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Diskutiere im Thema Ich finde mich gerade selbst im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 14

    Frage Ich finde mich gerade selbst

    Hallo liebes Forum!

    Ich bin neu hier, habe mich vorgestellt und auch schon sämtliche Themen durchgelesen. Ich fühle mich hier unter Gleichgesinnten, was für mich Anlass genug war, mich zu registrieren. Seit Anfang des Jahres befinde ich mich in Psychotherapie. Ich war depressiv, antriebslos und sehr ängstlich. Doch mit der Unterstützung meiner tollen Freundin konnte ich mich überwinden, die Therapie zu beginnen.
    Seitdem die Therapie (Psychoanalyse) am Laufen ist, gewann ich viel Erkenntnis über mein Leben, mich selbst und mein soziales Umfeld. Was mich schon mein ganzes Leben beschäftigt:

    - Warum bin ich "anders" als die Anderen?
    - Wieso habe ich es von der Hauptschule auf die Uni geschafft (obwohl mein Schnitt durchgängig 4 war)?
    - Weshalb kann ich mir etwas perfekt aneignen, was mich interessiert und in den einfachsten Prüfungen versage ich?
    usw.

    Die Grundschule
    ---------------------

    Ich war stets ein fröhliches Kind, was bis zur 2. Klasse gute Bewertungen erhielt. Doch ab der 3. Klasse fing alles Übel an: Ich war Außenseiter, fehlte häufiger, die Noten warn im Keller und dementsprechend schlecht war mein Grundschulzeugnis. Auf Empfehlung meiner Grundschullehrerin hin, ging meine Mutter mit mir zum IQ-Test. Ich kann mich nur noch wage daran erinnern, dass genaue Ergebnis ist mir nicht bekannt. Meine Mutter kann sich nur daran erinnern, das der Psychologe meinte, dass mein IQ "sehr gut" sei... was auch immer das zu bedeuten hat. Natürlich passten meine Noten nicht zum vermeintlich "sehr guten" IQ, was aber scheinbar niemanden kümmerte.


    5. und 6. Klasse Hauptschule
    -------------------------------------

    In der 5. und 6. Hauptschulklasse ging ich dann auf. Nach wie vor war ich ein klassischer Außenseiter. Meine Noten in Physik, Mathe und Chemie beliefen sich durchgängig auf 1,0. In diesen Fächern meldete ich mich immer und der Unterricht fand quasi zwischen mir und dem Lehrer statt. In den sprachlichen Fächern hatte ich mäßige bis schlechte Noten. Groß- und Kleinschreibung war eine große Schwäche.
    Doch es interessierte mich nicht sonderlich, denn ich war sehr mit meiner Leidenschaft beschäftigt: Elektronik. Zahlreiche Kosmos-Baukästen wurden durchprobiert, später dann bestellte ich mir Platinen und Bauteile und lötete nach Schaltplan Radios und Ampelschaltungen zusammen.
    Ich lag Nachts im Bett und konnte nicht einschlafen, weil ich auf Teufel komm raus wissen wollte, wie dieser verfluchte Transistor von innen aussieht, also wie er funktioniert. Meine Bibel war ein Elektronikkatalog von einem großen Elektronik (-bauteile) - Händler.
    Die Schule und die Lehrer bemerkten mein Interesse und sagten meinen Eltern, dass ihr Sohn später einmal studieren wird.
    Ich bekam eine Realschulempfehlung, doch über eine mögliche Begabung, oder sonstiges wurde nicht mal im Ansatz nachgedacht. Das Thema war gegessen, weil ich ja jetzt auf eine höhere Schule ging.


    7. - 10. Klasse Gesamtschule (mein persönliches Hasswort)
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    Die Noten waren dann durchgängig schlecht ab der 7. Klasse. Nur noch Fünfen und Vieren. Auch in den Naturwissenschaften. Das Mobbing war an dieser Schule noch schlimmer als an der Hauptschule. Ich machte mir stetig Gedanken über mich, mein Umfeld und hielt nie etwas von meinen Mitschülern.
    Ihre Interessen konnte ich nie teilen und mich anzupassen, war keine leichte Aufgabe: Ich war eben sonderbar (für mich selbst im negativen Sinne sonderbar, ich wollte schon immer sein wie die Anderen).
    Das Löten und konstruieren mit Schaltplänen war nicht mehr von Interesse. Viel mehr das Programmieren: Meine Leidenschaft war das Entwickeln von Software. Unbedingt wollte ich wissen wie die Betriebssysteme funktionieren, auch im Kern. Ich kaufte mir Fachbücher und Fachzeitschriften. Doch ein Zocker war ich nie. PC-Spiele langweilten mich schon immer.
    Ich fälschte meine 9. Klasse Zeugnisse und war in unzählige Lügereien verstrickt, was Noten und Eltern anging. Doch als der blaue Brief in der 9. eintrudelte, ging meine Mutter mit mir zur Klassenlehrerin. Diese blöde Nuss (also die Klassenlehrerin), die ich nie leiden konnte, wie den Rest des Kollegiums auch nicht, sagte uns, dass ich jetzt gute Noten schreiben muss, damit ich versetzt werde und meine mittlere Reife schaffe: Gesagt, getan...

    Ich fing an ranzuklotzen und schrieb nur noch gute Noten, schaffte meinen 4er Realschulzeugnisschnitt und hatte den Abschluss in der Tasche.
    Das Verstehen des Lernstoffes war nicht das Problem, vielmehr die lästige Auswendiglernerei. Zudem schrieb ich plötzlich nur noch fast fehlerfreie Diktate, weil ich mir das Ding mit der Groß- und Kleinschreibung selbst beigebracht habe. Ich habe es nie verstanden wenn mir es jemand erklären wollte. Nachhilfe war auch überflüssig. Doch das Selbstbeibringen war viel leichter. Da ich die Lehrer eh nicht leiden konnte und das gesamte Schulsystem (Gesamtschule) sowieso nicht, war es eine gewisse Genugtuung, dass all meine Lehrer die Welt nicht mehr verstanden, als der grottenschlechte Marco aufeinmal nur noch gute Noten schrieb. Ich spürte förmlich, dass die Lehrer ihre eigenen Kompetenzen anzweifelten (vorallem meine doofe Klassenlehrerin).


