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Diskutiere im Thema "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..." im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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  1. #61
    asdf23

    Gast

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    Wildfang schreibt:
    Ich sehe ADHS aber ganz deutlich als Krankheit. Ich hätte auch auf der berühmten Insel meine Probleme damit.
    Zwar ist es richtig, dass in unserer heutigen (Leistungs-)gesellschaft die Probleme des ADHS besonders auffallen, insbesondere was Pünklichkeit, Reizüberflutung, Ordnung, Konzentration usw. angeht. Aber es stimmt auch, dass ADHS in entspannten Situationen ebenfalls Probleme machen kann. Zum Beispiel weil es schwer fällt überhaupt entspannen zu können.

    An freien Tagen nehme ich mir oft vor, dass ich einige Sachen mache für die ich sonst keine Zeit habe, z.B. Joggen gehen, einen Film schauen, Zeitung lesen.

    Leider läuft es dann aber meistens so ab, dass ich schon mal viel zu spät aufstehe (Wecker stellen bringt in der Regel gar nichts, auch wenn ich das am Vorabend noch in gutem Willen glaube. Ohne externe Verpflichtungen schlafe ich in 95 % der Fällen einfach wieder ein, nichts zu machen.)
    Dann will ich frühstücken, setze mich aber erst mal an den PC. Dort finde ich im Internet was Interessantes, vergesse die Zeit und plötzlich sind zwei Stunden rum. Ich merke dass ich Heißhunger habe, je nach dem auch noch Schwindel oder Augenbeschwerden vom Computerbildschirm (vergesse dann beim Lesen schon mal zu blinzeln und solche Sachen). Dann koche ich was, wofür ich in der Regel recht lange brauche (wie für alle Haushaltstätigkeiten). Zeitung lesen schaffe ich dann vielleicht peripher beim Mittagessen.
    Wenn es mal gut läuft, raffe ich mich Nachmittags auf zum Joggen oder irgendetwas anderem aktivem. Wenn es nicht so gut läuft, spiele ich wieder Computer oder surfe im Internet und vergesse die Zeit. Dann ist es plötzlich 18 Uhr und ich bekomme ein schlechtes Gewissen, bis hin zu richtig schlechter Laune. Mit dem Tag ist dann auch nicht mehr allzu viel anzufangen. Also esse noch eine Kleinigkeit und wenn sich was ergibt, gehe ich mit Freunden noch einen Trinken. Den Film verschiebe ich auf irgendwann (der Stapel vor meinem Fernseher wird immer größer), der Zeitungsstapel genauso.

    Wenn das an einzelnen Tagen mal vorkommt, mag das verkraftbar sein. Wenn das aber den Großteil der freien Tage ausmacht, wird es irgendwann frustrierend. Man kommt sich uneffktiv vor. Ich könnte die Zeit auch nutzen um z.B. Krafttrainig zu machen, aber das erfordert ja Kontinuität. Und so dreht man sich im Kreis

    Na immerhin gibt's auf einer einsamen Insel keine Computer..


    Und wenn ein Urlaubstag zu stark struktiert ist, nervt es mich auch wieder (wer Interesse hat mag daher diesen Beitrag von mir mal lesen: https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-er...isen-u-ae.html. Man muss da halt irgendwie einen Mittelweg finden
    Geändert von asdf23 (20.10.2013 um 02:20 Uhr)

  2. #62
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    So ist es.

    Zumindest bei mir kommen noch richtige Körperliche Probleme durch permanente Muskelanspannungen etc hinzu - Konkret: Nacken- und Rückenschmerzen, Magenkrämpfe, Bluthochdruck, Zähneknirschen und und und. Alles unabhängig vom äußeren Stress - also auch im Urlaub etc, Entspannung bringt wenig und das hätte ich sicher auch auf der Insel.

    Weil ich das bis auf Bluthochdruck alles seit meiner Kindheit habe und alles durch MPH besser geworden ist schieb ich es mal komplett auf ADHS-Folge.




