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Diskutiere im Thema Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 41

    Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    Hallo

    Aus einem anderen Grund war ich heute auf der Homepage des Polizeipräsidiums Mannheim und bin auf folgendes Präventionsprogramm gestoßen. Es scheint mir noch am ehesten bei Presse und Medien zu passen:

    Zappelphilipp

    Dort finde sich folgende Überschrift:

    "Frühe Hilfe für Kinder mit hyperaktiv – antisozialen Verhaltensstörungen (ADHS) in Mannheim"

    Was mich hier tierisch ärgert ist die Gleichsetzung von ADHS und antisozialer Verhaltensstörung. Es haben sicherlich so einige ihre Probleme mit Beziehungen. Aber deshalb diese Gleichsetzung dass scheint mir dann doch übertrieben.

    Ich habe es aber nicht bei Nonsens mit rein gesetzt da dass ZI beteiligt ist und die doch recht gut sind auf dem Gebiet der ADHS-Forschung.

    Momentan weiß ich nicht so recht was ich davon halten soll. Was meint ihr dazu? Sollte es übrigens das falsche Unterforum sein, dann bitte verschieben.

    Viele Grüße

    BB

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 2.680

    AW: Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    Au weia
    ja Du hast recht: das ist in den Formulierungen schon starker Tobak.
    Wie kan man denn da intervenieren?

    Was fällt mir den so alles auf:
    • die schon ewähnte Gleichsetzung ADS mit Antisoziale Verhaltensstörung
    • Die Behauptung, 9 Prozent "davon" betroffen seien. Gängige Prävalenzen sind eher 5 %
    • "9 Prozent der Stadtkinder" zusammen mit "Elterntraining zur Stärkung von erzieherischen Kompetenzen" (findet noch jmd was?) transportiert wieder mal die Vorstellung, es handle sich um ein Erziehungsproblem
    • Ganz alllgemein das Gefühl, dass es hier um Verhaltensgestörte geht, nicht um ADS (die meisten oder alle ADS-Betroffenen haben Verhaltensauffäligkeiten, aber es gibt auch andere Verhaltensgestörte - z.B. durch mangelhafte Erziehung... das ist dann aber KEIN ADS)
    • Die 9% sind also eher Verhaltensgestörte (incl. ADS) als ADS-Fälle.
    • Ich finde das etwa so geschmacklos, wie z.B. eine AIDS-Prävention an das Thema Homosexualle Männer zu koppeln nach der Methode "AIDS = Schwule = häufige (beliebige?) Partnerwechsel = riskantes (selbstverschuldetes, verantwortungsloses) Sexualverhalten = selber schuld (zur Info: ich teile KEINE EINZIGE dieser pauschalen Gleichsetzungen)


    Ich glaub, ich überlege mirmal ein Statement, das ich an die angegebenen emailadressen schicke.
    Schreib ich hier aber vorher zum komentieren

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    Für mich ein klarer Fall von "der Pfad zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert".

    Die Fehldiagnose einer Neurologin auf APS anstelle Adhs hatte für mich - als Erwachsene - so traumatische Folgen, dass ich mir garnicht vorzustellen wage, was es für ein Kind bedeuten könnte.

    Der erste Eindruck zählt und der verbindet dort Adhs mit APS. Da mag später relativiert werden so viel möglich ist, allein die Einleitung reicht bereits aus um für katastrophale Folgen zu sorgen. Kein Wort darüber das Adhsler oft überproportional empathisch sind und mögliche kriminelle Schäden vielfach nicht aus Absicht sondern aus mangelnder Impulskontrolle entstehen und das bei antisozialen Strukturen eher gegenteilig ist. Auch kein Wort darüber dass Adhsler viel zu oft fehldiagnostiziert werden und diese Fehldiagnosen - leider oft auch auf APS - schwerste Folgeschäden wie Traumata, Stigmatisierung, Fehlbehandlung, Selbsthass auslösen können.

    Von dem Adhs-Kind das sich plötzlich als antisozial abgestempelt in einer solchen Gruppe wiederfinden muss und ggf. mit Kindern konfrontiert wird, deren mitleidslosen Handlungen es nichts entgegenzusetzen hat, mal ganz abgesehen....

