Seite 5 von 5 Erste 12345
Zeige Ergebnis 41 bis 49 von 49

Diskutiere im Thema heute journal 24.9.2012 im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #41
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 346

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    Andererseits gibt es eben tatsächlich teils starke Nebenwirkungen und das Gefühl ein Zombi zu sein. Dies mag jetzt auf dich und vielleicht auch andere User hier nicht zutreffen, ist aber bei vielen anderen Realität.
    In solchen Fällen würde ich als erstes die Dosierung überprüfen.
    Bei mir gabs so ein Tunnelblick-Hyperfokus-Phänomen, als ich vom kurz wirksamen MPH auf ein lang wirksames umstellen wollte.(Concerta)
    Da gings mir dann zeitweise ganz schlecht.

    So was will ich nicht noch mal erleben.
    Seitdem nehme ich nur unretardiertes, und nach einer Einnahmepause (Sommerurlaub) fange ich auch bewusst kleinschrittig wieder an: so kann man dann auch testen, ob man inzwischen mit einer kleineren Dosis auskommt, was bei mir jetzt (nach ca 4 Jahren) der Fall zu sein scheint.

  2. #42
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    mr91 stellt es immer so hin als seien die meisten Ärzte und Eltern darauf aus unbedingt Stimulanzien zu verkaufen und nur die glorreichen Almhüther würden die Fahne einer angemessenen Behandlung hochhalten.

    Richtig ist dass die Hüthers die Existenz von ADHS vernein und die vorsichtige Gabe von Stimulanzien schulmedizinische Vorschrift ist. Jeder Arzt der das anders handhabt macht einen Kunstfehler.

    Ich hab mir mal die Mühe gemacht und Leitlinien bzw. Gesetze rausgekramt.

    Der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) :

    Methylphenidat ist im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung von ADHS bei Kindern ab 6 Jahren angezeigt, wenn sich andere therapeutische (psychotherapeutische, pädagogische und soziale) Maßnahmen als unzureichend erwiesen haben.

    Die Arzneimittel dürfen nur von einem Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen verordnet und unter dessen Aufsicht angewendet werden.

    Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte präzisiert:

    Therapieziele: Verringerung der Kernsymptomatik, altersadäquate psychosoziale Entwickung und Integration, Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung, genügend stabiles Selbstwertgefühl; Gewährleistung einer begabungsentsprechenden Schul- und Berufsausbildung. ... Daher müssen individuell vorrangige Therapieziele bestimmt und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten ausgewählt und im Rahmen des multimodalen und interdisziplinären Therapiekonzeptes durchgeführt werden.

    Multimodal: Nicht einfach Pille rein und Schluss.

    (...)
    Wenn mit den oben genannten allgemeinen symptomatischen Maßnahmen nach einigen Monaten keine befriedigende Besserung erkennbar ist und eine deutliche Beeinträchtigung im Leistungs- und psychosozialen Bereich mit Leidensdruck bei Kindern/Jugendlichen und Eltern und Gefahr für die weitere Entwicklung des Kindes bestehen, ist die medikamentöse Therapie indiziert.

    Bei der Bewertung der Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie bei ADHS ist deren Risiko abzuwägen gegen die Risiken und Folgen, die bei Unterlassen einer indizierten und wirksamen Therapie zu erwarten sind.



    Bundesärztekammer liegt auf gleicher Linie:


    Jegliche Form der psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlung ist eingebettet in psychoedukative Maßnahmen. Da die Behandlung der ADHS von Kindern und Jugendlichen stets erzieherische und behandlungsorganisatorische Kooperation voraussetzt, ist die Psychoedukation als Teil der Behandlung unverzichtbar.

