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Diskutiere im Thema Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014 im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 97

    Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...a-1030872.html

    Pharmazeutische Zeitung online: ADHS: 5 Prozent weniger Methylphenidat verbraucht

    Wie vor ein paar Tagen wieder relativ breit durch die Medien ging und von den Gegnern der Methylphenidat-Therapie bei ADHS und den Medien quasi bejubelt wurde, sind die Verordnungsraten von Methylphenidat bei ADHS in 2014 erneut und im Verhältnis zu 2013 beschleunigt gesunken. Der BfArM-Chef begründet dies mit der Einschränkung der Verordnungsfähigkeit von MPH bei ADHS in 2009 oder 2010. Damals wurde "geregelt" , dass MPH nur noch von entsprechenden Spezialisten verordnet werden darf. Diese Spezialisten sind bei genauerer Betrachtung für Kinder der Pädiater, Kinder-und Jugendpsychiater, Neurologe und Allgemeinmediziner mit Sondererlaubnis, für Erwachsene (Verordnungsfähigkeit für Erwachsene jüngstens ebenfalls eingeschränkt analog zu Kindern) der Psychiater, Neurologe und Allgemeinmediziner mit Sondererlaubnis. Ich kann mir insgesamt kaum vorstellen, dass ein nennenswerter Anteil der ärztlichen MPH-Verordnungen zuvor von Allgemeinmedizinern (ohne Sondererlaubnis) ausgestellt wurde, für Erwachsene nicht, und wohl erst recht nicht für Kinder. Das heißt letztendlich, dass die absolute Zahl der Ärzte, die MPH auf Kassenleistung verordnen dürfen, seit den Einschränkungen der Verordnungsfähigkeit nur minimal gesunken sein dürfte. Auf jeden Fall erklärt dass nicht den deutlichen Rückgang der Verordnungszahlen. Der Rückgang um 5% 2014 gegenüber 2013 gilt für Kinder und Erwachsene insgesamt. Der Rückgang nur bei Kindern dürfte angesichts vermutlich steigender Verordnungszahlen bei Erwachsenen in 2014 (u.a. Kassenzulassung für Ritalin adult in 2014) noch viel deutlicher als 5% sein. Ich distanziere mich insgesamt von Verschwörungstheoretikern, die die Welt für eine einzige Verschwörung halten. An der offiziellen Begründung für den Rückgang der MPH-Verordnungsrate in 2014 scheint mir aber so gut wie alles faul. Ich habe gehört, dass politisch gewollt die Behandlung von ADHS-Patienten im Kindesalter umgelenkt werden soll und wird von Kinder-und Jugendpsychiatern und Psychologischen Psychotherapeuten hin zu Sonderpädagogen und Sozialpädagogen (vereinfacht gesagt: Sonderpädagoge: ADHS ist gesellschaftliches Problem; Kinderpsychiater und Psychologe: ADHS ist medizinisches Problem; das entsprechende Weltbild der ADHS-Gegner lässt grüßen) und bei Erwachsenen die Behandlung ("Überdiagnostik und Übertherapie soll verhindert werden") und der Behandlungszugang generell erschwert werden soll. Kann es sein, dass die eben angeführten Gründe und noch andere Gründe eine viel größere Rolle spielen beim Rückgang der MPH-Verordnungsraten in 2013 und 2014 als die offiziell angegebenen? Ich habe gedacht, ich stelle das hier mal rein zur Info, zur Frage, ob es Leute hier im Forum gibt, die mehr wissen und als Diskussionsgrundlage. Gruß
    Geändert von Eric Cartman ( 1.05.2015 um 17:22 Uhr)

  2. #2
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    Ist die Verbrauchsrate von Amphetamin (Elvanse, Attentin) eventuell gestiegen?

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 16

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    Ganz sicher wird es Menschen geben, die den Rückgang der MPH-Verordnungen mit den unterschiedlichsten Begründungen interpretieren. Da sich aber weder die Patientenzahlen noch die der behandelnden Ärzte deutlich reduziert haben, und auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als eine mögliche Säule der unterschiedlichen ADHS-Ursachen verändert haben, vermute ich ganz stark folgendes: Hier hab es lediglich eine Therapieveränderung bezüglich des Verordnungsverhalten der Ärzte weg vom MPH hin zu den neu zugelassenen Amfetaminpräparaten Attentin und Elvanse. Wer sich mit Amfetaminen näher beschäftigt weiß, wo hier die Risiken (Toleranzentwicklung, Suchtpotential) und deutlich häufigeren Nebenwirkungen im Vergleich zu MPH befinden!!! Aus meiner Sicht ist das also eine eher kritisch zu betrachtende Veränderung.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    Ich wünschte, Muh und Calantha hätten mit ihrer Vermutung recht, dass die steigende Verordnung von Elvanse und Attentin für die Abnahme der Mph-Verordnungen verantwortlich zu machen seien. Nur will folgender Tatbestand hier überhaupt nicht recht ins Bild passen: nämlich die ständige Zunahme der Neuroleptika-Verordnungen. Deutsches Ärzteblatt: Antipsychotika-Verord*nungen bei Kindern und Jugendlichen steigen
    Die absoluten Lieblingsmedikamente bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind eindeutig 1. Risperdal und 2. Seroquel. Der Artikel im Ärzteblatt bezieht sich zwar auf Kinder und jugendliche, aber auch bei den Erwachsenen steigen die NL-Verordnungen (obwohl die Schizophrenie nicht zugenommen hat). Fatal wirkte sich hier wohl die Zulassung von Seroquel bei Depressionen aus...