    Fachhochschulreife und erstes Studium
    --------------------------------------------------

    Kein Ausbildungsberieb wollte mich. Deshalb machte ich meine Fachhochschulreife mit einer Ausbildung zum Informatikassistenten. Das Ganze hat 2 Jahre gedauert. In dieser Schule wurden meine Elektronik und EDV Interessen sehr gut bedient, doch ich scheiterte an der Mathematik, die ich die letzten paar Jahre eh nur nebenei mitbekam. Das Interesse am Programmieren war so stark, dass ich mein Abschlussprojekt schon ein halbes Jahr vor der Vorstellung anfing zu entwickeln: Ich entwickelte ein Präsentationsprogramm, mit dem man, eben wie der Name schon sagt, Präsentationen entwickeln kann. 6000 Zeilen Programmiercode später bekam ich nur eine 2. Ich regte mich dermaßen darüber auf, dass ich die Kompetenzen meiner Lehrer vor der ganzen Klasse in Frage stellte. Doch ich schaffte mein Fachabi und ging für 3 Semester Informatik studieren.
    "EDV-Zeug"... so fühlte es sich zumindest in meinem Kopf an. Ich konnte keine Computer mehr sehen, konnte mich mit diesen Menschen nicht identifizieren, wurde in raschem Tempo sozialer.
    Ich wollte Lehrer werden. Deshalb der Abbruch des Studiums. Mein Ziel war die Uni und das Abitur war die Voraussetzung.


    Abitur
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    Da ich diese nicht hatte, sondern nur Fachabi, infomierte ich mich Tag und Nacht ausgiebig über das deutsche Schulsystem. Ich könnte heute noch einen Vortrag über sämtliche Schulzweige, die Entwicklung, Möglichkeiten, Unterschiede auf Länderebene, usw. halten. Hier kamen wieder die Fragen: Wieso muss ich das denn alles wissen? Weshalb kann ich an nichts anderes mehr denken? ... Jedenfalls holte ich Französisch nach, mit 1,0. Doch als ich in Vollzeit mein Abitur auf dieser Fachoberschule gemacht habe, hatte ich extreme Antriebsprobleme. Meine Note in Franz fiel auf 4,0 ab und erreichte einen wahnsinns Abiturschnitt von 4,0.
    Mein jetziges Lehramtsstudium ist das, was darauf folgte. Wenn mich was interessiert und ich die Dozenten sympathisch finde, bin ich gut bis sehr gut. Den Rest könnt ihr euch denken.

    Doch nun hab ich neue Hoffnung. Seitdem ich mich hier in vielen Profilen wiedererkenne, geht es mir wirklich besser und ich habe das Gefühl nicht alleine zu sein. Doch dieses Gefühl ist mir neu. Mein Psychologe gibt mir mit seiner Fragerei Hinweise, die ich im Internet in zahlreichen Artikeln nachgeschlagen habe. So bin ich auch auf dieses Forum gestoßen.

    Mich würde es unfassbar freuen, wenn ihr eure Meinung schildern könnt. Ich habe bisher nur meinem Psychologen diese Sachen geschildert und hier, euch. Nichtmal meine Freundin weiß über alles Bescheid. Ich habe das erste mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich eine Erklärung habe, für alles was schief gelaufen ist. Das ist ein unfassbar beruhigendes Gefühl!

    Schonmal vielen herzlichen Dank für eure Meinung!!!
    Euer Marco

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    Edit. hab meinen 1.Beitrag mal in die Vorstellung getragen.

    Trotzdem noch einen herzlichen Gruss und gute Diskussion!


  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    Hallo Marco und Willkommen,

    Dein Lebenslauf ist wirklich spannend, auch das Auf und Ab.

    So ähnlich verhält es sich auch mit meinem Lebenslauf - nie gemacht, was gerade angesagt war, aber immer war mein Oberstübchen beschäftigt.

    Ich hab's noch einfacher gemacht und eine externe Prüfung bei der Schulbehörde absolviert, um meine Allgemeine Hochschulreife zu bekommen. Nachdem das Studium anfangs eher schleppend lief, holte ich plötzlich auf und habe innerhalb ganz kurzer Zeit mein Grundstudium absolviert und weil es so gut lief, hab ich gleich mit den Vordiplomsprüfungen eine Reihe von Hauptdiplomsprüfungen abgelegt.

    Dann kam der Einbruch und nichts ging mehr - völlig ausgepowert hockte ich nur noch vor meinen Arbeiten.

    Und immer war da der Wunsch: "Ich möchte so sein wie die Anderen. Warum ist bei mir alles anders?" Nur leider hat die Anpassung auch nicht funktioniert. Mich hat alles nur verwirrt und völlig meschugge gemacht!

    Bin schon ne alte Frau und für mich hat die Therapie allenfalls die Konsequenz, dass mein Leben ein wenig leichter bzw. verständlicher wird.

    Das sogenannte intrinsische Lernen nimmt mit wachsendem IQ ständig zu. Blöd nur, dass der Hyperfocus uns dann zum "hypern" treibt.

    Ich hab übrigens keine Idee, wie sich das abstellen lassen könnte.

    Gestern bezeichnete ich es so: "Mein Gedächtnis ist ne Festplatte, die unbedingt mal defragmentiert werden müsste. Ständig läuft die Maschine und sucht in dem ganzen Datensalat nach den Teilen, die für ein komplexes Bild bzw. zur Ausführung des Programms nötig sind. Dann kommt der nächste Programmschritt und die Suche geht wieder weiter!"

    Mir fehlt der Kippschalter, um der Maschine mal den Saft abzudrehen und leider fehlt mir auch oft die Kraft, um das Programm dann auch konsequent zu Ende zu führen.

    Wie auch? Ich mache Gartenarbeit und denke über den Dopaminhaushalt, Nervengewebe, Symphatikomimetika nach und dann fallen mir, gefühlt, eine Million mögliche Verbindungen ein.

