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Diskutiere im Thema Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene im Forum ADS ADHS: Presse, Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    m-s


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 296
    Ach und zum EEG musste ich noch, fällt mir gerade ein.

  2. #12
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257
    web4health schreibt:
    Und sehr vorsichtig werde ich halt, wenn es um selbstgestellte Diagnosen vom "hypoaktiven Typus" geht

    Die machen bei uns inzwischen 75-90 Prozent der Erstdiagnosen bei Männern mit ADHS aus. Was mir dann doch sehr spanisch vorkommt...
    Selbstgestellt ist immer nur ein Hinweis - aber kann es nicht einfach sein dass bei erwachsenen Männern nur scheinbar so viele Hypos sind weil die als Jungen nicht auffallen?




    ---
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  3. #13
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    Das mag ja sein, dann ist es nur definitionsgemäss eben kein ADHS. Wir können uns gerne über den Sinn- oder Unsinn der Diagnosekritierien streiten. Aber : Es wird eben gefordert, dass die ADHS-Symptomatik so schillernd wie eine Dorfchronik auffallen muss vor dem 6. oder 7. Lebensjahr. Auch oder gerade bei den "Hypos". Und wir haben hier ja auch schöne Thread-Beispiele wie sich eben ADHS vom unaufmerksamen Subtyp in der Schule und im Freundeskreis zeigt.

    Zudem würde ich erwarten, dass dann zumindest weitere Familienangehörige auffällig betroffen sind und / oder weitere Entwicklungs- und Teilleistungsstörungen syndromtypisch vorhanden sind.

    Ich erlebe halt immer häufiger, dass sich Studenten oder 25-40 jährige eben überfordert vom Leben oder den an sie (nicht) gestellten Anforderungen im Bereich Selbstständigkeit und Anforderungen sehen. Das kann durchaus auf Störungen der Exekutivfunktionen zurückzuführen sein.

    Aber : Die waren in der Kindheit so unauffällig wie ihre Klassenkameraden. Was ihnen fehlte, war der Schritt zur Selbstständigkeitsentwicklung bzw. Übernahme von Eigenverantwortung. Vielleicht auch ein Aushalten bzw. Erleben von Problemen / Frustration etc. Letztlich kommen sie dann in einem Lebensbereich = Studium nicht klar.

    Blöd ausgedrückt : Den fehlte Erziehung bzw. Lebenserfahrung.

    Das ist doch mit ADHS nicht zu erklären bzw. letztlich auch nicht mit MPH oder Amphetamin zu therapieren.

    Eine weitere (für mich weit interessantere Gruppe) sind dann die Hochsensiblen bzw. dissoziativen Klienten. Das ist aber dann ja inzwischen ein langer eigener Thread.

  4. #14
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    Das mag ja sein, dann ist es nur definitionsgemäss eben kein ADHS.
    Ja, ich meine es anders aber du hast die Richtung schon angedeutet. Klar, dass es Schwierigkeiten in de Schule gegeben haben muss, aber eben nicht als ADHS diagnostiziert ...

    Beispiel, ich kann's ja grob erzählen:

    Bei mir gab es ja eine Diagnose in den 60ern bzw. 70ern ("neuropatisch", "hyperaktiv", "mcd" nebst wunderschönen Schilderungen vom Psychiater des damals 5 und dann noch mal 7 jährigen Hyperaktiven Kindes... Valium (mit 5 !!!) und dann Bellergal (mit 7) haben sie versucht) ...



    später dann ... fortlaufende Kommentare in Zeugnissen (das Internat in dem ich glücklicherweise war hat quartalsweise Beurteilungsbögen geschrieben. Sehr aufschlussreich) ... die Kindheitsanamese war denn auch schnell durch ...

    Aber genau das ist der Punkt: Mich Wirbelwind - es gibt Super-8-Aufnahmen - haben sie zum Arzt geschleppt, meine extrem ruhige Hypoktive Schwester eben nicht. Die ist dann eben trotz gleicher Intelligenz noch schlechter durch die Schule gekommen als ich denn um mich haben sich einige gekümmert. Wer rumtobt fällt eben auf.

