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Diskutiere im Thema Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 617

    Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Hallo,
    Ich finde den Artikel teilenswert.
    Es geht zwar um Kinder, doch um zukünftige Erwachsenen.

    http://www.sueddeutsche.de/news/gesu...0426-99-727051

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Zu genau diesem Thema, letztendlich der durch die Umweltbedingungen steigenden ADHS-Diagnosen habe ich letztes Jahr in nem anderen Thread nen Beitrag geschrieben, der dies ausführt. Da ich hier nicht nochmals alles abtippen will, nehme ich mir die Freiheit heraus, das hier hereinzukopieren:

    Will hier auch noch meinen Senf dazu geben (und diese Sache mit wo ist der Cut-off für eine ADHS-Diagnose, also wo ist die Grenze, an der die ADHS aufhört und die "Normalität" beginnt, das ist ja ein schier grenzenloses Thema, über das man theoretisch auch endlos diskutieren könnte):

    Ich denke nicht, dass ein relevanter Teil der ADHS-Diagnosen "Fehldiagnosen" sind. Das wird zwar immer wieder über die Laienpresse und Massenmedien so behauptet, harte Fakten , die das bestätigen, fehlen allerdings.

    Die Diagnoseklassifikationssysteme DSM-5 und ICD-10 sind auch weitgehend beeinflusst durch politische Zwänge und Interessen und Gegen-Interessen. So wurde mir etwa gesagt, dass Russel Barkley die Diagnosekriterien im DSM-5 für ADHS noch deutlich libertärer fassen wollte, als sie ohnehin schon sind, sich aber damit nicht durchsetzen konnte, weil das politisch nicht tragbar gewesen wäre. Auf der anderen Seite gibt es Bestrebungen wie z.B. von Luis Rohde aus Brasilien, die Affektlabilität bzw. letztendlich damit die Impulsivität als diagnostischen Parameter für ADHS für das ICD-11 komplett herauszunehmen. Das würde dazu führen, dass die Anzahl der ADHS-Diagnosen weltweit runtergehen oder zumindest nicht weiter steigen würde. Bei bisheriger Diagnostik im Rahmen von DSM-5 und auch ICD-10 und mit der Möglichkeit, das DSM-5 die Blaupause für ICD-11 liefert, kann man von einem deutlichen Anstieg der weltweiten ADHS-Diagnosen innerhalb der nächsten 10 Jahre ausgehen - und diesbezüglich gibt es natürlich diverse Interessen, politischer wie individueller Art, die das verhindern wollen.

    Wo hört "Normalität" auf und wo fängt "ADHS" an: Vor ca. 3-4 Jahren gab es ein Interview des Spiegel-Autors und Demagogen Jörg Blech mit dem Psychiatrie-Professor Klaus-Peter Lesch, einem der führenden ADHS-Wissenschaftler in Deutschland. Dieser wurde dort widergegeben mit der Aussage, dass bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zumindest ein mildes ADHS hat. 20% der Bevölkerung in Deutschland wären ca. 16 Millionen Menschen in Deutschland. Klaus-Peter Lesch ist der führende Neurogenetiker zu ADHS in Deutschland und forscht auch viel über "ADHD-related personality traits" , als ADHS-assoziierte Persönlichkeitsmerkmale. Das ganze geht dann auch wieder in die Richtung, das "ADHS" in milder Form eine Persönlichkeitsvariante und in schwerer Form eine Krankheit ist.

