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Diskutiere im Thema Die stark wechselnden Fähigkeiten im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.394

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Trotzdem danke... ja, ist echt blöd... smilies gehen auch nicht mehr :-( Irgendwo hieß es, es könnte mit der Server zu tun haben (Opera), ich probiers nächstes mal mit nem anderen...

  2. #22
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 4.770

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Hallo Wühlmaus

    ich habe in Deinem vorigen Text Absätze eingefügt und was dazu geschrieben.


    Also ich habe mit Opera keine Probleme


    Gruß Matze

  3. #23
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Wühlmaus schreibt:
    Huhu ihr alle,

    "Marco1985 schreibt: "Hochstapler-Gefühl" und das Gefühl von "Glück" sind typische Gedankengänge von Hochbegabten. Kannst du auch googlen! Ist natürlich nur ne Idee, kann auch andere Ursachen haben

    ""Hochstapler-Gefühl" kenne ich auch gut, das habe ich auch öfter... ich gestehe mir jetzt erst nach der Diagnose meine Begabung zu, vorher dachte ich immer, irgendwas stimmt nicht mit mir und ich hab dann immer an meinen Fähigkeiten als Ganzem gezweifelt - tue das jetzt nicht mehr so stark.

    @Waldsteinie: "Aber es hat wohl eher was damit zu tun, dass ich meine übrigen Defizite wahrnehme und nicht glauben kann, welche Begabung ich auf der anderen Seite habe! Ist ja auch kaum zu glauben - wenn ich mir anschaue, was ich alles nicht auf die Reihe kriege."

    Wühlmaus schreibt:
    Weil das bei ADSlern in einem größeren Missverhältnis steht als bei 'normalen' Leuten, den Gedanken, also diese Diskrepanz zwischen Begabung und andererseits Einschränkung durch das ADS hatte ich irgendwo bei Sari Solden gelesen, finde jetzt leider die genaue Stelle nicht. bei Hochbegabung ist diese Diskrepanz entsprechend nochmal größer und damit wohl noch schwieriger selbst zu fassen.Aber dieser Gedanke "ich mache allen nur etwas vor" und fliege demnächst auf - Hilfe! ist typisch für ADSler(innen), wie Solden schreibt: "Viele Frauen glauben, dass sie eigentlich allen nur etwas vormachen, egal wieviel sie leisten oder wie fähig andere sie finden.
    Das rührt zum Teil von den riesigen Unterschieden zwischen ihrem Inneren und ihrem Äußeren her.
    Dem kann ich mich nur anschließen - nicht die Hochbegabung macht das Erlebnis von Hochstapelei - es ist die ADS, die auf der anderen Seite solche Defizite verursacht, dass eben alles nicht wirklich stimmig ist. Die Hochbegabung öffnet dann auch noch den Blick auf diese Defizite, so dass den eigenen Möglichkeiten nicht getraut werden kann.

    Wühlmaus schreibt:
    Andere Leute sehen oft durchaus, wie kompetent diese ADS-Erwachsenen wirklich sind, wissen aber nicht um deren inneren Konflikt. Sie sehen nicht das 'Durcheinander' in anderen Lebensbereichen und spüren nicht, wie schwer es den Betroffenen fällt, das nach außen hin sichtbare Bild zu erreichen.
    Frauen mit ADS meinen oft, jeden zum Narren zu halten, der positiv über sie denkt. Sie befürchten, dass ohne Vorwarnung in ihrem Gehirn ein Schalter ausgehen und ihre Unzulänglichkeit offenbar werden könnte. Sie befürchten, nicht genug Zeit zu haben. Sie haben Angst, dass ihre Strategien versagen oder unerwartet jemand bei ihnen vorbeikommen könnte. Sie befürchten, alles könne jeden Moment zusammenbrechen.
    Schwierig, ich hab ja durchaus auch diese Erfahrung gemacht. Hab mich mehr als ein Mal großen Herausforderungen gestellt und bin dann doch gescheitert, weil die Kraft einfach für gar nichts mehr ausgereicht hat. Am schlimmsten war dann immer die Erkenntnis, dass mir Auswege durchaus klar waren, aber an der Umsetzung ist es dann doch gescheitert. Na ja, eben die berühmten Detailfehler, die mich dann Kopf und Kragen gekostet haben.

