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Diskutiere im Thema Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS? im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #111
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Apollo_1012 schreibt:
    Psychopathie wird erworben. Wenn man aktuellen Publikationen folgen möchte, in den ersten 18 Monaten des Lebens.
    Was auch durchaus schon im Mutterleib geschehen kann. Ob man das dann trotzdem erworben oder angeboren sehen will....
    Aber ansonsten halte ich 'erworben' auch für den Hauptfaktor. Also nicht der geborene Killer, sondern eher das mögliche Ergebnis von etlichen Umfeldbedingungen und Veranlagungen.


    Apollo_1012 schreibt:
    Der Schaden ist irreparabel, diese Menschen können nicht erfolgreich therapiert werden. Zumindest da besteht eine Gemeinsamkeit mit ADS, aber das ist beliebig.
    Sehe ich anders. Wenn man therapierbar mit heilbar gleichsetzt, mag der Vergleich zutreffen. Abseits davon hinkt er - für mich - gewaltig. Denn wo einem Psychopathen das was fehlt nicht an-therapiert werden kann, er bestenfalls aus großer Langeweile oder um aus dem Knast zu kommen einen auf Krankheitseinsicht und Behandlungserfolg mimen wird, da kann einem Adhsler durch Therapie sehr geholfen werden.

    Denn wenn ein Adhsler straffällig geworden ist, dann spielen dabei meist vollkommen andere Faktoren eine Rolle als mangelndes Mitgefühl oder gar gezielte Schädigung anderer zur eigenen Befriedigung. Meist sind da eher mangelnde Impulskontrolle, Folgestörungen von unbehandeltem Adhs und ähnliches ursächlich.

    Also Dinge die sogar sehr erfolgreich therapiert und dadurch teils geheilt und teils auf ein sozial verträgliches Minimum reduziert werden können.

    mj71 schreibt:
    Ich hatte gedacht, psychophatie sei als veranlagung genetik,
    Ich denke beides ist möglich, gilt ja für viele Störungen. Auch eine Veranlagung zu Depressionen kann vererbt werden. Was und wie es sich dann später zeigt hängt aber eben stark vom Umfeld ab. Jemand mit entsprechender angeborener Veranlagung, der in einem stabilen-liebevollen Elternhaus aufgewachsen ist, wird seine Neigung vielleicht später 'nur' als Wirtschaftshai oder Politiker ausleben und das vielleicht sogar ohne selbst bewusst schädigend agieren zu wollen. Solche Menschen können Familien haben und ihrer Frau und den Kindern tatsächlich positive Gefühle entgegenbringen! Ohne das zu erfinden und vorzuspielen.

    Der 'reine' Psychopath, wie er im Kino gern verissen wird, braucht - denke ich - meist sehr viel mehr als 'nur' angeborene Veranlagung. Wenn man sich durch das 'Who is Who' der Serienkiller liest, findet man bei jedem Einzelnen extrem negative Einflüsse die bereits in frühester Kindheit gegeben waren. Einflüsse, die auch Menschen ohne psychopatische Veranlagung ausreichend negativ beeinflussen können, um später entsprechende Neigungen zu entwickeln.

    In einem vorigen Post hast du über Psychopathen geschrieben, dass sie anscheinend sehr gut Gefühle erkennen, sie aber nicht verstehen können. Das unterschreib ich dir so, denn das habe ich nicht nur gelesen sondern auch so erlebt.

    Wer gut darin ist, die Gefühle anderer zu erkennen, wird meist für besonders mitfühlend gehalten. Eine Reaktion die es Psychopathen leicht macht, gerade dank ihres fehlenden Mitgefühls völlig unerkannt zu bleiben. Als Meister der Manipulation ist so jemand auch kaum darauf angewiesen, das was er da erkennt wirklich selbst durchfühlen-verstehen zu können. Es reicht ihm meist völlig aus, es erkennen und dann nutzen zu können.