    ---
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  3. #63
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    Wildfang schreibt:
    So ist es.

    Zumindest bei mir kommen noch richtige Körperliche Probleme durch permanente Muskelanspannungen etc hinzu - Konkret: Nacken- und Rückenschmerzen, Magenkrämpfe, Bluthochdruck, Zähneknirschen und und und. Alles unabhängig vom äußeren Stress - also auch im Urlaub etc, Entspannung bringt wenig und das hätte ich sicher auch auf der Insel.

    Weil ich das bis auf Bluthochdruck alles seit meiner Kindheit habe und alles durch MPH besser geworden ist schieb ich es mal komplett auf ADHS-Folge.
    Dito.
    Und soweit ich die Fachliteratur und diverse Fachleute verstehe und verstanden habe, ist dem auch so.
    ADS führt bedingt durch die Stoffwechselstörung zu einer permanent erhöhten Anspannung, was bei vielen, ... sehr vielen ADS-Patienten zu chronischen Spannungsschmerz und Haltungsschäden führt/ führen kann.
    Bis auf den Bluthochdruck (den ich nicht habe) kann ich die komplette Auflistung für mich ebenfalls bestätigen, ebenfalls schon immer, solange ich mich erinnern kann.

  4. #64
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    @asdf23: Deinen Beitrag muss ich meinem Freund zeigen.
    Wir sind beide so und es ist schlimm und gerade dieses immerwährende Gefühl,
    absolut faul, unfähig und eben uneffektiv zu sein, ist ziemlich zermürbend.

    Vor allem wenn Leute ankommen und berichten, wie sie morgens um 8 Uhr aufstehen,
    sich an den Schreibtisch setzen und fleißig arbeiten und meinen, man müsse sich doch einfach überwinden,
    sie schaffen es ja auch!
    Einfach früher aufstehen und "sich zusammenreißen", dann klappt das schon.

    Wenn ich Verpflichtungen habe, ist das alles kein Problem. Aber mit einem Studienfach,
    dass sehr viel Selbstdisziplin verlangt, ists verdammt hart und psychisch geht man fast zwangsläufig zugrunde.

  5. #65
    asdf23

    Gast

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    Wildfang schreibt:
    So ist es.

    Zumindest bei mir kommen noch richtige Körperliche Probleme durch permanente Muskelanspannungen etc hinzu - Konkret: Nacken- und Rückenschmerzen, Magenkrämpfe, Bluthochdruck, Zähneknirschen und und und. Alles unabhängig vom äußeren Stress - also auch im Urlaub etc, Entspannung bringt wenig und das hätte ich sicher auch auf der Insel.

    Weil ich das bis auf Bluthochdruck alles seit meiner Kindheit habe und alles durch MPH besser geworden ist schieb ich es mal komplett auf ADHS-Folge.
    Bei dir ist es sicher noch mal eine ganze Spur heftiger, Rücken- und Magenprobleme habe ich aber auch schon seit der Kindheit (zum Glück kein Bluthochdruck), insofern kann ich dem zustimmen. Habe das allerdings bislang nicht auf ADHS zurückgeführt, sondern den Zusammenhang wenn dann anders herum gesehen: Rückenschmerzen usw. erzeugen bei einem Kind ADHS-Symptome, es muss sich ja irgendwie artikulieren, also schreit und heult es.

    Umso interessanter ist nun, dass das bei dir durch die Medis besser wurde. Kann dazu nichts sagen, nehme nämlich bisher keine. Aber Fliegerlein bestätigt das ja noch mal in seinem Beitrag, wobei die Erklärung über die dauernde Anspannung plausibel klingt.

