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Diskutiere im Thema Kompensation durch Hochbegabung im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 614

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    ok, das wirft nochmal ein anderes licht auf das ganze.

    erkennst du dich denn in den merkmalen von asperger?

    und die sache, dass du lange brauchst, um dich an veränderungen zu gewöhnen, finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich. bist du evtl auch hypersensibel für reize? (sprich high sensitive person)

    ich weiß leider gerade auch nicht,was ich dir raten soll/kann. vielleicht hat jemand anders hier?

    solche sozialen probleme, dass mir der job gekündigt wurde, hatte ich bisher nicht. allerdings war ich immer eher in der außenseiterrolle. und bin eher hypersensitive in dem bereich, nehme also eher zu viele soziale signale auf und reagiere zu schnell sensibel.

  2. #12
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    xyberlin schreibt:
    Ausgeschlossen wurde die Diagnose AD(H)S bzw. stark in Frage gestellt durch einen anderen Neurologen, der mir sagte, sie haben sehr gute Studienleistungen erbracht, unter sehr schweren und zeitlich engen Bedingungen, nie eine einzige Dead-Line verpasst und hochstrukturiert alle Leistungen erfüllt, das passt nicht zusammen mit der Diagnose AD(H)S. Er kennt niemanden, der mit AD(H)S ihre Studienleistungen erbracht hat (2 Studiengänge und Promotion, alles im Bereich gut-sehr gut).
    Da würde ich ihm vollkommen zustimmen ... das passt nicht zusammen.

    xyberlin schreibt:
    Kann man mit Hochbegabung AD(H)S komplett kompensieren?
    Da Du die Frage sehr konkret stellst und ausdrücklich fragst, ob man sie komplett kompensieren kann, würde ich sagen, muss die Antwort zunächsgt mal "nein" lauten.
    Eine komplette Kompensierung?
    Puha ...
    Allerdings:
    Das mag funktionieren, wenn man es mit einem leichten Fall von ADHs zu tun hat.
    Was in der Frage ja nicht berücksichtigt wird ist, dass wir es bei ADHS mit einem Spektrum zu tun haben, es geht also von -> bis.

    Wenn man sich ADHS und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen anschaut, dann erkennt man, dass sich ein großer Teil der ADHS in den exekutiven Funktionen bemerkbar macht, und die sind zunächst mal nicht direkt an Intelligenz gekoppelt.
    Es handelt sich ja dabei um "höhere" Funktionen, wie Planung, Zeit, Struktur etc. und u.A. die sind bei ADHS "im Eimer".
    Darin liegt der Grund, dass ADS'ler diese Probleme mit Strukturierungen, Zeitmanagement etc. haben und in der Tat sollte man annehmen, dass ein von ADHS Betroffener hier deutliche Problemzonen aufweist.
    Wie gesagt ist das aber auch abhängig vom Schweregrad der ADHS.

    Nun ist es aber in der Tat so, dass viele ADHS'ler mit hoher Intelligenz später auffallen, eben weil sie Wege der Kompensation finden.
    Wie aber schon geschrieben, bedeutet das auch, dass damit Ressourcen beansprucht werden, die sonst anderweitig zur Verfügung stehen.
    Wir müssen also Dingen eine ganz besondere Aufmerksamkeit schenken, für die Andere ohne ADHS sowas wie einen "Autopiloten" haben.

    Das kostet Kraft und früher oder später merkt man das auch, das ist dann der Punkt, an dem der Betroffene "dekompensiert".

    Soviel zu einem kurzen Exkurs in die Mechanismen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit.

    Aber es gibt eben auch ADHS'ler, die ein Studium gut hinbekommen haben.
    Da gibt es mehrere Faktoren, die da unterstützend wirken können.
    Zwar können wir uns nicht selber strukturieren, aber wir können extern strukturiert werden, durch z.B. Kommiltonen, eine strukturierte Umgebung, Eltern, da gibt es viele Möglichkeiten, ohne dass ein ADHS'ler gleich in die Katastrophe rauscht.

    Es ist also durchaus möglich, sowohl die eigene hohe Intelligenz zu nutzen (wir mögen vielleicht keine "Autopiloten" für Einiges haben, aber wir können die vorhandenen Ressourcen dafür nutzen ohne dass es groß auffällt, weil wir immer noch gut dastehen).

    Ob man allerdings wirklich eine entsprechend ausgeprägte ADHS wirklich komplett kompensieren kann ... ich würde da wie gesagt eher zu einem Nein tendieren.

    Denn wie gesagt, die exekutiven Funktionen haben nichts direkt etwas mit Intelligenz zu tun.
    Intelligenz bezeichnet kognitive Fähigkeiten, Dinge zu verstehen und umzusetzen, zu ergänzen und weiterzudenken sozusagen (sehr sehr vereinfacht).
    Die exekutiven Funktionen sind sozusagen eine andere Stufe.
    Da gilt es, komplexe, in Hierachien gestaffelte Abläufe zu planen und zu organisieren, Prozesse zusammenzufassen, bzw. aufzusplitten und einzelne Prozesse auf ein höher gerichtetes und zeitlich in nicht direkt greifbarer Reichweite liegendens Ziel zu richten und dieses konsequent bis zu einer erfolgreichen Beendigung zu verfolgen.

    Aber Intelligenz kann natürlich dabei helfen, über Umwege das hinzubekommen, was automatisch intern nicht möglich ist.
    Einfaches Beispiel:
    Ich kann mir nichts merken, also schreibe ich es auf und habe ständig einen Block und einen Stift dabei:
    Klingt einfach, kostet aber Zeit und Energie und ich muss den Block immer wieder durchschauen, da ich ja sonst vergesse, was ich mir aufgeschrieben habe, bzw. gar nicht weiß, dass ich mir was aufgeschrieben habe.
    Nur ein kleines Beispiel und gewiss nicht das Beste.
    Problematisch wird es dann, wenn die Kompensation mehr Zeit und Energie kostet, als alles andere, nur damit es am Laufen erhält.
    Das ist der direkte Weg in die Komorbiditäten und keine funktionale Kompensation.

    Es ist also schwer, Dir eine halbwegs definitive Antwort geben zu können.
    Aber generell würde ich sagen, ab einem entsprechenden Schweregrad und mit wenig bis nicht optimalen Umgebungen .. wird eine komplette Kompensation eine verdammt harte Nummer.

    EDIT:
    Um das aber ganz bewusst nochmal zu betonen und nicht untergehen zu lassen:
    Es gibt auch reichlich ADS'ler, die müssen nicht mal groß kompensieren, einfach weil sie das Glück haben/ hatten, in einer ADS-kompatiblen Umgebung aufzuwachsen.
    Das Umfeld und die Förderung machen viel aus.
    Das darf man nicht vergessen.
    Nicht jeder ADS'ler landet am Ende in einer Klinik.

    xyberlin schreibt:
    Gleicher Neurologe hat den Verdacht geäußert, da meine Kernproblematik stets in der sozialen Interaktion lag, ich als Kind bis vor wenigen Jahren, keine Freundschaften schließen konnte, bei mir eher eine Asperger-Problematik zu Grund liegt und nicht AD(H)S.
    Das klingt für mich angesichts der anfänglichen Beschreibung durchaus logisch und wäre auch mein erster Gedanke.
    Allerdings muss man auch hier sagen, dass Asperger nicht einfach so aus der Tasche gezogen werden kann/ sollte...
    Beide Diagnosen sind umfangreich und nicht immer leicht.

    Viele Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (30.05.2013 um 23:11 Uhr) Grund: Edit hinzugefügt

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    Anna_NL schreibt:



    da gebe ich dir gewissermaßen recht. allerdings geht es bei kompensation wohl eher um die typischen adhs merkmale als um die folgeerkrankungen bzw. verhaltensstörungen, die sich entwickeln können.
    Mir fällt es gerade etwas schwer, meine Gedanken darauf zu begrenzen, dass Kompensation durch HB nur im Bezug auf die reinen ADHS Merkmale zu beschränken. Wenn ich als ADSler eine niedrige Konzentrationsspanne habe, aber durch die HB bzw. durch eine schnelle Auffassungsgabe die geforderte Leistung ausgleichen kann, dann ist das schön und gut. Doch das mindert die ADHS Problematik an sich nicht. Ich kann ADHS verschleiern, aber nicht kompensieren. Ich brauche Konzentration für die einfachsten Dinge des Lebens. Da bringt mir HB rein gar nichts.
    HB ist wie eine Maske, die du aufsetzen kannst, um nicht aufzufallen, wenn du von ADHS betroffen bist. Ich habe sehr große Probleme Entscheidungen zu treffen, an ihnen festzuhalten, muss sie immer und immer wieder durchdenken. Die HB macht die Sache dadurch nicht besser. Eher im Gegenteil. Der hohe Selbstanspruch, den Idealismus, den man als HB in sich trägt, verschlimmert die ganze Sache noch.

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 614

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    vakuum schreibt:
    Mir fällt es gerade etwas schwer, meine Gedanken darauf zu begrenzen, dass Kompensation durch HB nur im Bezug auf die reinen ADHS Merkmale zu beschränken. Wenn ich als ADSler eine niedrige Konzentrationsspanne habe, aber durch die HB bzw. durch eine schnelle Auffassungsgabe die geforderte Leistung ausgleichen kann, dann ist das schön und gut. Doch das mindert die ADHS Problematik an sich nicht. Ich kann ADHS verschleiern, aber nicht kompensieren. Ich brauche Konzentration für die einfachsten Dinge des Lebens. Da bringt mir HB rein gar nichts.
    HB ist wie eine Maske, die du aufsetzen kannst, um nicht aufzufallen, wenn du von ADHS betroffen bist. Ich habe sehr große Probleme Entscheidungen zu treffen, an ihnen festzuhalten, muss sie immer und immer wieder durchdenken. Die HB macht die Sache dadurch nicht besser. Eher im Gegenteil. Der hohe Selbstanspruch, den Idealismus, den man als HB in sich trägt, verschlimmert die ganze Sache noch.
    die maske, die du beschreibst, ist es nicht das, was psychologen als kompensation sehen? eben das es nach außen hin erstmal nicht auffällt. und das man auch selbst erst später erfährt wodurch die komorbiditäten entstanden sind?

    ich glaube, ich weiß was du meinst. habe auch meine probleme, aber war evtl durch die sogenannte kompensation durch intelligenz eher unauffällig. man funktioniert nach außen hin. wie es innen drin wirklich aussieht, ist wieder was anderes...

  5. #15
    Simply me

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 2.266

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    vakuum schreibt:
    Ich habe sehr große Probleme Entscheidungen zu treffen, an ihnen festzuhalten, muss sie immer und immer wieder durchdenken.
    Geht mir genauso. Entscheidungen treffen und dabei bleiben, ist für mich ein Kraftakt.

    vakuum schreibt:
    Die HB macht die Sache dadurch nicht besser. Eher im Gegenteil. Der hohe Selbstanspruch, den Idealismus, den man als HB in sich trägt, verschlimmert die ganze Sache noch.
    Siehe das Zitat in meinem Beitrag. Es ist schon so: Als ADHSler verbockt man manchmal schon ne ganze Menge. Wenn dann noch hoher Selbstanspruch, Idealismus und wie in meinem Fall noch zusätzlich Perfektionismus dazukommen, dann liegt das Ganze ziemlich im Argen.

  6. #16
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    Ich sehe es wie Fliegerlein. Komplett kompensieren geht nicht, wie denn auch?
    Klar, wenn man in der Schule nicht lernen muss, weil man dank hoher Intelligenz alles innerhalb kürzester Zeit verstanden hat, dann fällt ADHS erstmal nicht so schnell auf.
    Man kann durch seine kognitiven Fähigkeiten einige Probleme ausgleichen, soviel steht fest.
    Aber nicht alle Probleme sind kognitiver Art (wie z.B. die Konzentrationsschwäche oder Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis).

    Nehmen wir als Beispiel der Besuch in der überfüllten, lauten Kneipe. Alle sitzen um den Tisch, reden durcheinander und bei dir kommt ein riesiges Geräuschgewurschtel an.
    Wie soll man sowas mit seinen kognitiven Fähigkeiten ausgleichen?
    Oder mein anderes Lieblingsbeispiel: Supermarkt. Viele Menschen, schreckliche Musik, Neonlicht, die ganzen Produkte.
    Ich reagiere darauf in der Regel mit einer ausgeprägten Dissoziation - da würde mir auch ein IQ von 200 wohl kaum was nützen.

    In dem Problembereich kann man auch mit hoher Intelligenz nichts kompensieren.

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 227

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    Fliegerlein schrieb

    Da gilt es, komplexe, in Hierachien gestaffelte Abläufe zu planen und zu organisieren, Prozesse zusammenzufassen, bzw. aufzusplitten und einzelne Prozesse auf ein höher gerichtetes und zeitlich in nicht direkt greifbarer Reichweite liegendens Ziel zu richten und dieses konsequent bis zu einer erfolgreichen Beendigung zu verfolgen.
    Bei der Organisation von Arbeitsprozessen habe ich tatsächlich wenig Probleme oder di geignete Technik. Glaube aber erstere. Im Studium habe iich Lernphasen bis zur Klausur ineinanderverschalten können, nie Termine verpeilt, ich bin eigentlich überstrukturiert, in den Pflichtdingen sehr korrekt, ich habe keine Schwierigkeiten, Dinge zu tun, die getan werden müssen, wenn ich von deren Wichtigkeit überzeugt bin.

    Allerdings fkt. diese Organisation nur, wenn ich sie selber mache, auf Veränderungen oder Umstellungen reagiere ich verstört.

    Wenn das ein Kernproblem von ADHS ist, liegt bei mir tatsächlich der Schwerpunkt etwas anders. Kompensieren, um auf das Thema zurückzukommen, kann ich die fehlende Flexibilität übrigens auch nicht, da geht viel Energie verloren.

    ReRegenbogen schrieb

    Nehmen wir als Beispiel der Besuch in der überfüllten, lauten Kneipe. Alle sitzen um den Tisch, reden durcheinander und bei dir kommt ein riesiges Geräuschgewurschtel an.
    Wie soll man sowas mit seinen kognitiven Fähigkeiten ausgleichen?
    Oder mein anderes Lieblingsbeispiel: Supermarkt. Viele Menschen, schreckliche Musik, Neonlicht, die ganzen Produkte.
    Das würde ich als Flterschwäche bezeichnen, die kenne ich auch, in den gleichen Situationen. Nein, hier denke ich auch, Kompensation geht hier kaum.

    Und fehlende soziale Interaktion kann ich nur teilweise kompensieren, ich habe mittlerweile bestimmte Höfflichkeitsregeln gelernt, z.B. die der Nachfrage, wie geht es dir, muss sie aber immer wieder bewusst einsetzen, da kompensiere ich, es entseht maximal ein Mechanismus, der automatisch erscheint, aber nicht ist. Zumindest kommt mir das manchmal so vor oder wird mir auch gespiegelt und das spricht dann auch nicht für ADHS.
    Geändert von xyberlin (31.05.2013 um 08:28 Uhr)

  8. #18
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    xyberlin schreibt:
    Bei der Organisation von Arbeitsprozessen habe ich tatsächlich wenig Probleme oder di geignete Technik. Glaube aber erstere. Im Studium habe iich Lernphasen bis zur Klausur ineinanderverschalten können, nie Termine verpeilt, ich bin eigentlich überstrukturiert, in den Pflichtdingen sehr korrekt, ich habe keine Schwierigkeiten, Dinge zu tun, die getan werden müssen, wenn ich von deren Wichtigkeit überzeugt bin.

    Allerdings fkt. diese Organisation nur, wenn ich sie selber mache, auf Veränderungen oder Umstellungen reagiere ich verstört.
    Das klingt in der Tat, wenn man denn nach "Problemen" suchen wollte, eher nach Asperger, als nach ADHS.
    Es gäbe da eine Ausnahme, einen ADS'ler mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung.
    Zwanghafte Menschen haben was Struktur, Verhalten, Flexibilität und Rigidität angeht, viele Ähnlichkeiten mit Aspergern.
    Hier muss man allerdings dazu sagen, dass ein zwanghafter ADS'ler ja deshalb zwanghaft ist, weil er versucht, sein inneres (und äußeres) Chaos zu "bezwingen".
    Der kämpft regelrecht gegen sich selbst und das erkennt man meiner Meinung auch, denn das sieht nach außen hin schon etwas anders aus, als bei einem zwanghaften Menschen ohne zu Grunde liegender ADHS (wobei ich hier anmerken muss, dass ich davon nicht allzuviel Fälle kenne, aber einige Wenige und da ist das sehr deutlich).

