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Diskutiere im Thema Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Anscheinend ein Interview mit Frances Allen anlässlich der Tagung des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus

    Ein Kämpfer wider den Diagnosewahn - - tagesanzeiger.ch


    Ich finde, die Kritik ist berechtigt, könnte aber in die falsche Richtung steuern.

    Zumindest aus der Sicht eines erwachsenen ADSlers, der erst kürzlich diagnostiziert wurde.

    Eine Gesellschaft muss für Probleme sensibler und offener sein.

    Dann könnten auch Fehldiagnosen weniger werden, weil mögliche Ursachen bekannter und Anzeichen früher erkannt werden.....
    Dafür muss sich aber die Gesellschaft pro Mensch verändern.
    Dann wird vielleicht auch nicht jedes Problem eine Krankheit.

    Den abschliessenden Vorschlag das DSM ausgerichtet für Grundversorger (ich denke mal da sind die Hausärzte gemeint) umzuschreiben mit dicken Warnungen, finde ich aber auch kritisch.
    Wer ihn benutzt, und wie, darauf kommt es m.E. schon an.

    Eine aktuellere und bessere Weiter-Bildung der Allgemein- und Kinderärzte wäre da vielleicht noch eher sinnvoll. (Weiss ich aber eher nichts drüber, nur eine Vermutung) Aber dort sprechen die Menschen schliesslich ihre Probleme zuerst an.

    Nichtsdestotrotz, es gibt immerhin einen Katalog, der Klassifizierungen und genauere Diagnostik möglich macht, der eventuell besser und schneller angepasst werden muss, (und zwar ohne finanzielle Interessen) aber besser, als keine Aufmerksamkeit gegenüber z.B. dem Aufmerksamkeitsdefizithyperakt ivitätssyndrom
    Geändert von stargazer (12.12.2012 um 13:40 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Ich glaube der schüttet das Kind mit dem Bad aus.

    Ich habe das Gefühl dass wir bei den niedrigschwelligen Therapien, den Logopäden, Ergotherapeuten und und wirklich deutlich überdiagnostiziert sind. Vor allem Kinder, viel Eltern rennen - verständlich für jeden der mal mit Kind auf einem Spielplatz war - panisch zum Therapeuten wenn das Kleine nicht mit x Monaten+3 Wochen schaukelt, der Ergo macht die 10 Einheiten liebend gerne denn sie schaden nicht und helfen garantiert: Mit x Monaten+13 Wochen könnte das Kind nämlich auch ohne Thera schaukeln. Wenn dann aber wirklich was vorliegt wie bei meiner Tochter ist das alles vergebene Mühe - dann helfen diese Therapien nämlich auch nach 60 Einheiten nichts mehr, nur begleitend.

    ADHS, Borderline, Depressionen und Co, also die heftigeren Dinger bei denen ein Psychiater angesagt ist, sind meiner Meinung nach eher nicht überdiagnostiziert sondern werden nur immer vollständiger erkannt, da ist die Steigerung einfach eine bessere Versorgung. Hier braucht es aber bessere Aufklärung und Schulung um die Differenzialdiagnosen und die passenden Therapien besser hinzubekommen.

    Ich würde mal gerne wissen wie viel Menschen mit der Diagnose "Depression" in Wirklichkeit ADHS haben und wie viel hier im Forum rumspringen die zwar ein Massives Problem haben aber nicht ADHS ...

  3. #3
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Hallo,

    Grundsächlich finde ich dass jeden der leidet, auch hilfe braucht. Wie man dann seine leiden nennt ist nicht so wichtig, so lange dass die behandlung hilft und wirkt. Es braucht einfach eine name dazu...

    Ich habe auch der eindruck, ADS wird noch zu wenig anerkannt und noch viel abgestritten.

    Wo ich gefahr sehe, wenn es zu viel im detail geht, ist dass vieles was gar nicht so pathologisch ist, stigmatisiert wird, dass leute mehr gedrängt werden zu perfekten glück oder zur norm. Aber es kann auch weiter sein, dass nur wer leidendruck spürt zu arzt geht... Aber zu norm gedrängt zu werden löst auch leidendruck aus...