    Und diese Anspannung kann ich im Nachhinein auch in meiner Kindheit bestätigen. Schon bei harmlosen Sachen wie Kindergeburstagen habe ich vorher ein angepanntes, deutliches Kribbeln im Bauch gehabt. Das war teilweise positiv, nämlich Vorfreude, aber trotzdem auch gemischt mit Nervosität.
    Das hat sich in der Schulzeit dann zeitweise so verschlimmert, dass ich im morgendlichen Bus aus für mich unerklärlichen Gründen regelrechte Schweißausbrüche bekommen habe, vor allem wenn kein Sitzplatz mehr frei war. Es fühlte sich an wie Hochleistungssport. Mein T-Shirt war nachher klatschnass, ich war reif für eine Dusche. Das war dann überhaupt nicht mehr positiv besetzt.
    Geändert von asdf23 (21.10.2013 um 01:11 Uhr)

  6. #66
    asdf23

    Gast

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    ReRegenbogen schreibt:
    @asdf23: Deinen Beitrag muss ich meinem Freund zeigen.
    Wir sind beide so und es ist schlimm und gerade dieses immerwährende Gefühl,
    absolut faul, unfähig und eben uneffektiv zu sein, ist ziemlich zermürbend.

    Vor allem wenn Leute ankommen und berichten, wie sie morgens um 8 Uhr aufstehen,
    sich an den Schreibtisch setzen und fleißig arbeiten und meinen, man müsse sich doch einfach überwinden,
    sie schaffen es ja auch!
    Einfach früher aufstehen und "sich zusammenreißen", dann klappt das schon.

    Wenn ich Verpflichtungen habe, ist das alles kein Problem. Aber mit einem Studienfach,
    dass sehr viel Selbstdisziplin verlangt, ists verdammt hart und psychisch geht man fast zwangsläufig zugrunde.
    Morgens um 8 Uhr aufstehen, ohne Verpflichtung... Da muss ich lachen
    Ich würde gerne, aber ich kann das praktisch nie umsetzen. Ein Spruch wie "reiß dich zusammen" hilft da auch nicht.

    Gerade beim Studium ist es halt eine richtige Herausforderung. Wenn ich arbeite, bleibt mir nichts anderes übrig als morgens aufzustehen. Dann bin ich oft Abends schon so nervös, dass ich kaum einschlafen kann. Ich mache mir Gedanken, ob denn auch wirklich morgen früh der Wecker klingelt, damit ich ja nicht verschlafe. Dabei wache ich dann meistens sogar kurz vor dem Wecker auf.
    Habe ich dann aber wieder Uni, sieht es anders aus. Keiner kontrolliert dort meine Anwesenheit, ich bin auf mich allein gestellt. Das "Risiko", dass ich frühe Vorlesungen sausen lasse ist also dementsprechend hoch.

    In der Schulzeit war das hilfreiche, dass meine Eltern mich noch geweckt haben. Weil wenn sie mich nicht geweckt haben, habe ich halt gerne mal den Bus verpasst.

    Das Krasse ist, weil man mit ADHS bei solchen Sachen offensichtlich eine gehörige Lernresitzenz hat, hilft der ADHSler sich mit so etwas wie Panik (ich erklär's mir zumindest so). Wenn ich zur Arbeit muss, werde ich eben Abends schon so panisch, dass ich morgens auch definitiv aufwache. Gesund ist das auf Dauer sicherlich nicht.
    Geändert von asdf23 (21.10.2013 um 01:14 Uhr)

  7. #67
    Mumford

    Gast

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    asdf23 schreibt:
    Wenn ich zur Arbeit muss, werde ich eben Abends schon so panisch, dass ich morgens auch definitiv aufwache. Gesund ist das auf Dauer sicherlich nicht.
    Das erinnert mich an die (kurze) Zeit, wo ich noch bei der Post gearbeitet habe. Da bin ich oft erst auf den letzten Drücker zur Arbeit gekommen. Auch habe ich immer etwas länger für meine Touren gebraucht (-als "Springer" ist man sowieso angeschissen, salopp ausgedrückt). Am Ende war mir morgens immer schlecht, so dass ich manchmal sogar kotzen musste. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum andere das (anscheinend) packen, bloß ich nicht.