    Aber Deine Beschreibungen, dass Strukturen und Organisation nur dann funktioniert, wenn Du sie Dir selber machst, und Du verstört reagierst, wenn es zu Veränderungen oder Umstellungen kommt, die passt in meinen Augen besser auf AS als auf ADHS.
    Wobei auch hier wieder bedacht werden muss, dass auch ADHS'ler umstellungserschwert sind.
    Das ist manchmal sehr schwer auseinanderzuhalten.

    Zusätzlich sollte man natürlich auch immer die Frage nach dem Schweregrad nicht aus den Augen verlieren und sich fragen, inwiefern die eigenen Probleme schon "störungswert", bzw. "Diagnosewert" haben.

    Wenn ich da ein bekanntes Beispiel nehmen darf:
    Nehmen wir den Comedian Dr. Eckart von Hirschhausen.
    Er hat sein Studium, bzw. seine Promotion magna cum laude abgeschlossen.
    Auch er hat von sich selbst mal in seiner Kolumne geschrieben, dass er ADHS in einer leichten Form habe.
    Trotzdem hat er das Studium so hinbekommen.
    Er sagte von sich selber mal zu seiner Tätigkeit als Arzt im Krankenhaus, dass er dort gerne war, aber eine seiner Schwächen sei, er wäre "'n bisschen ein kreativer Chaot" und das sei dort ungünstig (Quelle).

    Das dort zu kompensieren würde auf Dauer wohl zu anstrengend werden und kann auch irgendwann doch zu Fehlern führen.
    Jetzt dagegen nutzt er mehr von seinen Stärken und seine Schwächen fallen weniger ins Gewicht.

    Wenn ein Betroffener in einer Umgebung ist, in der seine Schwächen nicht zum Tragen kommen, braucht er auch nicht kompensieren.
    Kompensation bedeutet ja nichts anderes, als etwas, das ich nicht oder nicht besonders gut kann, auf Umwegen hinzubekommen, so dass meine Umgebung davon möglich nichts mitbekommt.
    Wenn ich eine Dyskalkulie habe und eine Arbeit habe, in der ich viel rechnen muss, dann muss ich, um trotzdem meine Arbeit zu schaffen und nicht aufzufallen, ständig zu Hilfsmitteln greifen.
    Das kostet Zeit und ich schaffe möglicherweise weniger als die Anderen.
    Also muss ich versuchen das schneller zu machen oder auf Pausen verzichten oder nehme mir Arbeit mit nach Hause, kurz: Auf Dauer überfordere ich.

    Wer sehr vergesslich und zerstreut ist, aber an einem Arbeitplatz tätig ist, in dem er ständig tausend Dinge im Auge behalten muss, z.B: Paramenter von mehreren Produktionsmaschinen beachten, Meldungen über den Produktionsablauf schreiben, Maschinen bestücken, Probleme beseitigen muss (was z.B. ein "ganz normaler" Job für einen Maschinenführer einer Produktionslinie in der Industrie ist), dann muss er höllisch aufpassen, immer unter Vollgas und Strom stehen.
    Um ja keine Meldung zu verpassen und wieder einen Anschiss zu bekommen, muss er ständig die Uhr vor Augen haben, laufend in der Linie hin- und her rennen, denn er kann sich die Zeitabläufe nicht merken und weiß nicht, wann die Maschine Nachschub benötigt etc. also kompensiert er das, in dem er öfter nachschaut.
    Dieses immer wieder nachschauen ist eine Kompensation: Wenn ich's nicht im Kopf behalten kann, muss ich halt öfter nachschauen.
    Das kostet aber Zeit und die hat er nicht, denn die Maschinen geben den Takt an.
    Also muss er einen "Zahn zulegen", denn er muss sein Pensum ja schaffen.
    Es ist wie ein achtstündiger Dauerlauf, den er jeden Tag aufs Neue macht und trotzdem passieren die blödesten Fehler.