    Immer und ständig - und immer das Erlebnis: "Grade nochmal gut gegangen" ! Und das völlige Umfallen, wenn mal wieder ne Kuh vom Eis gezogen ist. Diese schier maßlose Erschöpfung nach den Kraftakten!

    Wühlmaus schreibt:
    So erklärt sich das 'über ihnen schwebende Unheil', von dem die Betroffenen so oft berichten, das Gefühl eines inneren Chaos. Diese Frauen leisten ja wirklich etwas, trotzdem sind sie auch weiterhin angespannt und ängstlich und glauben, sie hielten andere zum Narren."Ich hätte das vor meinen Diagnose 1:1 unterschreiben können! jetzt ist es zum Glück langsam besser...
    Zumindest bei mir tritt hier schon die nächste große Diskrepanz auf. Ich jedenfalls hab mich immer gewundert, weshalb es so viele Leute gab, die mir klar ins Gesicht gesagt haben, dass ich ja wohl ne ahnungslose Stümperin bin - wenn ich dann drauf verwiesen habe, was mir alles gelungen ist und was ich geleistet hab, konnten die das überhaupt nicht sehen.

    Das größte Problem war bei mir allerdings ne bestimmte Frauenrolle, die ich für mich einfach abgelehnt hab. Wunderlich war es schon, zumal ich mir ja einige "frauentypischen" Verhaltensweisen bis zu einem gewissen Grad durchaus antrainiert hab. Boah, aber ich saß dann in ner Runde und hab mich gefragt, was ich mit den Mädels reden soll. Hat aber sicher auch was mit meinem Alter und dem Kulturkreis zu tun, in dem ich aufgewachsen bin.

    Hab mir immer wieder die Frage gestellt, warum mich bestimmte Leute für ne Idiotin halten und mit steigender Kompetenz meines Gegenübers die Anerkennung meiner Person wuchs. Geblieben ist aber immer dieses Erlebnis: Lass die bloß nicht hinter die Kulissen schauen. Wenn die mal mitkriegen, in welchem Chaos ich mein Leben verbringe oder aber "wenn die wüssten, dass ich nicht mal ne vernünftige Schulbildung hab". "Hoffentlich fragt mich jetzt keiner, ob ich dieses oder jenes Buch gelesen hab!" Ich hab die Schinken ja allenfalls angelesen und mir dann so meine Gedanken da drum gemacht und meine Schlüsse gezogen!

    Noch schlimmer: "Wenn die wüssten, dass meine guten Ideen am Wochenende entstehen oder morgens zwischen vier und fünf, wenn um sechs der Flieger geht, mit dem ich auf Exkursion reisen will!" Und dass ich die ganze Nacht verplempert hab, weil mir meine Hände nicht gehorchen wollten oder der Weg vor mir lag und ich ihn nicht sehen konnte - es war immer wieder das reinste Grauen! Dann war das Physik-Protokoll doch noch geschrieben, auf den Postweg gebracht und der Tutor zitierte mich zu sich: Weil, es war ja alles gut - aber leider eine Kleinigkeit drin, auf die er explizit hingewiesen hatte und genau den Fehler hab ich gemacht - Grrr!

    Da fragt sich der Tutor natürlich, ob ich eigentlich ne totale Meise habe! Soll ich dem sagen: "Tut mir leid, aber ich war so unter Druck, dass ich es übersehen hab!" Druck? Ich hatte keinen, hockte nur gelähmt vor der Arbeit und kam nicht aus dem Knick - bin gefühlt tausend Mal an die Arbeit gegangen und hab es nicht hingekriegt. Wollte alles ganz gemächlich und in kleinen Schritten absolvieren, gut geplant usw. aber nichts gelaufen!

