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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 15

    Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    Hallo miteinander!

    Heute hätte ich euch gerne mal eine Frage gestellt in Bezug auf die Vor- und Nachteile, die es hat, wenn man als ADHS-Fachperson (z.Bsp. als Coach oder Therapeut) selbst von ADHS betroffen ist.

    Ich habe nach langjähriger Tätigkeit in einem sozialen Beruf und einem Psychologiestudium - ich brauchte etwa doppelt solange wie vorgesehen (zwei kleine Kinder zuhause und ADS...) - im Sinn, mich in Richtung ADHS-Coaching und Lerntherapie zu vertiefen und mich selbstständig zu machen.

    Ich merke, dass es mich sehr stark "gluschtet" und ich hier wohl auch die Ausdauer aufbringen könnte, um etwas Gutes zu starten. Gleichzeitig weiss ich einfach zu sehr auch um meine Schwächen und zweifle manchmal, ob ich anderen ADSlern wirklich helfen kann, wenn ich zeitweise selbst so am kämpfen bin.

    Damit ihr mich richtig versteht: Es ist das Auf und Ab, diese Unstetigkeit auch in Bezug auf meine Leistungsfähigkeit, die mir Sorgen macht. Denn ich möchte wirklich Hilfe bieten können und nicht noch mehr Verwirrung stiften. Sicher ist da viel Verständnis, aber kann ich auch die nötigen Strukturen vermitteln, den roten Faden im Auge behalten?

    Da einige von Euch ja ebenfalls bereits ähnliche Tätigkeiten ausüben bzw. es sich überlegen, ins ADHS-Berufsfeld einzusteigen, würde ich von euren Meinungen und Erfahrungen sicher eine Menge profitieren können. Ich freue mich auf einige Rückmeldungen!

    Malka
    Geändert von malka ( 1.03.2011 um 17:11 Uhr)

  2. #2
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    Das alles klingt wie ein Bewerbungsschreiben.
    Alle Mal ein interessantes Thema.

    In diesem kurz angerissenem Lebenslauf sehe ich allerding große Diskrepanzen.
    Wenn du in diesem Metier als Coach nicht absolut auf deinen Beinen stehst,
    dann kannst du nicht die Ziele vermitteln, die ein absolut verstörter Mensch benötigt.
    Der Vorteil würde bei dir liegen, selbst von ADS / AD(H)S betroffen zu sein.
    Naja. Selbsteinschätzung und das Wissen eigener Fähigkeiten helfen bei der Entscheidung
    solcher Projekte.
    Ansonsten würde ich sagen: Probieren geht über studieren....

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    Hallo Malta,

    ich habe viele Jahre andere Menschen gecoacht und kann das grundsätzlich ziemlich gut. Nur eben bei mir selber nicht (aber ich arbeite daran).

    Das Phänomen bei AD(H)S ist genau das, dass Betroffene in der Regel zwar selbst wissen, was zu tun ist und wie's geht, es auch anderen vermitteln können...nur bei sich selbst eben nicht umsetzen können. Ich kann mit anderen genau ihre Anliegen herausarbeiten, Prioritäten setzen, eine Plan machen, Schritte vereinbaren etc...bei mir selbst schiebe ich den Beginn vor mir her, wenn ich es schaffen sollte, mal anzufangen, verzettle ich mich, werde während der Arbeit abgelenkt oder verliere die Lust bzw. werde müde... Dieses Phänomen (also anderen Struktur bieten zu können, nur sich selbst nicht) wird auch so in der AD(H)S-Fachliteratur beschrieben.

    Ein selbst Betroffener, der sein eigenes AD(H)S in ausreichendem Maß durch geeignete Maßnahmen (z.B. Coaching!) in den Griff bekommen hat (wichtig!), kann daher ein sehr guter Coach sein. Hier kann auch die Selbsterfahrung des Coachs mit einfließen, die dieser gewinnt, wenn er sich selbst coachen lässt.

    Wenn Du, Malta, also daran denkst, andere zu Coachen und dadurch zu stabilisieren, dann sieh doch mal, ob Du nicht Dein eigenes AD(H)S mit genau den Methoden unter Kontrolle bekommst, mit denen Du dann andere unterstützen willst...wenn Du das schaffst, hast Du die besten Voraussetzungen.

    LG Spezi

    P.S.: Übrigens: Auch wer ein psychonalytisch arbeitender Therapeut werden will, muss in der Ausbildung selbst eine Psychoanalyse bei einem Analytiker durchlaufen...

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    Hallo Malka,

    wenn Du selbst Deinen Weg gefunden hast, kannst Du sicher ein sehr guter Berater oder Therapeut bei ADS werden. Schließlich kannst Du dann auch aus der eigenen Perspektive die Probleme Deiner Klienten nachvollziehen. Auch das Eingeständnis der ADS des Therapeuten ist sicher vielen Klienten hilfreich. Alles natürlich unter der Prämisse, dass Du selbst damit klar kommst, wobei ich die Messlatte jetzt nicht zu hoch legen würde.

    Schau Dir mal das Buch an: Zwanghaft erstreut oder die Unfähigkeit aufmerksam zu sein.
    Die Autoren sind auch ADS-betroffene Therapeuten. Sehr lesenswert.

    @Spezi: Ich denke, dass eine psychoanalytische Ausbildung für die ADS-Therapie nicht unbedingt das Mittel der Wahl ist. Hinsichtlich der Ausbildung hast Du aber recht.

