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Diskutiere im Thema Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien
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  1. #21
    Indigowoman

    Gast

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Ich verfolge die Diskussion mit Interesse.

    An Eiselein: Das hast du gut beschrieben mit der Faustregel und der längerfristigen Leistungsbilanz mit Ritalin. Anscheinend recherchierst du viel. Das ist mir lieber als die blöden Reporter, die sich nur oberflächlich informieren und dann voll Stimmungsmache mit wenigen Fakten und viel Theorien betreiben. Aber bei der Beschreibung der angeblich eigentlichen Symptome von AD(H)S irrst du. Was du beschrieben hast, ist nur eine Ausprägung von AD(H)S. Es gibt verschiedene. Über mich kann ich z.B. nicht behaupten, ich sei ständig unterreizt und brauche Fremdanleitung von außen. Ich bin ständig voller Ideen. Länger zu lesen fällt mir dadurch schwer. Immer wieder zwingen irgendwelche Impulse mich, zwischendurch aufzustehen. Sei es, um mal kurz zu lüften, sei es, um schon mal den Käse für das Abendessen rauszustellen (damit er weich wird - so schmeckt er am besten) oder irgend eine andere Kleinigkeit zu erledigen.

    An Chaostanja: Du hast das verstanden, dass sich AD(H)S nicht auf drei Typen begrenzen lässt, sondern es verschiedene Ausprägungen gibt. Man muss ja nur mal zu so einer Selbsthilfegruppe gehen und mit den Leuten reden, um festzustellen, wie verschieden sie sind. Auch die mit gleichen Ausprägungen haben doch verschiedene Alltagsstrategien und Lebensläufe. Auch was die unvollständige Ausführung von Wikipedia angeht, gebe ich dir recht!

    An Fliegerlein: Das ist interessant, was du schreibst. Ich merke, dass ich nicht mehr auf dem neuesten Stand bei AD(H)S bin. Kannst du vielleicht im Internet eine gute Quelle angeben, wo alles ausführlich beschrieben ist (möglichst für Laien verständlich)?

    Grüße, Indigowoman

  2. #22
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Indigowoman schreibt:
    Aber bei der Beschreibung der angeblich eigentlichen Symptome von AD(H)S irrst du.
    Oh nicht doch, ich fürchte er irrt ganz und gar nicht .

    Und direkt mit dem übernächsten Satz in Deinem Posting gibst Du ihm auch gleich recht :

    Über mich kann ich z.B. nicht behaupten, ich sei ständig unterreizt und brauche Fremdanleitung von außen. Ich bin ständig voller Ideen. Länger zu lesen fällt mir dadurch schwer. Immer wieder zwingen irgendwelche Impulse mich, zwischendurch aufzustehen. Sei es, um mal kurz zu lüften, sei es, um schon mal den Käse für das Abendessen rauszustellen (damit er weich wird - so schmeckt er am besten) oder irgend eine andere Kleinigkeit zu erledigen.
    Denn was Du da beschreibst, ist genau das, was auch Eiselein geschrieben hat.

    Gäbe es besagte "Reizunterflutung" nicht, würdest Du nämlich Dein Buch weiterlesen und nicht die anderen Dinge tun, die in diesem Moment nicht wichtig sind, denn der Reiz des Lesens wäre stark genug, um den anderen gegenüber zu dominieren und alle anderen Tätigkeiten zu unterdrücken.

    Und schon kommen wir zum nächsten Punkt, nämlich Strukturierung von außen, die Du nun bräuchtest in Form eines Anderen der Dir sagt "Nönönönööö ... nix aufstehen und was anderes machen, sitzen bleiben und lesen" .

    Das hat nichts mit unterschiedlichen Ausprägungen zu tun, sondern mit grundlegenden Funktionen, die alle ADS'ler gemeinsam haben.
    Das bedeutet nicht, dass alle ADS'ler gleich sind, es bedeutet nur, dass alle u.a. diese grundlegende Fehlfunktion gemeinsam haben.

    Es ist nur so, dass der Begriff "Reizüberflutung" eigentlich nicht korrekt ist, obwohl er im Grunde schon beschreibt, was wir erleben, aber fachlich ist der falsch.

