Seite 2 von 2 Erste 12
Zeige Ergebnis 11 bis 11 von 11

Diskutiere im Thema "gerne mit Angststörung" im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Neues Forum!
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: "gerne mit Angststörung"

    !Achtung!! Verschärfter Monsterpostingalarm!!!


    datBär schreibt:
    Im zweiten link steht steht inhaltlich auch nicht mehr drin, aber es wird ausführlicher diskutiert.
    Naja, ein bisschen tiefergehener ist der Artikel schon würd ich sagen und auch ein wenig erklärender.
    Auch einige der anschließenden Kommentare sind sehr gut.

    datBär schreibt:
    Ich habe schon an schlimmeren Sitzungen teilgenommen, wo abwertender über "normale" Menschen gesprochen wurde. Ich kenne ein Unternehmen, wo zahlreiche Leute wegen Burn Out ausfallen und wo sich selbst die Arbeitnehmer-Vertreter nicht großartig aufregen.
    Leider kann ich Dir da nur recht geben.
    Kann ich ebenfalls bestätigen.

    datBär schreibt:
    Eigentlich verstehe ich die Diskussion nicht. Die Realitäten vermitteln doch ein ganz anderes Bild, wie wir in Deutschland mit Menschen umgehen. Warum nun jemand mit einer "Angststörung", der zur Behandlung eh keinen Therapeut findet, besonders weich im (vielleicht Nichtstun) weich gebettet werden soll, ist mir unverständlich.
    Hier muss ich zumindest hinterfragen, wie gut Du Dich mit Angststörungen und deren Symptomen/ Auswirkungen auskennst.
    Du hast zwar grundsätzlich recht, in Watte packen ist grundsätzlich nicht der richtige Weg, aber auch da muss man immer den Einzelfall betrachten.
    Teilweise funktioniert ein Angstreduktionstraing und diverse andere Angsttherapien sehr gut, den größten erfolg erzielt da die verhaltenstherapeutische Schule.
    Allerdings auch nur in Grenzen und eines kann man wahrscheinlich von jedem Angspatienten sagen, nämlich dass die Ängste bestehen bleiben, er lernt nur, damit umzugehen.
    Aber sie gehen nicht wieder weg, bzw. eher selten.

    Wobei das nicht mal unbedingt das Problem ist.
    Das Problem ist der Hintergrund, vor dem Frau Schütze-Kreilkamp ihre Aussage trifft.

    Es wäre das eine, einem von einer psychischen Störung Betroffenen zu helfen, wieder am Leben und damit auch Berufsleben teilzuhaben und ihn zu unterstützen, mit Rücksicht und vor dem Hintergrund der Erkrankung.

    Wenn ich mir die Arbeitgeber anschaue, die sich die Asperger heranholen (das wurde ja in dem zweiten Artikel auch angesprochen), dann sehe ich, dass die sich explizit an deren Bedürfnisse anpassen.
    Hier haben wir es schon durchaus mit echter Integration zu tun.
    Da wird den Betroffenen ein Umfeld geschaffen, in dem sie sich wohlfühlen und in dem sie auch überhaupt funktionieren können.
    Klar hat der AG auch da den Gewinn im Sinn und das ist auch vollkommen legitim und in Ordnung, aber er nutzt die Menschen nicht einfach aus, sondern unterstützt sie auch.
    Da heißt es: Stärken stärken und Beeinträchtigungen kompensieren.
    Das allerdings kann ich bei den Aussagen von Frau Schütze-Kreilkamp so gar nicht erkennen.

    Das Gegenteil ist der Fall.
    Während bei den Asperger Betroffenen das Umfeld so eingerichtet wird, dass es ihren Beeinträchtigungen möglicht entgegenkommt und sie damit ihre Stärken nutzen, während die Schwächen weniger ins Gewicht fallen (reizarme Umgebung, klare Kommunikationsstruktur, eigene Pausenräume in denen keiner erwartet, dass man sich unterhalten mus etc.), findet bei dem, was ich von der Managerin herauslese genau das Gegnteil statt:

    Sie nutzt die Beeinträchtigungen aus, nicht die Stärken.

    Sie setzt darauf, dass jemand mit einer Angststörung oder der zwanghaft ist, bei einem Fehler schlaflose Nächte durchlebt und sie setzt darauf, dass er sich hübsch selber unter Druck setzt, statt ihn dabei zu unterstützen, dass er genau das nicht macht.

    Und genau da liegt das Problem und die Unmenschlichkeit.
    Der Kommentar vom 16.02.2014 13:04 (ich möchte keine Klarnamen zitieren) im zweiten verlinkten Artikel der TAZ spiegelt genau das prima wieder.

    Sie setzt auf die Ängste und Probleme, es geht dabei nicht darum, den Betroffenen zu helfen, ihre Stärken zu stärken (oder überhaupt zu erkennen oder anzuerkennen), sondern nur darum, sie nutzbringend zu verwerten, ohne sich dabei zu fragen, was mit dem Betroffenen dabei passiert.

    Ein Beispiel:
    Im Allgemeinen lernt man, wenn man an Vorgesetztenseminaren oder an einer Ausbildung zum Ausbilder etc. teilnimmt, dass ein gutes Maß für Motivation so etwa 70% Kritik und 30% Lob sein sollte.

    Für Menschen ohne psychische Beeinträchtigungen funktioniert das auch sehr gut, so sehen sie, dass sie etwas richtig machen, würde man aber mehr loben und weniger kritisieren, dann erkennt man tatsächlich oftmals, dass die Gefahr besteht, sich "auf den Lorbeeren auszuruhen".

    Einen Zwanghaften aber kann man damit grandios gegen die Wand fahren (übrigens auch einen ADHS-Betroffenen, in dem Punkt sind sie sehr ähnlich)
    Der Zwanghafte ist zutiefst unsicher und gar nicht in der Lage einzuschätzen, ob er etwas richtig oder nicht macht, das u.a. ist der Grund für seine Zwanghaftigkeit und den Pedantismus.
    Und das erzeugt Angst.
    Hier läuft die gesamte Zuverlässigkeit nicht über die positive Motivation, sondern über das Angstzentrum.

    Wenn man auch nur bei der 70/30 Regel bleibt, wird man diesem Menschen über kurz oder lang einen Burn Out diagnostizieren.
    Solche Menschen brauchen weit mehr Lob als Kritik, denn sie sind nicht in der Lage, Lob angemessen aufzunehmen,
    Da das Belohnungszentrum kaum funktioniert (kommt das den ADHS-Betroffenen gerade irgendwie bekannt vor ), fällt das Lob nicht auf fruchtbaren Boden, während Kritik weit überbewertet wird und damit immer mehr Zwang und Kontrollbedarf erzeugt.

    Das "moderne" Management hat durchaus erkannt, dass Angst ein guter Motivator ist und setzt das gerne ein.
    Innerhalb gewisser Grenzen ist das auch ok und hilfreich, problematisch wird es nur dann, wenn man unter Dauerangst steht, denn die Angst ist ein Schutzmechanismus des Wesens und kein Wesen ist darauf ausgerechnet, dauerhaft unter diesem Zustand zu stehen.

    Und einen Menschen mit einer Angststörung, einer zwanghaften PS oder eben auch ADHS genau an diesem Punkt abzufangen und dies zu nutzen, das ist schon sehr verwerflich würde ich sagen.
    Hier werden Schwächen genutzt, nicht Stärken.
    Und das halte ich für ein sehr gefährliches Spiel.

    Selbst mit Menschen, die keine schweren psychischen Störungen aufweisen, ... dass dies so ist, sehen wir ja prima an der Krankheitsrate mit Burn-Out & Co ...

    In Deutschland gibt es mehr psychosomatischen Klinikbetten als im ganzen restlichen Europa.
    Das ist aber keineswegs eine anerkennenswerte Aussage, auch wenn Klinikbetreiber und Kostenträger das gerne so darstellen.
    Das ist ein trauriges Bild, denn es gibt ja einen Grund dafür, dass das so ist.

    Und es zeigt auch, dass das System diese Methoden eher unterstützt, als es zu verbessern.

    Es ist halt einfacher, die Erkrankten wieder "zusammenzuflicken", anstatt dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst erkranken.
    Ich weiß die Quelle nicht mehr, aber wenn ich mich recht erinnere, dann war eine 4-6-wöchtige Rehamaßanahme schon wirtschaftlich rentabel, wenn damit eine EM-Rente für 6 Monate abgewendet wurde (ich bin mir in bezug auf die 6 Monate nicht mehr sicher).
    Naja egal, das ist ein anderes Thema.

    Worauf ich eigentlich hinauswill ist, dass der Hintergund ihrer Aussage die ganze Sache so verwerflich macht.



    datBär schreibt:
    2b. daraus kann durchaus positives abgeleitet werden: Erfolg im Job = selbstbestimmteres Leben, Selbstbewusstsein, Einkommen, .... .
    Ja und nein.
    Wie gesagt haben z.B. Zwanghafte ein extremes problem damit, überhaupt einen Erfolg zu erkennen.
    Deshalb können sie ja nicht aufhören und sind so pedantisch und verlieren sich in Details, obwohl das schon längst nicht sinnvoll ist.
    Dazu kommt, dass ihr Belohnungssystem nicht sonderlich ausgeprägt ist und sie daher einen Erfolg, wenn er denn überhaupt erkannt wird, nicht dauerhaft intern nutzen können.
    Der hat einfach keine Langzeitwirkung, sondern verpufft schnell wieder.

    Einem zwanghaften hilft man nicht damit, ihn in Watte zu packen, sondern damit, ihm zur Seite zu stehen, ihm seinen Erfolg vor Augen zu führen und ihn zu bremsen und zu "leiten", um zu verhindern, dass er aus dem Ruder läuft.
    Frau Dingenskirchen will aber ja genau das Gegenteil, ... sie findet das ja toll, dass die sich so schön reinsteigern ...

    Es wird sich also so ohne weiteres bei einem Zwanghaften kein besseres Selbstbewusstsein, oder korrekter: Selbstwergefühl einstellen/ aufbauen.
    Das funktioniert btw. auch nicht über das Einkommen.


    datBär schreibt:
    2c. Es ist ein Fehler, zu denken, das man sich mit der "Störung" unglücklich ist. Die Möglichkeit zur Selbstausbeutung wird der Betroffene auf anderen Ebenen auch selbstständig erliegen.
    Ebenfalls ja und nein ;
    Du hast damit Recht.
    Aber anders.
    Die meisten Wwanghaften erkennen ihre Störung nicht, sind sich derer gar nicht bewusst, sondern halten das für vollkommen normal.
    Sie erkennen nicht, dass es bei anderen ganz anders läuft, sie können das gar nicht sehen oder wahrnehmen (und man nimmt das wirklich nicht wahr, kein bisschen, ist eher echaufiert, wenn einem das gesagt wird ... allein zu dem Punkt der Krankheitseinsicht zu kommen, ist ein gewaltiger Weg...)


    datBär schreibt:
    Interessanter wäre die Frage, wie die genannten Störungen im Bewerbungsverfahren erkannt werden können und deren Wert beurteilt.
    Das ist sogar relativ einfach.
    Dabei geht es natürlich nicht darum, gleich sowas die Diagnosen zu stellen, aber die charaktierlichen Grundzüge eines Menschen zu erkennen und zuzuordnen ist für einen gut geschulten Personaler eine Kleinigkeit.
    Dafür gibt es eigene Ausbildungen in Ausdrucks- und Persönlichkeitsanalytik.
    In Grundzügen wird das sogar an Verkäufer etc. geschult, da gibt es wunderbare Persönlichkeitsmodelle, wie z.B. MBTI, Biostrukturanalsyse und einige mehjr, anhand derer man lernt, sein Gegenüber schnell und möglichst korrekt einzuschätzen.
    Sicher hat jedes Modell immer Schwächen, aber dafür sind sie auch zielgerichtet ausgelegt.

    Ich habe selber eine solche Ausbildung (ist 'ne prima Kompensation zur Aspergerproblematik) und habe eigentlich eine recht gute Trefferquote.

    Allerdings würde ich das niemal beruflich machen, weil ich mir nie sicher bin, ob ich wirklich richtig liege und dann hätte ich die Verantwortung für die Einschätzung und die Ungewissheit, möglicherweise falsch gelegen zu haben.
    Und den Anforderungen nicht vollkommen gerecht zu werden würde ich nicht aushalten und daran zu Grunde gehen.

    Das gäbe mehr als nur en paar schlaflose Nächte.

    Solange ich das nur für mich mache, ist das gut, sobald da aber mehr dran hängt und es keine Prüfinstanz mehr nach mir gibt, wäre ich vollkommen im Eimer.
    Heute weiß ich das und lerne, damit umzugehen.
    Trotzdem muss ich immer wieder gebremst und von außen geleitet werden, sonst wird das sofort wieder zu einem Selbstläufer.
    (Ist es nicht auch ziemlich interessant, dass ich so genau um diese ganzen Zusammenhänge weiß, sie aber trotzem kaum bis nicht beeinflussen kann?
    Ich kann das Krankheitsbild erklären, aber selber kaum ändern ...)


    Solange das funktioniert, ist das ok.
    Aber soweit ich Frau Schütze-Kreilkamp verstehe, war das nicht gerade das, worum es ihr ging ...

    Wenn sie das auf dem besagten Vortrag so gesagt hat, ohne weiter auf eben all diese Hintergründe und Randbedingungen einzugehen, dann war das eine echt miese Nummer in meinen Augen.
    Wenn sie keine Zeit hatte, das näher zu erläutern, dann könnte ich das verstehen, aber dann wäre es besser gewesen, lieber nichts zu sagen, als nur den Kern, besonders wenn die anderen dann aus dem Vortrag gehen und das total toll finden ...

    Sorry, mal wieder ein Monsterposting und auch wenn ich hauptsächlich Dich zitiert habe, so soll das nur sachlich und inhaltlich gemeint sein,
    Geändert von Fliegerlein (18.02.2015 um 17:15 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

Seite 2 von 2 Erste 12

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 5.12.2014, 21:18
  2. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 29.01.2014, 19:27
  3. Wie schnell könnt ihr auf die Aufforderung "links" oder "rechts" reagieren ?
    Von IonTichy im Forum ADS ADHS Erwachsene: Umfragen
    Antworten: 48
    Letzter Beitrag: 18.10.2013, 12:45
  4. Antworten: 54
    Letzter Beitrag: 25.05.2013, 20:45

Stichworte

Thema: "gerne mit Angststörung" im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Neues Forum!
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum