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Diskutiere im Thema Die stark wechselnden Fähigkeiten im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Das ganz normale Leben hat mich in der letzten Zeit zum Aufräumen gezwungen und ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus!

    Geht es Euch auch manchmal so, dass ihr die eigenen Fähigkeiten nicht kennt?

    Ich habe Unterlagen von mir gefunden (definitiv von mir angefertigt), die hätte ich jedem zugetraut, aber niemals mir!

    Teilweise nimmt das alles groteske Züge an!

    Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass ich miserabel in Englisch bin und plötzlich finde ich Aufzeichnungen von mir, da habe ich einen ganzen Kurs in Englisch protokolliert! Ich bin fast in Ohnmacht gefallen und hab mich gefragt, warum ich es in der Schule nicht konnte und mich auch später total damit geschunden hab - offensichtlich kann ich's doch!

    Was ist dass denn?

    Oder, ich suche mich dumm und blöde nach ner Formel - die Lexika liegen auf dem Boden verstreut, Wikipedia ist durchpflügt und mir geht schon die Kraft zum Suchen aus, aber ich brauch das verdammte Ding für die nächste Vorlesung, die ich zu halten hab.

    Plötzlich kommt fast ein Wutanfall "Herrje, ich kann die doch selbst entwickeln, ich weiß doch worum es geht!"

    Ist ja alles nochmal gut gegangen, aber warum komm ich nicht schneller auf die Idee, das selbst zu machen. Und warum fang ich überhaupt erst an, danach zu suchen?

    Oder. Will ein bestimmtes Rezept ausprobieren, dazu brauch ich Weißweinessig. Nach dem dritten Laden verlassen mich schon die Kräfte - hab einfach keinen gekriegt (vielleicht auch nur nicht gefunden). Mir rutscht langsam die Zeit weg, bin kurz vor dem Resignieren.

    Dann die leichte Wut: "Was ist dass denn wieder! Du hast doch gelernt, wie Lösungen hergestellt werden. Essigessenz und Weißwein stehen im Schrank! Mensch bist Du blöde! Was willste denn noch alles lernen und nie anwenden?"

    An schlechten Tagen schimpfe ich mit mir und an guten Tagen stehe ich mit großen Augen vor den eigenen Fähigkeiten!

    Das Schlimmste dabei ist, dass ich aus den Erfahrungen nicht lernen kann! Es passiert einfach immer wieder! Bei der nächsten Gelegenheit stehe ich wieder wie der Depp da und suche verzweifelt nach ner Krücke, die sich einfach nicht finden lässt!

    Oder. Ich gelte und sehe mich auch als "mathematische Niete".

    Autobahn: Damals noch Transit durch die DDR, strenge Geschwindigkeitsbegrenzung! Ich fahre ein fremdes Auto und stutze - Tacho ist eindeutig defekt, kriege natürlich nen Riesenschreck! Weiß aber, dass mein Mitfahrer wohl ziemlich helle und in Mathe gut ist.

    Ich: Sag mal, sowas müsste man doch mit ner Integralgleichung zumindest überschlägig berechnen können. Dann rechnen wir noch nen Fehler ein und fahren so, dass wir immer im sicheren Bereich sind! Wir machen uns an die Arbeit und fahren ganz gemächlich weiter - ob's gestimmt hat, weiß ich nicht.

    Ärger gab es jedenfalls keinen und der Typ hat meine Idee tatsächlich aufgegriffen!

    Und warum, zum Teufel reichen meine Fähigkeiten nicht aus, solche Gleichungen überhaupt mal zu erlernen und dann auch noch anzuwenden?

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Damit bist du nicht die Einzige.

    Ich glaube bei mir ist es von Emotionen abhängig. Irgendwie scheinen bestimmte Emotionen mich zu Dingen zu befähigen, die ich ohne sie nicht kann.
    Z.B. war ich mit 9 Jahren im Schach toll. Ich habe alles und jeden in meinem Umfeld geschlagen, auch als Verwandte ausprobiert haben, dabei nach einem Schach-Buch vorgehen zu wollen. Warum ich das konnte weiß ich nicht. Ich konnte es weder erklären, noch überhaupt meine einzelnen Züge einer Strategie zuordnen. Ich fand es toll zu spielen, das war alles. Als es nicht mehr interessant war habe ich aufgehört. Heute kann ich das nicht mehr. Es macht mir keinen Spaß und egal was ich versuche, ich bin nach wenigen Zügen geschlagen.

