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Diskutiere im Thema Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten? im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 418

    Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Hallo

    Ich wollte mal nachfragen ob Hochbegabte sich für total unterschiedliche Musik bzw. Kunst interessieren.
    Ist jetzt schwierig zu formulieren was ich genau meine, hier besteht ja bereits ein Thread zur Musikwahrnehmung. Aber der läuft eher in eine andere Richtung, meine ich.

    Mir geht es darum, ob hochbegabte eher komplexere Werke bevorzugen.
    Bei Musik gibt es ja eher eingängige Stücke die meistens nicht sonderlich komplex sind
    Manches im Bereich Klassik, Jazz, Metal oder auch in anderen experimentelleren Bereichen kann es dagegen schonmal konfuser werden.

    Das gleiche sehe ich auch bei anderen Kunstformen.

    Oder hat meine Frage evtl. auch garnix mit der Wahrnehmung zu tun sondern ist einfach Persönlichkeitssache?
    Klar, jeder schwingt auch schonmal bei sehr einfachen Melodien mit, weil sie einen einfach irgendwie berühren.
    Und ein akustisches Chaos kann auch schonmal nur deshalb Reizvoll sein, weil es neu oder lustig klingt und einen Kontrast bildet zu den Sachen, die man sonst so kennt.

    Also ich grübel, ob das ganze auch irgendwas mit Begabung zu tun hat, oder halt eben garnix damit zu tun hat.

    Bei bestimmten Liedern oder Bildern empfinde ich einfach garnix. Auf intellektueller Ebene krieg ich die aber auch nicht auseinander genommen.
    Ich will halt einfach auch herausfinden, ob mir vielleicht einfach die Begabung dafür fehlt, oder vielleicht blos die Erfahrung bzw. das Interesse.

    (Andere würden diese Werke dann einfach ignorieren....ich wühl dann nach und grübel, warum es mir nicht gelingt das zu verstehen Vor allem wenn es anderen wiederum so leicht fällt das zu verstehen und das mir wiederum das Gefühl gibt, das mit mir wohl irgendwas nicht stimmt und ich es mir vielleicht besonders kompliziert mache.)

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 55

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Hallo tasseKaffee

    das ist in der Tat eine interessante Frage, ich denke schon, das es einen Zusammenhang mit der Hochbegabung und der Kunst gibt.
    Schon allein aus dem Aspekt, das wir einfach vielseitig interessiert sind und wenn ein Maler, Bildhauer, Musiker... etwas richtig gutes zu bieten hat, dann ist auch die- ich nenne es mal Nachfrage- da.

    Was Musik angeht, war ich schon immer sehr vielseitig. Ich mag viele Musikrichtungen, egal ob Rock, Metal oder Klassik. Auch Live war ich auf Konzerten genauso wie in der Oper. Diese Musical Shows wiederum reizen mich überhaupt nicht.

    An Kunst mag ich auch alles, was etwas ausdrückt. Vielleicht typisch für chaotische ADSler ist der Surrealismus. Ich bin schon seit meiner Jugendzeit ein großer Fan von Dali. Genauso faszinieren mich die Bilder von MC Escher, da kann ich locker eine Stunde ein Bild ansehen und entdecke immer wieder etwas Neues.

    Und ich kann mir Stundenlang Videos von Bob Ross anschauen, er malt in 30 Minuten ein komplettes Bild- das am Ende fast wie eine Fotografie aussieht- und erklärt mit seiner beruhigenden Stimme, wie die Effekte gemacht werden. Das habe ich mir in der Zeit, als ich ziemlich häufig Panikattacken hatte, immer zum Beruhigen angeschaut und teilweise auch selbst gemalt.

    Mit Filmen ist es ähnlich, ich mag dieses Mainstream Zeug überhaupt nicht. So mit James Bond, Terminator und was es da sonst noch so gibt kann ich überhaupt nichts anfangen. Genauso wenig mit den übertriebenen "Amerika-rettet-mal-wieder-die-Welt" Filmen.
    Ein Film muss für mich eine richtige Botschaft haben, so dass ich danach noch längere Zeit darüber nachdenken und mich auch mit anderen darüber austauschen kann. Wenn ich etwas aus dem Film "mitnehmen" kann, dann war er (für mich) gut. (Genauso ist es auch bei Büchern)

    Und um auf deinen letzten Satz zu kommen: bist du sicher, das die anderen "schwierige" Werke tatsächlich verstehen? Oder tun sie nur so? ;-)
    In der Vielschichtigkeit der Kunst ist es schwer, alles zu verstehen. Ich versuche es zwar auch erst mal, aber wenn ich merke, das ich nicht weiterkomme, dann lass ich es sein. Es gibt so viel schöne Kunst die auch ausdrucksstark ist, da bleibe ich nicht am typischen "Weisser Hintergrund mit rotem Punkt" Bild hängen um zu überlegen, was der Künstler damit ausdrücken will...

