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Diskutiere im Thema Wie gut könnt Ihr Vorträge halten? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo!

    icke WES schreibt:
    Die Schüler, die Dein Bemühen zu schätzen wissen, um die solltest Du Dich weiterhin bemühen. Wer nicht, das ist dann sein Problem.
    (...)
    WEr meint, Wärend des UNterrichs Karten spielen zu müssen, der darf sich aber am Ende der Ausbildung nicht wundern, wenn er die Prüfung nicht besteht. Mein Mitleid für diese Person hält sdich in Grenzen.
    (...)
    Wie wär's mal mit Aufpassen im Unterricht? Was mein Mitleid für die Schüler, die sich hierüber beklagen: sieho oben.

    Vielleicht solltest Du Deinen Schülern mitteilen, dass Du Dein Examen schon hast und dass, wollen diese es auch bekommen, ein wenig zuhören sollten, am Unterricht. Des Weiteren solltest Du Dir über jeden Deiner Schüler Notizen machen, wer wann wie oft den Unterricht gestört hat und wann was unterrichtsfremdes wärend des Unterrichts gemacht hat.

    Fangen die Schüler wieder an zu Meckern, z.B. weil die Klausur zu schwer ist/war, dann hälst Du dem betreffendenb Schüler genau das vor, mit Datum und der anschließenden Frage: "Wer weiß, was Du sonst noch Alles im Unterricht gemacht hast, was hier nicht hingehört und ich das nur nicht mitbekommen habe?"
    Also, icke, diese Haltung schockiert mich einigermaßen.
    Wieviel Achtung spricht daraus gegenüber Schülern und Menschen, die den Lehrenden ausgeliefert sind? Und wie steht es damit, die einem anvertrauten Menschen zu respektieren, zu achten und zu mögen?
    Erkenne ich sie als Dialogpartner an oder liegen sie natürlich falsch und ich richtig, liegt die "Schuld" quasi automatisch bei ihnen, nur weil ich mehr Macht habe?
    Solche Lehrer, wie Du hier beschreibst, hatte ich früher zur Genüge - und sie waren bei mir sowas von unten durch...ich mag als Schüler sowas wie "Angst" vor ihnen gehabt haben, als Menschen hatten sie jeglichen Respekt verspielt und dem Unterricht habe ich nur mit Abneigung beigewohnt...


    Liebe Hermine, Schüler werden Dir i.d.R. ehrlich spiegeln, wie es ihnen geht - und sei irgendwo auch dankbar dafür, dass sie es tun. Nimm es ernst!

    Wichtig ist, im Dialog zu stehen, zuzuhören. Eine Beziehung zu den anvertrauten Menschen zu haben. Nach meiner Erfahrung mit der Arbeit mit Menschen verzeihen Schüler etc. einige Unvollkommenheiten beim Erklären oder ähnlichem, wenn die Beziehung stimmt, sie sich respektiert und geachtet fühlen. Wenn ich Misstimmung feststelle, frage ich, was der Grund ist und gehe darauf ein. Dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen. Erst, wenn das geklärt ist, geht es im Prozess weiter.

    Schüler werden auch um so interessierter sein, je mehr das, was passiert, mit ihnen zu tun hat, je mehr sie einbezogen sind, mit ihrer ganzen Erlebniswelt. "Untericht" in diesem Sinn ist also nicht nur einseitiges Geben, also Wissensvermittlung im Frontalunterricht, sondern bezieht die Kompetenzen der Schüler mit ein, baut den "Unterrichtsstoff" in ihre Lebenswelt ein und betrifft alle Ebenen der Person. Es ist ein gemeinsames "Erarbeiten" oder "Erleben".

    Unterricht oder die pädagogische Arbeit wird bestimmt durch die soziale Kompetenz (z.B. Beziehungsaufbau), durch methodische Kompetenz (z.B. Unterrichtsgestaltung), durch die persönliche Kompetenz (z.B. Selbstbewusstsein) und erst danach durch die fachliche Kompetenz (z.B. Wissen).

    Eine Erkenntnis die ich in meinem eigenen Lebenweg gewonnen habe: Wenn ich Erfolgserlebnisse haben will, muss ich mir Situationen suchen und gestalten, in denen mich wohl fühle.

    ErichW und Muriel haben eigentlich schon alles Wesentliche gesagt.

    Alles Gute Dir und liebe Grüße
    Spezi
    Geändert von Spezi (19.03.2011 um 21:45 Uhr)

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Wow, danke für Eure tollen Antworten, habe mich riesig darüber gefreut.

    An Narzissmus scheint es mir zu mangeln, bin eher so selbstkritisch, dass ich den Anspruch habe, dass das was ich erzähle, richtig und gut ist. Weiterhin möchte ich generell eine Arbeit verrichten, die zumindest so gut ist, dass da keine ernstzunehmende Einwände gegen zu erheben sind. Ich glaube, manchmal wäre es besser, ein bißchen weniger Selbstzweifel zu haben.

    Einen Coach habe ich schon, das ist mein Cheffe, der sich schon ein paar mal zu mir in den Unterricht gesetzt hat und auch schon zwischen mir und den Schülern vermittelt hat. Es wäre aber eventuell sinnvoll, nochmal ein Feedback zu erhalten, was meine Körpersprache im Unterricht aussagt, bzw. zu erfahren, was die Schüler machen und wie sie dem Unterricht genau gegenüberstehen. Leider kann ich das selber nicht so gut erfassen, also gleichzeitig mich auf meinen Vortrag konzentrieren und dabei auch noch die Schüler beobachten. Nur eine ganz grobe Beobachtung kann ich anstellen, aber nichts wirklich Genaues. Wenn ich bei jemand anderem im Unterricht dabei bin, kann ich allerdings mich auf die Schüler konzentrieren und beobachten, was da genau vor sich geht. Auch das habe ich bereits probiert.

    Insbesondere Dein Beitrag, Erich, hat mir neue Hinweise und Denkanstöße gegeben. Es ist so, dass ich zwar nicht finanziell auf den Job angewiesen bin, aber ich mache das mit dem Unterricht, weil mich die Materie, die Medizin und die Inhalte meiner Fächer sehr interessieren. Weiterhin möchte ich gerne überhaupt einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen und nicht einfach nur daheim rumhocken und nichts tun. Leider ist es so, wie Du bereits schriebst, dass mich die Schüler im Grunde genommen in ihrer großen Mehrheit nicht so sehr interessieren. Es gibt unter ihnen einige Einzelschicksale, die mir schon sehr nahegehen, und auf diese gehe ich sehr ein. Aber es ist in der Tat ungerecht, dass da einige sind, die mir eben mehr am Herzen liegen als die anderen. Die betroffenen Schüler sind meist älter, so etwa in meinem Alter oder älter, und mit denen kann ich eher auf Augenhöhe reden als mit den jungen Teenis oder Anfang 20er. Diese kommen oft nach meinem Unterricht und berichten mir von ihren Beschwerden und holen dazu meinen ärztlichen Rat ein (fühle mich da am Bauch gepinselt) oder haben tiefergehende Fragen; da sitze ich gerne länger mit ihnen nach der Stunde und erkläre ihnen alles dazu. Das macht mir richtig Spaß. Dann sagen mir diese wiederum, ich könne gut erklären. Mein Mann und mein Vater sagen mir auch immer wieder, dass ich sehr gut erklären kann.

    Und dass ich eben keinen Erfolg im eigentlichen Berufsbild habe, das ist eben auch ein Faktor, der mich massiv verunsichert, und der eben auch bedingt, dass ich nur sehr wenig "aus der Praxis" erzählen kann, was die Schüler aber dringend brauchen, damit ihnen der Stoff nicht zu trocken und abstrakt rüberkommt. Das ärgert mich irgendwie auch sehr. Die Schwerhörigkeit ist eben auch ein weiterer Punkt, der einerseits dazu führt, dass ich vieles nicht mitbekomme, der mich andererseits auch massiv verunsichert; da denke ich oft, was die jetzt wieder reden und könnte das etwa gegen mich sein... Und ich glaube wirklich, dass die es merken; aber ich weiß nicht, wie ich das abstellen soll; so wirklich in meinem Element fühle ich mich nicht. Durch diese Schwerhörigkeit bedingt habe ich nur sehr wenig Erfahrung im Umgang mit Menschen und hatte mich sehr stark zurückgezogen und das Leben mehr bezüglich Wissensaneignung und Erleben der Natur erfahren, aber eben nur sehr wenig aus der sozialen Seite her.

    Was ich bisher so beobachtet habe, ist dass die meisten Schüler, die mich mögen, wohl eher nur Mitleid mit mir zu haben scheinen. Das ist auch in meinen Augen keine gute Ausgangsbasis...