    Wär' ich damals nicht aufgefallen wäre auch heute kein Arzt drauf gekommen dass aktuelle Probleme ihre Wurzel im ADHS haben könnten (der schicksalhafte Satz "... sagen Sie mal, waren Sie als Kind so ein durchgeknallter Wildfang?" ).

    Meine Eltern glauben auch nicht dass meine Schwester so was wie ADHS habe könnte - ich ja, "schon immer", aber nicht sie. Also die Fremdanamnes ginge da schief (OK, da müsste man mich fragen). Aber mit meiner Herkunftsfamilie rede ich nicht mehr über ADHS - die haben das alle und wollen alle nichts davon wissen ich werd da nicht missionieren.

    ---

    Aber ... vielleicht werden wir in die paar Jahren keine Neudiagnosen mehr bei Erwachsenen haben eben weil alle als Kinder erfasst werden.

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 138

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    Hallo,

    ich wollte hierzu nur meine eigene bescheidene Meinung äußern um vielleicht auch Denkanstöße zu erhalten und weitere Einsichten durch andere Perspektiven zu bekommen.

    Wildfang schreibt:
    Selbstgestellt ist immer nur ein Hinweis - aber kann es nicht einfach sein dass bei erwachsenen Männern nur scheinbar so viele Hypos sind weil die als Jungen nicht auffallen?
    Es wird zumindest in vielen Fachbüchern so begründet. Für mich persönlich klingt dies durchaus einleuchtend wobei mir natürlich die fachliche Ahnung fehlt und ich dies nur aus persönlicher Sicht als Laie einschätzen kann.
    Was erzeugt Aufmerksamkeit bei anderen, die Einfluss darauf haben zu erkennen, dass etwas an dem Kind "auffällig" ist. Die Unauffälligkeit wiederum zeichnet sich durch selbige aus. Wenn ich Gruppen von Kindern oder auch Jugendlichen beobachte (was ich, durch meine Diagnose inzwischen ab und an tue), dann fällt es mir persönlich deutlich schwerer, die ruhigen unterbewußt wahrzunehmen, während die aktiven, lauten auch unterbewußt sofort durch ihre Ausstrahlung "Aufmerksamkeit" erzeugen. Ich muss mich schon konzentrieren um geziehlt zu schauen, wer denn da still und nach innen gekehrt ist, die "graue Maus". (ohne jetzt zu sagen - die haben AD(H)S bzw. ADS

    Ich greife noch einige Aussagen von web4health auf (mit Fragen und eigenem Standpunkt - bitte korrigieren - ich versuche immer dazu zu lernen)

    web4health schreibt:
    Das mag ja sein, dann ist es nur definitionsgemäss eben kein ADHS. Wir können uns gerne über den Sinn- oder Unsinn der Diagnosekritierien streiten. Aber : Es wird eben gefordert, dass die ADHS-Symptomatik so schillernd wie eine Dorfchronik auffallen muss vor dem 6. oder 7. Lebensjahr. Auch oder gerade bei den "Hypos". Und wir haben hier ja auch schöne Thread-Beispiele wie sich eben ADHS vom unaufmerksamen Subtyp in der Schule und im Freundeskreis zeigt.
    Das es für die Ärzte von entscheidender Bedeutung ist, der Störung (oder was auch immer es dann sein mag) einen Namen zu geben und anhand klar definierter Richtlinien eine Diagnose zuzuweisen kann ich sehr gut verstehen. Wie sollte es sonst funktionieren? Ich muss aber auch gestehen, dass ich beim Lesen der Fachbücher die entsprechenden Grenzen (ausgenommen ICD oder DSM bzw. klar abgrenzender Tests) bestenfalls sehr schwammig sehen konnte. Dies ist keinesfalls eine Kritik - es sieht (für mich) eher so auß, als ob die Grenzen noch nicht erfasst sind bzw. sich erweitern und verändern und dabei auch Faktoren eine Rolle spielen, die auf den ersten Blick nicht viel mit der Gesundheit der Menschen zu tun haben.