  8. #68
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    asdf23 schreibt:
    Das Krasse ist, weil man mit ADHS bei solchen Sachen offensichtlich eine gehörige Lernresitzenz hat, hilft der ADHSler sich mit so etwas wie Panik (ich erklär's mir zumindest so).
    Das ist eine sehr schöne und zutreffende Erklärung.
    Und auch vollkommen logisch, ... leider.

    Um mal wieder Barkley zu zitieren:
    "ADHS is not a Disorder of Knowledge, ... it never was, ... it's a Disorder of doing what you know.

    Und genau das ist der Punkt und Du beschreibst das sehr gut.
    Wir wissen das Alles durchaus, nur sind wir nicht in der Lage, dieses Wissen auch anzuwenden.
    Warum das so ist ließ sich in der jüngeren Vergangenheit schon immer besser anhand von funktionellen Scans darstellen ...

    Was die Menschen eben nicht (verständlicherweise) verstehen und was immer wieder zu den von Dir genannten Sätzen und zu Sätzen wie "Du kannst wenn Du willst, Du willst nur nicht" führt ist eben genau dieser Punkt, ....
    Ein Rollstuhlfahrer, der z.B. nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, weiß auch wie es geht, einfach aufzustehen und zu gehen.
    Er kann auch (sinngemäß) die Befehle erteilen, die nötig sind, er kennt sie.
    Aber sie kommen nicht am Zielort an, weil die Befehlskette unterbrochen ist.
    Simpel ausgedrückt ist die Leitung gekappt.
    Und genau das ist auch bei ADS der Fall.

    Und in der Tat ist es bei vielen ADS'lern eine typische Kompensationsstrategie, das über die Angst zu korrigieren.

    Und das ist auf Dauer ganz und gar nicht gesund ... ganz im Gegenteil.

    Übrigens ist das, sofern ich das Alles richtig verstehe, auch ein Grund dafür, dass Angsterkrankungen bei den Komorbiditäten so häufig sind, die häufigste Komorbidität, wenn ich mich recht erinnere.
    Allerdings ist es nicht einfach, eine Angsterkrankung tatsächlich zu diagnostizieren, wie auch Martin Winkler vor nicht allzu langer Zeit in seinem Blog mal sehr schön beschrieb.
    Denn im Gegensatz zu einer "klassischen" Angststörung, sind unsere Ängste real.
    Ein Angstpatient hat Angsphantasien, die Ängste sind nicht realistisch, sie sind irrational.
    Das ist bei ADS'lern anders.
    Wir haben die Ängste aus der Erfahrung heraus entwickelt, ... die Auslöser sind echt und nicht eingebildet.

    Aber dieser Mechanismus der dahinter steht, ist wirklich sehr sehr spannend.

    Deine Erklärung ist also eine sehr zutreffende Erklärung.

    Angst und Druck sind ja durchaus wirksame Motivatoren, ....
    Aber der Mensch ist nicht dafür gebaut, diesen Faktoren auf Dauer ausgesetzt zu werden.
    Und gerade Angst kann schnell zu einem Selbstläufer werden.
    Und bedenkt man, dass man in besagten Scans (üblicherweise funktionelle Magnetresonanztomographien) ohnehin schon festgstellt hat, dass bei ADS'lern eine Fehlfunktion der Amygdala vorliegt, ist das ganze eine Wanderung auf einem sehr schmalen Grat, ... sozusagen auf des Messers Schneide.

    Viele Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (21.10.2013 um 15:40 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  9. #69
    asdf23

    Gast

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    Fliegerlein schreibt:
    Das ist eine sehr schöne und zutreffende Erklärung.
    Und auch vollkommen logisch, ... leider.

    Um mal wieder Barkley zu zitieren:
    "ADHS is not a Disorder of Knowledge, ... it never was, ... it's a Disorder of doing what you know.

    Und genau das ist der Punkt und Du beschreibst das sehr gut.
    Wir [b]wissen[/i] das Alles durchaus, nur sind wir nicht in der Lage, dieses Wissen auch anzuwenden.
    Warum das so ist ließ sich in der jüngeren Vergangenheit schon immer besser anhand von funktionellen Scans darstellen ...
    Ich kann Barkley da nur zustimmen. Es liegt nicht darin, dass man nicht weiß wie es geht. Sondern es liegt daran, dass die Umsetzung nicht gelingt. Vermutlich hat das sehr viel mit impulsiven Entscheidungen zu tun.

    Ein einfaches, aber leider typisches Beispiel: Man sagt aus dem Bauch heraus drei Terminen zu, die alle kurz hintereinander liegen. Dabei weiß man genau, dass es A) verflixt eng und B) gewaltigen Stress geben wird. Letztlich ist man dann überall zu spät, die Beteiligten genervt und man selbst frustriert. Aber das nächste mal läuft dann alles wieder haargenauso ab.

    Fliegerlein schreibt:
    Übrigens ist das, sofern ich das Alles richtig verstehe, auch ein Grund dafür, dass Angsterkrankungen bei den Komorbiditäten so häufig sind, die häufigste Komorbidität, wenn ich mich recht erinnere.
    Allerdings ist es nicht einfach, eine Angsterkrankung tatsächlich zu diagnostizieren, wie auch Martin Winkler vor nicht allzu langer Zeit in seinem Blog mal sehr schön beschrieb.
    Denn im Gegensatz zu einer "klassischen" Angststörung, sind unsere Ängste real.
    Ein Angstpatient hat Angsphantasien, die Ängste sind nicht realistisch, sie sind irrational.
    Das ist bei ADS'lern anders.
    Wir haben die Ängste aus der Erfahrung heraus entwickelt, ... die Auslöser sind echt und nicht eingebildet.
    Das von Martin Winkler beschriebene Wiederholungsverhalten kommt mir bekannt vor, ich denke ADSler neigen in der Tat dazu, peinliche Situationen zunächst einfach passieren zu lassen. Die Unsicherheit oder sogar Angst beginnt oft erst spät, vielleicht wenn sich Situationen zu stark häufen.
    Mir kommt übrigens die Beschreibung der "selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung" bei ADS treffender vor, als die Beschreibung einer Sozialphobie.

    Wie ist eigentlich der Forschungsstand bei Kindern? Soziale Ängste entwickeln sich bei ADS wohl erst recht spät, sozusagen nachdem schon viel negatives passiert ist. Aber wie ist das mit einer allgemeinen Unsicherheit? Gilt diese bei Kindern mit AD(H)S als tendenziell höher als bei der Normalbevölkerung? Kommen klassische Phobien wie Höhen- oder Spinnenangst häufiger vor? Denn man hört ja auch häufig, ADSler seien besonders risikofreudig. Ich kann das für meine Kindheit gar nicht so einheitlich beurteilen (in mancher Hinsicht sehr unsicher, in anderer wieder überhaupt nicht), wobei ich die oben beschriebene Nervosität halt gut kenne.

  10. #70
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: "Beichte auf dem Sterbebett: ADHS gibt es gar nicht..."

    asdf23 schreibt:
    Ich kann Barkley da nur zustimmen. Es liegt nicht darin, dass man nicht weiß wie es geht. Sondern es liegt daran, dass die Umsetzung nicht gelingt. Vermutlich hat das sehr viel mit impulsiven Entscheidungen zu tun.
    Ich würde sagen: Auch.
    Insgesamt ist Dein Beispiel ein sehr schönes dafür, wie komplex ADS ist und dass es eben weit mehr als nur eine Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ist.