    Prompt vergesse ich dann, wo ich die Gartenschere hingelegt haben könnte und verplempere meine Zeit mit Nachdenken, während das Gewitter schon lange aufzieht und ich eigentlich schon längst zu ner Verabredung unterwegs sein müsste - Ergo: ich radel den falschen Weg, komme wie ne geduschte Maus am Ziel an und werde mit jeder Minute müder und müder!

    Aber am Abend hab ich dann die notwendigen Verbindungen geschaffen und zumindest wieder ein kleines Stück vom Puzzle zusammen getragen. Bloß: Was soll ich damit? Ist nicht mein Job, bringt mir gar nichts und der Gedanke, dass ich mich jetzt wieder auf die Suche nach einem kompetenten Augenarzt machen muss - der macht mich nochmal irre!

    Schön ist es, dass es hier Menschen gibt, die alles nachvollziehen können - wenn das Andersein zur Normalität wird, ist es viel leichter zu ertragen.

    LG
    Waldsteinie

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    Hey Waldsteinie!

    Das mit dem "Einbruch" kommt mir sehr bekannt vor... Anfangs habe ich auch viel gelernt im Studium und hatte viele gute Noten. Doch später kam wieder die Antriebslosigkeit/Prüfungsangst etc. hinzu. Dann ging nichts mehr.

    Zum Thema "intrinsisches Lernen": Ich konnte mich schon immer für alles begeistern. Wenn mich was interessiert, lese ich viel darüber. TV gucke ich ausschließlich die öffentlich Rechtlichen und Arte. Privatsender sind mir einfach zu dumm. Aber das nur am Rande
    Wenn ich motiviert und interessiert bin, lese ich mich Stunden und Tage in ein Thema ein. Das ist für mich mehr Entertainment als Kino. Aber schon blöd, wenn der Hyperfokus nicht oft im Studium zum Einsatz kommt.
    Was meinst du damit, dass du keine Idee hast, wie du das abstellen könntest? Ich glaube nämlich, ich mein dasselbe wie du Ich kann meine Begeisterung für ein Thema nicht abstellen, werde geradezu fanatisch und entwickle eine Art Passion für ein Thema. Ich powere mich total aus und zieh mir alle Infos extrem ausgiebig rein. Ich merke mir alles was ich lese und kann dieses Wissen auch jederzeit abrufen. Doch wenn die "intrinsische Lernphase" vorbei ist, lass ich das Thema auch oft links liegen, bis mich was neues begeistert.
    Ist das bei dir ähnlich?

    Ich erkenne ich mich in vielem was du schreibst wieder! Ich habe einmal ein Praktikum gemacht und musste den ganzen Tag nur rumstehen und den Leuten beim Arbeiten zusehen...das war die Hölle. Ich habe dann im Kopf angefangen, Computerprogramme zu entwickeln. Bin die Syntax im durchgegangen und habe die 8 Stunden Praktikum am Tag mich ausschließlich im Kopf damit beschäftigt. So konnte ich mir die Zeit vertreiben. Ich denke auch oft über krasse Dinge nach, bei banalen Arbeiten. Oft sitze ich in Seminaren und denke darüber nach, weshalb ich nachdenke. Denn ich versuche ständig zu erraten, was die Dozenten gerade Denken. Mich interessiert das, weil ich glaube das das intelligente Menschen sind

    Im Übrigen... das mit der Verpeiltheit ist mir nicht neu die einfachsten Sachen werden sich nicht gemerkt und was Organisation betrifft, davon will ich garnicht erst anfangen

    Ich kann mich dem nur anschließen was du sagst. Ich dachte schon, ich wäre verrückt. Gut, dass es vielen anderen auch so geht!

    LG!
    Geändert von Marco1985 ( 9.07.2012 um 21:40 Uhr)

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    Marco1985 schreibt:
    Hey Waldsteinie!

    Zum Thema "intrinsisches Lernen": Ich konnte mich schon immer für alles begeistern. Wenn mich was interessiert, lese ich viel darüber. TV gucke ich ausschließlich die öffentlich Rechtlichen und Arte.


    Och kenne ich auch, suche dann ganz gezielt nach den informativen Sendungen - kenne aber auch viele "schöne Filme", die ich dann auch gern mal weiter empfehle. Ich war schließlich auch mal begeisterte Cineastin . Und dann kam es zum Zwist mit Filmschaffenden, weil ich mich natürlich darüber aufgeregt hab, welche Rolle den Frauen in den Filmen zugewiesen wurde.

    Oder: Ne Geowissenschaftlerin findet nen Film gut, in dem die Leute barfuß durch die Wüste laufen - am hellen Tag versteht sich! Und ich frag sie natürlich, ob ihr der Schwachsinn nicht aufgefallen ist .
    Als wenn sowas wichtig wäre - das ist eine "überrationale" Sichtweise. Als wenn sich die Frau Gedanken gemacht hätte, ob in dem Film alles wirklich stimmig war - die hat ihn einfach nur genießen können. Die schönen Bilder usw. - ist ja auch ok.

    Die hat den Film in ein paar Wochen vergessen - er hatte keine wirkliche Bedeutung. Aber ich denke natürlich drüber nach, wie man gute Filme machen könne (immer auch der erzieherische Effekt und bla). Nachhaltig wirkt sowas nur auf mich - für andere hat es keine Bedeutung. Nenne es selbst immer mein "überkritisches" Denken, während ich in meinen Handlungen "unterkritisch" bin. Kann man ja auch so lassen - es macht aber leider nicht besonders glücklich.


    Marco1985 schreibt:
    Wenn ich motiviert und interessiert bin, lese ich mich Stunden und Tage in ein Thema ein. Das ist für mich mehr Entertainment als Kino. Aber schon blöd, wenn der Hyperfokus nicht oft im Studium zum Einsatz kommt.
    Jepp, es macht Spaß. Für die Umgebung ist es aber anstrengend, die meisten Menschen beschäftigen sich nicht mit allem und jedem. Die können auch einfach mal ein paar Sachen hinnehmen. Ich jedenfalls vergesse meine ehemaligen Interessensgebiete dann wieder und wenn es dumm läuft, ist Prüfungstermin und die Prüfer starren mich an, weil ich total verpeilt bin.