    Die psychotherapeutischen Ansätze mit Wirksamkeitsnachweis fußen auf verhaltenstherapeutischen Prinzipien. Als besonders hilfreich haben sich direkte verhaltenstherapeutische Interventionen mit dem Kind und das Eltern-Training sowie eine verhaltenstherapeutische Intervention im Kindergarten / in der Schule erwiesen. Die Intervention fußt auf der Definition des Problems (kritisches Verhalten) und einer Verhaltensanalyse (Bedingungszusammenhänge). Die Therapie stützt sich im wesentlichen auf operante Techniken (Kontingenz-Management: Münzverstärker-Systeme, Response-Cost, Time-Out). Die gleichrangige Wirksamkeit der kognitiven Techniken (z. B. Selbstbestärkung, Selbstinstruktion, Problem-Löse-Training) in der Therapie der ADHS bei Kindern ist gegenüber den erstgenannten Vorgehensweisen allerdings nicht erwiesen. Die verhaltenstherapeutischen Techniken werden Eltern und Lehrern (Erzieherinnen im Kindergarten usw.) zur Übertragung der verhaltenstherapeutischen Interventionen in den Lebensalltag des Kindes vermittelt (Optimierung von Sitzordnung; Identifizierung von Problemen, Interventionen und hilfreiche Erzieher-/Lehrerinteraktionen mit dem Kind; Einsatz von Münzverstärkung, Response-Cost, Time-Out). Allerdings spricht die bisherige Studienlage dafür, dass eine systematische, ausreichend dosierte und monatlich kontrollierte kontinuierliche Stimulanzien-Medikation zusammen mit Psychoedukation über die Dauer von 14 Monaten die Kern-Symptome der ADHS stärker vermindert als eine intensive psychosoziale, verhaltenstherapeutisch orientierte Intervention. Die kombinierte Therapie hat nach Eltern- und Lehrerurteil zusätzlich eine statistisch positive - wenn auch klinisch wenig relevante - Wirkung auf die Kernsymptomatik, wie auch auf die Entwicklung sozialer Fertigkeiten und die Minderung komorbider Angststörungen, Depressionen, oppositionell-aggressiver Verhaltensstörungen, Eltern-Kind-Beziehungsstörungen und Schulleistungsprobleme.

    Die Indikation zur Stimulanzienmedikation ist bei gesicherter Diagnose nach ICD-10 oder DSM IV-Kriterien gegeben, wenn die Symptomatik ausgeprägt ist und eine psychoedukative und psychotherapeutische Hilfe nicht umsetzbar oder nicht innerhalb der Frist einiger Wochen hilfreich war.

    Die Dauer der Medikation bestimmt sich individuell. Ist nach Beginn der Medikation von Methylphenidat und ausreichender Dosierung über einen Zeitraum von 6 Wochen keine hinreichend positive Wirkung zu beobachten, so sind Diagnose, Qualität der Wirksamkeitskontrolle, Dosierung und Compliance zu prüfen.

    Unerwünschte Wirkungen sind dosisabhängig, in der Regel vermeidbar und bei Beginn der Therapie vorübergehend. Häufige und in der Regel vorübergehende unerwünschte Wirkungen sind Appetitminderung, abdominelle Beschwerden, klinisch unbedeutsame Puls- / Blutdrucksteigerungen sowie innere Gereiztheit. Alle übrigen unerwünschten Wirkungen sind selten oder extrem selten. Dazu gehören Übelkeit, Schwindel und bei zu später nachmittäglicher Gabe (z. B. nach 15 Uhr) Schlafstörungen. In Einzelfällen kann eine Spätgabe zur Verbesserung von Ein- und Durchschlafen indiziert sein). Depressive Verstimmungen (Weinerlichkeit, sozialer Rückzug) sind Zeichen der Überdosierung.

    Der Kleine aus der Sendung war vermutlich überdosiert. Im übrigen können Kinder ab ca. dem 7. Lebensjahr sehr gut sagen ob ein Medikament ihnen gut tut oder nicht und ein guter Arzt fragt das auch ab und richtet sich danach.