    LG moin

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    moin schreibt:
    @Spezi: Ich denke, dass eine psychoanalytische Ausbildung für die ADS-Therapie nicht unbedingt das Mittel der Wahl ist.
    Das habe ich auch nicht geschrieben.
    Das bezog sich nicht auf die Ausbilung von AD(H)S-Therapeuten oder -coachs, sondern auf die der Psychoanalytiker. Und das ist was ganz anderes als ein AD(H)S-Therapeut... War nur ein (willkürlich herausgegriffenes) Beispiel, dass Selbsterfahrung und Aufarbeitung/Refexion eigener Persönlichkeitsanteile für eine entsprechende Tätigkeit in therapeutisch-pädagogisch-coachenden Bereichen förderlich bis notwendig sein kann. Ich könnte hier noch einige andere Beispiele nennen. Viele Ausbildungen arbeiten ganz gezielt mit Refexion/Aufarbeitung eigener Entwicklungen und Erfahrungen bzw. bauen Übungen zur Selbsterfahrung mit anschließender Reflexion in die Ausbildung ein.

    Kurzum: Manche Tätigkeiten haben viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun...und bei der Ausbildung dazu kommt man nicht umhin, sich selbst weiterzuentwickeln. Ich habe das aber immer als sehr positiv für mich selbst erlebt, heißt, es hat mich selbst weiter gebracht.

    LG Spezi

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 15

    AW: Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    Herzlichen Dank für eure vielfältigen Anregungen und Tipps - alle bringen wieder ein wenig was anderes hinein, und das ist gut so!

    @hirnbeiss: Die Notwendigkeit, einigermassen festen Boden unter den Füssen zu haben, wenn man anderen ADS-lern helfen will, sehe ich auch. Ich weiss seit bald zehn Jahren von meiner Diagnose und beschäftige mich schon lange Zeit damit, wie man sein Leben mit ADHS auf die Reihe kriegt und vom (psychischen) Überleben zum "Leben" kommt - was das genau ist, wäre wieder eine eigene Diskussion wert, ich weiss. Mal tue ich das mit mehr Erfolg, manchmal mit weniger, aber eine gewisse Standfestigkeit habe ich mir wohl schon erworben in den letzten Jahren. Als Coach arbeite ich ja auch nicht in erster Linie psychotherapeutisch, sondern allenfalls in Ergänzung zu einer medizinischen und/oder psychotherapeutischen Behandlung. Trotzdem hat dein Beitrag mir die Verantwortung noch einmal sehr klar gemacht, die ich übernehmen würde. Vielleicht doch erst noch ein wenig studieren und erst dann probieren.

    @Spezi: Ich habe dich schon richtig verstanden in Sachen Selbsterfahrung! In der Ausbildung zur Lerntherapeutin - nicht ADHS-spezifisch, aber sicher in diesem Kontext sehr interessant - bildet hier in der Schweiz die Selbsterfahrung- und reflexion einen ganz wesentlichen Bestandteil des ganzen Ausbildungskonzeptes. Du machst mir mit deinem Beitrag Mut, weil mir eigentlich erst so richtig bewusst wird, dass ich so ein Coaching nicht auf einer Insel anbieten würde, weit abgeschnitten von aller Welt, sondern in enger Vernetzung mit anderen Fachleuten - da bestehen viele Möglichkeiten, die ich nutzen kann (und auch sollte)!

    @moin: Danke für den Buchtipp - ich kenne das Buch zwar bereits, aber es ist eine sehr empfehlenswerte Lektüre - ich schneugge auch immer mal wieder drin. Ich finde es immer wieder spannend, gerade von solchen Leuten zu hören, die es mit ADHS geschafft haben, ihre Erfahrungen irgendwie weiterzugeben und anzuwenden!

    Danke also euch allen!

    LG Malka

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Eigene ADHS und Beruf als ADHS-Coach?

    Hallo Malka,

    ich konsultiere bei allen wichtigen Fragen eine selbst betroffene ADHS-Coachin und Lebensberaterin. Sie kann mir besser helfen als jeder Therapeut, weil sie ADHS in- und auswendig kennt. Wenn du die Frau siehst würdest du nie glauben, dass sie ADHS hat und Medikamente nimmt.

    Ich komme auch aus der Sozialbranche und habe inzwischen eine Schulung zum ADHS-Coach absolviert. Und ich habe erst kürzlich beschlossen, mich auf dem Weg zur Selbständigkeit von dieser erfahrenen Fachfrau begleiten zu lassen.

    Dir würde ich raten, auch einen erfahrenen ADHS-Coach aufzusuchen und bei ihm/ihr ein paar Stunden zu nehmen. Da bekommst du die kompetenteste Rückmeldung, ob du gleich loslegen kannst oder erst noch was mit dem eigenen ADS machen solltest.

    Grundsätzlich spricht nichts dagegen, das eigene ADHS als Ressource für die Arbeit mit anderen Betroffenen zu nehmen. Ich habe auch schon von Leuten gehört, die NUR einem selbstbetroffenen Coach oder Therapeuten genug Vertrauen entgegenbringen könnten, um für Unterstützung zugänglich zu sein. Und es ist ja bei vielen ADHSler so, dass sie für Andere viel besser arbeiten können als für sich selbst.

    lg
    lola

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