    Pfeile werfen. Ich bin so schlecht beim Dart, dass die Wand neben der Scheibe mächtig leiden muss und ich mich lieber davor drücke überhaupt mitzumachen.
    Aber einen Abend lang habe ich jede Runde gewonnen. Nachdem mich ein total abfälliger Kommentar des 'gegnerischen' Teams so richtig wütend gemacht hatte.
    Es hat danach nie wieder funktioniert, obwohl es an dem Abend stundenlang angehalten hatte.

    Es gibt immer mal wieder Situationen in meinem Leben, nach denen ich gefragt werde 'Wie hast du das bloß gemacht?".
    Blöd ist, ich weiß es selbst nicht. Und ich kann es nicht reproduzieren, was manchmal zu verletzenden Reaktionen meines Umfeldes führt.
    Denn irgendwie glaubt jeder dass ich das was ich einmal gekonnt habe immer können müsste.
    Ist leider nicht so.

    Hat dazu geführt, dass ich mich die meiste Zeit meines Lebens für beschämend faul gehalten habe. Weils auch für mich immer so ausgesehe hat, als würde ich mich meistens einfach nicht genug bemühen. Als würden 99 Prozent meines Alltags voller verpeiltem Chaos genauso laufen können, wie die kurzen Momente in denen ich plötzlich was gut kann, wenn ich mich nur 'genug anstrengen würde'.

    Dabei wäre ein normaler Alltagsablauf ohne irgendwelche Talente mir viel lieber als mal kurz was richtig gut zu können und sonst eher 'hochgreifen' zu müssen um Normal-Level halten zu können.

  3. #3
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    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Waldsteinie schreibt:
    Plötzlich kommt fast ein Wutanfall
    Mir rutscht langsam die Zeit weg, bin kurz vor dem Resignieren.
    Dann die leichte Wut
    Tacho ist eindeutig defekt, kriege natürlich nen Riesenschreck!
    Du scheinst zur Höchstform aufzulaufen, wenn du intensiven Gefühlen wie Wut und Panik ausgesetzt bist. Ebenso scheint Zeitdruck bei dir eine entscheidende Rolle zu spielen.
    Das ist ganz ADHS typisch.
    In solchen Situationen produziert unser Gehirn die Stoffe, die uns sonst fehlen.

    Auri beschreibt das ja auch.

    Wenn man das weiß, dann kann man das für sich nutzen. Dein Vorteil ist, dass du besonnen reagieren kannst, wenn andere vollkommen überfordert mit der Situation sind.

    Ich nutze mittlerweile Zeitdruck sehr produktiv. Und zwar Zeitdruck, den ich mir selber mache und den ich selber steuern kann und der dadurch nicht kräftezehrend ist.
    Ich kriege zum Beispiel sehr viel im Haushalt auf die Reihe während ich irgendwas im Ofen habe (Lasagne oder Auflauf). Mich macht das warten verrückt und daher überbrücke ich es mit aufräumen und putzen. Da ich weiß, dass das Essen in ca. 30 Minuten fertig ist, habe ich nur die Zeit um mein Pensum zu erledigen.
    Genauso ist es mit Tee oder Eis. Wenn ich mir sage, dass ich nach dem Erledigen einer bestimmten Aufgabe eine Tasse Tee trinke oder eis esse, dann bereite ich mir das vorher schon vor. Wenn ich mich dann nicht mit der Aufgabe beeile, dann ist der Tee kalt oder das Eis geschmolzen.
    Oder ich versuche bei irgendwas schneller zu sein als das letzte Mal. Bei mir funktioniert dieses Spielerische sehr gut. Ich probiere gerne neues aus.

    Ebenso weiß ich, dass Emotionen eine Rolle bei mir spielen und dass ich sehr anfällig für die Emotionen anderer Menschen bin. Wenn ich Jemanden treffe, der gut gelaunt ist, geht das auf mich über und ich bin auch gut gelaunt und kriege dadurch mehr auf die Reihe. Auch Wettbewerbe funktionieren sehr gut oder Wetten oder sowas. Das kann man auch spielerisch in den Tagesablauf einbauen und mit anderen Menschen ein Spiel daraus machen.

    Für mich ist es sehr wichtig, dass ich weiß wie ich ticke und dass ich nichts dafür kann, dass mein Gehirn anders funktioniert.
    Ich bin dabei für mich herauszufinden, wann ich Dinge gut erledigen kann. Früher habe ich den Schwerpunkt eher auf die Dinge gelegt, die nicht gut geklappt haben. Jetzt ist das anders und ich habe so die Möglichkeit aus meinen Erfolgen zu lernen.