    @Ion Tichy

    Ja bitte, mach das. Ich habe selbst sofort darüber nachgedacht was man denen wie schreiben könnte. Allein schon um eine Rückmeldung zu geben wie diese Aufmachung ihres Projekts auf Betroffene wirkt. Vielleicht bewirkt es nicht, vielleicht öffnet es aber auch ein bisschen den Blick dafür, wo ihre guten Absichten zu horrenden "Nebenwirkungen" führen könnten.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 2.680

    AW: Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    Sehr geehrte Frau Hilberger,

    auf dieser Seite des Polizeipräsidiums Mannheim wird ein Projekt in einer Zusammenarbeit mit Ihnen und dem ZI Mannheim beworben:
    Verein Sicherheit in Mannheim e.V.

    Auf dieser Seite wird durchgängig ADHS mit Antisozialer Persönlichkeitsstörung gleichgesetzt.
    ADHS bedeutet aber, wie Sie sicher wissen, durchaus nicht "Hyperaktiv - Antisoziale Verhaltensstörung", sondern "Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung".

    Antisoziales Verhalten als Folgestörung einer ADHS ist sicher eine verbreitete Komorbidität, aber viele ADHS-Betroffene sind eher sehr empathisch, hilfsbereit und verfügen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
    Umgekehrt tritt antisoziales Verhalten auch bei nicht-ADHS-Betroffenen auf, insbesondere im Zusammenhang mit Psychopathischen Störungen. ADHS und APS sind also zwei völig verschiedene Dinge.

    Eine solche Falschdarstellung ärgert mich als Betroffener sehr, insbesondere, da sie nicht nur im Namen der Polizei zu sprechen scheint, sondern auch im Namen des bezüglich ADHS ausgesprochen renomierten ZI Mannheim.

    Eine solche Darstellung hintertreibt seriöse Aufklärung über das Thema ADHS, das ohnehin unter einer sehr schrägen öffentlichen und medialen Wahrnehmung leidet.

    Einige unangenehme Details, die mir aufgefallen sind:


    • die schon ewähnte Gleichsetzung ADS mit Antisoziale Verhaltensstörung
    • Die Behauptung, dass 9 Prozent "davon" betroffen seien. Gängige Prävalenzen sind eher 5 %
    • Die Aussagen "9 Prozent der Stadtkinder" zusammen mit "Elterntraining zur Stärkung von erzieherischen Kompetenzen" transportiert wieder mal die Vorstellung, es handle sich bei ADHS um ein Erziehungsproblem
    • Ganz allgemein das Gefühl, dass es hier um Verhaltensgestörte geht, nicht um ADS (die meisten oder alle ADS-Betroffenen haben Verhaltensauffäligkeiten, aber es gibt auch andere Verhaltensgestörte - z.B. durch mangelhafte Erziehung... das ist dann aber KEIN ADS)
    • Die 9% sind also eher Verhaltensgestörte (incl. ADS) als ADS-Fälle.


    Ich finde das etwa so geschmacklos, wie z.B. eine AIDS-Prävention an das Thema Homosexualle Männer zu koppeln nach der Methode "AIDS = Schwule = häufige (beliebige?) Partnerwechsel = riskantes (selbstverschuldetes, verantwortungsloses) Sexualverhalten = selber schuld (zur Info: ich teile KEINE EINZIGE dieser pauschalen Gleichsetzungen)

    Ich nehme an, dass der Text ohne Ihre Mitwirkung entstanden ist. Dennoch würde ich sie darum bitten, gegen diese Darstellung an geeigneter Stelee zu protestieren. Sie ist für ADHS Betoffene Stigmatisierend und Diskriminierend.

    mfg,

    -------------
    Mit leichten änderungen an den Polizeimenschen:
    (Änderungen hervorgehoben. In der email natürlich nicht mehr)
    -------------
    Sehr geehrter Herr Himburg,

    auf dieser Seite des Polizeipräsidiums Mannheim wird ein Projekt in einer Zusammenarbeit mit Ihnen und dem ZI Mannheim beworben:
    Verein Sicherheit in Mannheim e.V.