    Das steht auf Medizinerlatein:

    ... dass man Psychopharmaka bei ADHS nur dann einsetzen sollte, wenn Kinder oder Erwachsene mittel bis schwer betroffen sind. Wenn ihre Störung ernsthafte Konsequenzen wie drohender Schulrausschmiss, Arbeitsplatzverlust, ständige Niederlagen und Misserfolge im Leben etc. hat. Insbesondere bei Kindern, weil sie ja noch nicht genau wissen, was sie da wirklich nehmen.
    Eigentlich sind wir ja einer Meinung, ich seh nur den Hüther nicht als Kämpfer für die gute Sache.

    Und jetzt sollten wir gemeinsam Anwendung dieser Leitlinien und die Verbesserung der Theapiemöglichkeiten und mit dem kleinen Fernsehstar mehr Verständnis für ADHS fordern.

    Für Erwachsene gilt übrigens sinnegemäss das Gleiche.
    Geändert von Wildfang (27.09.2012 um 15:36 Uhr)

  3. #43
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    @wildfang

    ich weiss worauf du hinweisen wolltest....

    dass die medien einen sehr grossen einfluss auf die meinungsbildung der menschen haben.... mir ist z.b. aufgefallen,
    dass gezielte, einseitige berichterstattung z.b. dazu führt.... dass abstimmungen so laufen wie sie laufen.... (z.b. minerette-verbot schweiz....
    kantone mit hohem anteil, haben gegen ein verbot gestimmt.... kantone mit praktisch keinem anteil.... stark für ein verbot...?) - dies lässt sich
    nur durch gezielte beeinflussung (manipulation?).... erklären.

    es ist wichtig, dass dies bei adhs nicht geschieht - dass richtig informiert wird, aus eigenem interesse, ist es mir wichtig
    dass am stammtisch nicht darüber polemisiert wird.... das kinder heute zu junkies gemacht werden.... von menschen die nur einseitig
    durch die medien informiert werden.

    und so hart es auch klingen mag.... aus ideologischen gründen einem kind das stark unter seinem adhs leidet.... eine erleichternde medizin-therapie
    zu negieren - ist.... meiner meinung nach.... unterlassene hilfeleistung!

    und gopf, wer schütz die bevölkerung vor "gekauften" titeln? prof. doktor. ...?? und warum wehren sich die "echten" prof's und fachleute nicht?

  4. #44
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257
    Die Ehren sich nicht weils ihnen zu blöd ist wobei: Bei Hüther ist der Dr hbil echt - der Forscht nur nicht mehr.


    ---
    Zwischen Angel und Tür: Per Telefon und Tapatalk.

  5. #45
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    na ja... visa gefälscht....
    man nehme 5 ratten - beweist - was - und gründet eine stiftung - mit einer allheilmethode...

    internationale adhs-expertenteam - beweist anhand "anderer" ratten.... das gegenteil?!...

    (übrigens....hatten die ratten adhs?) :-)

    öhmmm.... ich weiss nicht so recht?! - wie viel umsatz erwirtschaftet die stiftung? (wenn man schon von der pharmaindustrie spricht?)

  6. #46
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 346

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    Ach, das mit dem ewigen "Professor" ist wohl Geschmackssache.
    Ich glaub, der ist nur "apl" Professor - das heißt, eigentlich heißt das gar nichts.

    Die "Richtigen" sind ja die Lehrstuhlinhaber oder die Abteilungsleiter. Was der Hüther an der Uni überhaupt forscht und tut, scheint aber eher geheim zu sein

    Vielleicht sollte man ihn hierfür vorschlagen, denn in Österreich gibt es seine Stiftung ja auch:

    http://www.goldenesbrett.at/category/nominierungen/

    Jedenfalls steht sein Name auf der Liste - die Begründung kommt mir aber zu dünn vor um erfolgreich zu sein.
    Manfred Spitzer wurde ja auch vorgeschlagen - wegen der Digitalen Demenz.
    Geändert von Esme (27.09.2012 um 21:06 Uhr)

  7. #47
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 159

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    Hallo zusammen!

    Ich habe auf Facebook einen wunderschönen Kommentar zu der Sendung von Dr. Johannes Streif (Vorstandsmitglied von ADHS Deutschland e.V.) gefunden. Habe selten so oft beim Lesen genickt wie hier.