    Eine ganze Klasse voller Schüler wirkt auf mich auch irgendwie abstrakt; ich kann darin keine Einzelpersonen erkennen, nur die Leute, die nach dem Unterricht noch zu mir kommen oder die wegen irgendwas auffällig sind.

    Ich würde so gerne Deinem Tip folgen, etwas anderes zu tun; ich habe selber schon so im Unterbewußten die Idee gehabt, die Du mir hier vermittelt hast. Nur was soll ich machen? In einer Praxis nimmt mich keiner, ich kriege immer wieder dieselben Probleme; es ist auch so, dass ich sehr schnell überfordert bin, wenn mir mehr als eine Person gegenübersteht, auf die ich eingehen soll. Im Einzelkontakt gelingt mir das wunderbar, aber sobald mehrere Personen im Spiel sind, klappt das nicht, da ich Menschen auch nicht so gut auseinanderhalten kann, wegen meiner Hörprobleme und weil ich schnell mit mehreren Reizen gleichzeitig überfordert bin; aber eine Tätigkeit im sozialen Bereich macht mir im Grunde genommen sehr viel Freude und brauche ich auch.

    Mein Vater hat mir angeboten, für mich eine Praxis zu eröffnen, wo ich denn selber bestimmen kann, wie hoch die Kontaktfrequenz zu Patienten ist und wo ich eigener Chef bin. Macht das Sinn?

    Mit ganz lieben Grüßen und großem Dankeschön

    Hermine

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    @Spezi und Muriel,

    vielen Dank für Eure Beiträge. Ich glaube, wirklich jetzt klar sehen zu können, dass mein Hauptproblem darin liegt, dass ich mich vor größeren Gruppen nicht wohl fühle, da ich zu den vielen Menschen dort keine Beziehung aufbauen kann. An meiner Methodenkompetenz habe ich schon gearbeitet; und die Erfahrung, dass Schüler noch relativ ehrlich widerspiegeln, was sie denken (sofern man nachfragt), habe ich auch gemacht. Aber an meinen grundsätzlichen Persönlichkeitszügen kann ich wohl nichts ändern.

    Würde gerne eher mit Einzelpersonen etwas zu tun haben und auch mit Menschen, die mir irgendwie ähnlich sind oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben; da fühle ich so etwas wie eine Zugehörigkeit. Aber zu "normalen" Menschen, die niemals Probleme im Sozialkontakt hatten oder noch nie gegen größere Schwierigkeiten anzukämpfen hatten, schaffe ich es nicht, habe eher Angst und ein ungutes Gefühl, nicht dazu zu gehören. Und die Schülerzeit habe ich so niemals erlebt, ich war immer Außenseiter und Einzelgänger; ich glaube da liegt der Kern meines Problems; ich kann einfach nicht so fühlen wie die anderen, und sie sind mir unheimlich; ich will ihnen nichts Böses, war immer sehr großzügig in der Beurteilung und habe Hilfen angeboten; aber die Leute wollen etwas lernen, und nicht einfach nur "Almosen" erhalten von mir; und das haben sie mir so gesagt. Ich schaffe es einfach nicht, die Welt aus ihren Augen zu sehen.

    Frage mich nur, was ich sonst machen soll. Habe einfach zuwenig "Lebenspraxis", habe bisher nur zuviel mit dem Kopf gelernt, will aber auch mit Menschen zu tun haben, und da paßt irgendwie kein Beruf rein. Ich bemerke, dass ich mehr Kompetenzen habe, als ich sie tatsächlich ausleben kann; vermute eben auch, dass meine bislang blöde verlaufene Lebensgeschichte einen großen Anteil daran hat...

    Aber mir ist klar, dass ich wohl was anderes machen muß. Oder kann ich 33 Jahre aufholen; zumindest was die Erfahrung mit Schülern auf sich hat? Ich hatte mich immer vor dem Thema gedrückt, weil ich Angst davor hatte; und auch weil ich wenig mitbekomme, wegen meiner Hörschwäche und auch weil ich nicht viele Reize auf einmal verarbeiten kann und einiges an "Bildungslücken" habe. Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass es weitesgehend Bildungslücken sind, da ich zuwenig Erfahrung in der rauhen Außenwelt gemacht habe.