    Meine Vermutung: Ein nicht unerheblicher Teil von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die eigentlich ADHSler sind, wird fehldiagnostiziert und dann mit Neuroleptika abgespeist.

  5. #5
    ellipirelli

    Gast

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    Zum einen fürchte ich,auch aus eigener Erfahrung mit Klienten, das Eiselein das Dilemma der Fehldiagnose und -medikation richtig beschreibt
    Zum anderen, @Eric Cartman: wir sind hier in einem ADHS Forum!
    BITTE bau Absätze in deine Texte ein (ist ganz leicht, nur die ShiftTaste bemühen). Ich kann gegen so eine Wand nicht anlesen..

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    @ ellipirelli: Ok, hast recht, Absätze wär ne Idee gewesen :-) ; Auch wenn ich es schön fände , wenn es so wäre, ich glaube nicht , dass die abnehmende Verordnungsrate von MPH etwas zu tun hat mit steigenden Verordnungszahlen von Elvanse, Antipsychotika (also Risperdal, Zyprexa usw.) und Atomoxetin/Strattera. Da sind die absoluten Zahlen der 3 letztgenannten Gruppen dann vermute ich doch zu gering, um da was ausgleichen zu können.

    Außerdem widerspricht eine sinkende MPH-Verordnungsrate einer sehr wahrscheinlich steigenden Diagnoserate von ADHS insgesamt bei Kindern und Erwachsenen (Die zunehmende Bekanntmachung von ADHS in den letzten Jahren, siehe die Mitglieder-Steigerung hier im Forum, Medienberichterstattung etc. dürfte wohl die Zahl der Diagnosen ziemlich in die Höhe getrieben haben). Deshalb ja u.a. auch hier der Thread, weil das alles für mich keinen Sinn ergibt.

    Letztendlich befürchte ich, dass gesundheitspolitische "Maßnahmen" hier ganze Arbeit geleistet haben. Kann es sein, dass vermehrt ADHS-Betroffene (Kinder und Erwachsene) mit alternativen Therapien wie Neurofeedback, Ergotherapie, Sozialtherapie und abseits davon alleiniger Verhaltenstherapie abgespeist werden ausgehend von der Annahme, ADHS könne weg therapiert werden? Muss man natürlich dazu sagen, dass längst nicht jeder ADHSler medikamentöser Therapie bedarf, aber z.B. in anderen Ländern (Holland neuerdings großes Tam-Tam gewesen offensichtlich) steigt anscheinend die MPH-Verordnungsrate weiter.

    Ich hab wie gesagt ein paar Sachen gehört hinsichtlich drastischer Verschlechterung der Versorgungslandschaft für ADHS (wo angeblich nichts darüber berichtet wird) in jüngster Zeit, weiß aber sonst auch nichts. Und deshalb hier der Thread.

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.728

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    Hallo,

    die Altersgruppe, die am häufigsten Methylphenidat verordnet bekommt, also die 8-13-jährigen, wird doch auch von Jahr zu Jahr kleiner, das muss man natürlich auch berücksichtigen.

    Calantha schreibt:
    Hier hab es lediglich eine Therapieveränderung bezüglich des Verordnungsverhalten der Ärzte weg vom MPH hin zu den neu zugelassenen Amfetaminpräparaten Attentin und Elvanse. Wer sich mit Amfetaminen näher beschäftigt weiß, wo hier die Risiken (Toleranzentwicklung, Suchtpotential) und deutlich häufigeren Nebenwirkungen im Vergleich zu MPH befinden!!! Aus meiner Sicht ist das also eine eher kritisch zu betrachtende Veränderung.
    Hallo Calantha,

    hast du hierzu eine Quelle, dass die Risiken der Behandlung von ADHS mit dafür zugelassenen Amfetaminpräparaten (!) höher sind als die mit MPH? Davon ist mir nichts bekannt.

    Da jedenfalls in Deutschland fast ausschließlich Kinder oder Jugendliche, bei denen MPH zuvor keinen befriedigenden Erfolg hatte, Amfetamin bekommen, sehe ich das überhaupt nicht kritisch.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Rückgang der Methylphenidat-Verordnungsrate 2014

    @ 4.Kl.konzert : Schon klar, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen aufgrund niedriger Geburtenraten in BRD abnimmt. Aber nicht so abrupt, dass die Verordnungsraten bis einschließlich 2012 deutlich steigen und dann plötzlich abrupt absacken. Außerdem hört man immer wieder, dass (lange nicht alle, aber insgesamt wohl doch) ADHSler mehr Kinder in die Welt setzen, als die Normalos; es war auch schon beim ADHS-Deutschland zu lesen, dass bei den Kindern allein aufgrund höherer Geburtenraten der Anteil an der Bevölkerung steigt. Also auch diese Erklärung mit abnehmender Zahl der Kinder ergibt meiner Meinung nach keinen Sinn. Außerdem ist es vielleicht so, dass bei zuvor bezüglich ADHS-Diagnostik und ADHS-Therapie unterversorgten Migranten-Gruppen (Türken, Araber, Albaner usw.) das Bewusstsein für ADHS mittlerweile gestiegen ist und auch hier die zahl der Diagnosen steigt und entsprechend auch die medikamentöse Therapie zahlenmäßig ansteigen müsste.

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