    asdf23 schreibt:
    Ein einfaches, aber leider typisches Beispiel: Man sagt aus dem Bauch heraus drei Terminen zu, die alle kurz hintereinander liegen. Dabei weiß man genau, dass es A) verflixt eng und B) gewaltigen Stress geben wird. Letztlich ist man dann überall zu spät, die Beteiligten genervt und man selbst frustriert. Aber das nächste mal läuft dann alles wieder haargenauso ab.
    da kommt so richtig alels mögliche "aus dem Hause ADS" zusammen
    Da ist zum Einen die Impulsivität.
    Aus dem Impuls heraus wird zugesagt, und selbst wenn man das gerade im Kopf durchkalkuliert, dann wird dabei dennoch die Hälfte entweder übersehen oder falsch eingeschätzt.
    Wer sich zum Kino verabredet, weiß ja auch üblicherweise, dass man da erstmal hinfahren , den Verkehr einkalkulieren, einen Parkplatz finden, Tickets kaufen muss usw.
    das "weiß" auch ein ADS'ler, aber da er zeitblind ist, sind ihm die dazugehörigen Zeiträume gar nicht klar, er kann sie nicht "erfühlen", hat also keinerlei Gefühl dafür und verkalkuliert sich granatenmäßig.
    Genauso wie er gerne übersieht, dass man von einem Termin irgendwie auch zum anderen kommen muss und so weiter und so weiter.

    Also kommen da mehrere Punkte zusammen, an denen sich die ADS erkennen lässt:
    - Impulsivität (nicht selten auch gekoppelt an die sehr hohe Hilfsbereitschaft eines ADS'lers, der ja auch sehr gerne spontan zusagt, wenn er helfen kann).
    - Zeitblindheit -> eben nicht in der Lage zu sein, ein Gefühl für Zeiträume zu haben und daher kalkuliert man falsch
    - Höhere Planungsfunktionen (ich weiß grad nicht die genaue Bezeichnung dazu, sorry) -> was bedeutet, dass eine Aufgabenplanung,
    je komplexer sie ist, immer schwieriger für uns zu überschauen ist. Soll heißen: Eine Planung von mehreren Arbeitsschritten,
    welche alle auf ein einzelnes Ziel gerichtet sind, funktioniert bei uns nur bis zu einem gewissen Grad, ab dann verlieren wir schlicht den Überblick,
    weil wir nicht alle Schritte behalten können, sondern sowas wie einen "begrenzten Arbeitsspeicher" haben.
    - Begrenztes Arbeitsgedächtnis -> was nichts anderes bedeutet als: Wir vergessen Dinge, wobei das Arbeitsgedächtnis ein besonderes Gedächtnis ist.
    Hier findet man so eine Art "Ultrakurzzeitspeicher", der es einem Menschen ermöglicht, viele Dinge gleichzeitig zu überblicken.
    Bei uns ist das meist beeinträchtigt. Merkt man nicht selten z.B. bei solchen Dingen wie Kopfrechnen:
    Wenn Zwischensummen gebildet werden sollen, kommen wir oftmals nicht weiter, weil wir irgendeine Zahl immer vergessen und die Rechnung daher
    immer wieder neu ansetzen müssen, wir vergessen entweder die Ausgangswerte oder die Zwischensumme ... ich hab damit ein Riesenproblem...

    Kurzum, da findet man fast alle exekutiven Funktionen wieder, welche eben genau die sind, die bei ADHS beeinträchtigt sind.

    Wir haben das Wissen, auch an mangelnder Intelligenz liegt es nicht und auch nicht an mangelndem Willen .... die Schwachstelle ist genau da zu finden.


    asdf23 schreibt:
    Das von Martin Winkler beschriebene Wiederholungsverhalten kommt mir bekannt vor, ich denke ADSler neigen in der Tat dazu, peinliche Situationen zunächst einfach passieren zu lassen. Die Unsicherheit oder sogar Angst beginnt oft erst spät, vielleicht wenn sich Situationen zu stark häufen.
    Mir kommt übrigens die Beschreibung der "selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung" bei ADS treffender vor, als die Beschreibung einer Sozialphobie.
    Sehe ich auch so und entspricht auch meinen Erfahrungen.
    Obwohl ich seit je her ein eher zurückhaltender und sehr schüchterner Mensch bin, wenn auch situationsbezogen, habe ich diese Situationen nicht von vornherein gemieden.
    Lange lange Zeit nicht.
    Das kommt, meiner Erfahrung nach, tatsächlich erst im Laufe der Jahre mit der dazugehörenden, schlechten Erfahrung.


