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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 108

    Tag ein Tags Aus!

    hi,

    ich bin schon seit einiger Zeit im AHDS-Chaoten angemeldet und habe vor einiger Zeit auch diverse Beiträge verfasst,
    danach folgte eine relativ lange, nennen wie es mal inspirative Pause. Ich weiß nicht genau, wo ich meine Frage einordnen soll, daher hoffe ich dieser Thread passt in die hier befindliche Sparte.

    Ich bin seit mehr als einem Jahr mit ADS und HB diagnostiziert, habe medikamentöse und selbsttherapeutische Maßnahmen ergriffen. Vieles hat sich im vergangenen Jahr verändert. Außenstehende beschreiben diesen Wandel als ausnahmslos positiv.
    Um ehrlich zu sein, geht es mir mehr und mehr schlechter. Ich bin an einem Punkt angekommen, wo therapeutische Hilfe und Logik keinen rationalen Stellenwert mehr einnehmen.

    Vor zwei Jahren war habe ich mit 30Kg mehr auf den Rippen in einer messiähnlichen Wohnung dahinvegitiert, mich von der Außenwelt isoliert und im Grunde systematisch meine Familien- und Sozialstruktur zerstört.
    Ich hatte nie das empfinden, dass dies einen Rückschritt darstellen würde. Für mich war es schon immer nicht nur wichtig, sondern ein Privileg allein zu sein. Vor den nervenden Menschen, Problemen, Strukturen, KOnfrontationen und Kritiken davonzurennen.

    Ich wurde Medien bzw. Internetsüchtig, habe zwischenzeitlich meine Wohnung für mehr als 2 Wochen nicht mehr verlassen, welches selbstverständlich körperlichen Verfall zur Folge hatte.

    Mit der Erkenntnis, bzw. des zufälligen Findens von ADHS Sympthomatiken hat sich mein Leben von Grund auf geändert.

    Heute bin ich durchtrainiert und laut aussagen und den anologen Signalen, die mir die vorbeiziehende Frauenwelt übermitteln auch noch relativ attraktiv. Ich habe den zweiten Bildungsweg eingeschlagen. Mein Ordunungs- und Strukturverhalten ist zugegebenermaßen nicht "StiNo Niveau" aber zumindestens im Vergleich zu früheren Verhältnissen als QUantensprung zu bezeichnen.

    Ich hoffe ich konnte mit wenigen Worten ein wenig meine persönlichen Verhältnisse umreißen. Mein eigentliches Problem liegt darin, dass es mir psychisch zusehens schlechter geht. Ich finde selber keinen Weg hinaus aus dieser Loch was manchmal fast bedeckt scheint
    ,aber immer häufiger zum unausweichlichen Abfall führen wird.

    Ich bin der Meinung die ADHS-typischen Symptome unter Kontrolle gebracht zu haben. Die Wichtigkeit von physischer Beschäftigung als Balanceakt ist auch zeitweise sehr gut verlaufen. Früher hatte ich etwas, was mich problemlos 10 Stunden in Beschlag nehmen konnte.
    Egal ob es endlose Stichroutenläufe durch verknüpfte Wiki. Artikel war, PC Spiele, mit Hilfe von Filme und Serien Sprachen pseudoimmersiv lernen. Heute hat sich an der Sozialstruktur nichts verändert. Ich weiß nicht genau ob man diesbezogenen Kompetenzen überhaupt verlernen kann oder es einfach nicht mehr möchte.

    Es vergeht im Grunde kein Tag an dem ich nicht angeflirtet werde aber es ist wie ein selbstkonstruiertes Schutzschild. Ich gehe nicht weg weder zu Silvester noch zum Geburtstag und nicht weil ich es nicht möchte sondenr weil ich es einfach nicht kann.
    Die Außenwelt ist der pure Stress. Ich bin im Grunde nur gesellschaftsfähig mit Medikamenten und Inear- Kopfhörer und dann auch nur auf unpersönlicher Ebene. Das lächerlichste an dieser ganzen Sache ist, dass ich Kommunikationstraining für Azubis und die die es werden wollen, gebe.