    Wir werden im eigentlichen Sinne nicht überflutet.
    Das trifft sowohl auf neuronale Reizübertragung zu (was das Beispiel mit dem "Dopaminstaubsauger" ja bestens beschreibt), als auch auf von Außen einwirkende Reize.

    Kleines Beispiel:
    Wenn ich mit meiner Frau auf eine Cocktailparty gehe (was eher nicht vorkommt), dann gibt es dort viele Menschen, die stehen da rum und unterhalten sich, im Hintergrund läuft leise Musik und so weiter.
    Nun kommt ein Bekannter auf uns zu und unterhält sich mit uns.
    Sie kann das .... ich nicht.
    Ich bekomme nichts mit, für mich ist alles gleich laut, das prasselt alles auf mich ein, ich kann nichts voneinander unterscheiden und steige aus dem Gespräch aus, bevor ich eingestiegen bin.

    Jetzt wird man wahrscheinlich sagen. "Ja klar, Du bist ja jetzt auch vollkommen reizüberflutet".

    Das ist aber faktisch nicht korrekt.

    Dagegen spricht nämlich, dass es allen anderen und meiner Frau nicht so geht.

    Eine Überflutung von Reizen würde bedeuten, dass ich mehr abbekomme als die anderen und das stimmt nicht.
    Meine Frau hört genauso viel wie ich, sie hört sogar besser als ich, und sie sieht auch besser als ich, also bekommt sie nicht nur die gleichen optischen und akustischen Reize mit wie ich, sie bekommt sogar mehr mit.
    Mir werden nicht zwei Eimer Wasser über den Kopf geschüttet, während andere nur einen Eimer abbekommen.... wir sitzen alle in der selben Wanne ....
    Und da sitzt kein kleiner Mann im Ohr der festlegt, "Ey, ... Du kommst hier net rein", alles was von Ohren und Augen aufgenommen wird, geht auch ans Gehirn.

    Also muss es einen anderen Grund geben, eine Überflutung kann es nicht sein.
    Ich höre und sehe genau das selbe wie meine Frau und alle anderen auf der Party.

    Der Unterschied ist, dass sie entscheiden kann, was wichtig ist und was nicht.
    Der auditive Reiz ihres Gegenübers ist wichtiger, als der Rest um sie herum.
    Also kann sie ihn so verstärken, dass sie nur ihn wahrnimmt und die anderen dabei außen vor lässt.
    Genau das können wir nicht.
    Auf uns prasselt alles gleich ein.
    Da wo wir jetzt gerne die Reizübertragung verstärken wollen, passiert nicht mehr, als bei allen anderen Reizen ... also hören wir alles gleich laut.
    Diese Fehlfunktion der neuronalen Reizübertragung sorgt dafür, dass die Signale nicht in der Form für diesen bestimmen Reiz weitergegeben werden, wie es angebracht wäre.
    Bei meiner Frau und allen anderen Nicht-ADS'lern aber funktioniert das.
    Die können diesen einen Reiz dominieren und die anderen dümpeln vor sich hin, bewirken aber nichts.
    Aus der ganzen Stimmensuppe, die auf sie genauso einwirkt wie auf mich, pickt sie sich diese eine Stimme raus und kann sich darauf konzentrieren.


    Wenn Du während des Lesens aufstehst und was anderes machst, dann ist der Reiz des Lesens nicht stark genug, der andere Reiz ist daher gleich stark und dem wird nachgegangen.

    An Fliegerlein: Das ist interessant, was du schreibst. Ich merke, dass ich nicht mehr auf dem neuesten Stand bei AD(H)S bin. Kannst du vielleicht im Internet eine gute Quelle angeben, wo alles ausführlich beschrieben ist (möglichst für Laien verständlich)?
    Ich würde mit diesem Forum anfangen ... das ist meiner Meinung nach eine der besten Informationsquellen.
    Hier finden sich auch immer wieder Links zu externen Seiten etc.
    Die eine Seite, die alles gut beschreibt, wird man kaum finden.
    Auch fürchte ich ganz ehrlich gesagt, dass ich eher den Eindruck habe, dass Du nicht nur nicht mehr auf dem neuesten Stand bei ADS bist, sondern eher auf einem , zumindest zum Teil, grundfalschen...
    Das Gefühl hatte ich bereits bei Deinem Vorstellungsposting und aufgrund dessen bin ich gerade mal wieder unsicher, ob es sinnvoll war, dieses Posting zu schreiben...

