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Diskutiere im Thema ADHS und Bindungserfahrungen im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #41
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 499

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Das muss ich noch loswerden... musste so über den Vergleich mit Pavlov lachen... naja. Ähm... ein eher verzweifeltes Lachen, denn leider muss ich Herrn Juul recht geben. Eine Pavlov'sche Konditionierung wünsche ich mir aber für meine Kinder nicht. Ich möchte lieber selbstständig denkende und fühlende Menschen heranziehen, statt Soldaten oder Robotern...

    Die Erfahrungen aus „Supernanny“ zeigen doch, dass die „Time-out-Methode“ hilft?



    Sicherlich hilft sie. Alle Methoden zeigen in 50% der Fälle Wirkung- auf jeden
    Fall auf kurze Sicht hin. Sie beinhaltet nichts Neues, sagt Jesper Juul und zieht
    eine Parallele zu den Experimenten des russischenForschers Ivan Pavlov mit Hunden,
    zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

    Falls die Hunde das Richtige taten, bekamen sie eine Belohnung in

    Form von Essen, und falls sie das Verkehrte taten, erhielten sie einen

    elektrischen Schlag. Somit lernten sie natürlich das zu tun, was ihr

    Besitzer wollte - und zwar mit Hilfe von Angst, Schmerz und Belohnung.

    Die „Time-out-Methode“ basiert auf demselben Gedanken und wurdemit
    dem Verständnis modernisiert, dass physische Gewalt nun durch

    den Ausschluss aus der Gemeinschaft ersetzt wird.

    ....

    Jesper Juul ist der Meinung, dass der Gebrauch der „Time-out-Methode“

    ein Schritt zurück sei.

    ... sie gehört zu einer Gruppe von Methoden und Strategien, die sehr
    alt sind und die aus einer autoritären Zeit stammen. Jetzt kommt sie in
    einer Form zurück, die anscheinend nicht so gewaltsam ist. In den

    Fernsehprogrammen um die „Supernanny“ gibt es z.B. eine
    Altersdifferenzierung. Ein dreijähriges Kind bekommt drei Minuten
    „time-out“, ein vierjähriges vier Minuten usw. Und die Türe zum

    Zimmer, in dem das Kind isoliert wird, soll offen stehen. Dies ist immer

    noch Machtmissbrauch, aber in einer humaneren und genießbareren
    Form.




    Ich habe großes Verständnis für Eltern und Pädagogen, die sich
    ohnmächtig fühlen und nicht wissen, was sie in gewissen Situat
    ionen den Kindern entgegenbringen sollen. Gleichzeitig dürfen wir nie

    vergessen, dass die Qualität des Verhältnisses zwischen Kindern und
    Erwachsenen ausnahmslos der Verantwortung der Erwachsenen
    obliegt. Wenn man Kinder in die Isolation zwingt, ist dies e
    ine klareBotschaft, die sagt, „Das ist deine Schuld. Wärst du lieb gewesen und

    hättest dich ordentlich aufgeführt, wäre dies nicht notwendig
    gewesen.“



    Quelle: Familylab.de

    Und dann noch

    Was schlagen Sie vor, dass Eltern oder Kindergärten tun sollten,

    wenn sich eine Situation oder ein Konflikt zuspitzt?


    -

    In der Familie können der Erwachsene und das Kind

    zusammen ein „Time-out“ nehmen

    .

    Sie können in einenanderen Raum gehen und vollkommen still sein. Dann kann

    man sehen, wer eine konstruktive Lösung für den Konflikt
    findet. Es ist viel besser, dass sich der Erwachsene ehrlich u
    nd entgegenkommend verhält und sagt: „Jetzt ist es am besten,

    wenn wir eine Pause machen, weil ich nicht weiß, was wir
    machen sollen.“

    Die Erfahrung zeigt, dass das Kind oft nach ein paar Minuten
    mit einem Vorschlag kommt. Falls nicht, kann der Erwachsene

    wiederholen: „Wenn es so zwischen uns wird, weiß ich nicht,
    was ich tun soll. Hast du einen Vorschlag?“ Das bedeutet nicht,
    dass das Kind zuerst verantwortlich gemacht werden soll,
    sondern in die Lösung einbezogen wird.
    Selbstverantwortung halt. Nicht Gehorsam. Gehorsam wird mit Gewalt erzwungen. Gewalt erzeugt Gegengewalt.... laberlaberlaber ja, es ist nicht ganz sooooooooooo einfach, aber so ähnlich... erklärt m.E. auch warum solche Bücher wie "Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden" Hochkonjunktur haben. Kinder sind Kopiermaschinen. Erstmal das eigene Verhalten checken, dann bräuchten viele Eltern schon kein Buch dieser Couleur mehr zu kaufen.

    Ich habe den Eindruck, dass hier eine weitere Generation (Achtung, Pauschalierungsalarm!) ihre Kinder kaputt erzieht.

    Nachtrag: Sorry, für die komischen Formatierungen, wie es mal so ist mit Copy & Paste...
    Geändert von snowhopper (10.11.2013 um 11:13 Uhr)

  2. #42
    Praline

    Gast

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Vielen Dank für Deine Antwort, Erin

    Reflektionsfähigkeit oder auch Leidensdruck können m.M.n. Antrieb für Veränderungen sein. Für sich genommen führen sie aber nicht automatisch zu Veränderung.

    Mit dem Wissen allein, dass Rauchen gefährlich ist, konnte ich nicht mit dem Rauchen aufhören.
    Für mich war aber das Wissen um die Gefährlichkeit der Antrieb, immer wieder auf das Thema zurückzukommen, solange bis ich es dann schaffte das Rauchen aufzugeben.

    Will sagen: Änderungen in meinem Denken und meinem Verhalten entwickeln sich unter Mitwirkung von beiden Instanzen, Verstand und Gefühl.

    Erin schreibt:
    Ich denke "Recht" ist in dem Fall eine Überzeichnung von "Der macht das aber auch"
    Keine Ahnung ob es Menschen gibt die wirklich denken sie hätten das Recht, aber es gibt Mensche die handeln so.
    Für sie ist diese Erklärung stimmig.
    Wenn das Denken bizarr ist, jedoch als stimmig empfunden wird (wie in dem Beispiel „zu glauben, sich ein Recht erleiden zu können“)
    denke ich, dass eine Verhaltensveränderung (z.B. Ausbruch aus einem schädigenden Wiederholungsmuster), zumindest zu diesem Zeitpunkt kaum möglich ist.

    Wenn ein Mensch traumatisiert ist, und seine (heute schädlichen) Überlebensmuster noch nicht loslassen kann/will, ist Verhaltensveränderung zu diesem Zeitpunkt wohl auch eher schwierig.

    Hm ...wie heißt es doch so schön: alles hat seine Zeit ......... es fällt mir aber immer noch schwer diese Erkenntnis in bestimmten Momenten auszuhalten
    Ich möchte am liebsten immer alles gleich und sofort

    Viele Grüße
    Praline

  3. #43
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 230

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    snowhopper schreibt:
    Ich bin ein großer Kritiker von "Timeout", "Jedes Kind kann schlafen lernen" und ähnlichen strikten Strukturierungen des kleinkindlichen Lebensalltags. M.E. Elternselbstschutzprogramme, die dazu dienen Eltern trotz ihres Elternsein ein Leben zu ermöglichen, in dem sie die Personen bleiben, die sie vorher waren. Sie grenzen sich oft so sehr von den Kindern ab, dass kaum Bindung entstehen kann. Dass sich mit dem Moment, wo die Eizelle befruchtet ist für Mann und Frau eine ganze Menge ändert scheint bei vielen nicht wirklich verankert zu sein. Das Resultat sind Kinder, die zu jeder Zeit auf sich allein gestellt sind, auch wenn allein noch gar nicht funktionieren kann, da Lösungsmodelle immer am Vorbild erlernt werden....
    [IRONIE] Aber Verantwortung 24/7 ist natürlich ein total überzogener Anspruch [/IRONIE] .
    Ich bin deiner Meinung, was das Timeout angeht (ich bin im Pädagogikbereich tätig). Logisch nachvollziehbare Konsequenzen bringen da mehr, finde ich. Es ist lächerlich zu glauben, dass ein Timeout die Lösung auf alles ist. Ich muss aber zugeben, dass ich die, im Artikel erwähnte Lösung des "coachen" bis sich ein Kind beruhigt, für fragwürdig halte. Meiner Meinung nach bringt es viel mehr sich mit dem Kind aus der Situation zu entfernen und abzuwarten, bis es sich von selbst beruhigt. Danach ist es viel aufnahmefähiger. Es ist natürlich nicht immer möglich sich zu entfernen aber es scheint mir doch mehr zu helfen, als auf ein wütendes Kind einzureden (vor allem, wenn es ADHS hat).

    Das mit der mangelnden Bindung macht mich aber doch etwas stutzig. Vielleicht ist es ja in Deutschland anders aber in der Schweiz erlebe ich eher das Gegenteil. Ich erlebe Kinder, die mit vier Jahren noch aus Babyflaschen trinken und nicht selbständig ein Becher halten können. Oder Kinder, die mit fünf immer noch Windeln tragen, obwohl sie durchaus physisch und psychisch in der Lage wären, trocken zu bleiben. Ich könnte noch viele andere Beispiele nennen, die um einiges schwerwiegender sind. Aber damit will ich eigentlich sagen, dass ich in letzter Zeit vor allem Eltern erlebe, die ihre Kinder überbehüten und ihnen wenig zutrauen.

    Ich finde auch, dass Bindung sehr sehr wichtig ist aber ich frage mich, was aus diesen Kindern wird, wenn sie erwachsen sind. So viel Überbehütung, nimmt den Kindern doch die Chance zu selbständigen und selbstbewussten Erwachsenen heranzuwachsen (ich will damit nicht sagen, dass du anderer Meinung bist! Ich wollte das Ganze nur aus einer anderen Perspektive beleuchten).

  4. #44
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    @ Snowhopper: Ich finde timeout bei ADSler um sich abzukühlen, beruhigen und nachdenken sehr sinnvoll, aber wenn es auch so signalisiert ist! So nach der Art "Wir kommen beiden nicht weiter, machen wir eine Pause und schauen wir später an?" Wenn es klar nicht als straffe presentiert ist, aber um eine möglichkeit wieder zu ruhe zu kommen, sehe ich nichts dagegen. Aber ich würde es auch nicht bei kleine Kindern benützen da sie noch Hilfe und Anleitungen brauchen im Umgang mit ihre Emotionnen.

    Ich merke selber wenn ich mich zurückziehe nach eine Streit oder etwas dass mich aufgewühlt hatte: da brauche ich tatsächlich Ruhe um alles eindrücken zu verdauen und wenn jemand mich "helfen will" und mich ablenkt, stresst mich noch mehr. Daher in solche situationen sehe ich auch bei Kindern sinnvoll eine kleine Pause zu machen, aber es darf mal auch eine Elternteil da schweigend und liebevoll anwesen sein. Natürlich hat es auch mit das Kind zu tun und auch je nach Alter... Manche brauchen vielleicht dass man da bleibt, anderen wollen lieber allein sein...

    lg

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