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Diskutiere im Thema Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Da hier schon ein paar mal das Stichwort von AD(H)S als Universalentschuldigung gefallen ist, stellen sich mir folgende Fragen:

    Wo setzt man denn bitteschön die Trennlinie? >>> Was liegt am AD(H)S und was nicht?
    Wo kann gegengesteuert werden und wo nicht?
    Und: gibt es da individuelle Unterschiede?

    Ich konnte mich jetzt auch nicht zu 100% mit dem Bild identifizieren, das in dem Text hinter dem Link beschrieben wird.
    Dieser Umstand hebt natürlich eines wieder ganz stark in den Vordergrund:
    AD(H)Sler sind verschieden!

    Aber genau das findet in dem Artikel keine Erwähnung.
    Ganz im Gegenteil: die Autorin spekuliert noch darauf, ihre Mutter besser vertehen zu können, wenn sie selbst betroffen wäre.
    In diesem Thread haben wir es mal wieder eindeutig demonstriert: wir Betroffenen verstehen uns untereinander ja nicht einmal.

    Etwas in den falschen Hals zu kriegen, Mißinterpretationen, eine wütende Kurzschlußreaktion, sich mißverstanden zu fühlen...
    Wenn ich die letzten beiden Seiten so durchlese, sehe ich davon so einiges!

    Vor allem der Punkt mit der Impulskontrolle macht mich gerade sehr nachdenklich:
    Auch in meiner Verwandschaft gibt es eine Person, mit der immer mal wieder sozusagen die Pferde durchgehen.
    Richtig heftige Dinger zum Teil.
    Eigentlich bin ich stolz darauf und froh darüber, daß es diesen Menschen gibt.
    Andererseits habe ich diese Person auch schon gemieden.
    Teils, weil ich grad keinen Nerv dazu hatte, teils weil mich die Ausraster so wütend machen, daß ich davon schon Gewaltphantasien bekommen habe.
    Und das gegenüber einem Menschen, den ich gern habe, und dem ich niemals etwas böses antun will!
    Hätte ich jetzt auch Probleme mit meiner Impulskontrolle: wäre dieser Mensch dann meinetwegen in Gefahr?
    Und wie weit wäre es dann damit her, daß gerade wir AD(H)Sler füreinander doch noch am meisten Verständnis haben müßten?

    Schwierig, schwierig, in so einem aufgewühlten Gefühlssud adäquate Worte und Vergleiche zu finden.
    Vor allem aber Lösungen, und zwar auch noch individuelle Welche!
    Hmmm...
    Irgendwelche Hogwarts-Absolventen anwesend? Oder Gandalf?
    Vielleicht ist ja doch irgendwas am AD(H)S schicksalhaft.
    Aber was im einzelnen und was nicht, das bleibt noch zu klären...

  2. #22
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Entschuldigung dankend angenommen


    Es spricht doch aber keiner von "entschuldigen", und es wird zumindest bei uns zuhause auch kein Schwamm drüber gelegt. Überhaupt nicht! Ja, mein Vater handelt in den Momenten nicht richtig, trotzdem hat das aber nichts mit seinem Willen zu tun in den Momenten.

    Wenn du eine Behandlung als Verantwortung SEHEN KANNST, ist das wirklich toll, aber das kann nun mal nicht jeder, aus welchen Gründen auch immer.

    Einen Betroffenen verstehen oder zu helfen setzt voraus, das der Betroffene einen Bedarf hat, wenn jemand partout nicht eine Therapie machen will, dann ist es keine Hilfe in da hin zu "prügeln", auch nicht mit den Argumenten der Vernunft. Und keine Therapie machen wollen, heisst wiederum nicht, das man keinen Willen zur Veränderung hat, oder die Familie nicht wichtig genug ist.

    Ja, mein Vater hat bestimmte Eigenschaften, die er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund von ADHS hat, und er möchte keine Therapie machen. Das hat aber nichts mit ADHS zu tun, ich entschuldige nicht alles mit ADHS, aber es gibt eben trotzdem auch Gründe, warum er keine Therapie machen möchte, und die sind so fulminant, das ich das akzeptiere.

    Für mich hat Verletzung nicht unbedingt mit Schuld zu tun. Ich kann sagen wie sehr etwas weh tut/tat, wie schlimm etwas ist, aber gleichzeitig muss keiner Schuld sein, es gibt auch unglückliche Momente, Konstellationen etc.