    Aber wenn Du wirklich gute und umfassende Info's suchst, dann wirst Du hier schon fündig.
    Ansonsten würde ich Fachliteratur empfehlen, aber ich kann verstehen, dass das nicht jedermanns Sache ist.
    Einzelne Quellen kann ich Dir aber keine nennen, sorry, ich steh auf Fachbücher .

    Viele Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (13.03.2013 um 13:04 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  3. #23
    Indigowoman

    Gast

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Fliegerlein schrieb:

    "Gäbe es besagte "Reizunterflutung" nicht, würdest Du nämlich Dein Buch weiterlesen und nicht die anderen Dinge tun, die in diesem Moment nicht wichtig sind, denn der Reiz des Lesens wäre stark genug, um den anderen gegenüber zu dominieren und alle anderen Tätigkeiten zu unterdrücken."

    Nein, glaub mir. Es gibt verschiedene AD(H)S-Typen, die verschiedene Arten haben, mit ihrer Störung umzugehen, je nach Ausprägung. In einer Selbsthilfegruppe in Frankfurt haben wir mal darüber gewitzelt, dass ein ADSler entweder bei seiner Arbeit kein Radio hören kann oder Radio hören muss! Mir kommen ständig neue Impulse und Ideen, die sich einfach in die jeweilige Fokussierung auf eine Tätigkeit reindrängen. Die Impulse sind gleich stark! Nicht immer gebe ich ihnen nach, sondern versuche mich zu zwingen, weiterzulesen. Aber dann besteht die Gefahr, dass ich nicht merke, wie ich gedanklich abschweife. Irgendwann merke ich dann, wie ich gedankenverloren das Buch in der Hand halte - immer noch auf der gleichen Seite - und abgeschweift bin und völlig woanders war. Deshalb muss ich dieser Tätigkeit nachgehen, die mir während dem Lesen in den Sinn kommt - etwa das Fenster kippen oder irgend etwas auf meinem Schrankregal gerade rücken - damit ich mich wieder dem Lesen zuwenden kann.

    Wenn jemand neben mir stünde und mir sagen würde: "Lies weiter!", das würde mich nerven!

    "Eine Überflutung von Reizen würde bedeuten, dass ich mehr abbekomme als die anderen und das stimmt nicht.
    Meine Frau hört genauso viel wie ich, sie hört sogar besser als ich, und sie sieht auch besser als ich, also bekommt sie nicht nur die gleichen optischen und akustischen Reize mit wie ich, sie bekommt sogar mehr mit.
    Mir werden nicht zwei Eimer Wasser über den Kopf geschüttet, während andere nur einen Eimer abbekommen.... wir sitzen alle in der selben Wanne ...."

    Also, viele ADSler, mit denen ich gesprochen habe, beschreiben dies aber so: "Auf mich stürzen mehr Eindrücke ein als auf "Normale". Manchmal weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Möglichst versuche ich große Menschenansammlungen zu vermeiden." Das habe ich früher auch getan. Heute suche ich oft große Menschenansammlungen zur Zerstreuung. Wenn ich mich konzentrieren muss, verkrieche ich mich in meiner Wohnung, nehme Ohrenstöpsel (ohne die könnte ich übrigens auch nachts nicht schlafen, weil ich jedes vorbeifahrende Auto vorm Haus hören würde) und versuche so viele Reize wie möglich ausschalten. Auch dann fällt mir die Konzentration schwer, aber ich schaffe wenigstens was.

    "Bei meiner Frau und allen anderen Nicht-ADS'lern aber funktioniert das.
    Die können diesen einen Reiz dominieren und die anderen dümpeln vor sich hin, bewirken aber nichts.
    Aus der ganzen Stimmensuppe, die auf sie genauso einwirkt wie auf mich, pickt sie sich diese eine Stimme raus und kann sich darauf konzentrieren."

    Das hat aber nichts mit Reizunterflutung zu tun, Fliegerlein. Sondern mit der Fähigkeit des Gehirns, Eindrücke zu verarbeiten und zu sortieren. Das ist es nämlich, was ADSler nicht können, dass das Kurzzeitgedächtnis wichtige Informationen nicht von unwichtigen trennt.