    Für alle Facebookler hier die Seite auf Facebook: https://www.facebook.com/pages/ADHS-...25963424135757 (Chronik-Eintrag vom 26.09.2012).

    Für alle anderen erlaube ich mir hier den Beitrag reinzukopieren. Wer das Original im Netz findet darf gerne die Originalquelle dazu posten


    LG

    Grey



    -->
    Hüther heute – ein Journal

    (Kommentar zu einem Beitrag des heute-Journals vom 24.09.2012)

    Haben Sie den wunderbar kommentierten Ausschnitt aus der ersten „Precht“-Sendung mit Prof. Hüther gesehen, den Harald ******* in seiner Show vom 05.09.2012 präsentierte? Darin sieht man Richard David Precht mit Gerald Hüther in eng umrissenem Lichtfeld an einer Tischplatte sitzen, atmosphärisch irgendwo zwischen Hinterzimmer-Pokertisch und OP-Liege im Feldlazarett. Beide Protagonisten des neuen philosophischen Duetts wirken aufeinander fokussiert wie weiland Bobby Fischer und Boris Spasski bei der Schachweltmeisterschaft in Reykjavík. Allerdings erwächst aus dem Dialog von Salon-Philosoph und „Krawall-Neurologe“ (SPIEGEL Online) kein spannendes Duell, sondern eher ein ödes Ballzuwerfen.

    In Teilen liegt es daran, dass die Helden des feuilletonistischen Diskurses keine Fragen, sondern nur Antworten kennen. Precht textet unter dem Deckmantel einer sich langsam Bahn brechenden Frage den stets nach Aufmerksamkeit gierenden Hüther minutenlang zu, ohne ihn zu Wort kommen zu lassen. Dann, als der in der Pädagogik dilettierende Neurobiologe zur Antwort ansetzt, macht ******* einen Schnitt und bedankt sich für Hüthers Ausführungen. Wer die ganze prechtige Sendung vom ersten Septembersonntag am Bildschirm verfolgte, mag nun bei sich denken: Besser so! Die Medienkritik war ja einhellig vernichtend sowohl für den Gastgeber als auch den Gast.

    Prof. Hüther kann die alberne Pseudophilosophiestunde bei Precht ebenso verschmerzen wie den Spott von Harald *******. Ganz gleich, mit welcher Einfalt er seine neurowissenschaftlich verbrämten Binsenweisheiten verkündet – es findet sich stets ein Fernsehredakteur von gleicher Schlichtheit, der die gefällige Reduktion der allzu komplexen Wirklichkeit als eingängige Halbwahrheit zu vermarkten gewillt ist. „Das mag daran liegen, dass der Göttinger Neurowissenschaftler es versteht, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse derart allgemeinverständlich zu präsentieren, dass man nicht nur kein Studium braucht, um sie zu begreifen, sondern auch keines, um sie zu äußern.“

    Letzteres schrieb Sebastian Hammelehle unter dem Titel „Precht ab“ auf der Internetseite des SPIEGEL. Hilft die späte Einsicht wenigstens eines einzigen Journalisten, künftig vermehrt zwischen schönen Worten und tieferem Sinn zu differenzieren? Offenbar nicht. Es hindert weder den SPIEGEL, Prof. Hüthers hanebüchenen Vergleich des Fortpflanzungstriebs der Lachse mit der postindustriellen Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts zu publizieren, mit dem er zuletzt die Besucher des Heidelberger Burnout-Kongresses beglückte, noch das heute-Journal, in der Sendung vom 24.09.2012 die Reihe ideologischer Filmbeiträge des ZDF zur ADHS fortzusetzen, die uns das Staatsfernsehen in qualitativer Annäherung an die Reportage-Sendungen des Privatprogramms zunehmend aufnötigt.