    Studien zu Prävalenzen von ADHS meist nach DSM-IV ergaben ADHS-Prävalenzen von weltweit etwas variierend 4-6 Prozent wieder (sofern ich mich korrekt erinnere auf Kinder bezogen). Also gemeint ist damit der Teil von "ADHS", der Krankheitswert hat bzw. Krankheitswert hatte! zu dem Zeitpunkt als diese Studien gemacht wurden. Überdies ist es naiv zu glauben, dass in jeder Ethnie und in jedem Land die "ADHS"-Prävalenz annähernd gleich hoch oder niedrig ist. Ich habe vor ein paar jahren Corrie Neuhaus gefragt, ob es bei den Sinti und Roma eine extrem hohe Dichte von ADHS geben würde. Die Antwort war typisch für Corrie platt und unpräzisiert: DIe Sinti und Roma, die Aborigines und die Apachen. Bezüglich Griechenland kursiere bis zu 40% der Bevölkerung und auf Kreta so ziemlich alle. Wieso ich das schreibe: in bestimmten Kulturen und sozialen Lebensformen kann ADHS in der zumindest leichten, subklinischen Form genetisch auch ein Selektionsvorteil sein. Gerade bei Naturvölkern und in Kulturen, die nicht von 9-to-5-Bürojobs und Rentenversicherungsverträgen abschließen geprägt waren, wäre es nicht verwunderlich, wenn es dort weit mehr ADHSler und "ADHS"-Persönlichkeiten gäbe, als z.B. bei den Preußen in Deutschland. Das sind wir dann wieder bei der hier etwas verpönten Theorie von Tom Hartman und "ADHSlern" als die Nachfahren der steinzeitlichen Jäger und Sammler in einer Gesellschaft von sesshaften Bauern.

    Im Jahr 2015 leben wir in einer Welt von Smartphones, Facebook, Whatsapp, Cybermobbing, Youtube, Patchworkfamilien und weiter zunehmender allgemeiner Beschleunigung der Umwelt. Das führt dazu, dass sich die Grenze von "ADHS" in pathologischer Form in Richtung des früher "Normalen" verschiebt. Was früher nur latent vorhanden war, tritt nun verstärkt an die sichtbare Oberfläche. Die Frage ist nun: Wie geht man mit den Fällen um, die früher nicht aufgefallen wären bzw. die Diagnosekriterien nicht ausreichend erfüllt hätten. Soll man denen nun eine "ADHS"-Behandlung verwehren, weil sie nach ICD-11 1-2 Punkte unter dem Cut-off für ADHS sind, aber sie trotzdem einen hohen Leidensdruck haben und von einer "ADHS"-spezifischen Behandlung profitieren würden?

    Zu der aktuellen Erhebung der DAK auf den sich der Presseartikel oben in der Süddeutschen bezieht (das ging auch über die Presseagenturen und war in diversen Medien zu finden):
    Welche Absicht verfolgt die DAK mit dieser Erhebung? Gesetzliche Krankenkassen wollen die Kassenbeiträge möglichst niedrig halten und generell so wenig wie möglich für Gesundheitsleistungen ausgeben. Die Vertreter der Krankenkassen stellen sich immer als die Fürsprecher der Patienten bzw. der Versicherten dar. In Wahrheit sind sie jedoch die natürlichen Gegner der Patienteninteressen. Solche mit Versichertengeldern bezahlten Studien wie der aktuellen im sueddeutsche.de-Artikel werden nach außen immer kommuniziert als "Erhebungen von Daten zum Wohle der Patienten und der Allgemeinheit". In Wahrheit soll damit politisch Stimmung gemacht werden um politische Interessen durchzusetzen, in diesem Fall, um bestimmte Leistungen gegenüber Patienten nicht bezahlen zu müssen. Die Studie der DAK suggeriert subtil und subtil pauschalisierend, dass Verhaltensstörungen und psychische Auffälligkeiten bei Kindern ursächlich auf Umweltbedingungen zurückzuführen sind. Damit ist dann am Ende wieder ein Krankheitsbild speziell gemeint: nämlich ADHS. Wenn man nun den Einduck erzeugt, ADHS sei ein gesellschaftliches Problem und nur nachrangig ein medizinisches Problem, wird das genutzt werden, um Menschen mit ADHS bzw. Kindern mit ADHS die Bezahlung entsprechender Therapien der ADHS vorzuenthalten. Eben mit dem Verweis, nach dem Motto "die Mama vom ADHS-Kind soll mal nnicht zu viel vom Leben wollen und nicht 3 Nebenjobs gleichzeitig machen für die 3malige Urlaubsreise im Jahr und Lifestyle, dann kann sie auch sich mehr um ihr ADHS-Kind kümmern und das ADHS-Kind braucht dann kein Ritalin mehr und keine Therapie der ADHS mehr". Die ADHS-Therapie soll dann auch nicht mehr (bzw, real dann weniger) von der Krankenkasse bezahlt werden, wenn Mama mehr Zeit für´s Kind mit ADHS hat. Denn wie gesagt, das steckt hinter dem Ganzen: ADHS als gesellschaftliches Problem, dass die Gesellschaft zu lösen hat und kein medizinisches Problem der Krankenkassen ist.
    2013 gab es ne Studie speziell zur Häufigkeit von ADHS der Barmer-GEK, die in dieselbe Kerbe gehauen hat.