    Also ich habe mit Sicherheit genug Erfahrung mit Vergebung, und für mich hat genau das nichts mit Schuld zu tun, aber auch nicht mit Schwamm drüber, für mich hat das was mit Akzeptanz zu tun.

    Vielleicht haben wir da aber auch zu verschiedene Ansätze.

  3. #23
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Merkwürdigerweise könnte ich hier fast jeden Beitrag "liken", weil etwas erwähnt wird, dass ich auch so oder ähnlich sehen und gleichzeitig steht dann aber auch fast immer etwas da, was ich nicht unbedingt "unterschreiben" möchte


    Mir fehlt, bei allen Diskussionen um die Störung oft "das Menschliche".
    In Ansätzen, wurde es angesprochen, dass nicht alles, was falsch gemacht wird, an ADHS liegt und dass, umgekehrt nicht nur ADHS Betroffene Fehler diese Art, beim Umgang mit ihren Kindern machen.

    Solche Grundsatzdiskussionen, was ich für Kinder richtig und wichtig finde, führte ich zB auch mit Erzieherinnen und Lehrerinnen/Lehrern (zB bloßstellen , laut werden, bevorzugen/vernachlässigen....)... das passiert denen nämlich auch... ob diese Personen eine, wie auch immer geartete Störung haben, weiß ich natürlich nicht.

    Also das mal nur allgemein.

    Speziell auf die Eltern-Kind-Situation bezogen...

    Ich bin beides! Sowohl die Tochter einer kranken Mutter (gestört würde abschätziger klingen), als auch die kranke Mutter einer Tochter.

    Und ich kann sagen, dass, wer es nicht selbst kennt, sehr vorsichtig sein muss, mit Äußerungen was man von kranken Müttern oder Eltern erwarten können muss.
    Ich weiß, dass hier auch eine selbstbetroffene Mutter mitgeschrieben hat, die natürlich deshalb auch von mir nicht angesprochen ist.

    Außerdem ist die Selbsterkenntnis auch kein Moment, nach dem dann alles anders ist, sondern ein Prozess, der sich uU über Jahre hinziehen kann und auch stark vom Umfeld abhängt. Und natürlich auch von den eigenen Erfahrungen in der jeweiligen Biographie. .....


    Ich habe meine Tochter krank gemacht... im wahrsten Sinne und ganz sicher weder absichtlich, noch leichtfertig hinnehmend. Das dürft ihr mir glauben. Es ist passiert und das obwohl oder vllt weil ich alles besser machen wollte, als meine Eltern.
    Ich mache seit nun mehr über 12 Jahren Therapien, war 2 mal auch in Kliniken und habe wohl die hälfte aller in Frage kommende, zugelassenen Medikamente ausprobiert... vllt sogar mehr.

    Dennoch konnte ich nichts tun! Bzw, was ich versucht habe, reichte nicht aus.


    Aus meiner Erfahrung als Tochter einer kranken Mutter weiß ich aber, wie wichtig es ist, wütend zu sein! Ich habe erst erkannt, dass ich wüntend sein darf, auf meine Eltern, da war ich schon vierzig. Und es war der wichtigste Schritt in die richtige Richtung. Dh nicht, dass man für immer seine Eltern hassen soll... im Gegenteil. Das macht einen selbst dann auch wieder krank, aber wenn man die Wut als Kind nicht zuläsdt, wird sie zu Selbsthass... das endet vllt sogar tödlich.
    Insofern, gebe ich der Textverfasserin im Bericht recht und gratuliere zu der Erkenntnis, dass die eigenen Gefühle ebenso berücksichtigt werden müssen .... ggf auch, wenn die Eltern dadurch in ihrem Gefühl verletzt werden.
    Das funktioniert aber nur, wenn die Eltern bereit sind, ihre Schuld anzuerkennen und sie auch tragen... und das offen und ehrlich kommunizieren und zwar so, dass das Kind nicht erneut Schuldgefühle bekommt, weil sich die Eltern seinetwegen schuldig fühlen. Klingt kompliziert? Ist es auch!


    Und meine Tochter macht jetzt auch selbst Therapien. ... und ich will, dass sie wütend auf mich sein kann ... Und ich weiß (zum Glück), dass ich es ertagen muss. Das wird nämlich auch ihr erster Schritt, in die richtige Richtung sein! Und ich würde beten, wäre ich gläubig, dass wir durch die frühzeitige Therapie, den "ewigen Kreis" der kranken Eltern, kranker Kinder, beenden können.