    Ich habe auch kein Problem mit meiner Umwelt zu interaggieren, solange keiner mitbekommt wer ich eigentlich bin.

    Ich dachte, dass ich dieses Problem selber lösen kann, wie ich es mit der Umstrukturierung oder der Suchterkrankung auch hinbekommen habe, aber mitlerweile hillft nur noch sehr wenig. Wenn man selber bemerkt, wie eigentlich alles an Bedeutung verliert und man diese subtile Vereinsamung nicht mehr aufhalten kann,
    wie sie dieses physiologische Bedürfnis nach Gesellschaft einfach mit nichts mehr außer vllt. einer Sucht kompensieren lassen könnte, ist es sicherlich an der Zeit Hilfe zu suchen.

    Ich weiß leider nicht wirklich wo, ich studiere selbst Psycholgie und weiß um die Methoden von verhaltens- oder tiefenpsychologischer Betreuung. Es liegt ja nicht an dem nicht können sondern an dem nicht können wollen.
    Der erste Schritt um wirkliche Veränderungen zu bewerkstelligen ist es, sich ersteinmal selbst zu aktzeptieren und das ist ein Zustand der sich bei mir nie entwickeln wird.

    Ich weiß leider nicht um die Möglichkeiten, die man noch gehen kann und frage daher ob ein anderer ebenfalls betroffen ist oder entsprechende Adressen kennt, die sich vorrangig mit meinem Problem beschäftigen.

    mfg rick

  2. #2
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Tag ein Tags Aus!

    Hallo Mell,

    Dein Problem ist typisch für ADHS. Leider.

    Aufgrund der jahrelangen negativen Erlebnisse und der Misserfolge entwickelt man neben diversen Komorbiditäten in aller Regel noch ein sehr negatives Selbstbild.

    mell schreibt:
    Der erste Schritt um wirkliche Veränderungen zu bewerkstelligen ist es, sich ersteinmal selbst zu aktzeptieren und das ist ein Zustand der sich bei mir nie entwickeln wird.
    Warum wird sich dieser Zustand bei dir nie entwickeln?
    Und woher weißt du das? Kristallkugel?

    Hast du schonmal eine Verhaltenstherapie wegen dieser Problematik gemacht?

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 108

    AW: Tag ein Tags Aus!

    ich habe seitdem ich denken kann dieses gefühl noch nie gehabt und egal wieviel sich dreht und wendet der selbsthass und wunsch sich zurückzuziehen war immer zugegen. ich denke andauernd damit konfrontiert zu werden anders zu denken, leben, fühlen nur akzeptiert zu werden wenn man sich verstellt oder seine emotionen unterdrückt, seine eigentliche persönlichkeit verstecken muss.

    wenn ich zu anderen menschen so wäre, wie ich alleine bin überfordert das nicht nur sondern ich sehe es in den gesichtern. das hat auch nichts mit verschobener wahrnehmen und reprojezion von empathie zu tun sondern ist einfach real.

    verhaltenstherapeutische maßnahmen setzen bei der problematik adhs zuersteinmal auf die ursachen an. komorbide erscheinungen wie depressionen oder low selfesteem sind insodern behandelbar wenn die eigentlich verhaltensauffälligkeit hervorgerufen durch charakterliche o. soziologische eigenschaften besteht. die vorschläge, die mir die therapeuten o. psychologen bisher vermittelt haben, sind die gleichen, die ich in meinem lehrbuch oder in jedem durchschnittlichen lehrbuch über psychotehrapie finden kann und selbstständig schon angewendet habe. strukturpläne die mir prof. dr. dr. vorgeschlagen hat haben nicht funktioniert bis ich angefangen habe sie an die prämissen anzugleichen, die man selber ja am besten von sich kennt.