    Wenn du denkst, ich hätte keine Ahnung und philosophiere nur, dann sage ich dir mal, woher ich das mit den unterschiedlichen ADS-Typen mit den verschiedenen Störungen weiß: mein Bruder ist nämlich der andere Typ. Der, der - wie du beschrieben hast - ständig Stimulation von außen braucht, weil er von selbst keine Motivation kriegt und sonst den Tag mit Unsinn machen oder vor Fernseher und Computer verplempert (auch er ist arbeitslos; unsere Eltern sind mit uns beiden total unterschiedlichen ADS-Typen verzweifelt!)

    Und wenn du daran zweifelst, dass ich ADS habe, was habe ich denn dann deiner Meinung nach für eine Krankheit? Ich habe früher viel Zeit in Bibliotheken mit dem Durchstöbern von psychologischen/psychiatrischen Büchern verbracht (woran ich wegen meiner Unkonzentriertheit stundenlang sitzen musste) - ADS war das erste, was vollständig auf mich zutraf! Mit allen anderen Psychischen Krankheiten konnte ich mich entweder gar nicht oder nur teilweise identifizieren. Irgendwie war es nie das richtige. Komischerweise fand ich das Buch über ADS dann nicht in der Bibliothek, sondern es lag in einer Buchhandlung: "ADD - Die Unfähigkeit aufmerksam zu sein" von Ratey und Hallowell. Schon der Titel war ein Aha-Erlebnis. Natürlich habe ich mir das Buch sofort gekauft und erstaunlich schnell durchgelesen (in zwei Wochen).

    Ich werde mal mehr im Forum stöbern. Hatte momentan nicht viel Zeit dazu. Manche Ausführungen sind auch ziemlich lang - ganz schön anstrengend zu lesen (grins).

    Indigowoman

  4. #24
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Indigowoman schreibt:
    Nein, glaub mir. Es gibt verschiedene AD(H)S-Typen, die verschiedene Arten haben, mit ihrer Störung umzugehen, je nach Ausprägung.
    Dann sind es unterschiedliche Schweregrade, denen dennoch die gleiche Störung zu Grunde liegt.

    In einer Selbsthilfegruppe in Frankfurt haben wir mal darüber gewitzelt, dass ein ADSler entweder bei seiner Arbeit kein Radio hören kann oder Radio hören muss! Mir kommen ständig neue Impulse und Ideen, die sich einfach in die jeweilige Fokussierung auf eine Tätigkeit reindrängen. Die Impulse sind gleich stark!
    Korrekt, .. und damit beschreibst Du gerade das, was Eiselein als Unterflutung erklärte.

    Wenn jemand neben mir stünde und mir sagen würde: "Lies weiter!", das würde mich nerven!
    Klar nervt das ... das ändert aber nichts an der Notwendigkeit der externen Strukturierung als solche .

    Also, viele ADSler, mit denen ich gesprochen habe, beschreiben dies aber so: "Auf mich stürzen mehr Eindrücke ein als auf "Normale".
    Du bringst es auf den Punkt: Sie beschreiben es so!

    Das heißt nichts anderes, als dass sie es so wahrnehmen, bedeutet aber nicht, dass es fachlich korrekt auch so ist .
    Und es kann nicht korrekt sein.

    Wenn mir zwei Leute gegenüber stehen und gleichzeitig reden, bin ich gnadenlos überfordert.
    Meine Fau nicht.
    Auch mir geht es so, dass ich das Gefühl habe, ich bekomme mehr mit als sie.
    Aber das KANN nicht stimmen ... sie steht direkt neben mir, hat keine Kopfhörer auf, hat keinen Mann im Ohr der was filtert, ... die Grundvoraussetzungen sind komplett gleich, absolut identisch.
    Und trotzdem kann sie dem Einem zuhören und den Anderen ignorieren, ich aber aber nicht.
    Ich bekomme nicht mehr mit ... ich kann es nur nicht filtern.
    Und Filtern bedeutet, das was wichtig ist zu verstärken und das andere zu unterdrücken.

    Und Messungen im Scanner zeigen, dass es tatsächlich auch so ist.
    Würden wir wirklich überflutet, müsste im Gehirn in den entsprechenden Regionen die Hölle los sein ... stattdessen sieht man Inaktivitäten dort, wo Nicht-Ads'ler Aktivitäten haben.

    Natürlich beschreibt das jeder so, wie Du es geschrieben hast ... aber wer würde denn auch auf die Idee kommen zu sagen, dass er nicht die eine Person rausfiltern kann.
    Wäre schön wenn alle so viel Fachwissen hätten, ... aber wenn ich mein Auto in die Werkstatt bringe, dann kann ich auch nur in meiner laienhaften Sprache dem Mechaniker erklären, was ich als Fehler wahrnehme, er muss dann daraus die richtigen Schlüsse ziehen und den Fehler finden.

    Die Kunst ist es, diese Beschreibungen z.B. unter anderem mit Messungen zu bestätigen oder zu korrigieren.
    Und die Messungen sagen, es ist eine Unterfunktion.

    Das hat aber nichts mit Reizunterflutung zu tun, Fliegerlein. Sondern mit der Fähigkeit des Gehirns, Eindrücke zu verarbeiten und zu sortieren.
    Dann überleg mal, was genau das ist, dieses Eindrücke verarbeiten ...
    Auf neuronaler Ebene ist es genau das, nämlich Reizunterflutung.
    Wenn wir uns das Gehirn und seine Funktion ansehen, dann sehen wir, dass es dort nur eines gibt: Impulse.
    Nichts anderes, jede einzelne Information, jeder Reiz, jeder Gedanke, alles, wirklich alles im Gehirn wird zerlegt in elektrische Impulse.
    Die unterscheiden sich nicht einmal voneinander, ... die sind alle gleich stark und alle gleich lang.
    Der Unterschied findet sich in den Synapsen, in den Stellen, in denen aus einem elektrischen Impuls, ein chemischer gemacht wird.
    Dafür gibt es einen sehr guten Grund, denn an genau diesem Punkt, wird der Impuls bewertet.
    Die Synapse steht für etwas.
    Und wenn eine Synapse sehr häufig benutzt wird, dann wächst sie, das kann man heute ganz hervorragend sichtbar machen.

    Es werden erst neue Verbindungen zwischen Gehirnzellen gesetzt.
    Verbunden werden zwei Zellen über Nervenbahnen und über besagte Synapsen.

    Nun könnte man sich ja fragen, warum braucht man überhaupt eine Synapse, ... wäre doch viel einfacher die beiden direkt zu verbinden.
    Der Clou ist nun aber, dass diese Synapse größer wird, je öfter sie benutzt wird.
    Je öfter dort ein Impuls weitergegeben wird, desto mehr wächst die an.
    Das hat zur Folge, dass sie in ihrer Wichtigkeit zunimmt, denn wenn die nun von einem Impuls stimuliert wird (und die Impulse sind immer gleich), dann haut sie gleich eine gehörige Portion Botenstoff raus.
    In unserem Fall nehmen wir mal das Dopamin, ... ist ja nicht der einzige Botenstoff.

    Somit gewinnt diese Verbindung, denn sie ist diejenige mit der höchsten Stimulanz und regt die Zelle an.
    Und schon sieht man, wo das Problem bei einem ADS'ler mit seinem Reizübertragungsproblem liegt ... bei uns wird der Botenstoff Dopamin schneller wieder zurückgezogen ... es ist also egal, wie groß diese Synapse ist, sie gibt keinen größeren Impuls raus ...

    Das dies eine vereinfachte Erklärung ist, brauche ich sicherlich nicht weiter zu erwähnen, aber es verdeutlicht vielleicht, warum es eben sehr wohl eine Unterflutung ist, eine zu schlechte Übertragung von Reizen, keine zu starke.

    Wenn du denkst, ich hätte keine Ahnung und philosophiere nur, dann sage ich dir mal, woher ich das mit den unterschiedlichen ADS-Typen mit den verschiedenen Störungen weiß: mein Bruder ist nämlich der andere Typ. Der, der - wie du beschrieben hast - ständig Stimulation von außen braucht, weil er von selbst keine Motivation kriegt und sonst den Tag mit Unsinn machen oder vor Fernseher und Computer verplempert (auch er ist arbeitslos; unsere Eltern sind mit uns beiden total unterschiedlichen ADS-Typen verzweifelt!)
    Das sind unterschiedliche Symptome, beschreibt aber keine andere Grundlage der Störung als solche.
    Allen ADS'lern gemeinsam ist der Umstand, dass Impulse nicht korrekt übertragen werden.
    Wie sich das am Ende auswirkt ist dabei irrelevant.
    Das muss man trennen.

    BTW: Wo habe ich einen Typ beschrieben, der ständig Stimulation braucht???
    Ich habe geschrieben "Struktur" von Außen, von Stimulation habe ich nicht geschrieben ... jedenfalls nicht, dass ich wüsste...


    Und wenn du daran zweifelst, dass ich ADS habe, was habe ich denn dann deiner Meinung nach für eine Krankheit?
    Keine Ahnung, aber wie komsmt Du darauf, dass ich daran zweifle?
    Ich wüsste nicht, dass ich das angedeutet hätte.
    (Und sicherheitshalber wieder einmal der Hinweis, dass man bei mir bitte nichts zwischen den Zeilen lesen möge, denn da steht bei mir nix)


    Das Problem in vielen dieser Diskussionen ist, dass Symptome und Ursachen vermischt werden.

    Ein weiteres Beispiel:
    Ein Metereologe möchte gerne Gewitter erforschen.
    Sein Ziel ist es, rauszufinden welche Ursache Gewitter haben.
    Also beginnt er damit, Gewitter zu beobachten, sie zu beschreiben und Daten zu sammeln.

    Er sieht viele unterschiedliche Formen und Arten von Gewittern, jedes Gewitter ist einzigartig.

    Nach einiger Zeit hat er viele Gewitter beobachtet, viele Daten gesammelt und hat alle Gewitter genau beschrieben.

    Was er also nun hat, sind Beschreibungen von vielen einzigartigen Gewittern.
    Was weiß er jetzt über deren Ursachen?
    Gar nichts ... er hat ihre Symptome beschrieben, das, was er sieht, mehr hat er nicht ... plus natürlich Winddaten, Temperaturen in verschiedenen Luftschichten usw.

    Wenn er jetzt die Ursache für die Gewitter ergründen will, nützt es ihm nichts, die alle wunderbar zu beschreiben.

    Der Weg zur Ursache führt über die Suche nach Gemeinsamkeiten.

    Erst wenn ich erkenne, was alle Gewitter möglicherweise gemeinsam haben, dann habe ich eine Chance zu sehen, wie sie verursacht werden.
    Also muss ich vergleichen, Gemeinsamkeiten in den Unterschieden finden und dann komme ich möglicherweise auf eine Lösung, die als Ursache für alle Gewitter gelten kann.
    Ihre Einzigartigkeit hängt von vielen weiteren Variablen ab, aber einiges werden, ... müssen sie alle gemeinsam haben.


    In den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam es auf der Welt zu einer Welle von rätselhaften Krankheiten.
    Alle waren unterschiedlich, eine Unmenge diverser Erkrankungen, die in ihrem Verlauf schnell tödlich verliefen.
    Ein Rätsel für die Wissenschaft, denn da waren Krankheiten dabei, die eigentlich gar keine Gefahr für einen Menschen darstellen.
    Alle Betroffenen hatten vollkommen unterschiedliche Krankheiten und Symptome ....

    Also fing man an, von allen diesen rätselhaften Todesfällen die Daten zu sammeln und zu vergleichen.
    Was hatten die alle gemeinsam? Gab es überhaupt eine Gemeinsamkeit?
    Warum erkranken und sterben die an so banalen Dingen?
    Dann erkannte man, dass alle eines gemeinsam hatten:
    Ihr Immunsystem war defekt ... die hatten gar keine Abwehrkräfte gegen diese eigentlich harmlosen Krankheitserreger.
    Man forschte an dieser Stelle weiter und was man fand war ein Virus, das alle Betroffenen befallen hatte ... man hatte das HIV Virus entdeckt.

    Nur die Suche nach Gemeinsamkeiten machte es möglich, dieses Virus zu entdecken und Fakt ist, allen Erkrankten war, trotz der Vielfalt der nach außen wirkenden Symptome, diese eine Grundlage gemeinsam.


    Und ganz ähnlich macht man es mit so ziemlich allen Krankheiten/ Störungen.
    Man sucht nach Gemeinsamkeiten .... und eben die genannte gestörte Signalübertragung in den Synapsen, ist eine Gemeinsamkeit bei ADS.

    Wie sie sich auswirkt, wie ausgeprägt sie ist, also welchen Schweregrad sie erreicht, das steht auf einem ganz anderen Blatt, so wie jedes Gewitter einzigartig ist, aber dennoch die gleiche Ursache hat.

    Nachtrag:
    Das es eine Unterflutung ist, beweist übrigens auch die Gabe einer Stimulanz, also MPH.
    Nimmt ein Nicht-ADS'ler MPH, dann ist der überflutet, während es bei uns eine ausgleichende Wirkung hat.
    Das steht im Widerspruch zu einer Überflutung, denn dann würde MPH alles nur noch schlimmer machen.

    Viele Grüße
    Fliegerlein (der nicht in Gewitter reinfliegt )
    Geändert von Fliegerlein (13.03.2013 um 17:35 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  5. #25
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 795

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Ich kann beim Fernsehen Zeitung lesen und noch einem Gespräch grob folgen. Ich bekam dann immer gesagt, ich müsse die Leute ansehen die mit mir reden. Das konnte ich wiederum dann nicht. Ich habe immer in den Raum gestiert. Ich habe es gestern meiner Tochter so erklärt.

    Stell Dir den Leipziger Bahnhof vor (Sack- oder Kopfbahnhof) so wie S21. Die Züge die rein und rausfahren werden über Signale geleitet. Und das funktioniert.

    Bei mir ist leider die Signalanlage defekt und wenn das Zugaufkommen zu hoch ist dann knallt es eben. Das hat sie verstanden.

    Jetzt gibt es Möglichkeiten die Signalanlage provisorisch am laufen zu halten. Und darauf warte ich. Kaputt bleibt sie immer.

  6. #26
    Indigowoman

    Gast

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Hallo Fliegerlein,

    deine Ausführungen fand ich sehr interessant und spannend geschrieben. Ich habe mir so meine Gedanken gemacht und nochmal rumgegoogelt. Dabei bin ich auf folgende Seite gestoßen: www.dr-gahlen.de: ADHS ist Mangelzustand!" Da steht u. a., dass nur mit speziellen Tests ermittelt werden konnte, dass bei ADHSlern eine Schwäche bei der Energie der Mitochondrien vorliegt.

    Vor kurzem war ich auch auf eine Webside gestoßen, wo für vier psychische Erkrankungen (u.a. auch ADHS) eine Störung in ähnlichen Gehirnarealen gefunden wurde. Diese Webside konnte ich leider nicht wiederfinden, aber dafür sind diese Seiten interessant:

    www.aerzteblatt.de news, S. 2663 vom 30.09.2010 "Genetische Ursachen für ADHS?"
    www.aerzteblatt.de news, S. 695 vom 04.07.2012 "Autismus und Schizophrenie mit gemeinsamen Wurzeln"

    Ich habe mal Dr. Gahlen angefragt, ob es ein Medikament gibt, wo die angesprochenen Vitamine in abgestimmter Menge für ADHS enthalten sind. Vielleicht wäre das ein besserer Weg als Medikamente, die nur auf das Konzentrationsvermögen ansprechen. Bislang habe ich noch kein Medikament probiert. Die Ärzte, die ich konsultiert hatte, kannten sich leider kaum aus mit ADS. Vor allem die ruhigere Variante erkennen sie nicht. (Ich glaube, die werden viel seltener diagnostiziert als die Hyperaktiven). Komischerweise hat sich im Erwachsenenalter bei mir zusätzlich eine Nervosität eingestellt, aber wenn ich nichts tun muss und also innerlich nicht rotiere, wirke ich nach außen immer noch ruhig. Meine enormen Konzentrationsschwierigkeiten sieht mir dann kaum jemand an.

    Grüße von Indigowoman
    Geändert von Indigowoman (13.03.2013 um 18:40 Uhr) Grund: wurde versehentlich zu früh gespeichert

  7. #27
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Indigowoman schreibt:
    Da steht u. a., dass nur mit speziellen Tests ermittelt werden konnte, dass bei ADHSlern eine Schwäche bei der Energie der Mitochondrien vorliegt.
    Aha ....