    Selten sind die Dinge genau so, wie sie scheinen. Selten ist es einfach, sich selbst zu verändern.
    Aber auch selten bleiben die Dinge, für immer, wie sie sind.

    Ausnahmen bestätigen diese Regeln... meiner Meinung nach.

  4. #24
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Also, bei all den Problemfamilien, bei denen sozialpädagogisch unterstützt werden muss, weil die Eltern überfordert sind in irgend einer Weise, haben garantiert nicht alle Eltern ADHS. Und auch nicht die ganzen Kriegskinder und Kriegsenkel, die in Massen als Erwachsene in Therapien sind, weil ihre Eltern ihnen nicht das geben konnten, was sie brauchten, hatten Eltern mit ADHS. Es gibt zahlreiche traumatische Kindheitserfahrungen und nur ein Bruchteil davon geht auf Eltern mit ADHS zurück.

    Typisch für unseren Hyperfokus und unseren Hang zur Selbstabwertung geben wir uns, wenn, dann aber auch richtig die Schuldpeitsche!


    Damit will ich auch nicht sagen, so eine Kindheitserfahrung wie im Artikel ist ja gar nicht so schlimm. Doch, ist sie, und darum habe ich den Artikel ja auch so authentisch gefunden. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie es bei Eltern mit ADS ohne H ist. Mädchen, die hyperaktiv sind, sind ja schon vergleichsweise selten und Frauen erst recht, weil oft das ADHS im Erwachsenenalter in ADS umschlägt und die Unruhe mehr innerlich ist. Sind die auch so? Keine Ahnung!

    Ich bin eine Erwachsene und Hypie und darum konnte ich mich da so einfühlen. Diese Zappeligkeit und Überreizung und dadurch oft Überforderung von Kraft und Stabilität, die dann klar nach außen als Willkür ankommt, wenn was abgesagt wird, in voller Blüte und sich hochschaukelnd, ja, das kann ich mir nur zu gut vorstellen. Und dass das unreflektiert und unbehandelt herzzerreißende Mängel als Mutter bedeutet, ja, das auch.

    Und was die inakzeptable Grenze ausmacht für die Verantwortung, die Eltern haben, ist das m. E. die durchgehende Unberechenbarkeit und Strukturlosigkeit sowie Unzuverlässlichkeit der Mutter. Kinder brauchen keine perfekte Eltern und bekommen die vor allem auch nicht, aber sie brauchen Klarheit und Verlässlichkeit. Die Mutter im Artikel verletzt, enttäuscht und ängstigt ihr Kind dauernd und blamiert und nervt die Jugendliche und die erwachsene Tochter. Die Fröhlichkeit, Unkonventionalität und Intelligenz, die andere Kinder bei ihr sehen, reißt das andere nicht raus.
    Wie mir mal jemand erzählte: Die Mutter weckte ihre Kinder manchmal im Winter nachts zu wahnsinnig tollen Eislaufwegen auf den zugefrorenen Bächen und Flüssen im Norden, aber am nächsten Tag blieb sie im Bett und war für ihre Kinder nicht da oder total überreizt und explosiv. Nicht zu verarbeiten für ein Kind, diese Schwankungen! Und wenn schlechtes Gewissen dann erst recht solche Berg- und Talfahrt verschärft......

    Dann hat jeder von uns AD(H)S-ChaotInnen besondere Leitsymptome. Bei mir ist es nicht an erster Stelle die Konzentration und auch nicht die Impulsivität und Zappeligkeit, auch wenn all das als Symptome problematisch da ist, sondern in erster Linie die immense Überreizung. Nach dem Motto: Offener Reizfilter? Welcher Reizfilter?
    Wem alles zuviel ist, reagiert noch anders als jemand, der dauernd auf Kicksuche zappelig ist. Das ist einfach bei jedem anders und auch nicht über einen Kamm zu scheren.


    Psychische Erkrankungen beeinflussen das Wahrnehmen, Denken und Handeln. Wenn es eine Erkrankung ist, ist es gravierend anders, sonst wäre es nicht auf Krankheitsniveau. Wenn ich so überreizt und erschöpft bin, dass ich nur noch depressiv bin, brauche ich Hilfe für mich und mein Kind zu meiner Entlastung und um für mein Kind genug Stabilität zu gewährleisten.