    Wenn es jedoch nicht der Psychopath ist, der bei dir das intensive Gefühl ausgelöst hat, dass er gerade an dir beobachtet, ist er vollkommen blind dafür worum es da geht! D.h. du könntest einen Anruf bekommen der dich schockiert weil eine gute Freundin einen Unfall hatte, auflegen und behaupten es wäre etwas völlig anderes gewesen. Egal ob "Hund der Eltern gestorben" oder "Ex-Freund hat deiner Freundin erzählt du wärst ihm zu fett gewesen".

    Klingt absurd, aber für die Ursache und was genau in dir selbst die von ihm erkannte Gefühlsreaktion erzeugt, ist ein Psychopaht weitgehend blind. Er kann raten und anhand seiner Beobachtungen versuchen abzuschätzen welches Ereignis welche möglichen (Mit-)Gefühle auslösen kann, doch das ist bei normalen Menschen extrem unterschiedlich. Wo einer über das eben gesehene humpelnde Kätzchen weint, mag ein anderer erst auf extremste Schicksalsschläge so reagieren.

    Der Vergleich hinkt, aber ein besserer fällt mir gerade nicht ein:

    Stell dir vor du wirst blind geboren und versuchst die Farbe Rot zu verstehen.
    Du kannst ein Meister darin werden, die emotionalen Reaktionen anderer Menschen auf diese Farbe zu erkennen. Zwischen dunkelrot und zartrosa wirst trotzdem nie unterscheiden können. Du wirst nie begreifen was Farbnuancen sind und wie du an den Reaktionen Anderer 'sehen' solltest welche Abstufung von Rot da gerade Auslöser ist.
    Geändert von auri ( 1.08.2013 um 09:47 Uhr)

  2. #112
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.423

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Hallo auri,

    Ich denke beides ist möglich, gilt ja für viele Störungen. Auch eine Veranlagung zu Depressionen kann vererbt werden. Was und wie es sich dann später zeigt hängt aber eben stark vom Umfeld ab. Jemand mit entsprechender angeborener Veranlagung, der in einem stabilen-liebevollen Elternhaus aufgewachsen ist, wird seine Neigung vielleicht später 'nur' als Wirtschaftshai oder Politiker ausleben und das vielleicht sogar ohne selbst bewusst schädigend agieren zu wollen. Solche Menschen können Familien haben und ihrer Frau und den Kindern tatsächlich positive Gefühle entgegenbringen! Ohne das zu erfinden und vorzuspielen.

    Der 'reine' Psychopath, wie er im Kino gern verissen wird, braucht - denke ich - meist sehr viel mehr als 'nur' angeborene Veranlagung. Wenn man sich durch das 'Who is Who' der Serienkiller liest, findet man bei jedem Einzelnen extrem negative Einflüsse die bereits in frühester Kindheit gegeben waren. Einflüsse, die auch Menschen ohne psychopatische Veranlagung ausreichend negativ beeinflussen können, um später entsprechende Neigungen zu entwickeln.
    So meine ich auch! Mit veranlagung aber mit tolle eltern wird der mensch kaum auffällig werden, aber wird der kindheit miese, dann kann es schlimm kommen. Dabei da es viele menschen mit eine miese kindheit die trotzdem nicht so weit kommen und trotzdem einfühlsam sein können, spricht für mich auch dass ein teil veranlagung ist. Eine ADSler mit eine schlimme kindheit kann wohl auch im knast landen, aber einiges sieht irgendwie anders aus...

    In einem vorigen Post hast du über Psychopathen geschrieben, dass sie anscheinend sehr gut Gefühle erkennen, sie aber nicht verstehen können. Das unterschreib ich dir so, denn das habe ich nicht nur gelesen sondern auch so erlebt.

    Wer gut darin ist, die Gefühle anderer zu erkennen, wird meist für besonders mitfühlend gehalten. Eine Reaktion die es Psychopathen leicht macht, gerade dank ihres fehlenden Mitgefühls völlig unerkannt zu bleiben. Als Meister der Manipulation ist so jemand auch kaum darauf angewiesen, das was er da erkennt wirklich selbst durchfühlen-verstehen zu können. Es reicht ihm meist völlig aus, es erkennen und dann nutzen zu können.
    So kann ich mich auch vorstellen! Und ich kann mich auch vorstellen, dass sie ihre fähigkeit gefühlen zu erkennen (von aussen) wirklich als kompensationstrategie entwickeln, um das zu kompensieren was ihnen fehlt. irgendwie mit diese welt klar zu kommen wollen sie auch. Manipulation dient dazu einfach zu ihre sachen zu kommen. Jeden mensch hat wünschen und bedürfnissen und finden wegen dazu zu kommen.

