Seite 1 von 2 12 Letzte
Zeige Ergebnis 1 bis 10 von 12

Diskutiere im Thema ADHS New York Times im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    ADHS New York Times

    Bin mal wieder auf was gestoßen zu ADHS in den Medien. Der Artikel dreht sich u.a. um die zahlenmäßig weltweit steigenden Diagnosen von ADHS und auch, wie darauf reagiert werden soll. Der in dem Artikel erwähnte Luis Rohde spielt angeblich eine führende Rolle bei Bestrebungen, die ADHS-Diagnosekriterien für das ICD-11 in 2018 einzuschränken (angeblich will Luis Rohde die Affektlabilität rausnehmen aus den Diagnosekriterien für das ICD-11 für ADHS) und dadurch die Zahl der ADHS-Diagnosen weltweit zu senken oder zumindest nicht weiter steigen zu lassen. Dabei geht es wohl auch um die Frage Behandlungsqualität light bzw. Billligversion für viele oder hohe Behandlungsqualität für wenige bzw. Premiumversion für den harten Kern an wirklich kranken, schweren Ausprägungen von ADHS.
    Außerdem dreht sich der Artikel um die Stigmatisierung von ADHS-Betroffenen, die in anderen Ländern, wie man es eigentlich erwarten musste, noch viel ausgeprägter zu sein scheint, als es in Deutschland der Fall ist. In Georgien ist Methylphenidat laut dem Artikel z.B. generell verboten. Hier der Artikel:

    http://well.blogs.nytimes.com/2015/1...ten-lags/?_r=0

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 405

    AW: ADHS New York Times

    Danke für den Hinweis auf den Artikel!


    Erstmal finde ich die Kostendiskussion immer wieder erstaunlich.

    Schaut man sich die Preise insbesondere patentgeschützter Psychopharmaka an ist Methylphenidat für die Gesundheitssysteme doch ein echtes Schnäppchen.

    ( Strattera hingegen vielleicht weniger. Und ja - es mag sein, dass die Absichten der Pharmaindustrie in diese Richtung gehen: Die Diagnose bestmöglichst weltweit zu etablieren und anschließend bzw. parallel eine Abkehr von MPH / Amfetamin hin zu neuen, patentgeschützten Präparaten zu bewirken. )

    Eigentlicher "Kostentreiber" sind aber die flankierenden Maßnahmen wie z.B. Ergotherapie (vor allem bei Kindern) und Psychotherapie, oder - wie im Artikel erwähnt - spezielle Internate. Und die stehen und fallen in der Regel nicht mit der Diagnose "ADHS" sondern mit der Gesamtsituation des betroffenen Erwachsenen / Kindes.


    Zu der ICD-11 Diskussion frage ich mich mal wieder, welchen Akteuren denn durch einen "Rückgang" der ADHS-Diagnosen geholfen wäre vor welchem Hintergrund?


    Das offenbar in Georgien herrschende MPH-Verbot erstaunt mich.

    Immerhin erwähnt der Artikel ja auch gleich die Alternativtherapie, die dem georgischen Jungen geholfen habe: "therapy and supplements, including butyric acid, glycine, glutamine, magnesium, vitamin B6 drops and omega-3 capsules"...


    PS:

    Okay, fairerweise wird im Artikel allerdings auch die Frage aufgeworfen, ob eine Behandlung nach dem internationalen medizinischen Standard dem georgischen Jungen nicht mehr helfen würde.

    Zumal es offenbar so ist, dass die Ärzte dort den Kindern ansonsten nur Neuroleptika und andere Sedativa verschreiben könnten und manche Eltern sich wohl in der Not nicht anders zu helfen wüssten als die richtigen Medikamente illegal ins Land zu schmuggeln. Das ist natürlich sehr bitter!