    Erinnern Sie sich noch an die Beiträge von Frontal21 im Dezember 2008 und Mai 2009, die in Dan-Brown-Manier krude Verschwörungstheorien mit pathetischem Off-Ton und lächerlichen Bildern verknüpften, dabei z.B. einen vorgeblichen Ex-Pharma-Manager in Mafia-Aussteiger-Pose mit offenem Hawaii-Hemd und Goldkettchen zeigten? Da fuhren die nachgespielten Ermittler mit ihren Ingolstädter Luxuskarossen das Firmenemblem auf dem Kühlergrill so prächtig ins Bild, dass der Zuschauer sich unwillkürlich fragte, ob die Frontal21-Redaktion nun geschlossen billig Audi fährt. Im Nachschlag vom Mai 2009 zeigte Frontal21 den „ehemaligen Praktikanten“ eines Münchner Kinderheims, der dramatisch schilderte, dass Kinder, nachdem sie ADHS-Medikamente eingenommen hätten, „Koliken bekommen haben, wirklich schwerwiegende Bauchschmerzen, bis dahin, dass die Kinder am Boden gelegen haben.“ Auch die Mutter eines Kevin – war das Zufall oder ein humoriger Einfall der Redaktion auf der Suche nach einem unverfänglichen Pseudonym? – und Prof. Hüther kamen damals zu Wort. Nur von der ADHS betroffene Kinder wurden weder gezeigt noch gesprochen.

    Alles auf demselben traurigen Niveau, das Hammelehle in seinem Kommentar zur ersten Precht-Sendung beklagte, und dies, obschon auch der SPIEGEL in der Vergangenheit nicht frei von polemisch-fehlerhaften Berichten zur ADHS war. Offenbar ist man in Hamburg gelegentlich froh, dass die Mainzer die Qualität des eigenen Journalismus locker unterbieten. Garanten dafür sind Interviews mit den immer gleichen Protagonisten der Anti-ADHS- und Anti-Medikationsszene, darunter Prof. Hüther und sein ewiger Begleiter Dr. Bonney. Vielleicht gibt es ja im ZDF-Archiv ein zehnstündiges Interview mit beiden, aus welchem die Redakteure des Senders Mal um Mal kleine Versatzstücke herauslösen und versenden können. Andererseits genügt eine Filmvorlage von wenigen Minuten, denn Hüther und Bonney wiederholen letztlich stets dieselben Phrasen vom ach so einfachen Weg der „Verhaltenskorrektur an der Oberfläche“ durch Tabletten (Bonney) sowie einer Schule, die aus dem vorigen Jahrhundert stamme und „brave Pflichterfüller“ (Hüther) schaffe.

    Vordergründig handelt der Filmbeitrag von Sven, einem 14-jährigen Schweizer Jungen, der in Basel eine Privatschule für verhaltensauffällige Kinder besucht. Zuvor gaben seine Eltern ihm Methylphenidat (MPH), da die Regelschule dies nach Aussage der Eltern forderte und sie keine Alternative kannten. Das heute-Journal zeigt einmal mehr eine Graphik des MPH-Verbrauchs in Deutschland während der letzten knapp 20 Jahre, die in suggestiver Manier wie die Entwicklung des Aktienkurses eines Pharmakonzerns anmutet, jedoch unerwähnt lässt, wer den Wirkstoff in welcher Form zu welchem Zweck verschrieben bekommt. Dass das Szenenbild der Medikamentenübersicht sodann auch die Produktverpackung eines Präparats mit anderem Wirkstoff enthält, erscheint den Machern der Reporte mutmaßlich als lässliche Ergänzung, da es offenkundig hilft, die schiere Menge der Mittel eindrucksvoll zu illustrieren, die Kindern mit ADHS verabreicht werde.