  3. #3
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 818

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Puh, da stellst du aber eine schwierige Frage, die bisher auch von der Forschung noch nicht abschließend erforscht wurde. Dass HB´s nur Free Jazz und 12-Ton-Musik hören, ist wohl ein hartnäckiges Klischée, das sich Leute zu Nutze machen, die als besonders gebildet gelten wollen. Jedoch glaube ich, dass eine gewisse Komplexität schon vorhanden sein muss, damit das Gehirn eines HBlers anspringt. So ganz einfache Strukturen und niedriges Niveau reichen meiner Einschätzung nicht aus, um den Geist eines HB´s zu aktivieren. Aber dann stellt sich die Frage: Worin liegt diese Komplexität? Und dann noch der Gedanke: Komplexität bedeutet nicht, dass einem die Musik gefällt, Komplexität kann auch einfach nur nerven. Der Geschmack hängt meiner Meinung nach neben der Auffassungsgabe und dem Durchschauen von Mustern von vielen anderen Faktoren ab: Was für Musik habe ich in meiner Kindheit gehört und in welcher Umgebung, wie war die Stimmung dabei...und wichtig auch die physiologischen Faktoren: Werden hohe Töne als bedrohlich empfunden und reizen sie die Nerven auf unerquickliche Weise? Oder beflügeln sie? Dann noch das Tempo: Zum Beispiel passt sich die Herzschlagfrequenz dem Tempo der Musik an, was bei schneller Musik als aktivierend oder evtl. auch als stressig empfunden werden kann. Dann die kulturelle Komponente: Was sind wir gewohnt? Vierteltöne zB werden hier in Europa als ungewohnt und wohl auch als unangenehm empfunden...
    Oder es gibt auch den sogenannten Chill-Effekt, der zB automatisch bei plötzlichen lauten (pompösen?) Stellen in einem Stück auftritt...da kann ich Beethoven noch so wenig leiden, Gänsehaut bekomm ich trotzdem.

    Ich meine nur: Wenn man die ganzen anderen Faktoren miteinbezieht, dann spielt die Intelligenz nicht mehr so stark eine Rolle. Wobei ich sie da nicht ganz ausklammern würde. Wenn du bei bestimmten Liedern oder Bildern nix empfindest, dann liegt das m.M.n. an deinen persönlichen und emotionalen Erfahrungen - Emotion, auch eine wichtige Komponente! Warum berührt mich etwas? Ich würde sagen, das liegt an einer Mischung aus physiologischen Komponenten (Musik und körperliche Erfahrung und damit auch Gefühle sind eng miteinander verknüpft) und persönlichen Erfahrungen. Also, im Endeffekt ist der Musikgeschmack eine Mischung aus Individualität und allgemeingültigen Prinzipien (Musikrhythmus - Körperrhythmus). Warum zB fange ich bei Karnevalsumzugsmusik immer fast an zu heulen, obwohl das intellektuell nun nicht wirklich ansprechend ist? Und dass du die Stücke, die dich nicht berühren, intellektuell nicht zwangsweise durchschaust, ist glaub ich auch normal - nicht jedes intellektuell anspruchsvolle Stück ist schön (im Gegenteil), dafür kann aber ein simples Stück tief berühren. Und außerdem: Musik berührt hauptsächlich im Gefühl. Wobei dieses Gefühl auch durch den Verstand entstehen kann - wenn man zB die ästhetische Ausgewogenheit eines Stückes mit dem Verstand erkennt und davon dann ergriffen wird - wo dann doch wieder ein Zusammenhang zwischen Intellekt und Musikempfinden hergestellt werden kann....

    Sorry, dass ich so viel herumspringe! Aber Musik ist total mein Thema (deswegen bin ich auch auf Kunst usw. nicht so eingegangen), da kommen mir immer so viele Gedanken auf einmal.

    P.S.: Gänsehaut/Chill Effect kann ich mitunter auch durch eine intellektuelle Erkenntnis beim Lesen eines Buches bekommen (da gibt es dann diese erkenntnisreichen Stellen, die einfach total umhauen)...