    Die Zeit streicht an mir vorbei, ich kriege es mit - ich weiß, wie es geht, aber es ist nicht umsetzbar!

  4. #24
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Jetzt hab ich doch fast vergessen das ich hier schon was geschrieben habe

    Zitat von Waldsteini
    Hab mir immer wieder die Frage gestellt, warum mich bestimmte Leute für ne Idiotin halten und mit steigender Kompetenz meines Gegenübers die Anerkennung meiner Person wuchs. Geblieben ist aber immer dieses Erlebnis: Lass die bloß nicht hinter die Kulissen schauen. Wenn die mal mitkriegen, in welchem Chaos ich mein Leben verbringe oder aber "wenn die wüssten, dass ich nicht mal ne vernünftige Schulbildung hab".!
    Auch nachvollziehbar, diese Gedanken. Je mehr die fachliche Kompetenz wichtig ist, tritt die Gesamtbeurteilung oder unsere gedankliche Beschäftigung damit in den Hintergrund?

    Aber dieses Thema ist so ein Kernthema für mich.
    Ich empfinde das als sehr belastend.
    Ich denke noch mal weiter....


    Aufgaben durchführen zu wollen, aber irgendein Empfinden lässt mich fühlen, das ich nicht kann oder blockiert mein Denken.
    Obwohl ich genau wie Exxio hier Ergebnisse habe, die das Gegenteil beweisen und auch wie bei Waldsteini diese Situationen kenne, wenn ich mir in heller Panik vor den Kopf haue, weil ich die Lösung die ganze Zeit wusste (Essigbeispiel).

    Ich nehm noch mal ein Bild...
    Ich bin gefühlt eine 10 Zentimeter Frau soll aber mit Stricknadeln etwas stricken die für normale Hände sind.
    Ich "weiss" ich bin gross und könnte, wenn ich wollte, aber in meinen Gedanken sind die Stricknadeln einfach zu gross.
    Die Aufgabe erdrückt mich.

    Wenn ich aber nicht darüber nachdenke, weil etwas mich ablenkt oder grosser Druck mich dazu bringt es doch einfach zu tun, geht es.
    (Das es dann sozusagen mit heisser Nadel gestrickt ist....ein anderes Thema)

    Manchmal habe ich gedacht, das es aus Angst vor dem Erfolg ist, auf diese Theorie stosse ich irgendwie öfter.

    Ich beginne Dinge nicht oder beende sie nicht, trödele und lasse mich nur zu gern von etwas ablenken,....wenn ich überlege,...meistens bei Sachen, wenn ich weiss man könnte über das Ergebnis urteilen.

    Wenn ich anderen helfen kann, ohne das ich muss, dann bin ich einfach perfekt, arbeite hart, bin richtig ein Überflieger, habe Leistungsgrenzen weit über ein Mass hinaus, das ich aus meinem Alltag von mir kenne.
    Wieso geht es da?
    Weil ich helfe, ist der Gedanke der Beurteilung schwächer. Ich helfe "nur", es wird nicht so hart beurteilt.

    Wenn ich Aufgaben erledigen muss (sogar wenn Druck da ist), verzettele ich mich und es endet teils im Desaster.
    Es gibt Zeiten da schaffe ich selbst unter Druck Dinge nicht, die nur ein Minimalstes an Struktur erfordern.

    "Arbeit" ist anders. Da habe ich meistens die Struktur, wenn ich in Grossbetrieben arbeite, wo ich nur als Rädchen in der Maschine fungiere.
    Darum habe ich allen Überlegungen mich mit irgendwas selbstständig zu machen, bisher auch widerstanden, da ich weiss, der Wunsch eigenständig zu arbeiten, hat genauso seine Fussangeln, wie er seine Vorteile was Pünktlichkeit oder Nicht-Abhängigkeit und das Abwesendsein von Kollegenstress bietet.

    Wieder ein Gedanke: Ist es bei Euch besser wenn ihr ein Umfeld habt, das Euch positiv unterstützt?
    Eine Art Kollegencoaching? Oder ein Mensch, der Euch kennt und im richtigen Moment "in die Spur" zurückschiebt, sozusagen?

