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Diskutiere im Thema ADHS und Bindungserfahrungen im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 1.004

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Rioja schreibt:
    Ich würde es nicht Feigheit nennen. Kinder sind den Eltern "ausgeliefert" und nur durch Verdrängung und Verleugnung sind sie teilweise in der Lage ihre Kindheit zu überstehen. Es ist ein Schutzmechanismus. Es ist aber nicht leicht, diese eingefahrenen Muster zu durchbrechen, bzw. zu erkennen, dass da `was schief gelaufen ist. Es ist auch nicht leicht, den Eltern die Schuld zuzuschieben, da es, und da gehe ich mit Alice Miller, in unserer Gesellschaft sich auch nicht gehört, Kritik an den Eltern zu üben.
    Teilweise geb ich dir Recht, aber nur teilweise: Es gibt trotzdem Entscheidungsspielräume, das zu tun und durchzusetzen, was nötig ist, um nicht kaputt zugehen und aus den Erfahrungen daraus im nächsten Schritt andere kaputt zu machen. Voraussetzung bleibt die Entscheidung, es zu tun, anstelle vor trügerischer Harmoniesucht allen mögliche Alltagskrimskrams und scheinbare Zwänge als Argumente so hoch zu hängen, um die eigenen Untätigkeit weich zu entschuldigen, freier zu werden! Das ist die Grenze zur Feigheit, wenn das weichliche Bett vermeintlich-harmonistischer Sicherheit den Mut einweicht, wenn Anhängigkeitsverhältnisse schon krank machen und den Blick auf ein gesundes Verständis von Heteronomie auf eine Lebenspektive hin eingetrübt sind, sobald feste Muster erstarrt sind:
    Angst-Abhängigkeiten -> Angst-Individualismus -> Angst-Bindung. Was soll da rauskommen?
    Mut-Autonomie -> Mut-Heteronomie. Mut = Entscheidung zu Eigenverantwortung!
    Dabei ist Bindung keineswegs ein Wert an sich, sondern ein Mittel, sofern es passt. Wenn es nicht passt, ist Bindung Unsinn. Mit Bindung muss es auch nicht besser werden, aber anders. Kommt halt drauf an, was verantwortet-aktiv gestaltet werden will. Auch Frage einer Entscheidung, in der harmonistische Weichheit dieses mühselige Arbeits-Projekt genauso zum Scheitern verurteilt wie draufgängerische Härte. Darauf disponieren, was man will und was eben gar nicht! Unentschiedenheit kostet nur sehr viel Zeit, Stillstand und die Muster spuren sich weiter ein. Wer in der Hinsicht verloren gehen will, soll es tun.

    Langer Rede kurzer Sinn:
    1. Um sich drehen macht nach der Analyse keinen Sinn mehr, wenn Klarheit da ist, was zu tun ist.
    2. Unterscheiden,
    (a) wer Bindung nicht kann und die sein lassen, erst recht wenn's um notorische (eingemauert-verstockte) Zyniker geht, die noch weiter infizieren! Sache, worauf Wahrnehmung fokussiert!
    (b) besser sehen wer Bindung gut leben kann, d.h. als Mittel für einem tatsächlich-gegenseitigen Mehrwert für beide und mehrere: davon lernen, sein Inneres damit vollsaugen wie einem trockenen Schwamm Wasser gut tut und keine Wüste! "Ich-will-so-bleiben-wie-ich-bin"-Einbahnstraßenegozentrik gehört in die Margerinewerbung, was Annahme des tatsächlich Unveränderlichen nicht ausschließt, sondern voraussetzt: Die Mitte ist es!
    3. Mut Einsichten umzusetzen und Erfahrungen zu sammeln, und zwar aus unweigerlichen (!) neuen "Fehlern" anstelle aus notorisch-verstockt-zynischer Wiederholung der altbekannten. Nichts wird je perfekt und braucht es auch nicht. Wer nicht entschieden immer weiterlernen will, hat keine Chance und soll sich einmauern.
    4. Liebesfähigkeit bzw. das "Gefühl" hat mit "Bindung" soviel zu tun wie ein Sonnenkraftwerk mit einem e-Bügeleisen an der Steckdose. Wer bügeln will braucht Strom, der nie und nimmer vom Bügeleisen erzeugt werden kann! In einem gewissen Rahmen sind gebügelte Hemden wichtig. Ich bau aber auch kein Kraftwerk, nur weil ich bügeln will! Wen jucken unterm Strich gebügelte Hemden?!?