    Man sollte den von mir so gedeuteten Hintergrund dieser Studien nich vorschnell abtun als Verschwörungstheorie. Der Begriff Verschwörungstheorie wird heute ganz schnell als Totschlagargument verwendet, um das Gegenüber argumentativ zu diskreditieren. Im Übrigen will ich mich klar distanzieren von den gängigen Verschwörungstheoretikern, die alltäglich durch das Internet geistern.

  3. #3
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Nur ganz kurz:

    Danke für die Absätze!

    Grundsätzlich finde ich,dass Hörensagen keine wirklich verlässliche Informationsquelle ist-egal,worum es geht-und die wiedergegebene Aussage von Fr. Neuhaus ist m.E.mehr als nur unpräzise und trägt nicht dazu bei,mein subjektives Vertrauen in ihre Kompetenz zu stärken.

    Weiterhin ist Affektlabilität ist gar nicht in den Kriterien enthalten,kann also schlecht entfernt werden und Impulsivität ist doch noch etwas ganz anderes als eben diese Affektlabilität,weshalb ich persönlich die hergestellte Verbindung nicht nachvollziehen kann.

    Bin gerade etwas verwirrt.Das allerdings könnte auch an meiner Tagesform liegen.
    Geändert von luftkopf33 (27.04.2016 um 16:26 Uhr)

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Mit Affektlabilität ist hier die Impulsivität gemeint. Den Beitrag habe ich hier wie gesagt geschrieben im Herbst 2015. Ich hatte übrigens mittlerweile Gelegenheit, nachzufragen, ob damit Impulsivität oder Affektlabilität gemeint war. Die Antwort bezüglich der Bestrebungen, an deren Spitze Luis Rohde aus Brasilien steht, war Impulsivität.
    Abseits davon hängt das alles miteinander mehr oder weniger zusammen, Impulsivität, Affektlabilität, emotionale Instabilität etc.

    Zu den Bestrebungen von Luis Rohde etc. die Impulsivität!!!! aus den Diagnosekriterien für ICD-11 herauszunehmen, gibt es bereits eine Vorlage im amerikanischen DSM-5: die sogenannte Disruptive Mood Dysregulation Disorder.

    Das wäre dann nähmlich eine politisch genehme "Lösung": Das ADHS-Spektrum aufsplitten in mehrere separate Störungen, die im Grunde komplett dasselbe sind. Die DMDD ist mutmaßlich nichts anderes als ADHS insgesamt, das ist eher nicht mal ein eigener Subtyp von ADHS. Wir haben das auch schon mal in nem anderen Thread diskutiert :-)

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Die grosse Frage ist doch, ob das wirklich alles ADHS ist, oder andere Auffälligkeiten, die eben durch den Stress der heutigen Gegebenheiten auftreten.

    Es wird doch mittlerweile wirklich jeder Sch**** mit ADHS erklärt. Jeder der eine Anpassungsstörung hat, hat ADHS, weil vorher konnte er eben kompensieren. Jeder der bei höheren Anforderungen nicht mehr mitkommt, hat ADHS. Jeder der prokrastiniert hat ADHS und jeder der von allem ein bisschen hat, hat sowieso ADHS. Und alles was ADHS haben will oder soll, aber nicht die Kriterien erfüllt, ist dann wahlweise hochbegabt, oder hat in einem ignoranten Umfeld gelebt.

