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Diskutiere im Thema Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 875

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Studien sind immer nur repräsentativ für die Gruppe, die dran teilgenommen hat. Das ist jedenfalls Konsens in der empirischen Sozialforschung.

    Allgemein zu den Studien um HB. Vermutlich meint Denker die Studie von diesem Prof. Rost (? oder so ähnlich?) aus Marburg (?). Da muss man natürlich bedenken, dass die kindlichen/jugendlichen Teilnehmer ja rekrutiert wurden und eine Teilnahme nur mit Einverständnis der Eltern möglich war. D.h. die dran teilgenommen haben, dürften eh auch aus einem besonders fördernden Elternhaus stammen, zumal die Studie über mehrere Jahre ging.

    Ich werde mir die Vorträge auch noch anschauen.

  2. #12
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Denker23 schreibt:

    Woran leiden "wir" den? Leiden wir an den direkten Folgen von ADHS oder leiden wir daran das wir "immer mehr auffallen"?
    Wenn man sich andere Statistiken anschaut, dann leiden doch fast 60 % der älteren Betroffenen an Selbstwertproblemen und Depressionen, also an sekundären Folgen von ADHS.

    Also was uns krank macht ist nicht ADHS, es ist das immer enger werdende Korsett der "normalen" Gesellschaft, ist meine Ansicht.
    Und es wird schwerer weil immer mehr "erwachsenes" Verhalten von uns erwartet wird.

    (Das ist natürlich eine stark vereinfachte Darstellung.)
    Die Anforderungen sind nun mal im Erwachsenenalter (Selbstständigkeit, Entscheidungen selbst treffen, Geld verdienen, alles selbst verwalten) deutlich höher als in der Kindheit.

    Überfordert fühle ich mich persönlich erst seit dem 16.-17.Lebensalter, vorher kümmerte sich meine Mutter um alles (diese materielle Dinge wie Einkaufen, Aufräumen, Buchführung, Entscheidung für Ausbildung/Studium, die mich als Erwachsene immer wieder in den Wahnsinn treiben), ich musste nur für die Schule lernen, was mir relativ leicht einfiel.

    Die mangelnde "Selbststeuerung"-Fähigkeit wurde im Erwachsenenalter immer mehr zum Problem.Ich denke, meine Essstörung (Bulimie ab 17), meine starken Ängste (mit Panikattacken im engen Räumen wie die S-Bahn oder das Flugzeug), meine Impulsstörungskontrolle (Wutanfälle) und Stimmungsschwankungen (kurze, aber heftige depressive Abstürze nach Kränkung/Zurückweisung, wie von Dr.Winkler beschrieben) sind Folgen bzw Ursachen dieser permanenten Überforderung.

    Kürzlich dachte ich bei einer großen Einkaufstour in der Großstadt (ich wohne auf dem Land), dass diese schnelllebige, reiz-volle Gesellschaft Gift für unser ADS Gehirn sei, weil es mit dem Zeitdruck, den vielen Reizen ( viele Leute, viel Lärm in Geschäften, dazu der Stau, die Warterei an roten Ampeln) nicht umgehen kann. Die "Normalos" können sicher besser damit umgehen, weil sie dieses Reizfilter haben und danach besser abschalten können.

    Vorher, als 80-90% der Bevölkerung auf dem Land lebte, also in einer ruhigen Umgebung mit einem geregelten, "stressfreien" Ablauf, hatten ADSler es wahrscheinlich leichter, ihre ADS wurde weniger auffällig.

    Mit einem ADS in einer "idealen" Umgebung (stressfrei, ruhig, Eltern oder Partner kümmert sich um materielle Dinge, Finanzverwaltung, usw) macht ADS wahrscheinlich keine große Probleme. Aber muss ein ADSler plötzlich sich/sein Leben selbst steuern/verwalten, ist mit erhöhten Anforderungen im Studium/Beruf konfrontiert, dann kommen die Folgen wie Angst, Zwangsstörungen, Depressionen/BurnOut, evtl. Sucht (welche ja eine Flucht vor Stress m.E. bedeutet...in der Droge-egal ob PC, Alkohol, oder Cannabis, Kokain, findet der ADSler einen Zufluchtsort, indem er zur Ruhe kommt, abschalten kann).