    Ich habe mal Dr. Gahlen angefragt, ob es ein Medikament gibt, wo die angesprochenen Vitamine in abgestimmter Menge für ADHS enthalten sind.
    Vitamine gegen ADHS ... alles klar ... das ist jetzt nicht Dein Ernst oder?


    Vielleicht wäre das ein besserer Weg als Medikamente, die nur auf das Konzentrationsvermögen ansprechen.
    Das ist dann der Punkt, an dem ich besser hier aussteige, ... denn ich fürchte, jetzt wird mir das zu schräg.
    Wenn Du diesen Thread und andere gelesen hättest, dann wüsstest Du, dass das vollkommener Mumpitz ist und wir es nicht mit Medikamenten zu tun haben, die nur auf das Konzentrationsvermögen ansprechen ...

    Und wieder Energie verschwendet ... ich hab's befürchtet.
    Bin raus ... Bye

    Nur eines noch:

    Eine ADHS lässt sich nicht mit Vitaminen behandeln und nach wie vor gibt es keinerlei Nachweise darüber, dass solche oder andere alternativen Heilmethoden tatsächlich geholfen haben.
    ADHS-Spektrum Blog, Link 1
    ADHS-Spektrum Blog, Link 2

  8. #28
    DOM


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 44

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Also das ist sicher kein Mythos das sich nonAD(H)Sler mit Ritalin dopen können, selbst mein Neurologe (älterer Jahrgang) erzählte mir das er in seiner Studienzeit Ritalin(in den 60er Jahren hies es in Ö. "Rilatin") missbrauchte um die Nacht durchzulernen...

    Ritalin wurde jahrzehnte lang als Weckamin oder Psychoanaleptikum verschrieben

    Die Frau des Erfinders oder Entdecker nahm es gerne weil sie damit besser beim Tennis war...(sie hieß Rita, daher der Name Ritalin...)

    Außerdem gehört das MPH -wie auch die Amphetamine- zu den Katecholamin Derivaten deren Neurobiologischen Wirkungen schon sehr gut bewiesen sind
    Auch bei Säugetieren zeigt MPH eindeutige Wirkungen

    Es ist also eine Tatsache das Ritalin auf jeden Organismus eine Wirkung auslöst, eben meist Antriebsseigernd, Aufputschend

  9. #29
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    Ich glaube, der Hintergrund der unterschiedlichen Meinung zu den Reizen ist die Art der Über- bzw. Unterlutung.

    Neurochemisch sind wir "unterflutet", weil der "Dopaminstaubsauger" zu eifrig ist,

    psychologisch gesehen, sind wir in "reizüberfüllten Umgebungen", schneller (gefühlt) überflutet, weil wir eben die "unwichtigen" Reize nicht "wegdrängen bzw. ignorieren" können, und somit alles ungefiltert und unstrukturiert über uns "einbricht", während Leute ohne AD(H)S dies eben "wegschalten" können und diese Reize ins Leere verlaufen. Dabei ist die Menge der Reize die gleiche, nur die Verarbeitung anders..

    LG Tanja

  10. #30
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

    hallo indigowoman

    ich habe mal was von der homepage des herrn dr. gahlen hier kopiert... zitat:

    .... ein schwerer Vitamin D3 Mangel (wie bei 90% der Bevölkerung nördlich von Nepal)

    90 Prozent!!.... öhm, sorry, DAS kann ich nicht wirklich ernst nehmen.... dann sind ja praktisch ALLE unterversorgt und
    diese Logik ist mir suspekt.... nicht heute, nicht jetzt in dieser Zeitepoche.... sorry, gemäss dieser Erkenntnis wäre die Menschheit
    in früherer Zeit längst ausgestorben!

    ist nur so mein gefühl..... wenn man heute von Vitamiunterversorgung spricht.... vermute ich mal.... ein produktemarketing dahinter....

    das ist meine vermutung - will niemandem was unterstellen. (heute hat doch jeder irgend eine intolleranz... häufig weizen.... u.s.w.)

    lg


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Thema: Süddeutsche Zeitung Online: Wir haben längst amerikanische Verhältnisse im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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