    Wenn es jedoch nicht der Psychopath ist, der bei dir das intensive Gefühl ausgelöst hat, dass er gerade an dir beobachtet, ist er vollkommen blind dafür worum es da geht! D.h. du könntest einen Anruf bekommen der dich schockiert weil eine gute Freundin einen Unfall hatte, auflegen und behaupten es wäre etwas völlig anderes gewesen. Egal ob "Hund der Eltern gestorben" oder "Ex-Freund hat deiner Freundin erzählt du wärst ihm zu fett gewesen".

    Klingt absurd, aber für die Ursache und was genau in dir selbst die von ihm erkannte Gefühlsreaktion erzeugt, ist ein Psychopaht weitgehend blind. Er kann raten und anhand seiner Beobachtungen versuchen abzuschätzen welches Ereignis welche möglichen (Mit-)Gefühle auslösen kann, doch das ist bei normalen Menschen extrem unterschiedlich. Wo einer über das eben gesehene humpelnde Kätzchen weint, mag ein anderer erst auf extremste Schicksalsschläge so reagieren.
    Sehr interessant! Daher wird für ihm auch schwierig sein, wenn er eine beziehung hat...

    Stell dir vor du wirst blind geboren und versuchst die Farbe Rot zu verstehen.
    Du kannst ein Meister darin werden, die emotionalen Reaktionen anderer Menschen auf diese Farbe zu erkennen. Zwischen dunkelrot und zartrosa wirst trotzdem nie unterscheiden können. Du wirst nie begreifen was Farbnuancen sind und wie du an den Reaktionen Anderer 'sehen' solltest welche Abstufung von Rot da gerade Auslöser ist.
    Gute vergleich! Dabei kann ich auch daran denken, wie stinos für mich oft eine rätsel war, bevor ich irgendwie von ADS wusste und daher was bei mich anders ist als bei ihnen. Aber mein verständnis bleibt oberflächig, für einige sachen. Ich sehe von aussen, kann einordnen, aber mich nicht vorstellen wie es ist, weil ich es nicht kenne... Es geht natürlich nur bei gebieten wo ich "anders bin", weil bei alles was ich mit ihnen gemeinsam habe, kann ich echt gut missfühlen oder von innen verstehen.

    Vielleicht ist diese "gegenseitige" unverständnis der meine interesse weckt an andere "anderssein". Also psychopathen gehören nicht zu mein lebensgeschichte, ich höre nur ab und zu sachen die ich nicht nachvollziehen kann und daher interessiert mich zu wissen, zu "verstehen" wie ein mensch dazu kommen kann...

    An diese sendung, wo sie darüber geredet haben, gab es auch bildern: sie zeigten verschiedene serienmörder die es kalt gemacht hatten und ich spürte dass ihre blick leer und kalt waren, gab es mich hühnerhaut.

    Sie zeigen auch bildern von frauen die laufen (von hinten) und scheinbar konnten sie gute opfer herausspüren... Da konnte ich nichts diferenzieren, es war ja verschiedene frauen am laufen von hinten, aber sah ehe ähnlich aus von bewegungen...

    lg

  3. #113
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    mj71 schreibt:
    Vielleicht ist diese "gegenseitige" unverständnis der meine interesse weckt an andere "anderssein".
    Ich hab generell die merkwürdige Tendenz gerade Dinge die 'von der anderen Seite meines Weltbildes' zu kommen scheinen, besonders gründlich zu durchleuchten. Vielleicht ein möglicher Adhs-Nebeneffekt? "Andersartig" aufgrund eigener Andersartigkeiten besonders interessant finden?