    Macht euch nicht selbst für eure Schwächen fertig. Schaut auf das, das ihr gut könnt und baut das aus.
    Geändert von Fliegenpilz ( 6.07.2012 um 16:03 Uhr)

  4. #4
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    Forum-Beiträge: 408

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    auch bei mir ist es so, das ich mein wissen u/o können nicht einfach so abrufen kann.
    wenn ich z.b. irgendwas über die küche erklären muss, geht es gut, und ich schäme mich fast weil ich etwas mehr weiss, wenn ich aber selbst koche merke ich manchmal was für einen scheiß ich da baue, obwohl ich es eigentlich besser weiß und kann.
    und gaaanz schlimm ist es wenn ich da beobachtet werde...

    oft ist es so, das wenn ich die sachen gelassen anpacke es auch gut klappt, wenn ich aber anfange mir gedanken und paranoien darüber zu machen, verunsichere ich mich selbst.

    manchmal schaue ich mir alte zeichnungen oder bastelarbeiten, und wundere mich wie geil das zeug ist, aber es macht mich eher traurig, das ich sowas nicht mehr kann, oder halt nicht mehr mache...

    bei meiner verschieberitis hilft manchmal einen wutanfall, um mit irgendwas anzufanegn, aber das halte ich nicht wirklich für den richtigen weg...

  5. #5
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    Forum-Beiträge: 569

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Fliegenpilz schreibt:
    Ich nutze mittlerweile Zeitdruck sehr produktiv. Und zwar Zeitdruck, den ich mir selber mache und den ich selber steuern kann und der dadurch nicht kräftezehrend ist.
    Unter Druck laufe ich auch zur Höchstform auf, nur ist das bei mir dann extrem kräftezehrend. Vielleicht weil auch der Druck schon reichlich hoch sein muss, damit es bei mir funktioniert. Emotionen als Auslöser für irgendwelche Leistungen konnte ich bislang nicht gezielt nutzen. Ich habe den Eindruck dass funktioniert bei mir auch nur dann wenn es nicht 'gewollt' ist, also zufällig passiert.

    Ist bei dir der selbst ausgelöste Druck nie kräftezehrend gewesen oder hast du dich da mit irgendetwas 'hingearbeitet'?

  6. #6
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    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Puhh Leute, das ist sehr beruhigend, dass es Euch auch so geht.

    Aber ich krieg die Kraftanstrengungen kaum noch auf die Reihe! Dieses völlige Umfallen, wenn ich dann mal wieder ne Großaktion hingekriegt hab - besonders, wenn ich dabei denken bzw. mich wirklich hart konzentrieren muss!

    So ganz klar ist es mir auch noch nicht, ob es nur die Emotionen sind, die mich zur Hochform auflaufen lassen. Ist aber oft so, der schieren Resignation folgt dann so ein aus dem Sumpf ziehen und es geht irgendwie weiter.

    Na ja, hoffe mal, dass MPH mich da etwas näher an die Mitte bringt! Und ich würd schon gern mal wieder an die Reserven rankommen - eigentlich hab ich ja keine Sorgen, aber ich mach mir ständig Stress mit meiner Verpeiltheit.

    Ich kenn das übrigens auch mit den Hand- und Bastelarbeiten. Als Kind miserabel in den Dingen, später tauchen feinste Näharbeiten von mir auf - ich steh davor staune und frage mich, wer das eigentlich gemacht hat. Es kann nur ich gewesen sein - jetzt krieg ich keinen Strumpf mehr gestrickt und kaum noch nen einfachen Stoff verarbeitet.

    Also so ganz abgefunden hab ich mich damit noch nicht.

  7. #7
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    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    auri schreibt:
    Unter Druck laufe ich auch zur Höchstform auf, nur ist das bei mir dann extrem kräftezehrend. Vielleicht weil auch der Druck schon reichlich hoch sein muss, damit es bei mir funktioniert.
    Meiner Meinung nach ist der Druck selber nicht kräftezehrend.

    Waldsteinie beschreibt das sehr schön:

    Waldsteinie schreibt:
    Aber ich krieg die Kraftanstrengungen kaum noch auf die Reihe! Dieses völlige Umfallen, wenn ich dann mal wieder ne Großaktion hingekriegt hab - besonders, wenn ich dabei denken bzw. mich wirklich hart konzentrieren muss!
    Das ist das Problem bei ADHS, dass es eben nicht nur ein Problem gibt, sondern viele.