    Die Kompensation kostet ihn hier mehr Kraft, als die eigentliche Tätigkeit.

    In einer anderen Umgebung, in der er nicht diese Zeit im Nacken hat und der Rhythmus ihm angepasst ist, wird er nicht kompensieren müssen.

    Der Haken ist nur:
    Man selber merkt das nicht so einfach und oftmals erst, wenn es zu spät ist.
    Irgendwie kriegt man es ja immer hin.


    xyberlin schreibt:
    Und fehlende soziale Interaktion kann ich nur teilweise kompensieren, ich habe mittlerweile bestimmte Höfflichkeitsregeln gelernt, z.B. die der Nachfrage, wie geht es dir, muss sie aber immer wieder bewusst einsetzen, da kompensiere ich, es entseht maximal ein Mechanismus, der automatisch erscheint, aber nicht ist. Zumindest kommt mir das manchmal so vor oder wird mir auch gespiegelt und das spricht dann auch nicht für ADHS.
    Das ist ein schönes Beispiel.
    Und gerade diese Form der Interaktion, die des "Socializing", also der Interaktion um der sozialen Beziehung willen, ohne dass dabei eine tatsächlich und für den Betroffenen interessante Information ausgetauscht wird, ist typisch für einen Asperger und bedeutet für ihn eine große Anstrengung.
    Das ist für ihn wie eine Fremdsprache.


    Aber auch hier gilt:
    Es gibt auch eine Menge Menschen, die sind einfach nur introvertiert und haben keinerlei Interesse an solcher Art der Interaktion.
    Die haben deshalb aber noch keine Beeinträchtigungen, die eine Diagnose erfordern oder rechtfertigen.

    Unabhängig davon ist aber, und ist, denke ich, das Wichtigste:
    Egal ob mit oder ohne Diagnose:
    Man sollte darauf achten, ob und wenn, wo und wie man kompensiert, also versucht eine Schwäche auszugleichen und wenn möglich, zusehen, dass man das möglichst wenig tun muss.
    Sagt sich leicht, das weiß ich.
    Aber es braucht zum Beispiel keine Diagnose um anderen sagen zu können, dass man selber einfach großen Anstrengungen ausgesetzt ist, wenn man Smalltalk betreibt.
    Viele Menschen verstehen das und die, die das nicht verstehen, sollten einem gestohlen bleiben können (Getreu dem Motto eines Buchtitels "Suche Dir Menschen, die Dir gut tun").

    Sofern möglich, sucht man sich ein Arbeitsumfeld, in dem man gut zurecht kommt.
    Stärken zu stärken ist besser, als ständig Schwächen ausgleichen zu müssen.

    Wenn Du das Gefühl hast, dass Dich Deine Kompensation sehr viel Kraft kostet, bzw. Du das feststellst, dass Andere weniger Energieaufwand betreiben müssen (was man ja selber erstmal gar nicht bemerkt,... wenn ich mit einem 4-Gang-Auto fahre und alle anderen 5 Gänge haben, dann muss ich das ja erstmal wissen ... solange ich nie ein anderes Auto gefahren bin und nie andere darauf anspreche, bzw. angesprochen werde, erfahre ich das nie ... ich wundere mich vielleicht nur, dass ich ständig Vollgas fahren muss. Viele merkan das erst, wenn der Motor geplatzt ist ...= Burnout).

    Anfangs in jüngeren Jahren funktioniert das auch, weil man mehr Energie hat und etwas besser den Akku wieder laden kann.
    Aber mit zunehmendem Alter ändert sich das und dann ist es gut, wenn man darum weiß und von Anfang an Rücksicht darauf nehmen kann, was man auch sollte.


    So, ... mal wieder viel Text, ... hoffentlich ein bisschen hilfreich und nicht zu langweilig .