    Was ist denn bei Frau Neuhaus nicht ADHS? Die wird doch jedem empfohlen, der eine Diagnose haben will, und woanders keine bekommen hat. Für mich nicht unbedingt Beweis ihrer Kompetenz.



    Es wäre schön, wenn einige Fachpersonen mal aufhören würden noch mehr nach verstecktem, unerkanntem um drölf Ecken eventuell sichtbarem ADHS bzw deren Symptomen zu suchen, und sich den ursprünglichen Problemen der ADHS, die zumindest jetzt noch so einigermaßen Diagnosekriterien sind, zuwenden würden. Ich bin mir sicher dann könnte man so einiges auch ernster nehmen.

  6. #6
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Okay,also dann ist meine Verwirrung nicht nur tagesformbedingt.

    Die Impulsivität in ihren verschiedenen Erscheinungsformen gehörte von Anfang an zum Störungsbild,unter allen Bezeichnungen, und auch,wenn ich mir die-für mich-aktuell sinnvollste Zusammenfassung der Kernproblematik bei ADHS anschaue,steht sie im Zentrum.

    Die Bestrebungen scheinen mir eher dahin zu gehen,ADHS zu einer Art subjektiv-emotionalem Problem zu machen,womit tatsächlich eine "Verengung" der Diagnosekriterien erreicht würde-leider in eine Richtung,die ich für nicht hilfreich halte. Zumal der "betroffene" Personenkreis dadurch paradoxerweise nicht kleiner würde...

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    ChaotSchland schreibt:
    So wurde mir etwa gesagt, dass Russel Barkley die Diagnosekriterien im DSM-5 für ADHS noch deutlich libertärer fassen wollte, als sie ohnehin schon sind, sich aber damit nicht durchsetzen konnte, weil das politisch nicht tragbar gewesen wäre.
    Hier muss ich einmal kurz nachfragen.
    Russel Barkley hat am DSM-5 gar nicht mitgearbeitet (an den vorigen Versionen schon).
    Der Hintergrund war, nach seinen eigenen Angaben u.a. in einem seiner Vorträge, dass er auch für die Arzneimittelindustrie arbeitet(e) und man sicherstellen wollte, dass es nicht anschließend heißt, die DSM-Kriterien sein von der Industrie beeinflusst worden.

    Ansonsten weitgehend Zustimmung.

    Allerdings muss man bei der länderübergreifenden, also demographischen Prävalenz auch einige Faktoren berücksichtigen, die gerne ausgelassen werden, zumindest in Medien.

    Wenn ich bestimmte Fähigkeiten eines Menschen teste, dann muss hinterfragt werden, ob sie überhaupt Teil der Kultur sind.

    Man kann natürlich z.B. leicht feststellen, dass alle möglichen Buschvölker jenseits der Leistungsgesellschaften, zeitblind sind.
    Also muss geklärt werden, inwiefern die Personen tatsächlich zeitblind sind oder einfach diese Fähigkeiten/ Fertigkeiten nie erlernt haben.

    Denn nur weil jemand etwas nicht kann, heißt das nicht, dass es für diese Person nicht erlernbar ist.

    Es gibt Menschen, die nicht Lesen gelernt haben, es aber lernen können, es gibt Menschen, die haben zwar Lesen gelernt, konnten aber aufgrund einer LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) nicht richtig lesen und es gibt Menschen, die haben eine LRS, haben aber nie Lesen lernen müssen ....
    Ich kann jetzt ja nicht sagen, dass alle die, die nicht lesen können, eine LRS haben ...
    Wenn ich aber unter der Bevölkerung, die lesen kann, feststelle, dass ein gewisser Prozentsatz von einer LRS betroffen ist, dann wäre es wahrscheinlich, dass das gleiche Ergebnis auch unter Bevölkerungsgruppen erscheint, die nie lesen gelernt haben, man es ihnen aber beibringen würde.

