wird mir immer wieder gesagt; und wenn andere sich immer nur Gedanken um mich machen, finde ich das auch nicht gut, das muß für diese doch belastend sein?

    Meine Klientel sind angehende Ergotherapeuten und Physiotherapeuten; diese beiden Berufsgruppen unterscheiden sich auch schon gewaltig im medizinischen Verständnis und im persönlichen Umgang. Folien und eine immer wiederkehrende Struktur habe ich schon eingebaut, mitsamt Lernzielangabe und Übersicht über die Stundenthemen. Eine große Interaktion mit Fragen, Vorträgen seitens der Schüler möchte ich gerne meiden, da mir das mit dem Hören viel zu anstrengend ist und ich am Ende doch vieles nicht mitbekomme. Ich kann weder Gebärden noch von den Lippen ablesen. Die Klassengröße schwankt zwischen 22 und 40 Teilnehmern, natürlich viel zu viel für mich. Aber eine Schule mit kleinen Klassen kann ja nicht wirtschaftlich arbeiten... Tätig bin ich seit Ende 2009.

    An die Fachbereiche Pathologie, Gerichtsmedizin, Physiologie, forensische Psychiatrie (das würde mich brennend interessieren) habe ich schon gedacht. Aber das wäre mit weiten Anfahrtswegen verbunden. Da müßte ich schließlich in der MHH arbeiten, deswegen würde ich mir das nur als letzten Ausweg offenhalten, vorher schaue ich noch nach anderen Möglichkeiten. Bei Forschung weiß ich nicht so recht, ob das so mein Ding ist; habe schon große Probleme mit meiner Dissertation... Was für mich der beste Job wäre, wäre Amtsärztin; aber die nehmen ja nur jemanden mit einer FA-Ausbildung, und da hapert es ja nun auch schon bei mir, die Erfahrungen aus dem PJ möchte ich nie wieder machen müssen!

    Die Praxis (praktische Ärztin mit Angebot für Naturheilverfahren) werde ich natürlich nicht ohne vorangegangene Hospitation machen. Da will ich nochmal versuchen, in die Arbeitsabläufe einer Praxis reinzukommen und auch mal mit dem Arzt dort die Möglichkeit besprechen, ob es finanziell tragbar ist, einen 20 Minuten Rhythmus für Patienten zu haben; denn schneller kann ich einfach nicht arbeiten, ich brauche die Zeit, um auf den Patienten richtig einzugehen und alles ordentlich zu dokumentieren und nachzudenken. Mein HA nimmt sich nur 5 Minuten Zeit pro Patient und macht dann noch vieles nebenher, macht Anamnese bei Patient A, läuft dann ins Nachbarzimmer (während die Arzthelferin Blutdruck bei A mißt) und setzt bei Pat. B Akupunkturnadeln, dann telefoniert er auch noch; also nach 2h Hospitation bei ihm drehte sich bei mir alles, ich bekam Panik und hatte das Gefühl, gleich umzukippen, einfach weil mir das zu schnell ging und die Praxis bedrückend voll war, es war laut, hektisch, etc.. Das ging garnicht! Da habe ich die Flucht ergriffen.

    Wegen eines Treffens wäre ich sehr interessiert, ich schreibe Dir dazu mal eine PN!

    Ganz liebe Grüße von

    Hermine

  2. #22
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo!

    @ icke
    Ja, dass es Jugendliche und Erwachsene sind, ist mir schon klar. Das ändert nichts daran, dass sie trotzdem ernst zu nehmen und in Ihren Wahrnehmungen und Bedürfnissen zu achten sind.
    So wie Hermine es beschreibt, liegt es nicht daran, das die Teilnehmer nicht "wollten", sondern dass sie selbst Probleme mit der Situation hat und sich nicht wohlfühlt. Nichts anderes spiegeln Ihr die Schüler. Welchen Sinn macht es dann, hier mit Druck zu reagieren und ihnen quasi den Kampf anzusagen nach dem Motto: "Mal sehen, wer am längeren Hebel sitzt!". Man mag einigen Schülern mangelnde soziale Kompetenz unterstellen oder eben, dass sie ihre Unzufriedenheit nicht nur in angemessener oder konstruktiver Weise zu äußern. Es ist aber Aufgabe des Pädagogen, des Profis, ihre Botschaft zu verstehen und darauf zu reagieren. Die "Schuld" bei den Schülern zu suchen, ihnen zu unterstellen, dass sie nicht interessiert seinen und sie dafür zu strafen, wäre eine Reaktion, die nur was über die mangelnde Souveränität und Unprofessionalität des Pädagogen aussagt.

    Ich arbeite seit vielen Jahren mit Menschen aller Altergruppen in verschiedensten Konstellationen, Einzelbegleitung/Coaching, Arbeit mit Gruppen, Seminare, Kurse etc. Mir fällt zum Glück spontan kein unmittelbarer Kollege ein, der eine solche Haltung gegenüber einem Kursteilnehmer hat. Ich gehe immer davon aus, dass Menschen für ihr Verhalten ihre Gründe haben, ein Bedürfnis dahinter steht, welches ich zu erfahren suche und Lösungen zusammen mit den Betreffenden finden möchte. Ich bin der Profi, der diese Kompetenzen haben muss, nicht zuerst die Teilnehmer. Und wenn sich herausstellt, das die Gründe bei mir liegen, ich sie aber auch nicht abstellen kann, muss ich gegebenenfalls die Konsequenzen ziehen. Auch das ist Professionalität und menschlich souveränes Handeln.

    Ich denke, wir beide haben hier eine völlig unterschiedliche Sicht auf Menschen und ein unterschiedliches Verhältnis zu ihnen.
    Aber es geht hier um Hermine.


    @ Hermine

    Schön, Hermine, dass Dir die Antworten weiterhelfen!

    Hermine1977 schreibt:
    aber eine Tätigkeit im sozialen Bereich macht mir im Grunde genommen sehr viel Freude und brauche ich auch.
    "Brauchst" Du die, weil Du keine anderen sozialen Kontakte hast?
    An sich ist ein menschliches Interesse in sozialen Berufen ja auch gut und okay und für Viele die Motivation, einen solchen Beruf zu ergreifen. Wichtig ist, sich selbst klar zu machen, was man von den Meschen eigentlich erwartet, mit denen man zu tun hat, was sie einem selbst "geben" sollen. Und sich klar zu werden, dass sie dass nicht oder nur eingeschränkt können. Ohne diese professionelle Refexion verstrickt man sich sonst in ungute Rollen und Beziehungen... Also mach Dir das bewusst und versuche, Deine professionelle Arbeit nicht mit Erwartungen an die Anvertrauten zu überfrachten.

    An meiner Methodenkompetenz habe ich schon gearbeitet; und die Erfahrung, dass Schüler noch relativ ehrlich widerspiegeln, was sie denken (sofern man nachfragt), habe ich auch gemacht.
    Ich meinte hier, dass auch Erscheinungen wie Unruhe im Klassenraum, der Schriftzug "Langweilig" auf einem Blatt Papier, Spiele oder anderweitige Beschäftigungen während des Unterrichts Zeichen sind, dass die Schüler offensichtlich überfordert sind, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen oder sich einbezogen zu fühlen. Auch das sind "ehrliche Rückmeldungen"! Auf sowas reagiere ich immer unmittelbar, das heißt, es geht erst im "Stoff" weiter, wenn der Grund für die Störung geklärt ist (den erfrage ich dann) und über das weitere Verfahren eine Verständigung erfolgt ist, bei welcher ich nach Möglichkeit auf die Gründe eingehe. D.h., wir vereinbaren dann eine Lösung.

    Mir geht es insofern so ähnlich wie Dir, dass ich bei zu vielen Eindrücken auch überfordert bin, diese aufzunehmen, zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Daher orientiere ich bei meiner pädagogischen Arbeit auf die Arbeit mit kleineren Gruppen (bis 10-12, höchstens 15) oder Einzelpersonen. Wenn ich doch ausnahmsweise mal eine größere Gruppe vor mir habe (manchmal geht es einfach mal nicht anders), kann ich inzwischen zwar aus beruflicher Erfahrung in ein umfangreiches Repertoire an Methoden zurückgreifen, die manche Defizite kompensieren, wirklich wohl fühle ich mich dann aber nicht. Es müssen also immer Ausnahmen bleiben, sonst würde mich das zu viel Energie kosten und Erfolgserlebnisse hätte ich auch nicht wirklich.

    Ich brauche auch immer eine unkittelbare Rückmeldung von den Gruppemmitgliedern/Teilnehmern. Daher arbeite ich stark prozessorientiert, in Dialogform, unter Einbeziehung bewegungsorinentierter/interaktiver Lernmethoden etc. Frontalunterricht in klassicher Form wäre ersten nix für mich, zweitens finde ich das auch für Schüler außerordentlich langweilig und eigentlich eine inzwischen lange überholte Form.

    Noch etwas möchte ich Dir mit auf den Weg geben:

    Denke auch über die Möglichkeiten hinaus, die Du gerade erwägst. Jeder hat Grenzen, und es ist wichtig, diese zu erforschen, kennenzulernen und auch zu respektieren! Verlange nichts von Dir, was zu viel Energie von Dir abverlangt, Dir Misserfolge beschert. Das ist kein Zeichen von "Schwäche", sondern von Annahme seiner selbst. Jeder ist einzigartig! Du musst in dieser Welt nicht so funktionieren, wie andere es von Dir erwarten oder das System es suggeriert. Wenn Du Deine Grenzen akzeptierst, fängst Du an, Dich selbst zu respektieren. Arrangiere Dich mit Ihnen!

    Jeder Mensch hat Stärken - und Du hast die auch. Manchmal hängen die sogar mit anderen sogen. "Einschränkungen" zusammen, die Dir bestimmte Eigenschaften geben. Habe den Mut, diese zu sehen, anzunehmen, auszubauen und anzuwenden! Du kannst Dich weiterentwickeln, Dir neue Möglichekiten erschließen, aus Deinen ganz besonderen Lebenserfahrungen schöpfen, neue Erfahrungen auf Deinem Weg machen.