    Liebe Grüße
    Hermine

  4. #14
    ErichW

    Gast

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hermine1977 schreibt:
    Mein Vater hat mir angeboten, für mich eine Praxis zu eröffnen, wo ich denn selber bestimmen kann, wie hoch die Kontaktfrequenz zu Patienten ist und wo ich eigener Chef bin. Macht das Sinn?
    Per Ferndiagnose darauf eine Antwort zu geben ist ziemlich waghalsig . Für mich ist dabei die entscheidende Frage, ob du so etwas von deinem Vater annehmen kannst. Was macht das mit dir? Kannst du es als hilfreiches Geschenk annehmen? Oder wäre es ein Symbol für das eigene Versagen und/oder für väterliche Dominanz bzw. eigene Abhängigkeit?

    Von der Sache her hielte ich es für sinnvoll, gerade nach deinen Schilderungen über deine Schwierigkeiten mit größeren Gruppen von Menschen , wenn du auf diese Weise deine starken Seiten zur Geltung bringen könntest.

    FG Erich

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine1977

    es soll keine Kritik sein auch ich bin Ärztin und schon sehr lange in meinem Beruf tätig. Ich muß Erich zustimmen, mir als Laien kommt es ebenfalls vor, daß in deiner ürspünglichen Frage eigentlich viele, viele unterschiedliche Probleme stecken.

    Als Erstes fällt mir auf, daß du erst schreibst du bist Dozentin, aber gegen Ende des Briefes du seist Ärztin - im herkömmlichen Sinne - weil du da von Patienten und deinem handwerklichem Geschick redest.
    Für mich klingt dein Text fast so als ob du mit beiden "Stellen" Probleme hast und dich in keinem der beiden "Berufe" wohl fühlst. Du entschuldigst dich ja förmlich für beide Berufe.

    Ich würde deshalb gern wissen seit wann du tätig bist und was du als deine eigentlichen Berufung betrachtest.

    Was hat dein Vater damit zu tun??? Sind es etwa seine Erwartungen an dich die dir zusetzen? Du mußt deinen Weg alleine gehen und er kann dir höchstens ratgebend zur Seite stehen, Meinungen äußern usw. Letzt endlich ist es aber dein Leben, deine Sache was du daraus machst. Stehst du vielleicht zu sehr unter seiner Aufsicht? Hat er zu hohe Erwartungen? Ist es nur Befriedigung seines Beschützerinstinktes?

    Was ist mit den Fachbereichen Pathologie, Radiologie, Gerichtsmedizin, Begutachtungen, Tätigkeiten in einem Verlag, Wissenschaft oder Forschung, Uni (z.B. Anatomie oder andere vorklinische Fächer), MDK u. a. dort hat man nicht so viel mit Patienten zu tun und ist deshalb auf ein Gespräch nicht so angewiesen. Damit wäre dir ein Problem genommen. Es gibt außer Stationsarbeit und Lehramt noch einige anders gelagerte Betätigungsfelder.

    Was heißt "ich kann momentan nichts anderes machen". Wie Erich denke auch ich, den Lehrerberuf darf man nicht als Notlösung betrachten sondern als Aufgabe, Berufung. Du sollst hier Kindern, Jugendlichen, Fachwissen beibringen, ihre Freude wecken, sie erziehen und an das Leben heranführen - und zwar in einem schweren Alter, wo sie lieber ihre Kräfte messen und Grenzen feststellen - und sie zur Prüfung führen. Auch wenn sie so großspurig tun. Den wirklichen Sinn des Lebens haben sie noch nicht erfaßt. Ohne Fleiß, keinen Preis. Auf ihre Einsicht kannst du nicht hoffen. Deshalb gehört u.a. eine große Portion Selbstbewußtsein, sicheres Auftreten, Disziplin, Konsequenz, feste Ziele, gelebte Überzeigung dazu. Woher nehmen sie sich eigentlich das Recht zu beurteilen, ob du beruflich geeignet bist oder nicht? Was meinen sie damit, welche Ausübung der Medizin? Wer erlaubt ihnen dich derart zu verletzen?

    Ja es scheint so, daß hier drei Probleme drin stecken - Autorität, Pädagogik, psychische Probleme.

    Wie man Selbstbewußtsein und Autorität erlangt weiss ich selbst nicht. Bin noch am üben.