    Lg
    L.
    Geändert von Loyola ( 8.11.2013 um 16:52 Uhr)

  2. #12
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.456

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Hallo Loyola,

    Ich sehe anders... Wer sich nicht entwicklet ist nicht feigt, aber entweder starr er von Angst oder ist noch nicht bereit dazu. Sich selber zugeben dass einiges in sein Leben nicht stimmt kann sehr schmerzhaft sein, braucht auf stabilitàt und es gibt wirklich phasen im Leben wo einiges anders Prioritäten hat.

    Ich bin wirklich überzeugt dass jeden Mensch stark nach entwicklung und weniger leiden strebt, dass wir in uns auch Selbstheilungkräften haben (sonst würden die Therapie auch nicht nützen,m wenn da nichts gibt), aber alles braucht Energie, Raum und Zeit und manchmal sind Menschen mit einiges anders, genau so wichtig, beschéftigt.

    Ich arbeite lange an mich... Es gab schweren Zeiten, aber immer konnte ich es bewähltigen. Aber mit der zeit, weiss ich auch, dass wenn ich nicht so schnell vorwärtskomme wie gewünscht, dass es nur meine tempo ist die ich respekieren muss! Ich hatte auch einige Traumata erlebt und verarbeitet, viel später. So eine heftige Sache kann nicht einfach so angeschaut und gearbeitet werden. Es ist meistens mit sehr heftige Emotionen verbunden. Sogar Fachleuten sagen, dass zuerst sich selber stabilisieren wichtig ist. Oft können äussere Umständen dabei helfen: Stabile beziehungen, stabile materielle Situation. Eine gewisse Sicherheitgefühl ist wichtig. Eine solche Abendteuer einzugehen ist auch einfacher wenn man jung und fit ist... Daher verstehe ich auch wenn alte Menschen, die schon in eine zeit gelebt haben, wo man anders gedacht hatte und wo die meistens ehe schon vieles anders, wichtig um die Ohren hatten (überleben: arbeiten+Kindern grossziehen), heute diese kraft nicht mehr haben.
    Manchmal sind auch die Umständen so dass es tatsächlich für der betreffend besser ist, im Moment, zu verdrängen.

    Sonst wenn ich vorher von Gewalt gesprochen habe die man nicht mehr als solches wahrnimmt, weil sie normal ist, sind so Sachen gemeint wie sich selber zu vielen Vorschriften machen und andere Vorschriften machen, was sie tuen sollen... Wir urteilen über uns selber und über anderen, schauen auf Leistungen und werden dadurch mal auch krank... Dabei, hat man, wie die Tieren eine überlebensinstinkt der uns oft in der richtige Richtung weist, aber in unsere Kultur wird er ehe nicht so geachtet und respektiert... Irgendwie, vielleicht weil ich wegen mein ADS manche Impuls nicht steuern kann, hatte ich doch irgendwie Zugang gehabt zu meine Instinkt und immer, wenn ich es gefolgt hatte, ist es gut gekommen. Man nennt es auch Bauchgefühl... Manchmal sagte mich mein Bauchgefühl dass mich jetzt eine Pause gut tuen würden oder weist mich in ein andere Richtung als manche Menschen meinten, es sei gut.

    Ja, man hat Entscheidungfreiraum, aber nicht nur ob man faul bleibt oder sich bewegt, aber auch ob man etwas gemütlich nach seine Rythmus macht oder sich selber druck macht. Um mich sehe mehr Menschen die dazu neigen auf sich selber (und auf anderen auch!) Druck zu machen, als richtig faule Menschen. Aber oft, wer nur seine eigene Rythmus folgt, kann schon als faul gelten...