    Auf dieser Seite wird durchgängig ADHS mit Antisozialer Persönlichkeitsstörung gleichgesetzt.
    ADHS bedeutet aber, wie Sie wissen sollten, durchaus nicht "Hyperaktiv - Antisoziale Verhaltensstörung", sondern "Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung".

    Antisoziales Verhalten als Folgestörung einer ADHS ist sicher eine verbreitete Begleiterscheinung , aber viele ADHS-Betroffene sind eher sehr empathisch, hilfsbereit und verfügen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
    Umgekehrt tritt antisoziales Verhalten auch bei nicht-ADHS-Betroffenen auf, insbesondere im Zusammenhang mit Psychopathischen Störungen. ADHS und APS sind also zwei völig verschiedene Dinge.

    Eine solche Falschdarstellung ärgert mich als Betroffener sehr, insbesondere, da sie nicht nur im Namen der Polizei zu sprechen scheint, sondern auch im Namen des bezüglich ADHS ausgesprochen renomierten ZI Mannheim.

    Eine solche Darstellung hintertreibt seriöse Aufklärung über das Thema ADHS, das ohnehin unter einer sehr schrägen öffentlichen und medialen Wahrnehmung leidet.

    Einige unangenehme Details, die mir aufgefallen sind:


    • die schon ewähnte Gleichsetzung ADS mit Antisoziale Verhaltensstörung
    • Die Behauptung, dass 9 Prozent "davon" betroffen seien. Gängige Schätzungen über ADHS liegen eher bei 5 %
    • Die Aussagen "9 Prozent der Stadtkinder" zusammen mit "Elterntraining zur Stärkung von erzieherischen Kompetenzen" transportiert wieder mal die Vorstellung, es handle sich bei ADHS um ein Erziehungsproblem
    • Ganz allgemein das Gefühl, dass es hier um Verhaltensgestörte geht, nicht um ADS (die meisten oder alle ADS-Betroffenen haben Verhaltensauffäligkeiten, aber es gibt auch andere Verhaltensgestörte - z.B. durch mangelhafte Erziehung... das ist dann aber KEIN ADS)
    • Die 9% sind also eher Verhaltensgestörte (incl. ADS) als ADS-Fälle.


    Ich finde das etwa so geschmacklos, wie z.B. eine AIDS-Prävention an das Thema Homosexualle Männer zu koppeln nach der Methode "AIDS = Schwule = häufige (beliebige?) Partnerwechsel = riskantes (selbstverschuldetes, verantwortungsloses) Sexualverhalten = selber schuld (zur Info: ich teile KEINE EINZIGE dieser pauschalen Gleichsetzungen)

    Ich gehe davon aus, dass die genannten Fehldarstellungen Unbeabsichtigt und Unbedacht entstanden sind. Als ADHS-Betroffener bin ich da sehr nachsichtig, solche Schnitzer unterlaufen mir selbst zu häufig. Dennoch würde ich sie darum bitten, diese Darstellung so nicht stehen zu lassen. Sie ist für ADHS Betoffene Stigmatisierend und Diskriminierend.

    mfg,

    --------------
    Die zweite Fassung würde ich cc an die Pressestelle Impressum weiterleiten.

    Kann ich das so schreiben ?
    Dann schicke ich das heute Abend ab.

    @ Auri:

    ja, bitte, schick doch am besten auch was.
    Doppelt hält besser.
    Geändert von IonTichy (28.04.2013 um 20:00 Uhr) Grund: berlinbarbars korrektur ...

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 41

    AW: Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    Hallo Ion

    Der Text ist super. Aber beim Lesen haben die Deutschlehrer-Gene meines Großvaters angeschlagen :
    nicht "Hyperaktiv - Antisoziale Verhaltensstörung", sondern "Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung".

    Antisoziales Verhalten als Folgestörung
    "n" raus, "k" rein. Tschuldige, kann einfach nicht anders

    Grüße

    BB

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 2.680

    AW: Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    ...Danke fürs Korrekturlesen.

  7. #7
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.456

    AW: Hyperaktive antisoziale Verhaltensstörung

    Hallo IonTichy,

    Ich finde dein Text super!

    lg

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