    mir hilft es nicht, dass mir prof. dr.dr. sagt, was wieso oder warum sich bei mir so entwickelt hat wie es ist. fam. vorgeschichte, kindheit soziales umfeld und alles unter berücksichtigung der ads.
    mir bringt es auch nichts mit einem psychologen zu sprechen weil ich genau das was er mir erzählt schon vor einigen jahren selbst herausgefunden habe.

    ich kann nunmal nicht wie andere in eine diskothek oder bar gehen, spass haben weil es nicht funktioniert ich fühle mich in umgebung von anderen menschen fremd und unakzeptiert wenn ich natürlich bin.

    ich sehe es an meinem vater, wie ein mensch scheitert, wenn er sich dem hingibt sein eigenes wesen zu verleugnen und auf kosten anderer vorteile zu ziehen. ich habe in der vergangenheit menschen, die mir nahe standen genau mit diesem weg verletzt und das nur weil ich egoistisch war und mein leben kontrolle verleihen wollte, die nicht funktionieren kann.

    das konzept verhaltenstherapie ist und wird keine alternative bleiben, weil die dinge, die mir der therapeut dort erzählt logisch und einfach zu reflektieren sind mir aber nicht weiterhelfen.

    ich weiß es klingt wie eine durch die depression eingefäbte ausrede nur hilft es mir nichts über dinge zu sprechen, die ich schon längst weiß.

  4. #4
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 108

    AW: Tag ein Tags Aus!

    ich hab mal wieder deine frage nicht einfach beantwortet sondern einen roman geschrieben... aehm ich hab beim SoPsDi einen Betreuer und zwei Verhaltenstherapien angefangen in der Kennenlernsitzung einmal 3 und einmal 4 außer den Rat Antidepressiva zu schlucken und das zu tun was in jedem Flyer steht ist nichts sinnvolles dabei herausgekommen.

    der therapeut hat bswp. nicht verstanden, dass ich es belastender fand meine wortwahl nicht so zu wählen, wie es in meinem kopf war anstatt dem eigentlichen Sinn.
    Es kann natürlich sein, dass ich bisher an die falschen geraten bin.

    selbsthilfegruppen sind toll ich bin und war bei verschiedenen aber jedesmal wenn sich mir situationen aufstellen, um nicht wieder alleine zu sein, ist es wie in die ecke gedrängt zu werden

    RAUS RAUS RAUS und das war schon immer so auch vor meiner depression. alkohol oder verstellen hilft aber das sind keine alternativen mehr

  5. #5
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    AW: Tag ein Tags Aus!

    Es ist eine Sache, die Hintergründe des eigenen Verhaltens zu verstehen und zu reflektieren. Und eine andere Sache ist es, das wirklich zu verstehen.
    Du kannst etwas rein theoretisch verstanden haben. Das heißt aber nicht, dass du das auch umsetzen kannst. Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Und eine Eigenbehandlung ist was anders als eine Fremdbehandlung.

    Ich studiere selber seit kurzem Psychologie, habe Unmengen an Psychologiebüchern gelesen und sehr viel ADHS Literatur. Natürlich auch die Fachliteratur. Man muss ja mindestens auf dem gleichen Wissensstand sein wie die behandelnden Ärzte.

    Mit diesem ganzen Wissen habe ich es, ähnlich wie du, geschafft mein Leben neu zu ordnen und zu strukturieren.
    Ich habe aber nicht geschafft, meine psychischen "Folgeschäden", die ich aufgrund meiner individuellen Biographie habe, in den Griff zu bekommen. Natürlich konnte ich diese Folgeschäden benennen und ich wusste auch, wie man diese therapieren sollte. Ich habe das auch selber probiert.
    Aber es ist so, wie wenn man versuchen würde sich selbst den Blinddarm zu entfernen. Ganz ohne Hilfe.

    Gerade bei diesen Dingen, die tief unter der Oberfläche sitzen, finde ich es wichtig, dass man Hilfe annehmen kann. Dass man diese Hilfe auch zulassen kann.
    Ich nehme die Hilfe meiner behandelnden Ärztin in Form von psychotherapeutischen Gesprächen in unregelmäßigen Abständen in Anspruch. Das Thema dieser Gespräche bestimme ich, die Richtung bestimmt meine Ärztin. Sie lenkt mich dabei in Bereiche, auf die ich selber nie gekommen wäre. Ganz einfach, weil sie eine ganz andere Perspektive hat.
    Ich stecke ja in mir drin. Sie sieht das ganze von außen. Und das ist sehr wichtig.
    Außerdem zwingt sie mich manchmal, dass ich mich mit Themen beschäftige, die mir einfach unangenehm sind und mit denen ich mich, wenns nach mir gehen würde, nicht beschäftigen würde. Und auch das ist wichtig. Auch wenn das für mich alles andere als einfach ist.

    Es gibt leider Psychotherapeuten, bei denen man sich fragt, ob die ihre Zulassung im Lotto gewonnen haben. Aber es gibt auch Therapeuten, bei denen das nicht so ist.

    Man muss aber als Patient/Klient, wie gesagt, die Hilfe auch annehmen und zulassen können. Ein stückweit muss man bereit sein, die Kontrolle abzugeben. Ich war das lange Zeit nicht.
    Die Gespräche mit meiner Ärztin sind erst erfolgreich seit ich meine Einstellung dazu geändert habe und seitdem ich ihre Hilfe annehmen kann.

    Ich kann dir nicht sagen, welche Therapie dir helfen kann. Ich denke, dass die Therapierichtung eher nebensächlich ist.
    Momentan scheinst du vor diesen Problemen eher davon zulaufen. Du ziehst dich zurück. Stellst dich nicht. Vielleicht hast du Angst, das weiß ich nicht. Und mit dieser Einstellung gehst du dann auch in eine Therapie. Du willst sie, sonst würdest du ja nicht hingehen, aber innerlich blockierst du.

    Ich weiß, dass es schwer ist in einer Therapie. Ich weiß aber auch, dass es eine Weile dauert bis man in einer Therapie soweit ist, dass man wirklich reden kann und dass man in der Lage ist, die "wichtigen" Probleme zu besprechen.
    Von daher denke ich, dass es weniger sinnvoll ist darauf zu schauen, ob einem der Therapeut in den ersten Sitzungen helfen kann. Denn in den ersten Sitzungen kommt man noch nicht an die eigentlichen Probleme. Das kommt erst später.
    Ich finde es hilfreicher zu schauen, dass einem der Therapeut sympathisch ist und dass man ihm vertrauen kann. Du solltest dein ganzes Theoriewissen erstmal außen vor lassen und auf dein Gefühl hören und weniger auf deinen Verstand.

  6. #6
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 108

    AW: Tag ein Tags Aus!

    was soll man darauf antworten natürlich hast du recht und das was du übrigens sehr schön geschrieben hast, wäre in sicherlich nicht ganz so detailierten Weise, das, was ich sagen würde, nur entspricht der einzelfall nicht immer einerm gleichem muster. auch wenn objektivität bei eigenen problemen wohl im seltensten fall möglich ist, glaube ich doch vorallem in situationen wie gerade wo diese emo achterbahnfahrt mir mal wohlverdiente stunden der geistigen ruhe und gelassenheit bietet , dass ich von meinem standpunkt bzgl. therapie keine vorteile sehe.

    es hat nichts mit davonlaufen oder verschließen zu tun. ich habe mit diversen dafür zugelassenen therapeuten psychologen, psychiatern gesprochen und sollte ich vorhin den eindruck erweckt haben,d ass ich nur an lottospieler gelangt bin. was ich in mitlerweile zusammenaddiert 30h gesprächssumme erhalten habe, war eben genau -nicht- diese perspektive, blickwinkel oder wie auch immer man das nennen möchte, der die augen geöffnet hat.