    Die Religion die ich ablehne, kenne ich z.B. besser als die jeder überzeugte Anhänger der je mit mir darüber geplaudert hat. Gleiches passiert mir öfter mit anderen Themen die ich 'auf die andere Seite' packen würde. Bislang bin ich damit in meinem Umfeld eine Ausnahme. Vielleicht bloß mangels Adhslern in diesem Umfeld? (Wär vielleicht mal ne Umfrage wert...*überleg*)

    Der empathische Adhsler als natürlicher Gegenpol zum empathielosen Psychopathen. Wäre doch auch mal ne interessante These oder nicht?

  4. #114
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.423

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Und wenn diese interesse einfach nur unsere natürliche neugier wäre? Ich merke dass ich in viele bereichen sehr neugierig bin und daher eine sehr breites wissen mich angeeingnet habe... Beruflich habe ich auch in viele verschiedene bereichen gearbeitet und interesse gehabt wie es da geht. Andere länder, andere kulturen, andere zeiten interessieren mich auch...

    Ja, ADler und psychophaten sind irgendwie schon gegenpolen, da der psychopath auch dazu die fähigkeiten scheint zu haben sachen sich zu merken und zu planen... Also, ihre frontalhirn funktionniert bei ihnen einwandfrei (so kommt mich vor).

    lg

  5. #115
    Apollo_1012

    Gast

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    ...es funktioniert perfekt, denn sie haben keine dem anderen Menschen zugewandten Emotionen, keinerlei Empathie.

    Daher sind sie in der Lage, in wenigen Sekunden Stärken und Schwächen des Gegenüber zu erkennen und ihn zielsicher zu treffen.

    Gerade als ADSler spürt man ganz deutlich, wenn man so jemanden gegenüber hat:

    Sie wechseln blitzschnell die Ebene, von Sachbezug zu persönlichen Angriffen und zurück. Sie verarbeiten Deine Reaktion und während Du Dich noch schüttelst, läuft schon der nächste Test: Anfassen, am Arm oder Schulter, dabei etwas verbindliches sagen, aber inhaltlich eigentlich nichts. Sie testen dann, ob sie das Thema der Unterhaltung über Körperkontakt bestimmen können. Usw...hinter dem "wir müssen doch" steckt immer ein "du musst"...

    Diese Menschen sind sau gefährlich. Das einzige, was der ADSler dem entgegenzusetzen hat ist, dass er aufgrund seiner Störung vollkommen unberechenbar ist. Als ich aufgehört habe mit dem Versuch, den Psychopathen zu verstehen oder seinem kranken Gedankengang zu folgen, irritierte ihn das mehr und mehr. Ich habe dann immer das gemacht, was er nicht erwartet hat, aber eben nichts in Sequenzen wiederholt, das hätte er wieder blitzschnell erkannt, sondern vollkommen unvermittelt Haken geschlagen - mit Guerilla-Taktik können Psychopathen nicht umgehen.

    Das ultimative Ziel ist allerdings - beschrieben in "Masken der Niedertracht" - ihn dazu zu bringen, sich mit einem anderen Opfer zu beschäftigen. Das Interesse verliert er nur und nur dann, wenn sein Aufwand den Nutzen deutlich übersteigt.

    LG
    Apollo

  6. #116
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.423

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Sehr interessant dein erfahrung! Interessant auch zu lesen dass gerade unsere unberechenbarkeit für ihnen auch eine herausforderung (nicht nur für psychpathen, stinos haben damit auch mühe!).

    Da ich keine erfahrung damit, kann ich nicht mal sagen, ob ich so jemand erkennen kann... Aber vielleicht sind sie für mich so unsympathisch dass ich eben keine nah begegnet bin... Eben was ich alles von euch lese, gibt mich zum teil hühnerhaut... Es sind die sachen die ich lieber fliehe...

    Aber wer weiss? Daher besser wissen, dass es so was überhaupt gibt...

    lg

  7. #117
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Apollo_1012 schreibt:
    Gerade als ADSler spürt man ganz deutlich, wenn man so jemanden gegenüber hat:
    Ich halte das Gegenteil für richtig. Was nicht als Zweifel an vorhandenem Gespür gemeint ist. Denn das will ich niemandem absprechen.

    Doch wenn jeder Mensch ein Psychopath wäre, der allein im letzten Jahr in meinem Umfeld oder bei meinen Internetausflügen so bezeichnet worden ist, dann wären - grob hochgerechnet - allein in Deutschland ca. 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Psychopathen.

    Ich denke es kommt - mal wieder - sehr auf die Einordnung an. In dem genannten Buch werden verschiedene Formen von niederträchtigem Verhalten beschrieben, wie sie von den Betroffenen verschiedener Persönlichkeitsstörungen gezeigt/ausgelebt werden können. Einige davon mögen durchaus leicht oder mit genug Übung und Wissen erkennbar sein. Bei einigen davon mögen bestimmte Strategien sinnvoll sein und durch eigene nüchterne Anwendung dieser Dinge zum Ziel führen können.

    Bei dem was ich einen Psychopathen nennen würde, einen Profi, packe ich getrost 90 bis 100 Prozent dieser Ideen als vollkommen sinnfrei beiseite. Denn wo z.B. ein Narzisst sich zu Verhalten oder Körpersprache versteigen mag, die ihn erkennbar machen, weiß ein Psychopath wie man davon ablenkt. Ablenkung die nichts mit dem IQ, dem Charakter, dem vorhandenen Wissen, Lebenserfahrung oder anderen möglichen 'Skills' seiner Opfer zu umgehen wäre.

    Ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Doch es wird auch ab da viel heftiger auf neue Feuer reagieren, trotz bestmöglicher, rational wohldurchdachtester und sehr hart antrainierter Strategien die bei drohender Wiederholung helfen sollen nicht erneut 'verbrannt' zu werden.

    Ein Psychopath weiß das zu nutzen und erzeugt den Eindruck eines Feuers an anderer Stelle als bei sich selbst, lange bevor man überhaupt auf die Idee kommen könnte, in die richtige Richtung zu blicken. Ich habe schon 'gebrannte Kinder' mit enormer Selbstbeherrschung, antrainierten Strategien und wirklich erfolgreich Feuer löschen sehen, die garnicht vorhanden waren. Während das echte Feuer mit freundlich menschelndem Blick daneben stand, sich sozial perfekt angepasst und integriert jedem Zweifel entzogen hat und einfach nur abzuwarten brauchte bis das Opfer zu abgelenkt vom falschen Feuer war. Um dann seelenruhig zur Tat zu schreiten und dabei nichtmal mehr die bösen Absichten verbergen zu müssen. Denn wer mit aller Kraft in eine andere Richtung sieht, ist blind für das was von hinten kommen wird.

    Apollo_1012 schreibt:
    mit Guerilla-Taktik können Psychopathen nicht umgehen.
    Die Sorte von der ich spreche braucht das auch garnicht zu können. Auch bei Psychopathen ist von gering bis sehr hoch jeder IQ anzutreffen. Wo ein 'Stümper' sich taktisch vielleicht tatsächlich gut ausmanövrieren lässt, wird ein 'Profi' dafür sorgen, dass man garnicht erst die Chance erhält überhaupt an Taktiken zu denken, wenn man in seine Richtung blickt.

    Man ist bereits manipuliert worden, bevor man erkennen kann, dass überhaupt jemand verdächtig sein könnte. Fängt man an zu glauben ihn zu erkennen, sieht man nicht ihn sondern sein Ablenkungsmanöver an und konzentriert sich emotional und rational mit aller Kraft auf diese Richtung.

    Der Psychopath dieser 'Größenordung' ist normalen Menschen taktisch weit überlegen, ihn auf seinem eigenen Spezialgebiet schlagen zu wollen ist - meiner ganz persönlichen Meinung nach - der schlimmste Fehler, den man machen kann. Denn sowas erzeugt gefühlte Sicherheit/Absicherung die eine Illusion ist und die ein 'Profi' so leicht und begierig zu erkennen weiß wie einen Empathen. Opfer sind die bestmögliche Wahl dafür erneut zum Opfer zu werden. Das was Schutz geben soll, lässt sich schockierend leicht dazu benutzen, jeglichen möglichen Selbstschutz vollkommen unerkannt zu unterwandern.

    Ich weiß, dass ich selbst auf so eine Ansage noch geraume Zeit lang nach dem 'Feuer' ziemlich unwirsch reagiert hätte. Weils falsch klingt, weils an der gerade wieder im Aufbau befindlichen inneren Sicherheit kratzt und rüttelt. Weil man sich als erfahren sehen will und das Gefühl sich eine Art Schutzprogramm aufbauen zu können dringend braucht, um überhaupt mit dem längst vergangenen Brand weiterleben zu können.

    Doch inzwischen ist mir klar, dass ich mit solchen Illusionen genau das noch leichter möglich machen könnte, was mich bereits beim letzten Feuer fast zerstört hätte. Ich würde dem nächsten Psychopathen eine zusätzliche sehr leicht zu treffende Zielscheibe geben und sie neben vorhandenem Mitgefühl auf meinen Rücken kleben.

    Ich kann zwar tatsächlich inzwischen etliche Signale niederträchtiger Menschen sehr früh erkennen und auch immer öfter rational und 'mich rettend' darauf reagieren. Doch ein 'Profi' war nicht dabei und mir genau diesen Punkt mit aller Kraft einzubläuen, hält mich - hoffe ich jedenfalls - zumindest davon ab, auf Ablenkungs-Feuer loszugehen wenn welche auftauchen. Kein sehr hilfreicher Rat für Andere, nichts was ich auch nur bei mir selbst für eine richtig tolle Strategie halten würde. Aber wenigstens lässt es mir die Hoffnung darauf, weder zum Mittäter noch erneut zum Opfer zu werden.

    Apollo_1012 schreibt:
    Das ultimative Ziel ist allerdings - beschrieben in "Masken der Niedertracht" - ihn dazu zu bringen, sich mit einem anderen Opfer zu beschäftigen. Das Interesse verliert er nur und nur dann, wenn sein Aufwand den Nutzen deutlich übersteigt.
    Halte ich - zumindest in der Theorie erstmal - bei vielen möglichen Formen niederträchtigen Tuns für eine interessante und bestimmt auch mehr oder weniger umsetzbare Taktik.

    Bei dem was ich als 'reinen' Psychopathen sehen würde - ganz ohne damit fundierte Fachkenntnisse vortäuschen zu wollen, die hab ich nicht und das ist mir bewusst - könnte ich nicht damit leben, mich zum Mittäter gemacht zu haben. Denn derart extrem zerstörerisches Treiben zu überleben (psychisch oder physich oder gar beides) ist ein unglaublich seltener Glücksfall. Es gibt für mich - den Teil den ich an mir als wesentlich und unverzichtbar betrachte - KEIN Argument, dass mir so eine Ablenkung rechtfertigen könnte. Obwohl ich verdammt viele gute, logische, rationale, vertretbare, menschliche Argumente ausprobiert habe um es evtl. doch als mögliche Option für mich sehen zu können.

    Jedes einzelne denkbare Argument wäre für mich Selbstbetrug und ich wüsste es von der ersten Sekunde an. Mag sein, dass mich das irgendwann einmal erneut zum Opfer macht und ich weiß, dass so ein absurdes Glück da rauszukommen eher nicht zweimal den gleichen Menschen treffen wird. Doch mit dem Wissen wozu mich meine Angst vor dem Psychopathen getrieben hätte und wie weit mich das von dem mitfühlenden Menschen entfernen würde, der ich bis genau zu so einem Verhalten bleiben könnte, danach jedoch nie wieder sein würde.....wäre ich genauso zerstört wie es ohne Ablenkung auf Dritte geschehen kann.

    Dann lieber nur ich selbst, ohne dem Psychopathen auch noch ein weiteres Opfer schmackhaft zu machen. Mittäter aus den bestmöglichen Absichten heraus habe ich einfach schon zuviele selbst erleben müssen, um mir selbst so ein Handeln je verzeihen zu können, sollte es dazu kommen. Egal welche Absichten ich dabei gehabt haben könnte.