    Bisjetzt war es nie soweit, dass ich nicht mehr die Verantwortung als Mutter tragen konnte, aber natürlich ist dies denkbar, klar. Und bei der Mutter im Artikel sicherlich überschritten, wenn es jemand Professionelles gemerkt hätte! Denn ihre Tochter hätte Schutz gebraucht.
    Geändert von Maggy (18.12.2015 um 21:23 Uhr)

  5. #25
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    creatrice schreibt:
    Wenn ich es richtig verstehe, willst du damit unterstellen, das Leute wie mein Vater diesen Grundsatz nicht kennen, oder nicht für wichtig (genug) erachten, sonst würden sie ja anders handeln.
    Nein, das meine ich nicht.

    Ich bin mit einer Person groß geworden, welche der Mutter der Autorin sehr ähnelt (allerdings ohne Diagnose).
    Ich selber bin auf Anpassung und ein-braves-Mädchen-sein getrimmt worden. Im Gegenzug hatte/habe ich alle Missachtung und schäbige Behandlung zu schlucken. Meine Grenzen werden beliebig und willkürlich gnädigerweise eingehalten oder übergrätscht

    Von mir wird jede Nachsicht erwartet und der kleinste Hauch von Kritik als böseste Majestätsbeleidigung abgestraft. Von der anderen Seite aber kein Hauch von Einsicht.

    Hinzu kommt halt, dass dieses Verhalten System hat und Menschen, die vielleicht früher Einfluss auf die Person gehabt hätten, still gehalten haben es damit genährt und erhalten.

    Das hat mich krank gemacht! Also so richtig krank, als Sahnehäubchen aauf den ADHS-Klüngel.
    Das hat mich lange zunächst immer wieder in solche kranken Beziehungen schliddern lassen.

    Und mich wiederum schmerzt dieses Verhalten so sehr, dass ich es nicht mehr ertragen kann und will.
    Ich erwarte keine Fehlerfreiheit von anderen.
    Ich brauche ein gewisses Maß an Einsicht.
    Ich weiß auch, dass manche in ihrem Verhalten gefangen sind.

    Das ist keine Unterstellung.
    Da ist nix selbstgerechtes dran.

    Ich mache auch heute noch Fehler, verletze, weil ich Termine nicht eingehalten bekam.

    Aber ich erwarte von niemandem, dass er/sie das erträgt.
    Und so lieb ich jemanden habe, so sehr ich auch die guten Seite einer Person erkennen und schätzen kann - manche Dinge kann ich nicht mehr aushalten, machen mich immer noch so wund, dass ich notfalls auch trotz der guten Anteile mich dann von jemandem komplett trennen muss.

    Aber das ist mein ganz persönlicher Weg und ich würde es mir nicht anmaßen, diesen als allgemeingültig zu deklarieren.

    hm, vielleicht sollte ich den Spieß tatsächlich mal umdrehen. Aufhören mit dem überkompensieren, aufhören mit dem Implodieren und schauen was passiert, wenn ich meinen Impulsen Raum gebe.

    Und das meine ich keinesfalls ironisch ... sogar mein Shrink hat etwas in der Richtung vorgeschlagen *grübel

    Allein mit diesem Satz hast du mir schon weh getan, ich empfinde das sehr ungerecht/selbstgerecht, aber ich denke auch, das du das nicht mit Absicht gemacht hast. Es wäre genauso übers Ziel hinaus, dir genau so etwas daraufhin zu sagen, wie es jetzt bei dir der Fall ist. Genauso wenig wie du immer und überall diesen Grundsatz erfüllen kannst, ob aus Unwissen oder Unvermögen, genauso wenig können das andere, das kann kein Mensch.
    Jemand der genau damit Probleme hat, wird wesentlich öfter genau dies tun, wie jemand der seine Arbeit nicht richtig erfüllt, wofür andere mehr arbeiten müssen, was evt der Firma schadet, weil er sich nicht konzentrieren kann..... auch wenn er das noch so gerne will.

  6. #26
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.123

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Den Impulsen freien Lauf lassen, gegenüber der verletzenden Person, bei mir ist es meine Mutter bedeutet auf Kollisionskurs gehen. ZT. kann es dabei zur totalen Eskalation kommen. Ich habe danach schon mehrmals den Kontakt abgebrochen. Trotzdem bin ich der Meinung dass es auch eine "heilende" Wirkung hat. Zum Einen habe ich damit unüberschreitbare Grenzen aufgezeigt. 2. Konnte ich sie dadurch zum Nachdenken über in der Vergangenheit gemachte Fehler anregen.
    Meine Mutter kann und wird sich im großen Ganzen nicht ändern. Das wird auch nicht von ihr verlangt. Sie hat aber bewiesen dass sie mit 77 Jahren noch Lern- und Entwicklungsfähig ist.