    P.P.S.: http://www.zeit.de/2010/35/Musik-Wissenschaft
    Geändert von Chamaeleon ( 7.08.2015 um 23:41 Uhr)

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 418

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Erstmal danke für die Antworten

    Goalie1 schreibt:
    Und ich kann mir Stundenlang Videos von Bob Ross anschauen, er malt in 30 Minuten ein komplettes Bild- das am Ende fast wie eine Fotografie aussieht- und erklärt mit seiner beruhigenden Stimme, wie die Effekte gemacht werden. Das habe ich mir in der Zeit, als ich ziemlich häufig Panikattacken hatte, immer zum Beruhigen angeschaut und teilweise auch selbst gemalt.
    Bob Ross ist so ein zwiespältiges Beispiel. Technisch find ich seine Bilder interessant, die Motive sind eher so "Alltagsmotive". Also als hohe Kunst wird das nicht betrachtet, also mit Intellekt hat das wenig zu tun. Ich will ihn dabei nicht abwerten, aber ich denke mal auf den großen Kunstausstellungen würde man eher die Nase rümpfen, an einer Kunsthochschule die Prüfung nicht bestehen wenn man sowas malt.

    Oder lass ich mich da wieder von Menschen blenden, die ihn einfach nicht mögen? Oder die besonders "bildungsbürgerlich" wirken wollen?

    Mit Filmen ist es ähnlich, ich mag dieses Mainstream Zeug überhaupt nicht. So mit James Bond, Terminator und was es da sonst noch so gibt kann ich überhaupt nichts anfangen. Genauso wenig mit den übertriebenen "Amerika-rettet-mal-wieder-die-Welt" Filmen.
    Ein Film muss für mich eine richtige Botschaft haben, so dass ich danach noch längere Zeit darüber nachdenken und mich auch mit anderen darüber austauschen kann. Wenn ich etwas aus dem Film "mitnehmen" kann, dann war er (für mich) gut. (Genauso ist es auch bei Büchern)
    Ich find das Mainstreamkino hat sowieso abgenommen, auch wenn ich zumindestens Terminator 2 mag. Oder zumindestens als Jugendliche mochte (alles nutzt sich ab).
    Das Gegenbeispiel wären jetzt so "Kunstfilme" wie Godard. Als besonders gefeiert werden ja auch Filme wie ClockWork Orange usw. Oder generell Filme von Stanley Kubrick.
    Die kenn ich nun auch nicht alle. Die sind zum Teil ja thematisch interessant, nicht unbedingt der klassisch-platte Mainstream. Aber sprechen mich dann doch auch wieder nicht an.
    Ich find sogar, dass die absurden Teile oder auch die gewaltdarstellungen bei Clockwork Orange mich davon abhalten, mich für die Geschichte zu interessieren.
    Wäre das bei Hochbegabten anders, oder ist das wirklich nur Geschmackssache (oder "Nervensache")?

    Und um auf deinen letzten Satz zu kommen: bist du sicher, das die anderen "schwierige" Werke tatsächlich verstehen? Oder tun sie nur so? ;-)
    Das ist eine gute Frage. Irgendwas versteht man ja immer, auch wenn man nix versteht.
    Genau so wie es in Teilen der Kunst ja sogar gewollt ist, dass das Werk keine klare Botschaft hat und möglichst Bedeutungsoffen ist. Bei Literatur und bildender Kunst zum Beispiel.
    Gutes Beispiel ist ja Kafka: Die Texte sind surreal, haben keine wirklich Auflösung, aber vermutlich hat jeder eine andere Theorie darüber, was das jetzt aussagen soll.
    Gut, das ist assoziativ.
    Dass es so ist musste ich aber erst lange lernen, und ich komm damit immernoch nicht klar.
    (Also nicht bezogen auf Deutungsoffenheit generell, sondern damit dass ich im Studium gelernt habe, deutungsoffene Werke zu produzieren, was mich nicht die Bohne interessiert.
    Denn meiner Meinung nach ist es egal, ob ich ganz bewusst Chaos produziere, oder eine Botschaft konfus verschleiere damit man sie sich erarbeiten muss: Da wird immer irgendwas reingedeutet was anders gemeint war.)

    In der Vielschichtigkeit der Kunst ist es schwer, alles zu verstehen. Ich versuche es zwar auch erst mal, aber wenn ich merke, das ich nicht weiterkomme, dann lass ich es sein. Es gibt so viel schöne Kunst die auch ausdrucksstark ist, da bleibe ich nicht am typischen "Weisser Hintergrund mit rotem Punkt" Bild hängen um zu überlegen, was der Künstler damit ausdrücken will...
    Geht mir genau so. Ich habe zwar gelernt, wie man diese minimalistischen oder abstrakten Werke interpretieren kann, aber es reizt mich einfach nicht.
    Für andere ist das wiederum genau deren Ding, die kann man wiederum mit "realistisch" gemalten Werken jagen.

    Nur: Liegt es vielleicht daran, dass ich wirklich bestimmte Dinge einfach nicht wahrnehme, die andere wahrnehmen. Oder Dinge nicht "kombiniere", weil sie für mich konfus sind, für andere aber ein deutliches Muster ergeben? Und wenn ich das richtig verstehe würde Hochbegabung ja bedeuten, dass man in bestimmten Bereichen Muster schneller sinnvoll kombinieren kann als andere. Wärend manch einer ohne Hochbegabung sich dann an Sachen die Zähne ausbeißt, weil es ihm einfach nicht gelingen will. Also selbst mit viel Hilfe nicht.