    asdf23 schreibt:
    Wie ist eigentlich der Forschungsstand bei Kindern? Soziale Ängste entwickeln sich bei ADS wohl erst recht spät, sozusagen nachdem schon viel negatives passiert ist. Aber wie ist das mit einer allgemeinen Unsicherheit? Gilt diese bei Kindern mit AD(H)S als tendenziell höher als bei der Normalbevölkerung? Kommen klassische Phobien wie Höhen- oder Spinnenangst häufiger vor? Denn man hört ja auch häufig, ADSler seien besonders risikofreudig. Ich kann das für meine Kindheit gar nicht so einheitlich beurteilen (in mancher Hinsicht sehr unsicher, in anderer wieder überhaupt nicht), wobei ich die oben beschriebene Nervosität halt gut kenne.
    Das sind gute Fragen.
    Wie der Forschungsstand bei Kindern , weiß ich leider überhaupt nicht, ich bin da total auf die Erwachsenen fixiert.
    Mein eigenes Erleben ist allerdings, dass ich auch als Kind eher ruhig, ängstlich und zurückhaltend war und noch bin, aber doch sehr situationsbedingt (etwas schwer das zu beschreiben).

    Wie es mit Phobien ist, kann ich ebenfalls nicht genau sagen.
    Auch da kann ich nur meine eigenen Erfahrungen beitragen:
    Ich hatte eine Zeitlang eine Amaxophobie, eine Fahrangst, also Angst vor dem Autofahren.
    Das war auch mit Sicherheit eine Phobie und demnach auch eine klar irrationale Angst, zumal ich ja schon seit 30 Jahren Auto gefahren bin und das gerne.
    Der Auslöser ist aber interessant, denn das passt wieder in die hier genannten Beispiele:
    Die Angst vor dem Autofahren war eine Projektion.
    Die eigentliche Angst war die vor der Arbeit.
    Eine, bei der ich täglich total überfordert war, weil es, wie ich heute weiß, das totale Gegenteil dessen war, was man einem ADS'ler wie mir antun sollte.
    Die Angst vor dem, was kommt, Fehler zu machen, wichtige Dinge zu vergessen, zu übersehen etc, wurde immer und immer schlimmer.
    Aber ich habe mich dagegen gewehrt und bin weiter zur Arbeit gefahren.
    Die Reaktion des Körpers war dann eine drastische, eben die Amaxophobie.
    Dein Körper versucht Dich zu schützen, auf Biegen und Brechen.
    Und wenn Du nicht auf ihn hörst, dann greift er zu ganz anderen Mitteln.

    In meinem Fall war das die Fahrangst.

    Solche Phobien lassen sich bei ADHS'lern auch, soweit ich das verstehe, recht gut über das Angstreduktionstraining wieder in den Griff bekommen.

    Natürlich muss der auslösende Faktor erkannt und beseitigt werden, ganz klar.
    Aber danach kann man mit Desensibilisierungstraining und positiven realistischen Gedanken die Angst wieder in "normale Bereiche" bewegen.
    Das liegt auch einfach daran, dass diese Ängste ja tatsächlich irrational sind.
    Die anderen Ängste der ADS'ler dagegen sind sehr real, denn sie basieren auf zigmal gemachten eigenen Erfahrungen ... da wirds schon schwieriger.


    So, ... wieder viel getextet, ... sorry, ... war hoffentlich nicht zu viel...

    Liebe Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (21.10.2013 um 17:12 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

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