    Sven selbst spricht von ernstzunehmenden Nebenwirkungen: „Da bist du nicht du, das ist wie als hätte man Scheuklappen an, Du bist nur auf das konzentriert, Gefühle und alles sind abgeschaltet, Du bist eigentlich nur wie eine Maschine.“ Er schätzt seine neue Schule, in der er sich „viel freier“ und „mehr wahrgenommen“ erlebt. So hatte das Prof. Hüther bereits 2009 für Frontal21 formuliert: „Kinder werden in den Schulen in gewisser Weise, wenn man es ganz hart sagt, abgerichtet oder funktionalisiert. Und wenn sie nicht funktionieren, dann muss man eben nachhelfen, das hat man früher mit Prügeln gemacht, und ich fürchte fast, dass das jetzt die Medikamente erreichen.“ Hüthers oberflächliche Existenzanalyse der Kindheit im 21. Jahrhundert ist zwar bei Hermann Hesses „Unterm Rad“ (1906) und Francis Fukuyamas „Our Posthuman Future“ (2003) geklaut, doch beim ZDF scheint man dieses wohlfeile Unbehagen in der Schulkultur so sehr zu schätzen, dass man jede Gelegenheit nutzt, das Hüther´sche Weltbild zu promovieren.

    Wieder fehlt alles, was eine seriöse Berichterstattung ausmacht: Eine differenzierte Darstellung von Verhaltensauffälligkeit im Allgemeinen und ADHS im Besonderen; eine vorurteilsfreie Diskussion über die durchaus kontrovers zu beantwortende Frage, welche Bedeutung Psychopharmaka (nicht nur Methylphenidat) in unserem erwachsenen Leben, v.a. jedoch im Leben unserer Kinder haben sollen, zumal von der Tatsache abgesehen, dass Nebenwirkungshäufigkeit und Nebenwirkungsprofil der ADHS-Medikation durch die Aussagen des Jungen in keinster Weise repräsentiert werden; ein realistisches Bild von Schule, die im Mittel unserer Gesellschaft nicht so ist, wie Prof. Hüther sie beschreibt (nebenbei: die permanente Abwertung der Lehrer an Regelschulen als willfährige Gehilfen eines vermeintlich rationalistisch-totalitären Schulsystems ist unerträglich); nicht zuletzt eine Ausgewogenheit der Interviewpartner.

    Ist das zu viel verlangt, zumal für einen Kurzbeitrag in einer Nachrichtensendung? Wenn ja, so macht es doch Sinn, im Vorfeld zu bedenken, dass vier Minuten nicht ausreichen, um die Themen Schule und ADHS und Medikation der Bedeutung der Sache angemessen abzuhandeln. Es sei denn, man wünscht von Anfang an eine tendenziöse Argumentationslinie, an deren Ende das Verdikt stehen soll: Kinder bekommen Tabletten, da die Gesellschaft zu bequem, zu geizig oder schlicht zu dumm ist, ihr Schulsystem zu reformieren. Vor diesem Hintergrund erscheint die zunächst eigentümlich wirkende Platzierung des Beitrags im heute-Journal durchaus stimmig. Das ZDF berichtet nicht über Politik, es macht Politik. Sowenig wie Frontal21 in Sachen ADHS einen Skandal aufdeckte, sondern vielmehr einen Skandal schuf. Für eine gute Zuschauerquote, die gleichermaßen von der voyeuristischen Betrachtung echten Leids wie von der Inszenierung vermeintlichen Elends profitiert, macht das offenkundig keinen Unterschied.

    Im Grunde amüsiere ich mich inzwischen, wenn ich Berichte mit Prof. Hüther sehe, lese, höre. Ich begleite seine Karriere vom anerkannten Neurobiologen über den Hobbypsychiater, Sinn-Stifter, Almtherapeuten und selbstberufenen Rousseau der Neuzeit zum Schul- und Gesellschaftskritiker seit mehr als einer Dekade mit gerührter Anteilnahme. Gespannt erwarte ich die von ihm mitgestalteten Studiengänge zum „Potenzialentfaltungscoach an deutschen und österreichischen Hochschulen, denn sein ureigenes Leben ist mithin das beste Beispiel für eine ungeahnte Entfaltung. Sorge bereitet mir allenfalls die Aussicht, dieser persönliche Wandel des Gerald Hüther könnte anderen zum medial vermarkteten Vorbild gereichen, Naturwissenschaft und Pädagogik in derselben unbedacht-selbstgefälligen Atemlosigkeit zu reformieren.