    Vielleicht ist es aber auch keine Hochbegabung im Bereich "undeutlicher Kunst" sondern blos ein reines Geschmacksurteil, sodass es mit Intelligenz nix zu tun hat.

    Chamaeleon schreibt:
    Puh, da stellst du aber eine schwierige Frage, die bisher auch von der Forschung noch nicht abschließend erforscht wurde. Dass HB´s nur Free Jazz und 12-Ton-Musik hören, ist wohl ein hartnäckiges Klischée, das sich Leute zu Nutze machen, die als besonders gebildet gelten wollen.
    Naja, ich frag ja nach
    Mir ist schon klar dass HB meistens doch recht normale Hobbies haben.

    Das mit dem Jazz ist für mich vor allem ein "Bildungsbürger"-Klischee. Nur: ist der Bildungsbürger auch wirklich "intelligenter" im Sinne einer HB?
    Oder ist das nicht blos so ein Status-Spiel?
    (Klar....wer sich mit Bildung beschäftigt hat immer die Chance, intelligenter zu werden als andere, die das nicht tun. Muss nicht, kann aber

    Was für Musik habe ich in meiner Kindheit gehört und in welcher Umgebung, wie war die Stimmung dabei...und wichtig auch die physiologischen Faktoren: Werden hohe Töne als bedrohlich empfunden und reizen sie die Nerven auf unerquickliche Weise? Oder beflügeln sie? Dann noch das Tempo: Zum Beispiel passt sich die Herzschlagfrequenz dem Tempo der Musik an, was bei schneller Musik als aktivierend oder evtl. auch als stressig empfunden werden kann. Dann die kulturelle Komponente: Was sind wir gewohnt? Vierteltöne zB werden hier in Europa als ungewohnt und wohl auch als unangenehm empfunden...
    Oder es gibt auch den sogenannten Chill-Effekt, der zB automatisch bei plötzlichen lauten (pompösen?) Stellen in einem Stück auftritt...da kann ich Beethoven noch so wenig leiden, Gänsehaut bekomm ich trotzdem.
    Stimm ich dir zu. Ich hab vermutlich als Kind auch eher Klassik als Jazz gehört, weshalb ich innerlich eher auf "europäische" Musik geeicht bin.
    Metal hat angeblich ja auch stukturell viele Ähnlichkeiten mit Klassik, vielleicht tut das sein übriges zu meinen Hörgewohnheiten dazu.
    Aggressiv macht mich dann eher so manch ein schnelles Freejazz mit ganz bewusst gesetzten schrillen Tönen.
    Andererseits hat sich Metal wiederum über langen Wege aus dem Rock'n'Roll entwickelt, welches seine Wurzeln wieder im Jazz hat.

    Oder es ist das "öffentliche Image" von Metal, das mir das Gefühl gibt anzuecken in manchen Kreisen. *grübel*


    Ich meine nur: Wenn man die ganzen anderen Faktoren miteinbezieht, dann spielt die Intelligenz nicht mehr so stark eine Rolle. Wobei ich sie da nicht ganz ausklammern würde. Wenn du bei bestimmten Liedern oder Bildern nix empfindest, dann liegt das m.M.n. an deinen persönlichen und emotionalen Erfahrungen - Emotion, auch eine wichtige Komponente! Warum berührt mich etwas? Ich würde sagen, das liegt an einer Mischung aus physiologischen Komponenten (Musik und körperliche Erfahrung und damit auch Gefühle sind eng miteinander verknüpft) und persönlichen Erfahrungen. Also, im Endeffekt ist der Musikgeschmack eine Mischung aus Individualität und allgemeingültigen Prinzipien (Musikrhythmus - Körperrhythmus). Warum zB fange ich bei Karnevalsumzugsmusik immer fast an zu heulen, obwohl das intellektuell nun nicht wirklich ansprechend ist? Und dass du die Stücke, die dich nicht berühren, intellektuell nicht zwangsweise durchschaust, ist glaub ich auch normal - nicht jedes intellektuell anspruchsvolle Stück ist schön (im Gegenteil), dafür kann aber ein simples Stück tief berühren. Und außerdem: Musik berührt hauptsächlich im Gefühl. Wobei dieses Gefühl auch durch den Verstand entstehen kann - wenn man zB die ästhetische Ausgewogenheit eines Stückes mit dem Verstand erkennt und davon dann ergriffen wird - wo dann doch wieder ein Zusammenhang zwischen Intellekt und Musikempfinden hergestellt werden kann....
    Insgesamt stimmt ich dir zu, aber genau der markierte Bereich interessiert mich.
    Ich hör zum Beispiel fast nur "emotional", glaube ich.
    Zum Beispiel interessieren mich die Lyrics meistens nicht, komme auch sehr gut mit reinen Instrumentalstücken aus. Lyrics sind für mich so ein intellektueller Zugang, wenn man sie ernst nimmt.
    Und ich hab halt damit das Gefühl ein oberflächlicher Hörer zu sein, der sich mehr mitreißen lassen will.