    Pädagogisch hat lola gute Vorschläge, ich würde es noch mit Folien, aktive Fragen unter Einbeziehung der Schüler, vielleicht auch Situationsspiele ergänzen. Halt dir immer vor Augen welche Schüler es sind. Arzthelferinnen, Pflegehelfer, Krankenschwestern, MTA/RTA alle haben unterschiedliche Ansprüche und darauf solltest du bei deinen Unterrichtvorbereitungen auch achten. Und zur Unterhaltung bist du sicherlich nicht da. Es ist keine Talkshow. Schülern ist der Stoff stets zu groß, zu viel, zu schwer....... Der Mensch ist halt eben dazu geneigt, sich das Leben bequem zu machen.
    Deine Konzentrationsstörungen auf den Unterricht und Lautstärke der Schüler, dürften sich bei begeisterter, gegenseitiger Mitarbeit legen.

    Ich weiß, aus der Ferne betrachtet sieht alles ganz einfach aus. Aber es stecken zuviel Probleme in deiner Anfrage. Geh sie der Reihe nach an.
    Und wer sagt, daß du nichts wert bist, daß du Uberflüssig oder belastend bist!!!!

    Ist nicht böse gemeint, es soll dich nur zum Nachdenken anregen.

    Liebe Grüße
    Karla

  6. #16
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine 1977

    Laß die Geschichte mit der eigenen Praxis!!!!!!!!!!!!
    Überlege es dir auf alle Fälle nochmals und arbeite zuerst für mindestens einem 1/2 Jahr in der entsprechenden Fachrichtung im niedergelassenen Bereich mit.

    Natürlich hört es sich auf den ersten Blick verlockend an. Aber die Realität ist anders. Ganz anders.

    Erstens ist eine Praxis ein geleitetes Unternehmen in dem man sehr stark wirtschaftlich, organisatorisch, qualitätsgebunden, unternehmerisch, arbeiten muß, - wird von der Politik im Rahmen der Gesundheitsreform so gefordert - nicht zuletzt ist man auch Chef mit Angestellten und trägt dadurch eine ganze Menge Verantwortung und viele Sorgen. Zweitens sind Patienten - mindestens 60% - alles andere als nur lieb,nett und dankbar. Sie können und sind ganz schön fordernd, egal wie es dir grad geht. Häufig weißt du was zu tun ist, aber sie wollen es nicht einsehen. Wie bei deinen Schülern. Drittens das mit der Selbstbestimmung stimmt nur auf dem Papier. In Wirklichkeit bestimmen Patienten deinen Alltag - was noch nicht mal das Schlimmste ist. Viertens muß man um eine Praxis zu leiten äußerst flexibel, belastbar, psychisch stabil, selbstsicher, technisch computermäßig begabt sein (jeden Monat gibt es neue UPdates, ein Praxisprogramm besteht aus vielen Unterprogrammen und ständig ist irgend was, in der Hotlinie kommst du nicht durch, kannst ihnen aber die Frage zumailen, sie werden sich dann vielleicht in 4 Stunden bei dir melden, bis dahin liegt erst mal alles brach). Fünftens, sechsten, siebtens.............

    Ich kann dir noch vieles aus dem Praxisalltag und der Realität erzählen. Du kannst dich gern bei mir melden

    Liebe Grüße
    Karla

  7. #17
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 137

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine

    Hermine1977 schreibt:
    Eine ganze Klasse voller Schüler wirkt auf mich auch irgendwie abstrakt; ich kann darin keine Einzelpersonen erkennen, nur die Leute, die nach dem Unterricht noch zu mir kommen oder die wegen irgendwas auffällig sind.
    Wie viele Klassen mit wie vielen Schülern hast du?
    Kennst du ihre Namen? Hast du dich erkundigt, wie deine Kollegen es halten: Duzen/Siezen? Vorname/Nachname?
    Falls du die Namen nicht kennst, solltest du dir überlegen, wie du das ändern kannst! Zur Not bleiben immer noch die guten alten Namensschilder...

    Es ist normal, dass man den einen Schüler mehr mag als den anderen. Das darf man aber natürlich weder zeigen, noch darfst ein inneres Gefühl haben "gegen" den Schüler zu arbeiten. Wenn letzteres der Fall sein sollte, musst du unbedingt daran arbeiten!

    Nicht immer, wenn in der Klasse gelacht oder getuschelt wird ist das gegen dich! Und selbst wenn... Da muss man drüber stehen können.

    Wenn es etwas ganz bestimmtes in der Klasse stört, solltest du es genau in dem Moment, in dem es auftritt, direkt ansprechen: "Tina, mich stört das Klappern deiner Handytastatur. Geh doch einfach für einen Moment raus und komm' wieder rein, wenn du deine wichtige Konversation beendet hast." (Wahrscheinlich wird sie das Handy wegpacken; aber selbst wenn sie tatsächlich raus geht, sollte das dich nicht aus der Bahn werfen - zumindest so lange sie nicht eine viertel Stunde später mit einem Döner in der Hand wieder kommt).

    Allgemein solltest du darauf achten, so weit wie möglich eine Konversation zwischen dir und den Schülern herzustellen. Dabei könntest du auch "abwesende" oder anderweitig beschäftigte Schüler mit einbeziehen; ggf. kannst du die Frage nochmal mit einbauen, dass der Scüler nicht "dumm dasteht":
    "Paul, Anna hat gerade gefragt, was der Unterschied zwischen ... und ... ist. Hast du eine Idee?"
    So kannst du auch das Problem, dass du bestimmt Fachbegriffe immer und immer wieder erklären musst, ganz geschickt lösen ;-)

    Wenn deine Tafelschrift schwer leserlich ist, solltest du das offen ansprechen oder sogar gezielt nachfragen: "Könnt ihr irgendwas nicht erkennen?" (Dabei nicht den/die vorwurfsvoll anschauen, der für gewöhnlich jedes mal nachfragt)
    Je nach den Möglichkeiten der Schule kannst du auch mit Overhead- oder Powerpoint-Folien arbeiten. Das sollte aber keinesfalls der ganze Aufschrieb sein.

    Ich habe dir hier einiges unterstellt, das möglicherweise gar nicht zutrifft, dafür entschuldige ich mich schon mal!
    Ich hoffe es ist trotzdem klar, worauf ich hinaus will. Du darfst gerne auch nachfragen, wenn dir was nicht verständlich erscheint.


    Hermine1977 schreibt:
    Mein Vater hat mir angeboten, für mich eine Praxis zu eröffnen, wo ich denn selber bestimmen kann, wie hoch die Kontaktfrequenz zu Patienten ist und wo ich eigener Chef bin. Macht das Sinn?
    Prinzipiell wäre das ein gutes Mittel, dein Vertrauen in deine eignen Fähigkeiten zu stärken.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, das nur nebenher (z.B. 2 Tage die Woche) zu deiner Lehrtätigkeit zu machen. So musst du dich nicht sofort festlegen und kannst auch aus der Praxis berichten.

  8. #18
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hallo Hermine,

    dein Problem mit grossen Gruppen hat mich sehr berührt. Ich habe mich genau deshalb nach dem Abi gegen den Lehrberuf entschieden und dann erst nach langem Herumeiern Tätigkeitsbereiche gefunden, die mir liegen und wo ich auch gut bin.

    Einzelbetreuung geht super, und da fühle ich mich auch mit schwierigen Schülern/Klienten wohl. Kleingruppe geht auch noch ganz gut. Mein Erfahrungswert ist, dass die Teilnehmer an einem grossen Tisch Platz haben sollten, also bis zu 6 Teilnehmer, höchstens zehn. Da komme ich aber schon viel schneller an die Belastungsgrenze, weil ich instinktiv auf jeden Teilnehmer eingehen will, und das wird schnell sehr anstrengend. Grossgruppe funktioniert nur in Form von einzelnen Vorträgen, mit regelmässigem Unterricht übers ganze Jahr wäre ich heillos überfordert.

    Wie gesagt, ich habe Jahre gebraucht, um zu erkennen, bei welchen Tätigkeiten meine Stärken gefordert sind, und wo ich eher ständig an meinen Grenzen scheitere. Ich würde dir deshalb von Hauruck-Aktionen wie der Einrichtung einer Praxis fürs Erste mal abraten. Finde erst mal heraus, was für berufliche Möglichkeiten es überhaupt gibt, wo die Personenzahl überschaubar ist. Vielleicht sind dann ja bestimmte Fortbildungen u. dgl. angesagt, damit du in ein berufliches Umfeld kommst, wo du angstfrei arbeiten kannst. Wenn dein Vater bereit ist, für dich Geld in die Hand zu nehmen, dann könnte er dich ja bei dieser Neuorientierung unterstützen und ggf. auch einen Kurs vorfinanzieren. Ich habe jedenfalls nicht (mehr) den Eindruck, dass du im Frontalunterricht gut aufgehoben bist.