    Bei meiner praktischen Prüfung nach der Berufsausbildung habe ich derartig versagt, dass meine Prüferinnen überzeugt waren, ich hätte mir nen Spaß draus gemacht und wollte sie "verar....."! Das haben sie mir hinterher auch wortwörtlich so gesagt. Die kannten mich aus der Arbeit und meine praktischen Zeugnisse. Und am Ende mussten sie ernsthaft darüber nachdenken, ob sie mich nicht durchfallen lassen.

    Und ich saß in der Nachbesprechung vor ihnen und versuchte ihnen klar zu machen, dass ich schlichtweg nur gelähmt war. Leider würde mein Selbstbewusstsein nicht ausreichen, um mir aus einer Abschlussprüfung nen Spaß zu machen. Die vermasselte praktische Prüfung war dann auch der Unterschied zwischen sehr gutem und gutem Abschluss.

    Hinterlassen hab ich ein Bild mit einem "Januskopf". Habe sogar freiwillig ne Abschlussarbeit geschrieben, mir nen Platz für ne Hospitation gesucht usw. Und dann verbaselt die Frau die einfachsten Sachen in der Prüfung!

    Marco1985 schreibt:
    Was meinst du damit, dass du keine Idee hast, wie du das abstellen könntest? Ich glaube nämlich, ich mein dasselbe wie du Ich kann meine Begeisterung für ein Thema nicht abstellen, werde geradezu fanatisch und entwickle eine Art Passion für ein Thema. Ich powere mich total aus und zieh mir alle Infos extrem ausgiebig rein. Ich merke mir alles was ich lese und kann dieses Wissen auch jederzeit abrufen. Doch wenn die "intrinsische Lernphase" vorbei ist, lass ich das Thema auch oft links liegen, bis mich was neues begeistert.
    Ist das bei dir ähnlich?
    So meinte ich das auch. Was soll ich tun? Ich radel gemütlich durch den Wald und mache mir Gedanken darüber, wie ein Ökosystem funktioniert und wie sich das Grundprinzip übertragen lässt bla bla bla. In guten Zeiten schaffe ich es dann, mich wieder in die Gegenwart zu holen. Dann kann ich mir immerhin Gedanken über einzelne Pflanzen machen und mal gezielt nach dem schauen, was gerade Sache ist.

    Zweifellos gefällt es mir, dass ich weiterdenken kann - aber im ganz normalen Alltag strengt es mich einfach nur an. Da hat mir MPH sehr geholfen - ich denke nicht mehr in endlosen Kreisen bis ich völlig erschöpft bin. Muss auch nicht mehr so viele Grundsatzvorträge halten - für mein soziales Leben ist das äußerst entspannend - einfach geschmeidig.


    Marco1985 schreibt:
    Ich erkenne ich mich in vielem was du schreibst wieder! Ich habe einmal ein Praktikum gemacht und musste den ganzen Tag nur rumstehen und den Leuten beim Arbeiten zusehen...das war die Hölle. Ich habe dann im Kopf angefangen, Computerprogramme zu entwickeln. Bin die Syntax im durchgegangen und habe die 8 Stunden Praktikum am Tag mich ausschließlich im Kopf damit beschäftigt. So konnte ich mir die Zeit vertreiben. Ich denke auch oft über krasse Dinge nach, bei banalen Arbeiten. Oft sitze ich in Seminaren und denke darüber nach, weshalb ich nachdenke. Denn ich versuche ständig zu erraten, was die Dozenten gerade Denken. Mich interessiert das, weil ich glaube das das intelligente Menschen sind
    LOL - da reiche ich Dir die Hand! Macht mich aber eben auch fähig, die kniffligsten Fragen zu beantworten!
    Witzige Geschichte: In ner Vorlesung geht es um Portugal, die Fachleute und Kenner des Landes sagen immer "in Algarve". Da springt mein Oberstübchen sofort an. Wieso sagen die Landeskenner "in Algarve". Das ist doch eine Küste und alle sagen "an der Algarve". Die Frage lässt mich nicht los - bis ich die Auflösung irgendwann in einer Habil-Schrift finde - im Vorwort übrigens.

    Natürlich ist es in meiner Diplom-Arbeit auch richtig dargestellt. Was macht ne Freundin, die das Teil mal kritisch liest? Sie streicht es mir dick an und korrigiert "an der Algarve". LOL - die stellt sich solche Fragen nicht. Die hockt da, hört zu, merkt sich allenfalls das Wichtigste und was ihr nicht auffällt, das existiert nicht!

    Alles nicht schlimm - ich muss ihre Änderungsvorschläge nicht übernehmen. Aber "warum zum Teufel" ärgere ich mich über ihre Denke? Und warum versuche ich ihr klar zu machen, wie ich der Frage nachgegangen bin. Und warum muss ich mir Gedanken machen, dass die doch wohl ne Kurzdenkerin ist und wie mensch nur so denken kann?

    Die Lösung wäre doch einfach: Mein Ding machen, gute Vorschäge übernehmen und die verdammte Arbeit pünktlich abgeben! Aber in meinem Kopf ist ja alles längst fertig, ist ja total durchdacht - nur leider existiert es nicht auf dem Papier. Dafür hab ich wieder mal den Unterschied zwischen Auswendiglernen und Verstehen erfasst! Ist ja hübsch, aber im Alltag nützt es mir nicht wirklich was!


    Marco1985 schreibt:
    Im Übrigen... das mit der Verpeiltheit ist mir nicht neu die einfachsten Sachen werden sich nicht gemerkt und was Organisation betrifft, davon will ich garnicht erst anfangen

    Ich kann mich dem nur anschließen was du sagst. Ich dachte schon, ich wäre verrückt. Gut, dass es vielen anderen auch so geht!
    Na ja, ich sehe mich schon als verrückt an. Aber im wahrsten Wortsinne - mein Denken ist gegenüber meinem Handeln etwas "zu weit weg gerückt". Im Handeln lahm wie ein Opferstock, aber im Denken ein rasender Roland.