    Wie wäre es z.B. wenn Du in Zukunft mit behinderten Menschen arbeitest, die mehr Zeit benötigen, auch für Kommunikation, die sich von Dir vielleicht besonders verstanden fühlen? Wie wäre es, wenn Du die Gebärdensprache erlernst und z.B. mit hörbehinderten Menschen arbeitest? Ob nun als Ärztin, Pädagogin, Lehrerin, Gutachterin oder in einer Behörde...
    Das ist nur ein Beispiel! Es gibt sicher noch viel andere Möglichkeiten. Du hast mit Sicherheit herausragende Kompetenzen, die andere nicht haben, weil Sie Deine Erfahrungen nie machen konnten. Du bist Anfang 30, Dein Leben liegt vor Dir. Ich denke, auch Du wirst Deinen Platz finden. Das Leben ist ein Weg - und manchen neuen Wegabschitt sieht man erst, wenn man losgeht. Man lernt, während man geht.
    In Deinem Alter habe ich ein zweites Mal studiert...ich war auch lange auf der Suche - und mit jedem neuen Schritt lerne ich mich etwas besser kennen. Wichtig war für mich, äußere Erwartungen abzulegen. Wichtig ist, was ich mir wünsche, wie ich mich wohl fühle, was mir wichtig ist.

    Liebe Hermine, nimm Dich selbst ernst und nimm Dich an, auch wenn es Dir im Moment schwer zu fallen scheint. Ich wünsche es Dir!

    Liebe Grüße
    Spezi
    Geändert von Spezi (21.03.2011 um 20:12 Uhr)

  3. #23
    Mega-Wusel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 2.452

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine,

    ich muss beruflich auch immer wieder Vorträge halten, vor Massen sprechen.. Am Anfang ging es ganz ganz schwer. Ich konnte denen nicht in die Augen schauen. Hab meinen Blick an der Leinwand festgetackert...hatte totale Panik, vor allem seit man mir sagte, ich spreche zu leise... Laut sprechen ging gar nicht. Im Laufe von 7-8 Jahren musste ich mich immer wieder den Situationen stellen. Ich kann mittlerweile auch spontan einspringen, wenn ich in der Materie stehe.

    Was hilft mir dabei, kompetent zu wirken und mich nicht verrückt zu machen? Für mich selbst einen Vortrag simulieren und laut vor mich hin sprechen, vorm Spiegel. Da merke ich an welchen Stellen ich ins Wanken komme, ob ich stottere, zu schnell spreche.
    Ich versuche immer vor dem Publikum im Saal zu sein. Wenn die ersten erscheinen, gehe ich in die Nähe der Tür und begrüße sie freundlich. Ich brauch den ersten Kontakt.. Nicht ICH betrete den vollen Saal, sondern ich bin dabei, wenn der Saal sich füllt. So kann ich mir die Menschen anschauen und sie sehen mich.
    Ich versuche, bevor ich zum Thema komme, einleitende Worte zu finden, gern auch mal mit einem Späßchen - passt bei meinen Themen eigentlich immer. Kommt aber auch auf das Publikum an. Oft bricht man damit das Eis.
    Jetzt versuche ich den Blickkontakt zu halten und "arbeite" in meinen Vorträgen auch mit den Anwesenden. Ähnlich, wie im Unterricht. Das kommt ganz gut an und das bekomme ich auch im Feedback zu hören...

    Ich muss nur immer auf meinen Sprechdurchfall achten. Den habe ich nach wie vor und es passiert, dass ich mich manchmal überschlage... Aber das bekomm ich immer mehr in den Griff. Für mich ist es immer so, dass ich alles, was ich weiß und zu sagen habe auch raus bringen will, damit ich nichts vergesse, was ja nun mal bei uns so ist.. und bevor ich Gefahr laufe, zu vergessen blubbere ich einfach los.. Schwierig wirds, wenn ich im Thema abschweifen muss, weil etwas noch Zusätzliches erklärt werden muss, um den Zusammenhang zu verstehen. Den Faden wieder aufnehmen zu können.. aber klappt...

    Was mir nicht geholfen hat, dass viele meinen, man sollte sich die Zuschauer nackt vorstellen. Kann ich nicht. Selbst wenn ich das wollte. Es würde auf mich keinen positiven Einfluss haben, ob die nun nackig oder angezogen da sitzen... auch nicht mit Papiertüte überm Kopf.. Das Problem bei mir war, mich zu hören...
    Was mir auch hilft, ein Mikro zu benutzen... Ist für viele ein Graus, mir hilfts. Ich halt mich dran fest, kann rum laufen und mich hören trotzdem noch alle.. ich muss nicht schreien, sondern kann meine Stimme anpassen...

    Ich hab ziemlich große Angst vor anderen Menschen.. Aber berufsmäßig ist das leider nicht zu vermeiden, oder auch gut so. Wie man es eben sieht. Immer wieder in die Situation zu gehen, nicht aufgeben und sich zurück ziehen macht mich stärker. Das Magenkribbeln vor den ersten Vorträgen, was mich immer fast zum Erbrechen brachte hab ich immer noch, aber ich weiß, das geht vorbei nach den ersten Sätzen. Und irgendwie ist es auch ein Kick...

    Hoffe Du packst das alles!!! Bist mit Sicherheit nicht ungeeignet für Deinen Job!!!

  4. #24
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hi Spezi,

    danke erstmal für Deine Antwort! Du hast mir auch wieder neuen Mut zugesprochen und mir auch das Gefühl gegeben, grundsätzlich auf dem richtigen Kurs und ok zu sein. Du bringst mir auch neue Gedankenanreize, so werde ich auch mal versuchen, in der Arbeit mit Behinderten einen Job zu bekommen. Mein Lebensmotto ist auch "der Weg ist das Ziel"- einfach auch weil ich mir früher auch niemals ausmalen konnte, wo die Reise hingeht und ich nur von einem Tag auf den nächsten gelebt habe; ich habe immer nur die Dinge gemacht, wo ich merkte, dass ich sie kann. Für die anderen Dinge brauchte ich immer mächtig Druck und auch Unterstützung, da neige ich sehr stark zum Prokrastinieren, aber nicht weil ich faul bin, sondern weil ich einfach nicht weiß, wie ich es anpacken soll. Inzwischen sehe ich das sehr positiv, denn ich lebe im Hier und Jetzt und genieße den Augenblick, wenn es gerade sehr gut läuft, und bin auch relativ weit gekommen.

    Wo meine Grenzen sind, weiß ich inzwischen ganz genau; aber leider finde ich keinen Job, der da genau paßt; die Jobs, die "Rücksicht" auf meine Grenzen nehmen, sind mir wiederum zu langweilig, da ich dort keine geistige Herausforderung habe. Warum ich gerne im sozialen Bereich tätig bin, liegt daran, dass ich immer auf der Suche nach interessanten Menschen bin, mit denen ich mich super austauschen kann, Du hast insoweit Recht, dass meine Schüler eher nur selten Gelegenheit bieten für einen interessanten Austausch (allein auch durch zeitliche Bedingungen und durch die Anonymität in der großen Klasse), aber ich fand es bislang interessant, zu überlegen, wie ich meinen Stoff verständlich darbiete, und es gab mir den Anreiz, immer im Stoff drinzubleiben, also den geistigen Anspruch. Wegen Small Talk gehe ich jetzt nicht auf Menschen zu, sondern nur für interessante Konversationen oder wenn ich jemanden beraten kann, was ich auch sehr gerne mache (ich fühle mich dann wichtig und wertvoll und auch mein Geist ist angesprochen, das Problem zu erfassen und Lösungen zu erarbeiten). Es ist wohl wirklich eines der großen Probleme, dass ich meine Schüler oftmals auch zu überfordern scheine, das haben einige auch schon wiedergespiegelt. Andere wiederum fühlen sich unterfordert, was daran liegt, dass ich manchmal Stoff doppelt mache, obwohl andere Dozenten diesen schon abgehandelt haben (da müßte ich mich einfach mehr mit anderen Dozenten abstimmen) oder weil ich wiederhole, um sicherzugehen, dass alle die Sachen verstanden haben.

    Das Medizinstudium war schon mein 2. Studium, mein erstes war Jura, was ich nach 2 Jahren abgebrochen hatte, weil ich ein Querdenker bin, der immer wieder mit seiner Meinung aneckte (ich konnte meine Ansicht zwar immer sehr gut erklären, aber man sagte mir immer wieder, es sei nicht sinnvoll, sich nicht der "herrschenden Meinung" anzuschließen, und man gab mir bei Hausarbeiten oftmals nur 4-6 Punkte (Notensystem), wo ich dann nach Beschwerde immer 3-5 Punkte mehr rausholte, weil ich gut argumentierte; aber es machte einfach keinen Sinn, immer gegen den Strom zu schwimmen. Ich wollte wenigstens gut sein (in Jura nannte sich das "Vollbefriedigend", Notenpunkte 10-12), so dass ich das Studium aufgab, obwohl ich fast alle Scheine hatte. Dann lernte ich Physiotherapeutin, wo ich auch gemobbt wurde, weil mein Fachwissen zu umfangreich war für eine PT und ich zuwenig auf die emotionale Lage meiner Patienten einging (war immer nur eine Beraterin (auch für psychische Probleme gab ich eher praktische Lösungsideen anstatt den klassischen Trost) und führte die Übungen mit den Patienten durch, aber ich machte keinen Small Talk), ich auch noch Prosopagnosie habe und daher die Patienten jedesmal nicht wiedererkannte, sondern immer aus dem Terminkalender ablas, wer denn nun vor mir stehen mußte (was ja dann auch nicht immer stimmte) und ich dann zunehmend gesundheitliche Schwierigkeiten (Kniearthrose, Bandscheibenvorfälle) bekam, die mir das Stehen während der Arbeit schwer machten. Meine Chefin hat mich herauskomplimentiert ("Sie haben das Zeug zur Selbständigkeit! Sie haben solche geistigen Kapazitäten, dass Sie nochmal Medizin studieren sollten."), indirekt sagte sie mir auch mal, ich sei nicht geeignet, als Angestellte zu arbeiten, weil ich eben vieles auch auf meine ganz eigene Art machte.

    Gestern ist der Unterricht in meinen Augen klasse gelaufen, ich glaube, ich weiß jetzt, was die Schüler brauchen: Sie bekommen von mir Folien, wo die wichtigsten Stichpunkte zu den Prüfungsinhalten in sinnvoller Abfolge (auch Ablaufschemata von Körperreaktionen, etc. nebst Fachbegriffen und deutscher Übersetzung) draufstehen, weiterhin habe ich jetzt auch Folien mit Schemazeichnungen und Querverbindungen des Themas zu anderen Inhalten angefertigt, damit scheinen die Schüler schon besser zu verstehen. Ich erkläre die Folie immer ganz kurz, frage bei den Schülern nach, dass sie mir das oder jenes nochmal erklären, damit ich sichergehe, dass sie es verstanden haben, dann haben sie 10 Minuten Zeit zum Abschreiben, dann kleine Pause und dann noch ein neues kurzes Thema mit Abschlußdiktat zum ganzen Stundeninhalt. Da war die ganze Klasse ruhig, so hatte ich das bislang noch nie erlebt. Am Anfang der h gebe ich einen Überblick über die Inhalte, am Ende sage ich das Thema der folgenden Stunde an. Leider bemerke ich, sobald ich den Raum betrete oder verlasse, dass die Schüler sich lustig über mich machen, indem sie meinen Gruß übermäßig laut nachäffen oder mich garnicht grüßen bzw. sich lange Zeit lassen, sich hinzusetzen. Die interaktive Unterrichtsform, wie Du sie beschreibst, ist sicherlich das Optimum, aber leider keine Methode, die ich umsetzen kann, was daran liegt, dass ich nicht gut im Dialog mit mir unbekannten Menschen bin, dazu auch noch soviele verschiedene Menschen wie in dem Kurs, und ich eben auch massive Höreinschränkungen habe. Nach ein paar Fragen seitens meiner Schüler bin ich schon fix und alle, weil ich a) mich sehr anstrengen muß, sie zu verstehen und b) mir dann noch ganz schnell eine passende Antwort überlegen muß und diese auch noch verständlich rüberbringen muß.

    Von daher geht meine Überlegung wirklich dahin, dass ich nur noch mit kleinen Gruppen arbeiten möchte, was leider nicht an einer Schule möglich sein wird aus wirtschaftlichen Gründen. Aber Vorträge halten kann ich ja immer noch in anderen Bereichen, und das mit der Arbeit mit Behinderten ist wirklich keine schlechte Idee. Unkonventionelle Problemlösungen habe ich ja selber schon für einige Bereiche erarbeitet, kann auch psychologisch beraten und Verständnis entgegenbringen. Da kann ich auch mit Angehörigen sprechen und auch eben für mehr Toleranz werben, was ich inzwischen ja nun ganz gut gelernt habe.

    Habe mich sehr über Dein Posting gefreut, wie auch über all die anderen hier

    Liebe Grüße
    Hermine

  5. #25
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hi Schnubbel,

    freute mich auch ganz doll über Dein Post und Deine aufbauenden Worte!

    So wirklich Angst vor fremden Menschen habe ich nicht, sondern eher das Problem, dass ich vieles nicht gleichzeitig verarbeiten kann und dadurch manchmal eben unkonzentriert und strukturlos rüberkomme. Weiterhin habe ich massive Probleme mit großen Gruppen, weil sie eben aus so vielen verschiedenen Personen zusammengesetzt sind mit unterschiedlichen Bedürfnissen und mein akustisches Verständnis eben auch nicht verbessern...

    Das mit der Vorstellung, die Zuhörer sollten nackt sein, habe ich ja bisher noch nicht gehört, ich glaube, wenn ich mir das vorstelle, würde ich total abgelenkt sein und mich kaputtlachen müssen, dann würde wohl garnichts mehr gehen. Dann würde ich mir vorstellen, wie Spätpubertierende jeweils auf das andere Geschlecht reagieren würden, etc.. Mit Mikro habe ich so gewisse Probleme, da ich meine eigene Stimme nicht hören mag, sofern das passiert, kriege ich eine Blockade, ich mag irgendwie nicht meine eigene Stimme durch Film oder Tonbandaufnahme hören, ebenso nicht durch Lautsprecher oder so.

    Ja, eine sogenannte Logorrhoe habe ich auch, wenn ich erstmal in ein Lieblingsthema von mir reinschlittere, dann quackel ich mich manchmal so fest, dass ich die eigentlichen Inhalte der h nicht mehr abhandeln kann. Das ist aber nicht so schlimm, bislang habe ich gemerkt, wenn ich über eines meiner absoluten Lieblingsthemen rede, dass einige Schüler plötzlich sehr interessiert sind und es ganz ruhig in der Klasse ist. Offensichtlich ist meine Begeisterung dann für die anderen ansteckend, weil ich sie dann in dem Moment wohl doch gut rüberbringen kann. Dann kommen oftmals auch ganz viele Nachfragen, und ich wundere mich, wieso die Schüler, die gerade eben die einfachsten Dinge nicht verstanden haben, plötzlich die komplexesten Dinge von mir wissen wollen. Das mit dem Abschweifen vom Thema, wenn ich andere Zusammenhänge erklären muß, damit die Kernthematik verständlicher wird, kenne ich auch gut, das habe ich aber noch nicht so gut im Griff, denn die Schüler können dann oft nicht mehr folgen. Dann benutze ich gerne Zeichnungen, um das verständlicher zu machen, aber die Schüler sind dann schon oft "weg", weil es ihnen vorher schon zu anstrengend und unheimlich war...

    Es freut mich, dass Du Dich immer wieder Deinen Problemen stellst und nicht aufgibst, daran wächst Du. Ich versuche auch, nicht immer zu schnell aufzugeben, denn das Leben ohne Herausforderungen wäre ja sonst irgendwie langweilig.

    Auch Dir wünsche ich, dass Du immer die Ohren steif halten wirst!

    Liebe Grüße
    Hermine

  6. #26
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine 1977

    ich finde es toll, was du in deinem letzten Brief an Spezi herüberbringst. Ich denke ganz bestimmte, daß du auf dem richtigen Weg bist.

    Ich würde mir nicht allzuviel Gedanken darüber machen, wenn es eine Weile dauert bis die Schüler sich hinsetzen, bzw. wenn sie dich nachäffen wenn du raus gehst. Ich bin davon überzeugt, je mehr du die Schüler durch die Folien motivieren kannst, je mehr Freude du erlebst, je begeisterter du den Stoff rüberbringst, um so mehr wird diese Verhaltensweise nachlassen. Auch die Idee dich mit deinen Kollegen bezüglich des Stoffes auszutauschen ist hervorragend.
    Es ist schon toll, wie du die neue Stunde beschreibst und es zeigt sich in jedem Satz, wie sehr du auf dem richtigen Weg bist, selbst wenn du den Unterricht mit Behinderten nicht verwirklichen kannst, du wirst es auch unter den gegebenen Umständen schaffen.

    Da bin ich ganz, ganz sicher.!!!!

    Trotz allem, ich hoffe du hast meine PN erhalten. Du kannst dich gern melden.

    Liebe Grüße
    Karla

  7. #27
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine,

    freut mich, dass Du das so sehen kannst!

    Bezüglich Arbeit mit Behinderten: Das war eine spontane Idee von mir. Ich frage mich eben selbst immer wieder: Was fällt mir schwer, was kann ich gut? Aber: Es war eben nur EINE Idee, es gibt mit Sicherheit noch viel mehr Möglichkeiten!

    Und wichtig war mir, Dir zu sagen, dass einige Deiner Eigenschaften, die Du als "Defizite" beschreibst, eben auch Kompetenzen sind! Z.B. ist dieses "Ich brauche für jeden Patienten sehr viel Zeit" etwas, was in einer anderes Situation eine positive Eigenschaft ist, weil bestimmte Mensche eben gar nicht so schnell können. Also überlege Dir, was Du noch alles gut kannst und gern machst, baue Deine Stärken aus, bilde Dich gegebenfalls weiter - und gehe gleichzeitig mit offenen Augen durch die Welt! Ich habe die Erfahrungen gemacht, dass sich dann Türen auftun, ich Möglichkeiten sehe...


    Hermine1977 schreibt:
    Ja, eine sogenannte Logorrhoe habe ich auch, wenn ich erstmal in ein Lieblingsthema von mir reinschlittere, dann quackel ich mich manchmal so fest, dass ich die eigentlichen Inhalte der h nicht mehr abhandeln kann. Das ist aber nicht so schlimm, bislang habe ich gemerkt, wenn ich über eines meiner absoluten Lieblingsthemen rede, dass einige Schüler plötzlich sehr interessiert sind und es ganz ruhig in der Klasse ist. Offensichtlich ist meine Begeisterung dann für die anderen ansteckend, weil ich sie dann in dem Moment wohl doch gut rüberbringen kann. Dann kommen oftmals auch ganz viele Nachfragen, und ich wundere mich, wieso die Schüler, die gerade eben die einfachsten Dinge nicht verstanden haben, plötzlich die komplexesten Dinge von mir wissen wollen.
    Dann solltest Du mal drüber nachdenken, warum das so ist...
    Stell Dir vor, Du würdest alles oder das meiste, was Du machst, mit dieser Begeisterung tun... ...überlege, Dir, was anders sein müsste, dass es so wäre...wie die Situation aussehen müsste, dass Du mit dieser Begeisterung agierst...was kannst Du davon umsetzen?

    Liebe Grüße
    Spezi

  8. #28
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Ach so, noch was:

    Hermine1977 schreibt:
    Leider bemerke ich, sobald ich den Raum betrete oder verlasse, dass die Schüler sich lustig über mich machen, indem sie meinen Gruß übermäßig laut nachäffen oder mich garnicht grüßen bzw. sich lange Zeit lassen, sich hinzusetzen.
    Ich denke, Karla hat das schon korrekt gesagt: Dass würde ich nicht überbewerten. Manchmal ist das die "normale Art" von Jugendlichen, die außerdem sehr Unterschiedliches ausdrücken kann: Grundsätzliche Opposition gegen Erwachsen-Strukturen, eigene Unsicherheit, sich vor anderen hervorheben wollen etc. Du solltest es nicht überbewerten oder nur auf Dich beziehen. Vielleicht bist Du hier nur zu empfindlich, weil Du nicht selbstbewusst genug bist?

    Wenn es Dich stört, kannst Du es ja ansprechen und die Schüler fragen, warum sie es tun. Und Umgangsformen klären, darüber verständigen, was achtsames Verhalten beiderseitig ist und wie das aussehen könnte... Zumindest mache ich es dann so.

    Liebe Grüße
    Spezi

  9. #29
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine,

    ich bin ganz platt, was für ein Tempo du an den Tag legst. Das Arbeiten mit Folien scheint ja toll zu funktionieren. Und wenn du durch den Erfolg gestärkt in die Klasse gehst, bietest du den Schülern auch keine Angriffsfläche für kindisches Gespött.

    Ich sehe das wie Spezi, die jungen Damen und Herren benehmen sich wie eine Horde von pubertierenden Vierzehnjährigen. Das ist nicht nur schlechtes Benehmen, es passt für mich auch nicht zu dem helfenden Beruf, den die jungen Leute erlernen wollen. Da gehört Empathie nach meiner Auffassung zu den Schlüsselqualifikationen auf der menschlichen Ebene. Das kannst du den Herrschaften auch so rüberbringen, wenn du die persönliche Ebene vermeiden willst. ADHSler sind ja wirklich oft sehr sensibel in solchen Dingen und nehmen dumme Bemerkungen schnell persönlich. Mit dem Problem bist du nicht allein. *seufz*

    Am einfachsten ist aber, wenn der Unterricht jetzt besser läuft und gar kein Anlass mehr ist für eine Standpauke.

    Zur Arbeit mit Behinderten kann ich aus meinem Beruf etwas berichten, ich habe ja jahrelang mit Behinderten (Einzel und Kleingruppe) gearbeitet. Diese Menschen hatten teilweise den selben Hausarzt und gingen auch zu den selben Fachärzten. Es gibt nämlich gar nicht so viele Ärzte, die sich mit den speziellen Bedürfnissen von Behinderten auskennen, ihre Räumlichkeiten barrierefrei einrichten und ggf. auch Hausbesuche machen (bzw. Sprechtage in Wohneinrichtungen abhalten). Das wäre mal eine Überlegung wert, wenn du tatsächlich an die Selbständigkeit denkst. Fast alle Ärzte, die ich in den letzten Jahren regelmässig aufgesucht habe, waren an bestimmten Tagen nicht erreichbar, weil sie zb an dem Tag ein Altenheim betreuten.

    Ich drücke dir jedenfalls ganz fest die Daumen, dass die positive Entwickling der letzten Tage sich fortsetzt und du wieder Freude am Unterrichten haben kannst.

    lg
    lola

  10. #30
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hi,

    erstmal wieder vielen Dank für Eure Beiträge!

    Heute ist mir folgendes passiert: Kam in die Klasse rein, und die Schüler waren ganz ruhig. Mit der Höflichkeit klappt es leider noch nicht so, sie erwiderten meinen Gruß nicht und drehten teilweise mit den Augen, als ich reinkam. Aber heute habe ich dann mal ganz strenge geguckt, und dann war das auch gleich vorbei. Ich fing an, das Thema der letzten Stunde nochmal aufzugreifen, Diabetes mellitus; dazu hatte ich ihnen nochmal eine Folie mit anschaulicher Zeichnung über die Wirkung der Hormone gezeigt, dass die hormonbildenden Organe bzw. ihre übergeordneten Steuerzentralen erstmal einen IST-Zustand im Körper messen (der Gehalt von Substanz XY im Blut) und dann bei Bedarf das Hormon ausschütten (Hormon hat eine Nachricht, wie ein Brief, diese Nachricht hat einen Sender und einen Empfänger und dass die Empfänger einen Art Briefkasten besitzen und dort das Hormon wie ein Brief erstmal eingeworfen muß oder das Hormon wirkt wie ein Schlüssel, das den Schloß für eine Tür, hier in diesem Fall der Insulintransporter in Muskeln und Leber öffnet). Dann habe ich eben symbolisch das messende Organ in der Nähe der Blutbahn aufgemalt und im Blut die Substanz, um die es hier geht (bei D.M. der Blutzuckerspiegel) eingemalt als Glukosemolekül (stark vereinfacht), dann wie die (Beta)Inselzellen der Bauchspeicheldrüse den Blutzucker messen und daraufhin bedarfsangepaßt das Hormon Insulin ausschütten. Das alles ohne Worte; die Zeichnungen und Symbole erklärte ich. Obwohl ich letzte Woche 1,5 Zeitstunden Diabetes m. erklärte, gab es lautes Gemurre und der Spruch, meine Zeichnung sei unstrukturiert, man könne nichts lesen und so. Dann fragte ich nach, wie sie es besser haben wolle und dass das Argument jetzt nicht mehr ziehen könne, da ich nun soviele Vergleiche gebracht hätte. Im Anschluß fragte ich nochmal das Wissen der Schüler ab, und da gab es plötzlich sehr gute Antworten, und die betroffene Schülerin wurde ruhig, aber grinste dann immer noch verlegen. Zum Abschluß gab ich eine Auflistung der wesentlichen Unterschiede zwischen Typ 1 und Typ 2 Diabetes, wo die unterschiedlichen Störungsquellen, die Symptome, Therapie, etc. im Vergleich gegeneinander aufgelistet waren. Da gab es wieder Gemurre, insbesondere da ich hinwies, dass das sehr klausurrelevant sei. Dabei hatten die Schüler soviel über D.M. gewußt, so dass ich diese ganze Aufregung nicht verstand. Auf weitere D.M. Formen außer Typ 1 und 2 ging ich nicht näher ein, wies nur darauf hin, dass es sie gibt. Da wollte plötzlich ein Schüler wieder die genauen biochemischen Zusammenhänge wissen, woraufhin ich sagte, dass sie mir die Frage gerne noch nach der h stellen darf, aber nicht jetzt beantwortet werden kann, da die anderen daran kein Interesse hatten.

    Da wurde ich dann schon etwas lauter und fragte, was das denn solle, wo denn jetzt noch die Probleme wären. Weiterhin erklärte ich, dass gerade dieses Thema sehr wichtig für ihren Beruf sei und es in ihrem Interesse sei, es gut zu lernen.

    Das mit den Folien mache ich schon seit 2 Wochen, also ist nicht ganz neu, nur dauert es mit der Umsetzung bei mir ein wenig. Ich brauche da auch erstmal eine Anlaufzeit. Übrigens arbeite ich nicht mit Büchern, da ich kein "Vorleser" bin, sondern erarbeite eigenständige Konzepte. Und die sind oftmals anders als in Büchern und manchmal eben auch sehr differenziert, was für den einen oder anderen wohl auch gewöhnungsbedürftig ist.

    Aber ich bemerkte heute halt, wie wichtig der selbstbewußte Auftritt ist! Wenn ich unsicher rüberkomme, dann fallen den Schülern einfach mehr Kritikpunkte ein, die sich hinterher als nicht haltbar herausstellen; so wie bei der einen Schülerin heute. Es ist also zu beachten, dass ich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Selbstsicherheit und Offenheit gegenüber Kritik an den Tag lege. Denn die Schüler wollen ja auch teilweise verhandeln, dass sie nicht alles lernen müssen, dass sie nur weniger wissen müssen... Da ist es auch bedeutsam, zu erfassen, wie die Grundstimmung in der Klasse ist oder ob die Kritik nur von einzelnen Personen kommt. Bei meinem 2. Kurs, da war es so, dass die immer müde sind und albern (es ist Nachmittagsunterricht), und dass ich da eben ein wenig drauf eingehen muß, aber auch ganz klar zeigen muß, wo da die Grenzen sind. Heute zeigte ich ihnen wie versprochen Röntgenaufnahmen von Knochenbrüchen, und ich ließ es nicht zu, dass sie in eine passive Konsumentenhaltung gehen ("sie zeigt uns jetzt Bilder, die nicht klausurrelevant sind, dann können wir jetzt mal kurz abschalten"), sondern ich sprach die besonderen "Helden" an und fragte sie, welche Knochen und welche Versorgungsmöglichkeiten (Platte, Verriegelungsnagel, etc.) darauf zu sehen seien, und was für eine Form des Bruchs vorläge. Da schauten sie auch ziemlich blöde, und ich konnte es nicht verkneifen, da ein wenig zu grinsen und darauf hinzuweisen, dass es Grundkenntnisse seien. Aber ich zeigte ihnen auch, dass ich es ihnen nicht so wirklich übel nähme und es eben schon nachmittag sei.... Ich glaube, das war gut.

    Ich glaube, um Standpauken werde ich wohl leider niemals herumkommen müssen, das haben mir langjährige, gute Lehrer auch schon häufiger gesagt. Manchmal wollen sie es nur so, sie wollen, dass man merkt, dass sie da sind und Aufmerksamkeit bekommen, weiterhin auch Grenzen ausloten können... In diesem Sinne ist es auch gut, wie Spezi schon schrieb, klare Umgangsformen anzusagen. Ein Lehrer hat das so gelöst, dass er von seinem Kurs klare Regeln ausarbeiten ließ, er meinte, was sie selber erlassen, können sie hinterher besser einhalten, weil es ihnen sinnvoll vorkommt. Finde ich nicht schlecht. Und eine gewisse Rebellenhaltung ist bei ihnen tatsächlich auch noch da, obwohl sie im Prinzip genau wissen, wie der Hase läuft, aber es sind irgendwo auch noch Pubertätsspuren da.

    Wegen Off Topic Redebeiträgen im Unterricht habe ich zwei Theorien, warum diese so gut ankommen; natürlich erstmal die naheliegendste: Nämlich dass ich selbstbewußter auftrete und begeisterter, da ich nicht das drückende Gefühl habe, dass die Schüler das unbedingt lernen müssen, sondern eher so wie ein Plaudern ist. Auch ich habe Angst, wenn Schüler etwas nicht verstehen, auch davor, dass das der Fall sein könnte und bin daher wohl auch schon verkrampft, und das merken die Schüler wohl auch... Aber wenn ich plaudere, dann ist diese Angst natürlich weg, und Schüler und ich sind entspannt. Die zweite Theorie ist, dass die Schüler auch Zeit schinden können, da ja Inhalt des Geplauders nicht klausurrelevant ist und sie diese Zeiten ausdehnen wollen, damit sie nicht soviel lernen müssen...

    Arbeit mit "Behinderten" werde ich weniger in ärztlicher Hinsicht anstreben, eher in beratender Hinsicht (Betroffene, Angehörige, Aufklärungsarbeit)... Da werde ich mich mit den Schwerpunkten Asperger und Schwerhörigkeit auseinandersetzen. In beiden Themenfeldern bin ich schon relativ gut bewandert. Aber wie gesagt, will ich erstmal schauen, was ich sonst noch für Möglichkeiten habe.

    Ganz liebe Grüße an Euch alle, die hier geschrieben haben und mir so toll Mut zugesprochen haben

    Hermine

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