    Erst wenn sich herausstellt, dass eine Person nicht in der Lage ist, in gleichem Maße wie entsprechende Kontrollgruppen, diese Fertigkeiten zu erlernen, kann man das als ein Symptom, für was auch immer, bewerten.

    Das ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich.

    Betreffend der Prävalenz, zumindest europaweit, lässt sich die angegebenen 5% recht gut belegen, eben im Rahmen einiger Studien, darunter eine der größten Langzeitstudien überhaupt, welche nicht nur ADHS, sondern insgesamt 16 psychische Erkrankungen auf ihre Prävalenz untersucht.
    Das wird fortlaufend gemacht und alle zwei Jahre trägt der Leiter der Studie, der Epidemiologe Prof Hans-Ulrich Wittchen (hier auch noch der Wikipediaeintrag über ihn) die Zahlen vorm Europäischen Parlament vor.
    Laut deren Angaben (und das sind mal Studien, denen ich durchaus eine gute Glaubwürdigkeit zusprechen würde) ist die Prävalenz stabil bei 5% und liegt damit auf Nummer 5 der Liste, hinter Demenz (5,4%), Depressionen (6,9%), Schlafstörungen (7%) und an der Spitze Angststörungen (mit 14%).

    Aber schon 2013 sagte Wittchen, dass haltgebende Tagesstrukturen immer mehr zerbrechen und darunter Kinder und Jugendliche besonders leiden.


    Ob ADHS, auch in einer nur milden Form, tatsächlich ein Selektionsvorteil sein kann oder mal war, ... das ist so eine Sache für sich.

    Letztlich zeigt sich überall in der Natur, dass eine gewisse Balance sich durchsetzt und wenn diese Balance aus den Fugen gerät, kommt es zu Problemen.
    Wenn ich ein guter Jäger bin, ist das ja toll, aber wenn ich aufgrund der Veränderungen in der Umwelt dafür sorgen muss, dass ich planvoll mit meinen Lebensmitteln umgehen mudd, damit über das ganze Jahr hinweg was zum Kauen hab und das nicht kann, werde ich irgendwann im Laufe des Jahres möglicherweise verhungern.


    Aber selbst wenn wir, ganz unabhängig davon, ob es tatsächlich so ist, auf die evolutionäre Entwicklung der Menschen in unseren westlichen Gesellschaften schauen, stellen wir fest, dass der weitaus größte Teil der Menschen, nämlich gut 95%, keine ADHS hat, sich also diese "Konfiguration" durchgesetzt hat und auch der weitaus größte Teil der Menschen, eben besagte 95% da auch gut mitgekommen sind und das ohne weitere Probleme konnten.
    Die Menschheit hat sich so entwickelt, aus sich selbst heraus und das tat sie, weil sie es konnte, es hat sich so ergeben, ganz pragmatisch.

    Das lässt natürlich die Schlussfolgerung zu, dass andere Völker sich genauso entwickeln dürften, es hat sich halt nur dort nicht so ergeben.


    Und wir kommen ja nicht umhin festzustellen, dass sich die Gesellschaften so entwickelt haben und andere Konzepte sich nicht durchgesetzt haben ... egal ob das nun gut oder schlecht ist .....

    Die Neandertaler z.B. sind nicht ausgestorben, weil sie von anderen Völkern ausgerottet wurden oder wegen Naturkatastrophen oder Meteoreinschlägen etc., da ist man sich heute sicher.
    Es könnte aber gut sein, dass sich das Konzept dieser Entwicklung einfach nicht durchsetzen konnte und sie nicht die nötige Flexibilität aufwiesen, um sich an die sich verändernden Umwelt- und Umfeld- und somit Lebensumstände anzupassen (auch wenn das nicht geklärt ist, so ist es denkbar).


    Selbst wenn wir also davon ausgehen, dass Eigenschaften einer ADHS tatsächlich zu einer bestimmten Zeit oder bei bestimmten Völkern einen selektiven Vorteil boten, so hat sich das Konzept nicht durchsetzen können und ist heute nachteilig.

    Und dummerweise zählt für uns nur das Hier und Jetzt.
    Ich hab vor langer Zeit noch gelernt, elektronische digitale Schaltungen, sog. TTL-Schaltungen aufzubauen und Schaltpläne am Zeichenbrett mit Tuschefüllern zu zeichnen.... nützt heute keinem mehr was und damit kann man keinen Cent mehr verdienen, weil sich die Technik halt weiterentwickelt hat und das rasend schnell.
    Und wer sich als Techniker nicht weitergebildet hat und gelernt hat, mit Computern und CAD-Programmen umzugehen, ist heute raus aus dem Beruf ... sozusagen ausgestorben ...

    Und egal wie es mal gewesen sein mag, das ist angesichts der Entwicklung, so wie sie stattgefunden hat, leider heute nicht mehr relevant, (aber dennoch interessant ).

    Also selbst, wenn Hartmann richtig liegt, was ich persönlich nicht glaube, so stellt sich am Ende die Frage:
    "Was nützt das Hier und Heute?"

    War das jetzt OT?
    Geändert von Fliegerlein (27.04.2016 um 19:38 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

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    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 438

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    creatrice schreibt:
    Es wäre schön, wenn einige Fachpersonen mal aufhören würden noch mehr nach verstecktem, unerkanntem um drölf Ecken eventuell sichtbarem ADHS bzw deren Symptomen zu suchen, und sich den ursprünglichen Problemen der ADHS, die zumindest jetzt noch so einigermaßen Diagnosekriterien sind, zuwenden würden. Ich bin mir sicher dann könnte man so einiges auch ernster nehmen.

    Wie kannst du das so salopp sagen? Bei mir persönlich ist genau das Umgekehrte der Fall gewesen, alles wurde immer auf Hochbegabung geschoben. Hätte andersherum mal jemand versucht, meine sozialen und schulischen Probleme auf ein ADS zurückzuführen, hätte ich mir viele Jahre des Leids vielleicht ersparen können.

    Nachtrag: Tatsächlich wurde es sogar erwogen, ob ich nicht ADS haben könnte, scheinbar sind die Diagnosekriterien aber nicht auf Träumer mit Hochbegabung ausgelegt, vor allem wenn die Hyperaktivität wegfällt. Können also nicht allzu präzise sein, diese Kriterien...
    Geändert von klippklar (29.04.2016 um 00:53 Uhr)

  9. #9
    Erklärbärchen

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    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    Das ist genau der Punkt-nicht auf irgendjemanden persönlich gemünzt.

    Wenn's schlicht nicht passt:
    Sind es die Kriterien,die nicht geeignet sind,Betroffene zu identifizieren und die ergo immer weiter gefasst werden müssen,um jeden zu erfassen,der auch nur im Entferntesten und leicht betroffen sein KÖNNTE? Oder besteht die Möglichkeit,dass es nicht passt,weil es eben nicht passt. Weil es etwas anderes als ADHS ist.
    Geändert von luftkopf33 (29.04.2016 um 07:38 Uhr)

  10. #10
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    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Fernhsehen/Computer und Gesundheitsprobleme wg Reizüberflutung

    klippklar schreibt:
    Wie kannst du das so salopp sagen? Bei mir persönlich ist genau das Umgekehrte der Fall gewesen, alles wurde immer auf Hochbegabung geschoben. Hätte andersherum mal jemand versucht, meine sozialen und schulischen Probleme auf ein ADS zurückzuführen, hätte ich mir viele Jahre des Leids vielleicht ersparen können.

    Nachtrag: Tatsächlich wurde es sogar erwogen, ob ich nicht ADS haben könnte, scheinbar sind die Diagnosekriterien aber nicht auf Träumer mit Hochbegabung ausgelegt, vor allem wenn die Hyperaktivität wegfällt. Können also nicht allzu präzise sein, diese Kriterien...

    Ich sage das nicht salopp, ich habe mir sehr viel Gedanken gemacht.

    Das sehen wir halt unterschiedlich..... du findest die Kriterien nicht präzise, ich finde es nicht präzise wenn der Arzt vermehrt ausserhalb der Kriterien diagnostiziert.

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