    Nachtrag: ein gutes Beispiel für ein unproblematisches ADS ist mein Schwiegervater (Verdacht von mir, da Verhaltensweisen wie Ungeduld, Begeisterungsfähigkeit, Aussagen "mein Chaos", "ich konnte mich auch nicht in der Schule konzentrieren" nach der Diagnose meines Sohnes). Eine Frau, dessen Gehirn offensichtlich über gute Exekutiv-Funktionen verfügt, also Haushalt/Kindererziehung/Finanzen/Zeitmanagement des Ehemannes gut in den Griff hat. Eine Sekretärin, die in der Arbeit Zeitmanagement und das "Chaos" des Chefs gut in den Griff hat. Somit konnte er seiner Begeisterung für seine Arbeit und seinen Hobbys nachgehen, sozusagen auf Beruf und Hobbys hyperfokussieren, weil das Management ja von 2 fähigen Frauen übernommen wurde.

    Mein Mann hat als ADSler (ebenfalls Verdacht von mir, da hier vieles dafür spricht) halt Pech, eine Frau zu haben, die ihm ähnlich ist, sich selbst und den Haushalt nicht gut steuern kann, keine Nerven mit dem ADS Kind hat, die also seinen Schwächen nicht kompensieren kann.

    Ist mein Alltag aber ruhig, gibt es keinen Ärger wie Ehestreit, Inkassoforderungen, Mobbing durch Kollegen, dann ich einigermaßen mit meiner ADS leben, auch wenn Haushalt allein für mich immer wieder eine hohe Stressquelle bedeutet.

    Ich hatte aber persönlich durchaus ADS Symptome in der Kindheit, insbesondere die heftige depressiven Abstürze nach Kränkungen (solange ich mich daran erinnern kann, litt ich daran). Ich war oft in meinen Gedanken versunken, verschwand beim Malen/Zeichnen, Lesen in meiner eigenen Traumwelt, aber niemand scheint dies in meiner Familie wirklich registriert zu haben. Ich war scheu, schüchtern, angepasst, eckte nirgendwo (im Gegensatz zu meinem an oppositionellem Trotzverhalten leidendem Sohn), war eine gute Schülerin, daher passte es für meine Familie und Lehrer. Niemand sah in mir dieses Gefühl der emotionalen, sozialen Isolation, diese starke Angst vor Zurückweisungen, dieses Gefühl "anders" zu sein und nicht dazu zu gehören, meine starke Angst vor Schulversagen, also niemand sah das emotionale Elend in mir, vielleicht weil niemand die nötige Feinfühligkeit dafür hatte (ich war aber auch extrem verschlossen, berichtete niemandem von meinen Gefühlen, übrigens wie mein Sohn!).

    Erst als ich mit 17 ein BurnOut erlitt (Gymnasium, 1 Jahr vor Abi), an Bulimie, an Wutanfällen, später als junge Erwachsene mein 1. SM unternahm, erst dann, registrierte meine Eltern, dass etwas mit mir nicht stimmte. ABER ich bekam nur die Diagnosen Depression, Essstörung, Borderline, Bipolar, NIE hat mich ein Therapeut als Erwachsene nach ADS Symptomen gefragt.

    Mittlerweile bin ich der Meinung, dass ich ADS sozusagen von Anfang an hatte (vermutlich von meinem impulsiven, aufbrausenden Vater geerbt), dieses Anderssein aber erst am Ende der Pubertät sichtlich problematisch wurde, wegen der wachsenden Anforderungen in diesem Alter, die meine Selbststeuerungsfähigkeiten komplett überfordeten.

    Daher wundern mich die Ergebnisse dieser australischen Studie überhaupt nicht.

    M.E. ist das Kriterium "ADS soll in der Kindheit vorhanden sein" für die Diagnose im Erwachsenenalter ein Hindernis, denn ADS lag vielleicht bereits in der Kindheit vor, war aber nicht unbedingt sichtbar, wie das bei hyperaktiven, an oppositionellem Trotzverhalten leidenden ADS Kindern der Fall ist. Ich war übrigens ein ruhiges, gut schlafendes Baby, war aber abends überdreht, wie mein ADS Sohn.

    Nachtrag: genau das-wachsende Anforderungen an Selbstständigkeit im Erwachsenenalter+ Versuchungen durch z.B. Internet ("Gift" für impulsive Menschen...Gefahr von impulsiven, unüberlegten Käufen) spricht R.M an (ab 42 Min).

    Ab 1:00 Uhr: "Aufheben der Struktur" (Fernsehbild)
    Geändert von Yasmine ( 5.12.2017 um 12:44 Uhr)

  3. #13
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 836

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Ich wollte damit zeigen das man bei JEDER Studie ganz genau anschauen muss WAS untersucht wurde. Auch wissenschaftlich korrekte Studien können falsch ausgewertet werden wenn man nicht wirklich ALLE Aspekte berücksichtigt.

    Bei der Marburg Studie wurden nicht nur HB, sondern auch unauffällige beobachtet. Es ging auch nicht um die Hochbegabung, es ging um psychische Probleme.

  4. #14
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Genau. Stichwort Bias.

    In der Epidemiologie bedeutet Bias, dass dem Resultat einer Studie nicht die Intervention (oder allenfalls der Zufall) zugrunde liegt sondern dass es durch einen systematischen Fehler im Design oder in der Auswertung entstanden ist
    Evidence-based Public Health

    Deswegen kommt es immer wieder zu komplett gegensätzlichen Ergebnissen.

  5. #15
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Es wäre schön, wenn die Veranstalter die Tonaufnahme professioneller gestalten würden. Ich habe die größten Schwierigkeiten, das Gehörte zu verstehen. Dazu sind die Hintergrundgeräusche am Anfang absolut unerträglich.

  6. #16
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Der eigentliche Vortrag von R.M fängt eigentlich erst nach ca 25 Min an!

  7. #17
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Addy Haller schreibt:
    Hier mal ein Link zu der australischen Studie, von der die Rede war:

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4591104/

    Sehr interessant:

    Bei 90% aller Diagnosen der ADHS im Erwachsenenalter gab es in der Kindheit keine ADHS-spezifischen Auffälligkeiten.

    Was sagt man dazu?
    Despite a prevailing assumption that adult ADHD is a childhood-onset neurodevelopmental disorder, no prospective-longitudinal study has described the childhoods of the adult-ADHD population
    Dass die bisherige Annahme eben falsch war! Also nicht "evidence-based", da "no prospective-longitudinal study has described the childhoods of the adult-ADHD population."

    Die Mehrheit der Erwachsene mit ADS bekommt wahrscheinlich wegen dieser Einnahme, die fester Bestandteil der aktuellen Diagnosekriterien ist, keine Diagnose.

  8. #18
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 836

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Es wäre schön, wenn die Veranstalter die Tonaufnahme professioneller gestalten würden. Ich habe die größten Schwierigkeiten, das Gehörte zu verstehen. Dazu sind die Hintergrundgeräusche am Anfang absolut unerträglich.
    Ja natürlich. Aber ich finde es schon extrem gut das sie überhaupt daran gedacht haben die Vorträge mitzuschneiden.
    Ich war 2013 auf einem ADHS Symposium, da gab's nix, nicht mal die Folien.

  9. #19
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 390

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Natürlich ist das besser als gar nichts. Vielleicht fehlt der Organisation an finanziellen Mitteln dafür und/oder an einem Helfer, der das Ganze professioneller gestalten könnte.

  10. #20
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.359

    AW: Vortrag von R. Murphy - ADHS im 21. Jahrhundert - Münsinger Symposium

    Soviel zum Gewinnstreben von Cordula Neuhaus!

    Als ich sie vor über 20 Jahren zum ersten Mal erlebte, trug sie zum Faltenröckchen
    einen selbstgestrickten Pullover. (Weiß nicht, ob sie ihn gemacht hat, mit "Strickleichen" kennt sie sich zumindest gut aus.) Zu den Veranstaltungen kam sie im VW Golf angebraust,
    viel Geld hat sie für einen Vortrag nicht genommen.

    Ich war noch nie in ihrer Praxis, aber der Veranstaltungsort sieht schon ein bisschen
    "selbstgestrickt" aus. Von meinem Chorgeschehen weiß ich, was Profis für Ton- und Bildaufnahmen nehmen!

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