    es gibt einfach in meinem leben real existierende punkte, die sich nicht durch reden, fremderkenntnis o.ä. verändern lassen. Ich hatte bis zu meinem 11 Lebensjahr ein geoordnetes Elternhaus ohne Traumate und trotzdem kann ich mich noch genau daran erinnern, dass sich zu damals abgesehn vom allg. Reifeprozess wenig verändert hat.

    Ich finde es erstaunlich wie einfach die menschliche psyche zu manipulieren ist. gebe ihr eine n24 doku, ein ... nein zwei stücken schokolade und gefühlte 3km wikipedia artikel und schon ist das leben wieder wie heile weit, bist zur nächsten attacke.

    mein eigentlicher punkt es sind, sofern man die knackpunkte erkannt hat, die umstände, die psychodynamik beeinträchtigen können. ich weiß ganz genau welche dinge für meine jetzige situation verantwortung tragen, kann diese aber einfach nicht verändern, weil umstände dies halt nicht zulassen. dabei kann mir kein therapeut helfen. der grad zwischen anwendung und theorie ist ein gewaltiger wenn aber theorie- und andwendungsmethode klar sind, du aber derzeit in einem metaphorischen eimer voller Sc/2378278/§/%!" steckst, sind worte oder erkenntnisse, die schon längst klar sind für mich, da ich es selber zahlen müsste nur geldverschwendung

    aber danke für die aufmunternden worte auch wenn ich mich mit kcal mal wieder temporär selber versorgt habe DDDDDD

  7. #7
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    AW: Tag ein Tags Aus!

    ach und übrigens so ist meine interpunktion grammatik und orthgr. ohne mph

  8. #8
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    Forum-Beiträge: 1.439

    AW: Tag ein Tags Aus!

    hallo mell,
    wenn das auch kein schönes thema ist, freue ich mich, von dir zu lesen. warst du doch einer meiner ersten kontakte hier im forum. :-)

    ich bilde mir ein, in etwa verstanden zu haben, was du meinst. das stichwort selbstakzeptanz hast du selbst genannt...was wahrscheinlich nicht die einzige baustelle sein dürfte?...bei mir kommt es gerade so an, als sei zwar irgendwie klar, dass hilfe von außen nötig ist, aber zweifelhaft, ob das was nutzt, da der psychotherapeut dir letztlich nichts anderes erzählt, als im lehrbuch steht. zumal die relevanten erkenntnisse bereits da sind und reden darüber nichts ändert. weil reden eben nicht die umstände ändert und diese es hauptsächlich sind, die dich beeinträchtigen. hab ich das wesentliche so grob richtig erfasst? korrigiere mich, falls nicht. auf basis dessen, wie es bei mir jetzt angekommen ist, kann ich mich dem, was fliegenpilz sagte, zu 100% anschließen.

    ich studiere auch psychologie, habe dies und das an literatur gelesen und mache seit geraumer zeit eine psychotherapie. darüber hinaus habe ich an einer jahresgruppe auf eigene kosten teilgenommen. aus eigener erfahrung kann ich dir also sagen, dass es ein riesiger unterschied ist, ob man sich selbst durchanalysiert, probleme erkennt, checkt woher die kommen, methoden und strategien aus büchern versucht allein anzuwenden etc. oder ob man FÜHLT. und mit allem vorher genannten wird sich, wenn nicht gezielt geübt wurde dies zu erkennen und darüber hinwegzugehen - oft genug selbst dann noch- garantiert immer schön die abwehr einschalten die dazu führt, dass das ganze schön auf der kognitiven ebene bleibt. dort schmerzt es schließlich nicht. und selbst da werden die ganz heißen themen in der regel gemieden. außer dem reinen erkennen bringt es da aber auch nichts. alles nur hole gedankenkonstrukte, die, wie du selbst merkst, gar nichts verändern. man muss vom denken ins fühlen kommen. die schmerzen, die mit dem auseinandersetzen und erkennen oft einhergehen, zulassen. einer der gründe, warum psychotherapie so anstrengend ist. und jeder von uns hat unzählige mechanismen um das zu verhindern. genau das ist aber auch, was dir das lehrbuch nicht beibringt. und prof.dr. x je nachdem, wie er vorgeht, oft auch nicht. gerade verhaltenstherapie (im uni-kontext wirst du in berlin keine andere form finden) arbeitet doch viel auf der kognitiven ebene. umbewerten, umlernen etc. für manche probleme gut, für andere nicht. wobei das, wie gesagt, stark vom therapeuten selbst und seinem konkreten vorgehen abhängt. selbstakzeptanz und ähnliches erreichst du durch denken jedenfalls nicht. die kommt nicht aus dem kopf.
    wenn du einen guten therapeuten findest und selbst bereit bist, dich wenigstens diesem menschen zu zeigen mit allem zeug, was in dir ist, wie du wirklich bist. dich zu öffnen. ist er es, der dir hilft, diese abwehr zu erkennen und zu umschiffen. bei irgendwelchem scheinbar banalem zeug was du erzählst den faden zu finden und daran zu ziehen. hatte ich erst heute. einstiegsthema war irgendein bla blub, man kam von a nach b, er zog am faden und zack, da war das eigentliche thema. und auch das zugehörige gefühl, welches ich schon mehrere tage wissentlich und erfolgreich abgewehrt habe. die erkenntnisse, die mich wirklich weiter gebracht haben, die wirklich was verändert haben, die waren alle bestenfalls kombi aus denken und fühlen. reines denken jedenfalls nicht.

    die umstände, nein, die werden durch reden wirklich nicht geändert. zumindest nicht die, die zu ändern du nicht im stande bist, auf die du keinen einfluss hast. aber das, was sie mit dir machen und deinen umgang damit, den kannst du ändern. dabei kann ein therapeut dir helfen. wenn du ihn lässt.

    darüber hinaus arbeiten leider viele psychotherapeuten problemorientiert. da werden ewig probleme besprochen, analysiert, was auch richtig ist, leider wird dabei oft vergessen ressourcen auf- und auszubauen, zu stärken. beispielsweise etwas zu finden, was dir hilft, mit einflüssen die sich negativ auf deine psychodynamik auswirken, umzugehen. umzugehen. ich kann z.b. prima mit essen irgendetwas zudeckeln oder mit sonstwas versuchen mir einen kleinen kick zu verschaffen, durch den ich mich kurzfristig besser fühle. was mir wirklich hilft sind andere dinge...kraft schöpfe ich nicht aus einem kick. wie sagtest du? schoki und wikipedia. hilft, bis zur nächsten attacke. zudem holen viele therapeuten zwar unangenehme themen, irgendwelchen schmerz hoch, machen dann damit aber nix. da kannst du heulend nach hause fahren. auch suboptimal.

    zu guter letzt: wenn dir dieses ganze reden einfach zu blöd ist, dann ist so etwas wie eine jahresgruppe vielleicht etwas für dich. damit meine ich aber keine übliche selbsthilfegruppe. ich nehme an, da wird auch vorrangig geredet. gruppen wie ich sie meine, wirst du in berlin genügend finden, denke ich. falls du dich dafür überhaupt interessieren kannst, da viele dieser angebote bei oberflächlicher betrachtung etwas "eso" anmuten. je nachdem, ob man meditation u.ä. in die eso-schiene packt oder nicht. was wiederum den vorteil hat, dass da eher keine leute teilnehmen werden, die dich aufgrund von oberflächlichkeiten bewerten und beurteilen. die sind etwas tiefsinniger. allein das ist schon was wert. regelmäßig intensiver kontakt zu menschen, die dich nicht bewerten. die du im laufe der zeit richtig kennenlernst. und sie dich, wenn du sie lässt. in dem wissen, dass sie dir wohlwollend zugewandt sind. wenn dir menschen, die deine abgründe kennen, dir ganz ehrliche herzlichkeit entgegenbringen, allein das tut gut. während des seminars sitzt man bei dieser art gruppe nicht im kreis und kotzt sich ausschließlich über seine probleme aus, sondern macht allerlei übungen, selbsterfahrung, ressourcen suchen usw. mal jeder für sich, mal in interaktion mit einer person deiner wahl, mal als gruppe. zu themen, wie sie jeden betreffen. beispielsweise selbstakzeptanz, selbstliebe, selbstwert aufbauen und stärken. ich kenne wirklich niemanden, bei dem das nicht mehr oder weniger stark ein thema ist. manche der methoden muten erstmal etwas komisch an, wenn man sich darauf einlässt sind die effekte allerdings verblüffend. darüber hinaus wohltuende "kleinigkeiten" und vieles mehr. viele, viele aspekte, aus denen ich sagen kann, dass diese gruppe für mich jeden cent wert war. nicht nur für mich, weshalb wir die gruppe ein weiteres jahr fortsetzen. bei der leiterin kann man im übrigen auch einzelsitzungen nehmen. hab ich auch schon gemacht. da, wie auch in der gruppe, ist immer zeit eingeplant, wenn übungen gemacht wurden, die schwierig sind oder schmerzende themen hoch holen, das ganze zum schluss aufzufangen, etwas wohltuendes. geweint hab ich da auch, aber ich bin niemals weinend nach hause gefahren. nach der einzelsitzung sogar erleichtert und lächelnd, obwohl ich mich da mit dem schlimmsten thema überhaupt beschäftigt habe.


    sodale. vielleicht konntest du aus meinem roman ja ein oder zwei ansätze für dich rausziehen, die dir sinnvoll erscheinen. hoffentlich berichten auch noch ein paar andere, wie sie solche dinge handhaben.

    liebe grüße
    mel.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

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    Forum-Beiträge: 108

    AW: Tag ein Tags Aus!

    hey

    ja ich mir gerade deinen "roman" durchgelesen. es ist ja früh am morgen mit kaffee funktioniert die kognitiven verarbeitung noch ganz gut

    also danke erstmal für die vielen dinge die ihr beide gesagt habt. ich werd auf jedenfall weiter am ball bleiben. allein schon aus der tatsache heraus, dass man eben nicht alles weiß und selbst wenn ich jetzt gefühlte ewigkeiten mit diversen therapeuten gesprochen habe, war es wie du eben erkannt hast keine tiefere beziehung sondern vielmehr ein hin und her mit jeweils nur dem umreißen der problematik. ein leben ist auch nicht kurz genug um es in allen facetten in ein paar sitzungen zu analysieren.

    auch wenn mir die zweifel an dem ganzenen therapeutischen dingen nicht aus dem kopf gehen werden wäre es doch infantil kurzsichtig und naiv wenn ich denken würden, dass der ganze spass nur bei mir nicht funktionert.

    das mit der jahresgruppe klingt interessant. unabhängig von meiner problematik interessieren mich alternativwege die außerhalb von normalen therapiemethoden anzusehen sind. ich bin da völlig voreingenommen

    wer nicht probiert der kann auch nicht mitsprechen.

    also danke nochmal ihr beiden

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.439

    AW: Tag ein Tags Aus!

    mell schreibt:
    wer nicht probiert der kann auch nicht mitsprechen.
    so isses. :-) wünsche dir viel erfolg auf der suche nach für dich passenden angeboten. was auch immer das am ende sein mag.

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