    Insgesamt finde ich den Artikel ausgewogen, weil dem Verweis auf "bedenklich steigende Diagnosezahlen" sehr plastisch die Einzelschicksale der leidenden Kinder und ihrer Eltern gegenüberstehen. Schön auch das Zitat der deutschen Mutter: “If you medicate, you are a bad mom” - “And if you don’t, you are also a bad mom.”.
    Geändert von /dev/random (10.11.2015 um 02:24 Uhr)

  3. #3
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: ADHS New York Times

    Kurze Frage:
    Ich finde Affektlabilität nicht in den Diagnosekriterien-weder in ICD noch DSM.
    Es kann doch nichts rausgenommen werden,was nicht drin ist? Übersehe ich da etwas?

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: ADHS New York Times

    /dev/random schreibt:
    Zu der ICD-11 Diskussion frage ich mich mal wieder, welchen Akteuren denn durch einen "Rückgang" der ADHS-Diagnosen geholfen wäre vor welchem Hintergrund?

    Das was schon gesagt wurde...... denen, die stark ausgeprägtes ADHS haben, die sehr intensive Hilfe benötigen. Und bevor jetzt wieder alle aufschreien das damit ja den vielen anderen nicht geholfen ist, jaaaaa..... weiss ich, aber andersrum ist es eben genauso, und das darf auch angesprochen werden. Und deswegen sind diese Personen und Ärzte keine Gegner von ADHS.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: ADHS New York Times

    Ich glaube, mit Affektlabilität war letztendlich die Impulsivität gemeint. Wie genau das gemeint war, weiß ich auch nicht, aber es wurde mir gesagt, von jemandem, der die ganze Truppe (Rohde usw.)persönlich kennt.
    Wobei eigentlich Affektlabilität in einem Psychopathologischen Befund etwas anderes ist als Impulsivität. Wie gesagt, ich bin damit überfragt. Aber was ich gehört habe, und das deckt sich auch mit der Medienpräsenz und den einflussreichen Positionen, die Luis Rohde innehat, will Luis Rohde die Diagnosekriterien so ändern, dass die Zahl der Diagnosen weltweit zumindest nicht weiter steigt. Ich bin auch kein Insider und weiß nicht, was in solchen nicht-öffentlichen Expertenkomissionen so alles besprochen und geplant wird.
    Die ADHSler, die ich persönlich kennen gelernt habe, waren und sind meist beides, affektlabil und impulsiv, in welchem Kontext "Affektlabilität" da gemeint war, kann ich nicht sagen. Man hüte sich in dem bereich auf jeden Fall vor zu viel Mund-zu-Mund-Propaganda, da kommt beim 5. Mensch, dem man das ins Ohr sagt, was ganz anderes raus, als beim ersten, und da bin ich dann wohl leider Teil des Problems, gebe ich zu.

    plus: @ creatrice. stimmer dir zu. Eine Ausweitung der Diagnostik in der Breite geht zu Lasten derer, die eine Behandlung am meisten brauchen. Beide Richtungen haben berechtigte Argumente. Ich persönlich halte das für eine ethisch wie auch wissenschaftlich sehr komplexe Angelegenheit und habe dazu keine abgeschlossene Meinung.
    Geändert von ChaotSchland (10.11.2015 um 14:55 Uhr)

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 405

    AW: ADHS New York Times

    Und wie sieht das jetzt aus?

    Die Affektlabilität soll möglicherweise ins ICD 11 (oder auch eben nicht), aber im DSM 5 (nicht 4...) ist es kein Kriterium?


    Bezugnehmend auf:

    luftkopf33 schreibt:
    Ich finde Affektlabilität nicht in den Diagnosekriterien-weder in ICD noch DSM.
    Es kann doch nichts rausgenommen werden,was nicht drin ist? Übersehe ich da etwas?

  7. #7
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: ADHS New York Times

    Mir fällt ein(sorry,bin grad ohne Medikation-leicht wirr im Kopf ) :

    Sollte hier Impulsivität gemeint sein,wäre das wohl wirklich der verkehrte Ansatz,denn wenn mich nicht alles täuscht,gehörte die(sowohl emotional,als auch in der "Handlungsimpulsivität"-sorry,mir fällt grad kein besseres Wort ein ) nun ausgerechnet "schon immer" zu den auffälligsten Merkmalen der Störung-von MCD,HKS bis ADS/ADHS...