    Für die Patienten wiederum könnte es eigentlich nebensächlich sein, wie man diese Störung bezeichnet (obwohl ich manchmal auch den Eindruck bekomme das sich der ein oder andere auch damit rühmt - nur so ein Eindruck). Das große Problem (für mich, wie sicher auch für viele andere Patienten) ist der Leidensdruck der entsteht. Man will eine Erklärung des "Anders seins / anders erlebens" (und da scheint es auch enorme Differenzen in der Wahrnehmung zu geben) und sucht ständig Möglichkeiten der Besserung (oder gibt im schlimmsten Fall auf).
    Desto länger, desto schwieriger wird es mit den Einschränkungen umzugehen, deste deutlicher können mitunter die Beeinträchtigungen sein, welche diese Menschen im Alltag (durch verschiedenste Bedingungen - weites Feld, großes Thema) erfahren. Durch das Leid ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis Komorbitäten entstehen, welche dann weiter zu Verschlechterung des Gesamtzustandes führen können. Aus diesen Gründen ist es wichtig, das den Menschen geholfen wird - hier sind dann in vielen Fällen die Ärzte gefragt, genauso aber auch die Menschen. Ja, es ist wichtig auch seine Grenzen wahrzunehmen.
    Wenn kein Leidensdruck vorhanden ist (oder sich in Grenzen hält bzw. keine besondere Beeinträchtigung ausübt) und man seinen Platz gefunden hat - prima - dann ist man den Anforderungen des Lebens von dieser Seite aus gewachsen.

    web4health schreibt:
    Zudem würde ich erwarten, dass dann zumindest weitere Familienangehörige auffällig betroffen sind und / oder weitere Entwicklungs- und Teilleistungsstörungen syndromtypisch vorhanden sind.
    Hier habe ich auch eine Frage. Wie kann man als erwachsener Sohn oder Enkel noch Einfluss auf die Diagnostizierung von Eltern/Großeltern/Onkeln und Tanten etc. nehmen. Nachweise hierfür zu bringen erfordert in dem Fall doch auch eine "Aufforderung" des Arztes. Menschen, die den Großteil ihres Lebens so verbracht haben, mit der Ansicht sie sind eben schusselig, chaotisch, unruhig, dauernervös, hören nie zu, sind extrem empfindlich wie reizbar etc. sind - diese Menschen haben sich irgendwie damit abgefunden, auch wenn sie sich dadurch regelrecht von ihrer Umwelt abgeschottet haben.
    Ich würde es sehr begrüßen, wenn man die Familie (egal ob der Patient erwachsen ist oder nicht) ebenfalls mit analysiert - und zwar aktiv, so das sie erstmal aufgeklärt werden. In gewisser Weise wurde dies auch bei mir gemacht, aber passiv - nur ich war anwesend und habe einige Angaben zu meiner Familie gemacht. Viele Jahre lang habe ich beobachtet wie sich meine Familie untereinander unnötig das Leben schwer gemacht hat - bei gutem Klima - und doch durch Kleinigkeiten teils aufgerieben. Ich als "Nicht"Arzt schaffe es jedenfalls nicht, gegenwärtig hier einen Impuls zu übermitteln.

    web4health schreibt:
    Ich erlebe halt immer häufiger, dass sich Studenten oder 25-40 jährige eben überfordert vom Leben oder den an sie (nicht) gestellten Anforderungen im Bereich Selbstständigkeit und Anforderungen sehen. Das kann durchaus auf Störungen der Exekutivfunktionen zurückzuführen sein.

    Aber : Die waren in der Kindheit so unauffällig wie ihre Klassenkameraden. Was ihnen fehlte, war der Schritt zur Selbstständigkeitsentwicklung bzw. Übernahme von Eigenverantwortung. Vielleicht auch ein Aushalten bzw. Erleben von Problemen / Frustration etc. Letztlich kommen sie dann in einem Lebensbereich = Studium nicht klar.

    Blöd ausgedrückt : Den fehlte Erziehung bzw. Lebenserfahrung.

    Das ist doch mit ADHS nicht zu erklären bzw. letztlich auch nicht mit MPH oder Amphetamin zu therapieren.
    Was mich hierbei interessieren würde - wie kann dieser Mangel an "Erziehung" und "Lebenserfahrung" nachgeholt werden? Deute ich es richtig, wenn ich schreibe das es diesen Menschen an Problemlösungsstrategien mangelt? Dann wäre ein mögliches Kriterium der Abgrenzung auch das Auftreten der Probleme in nur einem bzw. nicht allen Lebensbereichen? (es sei denn, es kommen weitere "Komplikationen" hinzu) - oder verstehe ich das falsch bzw. sehe es zu einfach?

    Hm, bei mir stehen schon in den Grundschulzeugnissen der ersten Klasse Begriffe wie "vergesslich", "verträumt", "Aufmerksamkeit lässt rasch nach", "muss an seiner Ordnung arbeiten". Menschen entwickeln aber auch Kompensationsstrategien. Mitunter gibt es hier auch einen Spielraum der zum "Übersehen" beiträgt.

    web4health schreibt:
    Eine weitere (für mich weit interessantere Gruppe) sind dann die Hochsensiblen bzw. dissoziativen Klienten. Das ist aber dann ja inzwischen ein langer eigener Thread.
    Darüber würde ich auch gerne mehr lesen. Werde bei Gelegenheit mal wühlen.

    Ich entschuldige mich für die Abschweifungen. Wenn dies unangemessen war, dann bitte ich um eine Info.

    Vielen Dank fürs Lesen
    MfG
    Chaoticus

  6. #16
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    Nur um "richtig" (miss)verstanden zu werden :

    Natürlich muss nicht immer die Diagnose ADHS in der Kindheit "offiziell" gestellt sein. Aber es muss doch schon sehr auffällig sein, dass irgendwas nicht stimmt. Habe gerade rumgezappt und bin beim unsäglichen DSDSkids gestrandet. Da war (mindestens) ein Mädel, die hyperaktiv war. Die hat nun vielleicht keine Diagnose, sondern "Talent". O.K.

    Die muss später nicht auffällig sein, kann aber. Und wenn sie es dann später im klinischen Sinne wird, reicht mir auch dieser "Videobeweis". So unseriös auch die ganze Sendung natürlich ist (und natürlich würde ich nicht aus einem solchen Video ADHS diagnostizieren).

    Mir geht es darum, dass man eben schon auffällig "anders" als andere Kids gewesen sein muss.
    Zumindest die eigenen Eltern müssen das gemerkt haben, dass man anders als die Geschwister war. Oder eben Lehrer, Freunde, Trainer, wer auch immer.

    ADHS beginnt nicht mit 25.

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    web4health schreibt:
    Mir geht es darum, dass man eben schon auffällig "anders" als andere Kids gewesen sein muss.
    Zumindest die eigenen Eltern müssen das gemerkt haben, dass man anders als die Geschwister war. Oder eben Lehrer, Freunde, Trainer, wer auch immer.

    In beiden Diagnosekriterien die ich mir mal angeguckt hab(ICD 10 und DSM IV) steht ausdrücklich, dass es markante Anzeichen für eine ununterbrochene Symptomatik seit der Kindheit(~7 Jahre) geben muss.

    Kann man Ärzten, die sich nicht an sowas halten, nicht die Zulassung entziehen? Fehldiagnose weil man möglichst viele Patienten durchschleusen will($$$) und verschriebene, unnötige Betäubungsmittel sind imho deutlich dramatischer als zu unrecht ausgestellte Atteste an Schüler(da gabs in Essen mal ein paar Mediziner, die deswegen wohl große Probleme mit der Ärztekammer bekamen, auch zu recht).

    Lehrer finde ich persönlich übrigens verlässlicher. Sie sind distanzierter und daher vermeintlich objektiver.
    Meine Eltern waren immer der Meinung, ich sei einfach selbst schuld weil faul und unmotiviert, die Lehrer schrieben ihnen per Zeugnis, ich sei gedanklich äußerst gerne mal abwesend.

  8. #18


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.808
    Blog-Einträge: 40

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    Hallo.

    Wotemer schreibt:
    Kann man Ärzten, die sich nicht an sowas halten, nicht die Zulassung entziehen?
    Sicher nicht.

    Wenn man es einmal geschafft hat, Arzt zu sein, dann müssen schon massive, unentschuldbare und lückenlos nachvollziehbare Fakten vorliegen, die zudem von anderen Ärzten so bestätigt werden*, um rechtlichen Ärger größerer Art zu bekommen.

    * Hier hackt selten eine Krähe einer anderen ein Auge aus.

    Und es gibt eben bis dato keine verbindlichen Richtlinien zu AD(H)S-Diagnostik bei Erwachsenen.

    Leitlinien sind unverbindlich.

    Daher sollte man als Patient auf bestimmte Punkte in der Diagnostik achten, um beurteilen zu können, ob diese fachgerecht und mit einem möglichst sicheren Ergebnis durchgeführt wird.

    Zu einer fachgerechten ADS- / ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen gehört:



    1. Ausführliches, klinisches Interview.
    2. Eigen-Anamnese der aktuellen Problematik.
    3. Fremdanamnese der aktuellen Problematik bei aktuellen Bezugspersonen
    4. Eigen-Anamnese der Problematik in der Kindheit
    5. Fremdanamnese der Problematik in der Kindheit bei Bezugspersonen während der Kindheit und/oder Zeugnissen der Grundschulzeit.
    6. Ausschluss ähnlicher, psychischer Krankheits/Störungsbilder (chron. Depressionen, Borderline-PS, bipolare Störung (auch rapid-cycling/ultra-rapid-cycling), schizophrenia simplex, Asperger-Syndrom, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, generalisierte Angststörung, demente Störungen, Störungen durch Substanzgebrauch (Cannabis, Alkohol, ...)....)
    7. Ausschluss physischer (körperlicher) Krankheiten als Ursache der Symptomatik (z.B. Schilddrüsenprobleme v.a. Morbus Hashimoto und Hypo-/Hyperthyreose sowie Nebenierentumore)
    8. Ermittlung und Graduierung der quasi immer vorhandenen Komorbiditäten (v.a. Depressionen, Angst-/Panik-/Zwangsstörungen, Sozialphobie, Abhängigkeit/Sucht)
    9. sowie des Weiteren noch zusätzliche, individuelle Abklärungen.


    Eine fachgerechte AD(H)S-Diagnostik bei Erwachsenen umfasst möglichst alle aufgeführten Punkte.

    Mit jedem fehlenden Punkt wird die Sicherheit der gestellten Diagnose geringer und die Möglichkeit einer Fehldiagnose steigt.

    Ohne Eigen- und Fremdanamnese der Symptomatik in der Kindheit ist eine Stellung einer AD(H)S-Diagnose nicht möglich.

    Ohne Ausschluss ähnlicher, psychischer Krankheits-/Störungsbilder ist eine Stellung einer AD(H)S-Diagnose nicht möglich.

    Ohne Ausschluss physischer (körperlicher) Ursachen ist eine Stellung einer AD(H)S-Diagnose nicht möglich.

    In allen diesen Fällen ist lediglich das Stellen einer Verdachtsdiagnose möglich.



    LG,
    Alex

  9. #19
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257
    Bei mir war eigentlich nur Punkt 3 schwach ... meine Frau wurde nicht Interviewt.

    Für meine 80 jährigen Eltern hab ich beim 2. Besuch, als ich die Zeugnisse etc gebracht habe, einen Fragebogen bekommen, den haben die aber nicht ausgefüllt - meine Mutter füllt Grundsätzlich keine Fragebögen aus und mein Vater wird bei dem Job wahnsinnig und unangenehm - sondern zu den meisten Fragen Geschichten erzählt ... war ein sehr lustiger, manchmal auch peinlicher Kaminabend. Die hab ich notiert und in der Praxis beim dritten Termin abgeliefert. (Da fällt mir ein: Was noch aussteht ist der Film den mir mein Vater mitgegeben hat. Vergessen.)

