Ich habe diesen Thread erstellt weil ich an verschiedenen Stellen die Diskussion über Bücher, etc. von ihm gelesen habe.

Das Interessante ist, dass er ADHS als ein vorwiegend emotionales Problem sieht. Genauer gesagt, die Probleme von Betroffenen ihre Gefühle zu unterdrücken, abmildern oder zu ändern. Gefühle grenzt er von Stimmungen ab indem er ihnen einen deutlich kürzen Zeitraum des Wirkens zumisst. Dadurch lassen sich andere psychische Störungen von ADHS abgrenzen, da die Gefühle eines ADHSlers "normal", also rational erklärbar sind. Das Problem ist seiner Meinung nach das impulsive ausleben bzw. zeigen dieser Gefühle und die damit verbundene Steuerungsunfähigkeit was einen ADHSler von "normalen" Menschen unterscheidet.
Zudem erklärt er das Aufmerksamkeitsdefizit meiner Meinung nach sehr schlüssig, wie das mit Motivation zusammenhängt und dass das Ausmaß der Probleme eines ADHSler sich erst über einen längeren Zeitraum richtig erfassen lassen.
Ich finde daran gut, dass es aufzeigt von welch enormen Ausmaßen die Schwierigkeiten eines ADHSlers sind, wie viele Lebensbereiche davon betroffen sein können und vor allem warum das so ist. Wenn ich viele Diskussionen höre mit Gewichtung auf Aufmerksamkeitsdefizit, dann kommt mir ADHS selber fast schon lächerlich vor. Was soll da jemand denken der es nicht hat? Wenn man aber weiß dass auch Motivation und Gefühlssteuerung davon beeinflusst werden, die Menschen aber ansonsten ganz "normal" sind, dann kann man ADHS vielleicht besser verstehen.

Für mich ist das gerade so ein wichtiges Thema, weil ich sehe wie Kommunikation in meiner Familie funktioniert. Barkley spricht das auch an, also den genetischen Faktor und wie das verstärkt werden kann durch Erziehung (oder allgemeiner: Interaktion). Für mich erklärt das auch warum sich ADHS bei mir so stark auf mein Leben auswirkt und ich meine die negativen Dinge. Ich sehe eben was mit den Kindern in meiner Familie jetzt passiert, kann aber niemanden wirklich davon überzeugen sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Mir wurde ja auch schon vor Jahren gesagt ich hätte ADHS und ich habe mich nur darüber geärgert und mir gedacht ich bin doch ganz normal (Thema Selbstreflexion).
Aber genug, hier das Viedeo für alle Interessierten:
The Importance of Emotion in Understanding and Managing ADHD — Lynn University, Boca Raton, Florida

Als Kritik habe ich unter anderem gelesen, dass er nicht auf die "positiven" Seiten von ADHS eingeht. Er sagt ganz klar, da gibt es nichts positives, weil es ein Defekt ist (trotz alledem besteht meiner Meinung nach immer noch die Möglichkeit dass ADHS vielleicht doch in weiter Vergangenheit Vorteile hatte?). Die Vorteile welche bei ADHS in der Regel aufgelistet werden sind z.B. Kreativität, Gerechtigkeitssinn, usw.
Wie es zu diesen positiven Aspekten kommen kann läßt sich "leicht" erklären. Kreativität z.B., ist vermutlich hauptsächlich oder vollkommen eine Leistung des Gehrins (ich bin kein Wissenschaftler, aber soweit sind das meine Infos). Es gibt Techniken mit denen man lernen kann kreativ zu denken. Dabei stösst man immer wieder auf den Begriff assoziatives Denken, also die Fähigkeit (scheinbar nicht im Zusammenhang stehende) Faktoren miteinander in Verbindung zu setzen. Ein Mensch der aufgrund einer Störung im Gehirn sowieso ständig mit den Gedanken springt hätte vermutlich bessere Chancen darin gut zu werden, schließlich ist das für ihn normal.
So wie eine Mensch ohne Beine auf stärke Arme angewiesen ist oder ein Blinder besser hören kann. Das entwickelt sich also aus der Notwendigkeit, bzw. den Gegebenheiten heraus, niemand würde sagen es ist ein Vorteil blind zu sein. Denn theoretisch könnte auch ein Sehender ein so gutes Hörvermögen entwickeln wie ein Blinder, genauso kann jemand ohne ADHS ein sehr kreativer Mensch werden. Die Vorteile sind also das Ergebnis einer Einschränkung, das macht allerdings die Einschränkung nicht automatisch zu einem Vorteil.

Ich finde diese Sicht gut, sie zeigt dass ADHS ernst genommen werden muss.
Dass sich für mich daraus ergibt dass ich einen Nachteil habe der durch meine frühe Lebensgeschichte zum tragen kam, das kann "jeder" klar erkennen der meinen Lebenslauf und meinen Alltag (und mein Innenleben) kennt. Durch diese Einschränkungen konnte ich bestimmte Fähigkeiten verbessern (manche würden diese "Vorteile" nennen) die ich nutzen kann um mein Leben erfolgreich selbst zu bestimmen.
FAZIT: Ich finde den Ansatz von Barkley sehr schlüssig und denke er beschreibt mögliche Probleme umfassend. Das Fehlen positiver Ansätze stört mich nicht, denn wo (und ob) man in seinem Leben positiv ansetzt das sollte (kann) jeder selbst bestimmen.