    Damit will ich nicht sagen dass wir keine Regeln brauchen! Aber viele können wir, dürfen wir hinterfragen ob sie wirklich sinnvoll sind oder nicht.

    Ich bin immer wieder von Tieren verblüft die zwar vor allem ihre Instinkt folgen, nicht nach Vorschriften leben und nicht weniger friedlich miteinandere umgehen (Konflikten haben sie auch!) als Menschen.

    lg

  3. #13
    MeinerEiner

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.128

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Ich denke man muss in dem Fall generell zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden.
    Natürlich haben Kinder Strategien entwickelt um die Kindheit zu überleben. Kinder mit ADHS reagieren wie in dem ersten Artikel beschrieben empfindlicher als andere und entwickeln daher noch mehr Schutzmechanismen. Gleichzeitig sind ADHS-Kinder noch mehr Kritik und Zurechtweisungen ausgesetzt als andere Kinder was es noch schwieriger für sie macht.

    Im Endeffekt heisst das für mich aber nichts anderes als dass ein Mensch mit ADHS als Erwachsener mehr aufzuarbeiten hat.

    Ich vermisse oftmals bei Anderen den Willen an sich zu arbeiten. Die Bereitschaft zu analysieren warum etwas nicht funktioniert und es dann zu ändern.
    Ob das nun aus Feigheit, Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit oder mangelndem Reflektionsvermögen geschieht kommt wahrscheinlich auf den Einzelnen an.

    Da werden lieber Ausreden, genannt Erklärungen/Begründungen, bemüht um nichts ändern zu müssen.
    Natürlich sind wir mit 18/20 das Produkt unserer Kindheit allerdings liegt es in userer Verantwortung ob wir irgendwann mehr sind als das.
    Dieser Verantwortung stellen sich leider nicht alle. Menschen entwickeln sich unterschiedlich schnell weiter. Manche sehr schnell weil sie aktiv an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten und manche nur im Schneckentempo weil sie zu jeder noch so kleinen Änderung gezwungen werden müssen.

  4. #14
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 1.004

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Es geht ja nicht um äußerliche Kategorien und Fremdbewertungen wie "faul" oder so, sondern um konkrete Entscheidung, was für das eigene Leben wertvoll ist und was nicht: für das Gute entschieden Spielräume sehen, sie durch konkrete Erfahrung aktiv breitermachen(!) und entschieden nutzen;

    das Krankmachende gleichzeitg ganz entschieden begrenzen, wer nicht auf den großen Ozeanen des Mehrheitszynimus mit dem sanft-lullenden Du-Darfst Liedchen auf's Lebensende hinschippern will !

    Jeder ist frei, das zu tun - auch im Ozean einbahnstraßenhafter Selbstschutzmechanismen in die Straßengräben zu donnern. Eine Erklärung, warum sich Schutzmechanismen ausprägen ist keine Entschuldigung, sie nicht zu korriegieren!?! Bei den Motivationen für wiederholt-notorischen (!) Aufschub spielt Feigheit die Schlüsselrolle, sofern über Problem analytisch Klarheit besteht. Was ist schimmer: leben in Harz iv oder im Gewalthaus... Z.B. eine Entscheidung, wo Feigheit eine Rolle spielt, sofern die Gemütlichkeit des warmen Goldkäfigs eine Rolle spiel.

    Ein entschiedener Ausstieg aus einem angstgeprägten Schauplatz ist - wie oben gesagt - Voraussetzung: Hat - sofern Klarheit besteht - auch mit den dialektischen Polen Mut und Feigheit zu tun und auf welchem Ohr man mehr hört...

    Irgendwann ist der Zug abgefahren und was das Timing des rechten Zeiptpunkts betrifft, stellt sich die Grundfrage, was man wirklich aufschieben kann bzw. sollte und was nicht - auch eine Entscheidung...

    Ob ADHS im engeren Sinn der Dopamintransmitterstörung hier das eigentliche Problem ist, glaub ich nicht, höchstens als Verstärker - nicht als Ursache...
    Lg
    Geändert von Loyola ( 8.11.2013 um 16:47 Uhr)

  5. #15
    Praline

    Gast

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    mj71 schreibt:
    Ich sehe anders... Wer sich nicht entwicklet ist nicht feigt, aber entweder starr er von Angst oder ist noch nicht bereit dazu.
    Dieser Aussage kann ich mich anschliessen.

    Ich hatte mit Anfang 20 für über 10 Jahre den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen.
    Dann gab‘ es eine Phase von 3-4 Jahren, in der ich einen sehr eingeschränkten Kontakt zugelassen habe, um diesen dann aber für immer zu beenden.

    Meine Eltern sind nicht in der Lage sich selbst resp. ihr Verhalten infrage zu stellen. So ist dann auch kein weiterer gemeinsamer Weg möglich.
    Sie sind als traumatisierte Kriegskinder gefangen in ihren Überlebensmustern. Würden sie ihr eigenes Verhalten reflektieren, droht ihnen, ihr einst erlittenes Leid zu spüren,
    was sie aber um jeden Preis vermeiden wollen, weil sie es offenbar nicht aushalten könnten.
    Ich akzeptiere dieses inzwischen, und lebe mein Leben ohne diese beiden traumatisierten Menschen.

    Was zuerst da war -ADHS oder eine Bindungsstörung- weiss ich nicht zu sagen.
    Ich weiss nur, dass meine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme in der Kindheit / Schulzeit zu immer heftigeren (Bindungs-)Störungen zwischen meinen Eltern und mir geführt haben.
    Leider haben sie versucht, mich mit körperlicher Gewalt, „auf die Bahn zu bringen“ („die kann doch wenn sie nur mal wollte; die ist doch nur bockig und renitent; das werden wir ihr schon austreiben“).
    So wurde ich durch zwei misshandelnde, traumatisierte Kriegskinder zu einem traumatisierten Kriegsenkel, ohne jemals selbst im „richtigen“ Krieg gewesen zu sein.
    Wobei … Zuhause herrschte ja auch Krieg, nur mit anderen Waffen.

    Feigheit .. hm ... über Feigheit würde ich in diesen Zusammenhängen weniger sprechen. Es stellt sich mir mehr wie ein unheimliches Wiederholungsdrama dar.
    Wenn ein Mensch es nicht schafft, sich selbst zu reflektieren, weil es einfach zu heftig für ihn ist, handelt es sich um eine Form des psychischen,
    überlebensnotwendigen (?) Selbstschutzes, oder?
    So hatte ich es zumindest verstanden. Und sie können, weil sie die eigenen Schmerzen um jeden Preis vermeiden wollen, nicht wahrnehmen wann sie selbst von Opfern zu Tätern werden.
    (Da sie die eigenen Schmerzen ja eben nicht spüren, können sie die Schmerzen, die sie anderen zufügen auch nicht spüren. Keine Empathie für sich - keine Empathie für Andere).

    Früher hatte ich Zorn und richtige Wutgefühle auf die Täter (meine Eltern). Ich habe auch manches mal den Fehler begangen, und habe diese Wut dann an Anderen ausgelassen, weil ich die Zusammenhänge damals noch nicht wirklich begreifen konnte. Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, was los war.
    (Ich konnte auch erst in einer langanhaltenden, sicheren Lebensphase andere Perspektiven meines Lebens aushalten.)

    Instinktiv habe ich jedoch immer geahnt, dass ich aufgrund dieser tückischen Wiederholungsgefahr besser auf eigene Kinder verzichten sollte.
    Heute wo ich die Zusammenhänge verstehe und die Wechseljahre auch durch sind, bedauere ich manchmal keine eigenen Kinder bekommen zu haben.
    Andererseits: ich brauchte bei den erlittenen Verletzungen einfach sehr lange um mich wieder ganz zurück zu bekommen. Ich habe mich wieder. Und darüber bin ich froh

  6. #16
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 241

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Loyola, ich gehe im Großen und Ganzen mit Dir, wobei ich nicht weiß, ob ich alles so verstanden habe, wie Du es gemeint hast

    Es gibt trotzdem Entscheidungsspielräume, das zu tun und durchzusetzen, was nötig ist, um nicht kaputt zugehen und aus den Erfahrungen daraus im nächsten Schritt andere kaputt zu machen.
    Klar, nur reagieren Menschen nunmal sehr unterschiedlich und haben auch unterschiedliche Wesensmerkmale. Ich kann keinen verurteilen, der nicht den Mut hat, sich dagegen zu stemmen. Es hängt auch maßgeblich vom Umfeld ab, ob er davon Unterstützung erhält, oder eben auch extremen Gegenwind, was noch mehr Kraft erfordert. Woher soll er die denn nehmen? Ist doch auch nur endlich. Eine andere Sache ist auch, dass man gar nicht weiß, was einen erwartet. Man lebt in seinem eigenen Mikrokosmos. - Ich bin damals in der DDR aufgewachsen. Die Konsumgüter waren da doch eher eingeschränkt Ich habe aber nix vermißt, weil ich es nicht anders kannte. Ähnlich ist es doch mit den Personen, die ihr Leben lang unter widrigen Bedingungen aufgewachsen und gelebt haben. Sie kennen nix anderes. Da bedarf es extrem großen Mutes, sich aus seiner alten Haut zu schälen!

    2. Unterscheiden,
    (a) wer Bindung nicht kann und die sein lassen, erst recht wenn's um notorische (eingemauert-verstockte) Zyniker geht, die noch weiter infizieren!
    (b) besser sehen wer Bindung gut leben kann, d.h. als Mittel für einem tatsächlich-gegenseitigen Mehrwert für beide und mehrere: davon lernen, sein Inneres damit vollsaugen wie einem trockenen Schwamm Wasser gut tut und keine Wüste!
    Auch recht hart. Wenn ich mich selber da mal als Beispiel nehme. Ich bin eigentlich beziehungsunfähig. Ich bin nicht in der Lage ein 100% Vertrauen aufzubauen und 100%-ige Nähe zuzulassen. Dass ich eine mittlerweile 14-jährige Beziehung habe, liegt allein an dem Umstand, dass mein Mann mich so nimmt, wie ich bin und mir meinen Freiraum lässt. Ich selbst wäre nicht in der Lage so weit auf ihn zuzugehen, wie es vielleicht in der normalen Partnerschaft der Fall ist. Mir ist das bewusst, ich weiss das. Die Gefühle lassen sich aber nicht mit dem Kopf steuern. Es gab eine Zeit, da wollte mein Mann mehr von mir, als ich ihm geben konnte. Da ich wusste, dass das für ihn wichtig ist, habe ich ihm die Zuwendung gegeben, meine Gefühle waren dann aber abgespalten ... Es war nur noch eine reine Kopfsache. Ich fürchte mal, da wird sich bei mir auch nicht mehr viel ändern. In der dafür vorgesehenen Entwicklungsstufe lief es wohl ziemlich schief und die kann man nicht mehr nachholen. Heißt für mich, zu akzeptieren wie ich bin und hoffen, dass es für meinen Partner reicht, was ich geben kann.

  7. #17
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.456

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    @ Erin: Ich habe auch der Eindruck, dass vielen nicht an ihnen arbeiten... Eigentlich, so lange dass es irgendwie läuft, dass der leidendruck erträglich ist, ist auch die Motivation nicht so gross dazu.

    Dabei sehe ich auch eine Vorteil meine ADS, die sensibilitàt dazu und die mehr an schwierigkeiten: es ist mich alles rasch unerträglich geworden und es hat mich gezwungen etwas zu tun. Es ging wirklich um èberleben... Darum, juckt es mich nicht wenn anderen faul sind: ich musste selber echt tief fallen. Aber ich war auch jung (21) und konnte auch nicht viel früher machen, obwohl ich doch vorher ein bisschen angefangen, da es mich schon bewusst war dass einiges nicht gut läuft.

    @ Loyola: ich sehe es auch wie eine Entscheidung mit seine Konsequenzen... macht man es wie es einem was bringt und hilft sich völler zu fühlen hat man auch rasch die Belohnung... Wer sich weigert dort etwas zu machen, wird irgendwie auch weiter leiden.

    Von dem her ist es auch etwa fair...

    Ein andere Aspekt die dazu kommt sind auch die äussere Umständen und vor allem wie verfügbar nützlich hilfe ist... ADS als diagnose ist relativ modern und die Generationen früher hatten diese weg nicht... es gab anderen... Viele Chaoten auf diese Forum haben auch sehr lange Hilfe gesucht... Es kann auch einem verzweifelt machen und der falsche Eindruck erwecken von Feigheit. Wieviele therapieresistenten Depression verstecken eine ADS?

    Heute ist fast Pflicht geworden an sich zu arbeiten, was Druck macht, kann auch konstruktiv sein, aber hat auch ihre Nachteilen, dass irgendwie alles therapiert sein musst bist es nicht mehr geht. Diese druck hatte ich auch gespürt, obwohl ich gar nicht faul geblieben bin, aber hatte nun meine Schwierigkeiten die ich mich nicht erklären konnte und nicht so wegnehmen konnte. Früher war Normal so zu lassen wie es war...

    Vielleicht reagiere ich auch auf was du schreibst etwa empfindlich: Druck habe ich oft erlebt, obwohl ich mich selber druck gemacht hatte! Nun, manchmal ging es irgendwie nicht weiter oder es gaben Hindernissen. übrigens, erlebe ich auch immer wieder dass gerade Druck, mich in diese Bereich stark hemmen kann. Ich brauche Liebe und Geduld um mich richtig entwicklen zu können! Nur so kann ich dort schauen gehen, ohne Angst, wo es wichtig ist zu schauen um weiter zu kommen. Nur so kann ich mich meine Gefühlen und Emotionen gegenüber öffnen und ich weiss dass es die Tor ist zu Wachstum, in jeden Fall bei mich...


    @ Praline: ich stimme dich zu! Deine Beispiel mit deine Eltern leuchtet mich ein! Es gibt wirklich Situationen wo es gefährlich ist einiges zu fühlen... Ich bin selber durch meine Traumata gegangen, hatte ich da wieder gefühlt und es ist wirklich sehr heftig! Es braucht dazu schon einige Bedingungen dass man daran nicht kaputt geht...

    @ Rioja: ich denke sogar, der umfeld, die lebenumständen spielen da eine sehr grosse rolle! Nur wenn es einem genug tràgt ist etwas méglich. Ich habe mal gelesen dass im krieggebiet in unsere welt, Kindern viel rezilienter sind wenn sie in ihre Familie Geborgenheit erleben... Es zeigt deutlich wie wichtig der umfeld ist... Eigentlich gibt eine gute Therapeut auch geborgenheit, damit der patient sich öffnen kann und damit einiges aufarbeiten kann.

    Ich finde deine beispiel mit deine partnerschaft sehr interessant! Eigentlich finde ich die Fähigkeit, Sachen die man im Moment nicht verändern kann, so zu nehmen wie sie sind, damit sich abfinden, eigentlich auch wertvoll... Früher hatten sich Menschen mit vieles mehr einfach abgefunden, weil es auch nicht anders wirklich ging. In meine Augen auch ein Weg... Vor allem dann, wenn schon vieles probiert war. Im Moment, bin ich auch wieder dran mich mit einiges, was mich nicht so passt, aber dass ich nicht wirklich ändern kann, mich abzufinden und annehmen. Schwieriger ist mich dann auch von Umfeld abzugrenzen, der da rasch Faulheit sieht! Es geht um mein ADS und was einfach, 6 jahren nach der Diagnose sich kaum geändert war, obwohl es auch lästig sein kann. Aber es geht mich besser wenn ich es einfach so nehme wie es ist. Etwas so annehmen wie es ist, kann auch der Leidendruck vermindern... Also, es hilft auch.

    lg

  8. #18
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 1.004

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Die Gefahr besteht, mit Erklärungen die Peiniger stockholmmäßig aus ihrer Verantwortung zu nehmen und - ich mein jetzt niemanden persönlich, sondern den Mechanismus - in der nächsten Situation zu meinen, dasselbe "Recht" für sich erlitten zu haben: Das Einfallstor einer zynisschen Gedanken- und Lebenspirale... Eine Erklärung ist keine Entschuldigung und kein Grund, Verantwortung abzustreifen! Die Bewertung so einer Geschichte und ob aus der Erklärung Arbeit wird oder Abspaltung ist bei entsprechender Klarheit über die Lage auch Entscheidungssache, die unterschiedliche Konsequenzen hat...