  7. #27
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Ich glaube,habitbreaker hat einen ganz wichtigen Punkt angesprochen.

    Es ist immer noch ein Unterschied,ob ein solches Familiensystem aus lauter Leuten besteht,die alle WISSEN,dass sie etwas "anders" ticken,denen jedoch in einzelnen Bereichen-trotz Einsicht und prinzipiellem Willen-schlicht die Möglichkeit fehlt,so richtig gegenzusteuern,die aber ansonsten respektvoll miteinander leben,oder ob es sich um eine andere Art System handelt(welche mir selbst leider auch bekannt ist),innerhalb dessen sich eine Person im Grunde als "Alleinherrscher/in" etabliert hat-allzuoft noch unter mithilfe oder stillschweigender Billigung des erweiterten Umfeldes-zulasten anderer.

    Letzteres schreibe ich persönlich jedoch NICHT ADHS zu,sondern einer etwas anders gelagerten Problematik.
    Denn,so verletztend z.B.emotionale Impulsivität auch sein kann,hat sie EINES sicher nicht:

    System.

    Ebenfalls wichtig ist,dass selbstverständlich JEDER das Recht hat,sich selbst(die eigene Gesundheit und Unversehrtheit) zu schützen.

  8. #28
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.123

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Meine Kindheit steht im Zeichen eines Alleinherrschers.
    So problematisch das Verhältnis zu meiner Mutter auch ist.
    Es ist nicht mit dem zu vergleichen, was die gesamte Familie
    durchmachen musste.

  9. #29
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    Mein ADHS habe ich wohl von meinem Vater und er war als Vater zu wenig präsent. An seiner Cholerik (wie es damals hieß), hat er so hart gearbeitet, dass er sie bewundernswert in den Griff bekam, ohne Medikamente. Das steht aber nicht jedem als Möglichkeit zur Verfügung, je nachdem, wie stark die Erkrankung ist.

    Viel größere Probleme hatte ich mit meiner Mutter. Sie hat kein ADHS, aber klare sadistische oder narzisstische oder was auch immer Tendenzen. Posttraumatische Störungen durch den Krieg, denke ich. Psychische Misshandlung war und wäre, wenn ich sie nah genug ließe, an der Tagesordnung. Auch Alleinherrscherinnenallüren!
    Das brauchte Jahrzehnte, um ihre perfiden Grenzniederwalzungen und sadistischen Spielchen zu sehen und zu kapieren.

    Und da sage ich ganz klar: Bei elterlichem Machtmissbrauch kann niemand in der Familie das entschuldigen oder relativieren, es ist für die Kinder eine Katastrophe, deren Folgen ihr Leben lang da sind. Auch wenn ich heute erst so richtig begreife, welch eine Pest ich in meiner Pubertät für meine Mutter war und dass ich das auch nicht verharmlosen darf, dann bleibt dennoch stehen, dass man das eine nicht mit dem anderen aufrechnen kann: Kinder haben ein Anrecht auf ein gewaltfreies Aufwachsen, gewaltfrei physisch und psychisch und emotional. Und da wird rein gar nichts im Nachhinein entschuldigt und verharmlost und auch eine Krankheit der Eltern macht die Schäden bei den Kindern nicht weg.

    Ob ich persönlich mich mit meiner Biographie versöhnen kann, das ist eine ganz andere Frage und auch, ob manche späte Einsicht eine Versöhnung mit misshandelnden Eltern möglich macht. Das macht das Ganze aber nicht ungeschehen. Und wer sich zwingt, die eigene berechtigte Wut und Verzweiflung und Trauer und Angst des misshandelten Kindes für das große Verständnis aufzuopfern, der verrät sich selber und somit ist man dann doppelt verraten.
    Geändert von Maggy (19.12.2015 um 12:20 Uhr)

  10. #30
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Erfahrungen einer Tochter mit ihrer Mutter: Ein grosses Kind

    *kurzes OT*

    Liebe Maggy,

    gäbe es einen "standing ovations"-Smiley,hätte ich ihn hier sicher genutzt!

    Für diesen Text möchte ich Dir meinen aufrichtigen Dank aussprechen,er hat mich tief berührt und er fasst-meiner Meinung nach-alles Gesagte und Ausdifferenzierte zusammen.



    *OT schnell wieder aus*

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