    Schließlich erkenne ich in den Schulen von heute, die ich regelmäßig besuche, die Grundschule und das Gymnasium meiner Kindheit kaum wieder, so sehr haben sie sich in den letzten 30 Jahren verändert. Damals wechselte mehr als die Hälfte meiner baden-württembergischen Grundschulklasse aufs Gymnasium, Dreiviertel hätten die Noten dafür gehabt. Klassenzimmer und Unterricht ähnelten mehr den Schilderungen aus der Grundschulzeit meines Vaters als der Situation in den deutschen Schulen des Jahres 2012. Es war meist ruhig in der Klasse, wir hörten zu, lernten viel und waren stolz darauf. Die Lehrer waren streng, doch selbst sie Älteren unter ihnen liebten ihren Beruf meist noch nach Jahrzehnten, was es ihnen leichter machte, uns Schüler zu mögen. Meine Eltern wären niemals auf den Gedanken gekommen, Lehrern zu sagen, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben; immerhin erhoben die Lehrer auch nicht den Anspruch, die Berufe der Eltern zu beherrschen. Und in einem waren wir Schüler, Lehrer und Eltern uns am Ende meiner Schulzeit im Jahr 1988 einig: Eine weitere dilettantische Schulreform, ausgehend von Universitätsprofessoren, Kultusbeamten und Politikern hätte unsere weitgehend glückliche Zwangsgemeinschaft endgültig erledigt!

    Das ist meine Erinnerung. Andere haben in ihrer Schulzeit zu anderer Zeit und an anderem Ort Besseres wie auch Schlechteres erlebt. Es gibt so vieles, was in den Schulen unserer Tage verbessert werden kann. Das meiste und Wichtigste betrifft jedoch nicht Lehrplan und Schulverfassung, so sehr auch diese der Fortentwicklung bedürfen, sondern die Gestaltung des Unterrichts vor Ort. Hier sind die Hüther´schen Theorien und das verkürzte Beispiel einzelner Lebensläufe in Modellschulen keine sinnvolle Grundlage. In diesem Sinne wäre es schön, das ZDF strahlte einmal wieder den wunderbaren Film „Sein und Haben“ aus, eine preisgekrönte französische Dokumentation aus dem Jahr 2002 über eine französische Dorfschule in der Auvergne. Das würde zwar hundert weitere Minuten zu den vier des heute-Journal-Beitrags bedeuten, wäre dem immens wichtigen Thema Schule allerdings mehr als an angemessen.

    Dr. Johannes Streif

    <--

  8. #48
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    "Die grosse Tragödie unserer Gesellschaft ist, dass wir quantitativ über - und qualitativ unterinformiert sind. Wir wissen bedeutend mehr als unsere Vorfahren, doch wir wissen es bedeutend weniger gut, Wir müssen besser informiert werden im wahren Sinne des Wortes: auf bessere Weise, nicht durch mehr Informationen. Zu oft geht das Spektakuläre dem Wesentlichen vor, das Wichtige wird von Unfällen und Verbrechen überlagert, das Bedeutsame vom Sensationellen verdrängt. Überbordende Quantität und unzureichende Qualität bewirken eine ernsthafte Desinformation der Information, die viele Leute daran hindert, klarzusehen und Zusammenhänge richtig zu erkennen." P.Lévy (Informationschef Europarat)



  9. #49
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.213

    AW: heute journal Beitrag 24.9.2012

    Hallo zusammen, bitte den Kommentar von Dr. Johannes Streif "Huether heute - ein Journal" vom 01.10.2012 auf
    www.adhs-deutschland.de lesen! Danke! Gretchen

Seite 5 von 5 Erste 12345

Ähnliche Themen

  1. Markus Lanz Heute 5.4.2012 Um 23:50
    Von Cat78 im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
    Antworten: 41
    Letzter Beitrag: 8.07.2012, 11:36
Thema: heute journal 24.9.2012 im Forum ADS ADHS: Presse, Medien bei ADHS bei Erwachsenen Forum
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum