Ich denke auch, dass es einerseits viel zu viele "falsch-positive" und andererseits auch jede Menge unerkannter ADSler gibt. Die Gr√ľnde daf√ľr sind wie schon erw√§hnt wahrscheinlich recht vielf√§ltig.

Ein "reiner ADSler", der sich mit seinen Symptomen genau an den ICD-10 h√§lt wird wahrscheinlich auch von einem 0815-Kinderarzt korrekt diagnostiziert werden. Leider gibt es solche reinen ADSler fast nie. Der erste erschwerende Punkt bei der Diagnose sind die Komorbidit√§ten, die bei ADHS sehr h√§ufig und auch sehr vielf√§ltig sind. So k√∂nnen einzelne Krankheitsbilder verwechselt werden, oder sich gegenseitig √ľberlagern. So k√∂nnte zum Beispiel eine Depression mit starker Antriebsst√∂rung die Hyperaktivit√§t unterdr√ľcken und gleichzeitig die Konzentrationsprobleme erkl√§ren; das ADHS w√§re also fast unsichtbar.

Ein weiteres Problem entsteht insbesondere bei Erwachsenen. Jeder entwickelt im Laufe seines Lebens die verschiedensten Bew√§ltigungsstrategien, um einzelne Symptome zu kompensieren. Manche davon sind n√ľtzlich, manche eher nicht. Die Diagnose erschweren sie alle. Die Hypos k√∂nnen froh sein, wenn sie √ľberhaupt eine Diagnose bekommen. Anscheinend sind die Subtypen auch noch nicht allen bekannt.

Die verschiedenen Faktoren, die eine Diagnose in die eine oder andere Richtung verfälschen können sind so individuell, dass man sie unmöglich (nur) mit einem standardisierten Test erfassen kann. Die (ADHS-)Diagnose ist ein komplexer Prozess, der ganz besonders eines erfordert: eine ordentliche Portion Erfahrung!

lg