    Ich habe der eindruck, je mehr es sich in diese gebiet entwicklet, je mehr gibt es ein druck im gesellschaft glücklich zu sein und zu funktionnieren... Dabei sind wir menschen, manchmal sind wir auch mal traurig oder mutlos ohne dass es wirklich ein problem sein muss. Lieberkummer kann jeden passieren, ohne dass es ein krankheit ist. Aber wer dabei zu viel leidet darf auch hilfe bekommen.

    lg

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.439

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    ja, die Grundversorger sind Hausärzte, zu denen die Mehrheit der Menschen zuerst geht. Da stimme ich vollkommen mit dir überein stargazer, die sollten sich besser weiterbilden. Denn noch heute kommt es doch oft genug vor, dass der Hausarzt eine Depression nicht erkennt. Da kann von Diagnosewahn also nicht die Rede sein.
    Die Häufigkeit der psychiatrischen Diagnosen hat zugneommen. Na was für ein Wunder. Ich denke eher nicht, dass daran die Diagnosesysteme schuld sind. Eher die heutige Zeit die Menschen krank macht und sie sich vermutlich weniger scheuen als früher, sich entsprechende Hilfe zu suchen.
    Mag sein, dass in den USA das ein oder andere Überhand nimmt und Leute Behandlungen erhalten, die sie nicht bräuchten. Was wiederum Ausdruck unserer kranken Gesellschaft ist. Zu jeder Zeit hat man Leistungsfähig und glücklich zu sein. Für anders ist da kein Platz und zur Not gibt's ein Pillchen.
    Das sehe ich in Deutschland so noch nicht. Darüber hinaus denke ich, dass jemand der für menschliches keinen Platz in seinem Leben hat auch Hilfe braucht. Der wird sie hier aber nicht bekommen, weil er keinen Diagnosekriterien entspricht. Und ne Pille hilft dem auch nicht.

    Somit sehe ich es zwar auch so, dass die Leute sensibilisiert werden sollten. Allerdings in beide Richtungen. Erkennen, wenn sie Hilfe brauchen. Dabei nicht aus menschlichen Gegebenheiten, Höhen und Tiefen des Lebens einen Krankheitswert ableiten und nach einem Anitdepressivum verlangen.
    Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass wie in dem Artikel geschildert, im DSM-V aus Trauer eine Major Depression zu diagnostizieren ist. Zweitens, selbst wenn, wird das kein verantwortungsbewusster Arzt tun. Drittens werden in Deutschland die Diagnosen ohnehin nach ICD und nicht DSM gestellt.

    Wie so oft, die Probleme sind vielseitig und solche Artikel sind mit Vorsicht zu genießen, die sie alle in einen Topf packen und rühren.

  5. #5
    Lin


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    @Wildfang

    also die heftigeren Dinger bei denen ein Psychiater angesagt ist,
    Zu lesen, dass du ADHS zu den heftigeren Dingern zählst, da zuck ich immer noch zusammen.
    Immer wieder ertappe ich mich (immer noch) dabei, Symptome, Einschränkungen, Schwächen &
    Ängste damit abzutun, dass ich mich, jetzt aber, ganz ganz ganz stark anstrengen muss
    und dann krieg ich das doch ganz bestimmt in den Griff! À la: Zwing dich zur Konzentration,
    zwing dich zur Motivation, krieg den A... hoch, halte einfach auf Teufel komm raus durch,
    ignorier Gefühlswirrwarr, oder Gedankenwirrwarr denn DU hast es in der Hand, reiß dich zusammen,
    und ich glaube, alles was ich jetzt noch schreiben könnte, wären die klassischen Vorstufen zu einem Burn-Out
    oder einem absoluten Zusammenbruch.

    Fällt mir noch schwer, das als Krankheit zu akzeptieren :-(

    sorry, vielleicht ein wenig off-topic. vielleicht passt es aber auch.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Hi,

    bei Kindern habe ich das Gefühl, dass eindeutig überdiagnostiert wird, bei Erwachsenen bin ich mir unsicher. Da habe ich das Gefühl nicht.
    Bei Erwachsenen kommt aber auch immer noch das Gefühl auf, dass man nur sich anstrengen muss, dann klappt es schon. Ganz so einfach ist es leider nicht.
    Ich sehe AD(H)S zwar als eine wirkliche Einschränkung, aber eigentlich am meisten, wenn ich dagegen ankämpfe. Bei mir hat es stark geholfen, dass ich einfach manche Macken so akzeptiere und seitdem fühle ich mich viel wohler... - es ist halt so.

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Lin schreibt:

    Zu lesen, dass du ADHS zu den heftigeren Dingern zählst, da zuck ich immer noch zusammen.
    Suchst du Hilfe beim Arzt oder nicht? Klar, im DSM steht genug was noch viel mehr beeinträchtigt. Trotzdem: Bei ADHS muss der Arzt ran.