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 405

    AW: ADHS New York Times

    Ich habe dazu gerade folgenden Artikel aus 2014 gefunden:

    http://push-journal.org/wp-content/u...on-Type-be.pdf


    Dort heißt es unter anderem:

    DSM-III, DSM-IV, and DSM-5 all have had the com-monly known sub-types of ADHD into Hyperactive and Inattentive forms. We propose that another subset be added to the ADHD spectrum, i.e. Emotional Dysregulation type.
    Results showed that 70% of children who were suspected of having ADHD by their parents did not meet the DSM criteria for ADHD with its existing sub-types. The finding of our study was that the single most common diagnosis observed in these children [..] was Parent-Child Relationship Problem (34.1%), followed by Mood Disorders (31.7%) and Other Behavior Disorders (24.9%).
    These results are consistent with the studies investigating whether ADHD should constitute a separate clinical entity with disruptive disorders (oppositional defiant disorder [ODD] or conduct disorder [CD]), with the internalizing disorders (anxiety and/or depression), or all of the above.
    It is thought that perhaps we are overlooking a large part of the ADHD spectrum disorders by not including ADHD; Emotional Dysregulation Type, in the DSM.

    Es scheint also darum zu gehen, zusätzlich zu den existierenden ADHS-Subtypen / "Presentations" 1. hyperaktiver Typ und 2. inattentiver Typ (bzw. kombinierter Typ daraus) einen weiteren Subtyp / "Presentation", 3. "emotional dysregulierter Typ" im DSM einzuführen (der über das DSM dann wiederum Einzug in die ICD finden könnte).

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 718

    AW: ADHS New York Times

    Das ist dann ja quasi die Disruptive Mood Dysregulation Disorder im DSM-5...Diese hoch umstrittene DMDD und ständig kritisierte neue Diagnose (ich kürze es hier jetzt mal ab) ist doch mutmaßlich nichts anderes als ADHS, das muss noch nicht mal ein eigener Subtyp von ADHS sein, sondern es ist ADHS generell und nichts anderes. Solche wohl zurecht kritisierten Krankheitsentitäten liefern dann leider Demagogen wie Jörg Blech vom Spiegel genügend Munition, ADHS insgesamt anzuzweifeln und ADHSler zu stigmatisieren und auszugrenzen und ADHS zu bagatellisieren. ADHS als Krankheitsentität oder zumindest diagnostische Entität erleidet dabei dann sozusagen einen Kollateralschaden. Ich bin völlig überfordert und viel zu wenig in die Sachlage vertieft, um die ganze Details dieser DSM-5, ICD-11, ICD-10, DMDD, ADHS, ADHS-Subtypen, Sluggish Cognitive Tempo usw. usw.-Thematik verstehen zu können und kann zum Post darüber von /dev/random dann auch nichts weiter sagen. Aber so viel noch: Diese ganze entsprechende Thematik ist sehr kompliziert und wohl selbst unter den daran beteiligten Experten sehr umstritten. Die Wahrheit dürfte dabei wohl wieder mal bei irgendwelchen Grautönen zwischen Schwarz und Weiß liegen. Auf jeden Fall wird uns als ADHSler dieses Thema die nächsten Jahre wohl noch öfters begleiten und auch nach ICD-11 (ich habe gestern gegoogled, dass ICD-11 für 2018 geplant ist) wird diese Kontroverse wohl noch ganz lange weiter gehen.

  10. #10
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: ADHS New York Times

    Danke.
    Wollte gerade die Frage in den Raum stellen,wieso man für einen Teil der EF-Problematik jetzt einen eigenen Subtyp braucht...wird nur immer unübersichtlicher und weiter aufgesplittet.

Seite 1 von 2 12 Letzte

Ähnliche Themen

  1. ADHS und Psychose, ADHS wurde festgestellt und bekomme Risperdal, nix für ADHS
    Von Krieger im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 30.09.2012, 22:31
  2. NY Times: MPH soll keinen Langzeiteffekt bei Kindern haben...
    Von Hirnjogger im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 30.01.2012, 14:27

Stichworte

Thema: ADHS New York Times im Forum ADS ADHS: Presse, Medien bei ADHS bei Erwachsenen Forum
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum