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Diskutiere im Thema Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert? im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 7

    Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Hallo zusammen,

    ich stehe nach 3 Hochschulabschlüssen und einer schönen Zeit als Langzeitstudentin mit dem einen oder anderen spannenden Nebenjobprojekt (ständig wechselnd und je zeitlich begrenzt, viel freiberuflich!) nun derzeit am Übergang Studium/Beruf, bin derzeit arbeitssuchend nach einer "richtigen Stelle", und tue mir sehr schwer damit, mich in die Erwartungen der "normalen" Gesellschaft einzufügen.
    Ein 40-Stunden-Vollzeitjob im Angestelltenverhältnis erscheint mir wie die reinste Folter. Ich kann diese konstante erwartete Leistung nicht bringen. Ich käme mir vor, als ob man mir mein Leben wegnimmt. Ich 40h die Woche "fremd" funktionieren müsse, nicht ich selbst sein kann.
    Bin ein Mischtyp (Hyper/Hypo) und bei mir wechseln Phasen von höchstem Energieeinsatz mit Hyperfokussierung gerne ab mit Phasen absoluter Hypoaktivität zur körperlichen und geistigen Erholung. Im Studium äußerte sich das mit dem minimalst möglichen Einsatz, Verweigerung von Vorlesungsbesuchen (bin dabei eingeschlafen), extremes Lernen nur 1-2 Tage vor den Prüfungen, aufgrund des hohen IQs alle Prüfungen mit den allerbesten Noten bestanden..stattdessen ein ausgeprägtes kulturelles und Sozialleben geführt, immer wieder was neues, viel gequatsche und getratsche, exzessive Hobbie-Ausübung, immer 3 Baustellen gleichzeitig usw.

    Rein intellektuell erscheinen mir die geforderten Leistungen in meinem gewählten Berufsfeld (Sozialer Bereich) als ziemlich banal, und daher gut machbar. Problematisch ist die dafür notwendige Motivation, Disziplin und Konzentration.
    Am liebsten würde ich nur in Teilzeit arbeiten, denn 3 Tage am Stück einer banalen Arbeit nachgehen und dann wieder 4 Tage Zeit für mich und meine eigenes (nicht-lineares) Zeitgefühl zu haben...meinen eigenen Tag-Nacht-Rhythmus....der zu einem 8-17 Uhr Job so überhaupt nicht passt....
    Ich habe jedoch ausgerechnet, dass ich, wenn ich aufgrund meiner Konstitution jetzt freiwillig eine Teilzeitstelle wählen würde, ich nach 30 Jahren Arbeit eine gesetzliche Rente von nur 550 Euro bekommen würde --> Altersarmut. Seit ich das erkannt habe bin ich in einer totalen Lebenskrise, denn aufgrund meines hohen IQs habe ich das Gefühl "das kann es doch wirklich nicht gewesen sein", "ich muss doch irgendwie mehr aus meinen Fähigkeiten machen könnten". Mir fällt aber nichts ein... Eine reine Selbstständigkeit traue ich mir derzeit nicht zu.

    Suche Menschen, die das nachvollziehen können, was ich hier beschrieben habe. Suche Menschen, die für sich mit ihrer ADHS-Konstitution UND ihrem hohen Intellekt tolle berufliche Lösungen gefunden haben.
    Freue mich auf Austausch!

    Liebe Grüße,
    Tintenfisch

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 250

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Respekt, Tintenfisch. 3 Hochschulabschlüsse mit 33 Jahren muß dir erstmal jemand nachmachen. Bei deiner Frage nach einer beruflichen Lösung/Vision kann ich nur indirekt helfen. Ich selbst bin angehender Informatiker und kann dir sagen, dass in dieser Branche Frauen sehr gerne eingestellt werden. Die Techbranche ist - allen Kritiken zum Trotz - sehr um Diversität bemüht und Frauen werden bevorzugt einstellt. Gleichzeitig benötigt man auch keinen themenbezogenen Bachelor oder Master, um in diese Branche einzusteigen. Ums kurz zu machen: Mein aller erster Gedanke beim Lesen deines Posts war, dass du ggf. als Dozentin für ein IT-Thema in einem Berufsföderungswerk oder Berufsbildungswerk (mit Reha-Bezug) arbeiten könntest. In solchen Einrichtungen sind Handycaps wie ADHS oder Hochbegabung "gerne gesehen", da sich gerade in Reha-Einrichtungen eher den Charakter einer Zusatzqualifikation haben. Allerdings: Dein gewünschtes Wochenarbeitszeitpensum und eine IT-Branchen-übliche Bezahlung wirst du dort eher nicht bekommen. Auch da hast du eine 40-Stunden-Vollzeit-stelle und ein Einkommen von - geschätzt - 2500,00€.

  3. #3
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 729

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Hi Tintenfisch,

    was du beschreibst, kenn ich sehr gut.

    Bewirb dich doch auf Teilzeitstellen. Hast du schon mal überlegt nebenbei oder auch mit einer halben Stelle an der Uni evtl. zu promovieren? Die Arbeit an einem selbst gefundenen Thema kann großen Spaß machen u ein guter Ausgleich sein.

    Ich selbst habe mich bewusst für eine berufliche Selbstständigkeit entschieden, die in meinem Berufsfeld "von Natur aus" möglich ist, und fühle mich damit nach meinen Erfahrungen im Angestelltenverhältnis am Wohlsten! Ob eine Selbstständigkeit in einem deiner studierten Bereiche möglich wäre, weiß ich natürlich nicht, aber evtl. wäre auch das eine Möglichkeit.

    LG
    Hyper

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 594

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Problematisch ist die dafür notwendige Motivation, Disziplin und Konzentration.
    Ohne daran etwas zu verändern wird es sehr sehr schwer werden. Jeder Arbeitgeber wird Zuverlässigkeit, also Disziplin erwarten.
    Also wäre es vielleicht gut daran zu arbeiten, bzw. zu sehen wie man das mit einer Berufstätigkeit zusammen bekommt.

    Dann wäre es vielleicht ein Startpunkt zu überlegen in welchem beruflichen Umfeld Du Dir vorstellen könntest 40 Std zu arbeiten.
    Es klingt vielleicht hart, aber die Arbeitswelt hat nicht auf Dich gewartet, da wirst Du Dich schon den Anforderungen anpassen müssen.

    Das ist bei Selbstständigkeit eher noch wichtiger, da ist keiner der "auf Dich aufpasst" wie es ein Arbeitgeber macht. Ich kenne so einige Berichte von Selbstständigen die ganz schnell massive Schulden bei Krankenversicherungen aufgebaut haben, nur weil ihnen die Disziplin fehlte auf ein Anschreiben zu antworten.

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 148

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Hallo Tintenfisch,

    also an meinem Arbeitsplatz läuft es teilweise auch ziemlich schwierig aufgrund meiner ADS - tja, manchmal muss man schon echt aufpassen, dass es nicht wie eine Art Entschuldigung/Rechtfertigung klingt- aber letztendlich sind die meisten meiner Probleme nunmal indirekt oder direkt mit meiner ADS assoziiert.

    Mein Ziel ist aber schon Selbständigkeit (bzw. das Teilziel, selbständiges Arbeiten,bald erzielt). Das Durchzuhalten/Auszuhalten erfordert extrem viel Kraft von mir (teilweise auch von meinem Umfeld).

    Aber letztendlich bin ich auch eher der Meinung: gibt es keine Möglichkeiten bei dir, dich zumindest irgendwann selbständig zu machen?
    Machen wir uns nichts vor: trotz guter medikamentöser Einstellung, einem hochstrukturierten Umfeld, guter soziale Bedingungen (zb, gute Freunde, Partnerschaft, materiell abgesicherte Verhältnisse) etc. ecken viele von uns am Arbeitsplatz leider trotzdem noch manchmal an - sei es durch zu divergentem Denken, umständlichem, zu langsamen oder nicht regelkonformen Arbeiten, zu originellem, zu impulsiven Handeln, Konzentrationsdefiziten etc.

    Mir persönlich hilft es unheimlich, wenn ich mich an meinem Arbeitsplatz mit den meisten Leuten gut verstehe und die Arbeit mir, naja größtenteils auch wirklich Spaß bereitet.
    Dann habe ich, wie gesagt schon Ziele und der Rest ist halt momentan eher so eine Mischung aus der folgenden Doppelstrategie:

    Einerseits mich mit der Frage zu beschäftigten, wie schaffe ich es, mich mit meiner ADS zu akzeptieren, dass es gerade so klappt, dass ich zB nicht depressiv werde bzw. wie schaffe ich es, dass mein Umfeld es mit mir aushält.

    Andererseits versuche ich am Arbeitsplatz die Ausprägung meiner ADS aber schon so gering wie möglich zu halten:
    durch Medikation, Versuch von gesellschaftskonformen Verhalten einzuhalten, mir ständig Pläne zu machen (und diese teils zwanghaft durchzugehen), bei Unklarheiten (Unaufmerksamkeit) viel nachfragen und damit riskieren, etwas nervig zu sein, ein naja zur Zeit zumindest halbwegs entspanntes Privatleben als Ausgleich zu haben...

    Hmm, keine Ahnung ob das jetzt für dich hilfeich war - ich würde mich wie gesagt schon mit der Frage beschäftigen, warum du derzeit keine Selbständigkeit zutraust.
    Ich meine was nicht ist, kann ja noch werden - eine Idee wäre zB auch, dass du jetzt erstmal Halbzeit arbeitest und du dich gleichzeitig die anderen 20h Stunden/Woche damit versuchst zu beschäftigen, wie das mit der Selbständigkeit doch noch klappen könnte (oder was du dazu benötigst - vll mehr selbstwertgefühl?) - vorausgesetzt Selbsständigkeit kommt für dich überhaupt in Frage...
    Ob Selbständigkeit nachher wirklich das Optimum ist, wie Denker schon zum Nachdenken angeregt hat, weiß ich leider auch nicht so ganz- schwierig könnte es tatsächlich an der Stelle sein, wenn man niemanden hat, der einen strukturiert...
    Mein Traum ist es trotzdem

    schönen Abend!

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 148

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Oh, jetzt ist mir eben gerade erst aufgefallen in welchem Bereich ich hier gerade schrieben habe...
    Hochbegabt bin ich nun wirklich nicht...

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Nunja, "tolle" berufliche Lösungen sind eine sehr subjektive Sache...
    "Toll" im Sinne von erfüllend? "Toll" im Sinne von lukrativ?

    Auch wenn ich mich damit als Schwarzmaler oute: das mit der gesetzlichen Rente würde ich in die Zukunftsplanung nicht einkalkulieren.

    Sicherer ist es meiner Meinung nach sich Wohneigentum anzuschaffen das man spätestens bis zur Rente abzahlen kann, Vermögen aufbauen (wenn man nicht wie ich absolut unfähig ist Geld zu sparen) und (das finde ich am wichtigsten) Fähigkeiten zu erlangen mit denen man im Alter noch Arbeit finden kann. Also am besten etwas das einen körperlich nicht fordert, in Teilzeit und freischaffend ausführbar ist. Möchtest oder kannst du nicht im akademischen Bereich arbeiten? Das ist für mich das Standbein...

    Vermute das du auf Grund deiner Krise momentan "fliegende Gedanken" hast, aber wenn du einmal kurz durchatmest und dir deinen Post durchliest wird dir auffallen das du dir alle möglichen Wege bereits im Voraus versperrst. Neben Teilzeit, Vollzeit und Selbstständigkeit bleibt nichts mehr übrig.
    Da man z.B. erfolgreicher Autor oder gefragter Wissenschaftler nicht "werden" kann sondern das eher "passiert", ist dieser Weg selbst für überdurchschnittlich intelligente und erfolgreiche Menschen sehr risikoreich.... und ich habe das Gefühl dieses Risiko wäre dir zu groß (könnte ich übrigens zu 100% nachvollziehen!).

    Im sozialen Bereich kenne ich mich nun allerdings gar nicht aus.
    Bei dem was du beschreibst scheint eine Teilzeitstelle aber durchaus realistisch zu sein und ich halte das für einen immensen Vorteil. An deiner Stelle würde ich in den sauren Apfel beißen und eine Teilzeitstelle annehmen um ein Grundeinkommen zu sichern. Und dann anfangen mich auf die Selbstständigkeit vorzubereiten.

    Meine Prognose ist das du niemals zufrieden sein wirst wenn du das nicht angehst. Das Schließe ich schon allein aus deiner Beschreibung das du dich intellektuell im aktuellen Schaffensbereich nicht ausgleichen kannst und dir gleichzeitig die Selbstständigkeit nicht zutraust.

  8. #8
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 87

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Ich bin in einer Folterkammer angestellt. Die erwarten von mir allen ernstes, dass ich 40h wöchentlich meiner Zeit opfere und zahlen mir als Ausgleich ein anständiges Schmerzensgeld. Und trotzdem habe ich einen Job, bei dem man keine konstante Leistung von mir erwartet!

    Ich habe von Anfang an klar gemacht wo meine Stärken und Schwächen liegen. So habe ich im Laufe derzeit immer mehr Tätigkeiten übernommen, die mir liegen und alles was ich nicht kann abgegeben. Man erwartet zwar von mir auf Zuruf kreativ zu sein und dann auch schnell, zuverlässig und kompetent 120% Leistung abzurufen. Aber da ich gerne kreativ bin und mich immer für eine neue kreative Herausforderung begeistern kann, fällt mir das leicht.

    Es dreht mir aber auch keiner einen Strick daraus, dass buchhalterische Themen (die leider immer noch mit dazu gehören) nicht mit dem gleichen Elan angegangen werden. Hat eine längere Diskussion mit dem Chef erfordert (Thema: Wo Licht, da auch Schatten bzw. Einen Tod muss man sterben), danach war klar, dass ein Newsletter über 4 Seiten für 30.000 Empfänger von mir binnen eines Tages als Entwurf steht. Ich aber für eine Gutschrift nicht wie alle anderen 5 Minuten sondern Tage brauche...

    Ich will damit nur sagen, dass man auch mit ADHS und Hirn einen "normalen" Job machen kann. Man muss sich nur seine Nische suchen oder basteln...

    Ich halte es allerdings für fatal vorab schon alles auszuschließen und den gewählten Berufszweig als banal ab zu tun. Gerade die gefühlte Banalität interpretiere ich entweder als grundsätzlich falsch gewählten Berufszweig (Wie hast Du ein Studium in "Banalitäten" geschafft? Das wäre mir zu langweilig und ich wäre spätestens nach der dritten Vorlesung verschwunden und nie mehr aufgetaucht...), oder du traust Dir nur Jobs zu, für die Du überqualifiziert bist...

    Versuchs doch einfach mal. Was hast du zu verlieren? Ob Du noch 1 Jahr Sinnkrise hast und arbeitslos bist (oder Dich mit Nebenjobs über Wasser hälst) oder Du Dir die Arbeitswelt mal live anschaust und evtl. ein, zwei Arbeitgeber durch hast in der Zeit macht kaum einen Unterschied. Guck nach passenden Stellen - wenn dich zwei Drittel oder auch nur die Hälfte der Tätigkeiten eines Jobs ansprechen, dann versuch es. Den Rest kann man im Laufe der Zeit immer noch los werden. Und stell Dein Licht nicht so unter den Scheffel: Hirn ist in den meisten Unternehmen Mangelware (Zugegeben: bei manchen auch nicht erwünscht), da kann man trotz (wegen?) ADHS immer noch punkten. Von den ganzen Produktivitätstipps und Berichten im Netz wie strukturiert alles läuft, darf man sich auch nicht verschrecken lassen. Ich arbeite in einer Tochter eines toll aufgestellten Konzerns. Angeblich können wir auf die Strukturen der Mutter zurück greifen und haben daher ein verlässliches Netz/Vorschriften für alle Mitarbeiter. Mittlerweile weiß ich: Weder bei der Tochter noch im Mutterkonzern weiß einer wo vorne und hinten ist... :-)

    Nebenbei: Mit 33 über die Rente nachzudenken, ist perspektivisch sehr mutig. Und nur auf die gesetzl. Rente zu setzen gleich Wahnsinn!