    Dann hab ich noch dazu gelesen bzw die Theorie gesponnen, dass sehr gleichmäßige Rythmusstukturen einem das Gefühl von Sicherheit geben (als chaotischer Mensch).
    Wärend unregelmäßige, nicht erwartete Tonfolgen dagegen "intellektuell" wieder anregend sind. Nur ist halt die Frage, ob das wirklich so ist.
    Es kann ja sein dass es auch nur der Reiz des Neuen ist, wenn eine Tonfolge erstmal unharmonisch klingt. Ohne dass es wirklich beispielsweise von HBs bevorzugt wird.

    (Anmerkung: ich möchte "intellektuell" nicht mit HB gleichsetzen, das sind sicher zwei verschiedene Sachen die sich häufig überschneiden. Es isst nur schwierig zu formulieren ohne mehrdeutige Begriffe )

    Sorry, dass ich so viel herumspringe! Aber Musik ist total mein Thema (deswegen bin ich auch auf Kunst usw. nicht so eingegangen), da kommen mir immer so viele Gedanken auf einmal.

    P.S.: Gänsehaut/Chill Effect kann ich mitunter auch durch eine intellektuelle Erkenntnis beim Lesen eines Buches bekommen (da gibt es dann diese erkenntnisreichen Stellen, die einfach total umhauen)...

    P.P.S.: http://www.zeit.de/2010/35/Musik-Wissenschaft
    Kein Problem mit der Musik

    Ich meine ich hab mal gelesen dass moderne Kunst versucht, etwas autonomes wie die Musik oder andere Künste zu sein. Gerade bei Kandinsky ist es deutlich, dass seine Bilder für ihn eigentlich Musik sind. Gut, der hatte Synästhesie und hat bei Farben gleichzeitig Töne wahrgenommen. Aber beide Richtungen haben gemeinsam, dass es sich um Sinnesreize handelt die irgendeiner Struktur oder einem Muster folgen. Und deswegen ziehe ich inzwischen Parallelen zwischen allen möglichen Kunstrichungen. Da würde dein Beispiel mit dem Buch ja auch passen.

    Es kann sein, dass alle Kunst, die man konsumiert, eine ähnlichen Gesamtmuster folgt. (Natürlich nicht immer und zu jedem Zeitpunkt, sonder so allgemein in der Tendenz)
    Also seien es Bücher, Bilder, Musik, Objekte, Filme usw. die einen Menschen aufgrund eines bestimmten Musters ansprechen.
    So als Beispiel: Ich mag gern Bilder mit vielen Details, weil ich da länger mit den Augen umherwandern kann. Das Gleiche bei Musik, die darf ruhig Chaotisch sein, aber irgendwie noch gut strukturiert chaotisch. Für andere wiederum ist es das Höchste der Gefühle, wenn Bilder oder Musik möglichst klar reduziert sind, nicht zu detailiert, nicht zu bunt, nicht zu laut, nicht zu schnell. Das regt deren Fantasie deutlich mehr an, als bei mir.
    Und gerade die "Kunst", die als "bildungsbürgerlich" gilt, hat genau diese Elemente der Einfachheit.

    (Ist wieder schwer zu formulieren, da gibt es massig Gründe warum der aktuelle Zeitgeist so ist wie er ist. Es gibt ja keine eindeutigen Gründe, aber vielleicht Gründe die überwiegen können, die ich aber nicht wahrnehme)



    Edit: danke für den Link, ich guck mal ob ich mir damit was beantworten kann
    Geändert von tasseKaffee ( 8.08.2015 um 00:55 Uhr)

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.822

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Ich denke es kommt bei HBs genauso wie bei allen anderen auf den Geschmack, die Bildung und auch den jeweiligen künstlerischen Hintergrund an.
    In Sachen Malerei oder Bildhauerei haut mich z.B. nichts bedeutungsschwangeres vom Hocker, sondern wenn ich das Können und die Arbeit sehen kann, da brauche ich auch nicht vieles mittenmang und drumherum, da habe ich ja genug kleine Details zu begutachten, wie hat der/die z.B. die Wölbung am Strecker am Hals gelöst, wie wird optisch Spannung in den Muskeln erzeugt etc etc.... stand neulich vor einem Rodin und hätte niederknien können, ich war regelrecht ehrfürchtig und gerührt. Viele andere hätte dieser männliche Akt wohl nicht unbedingt begeistert, ich habe halt durch meinen beruflichen Hintergrund eine ganz andere Sicht drauf, das hat aber nichts mit HB zu tun.

    Bei Musik z.B. ist das dann wieder ganz anders, da höre ich das, was mich emotional anspricht, egal ob der Text oder die Melodie.

  6. #6
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 818

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Ich glaube, dass man einen besonders großen Erfahrungsschatz und großes Wissen über einen bestimmten ästhetischen Bereich haben muss, um über den Intellekt emotional angesprochen werden zu können - wenn man die Tragweite eines Werkes erkennt, es im kulturellen Kontext betrachten kann, es vergleichen kann mit Werken von ähnlicher Struktur, dann kann das diesen Effekt des "Erhabenen" (Schopenhauer) erzeugen, man wird überwältigt von der - rational erkannten - Schönheit/Ausgewogenheit des Werkes. Insofern wage ich mich nun doch ein wenig mehr in die Richtung vor, dass anspruchsvolle Werke von HB´s eventuell (aber auch das kann man wieder relativieren) als schöner empfunden werden können. Weil sie durch ihren Wissensdurst und ihre schnellere Auffassungsgabe mehr Allgemeinbildung angesammelt haben könnten und auch Muster schneller durchschauen - weil sie einfach genügend Bezugspunkte = Wissen/Erfahrungen haben, die sie zueinander in Verbindung bringen können und dadurch mehr Erkenntnisse erlangen können, wenn sie ein Bild betrachten/ein Musikstück hören, was wiederum ein Glücksgefühl auslösen kann. Jemand mit wenig Bildung im Bereich Barockmusik wird sie eventuell als langweilig empfinden, sie wird ihn nicht ansprechen. So erging es mir eine Zeit lang, bis ich mich aktiv mit dieser Musik beschäftigte...vielleicht muss man sich seinen Zugang auch erst aktiv schaffen. Nun habe ich dort, wo ich vorher nichts gefühlt habe, ein Gefühl für diese Musik, ich empfinde etwas dabei. Das habe ich mir zum Teil eben auch rational erarbeitet. Ich denke, man kann niemanden, der sonst Hard Rock hört, einfach in eine Oper setzen und erwarten, dass ihm das gefällt. Man müsste ihn da schon langsam ranführen und selbst dann kann es sein, dass dieser Mensch einfach keinen Zugang dazu findet.

    Und ich hab halt damit das Gefühl ein oberflächlicher Hörer zu sein, der sich mehr mitreißen lassen will.
    Spricht doch nichts dagegen? Außerdem kann sich das ja noch entwickeln. Musik ist aber auch etwas, das zuallererst die Gefühle anspricht (oder eben nicht), denke ich. Musik ist unmittelbar, man kann sie aber auch "anreichern" durch intelligente Lyrics oder musikalische Anspielungen. Trotzdem ist sie zuallererst einmal etwas Emotionales. Es gibt auch die Erscheinung, dass man sich durch zu viel Wissen und Analyse Dinge "kaputt" machen kann...manche Dinge erlebt man vielleicht besser als sie zu durchschauen...

    Aber beide Richtungen haben gemeinsam, dass es sich um Sinnesreize handelt die irgendeiner Struktur oder einem Muster folgen. Und deswegen ziehe ich inzwischen Parallelen zwischen allen möglichen Kunstrichungen. Da würde dein Beispiel mit dem Buch ja auch passen.

    Es kann sein, dass alle Kunst, die man konsumiert, eine ähnlichen Gesamtmuster folgt. (Natürlich nicht immer und zu jedem Zeitpunkt, sonder so allgemein in der Tendenz)
    Also seien es Bücher, Bilder, Musik, Objekte, Filme usw. die einen Menschen aufgrund eines bestimmten Musters ansprechen.
    Ja, die Sinne agieren nicht komplett autonom, ich vertrete ja die These einer ganzheitlichen Wahrnehmung...ich denke, das eigene Gefühl für Ästhetik ist tatsächlich etwas umfassendes. "Aisthetis" bedeutet ja ursprünglich auch "Wahrnehmung" und da alle Künste über die Sinne wahrgenommen werden, könnte ich mir vorstellen, dass der Geschmack sich in allen Bereichen irgendwie ähnelt. Es gibt übergreifende Prinzipien, so wie dein Beispiel mit den vielen Details, die du gerne siehst und hörst. Ich mag gerne kräftige Farben, die sich gut ineinander fügen und genauso mag ich kräftige, aber warme Musik, die mich nicht zu sehr reizt, aber genügend anreizt. (Kräftige Farben = Musik, die mich genügend anreizt; sich gut ineinander fügende Farben = Musik, die nicht zu sehr reizt.) Ich mag es nicht, wenn zu sehr provoziert wird, es soll sich schön ineinander fügen, ohne langweilig zu werden, es soll immer auch angenehm für Ohr und Auge sein.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 37

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Hm, ich mag Trash Filme, gerade das ganze Zeug mit Stallone, Schwarzenegger stehe auf 80er Synth und Mainstream aus selbiger Zeit.
    Zum.anderen liebe ich Klassische Musik, Bach, Beethoven, Tchaikovsky, und vielen anderen Künstlern.
    Ich höre aber auch Metal, Rap (80er) Techno, Damcefloor aus den 90ern,Jazz,,Blues, der Stil spielt eigentlich keine Rolle, Hauptsache es gefällt ��
    Ich empfinde es als sehr engstirnig, sich auf eine Musikrichtung festzulegen, wo es doch so viel zu entdecken und erfahren gibt!
    Ixh würde dass gerne noch viel Detailierter ausführen, aber im Moment ist die Mittagspause zuende ��





    PS

    Kung Fury ist einer der tollsten Filme für mich (und das Theme von Hasselhoff ist der Knaller xD)

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 435

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Ich glaube, es geht hier beim "sich fuer Kunst interessieren" nicht nur darum, was man als schoen empfindet.
    Kunst lebt von Kontrastierung, das Haessliche, gerade das, was in uns Trauer oder Angst ausloest, macht - wenn es danach wieder schoen wird - den Chill-Effekt doch erst so richtig intensiv:-)

    Es ist eine Frage, wie sehr Kunst-Konsumenten bereit sind, kognitive Dissonanz zu ertragen, das kann man trainieren und ist sicher dazu situationsabhaengig. Ueber die Jahre habe ich z.B. die Emotionalitaet von orientalischer Musik oder die Symbolik von Avantgarde-Mode verstehen und schaetzen gelernt, aber dazu musste ich mich darauf einlassen. Leider reagieren die meisten Menschen auf Fremdes zunaechst mit Ablehnung.

    Beim aesthetischen Empfinden ist es eine Frage, was bei uns wie "geankert", was mit welchen Emotionen verknuepft wurde.
    Zum Beispiel empfinden meine Eltern viele Stellen in Stuecken von Mozart als froehlich und gluecklich, ich empfinde sie als so uebertrieben, dass sie auf mich geradezu hysterisch wirken. Andersherum empfinden sie z.B. Erroll Garners "Laura" als Klavier-Klimper-Kitsch, fuer mich ist das durch die Emotionalitaet seines Klavierspiels und die Komplexitaet der Rhythmik sehr ernst. Und - ich kann mir den nicht verkneifen - Weihnachtslieder loesen in mir unmittelbar Stress aus... *gacker*

    Dazu kommt, dass viele Menschen bestimmte Emotionen unterdruecken oder vermeiden. Nirgends wird das so deutlich wie beim Kunstgeschmack.
    Nicht jedermann guckt sich einen Bildband von H.R. Giger an oder trinkt einen Laphroig-Whiskey um sich mal so richtig zu gruseln oder hoert Metal, um seine Agressivitaet auszuleben.

    @Banania: Kung Fury ist echt der Hammer, Albernheit pur!

  9. #9
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 418

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    DonBoleta schreibt:
    Es ist eine Frage, wie sehr Kunst-Konsumenten bereit sind, kognitive Dissonanz zu ertragen, das kann man trainieren und ist sicher dazu situationsabhaengig. Ueber die Jahre habe ich z.B. die Emotionalitaet von orientalischer Musik oder die Symbolik von Avantgarde-Mode verstehen und schaetzen gelernt, aber dazu musste ich mich darauf einlassen. Leider reagieren die meisten Menschen auf Fremdes zunaechst mit Ablehnung.

    Beim aesthetischen Empfinden ist es eine Frage, was bei uns wie "geankert", was mit welchen Emotionen verknuepft wurde.
    Zum Beispiel empfinden meine Eltern viele Stellen in Stuecken von Mozart als froehlich und gluecklich, ich empfinde sie als so uebertrieben, dass sie auf mich geradezu hysterisch wirken. Andersherum empfinden sie z.B. Erroll Garners "Laura" als Klavier-Klimper-Kitsch, fuer mich ist das durch die Emotionalitaet seines Klavierspiels und die Komplexitaet der Rhythmik sehr ernst. Und - ich kann mir den nicht verkneifen - Weihnachtslieder loesen in mir unmittelbar Stress aus... *gacker*
    Hängt das für dich zusammen, oder sind das getrennte Sachen?
    Denn das mit dem "geankert" ist ja genau der Punkt, der "Geschmackssache" ausmacht.
    Denn dieses mit dem hysterisch oder kitschig llingen hab ich auch bei vielen Sachen. Ist bei mir aber auch Abhängig von meiner Grundstimmung. So als blödes Beispiel die Band "Lacrimosa".
    Je nach Hörgewohnheit und Stimmung kann die Musik rockig bis energiegeladen wirken, aber auch in anderen Momenten eher so himmelhochjauchzend bis überkitscht und völlig überzuckert bis träge.
    Ich denke mal bei Mozart, Chopin oder anderen klassischen Musikern ist es das gleiche.