    ---
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  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Lin schreibt:
    Immer wieder ertappe ich mich (immer noch) dabei, Symptome, Einschränkungen, Schwächen &
    Ängste damit abzutun, dass ich mich, jetzt aber, ganz ganz ganz stark anstrengen muss
    und dann krieg ich das doch ganz bestimmt in den Griff! À la: Zwing dich zur Konzentration,
    zwing dich zur Motivation, krieg den A... hoch, halte einfach auf Teufel komm raus durch,
    ignorier Gefühlswirrwarr, oder Gedankenwirrwarr denn DU hast es in der Hand, reiß dich zusammen,
    Genau das macht es zu den heftigeren Dingern.
    Wir sind uns einerseits all dieser Unzulänglichkeiten bewusst, sagen uns genau das, was Du beschreibst, aber wir können es nicht.
    Wir können nicht auf uns hören.
    Es ist, als sei die Verbindung getrennt (was sie auch tatsächlich ist)
    Genau das macht die Sache zu einer sehr ernsthaften, eben gerade weil:

    und ich glaube, alles was ich jetzt noch schreiben könnte, wären die klassischen Vorstufen zu einem Burn-Out
    oder einem absoluten Zusammenbruch.
    Genau das dabei passieren kann und oft genug auch passiert.

    Fällt mir noch schwer, das als Krankheit zu akzeptieren :-(
    Und das ist auch ganz ganz schwer zu verstehen oder gar zu akzeptieren, kann ich sehr gut verstehen.
    Kommt aber ... mal schneller mal langsamer, ist sicherlich kein leichter Weg, aber besser jetzt, als wenn der Zusammenbruch da ist, dann wird es umso schwerer.

    Wenn Du magst, schau mal in dieses Posting.
    Hat lange gedauert, an diesen Punkt zu kommen, aber ... man kann hinkommen .
    Vielleicht gibt Dir das ein klein wenig Zuversicht .

    sorry, vielleicht ein wenig off-topic. vielleicht passt es aber auch.
    Ich denke schon.
    So ist es nun mal bei ADS'lern, etwas wird getriggert und dann möchte es auch raus und das hier ist, denke ich, sehr wichtig.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (24.12.2012 um 10:22 Uhr) Grund: Link vergessen .. ADS :-D

  9. #9
    Lin


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 117

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Suchst du Hilfe beim Arzt oder nicht?
    Hast ja Recht. Deswegen bin ich ja endlich bei einem (groß oder klein?).


    Ich finde, die Kritik ist berechtigt, könnte aber in die falsche Richtung steuern. Eine Gesellschaft muss für Probleme sensibler und offener sein.
    Kritik am Diagnosewahn muss ja nicht zwangsläufig bedeuten,
    dass man Krankheiten verharmlost.
    Hier spielt die fragwürdige Rolle der Medien leider eine große Rolle.
    Aber auch der eigene Umgang mit Krankheiten.

    Wir sind uns einerseits all dieser Unzulänglichkeiten bewusst, sagen uns genau das, was Du beschreibst, aber wir können es nicht.
    Es ist manchmal schwer,
    die Grenze zu ziehen zwischen
    "ich muss bessere Wege finden, mehr probieren" und
    "ich kann es nicht" bzw. "ich habe große Schwierigkeiten damit".
    Danke für die Worte,
    und den Link!
    Mache mich gleich mal ran.

    Und frohe Festtage euch allen.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Sind wir überdiagnostiziert? Bericht zu Frances Allen

    Der Eindruck der Überdiagnosierung entsteht weitestgehend dadurch, dass sich so mancher Vollpfosten, der irgend eine Praxis betreibt, sei es psychologischer, pädriatischer, heilpädagogischer, homöopathischer oder sonstwie pathologischer Natur einbildet, es wäre eigentlich ganz easy ADHS zu diagnostizieren.

    Bekannt wird das Thema "Überdiagnose" allerdings erst dadurch, dass diese "Ergebnisse" auf andere Vollpfosten treffen, die, weil sie mal drei Ratten über ein Laufrad hüpfen haben lassen oder die Schriften von Sigmund Freud studiert haben, nun auch noch der Meinung sind, ihren Senf dazu abgeben zu können.

    Diese Luftblase zerplatzt allerdings relativ schnell, wenn es darum geht, nach der Diagnose auch entsprechende Behandlungsschritte einzuleiten. Hierbei kommt eben in den meisten Fällen nicht mehr als Pustekuchen heraus, u.a. auch deshalb, weil ein ADHS gar nicht vorliegt. (Darüber wird allerdings dann schon weniger berichtet.)

    Fazit: Wird ADHS überdiagnostiziert?

    Jawohl.

    Fazit: Wird ADHS überbehandelt?

    Nope, nach wie vor zum überwiegenden Teil unter- bis meistens gar nicht behandelt.

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