    Chili_666

  9. #9
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 106

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Verstehen kann ich dich gut, aber es ist ein Klagen auf hohem Niveau. Du bist 33 und musst unbedingt anfangen zu arbeiten, weil dich sonst bald niemand mehr ernst nimmt - Hochschulabschlüsse und Begabung hin oder her.
    Ich habe auch Fachschulabschluss, Abitur an der Abendschule, Hochschulabschluss und Aufbaustudium erfolgreich hinter mich gebracht, aber irgendwann muss man leider erwachsen werden und Verantwortung für sich selbst übernehmen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich gern einfach noch andere Fächer studiert.

    Meine Erfahrung ist, dass die vielen interessanten Studienthemen sich leider in keinem meiner Berufsfelder gespiegelt haben. Meinen studierten Bekannten ist es leider ähnlich ergangen.
    Wenn man nicht gerade eine Stelle an der Uni hat - und selbst da bin ich mir nicht sicher bzw. habe profunde Zweifel - ist das Arbeitsleben einfach banal.
    Teilweise gab es bei mir großartige Auswahlverfahren mit hohen Anforderungen, um dann schließlich einen Job auszuüben, den man auch mit weniger Qualifikationen hätte machen können.
    In den heutigen Zeiten gibt es in einigen Richtungen sehr viel Konkurrenz, und die Arbeitgeber können sich die Rosinen unter den BewerberInnen auspicken. Es geht leider nicht darum, dass du dich verwirklichen kannst, sondern darum, dass du einfach den Fuß in die Tür bekommst, eine Weile durchhältst und dich umschaust, was sich noch so an Türchen auftut.

    Ja, ein 40-Stunden-Job ist moderne Sklaverei, wenn man sich dabei unausgefüllt fühlt. Und du täuschst dich nicht - man nimmt dir Teile deiner Lebenszeit und bezahlt dich dafür. Jeder leidet anders darunter.
    Ich gehe, wenn es mir an meinem Arbeitsplatz zu doof wird, schon einmal mit meinem Kindle auf unsere super gepflegte Damentoilette, schließe mich ein und lese ein paar Minuten, einfach um mich daran zu erinnern, dass es außer diesem eintönigen Tun noch ein interessantes Leben mit bunten Gedanken gibt.
    In der Mittagspause verlasse ich grundsätzlich das Gebäude, um wieder Abstand zu gewinnen und mein Ich wiederzufinden. Das ist traurig und war echt nie das Ziel meiner Träume, aber ich habe Familie und Verpflichtungen und muss die nächsten Jahre durchhalten.
    Mein alter Vater, studiert, promoviert und mit Sicherheit AD(H)Sler, auch wenn er es nicht weiß, findet rückblickend seine Zeit als Lagerarbeiter am angenehmsten, weil sein Kopf da so schön frei für eigene Ideen blieb, die er nach Dienstschluss verwirklichte.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn du die Möglichkeit hast, einen Vollzeitjob anzunehmen, der deiner Qualifikation entspricht, nimm ihn an, erfülle ihn, so gut es dir möglich ist, und suche nebenbei nach anderen Möglichkeiten, also z.B. einer Freiberuflichkeit, für später. Man kann das schaffen, auch wenn es wehtut.
    Halte ein paar Jahre durch, motiviere dich, indem du gedanklich deine anderen Pläne verfolgst und dafür den Grundstein legst. Sage dir, es ist nicht für immer. Man kann auf einem Job auch schon mit einer inneren Kündigung anfangen ;-).

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 250

    AW: Berufsfindung mit AD(H)S und überdurchschnittlichem IQ-Wert?

    Du bist 33 und musst unbedingt anfangen zu arbeiten, weil dich sonst bald niemand mehr ernst nimmt - Hochschulabschlüsse und Begabung hin oder her.
    Da ist was dran. In dem Alter hat der Maurergeselle schon 15 Berufsjahre hinter sich.

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