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  9. #19
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    Anna_NL schreibt:
    die maske, die du beschreibst, ist es nicht das, was psychologen als kompensation sehen? eben das es nach außen hin erstmal nicht auffällt. und das man auch selbst erst später erfährt wodurch die komorbiditäten entstanden sind?

    ich glaube, ich weiß was du meinst. habe auch meine probleme, aber war evtl durch die sogenannte kompensation durch intelligenz eher unauffällig. man funktioniert nach außen hin. wie es innen drin wirklich aussieht, ist wieder was anderes...
    Was den Begriff Kompensation betrifft, da bin ich ziemlich pessimistisch eingestellt. Denn die Maske, die ich mir aufgesetzt habe, hat Probleme, die ich als Kind hatte, verdeckt. Wären sie zum Vorschein gekommen, hätte man wesentlich früher gegenlenken können.



    Aber nicht alle Probleme sind kognitiver Art (wie z.B. die Konzentrationsschwäche oder Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis).
    Das Arbeitsgedächtnis ist ein wichtiger Bestandteil, um Tätigkeiten kognitiver Art zu meistern. Nehmen wir mal einen IQ-Test als Beispiel. Je schwieriger die Aufgaben werden, desto mehr wird das Arbeitsgedächtnis gefordert, weil der Lösungsweg komplexer wird und man Teilschritte zwischenspeichern muss. Ich kann zum Beispiel bis zu einem gewissen Grad schwierige Aufgaben lösen, ohne viel nachzudenken. Die Lösung springt mir quasi "ins Auge". Sobald ich allerdings anfangen muss zu analysieren, merke ich wie sehr mein Arbeitsgedächtnis doch eigentlich eingeschränkt ist. Aber selbst bei leichten Aufgaben kann ein schlechtes Arbeitsgedächtnis schon zum Hindernis werden. Nehmen wir mal das Beispiel von Fliegerlein, wo ein Produktionsarbeiter sämtliche Dinge im Auge behalten muss. Auch wenn es sich dabei um einfache Aufgaben handelt, mit einem schlechten Arbeitsgedächtnis wird das zum Krampf.

  10. #20
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 227

    AW: Kompensation durch Hochbegabung

    Fliegerlein schrieb

    Man sollte darauf achten, ob und wenn, wo und wie man kompensiert, also versucht eine Schwäche auszugleichen und wenn möglich, zusehen, dass man das möglichst wenig tun muss.
    bzw.

    Viele merkan das erst, wenn der Motor geplatzt ist
    Das ist ja der Erkenntnisprozess, der vollzogen werden muss. Durch jahrelange Kompensation bzw. fehlenden Vergleich bzw. Erziehung bzw. Lernen / Nachahmen werden die Probleme entweder anfänglich nicht sichtbar (hier schon angesprochen bei der verbesserten Kompensation durch Hb) oder erst nach einer gewissen Erfahrung bzw. Erschöpfung, d.h. nicht unbedingt Burnout, aber z.B. individuelle Auffälligkeiten in der Biographie oder in der Gesundheitsgeschichte. Hinzu kommt, dass die Probleme (durch die gleichen Mechanismen) für Experten nicht immer sichtbar sind und deswegen auch keine Hilfe von außen geleistet wird oder an der falschen Stelle herumtherapiert wird (auch Erfahrungen, die, wenn ich das Forum sehe, viele gemacht haben).

    Ich denke auch, dass die einzige gesunde Lösung darin besteht, die Umgebung so zu gestalten, dass man nicht mehr kompensieren muss. Das zu erkennen dauert ...

    In meinem Fall kann ich das mit zwei Arbeitssituationen vergleichen, ein Internetprojekt, bei dem ich allein vor mich hinwurschteln konnte, es gab kein Teamwork, in den Mittagspausen bin ich allein spazieren gegangen, die Arbeit lief super und hat bis auf die Unterforderung viel Spaß gemacht (irgendwann habe ich angefangen mir eigene Projekte an Land zu ziehen ..., das wurde auch gerne angenommen), aus einer anderen Stelle bin ich nach 3 Monaten Probezeit rausgeflogen, hier musste ich mein Arbeitszimmer teilen, was gar nicht geht, es gab Teamsitzungen und Abläufe, die ich am Team ausrichten musste, ich habe die Kommunikationsprozesse nie verstanden.

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