    Ich beschreibe das mal mit einem Besuch von Freunden:

    Die haben sich ca. eine Woche vorher angekündigt. Das versetzt mich schon etwas in Stress, weil ich genau weiß, wie das wieder ablaufen wird und was für ein Stress das sein wird. (1)

    Mir fällt es schwer, im Vorfeld zu planen, was ich bis dahin alles erledigen muss. Wir wollen kochen, also muss ich irgendwann irgendwas essbares einkaufen. Mir fällt nix ein, meine Gedanken drehen hohl, ich bin total überfordert. (2)

    Bei Anblick meiner Wohnung steigt Panik in mir auf, denn dort herrscht das Chaos und ich habe nur eine Woche um das alles in Ordnung zu bringen. (3)

    Ich habe keine Ahnung, wie ich das Chaos in meiner Wohnung in den Griff kriegen soll. Wo fange ich an? Und wie fange ich an? (4)

    Da mich das alles total überfordert, sage ich mir, dass ich das morgen in Angriff nehme. Denn ich habe ja noch Zeit. (5)

    Wie die Zeit vergeht... Plötzlich ist der Tag vor dem Besuch und ich bin die Panik in Person. Jetzt muss ich aktiv werden, da ich morgen den ganzen Tag arbeite und auch noch einkaufen muss. Hab immer noch keinen Plan, was ich kaufen soll. Ich raume auf und putze bis ca. 4 Uhr morgens meine Wohnung. Bin danach fix und alle. (6)

    Am nächsten Tag hetze ich nach der Arbeit noch schnell in den Laden und kaufe irgendwas. Zuhause angekommen fällt mir auf, dass ich keine Getränke mehr habe, also muss ich nochmal los. (7)

    Kurz vor dem Eintreffen meiner Freunde, bin ich vom Getränke kaufen zurück. Ich habe nur zwei Stunden geschlafen, habe einen anstrengenden Arbeitstag hinter und habe gerade den Einkaufsmarathon absolviert. Das letzte, was ich jetzt will, ist ein Besuch von meinem Freunden. Ich möchte am liebsten ins Bett fallen und 24h schlafen. Den Besuch kann ich nicht wirklich genießen. Ich mag meine Freunde und ich mag auch unsere Treffen, daher bin ich sauer auf mich, weil ich nicht früher angefangen habe, mir keinen Einkaufszettel geschrieben habe und weil ich das mal wieder alles nicht auf die Reihe bekommen habe. Wie immer eben. Ich verbringe den Abend damit, angestrengt gegen meine Müdigkeit und Erschöpfung anzukämpfen und damit, mich selber für meine Unfähigkeit fertig zu machen und mich dafür zu hassen. (8 )

    Aufzählung der einzelnen Probleme, die dahinter stecken:

    (1) Der erste Stress entsteht, weil ich in der Vergangenheit mit solchen Situationen schlechte Erfahrungen gemacht habe und weil ich befürchte, dass es diesmal wieder so wird. Weil es eben in der Vergangenheit immer so abgelaufen ist und weil ich nicht weiß, wie ich mich dazu kriege es diesmal besser zu machen.

    (2) Aufgrund der ADHS fällt es mir schwer zu planen bzw. es fällt mir schwer meine Konzentration auf das Planen zu lenken.

    (3) Ich habe Probleme damit meine Wohnung dauerhaft aufgeräumt und sauber zu halten. Wenn sich Freunde ankündigen, muss ich also (im Unterschied zu "normalen" Menschen) meine Wohnung erstmal "entrümpeln" und einen Großputz veranstalten.

    (4) Wieder fällt es mir schwer, das Chaos in meinem Kopf zu sortieren und zu ordnen und eine konkrete Strategie zu entwickeln.

    (5) Aufschieben. Ganz ADHS typisch. Und ja, ich weiß natürlich genau, wohin das führen wird.

    (6) Jetzt ist der Zeitdruck so groß geworden, dass ich endlich in die Gänge komme. Jetzt muss ich. Und jetzt bleibt mir gar nichts anderes übrig als eine Großaktion aus der ganzen Sache zu machen. Und wahrscheinliche werde ich dabei noch von einer Sache nach der anderen abgelenkt, so dass ich im Vergleich zu einem normalen Menschen einfach viel länger brauche. Bei solchen Gelegenheiten passiert es dann ganz gerne mal, dass ich meinen Kleiderschrank ausräume, obwohl das zu dem Zeitpunkt echt nicht wichtig ist und mich nur aufhält. Die Ablenkbarkeit eben...
    Dazu kommt die Tatsache bei mir, dass ich meine eigenen Grenzen nur schlecht wahrnehme. Ich weiß nicht, wann ich aufhören sollte, weil mein Akku leer ist. So überfordere ich mich ständig selbst, indem ich über meine eigenen Grenzen gehe.

    (7) Impulsivität, die verhindert hat, dass ich bevor ich in den Laden stürme, erstmal einen Einkaufszettel mache.

    (8 ) Erschöpfung, Selbstanklage, Selbsthass.
    Das führt dazu, dass ich den Besuch von Freunden in meinem Gehirn mit diesen negativen Gefühlen und der Erschöpfung abspeichere. Damit schließt sich der Kreislauf zu (1).

    Ich habe beispielhaft mal 8 Probleme herausgegriffen, die bei einem ADHSler für Stress sorgen können.
    Mir hilft es, dass ich mir solche Situationen, die immer wieder kommen, so aufdrösele und mir meine einzelnen Stressquellen aufliste. So kann ich mir für jeden Punkt eine Gegenstrategie überlegen und diese dann ausprobieren.
    Außerdem sehe ich beim Auflisten, dass meine Probleme ADHS bedingt sind und dass ich nicht schuld an der ganzen Misere bin. Ich muss mich nicht mehr selber dafür fertig machen.
    Ich kann lernen mit diesen Problemen Schritt für Schritt umzugehen.

    Erst gestern hatte ich wieder Besuch von einer lieben Freundin.
    Diesmal ist die Vorbereitung fast stressfrei abgelaufen (ein bisschen Stress gehört einfach dazu), ich war 45 Minuten vorher fertig und konnte mich noch schnell unter die Dusche stellen und war dann immer noch 15 Minuten vor der Zeit fertig und total entspannt. Den Abend konnte ich genießen.
    Vor einigen Monaten war das ganz anders. Da war ich froh, dass ich so weit oben wohne, weil ich dadurch noch etwas Zeit hatte bis die Leute oben bei mir waren...
    Geändert von Fliegenpilz ( 7.07.2012 um 17:08 Uhr)

  8. #8
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    Forum-Beiträge: 569

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Okay, dann bin ich von anderem Druck ausgegangen. Ich war bei einer einzelnen Ursache, die dafür nicht alltäglich ist und eben entsprechend sehr hohen Druck 'braucht'. Die alltäglicheren Stressauslöser sehe ich auch nicht mehr als unlösbar. Da hat bei mir die Kombi aus 'mich endlich verstehen' und MPH bereits einiges viel weniger belastend gemacht.

  9. #9
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    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    omg

    @Fliegenpilz, das hätte eins zu eins von mir sein können, ausser das ich den Ablauf bei der Putzaktion wahrscheinlich um die ganzen Probleme 6 a bis z unterteilt hätte ...




    @ Auri, ist ne Definitionssache, glaub ich. Kräftezehrend ist das für mich auch. Aber nicht der Druck sondern das was er auslöst...
    Es ist emotional anstrengend, zumindest für mich jedesmal wieder.
    Der Druck gibt mir Antrieb, aber die Probleme die Fliegenpilz aufgezählt hat, durch die ich durch muss, sind es letztlich, die mich danach irgendwie geplättet zurücklassen.

    In Situationen ohne Druck, mit Gesellschaft oder Anleitung, in bekannten Arbeitssituationen in denen ich quasi "in Ruhe" machen kann, ohne Antriebsproblem, weil es kein "etwas anderes" gibt, das mich ablenkt, kann ich viel effektiver arbeiten.

  10. #10
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    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    auri schreibt:
    Okay, dann bin ich von anderem Druck ausgegangen. Ich war bei einer einzelnen Ursache, die dafür nicht alltäglich ist und eben entsprechend sehr hohen Druck 'braucht'.
    Achso, da meinen wir unterschiedliches.

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich verstanden habe, was du meinst. Hast du ein Beispiel?

    Mit dem Druck, den ich mir selber mache, meinte ich z.B. Zeitdruck. Also kein Druck, unter dem ich "zerbreche". Ich habe mittlerweile gelernt, meine Zeit und auch meine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Meistens jedenfalls.

    @ stargazer: Ähm, ja, meine erste Version bei (6) war auch die, die vom hundertsten ins tausendste kommst. Das habe ich euch erspart und habe es wieder gelöscht.

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