    Aber verrückt im Sinne von wahnsinnig, das bin ich keinesfalls. Ich stelle einfach nur mehr Fragen und kann in Prinzipien denken. Und dann passieren mir so verrückte Sachen, dass mich die Juristen anschauen und mal fragen "Frau Waldsteinie, was sind sie eigentlich von Beruf? Sind sie Kollegin?" LOL

    Unser Problem liegt nicht darin, dass wir zu wenig denken. Wir denken nur nicht zu unseren Gunsten und immer zur falschen Zeit, am falschen Ort. Inhaltlich ist es schon in Ordnung, aber der eigene Nutzen bleibt auf der Strecke! Und das macht unglücklich und depressiv - zumindest bei mir ist es so!

    LG
    Waldsteinie

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 222

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    @ waldsteinle deine schilderungen passen teilweise eins zu eins auf mich zu...gerade das mit dem überkritischen denken und den denkspiralen, wobei das eigene handeln vernachlässigt wird..

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    Waldsteinie schreibt:


    Och kenne ich auch, suche dann ganz gezielt nach den informativen Sendungen - kenne aber auch viele "schöne Filme", die ich dann auch gern mal weiter empfehle. Ich war schließlich auch mal begeisterte Cineastin . Und dann kam es zum Zwist mit Filmschaffenden, weil ich mich natürlich darüber aufgeregt hab, welche Rolle den Frauen in den Filmen zugewiesen wurde.

    Oder: Ne Geowissenschaftlerin findet nen Film gut, in dem die Leute barfuß durch die Wüste laufen - am hellen Tag versteht sich! Und ich frag sie natürlich, ob ihr der Schwachsinn nicht aufgefallen ist .
    Als wenn sowas wichtig wäre - das ist eine "überrationale" Sichtweise. Als wenn sich die Frau Gedanken gemacht hätte, ob in dem Film alles wirklich stimmig war - die hat ihn einfach nur genießen können. Die schönen Bilder usw. - ist ja auch ok.

    Die hat den Film in ein paar Wochen vergessen - er hatte keine wirkliche Bedeutung. Aber ich denke natürlich drüber nach, wie man gute Filme machen könne (immer auch der erzieherische Effekt und bla). Nachhaltig wirkt sowas nur auf mich - für andere hat es keine Bedeutung. Nenne es selbst immer mein "überkritisches" Denken, während ich in meinen Handlungen "unterkritisch" bin. Kann man ja auch so lassen - es macht aber leider nicht besonders glücklich.
    Dito... informative Sendungen gucke ich auch am liebsten. Nur wenns zu oberflächlich wird, muss ich wegschalten. Am liebsten schaue ich Filme die mich überraschen. Klingt jetzt freaky, aber ich kann keine schlechten Filme sehen. Das halte ich nicht aus. Oft gucke ich zuerst wie ein Film bewertet ist, bevor ich ihn mir ansehe. Wenn er dann "nur" 6 von 10 Punkten hat, schaue ich ihn mir nicht an. Boah klingt das krank

    Diese "überrationale Sichtweise" wie du sie bezeichnest kenne ich. Genau das ist der Punkt bei schlechten Filmen. Ich sehe halt wie du, dass die Leute am Tag Barfuß durch die Wüste laufen und denke mir wie hitzeresistent deren Füße wohl sein müssen --> unrealistisch! Daraus wiederrum schließe ich, wenn dann noch die Handlung ein bischen fehlt, dass es ein schlechter Film sein muss. Auch wenn es erst die ersten 5 Minuten waren!

    Es ist so krass was du schreibst, denn ich erkenne mich zu 100% wieder!! Ich mache mir nämlich auch ständig bei solchen Sachen Gedanken, was denn einen guten Film ausmacht. Dann denke ich automatisch an Filme, die ich sehr gut finde. Ich ziehe Vergleiche und versuche herauszufinden, wo die Gemeinsamkeiten sind. Wenn diese Gemeinsamkeiten nicht stimmig mit dem aktuellen Film sind, den ich gerade sehe, dann Frage ich mich ob ich jetzt ein Urteil über den aktuellen Film fällen soll, oder ob ich irgendetwas übersehen habe. Vielleicht gibt es ja Details die ich nicht erkannte. Jetzt folgt wieder die Metareflexion: Warum denke ich zum Teufel überhaupt drüber nach? Mensch Marco, hör auf zu Denken und versuche den aktuellen Film zu genießen!! aahhhh!!!
    Also, wie du siehst bin ich auch "überkritisch" was das angeht. Ich kann es einfach nicht abstellen.

    Im Filmemachen habe ich mich auch schon versucht... habe mit verschiedenen Videoschnittprogrammen gearbeitet und an Privat-Urlaubsvideos rumgebastelt. Das war dann immer ein Spaß für meine Kumpels und mich, wenn wir unsere gemeinsamen Urlaube auf DVD angeschaut haben. Ich habe mich dabei schon wirklich angestrengt, dass eine gewisse Handlung ersichtlich ist. Mittlerweile ist auch dieses Interesse wieder verflossen


    Waldsteinie schreibt:
    Jepp, es macht Spaß. Für die Umgebung ist es aber anstrengend, die meisten Menschen beschäftigen sich nicht mit allem und jedem. Die können auch einfach mal ein paar Sachen hinnehmen. Ich jedenfalls vergesse meine ehemaligen Interessensgebiete dann wieder und wenn es dumm läuft, ist Prüfungstermin und die Prüfer starren mich an, weil ich total verpeilt bin.

    Bei meiner praktischen Prüfung nach der Berufsausbildung habe ich derartig versagt, dass meine Prüferinnen überzeugt waren, ich hätte mir nen Spaß draus gemacht und wollte sie "verar....."! Das haben sie mir hinterher auch wortwörtlich so gesagt. Die kannten mich aus der Arbeit und meine praktischen Zeugnisse. Und am Ende mussten sie ernsthaft darüber nachdenken, ob sie mich nicht durchfallen lassen.

    Und ich saß in der Nachbesprechung vor ihnen und versuchte ihnen klar zu machen, dass ich schlichtweg nur gelähmt war. Leider würde mein Selbstbewusstsein nicht ausreichen, um mir aus einer Abschlussprüfung nen Spaß zu machen. Die vermasselte praktische Prüfung war dann auch der Unterschied zwischen sehr gutem und gutem Abschluss.

    Hinterlassen hab ich ein Bild mit einem "Januskopf". Habe sogar freiwillig ne Abschlussarbeit geschrieben, mir nen Platz für ne Hospitation gesucht usw. Und dann verbaselt die Frau die einfachsten Sachen in der Prüfung!
    Oh oh oh......da erkenne ich mich ja schon wieder!! Sag mal, woher kennst du mich so gut??
    "Januskopf" trifft es als Metapher für zwei "Arbeitspersönlichkeiten" wirklich gut...ich kann sehr diszipliniert sein und die Dozenten, Lehrer, etc. sind begeistert von meinen Leistungen. Doch dann geht es an die Prüfungen, Hausarbeiten, usw. und ich schalte total ab. Genau wie du vergesse ich die Sachen entweder, oder bereite mich schlcihtweg nicht darauf vor. War das bei dir auch schon so? Das du dich garnicht auf ne Prüfung vorbereitet hast, stattdessen ganz andere Interessen verfolgt hast?
    Aus diesem Grund hab ich mein ganzes Leben schon "Zusatzprüfungen" abgelegt, weil ich ständig irgendwas "noch retten" musste... kotz!


    Waldsteinie schreibt:
    So meinte ich das auch. Was soll ich tun? Ich radel gemütlich durch den Wald und mache mir Gedanken darüber, wie ein Ökosystem funktioniert und wie sich das Grundprinzip übertragen lässt bla bla bla. In guten Zeiten schaffe ich es dann, mich wieder in die Gegenwart zu holen. Dann kann ich mir immerhin Gedanken über einzelne Pflanzen machen und mal gezielt nach dem schauen, was gerade Sache ist.

    Zweifellos gefällt es mir, dass ich weiterdenken kann - aber im ganz normalen Alltag strengt es mich einfach nur an. Da hat mir MPH sehr geholfen - ich denke nicht mehr in endlosen Kreisen bis ich völlig erschöpft bin. Muss auch nicht mehr so viele Grundsatzvorträge halten - für mein soziales Leben ist das äußerst entspannend - einfach geschmeidig.
    Genau deshalb, also aufgrund des Gedankenkreisels habe ich ne lange Zeit gekifft. Dieses Zeug hat mich einfach runtergebracht. Bewusste Verblödung, um einfach mal das Hirn runterzufahren!
    Ich hab noch nie MPH probiert. Naja, wäre vielleicht auch bischen zu früh. Immerhin befinde ich mich erst in der vierten Sitzungswoche. Im Moment bekomme ich "Fluoxetin"...zumindest verringert des Zeug meine krasse Antriebslosigkeit (im Übrigen lege ich sehr viel Wert auf Ordnung und Körperhygiene...das ist bei mir auch krass ausgeprägt). Mein Therapeut will noch abwarten bevor er ne Diagnose stellt. Persönlich hält er nix von Diagnosen, denn man könnte sich ja in allen Diagnosen wiederfinden, wenn man versucht jeden Aspekt zu pathologisieren... naja, abwarten...
    Meinst du denn mit "Grundsatzvorträgen", dass du Leuten in deinem sozialen Umfeld ständig deine Meinung aufgedrückt hast?


    Waldsteinie schreibt:
    LOL - da reiche ich Dir die Hand! Macht mich aber eben auch fähig, die kniffligsten Fragen zu beantworten!
    Witzige Geschichte: In ner Vorlesung geht es um Portugal, die Fachleute und Kenner des Landes sagen immer "in Algarve". Da springt mein Oberstübchen sofort an. Wieso sagen die Landeskenner "in Algarve". Das ist doch eine Küste und alle sagen "an der Algarve". Die Frage lässt mich nicht los - bis ich die Auflösung irgendwann in einer Habil-Schrift finde - im Vorwort übrigens.

    Natürlich ist es in meiner Diplom-Arbeit auch richtig dargestellt. Was macht ne Freundin, die das Teil mal kritisch liest? Sie streicht es mir dick an und korrigiert "an der Algarve". LOL - die stellt sich solche Fragen nicht. Die hockt da, hört zu, merkt sich allenfalls das Wichtigste und was ihr nicht auffällt, das existiert nicht!

    Alles nicht schlimm - ich muss ihre Änderungsvorschläge nicht übernehmen. Aber "warum zum Teufel" ärgere ich mich über ihre Denke? Und warum versuche ich ihr klar zu machen, wie ich der Frage nachgegangen bin. Und warum muss ich mir Gedanken machen, dass die doch wohl ne Kurzdenkerin ist und wie mensch nur so denken kann?

    Die Lösung wäre doch einfach: Mein Ding machen, gute Vorschäge übernehmen und die verdammte Arbeit pünktlich abgeben! Aber in meinem Kopf ist ja alles längst fertig, ist ja total durchdacht - nur leider existiert es nicht auf dem Papier. Dafür hab ich wieder mal den Unterschied zwischen Auswendiglernen und Verstehen erfasst! Ist ja hübsch, aber im Alltag nützt es mir nicht wirklich was!
    Jaja, dass kenne ich! Die Hochsensibilität (ist es das??) macht mir auch zu schaffen. Wenn ich mir nicht sicher bin und im schlimmsten Fall 100 Leute 100 verschiedene Ansichten haben, z.B. was die Bedeutung eines Fachbegriffes angeht, werde ich wahnsinnig. Ich krief förmlich Kopfweh, bis ich weiß wie es wirklich heißt. Wenn ich merke das ein Dozent viele Fehler macht und unsicher auftritt, ist es eh vorbei. Dann "traue" ich ihm nicht mehr und glaube halt nichts von dem was er/sie sagt, bis ichs selbst nachgelesen habe. Das wäre dann die narzisstische Ader die hier zum Vorschein kommt.


    Waldsteinie schreibt:
    Unser Problem liegt nicht darin, dass wir zu wenig denken. Wir denken nur nicht zu unseren Gunsten und immer zur falschen Zeit, am falschen Ort. Inhaltlich ist es schon in Ordnung, aber der eigene Nutzen bleibt auf der Strecke! Und das macht unglücklich und depressiv - zumindest bei mir ist es so!
    Mir geht es auch so. Ich denke über die falschen Sachen, zur falschen Zeit, am falschen Ort nach. Deshalb hat mir schon meine Grundschullehrerin ins Zeugnis geschrieben, dass sie das Gefühl hat, dass ich in Gedanken in einer anderen Welt bin. Klar ist es frustrierend, wenn man die eigenen Fähigkeiten nicht in die Tat umsetzen kann. Wäre es so, dann hätten wir keine Probleme und würden uns vermutlich in diesem Forum nicht aufhalten und mit Gleichgesinnten schreiben.

    lg,
    Marco

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    sorryforthat schreibt:
    @ waldsteinle deine schilderungen passen teilweise eins zu eins auf mich zu...gerade das mit dem überkritischen denken und den denkspiralen, wobei das eigene handeln vernachlässigt wird..
    Geht mir auch so. Hast du mal ein Beispiel aus deinem Leben? Mich interessiert, wie das bei anderen Leuten so ist!

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Ich finde mich gerade selbst

    Marco1985 schreibt:
    Dito... informative Sendungen gucke ich auch am liebsten. Nur wenns zu oberflächlich wird, muss ich wegschalten. Am liebsten schaue ich Filme die mich überraschen. Klingt jetzt freaky, aber ich kann keine schlechten Filme sehen. Das halte ich nicht aus. Oft gucke ich zuerst wie ein Film bewertet ist, bevor ich ihn mir ansehe. Wenn er dann "nur" 6 von 10 Punkten hat, schaue ich ihn mir nicht an. Boah klingt das krank

    Diese "überrationale Sichtweise" wie du sie bezeichnest kenne ich. Genau das ist der Punkt bei schlechten Filmen. Ich sehe halt wie du, dass die Leute am Tag Barfuß durch die Wüste laufen und denke mir wie hitzeresistent deren Füße wohl sein müssen --> unrealistisch! Daraus wiederrum schließe ich, wenn dann noch die Handlung ein bischen fehlt, dass es ein schlechter Film sein muss. Auch wenn es erst die ersten 5 Minuten waren!
    Jo und ich schalte dann ab oder überlege mir, dass ich jetzt aus Höflichkeit ja mal sitzen bleiben kann - dann träum ich mich eben woanders hin!

    Aber: Mein Partner war da noch nen Zacken schärfer, wenn der sich auf solche "Konkretismen" gestürzt hat, hatte ich meinen Spaß: "Das verstehst Du nicht, das ist Dramaturgie. Hier muss überzeichnet werden, um das Wesentliche rauszustellen".

    Da grüßt mich schon wieder der Januskopf!

    Marco1985 schreibt:
    Oh oh oh......da erkenne ich mich ja schon wieder!! Sag mal, woher kennst du mich so gut??
    Wie sagten die alten Griechen? "Erkenne Dich selbst und Du erkennst die Welt!"

    Marco1985 schreibt:
    "Januskopf" trifft es als Metapher für zwei "Arbeitspersönlichkeiten" wirklich gut...ich kann sehr diszipliniert sein und die Dozenten, Lehrer, etc. sind begeistert von meinen Leistungen. Doch dann geht es an die Prüfungen, Hausarbeiten, usw. und ich schalte total ab.
    NIchts ist so furchtbar wie das wohlwollende, anerkennende Lob vom Prof. und die Enttäuschung, wenn dann die Arbeiten nicht abgegeben oder Prüfungen ständig auf die lange Bank geschoben werden.

    Oh Gott und mein Prof war sauer über den Studi-Job, den ich noch gemacht hab - meinte, dass ich deshalb mit meiner Diplomarbeit nicht fertig werde.
    Wie hätte ich dem sagen sollen, dass ich nach ner halben Stunde Schreibarbeit schon in mir zusammen sacke? Wie hätte ich dem erklären können, dass ich jeden Tag Stunden in ner dissoziativen Starre verbringe und eigentlich alles zu leisten gewesen wäre? Oder wie soll ich dem vermitteln, dass ich alles im Koppe habe, aber leider keinen Strich in meiner Karte ziehen konnte.

    Der hat mich seine Wut so richtig spüren lassen. Hat die Leute, die nach mir in demselben Gebiet gearbeitet haben, zu mir geschickt. Sie sollten mich bei Unsicherheiten fragen. Hat denen klipp und klar gesagt, dass ich mich sowieso am besten dort auskenne. Bis ich dann mal meine Arbeit zu Papier gebracht hatte, waren meine Chancen dahin sowohl bei meinem Prof als auch bei der Konkurrenz, für die ich ja mal ziemlich gut gearbeitet hatte.

    Und ich bin vor Scham im Boden versunken und über Jahre nicht mehr auf die Beine gekommen!

    Marco1985 schreibt:
    Genau wie du vergesse ich die Sachen entweder, oder bereite mich schlcihtweg nicht darauf vor. War das bei dir auch schon so? Das du dich garnicht auf ne Prüfung vorbereitet hast, stattdessen ganz andere Interessen verfolgt hast?
    Ja und einen Tag vor der Prüfung fiel es mir dann auf, dann war Großalarm. Kam ne Freundin vorbei und hat mit mir noch die wichtigsten Sachen durchgesprochen. Das haben wir aber nur deshalb gemacht, weil ich keine Peilung hatte, wie ich das mit ner Krankschreibung hinkriegen sollte. Die Prüfung lief übrigens, für's kaum Lernen, ziemlich gut.

    Marco1985 schreibt:
    Aus diesem Grund hab ich mein ganzes Leben schon "Zusatzprüfungen" abgelegt, weil ich ständig irgendwas "noch retten" musste... kotz!
    Jo oder doch erst zur Nachklausur gegangen - da ist mir dann schon was eingefallen .

    Marco1985 schreibt:
    Genau deshalb, also aufgrund des Gedankenkreisels habe ich ne lange Zeit gekifft. Dieses Zeug hat mich einfach runtergebracht. Bewusste Verblödung, um einfach mal das Hirn runterzufahren!
    Ja, mein Parnter setzte sich mit ner Pulle Wein an Korrekturarbeiten und hat nicht einen Kommafehler übersehen. Der hat sich mit dem Alkohol so weit runtergebracht, dass er überhaupt zum konzentrierten Arbeiten fähig war.

    Marco1985 schreibt:
    Ich hab noch nie MPH probiert. Naja, wäre vielleicht auch bischen zu früh. Immerhin befinde ich mich erst in der vierten Sitzungswoche. Im Moment bekomme ich "Fluoxetin"...zumindest verringert des Zeug meine krasse Antriebslosigkeit (im Übrigen lege ich sehr viel Wert auf Ordnung und Körperhygiene...das ist bei mir auch krass ausgeprägt). Mein Therapeut will noch abwarten bevor er ne Diagnose stellt. Persönlich hält er nix von Diagnosen, denn man könnte sich ja in allen Diagnosen wiederfinden, wenn man versucht jeden Aspekt zu pathologisieren... naja, abwarten...
    Das ist sehr schlau von Deinem Therapeuten! Entspricht auch eigentlich nem ordentlichen Arbeiten - oder sollte es zumindest. Blöde nur, dass man MPH eben nicht einfach ausprobieren darf. Bei Antidepressiva und Antipsychotika ist das anders. Da probieren viele notfalls über Jahre aus!

    Marco1985 schreibt:
    Meinst du denn mit "Grundsatzvorträgen", dass du Leuten in deinem sozialen Umfeld ständig deine Meinung aufgedrückt hast?
    Meinung aufgedrückt? VIEL SCHLIMMER!: Ich wolte immer meine Meinung erläutern, begründen und die anderen überzeugen! Und die haben mich angeguckt wie die Autos - haben überhaupt nicht kapiert, wie viele Aspekte ich mit einfließen ließ.

    Marco1985 schreibt:
    Jaja, dass kenne ich! Die Hochsensibilität (ist es das??) macht mir auch zu schaffen.
    Ne, das sortiere ich nicht unter Hochsensibilität ein.
    Das ist für mich einfach nur so ne Art beleidigt sein - bin sauer, dass mich diese Freundin nicht kennt. Sie weiß zwar, dass ich ne gute Allgemeinbildung hab und ihr in Sachen Historie ganz schön was vormachen kann. Außerdem weiß sie, dass ich Monate in dem Land war. Trotzdem stellt sie sich nicht die Frage, wieso ich, in ihren Augen, einen solchen Fehler mache! Die hat ein Selbstwertgefühl, das ist der Hammer! Bei Fehlern, die in meinen Augen besonders dusselig sind, frage ich mich immer, was dahinter versteckt sein könnte.

    Hab das aber schon gut genutzt. Hab in meine Pressemeldungen immer dämliche Schreibfehler eingebaut, damit die Dinger schnell über den Tisch meines Chefs gingen. Der freute sich dann, dass er Fehler gefunden hat und korrigieren konnte - den Inhalt hat er sowieso nicht verstanden. Aber die Meldungen gingen rechtzeitig raus.


    Marco1985 schreibt:
    Wenn ich mir nicht sicher bin und im schlimmsten Fall 100 Leute 100 verschiedene Ansichten haben, z.B. was die Bedeutung eines Fachbegriffes angeht, werde ich wahnsinnig. Ich krief förmlich Kopfweh, bis ich weiß wie es wirklich heißt.
    Ekelhaft, hab mal ein Buch "Sternstunden der Menscheit" einfach abgebrochen. Konnte nicht weiterlesen, weil ich meinte, Stefan Zweig hätte nen historischen Fehler gemacht. Ging einfach nicht mehr, musste mich erst sachkundig machen, ob ich richtig lag! LOL Als wenn es in dem Buch auf sowas angekommen wäre!

    Aber: Ich finde auch in nem Fachbuch nen Fehler, winzig in einem Diagramm - ist natürlich nicht mal dem Lektor aufgefallen! Was hab ich davon? Nichts!

    Marco1985 schreibt:
    Wenn ich merke das ein Dozent viele Fehler macht und unsicher auftritt, ist es eh vorbei. Dann "traue" ich ihm nicht mehr und glaube halt nichts von dem was er/sie sagt, bis ichs selbst nachgelesen habe. Das wäre dann die narzisstische Ader die hier zum Vorschein kommt.
    Narzisstische Ader aber nur auf dem affektiven Sektor - ist so ein beledigt sein, weil man dir was falsches gesagt hat. Auf der kognitiven Ebene ist es meine Unfähigkeit, auch mal nur die Hälfte einer Sache zu verstehen oder mal ein bisschen locker zu bleiben. Neben dem falschen sagt mir ein Dozent ja auch was Richtiges - am Ende sitzt er ja doch am längeren Hebel! Aber ich hab das Richtige nicht mitgekriegt, weil ich mich mit seinen Fehlern beschäftigt hab.
    Oder ein bisschen philosophischer: "Wer falsifiziert, der verifiziert auch!"

    Marco1985 schreibt:
    Mir geht es auch so. Ich denke über die falschen Sachen, zur falschen Zeit, am falschen Ort nach. Deshalb hat mir schon meine Grundschullehrerin ins Zeugnis geschrieben, dass sie das Gefühl hat, dass ich in Gedanken in einer anderen Welt bin. Klar ist es frustrierend, wenn man die eigenen Fähigkeiten nicht in die Tat umsetzen kann.
    Wäre es so, dann hätten wir keine Probleme und würden uns vermutlich in diesem Forum nicht aufhalten und mit Gleichgesinnten schreiben.
    So isses

    LG
    Mimose

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