    Das MPH-Rezept hatte ich aber schon vorher ... also eigentlich streng genommen ein Fehler. Aber kein schlimmer denn es gab ja die Gutachten und Zeugnisse etc.

    Und Zack. Zumindest ich überlege mir immer wieder ob die Diagnose stimmt denn eigentlich wär man ja gerne normal auch wenn keiner weiß was das ist - Normal. Aber da stimmt alles.

    Ich glaub die Frage nach der Kontinuität ist der Knackpunkt. Klar, das ist DAS Kriterium. Und das macht die Sache auch so schwer - was ist eigentlich ein Hinweis in der Kindheit? ADHS ähnelt eben Übergewicht ... man kann viel und wenig haben und es kann je nach Situation mehr oder weniger krank machen ... und die Einschätzung der Umgebung ... puh, viele ADHSler halten ihren ADHS-Nachwuchs für normal.

    Was ist mit einem hochintelligenten
    Kind, das wegen ADHS nicht studiert aber doch gerade noch unauffällig und problemlos einen mäßigen Realschulabschluss macht - halt nie erwischt worden - dann Banker lernt, wegen seiner Intelligenz und ADHS-typischen Antenne für Menschen bald Filialleiter wird und mit 25 gegen eine Wand rennt weil die Strukturierung nicht mehr hinkommt? Dem kannst du kein ADHS diagnostizieren - oder doch?

    Aber web4health und Alex, ihr habt dennoch recht, ja. Sonst reißt beliebigkeit ein.





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  10. #20
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Ärztezeitung.de: GBA regelt ADHS-Medikation für Erwachsene

    Wildfang schreibt:
    Ich glaub die Frage nach der Kontinuität ist der Knackpunkt. Klar, das ist DAS Kriterium. Und das macht die Sache auch so schwer - was ist eigentlich ein Hinweis in der Kindheit? ADHS ähnelt eben Übergewicht ... man kann viel und wenig haben und es kann je nach Situation mehr oder weniger krank machen ... und die Einschätzung der Umgebung ... puh, viele ADHSler halten ihren ADHS-Nachwuchs für normal.

    Was ist mit einem hochintelligenten
    Kind, das wegen ADHS nicht studiert aber doch gerade noch unauffällig und problemlos einen mäßigen Realschulabschluss macht - halt nie erwischt worden - dann Banker lernt, wegen seiner Intelligenz und ADHS-typischen Antenne für Menschen bald Filialleiter wird und mit 25 gegen eine Wand rennt weil die Strukturierung nicht mehr hinkommt? Dem kannst du kein ADHS diagnostizieren - oder doch?
    Hm, also ich habe Abitur gemacht und studiert. Und war kein hyperaktiv auffälliges Kind. Trotzdem gab es schon im Kindergarten gewisse Bemerkungen von den Erzieherinnen, dass ich so verträumt, verspielt bin und man mich eigentlich noch ein Jahr länger im Kindergarten lassen wollte. Aber von der Intelligenz her war ich eben schon weiter.
    In der Schule ging das dann so weiter. Da fndet man dann diese Bemerkungen auch in den Zeugnissen. Dass ich eben gedanklich nicht so ganz da war, dass ich extrem langsam beim Rechnen war, obwohl ich das eigentlich konnte und wenn jemand neben mir stand, dann war ich genauso schnell wie die anderen.
    Das jährliche Zusammenstellen der " Blättermappe" war für meine Mutter und mich jedes Jahr eine Katastrophe, weil ich das immer vergessen haben und der Zettel war jedes Jahr auch verschwunden und mir ist das erst so einen Tag vor der Abgabe eingefallen und man kann Blätter auch nicht durch Föhnen und Bügeln so schnell zum trocknen bringen...

    Mein Kinderzimmer war die reinste Müllkippe und in der Abizeitung wurden meine "phänomenalen" Verspätungen auch entsprechend "gewürdigt".

    Ich kann mir echt nicht vorstellen, dass man als ADHSler komplett unauffällig durch die Schule kommt. Da muss es zumindest ab und an diverse Elterngespräche gegeben haben.

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