    Wie ErichW gesagt hat, kann und soll man keine Ferndiagnosen stellen. Ich reagiere hier also nur auf das, was ich in deinen Beiträgen lese, und da vor allem auf Aussagen, die mir aus der eigenen Erfahrung verdächtig bekannt vorkommen.

    Dass es dir nicht gut geht, ist eine Aufforderung zur Veränderung. Ob du nur an deinem Vortragsstil feilst oder gleich eine ganz andere Tätigkeit wählst, kannst nur du mit Hilfe von Menschen vor Ort herausfinden.

    Ich drücke dir die Daumen, dass es aufwärts geht.

    lg
    lola

  9. #19
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf AD(H)S
    Forum-Beiträge: 661

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Spezi schreibt:
    Also, icke, diese Haltung schockiert mich einigermaßen.
    Wieviel Achtung spricht daraus gegenüber Schülern und Menschen, die den Lehrenden ausgeliefert sind? Und wie steht es damit, die einem anvertrauten Menschen zu respektieren, zu achten und zu mögen?
    Erkenne ich sie als Dialogpartner an oder liegen sie natürlich falsch und ich richtig, liegt die "Schuld" quasi automatisch bei ihnen, nur weil ich mehr Macht habe?
    Solche Lehrer, wie Du hier beschreibst, hatte ich früher zur Genüge - und sie waren bei mir sowas von unten durch...ich mag als Schüler sowas wie "Angst" vor ihnen gehabt haben, als Menschen hatten sie jeglichen Respekt verspielt und dem Unterricht habe ich nur mit Abneigung beigewohnt...
    Hermine hat es nicht mit Schulkindern zu Tun, die aufgrund der Schulpflichtgesetzgebung zur Teilnahme am Unterricht verpflichtet sind und motiviert werden müssen, sondern mit erwachsenen Menschen, die sich für diesen Beruf entschieden haben.
    Und wenn ich mich für die Ausbildung zu einem bestimmten Beruf entscheide, so ist es dann meine Aufgabe, mich auch für das Fachwissen zu interessieren. Außerdem gibt Hermine, wenn ichj sie richtig verstanden habe, ihren Schülern ja auch die Möglichkeit, am Ende der Unterrichtsstunde sie auf das Eine oder Andere anzusprechen, um es besser verstehen zu können.

  10. #20
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Wie gut könnt Ihr Vorträge halten?

    Hi Lola,

    Du triffst es gut auf dem Punkt. Ich habe tatsächlich das Problem, vor mehreren Personen, insbesondere vor so heterogen zusammengesetzten Klassen mit verschiedenen Charakteren, Alter, Motivationslage und Intelligenzniveau zu unterrichten. Handelt es sich um eine einzelne Person oder nur um ganz wenige, die sich sehr ähnlich sind, dann kann ich mich richtig gut auf diese einstellen. Aber eben dieses Mischmasch aus so verschiedenen Personen und dann auch die Größe der Kurse macht mir Angst bzw. bereitet mir Unbehagen. Jedesmal wenn ich einen neuen Kurs habe, ist mein Kopf wie leer, und ich fühle richtig große Unruhe und Unbehagen in mir; habe die Befürchtung, dass ich mit meinem Unterricht nicht angenommen werde; habe da so eine ungute Grundstimmung zu. Vor ganz kleinen Kursen würde ich mich gewiß wohler fühlen und da wohl auch mehr Engagement in der Diskussion mit einbringen; bei der großen Klasse von 30 Leuten, da ist es ja schon so, dass ich es hasse, wenn jemand eine Frage stellt, weil es für mich mit dem Hören so anstrengend ist, das nervt, und andererseits schaut der Schüler auch schnell genervt, wenn er alles 3 mal wiederholen muß und laut reden muß; da ist es so, dass beide Seiten am Ende gefrustet sind.

    Eben das Erklären in einem Zweiergespräch, das ist es, was mir liegt; aber nicht mit den großen Klassen. Auch brauche ich in einem Zweiergespräch nicht so strukturieren, da geht es einfach so drauflos; da habe ich nur eine Grobvorstellung vom Thema, und das macht viel mehr Spaß, als wenn ich mich andauernd an irgendwelche "Fahrpläne" halten muß. Meine Neigung zum assoziativen Denken wird übrigens von einigen Leuten sehr geschätzt.

    Danke für Deine aufmunternden Worte!

    Liebe Grüße
    Hermine

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