    Gerade wenn man sich mal zur Abwechslung mal eine Klassik-CD-Sammlung kauft findet man häufig die fröhlicheren bzw. bekannteren Stücke darauf. Oder die dann fröhlich interpretiert wurden.
    Meine Hörgewohnheit geht normalerweise in Richtung Metal, also kann es durchaus ernster und energiegeladener sein. Das was man meistens eher findet ist dann eher die "Popmusik" der Klassik. Um ernstere Stücke zu finden kenn ich mich dann wieder zu wenig aus.

    Wobei ich dann diese kognitive Dissonanz eher umgehe, indem ich in anderen Genres das suche, was mir in meinen favorisierten Genres schon vertraut ist.
    Klassik entspricht aber eher der Hörgewohnheit, die ich so als Kind entwickelt habe. Bei Jazz hab ich das nicht, und für mich klingt Jazz häufig schrill und Kakophon.
    (Natürlich nicht alles, Jazz ist ein großer Bereich. Es kann auch sein dass es primär Freejazz ist, mit dem ich nicht klar komme. Auf Swing oder BoogieWoogie oder sowas reagier ich nicht ganz so seltsam)

    Wobei...vielleicht ist es dann eher das...

    Dazu kommt, dass viele Menschen bestimmte Emotionen unterdruecken oder vermeiden. Nirgends wird das so deutlich wie beim Kunstgeschmack.
    Nicht jedermann guckt sich einen Bildband von H.R. Giger an oder trinkt einen Laphroig-Whiskey um sich mal so richtig zu gruseln oder hoert Metal, um seine Agressivitaet auszuleben.
    ..unterdrücken und vermeiden?
    Ich weiß ganz sicher dass ich bestimmte Gefühle vermeide, bei anderen Sachen bin ich dagegen eher Stumpf und Sachlich(?)
    Gerade Giger find ich nicht wirklich gruselig, ebenso manches im Horror-Bereich. Mit Musik kann man mich schon garnicht gruseln, eher mit ekelhaften Tonspuren.
    Splatter ist dann wieder sowas anderes.

  10. #10
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 435

    AW: Musik/Kunstgeschmack bei Hochbegabten?

    Ja, fuer kognitive Dissonanz und geankerte Emotionen habe ich schon verschiedene Schubladen im Kopf. Wobei man ja auch andauernd neu ankert.

    Mir faellt nochwas ein: Kunst als Identifikationsmerkmal fuer soziale Gruppen und Subkulturen. Klassik und Jazz werden gern als Status-Symbol von Politik und Bildungsbuergertum benutzt, obwohl zumindest die Symphoniker, die ich kenne, privat - gar keine - Klassik hoeren (die kriegen inzwischen Wuergereiz beim Radetzky-Marsch) und ich auch schon beruehmte Jazz-Bands erlebt habe, die so stoned auf der Buehne spielten, dass sie nicht mehr reden konnten. Das Publikum unten, in Schlips und Kragen, bekam davon natuerlich nichts mit, war begeistert, es flossen reichlich Spenden.
    So aehnlich lief das ein Jahrzehnt bei Vernissagen und Finissagen in der Kunsthalle unter meinem Ex-Buero ab. Sehen und gesehen werden, klugscheissen.

    Aber genau diese Gruppendinger sind es, die mich auch abstossen: Als Headbanger sind lange Haare und schwarzes T-Shirt Pflicht, als Hip Hopper labbriger Hoodie usw. Mit dem Wissen ueber einzelne Kuenstler innerhalb der Genres wird angegeben, um Status innerhalb der Gruppe zu demonstrieren, einfach nur Interessierte werden mit der gleichen Motivation ausgegrenzt.

    Ich hoere auch gern Metal, Korn, Devin Townsend, Tool, aber das kann man sich wie eine endlose Pilgerreise durch die Musik vorstellen, sobald ein Genre "durchgekaut" ist, muss etwas neues, spannendes her, irgendwann kam dann eine Zeitlang Minimal House, dann Jazz, Klassik, Balkan-Blasmusik, Funk, Dubstep... kein Ende in Sicht.

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