    Die Aggression der Eltern hätten sich ausnahmslos zu jedem (!) Zeitpunkt anders einsetzen lassen! Die Frage "warum-nicht" führt zurück in zynische Erklärungen, mit denen man sich m.E. erst recht nicht in lebensentscheidenden Fragen abspeisen lassen darf! Hier geht es um alles.
    Lg
    L.
    Geändert von Loyola ( 8.11.2013 um 19:44 Uhr)

  9. #19
    MeinerEiner

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.128

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Rioja schreibt:


    Klar, nur reagieren Menschen nunmal sehr unterschiedlich und haben auch unterschiedliche Wesensmerkmale. Ich kann keinen verurteilen, der nicht den Mut hat, sich dagegen zu stemmen.
    Ich kann!
    Was jemand mit seinem eigenen Leben macht ist seine Sache, aber sobald er/sie damit jemand abhängigen (meistens Kinder) damit kaputt macht hört der Spass auf.
    Jeder Erwachsene hat einen Entscheidungsspielraum und die Fähigkeit aus der Vergangenheit zu lernen. Wer seine Kinder kaputt macht obwohl es genug Spielraum gab es nicht zu tun den kann ich sehr gut verurteilen.

    Ich bin da allerdings auch parteiisch weil ich mein ganzes Erwachsenenleben damit beschäftigt bin den Schaden auszugleichen.

    Ich habe in meiner Familie ein positives und ein negatives Beispiel vor Augen. Das Negative kann ich sehr gut verurteilen.

    Es hängt auch maßgeblich vom Umfeld ab, ob er davon Unterstützung erhält, oder eben auch extremen Gegenwind, was noch mehr Kraft erfordert. Woher soll er die denn nehmen? Ist doch auch nur endlich. Eine andere Sache ist auch, dass man gar nicht weiß, was einen erwartet. Man lebt in seinem eigenen Mikrokosmos. - Ich bin damals in der DDR aufgewachsen. Die Konsumgüter waren da doch eher eingeschränkt Ich habe aber nix vermißt, weil ich es nicht anders kannte. Ähnlich ist es doch mit den Personen, die ihr Leben lang unter widrigen Bedingungen aufgewachsen und gelebt haben. Sie kennen nix anderes. Da bedarf es extrem großen Mutes, sich aus seiner alten Haut zu schälen!
    Es gibt aber auch Menschen die viel Unterstützung haben und überhaupt keinen Gegenwind und trotzdem nichts ändern weil es so bequemer ist.
    Da bedarf es keinen Mutes sondern nur ein klein wenig gesunden Menschenverstandes und ein wenig Rückgrad sollte auch dabei sein.
    Ein wenig Zuneigung für jemand anders als sich selbst hilft durchaus auch.

    Wenn der Hauptmotivator die eigene Bequemlichkeit und das eigene Wohlergehen ohne Rücksicht auf Verluste ist dann funktioniert es natürlich nicht.

  10. #20
    MeinerEiner

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.128

    AW: ADHS und Bindungserfahrungen

    Was mir in dem Zusammenhang noch einfällt:

    Auf meine ToDo-Liste steht schon länger die Beschäftigung mit gewaltfreier Kommunikation Gewaltfreie Kommunikation
    Ein Eckpfeiler ist das Anerkennen der Verantwortung für eigenen Gefühle und Handlungen.

    Andersrum ausgedrückt nicht-gewaltfreie Kommunikation ist gekennzeichnet durch das Leugnen ebendieser Verantwortung.
    Mit konsequent gewaltfreier Kommunikation nimmt man sich selbst jegliche Ausreden und Rechtfertigungen.

    Das 100%ig konsequent durchzuziehen stelle ich mir sehr schwer vor, aber der Ansatz und die Idee dahinter fasziniert mich.

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