  8. #118
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Wildfang schreibt:
    Wenn ich mir das so zusammengerafft durchlese - dann sind Psychopathen ADHSler denen die Empathie komplett fehlt. Hm.
    Ich habe es mir zwar nicht durchgelesen, aber Deine Formel stimmt, vereinfacht zusammengefasst: ADHS + Dissoziale Persönlichkeitsstörung (älterer Begriff: Psychopathie) = Forensik.

  9. #119
    Apollo_1012

    Gast

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    @Auri: danke für Deinen wertvollen Beitrag.

    Ich habe bis vor einiger Zeit den Begriff Psychopath mit dem gleich lautenden, umgangssprachlichen Vorwurf vermischt. "Der Psycho hat dies oder das gemacht." Das ist gefährlich, denn es stellt eine extreme Verniedlichung des forensischen Befundes dar.

    Klinisch gesehen beziehe ich mich auf das, was meine Frau (die ist vom Fach) erst kürzlich von einer Weiterbildung über echte Psychopathen mitbrachte: Nicht heilbar, extrem gefährlich, müssen weggesperrt werden und können nicht therapiert werden. Leider weiß man das immer erst, wenn sie als Täter verurteilt wurden. Viele sind aber extrem angepasst und lassen sich gar nicht erst zu Gewalttaten hinreißen oder dabei erwischen.

    Wer es mit einem Psychopathen zu tun bekommt, der sollte grundsätzlich tief ducken und schnell laufen können. Ich wollte hier auch nicht den Eindruck erwecken, es wäre mit ein wenig Geschick diesen Menschen beizukommen. Ganz im Gegenteil. Da gebe ich Dir Recht. Aber wenn man aus bestimmten Gründen - zum Beispiel im Rahmen von Familienstreitigkeiten - nicht ausweichen kann, dann muss man sich irgendwie stellen. Und da gibt es leider genau 2 Möglichkeiten: Die eine ist die mit dem Hammer (kommt nicht in Frage, außer in Notwehr) und die andere ist die, ihn von einem abzubringen. Da er sich wie ein Kampfhund verbeisst, und zwar in der ersten Sekunde (Du hast Recht), gelingt das nur selten und mit viel Glück. Im Prinzip muss man etwas vollkommen überraschendes tun (das meinte ich mit Guerilla-Taktik) und hoffen, dass er einen Moment nicht aufpasst. Dann so schnell wie möglich weg. Er wird dann suchen, wenn er nichts findet, wird er frustriert sein und dann -leider- ein anderes Opfer suchen. Selbstverständlich kann man sich auch ein Leben lang als Opfer anbieten. Wir haben diesen Menschen überall markiert, andere Menschen gewarnt. Dennoch hat er mühelos weitere Opfer gefunden und treibt nach wie vor sein Unwesen. Er ist halt "so sympathisch und so nett und freundlich, man glaubt ja kaum, was für ein Monster dahinter steckt..."

    Wichtig ist mir: Der ADSler ist so ziemlich das Gegenteil eines Psychopathen. Wir Menschen bestehen nicht aus Legobausteinen und wenn man den roten und den blauen entfernt, dann wird aus einem ADSler ein Psychopath. Das ist IMHO "Unsinn", denn dann kann ich mir jede beliebige Krankheit "basteln". So ist das menschliche Gehirn aber nicht aufgebaut.

    Ich könnte nun erzählen, was mit Psychopathen in den ersten 18 Monaten angestellt werden muss, damit sie sich prächtig zu diesen Monstern entwickeln, aber das würde hier am Thema vorbeiführen und neue, wesentlich heftigere Diskussionen über Bindung, Mutter, Frustrationstoleranz Fremdbetreuung usw. entfachen. Bei den allermeisten liegt keine genetische Hirnschädigung vor, sondern eine erworbene Störungen durch ganz bestimmte, klar erforschte seelische Misshandlungen in den ersten 18 Monaten. Und dabei geht es nicht in erster Linie um sexuelle Misshandlung, so viel sei gesagt.

    Die Forschung läuft weiter, es gibt unterschiedliche Meinungen und Ansätze, ich schildere hier nur Ansätze von einer Richtung. Man kann auch anderer Auffassung dazu sein.

    Einen Psychopathen erkenne ich, da bin ich mir sicher. Es kann aber ein wenig dauern, leider meistens zu lange. Wenn ich sie erkannt habe, mache ich mich uninteressant und ziehe einen weiten Bogen.

    LG
    Apollo

  10. #120
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.423

    AW: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS?

    Hallo alle,

    @ Auri: sehr interessant deine erklärungen. Dabei kommt mich etwas durch der kopf: psychopathe können menschen sehr gut durchschauen und daher gute opfer finden. Da sie ehe kalt kalkulieren können, nehme ich an, dass sie ehe lieber einfache und pflegeleichte opfer wählen... Aber vielleicht gibt es auch wirklich profit die mal eine herausforderung möchten...

    @ Eisenlein: liest bitte noch ein teil von diese thread. Klar, es gibt der dissozial persönlichkeitstörung der wohl auch ADS betreffen kann. Solche die zu impulsiv sind um sogar gesetzliche grenzen zu respektieren und auch aufgegeben haben... Sie reagieren impulsiv, emotional und planen auch nicht... Aber wir reden auch von ein andere typus der nicht zu verwechselt ist: menschen (psychopathen) die kein einfühlungsvermögen haben, aber körpersprache sehr gut deuten können, andere deswegen sehr gut manipulieren können und die auch ihre schlimme taten sehr gut planen und dabei kalt sind und danach keine reue verspüren (ADSler sind zu reue fähig, wenn sie mist bauen).

    Ich finde, beide typus von menschen die man zwar im knast finden kann, sind doch in ihre art zu ticken sehr unterschiedlich und daher nicht zu vermischen! Dabei ist genau was diese artikel macht, wenn du die 20 punkten liest: einiges kann zu ADS passen, einige anders gar nicht, entspricht etwas ganz anders.

    @ Appolo: interessant deine schilderung. Wegen angeboren oder vererbt: ich denke, nicht jeden mensch der als baby schlecht behandelt war entwicklet sich zu psychopathe. Ich habe von andere quelle mitbekommen, dass es dazu auch eine bestimmte veranlagung braucht. Ist die veranlagung da, aber liebevolle eltern, wird diese menschen vielleicht etwa "kommisch" aber nicht gefährlich. Ich kann mich dann auch vorstellen, dass ein baby der von veranlagung ist, wenig empathisch ist, bei liebevolle eltern sehr viel lernen kann, wie sich liebevoll zu verhalten...

    Als beispiel: bekannten von mich haben ein adoptierte sohn aus roumanien... Er kommt aus eine weisenhaus und dort sind die bedingungen echt unmenschlich... Klar, diese junge (er ist 15 jahren alt) hat einiges sehr wichtiges verpasst besonders was um beziehungfähigkeit geht... Er ist tollpatschig. Bei ihm war auch noch ADS diagnostisiert (was vielleicht ehe schon als veranlagung da ist) und sonst ist er geistig behindert... Er ist sehr unreif in seine verhalten, reizoffen, tollpatschig, aber weder emotionenlos, manipulativ oder kalt... Er hat eigentlich so wenig von ein psychopath, trotzt seine sehr schwierige anfängen im leben. Auch seine liebevolle adoptiveltern könnten nicht ganz wieder gutmachen was früh kaputt gegangen war.

    Ich werde ehe immer misstraurig wenn man alle extremen und abnormalen im menschliche verhalten nur mit die erziehung erklären will... So wird leider auch mit ADS gemacht, obwohl die erbliche anteil bewiesen ist... Klar, da auch, redet die biographie mit. Zum bespiel, war bei dissoziale persönlichkeitstörung die auf grundlage von ADS sich aufbauen lässt, gleichzeitig stark ausgeprägte ADS und eine sehr schwierige kindheit gefunden. Ist nur eine starke ADS da, aber liebevolle eltern, kann es trotzdem schwierigkeiten geben, aber nicht so ausgeprägt... Daher gebe ich nie die eltern oder der umfeld der ganz schuld...

    lg

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Thema: Psychopathie - Ähnlichkeit mit ADHS? im Forum ADS ADHS: Presse, Medien bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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