    Das denke ich manchmal oft, wie sehr ich abhängig bin von positiver Unterstützung, jemand der an mich glaubt. Warum kann ich mir das nicht selbst geben? Bin ich zu kritisch mit mir selbst oder vergesse ich, das ich gut sein kann?
    Geändert von stargazer (11.07.2012 um 12:37 Uhr)

  5. #25
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    stargazer schreibt:
    Wenn ich aber nicht darüber nachdenke, weil etwas mich ablenkt oder grosser Druck mich dazu bringt es doch einfach zu tun, geht es.
    (Das es dann sozusagen mit heisser Nadel gestrickt ist....ein anderes Thema)

    Manchmal habe ich gedacht, das es aus Angst vor dem Erfolg ist, auf diese Theorie stosse ich irgendwie öfter.

    Ich beginne Dinge nicht oder beende sie nicht, trödele und lasse mich nur zu gern von etwas ablenken,....wenn ich überlege,...meistens bei Sachen, wenn ich weiss man könnte über das Ergebnis urteilen.

    Wenn ich anderen helfen kann, ohne das ich muss, dann bin ich einfach perfekt, arbeite hart, bin richtig ein Überflieger, habe Leistungsgrenzen weit über ein Mass hinaus, das ich aus meinem Alltag von mir kenne.
    Wieso geht es da?
    Weil ich helfe, ist der Gedanke der Beurteilung schwächer. Ich helfe "nur", es wird nicht so hart beurteilt.
    Bei ADHS gibt es meiner Meinung nach zwei Ursachen für dieses Problem des ewigen Aufschiebens:

    1. Die reinen biologischen "Defizite". Also genau das ADHS.

    Russell Barkley beschreibt das als Zeitblindheit. "Normale" Menschen können auf etwas hinarbeiten, für das sie in der Zukunft belohnt werden. Sie können sich durch diese in der Zukunft liegende Belohnug in der Gegenwart motivieren. Bei einem ADHSler ist dieses Konzept gestört. Sie bevorzugen die sofortige Belohnung. Alles, was zeitlich weiter entfernt ist, kann einen ADHSler kaum motivieren.
    Daher kommt ein ADHSler auch erst dann aus dem Quark, wenn es kurz vor knapp ist, weil er dann die Belohnung direkt vor den Augen hat.
    Es muss nicht eine Belohnung sein. Es kann auch eine Deadline oder ähnliches sein.

    Anderen Menschen helfen zu können, motiviert. Und Motivation ist genau das, was wir aufgrund des ADHS nur schwer haben. Die Motivation, die wir durch das Helfen bekommen, aktiviert uns.

    2. Vermeidungsverhalten:

    Das beschreibt die Folgen einer unbehandelten ADHS bei Erwachsenen.
    Durch die ganzen Probleme, die wir haben und die Schwierigkeiten, möchten wir diese vermeiden. Wenn ich in den vergangenen Semestern Probleme beim Schreiben von Hausarbeiten hatte, dann hat sich das eingebrannt in mein Gehirn. Ich erinnere mich an den Stress, die Verzweiflung, die Erschöpfung etc.
    Und ich habe Angst erneut zu versagen, denn ich habe keine Ahnung, was ich diesmal besser machen soll. Daher lasse ich es lieber bleiben.

    Verstärkt wird das noch durch die neurobiologischen Ursachen, z.B. wenn man Probleme hat, Dinge zu strukturieren und sich einen Plan zu machen, gerade bei größeren Projekten. Da habe ich einfach Angst vor, weil ich keine Ahnung habe, wie ich das angehen soll.

    Man muss also ganz genau hinschauen und sich fragen, was hinter den Problemen steckt. Sind es Ängste oder bestimmte Gefühle, die durch die Situation hervorgerufen werden, dann muss man diese Gefühle in Angriff nehmen.
    Wenn es allerdings die ADHS bedingten Probleme sind, dann muss man sich überlegen, wie man die Umwelt so gestalten kann, dass es einem leichter fällt.

  6. #26
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Danke Fliegenpilz, für die Struktur...

    Wenn ich das zusammengefasst so lese, trifft beides zu.

    Das Vergessen von Situationen in denen es funktioniert hat, ist anscheinend einfacher, als die im Geist anscheinend stärker wirksamen, negativen + nebulösen Erinnerungen an Versagen.
    Die Panik vor zu schwierig empfundenen Vorhaben genauso (das kann bei mir auch z.T. Sozialphobie sein, wenn fremde Leute in diese Pläne involviert sind).

    Fange ich mit kleinen Schritten an, geht es leichter.

    Grosse Pläne sind eigentlich kein Problem, eher das Durchhaltevermögen, durch Ablenkbarkeit und auch mangelhafte Selbsteinschätzung was die Zeitplanung angeht, bzw. wie Du schreibst das Zeitgefühl an sich.

    Darum ja mein Gedanke an die Struktur, die hilfreich sein kann, von aussen, durch Personen oder Gegebenheiten.

    Wahrscheinlich fällt ADHS/ADS darum im Erwachsenenalter so schwer auf, weil man durch Umwelt irgendwie immer gezwungen wird, sich durchzuwurschteln...bzw. ein ganzes Bild ergibt sich erst, wenn man genau hinsieht, anstatt nur einen auf der Arbeit "hektischen", "tolpatschigen" oder "verträumten" Mensch zu erleben.

  7. #27
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    auri schreibt:
    Sind natürlich sehr extreme Beispiele. Aber ich denk es beschreibt ganz gut was ich meine, es geht bei mir auch Zeitdruck, nur eben dann für spezielle Dinge, nicht für alltägliches. Ich bin zwar jedesmal wieder vollkommen sicher, mir sowas nie wieder anzutun....aber davon merke ich dann beim nächsten Mal nicht mehr viel. Hab aber auch noch keine ähnliche Situation gehabt seit ich mit MPH angefangen habe. Ich könnte mir vorstellen, dass das nun anders wird. Chaotisch bin ich zwar immernoch, aber Medikament plus selbst-besser-verstehen hilft mir bei alltäglichen Aufgaben ziemlich viel.
    Das Schreiben meiner Diplomarbeit lief ähnlich ab

    Du beschreibst mit deinem Diplomarbeitsbeispiel sehr gut, was ich meine. (Das andere Beispiel lasse ich erstmal außen vor, weil da die Zeitknappheit von außen kommt und erstmal nichts mit ADHS zu tun hat und daher auch schlecht von dir beeinflusst werden kann.)

    In meinem vorherigen Beitrag habe ich das Konzept der Zeitblindheit von Russell Barkley beschrieben. (Bei youtube gibt es Videos mit den Vorträgen von Russell Barkley, die ich empfehlen kann. Allerdings nur auf englisch.) Genau das passiert hier auch.

    Prinzipiell ist der Zeitdruck für einen ADHSler positiv, weil er uns die Motivation bringt, die wir sonst nur bedingt haben.
    Blödeweise reicht gerade bei größeren Projekten die Zeit dann nicht aus oder ist extrem knapp.
    Das führt dazu, dass man nach einem solchen Projekt total erschöpft ist. Und weil man das alles so auf den letzten Drücker gemacht hat, konnte man es nicht so machen, wie man das eigentlich machen wollte. Man denkt, man hätte viel mehr machen können und müssen.
    Selbst wenn man eine gute Note bekommt, fühlt man sich schlecht, weil nicht alles gegeben hat und selber denkt, man hätte die Note gar nicht verdient.

    Für die Zukunft heißt das, dass solche Projekte generell vorbelastet sind, denn man verbindet mit ihnen das Gefühl der Erschöpfung und das Gefühl des Versagens. Das führt dann auf die Dauer dazu, dass man solche Projekte immer später anfängt. Vermeidungsverhalten entwickelt sich. Das ist eine Abwärtsspirale.

    Ich habe es bei mir so gemacht, dass ich erstmal diesen Kreislauf durchbrochen habe. Und das bei kleinen Dingen. Von der Struktur her unterscheiden sich solche kleinen, alltäglichen Projekte nicht von den großen Projekten.
    Ich weiß nicht, wie es bei dir z.B. mit dem Putzen und Aufräumen der Wohnung ist. Bei mir waren das früher auch solche "Großprojekte", die ich alle Jubeljahre mal erledigt habe. Und da war ich danach dann auch fix und alle und habe mich schlecht gefühlt.

    Daher habe ich angefangen, das Putzen in kleine Schritte zu unterteilen. Zuerst nur die Spüle in der Küche. Ich benutze einen Timer, den ich mir auf 5, 10 oder 15 Minute stelle. Für den jeweiligen Zeitabschnitt lege ich genau fest, was ich da erledigen möchte. Z.B. eben die Spüle zu putzen. Wenn die Zeit um ist, höre ich mit der Tätigkeit auf, egal ob ich fertig bin oder nicht. Das ist anfangs unglaublich wichtig!

    Ich neige dazu, wenn ich mal angefangen habe, gleich alles machen zu wollen, was dann jedesmal in einem stundenlangen Marathon mit anschließender Erschöpfung endet.
    Daher ist es anfangs wichtig, dass man sich selber das Aufhören antrainiert. Nur so kann man der Erschöpfung vorbeugen.
    Und außerdem deaktiviert man damit nach und nach das Vermeidungsverhalten. Durch die kleinen überschaubaren Zeitintervalle, verlieren die Aufgaben ihren Schrecken. Fünf Minuten sind nicht viel. Die Aufgabe ist klar definiert. Und durch den moderaten Zeitdruck kann man sich besser motivieren.
    Wenn man mit dieser Methode lernt, Aufgaben zu bewältigen, dann wird es immer einfacher werden, diese Aufgaben in Angriff zu nehmen und irgendwann hat man das automatisiert, gerade eben bei alltäglichen Aufgaben.
    Außerdem stellen sich recht schnell Erfolgserlebnisse ein, die zusätzlich motivieren und die einem das Gefühl des ständigen Versagens nehmen.

    Ich weiß nicht, ob diese Methode für jeden geeignet ist. Ich habe das nach dem Flylady-Prinzip gemacht. Flylady ist eine Amerikanerin, die eines von vielen "so-kriege-ich-mein-Chaos-in-den-Griff"-Programmen entwickelt hat. Im Unterschied zu anderen Selbsthilfeprogrammen dieser Art handelt es sich bei ihr explizit um ein Programm für Chaoten. Leute, die alles ewig aufschieben, die sich ständig ablenken lassen, etc. Es ist nicht speziell für ADHSler, geht aber sehr stark in diese Richtung und ich kann mich darin wieder finden. Ich habe es für mich so umgestaltet, dass es für mich passt und mir sehr hilft.
    Sie hat eine (leider sehr chaotische) Homepage, auf der man sich einlesen kann, wenn man möchte. Die Infos und das Programm sind kostenlos.

    Stargazer, deinen neuen Beitrag habe ich noch nicht gelesen. Ich muss erstmal was essen.

  8. #28
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Fliegenpilz schreibt:
    Selbst wenn man eine gute Note bekommt, fühlt man sich schlecht, weil nicht alles gegeben hat und selber denkt, man hätte die Note gar nicht verdient.
    Genau das habe ich nach solchen Aktionen hinterher im Kopf. Ich bin aber inzwischen soweit, diese Art Projekt nicht mehr anzugehen. Wisschenschaftliche Arbeiten zu fabrizieren wäre auch im besten aller möglicherweise erlernbaren Verläufe für mich langweilig und anstrengend. Es gibt Dinge die ich ganz von selbst sehr viel besser kann, entspannender finde und die dann nicht erschöpfend wirken. Kopfarbeit hinzubekommen muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, die dann auch als Job zu wählen. Da ich neu planen will, werde ich definitiv Ideen auslassen, die solche Projekte zwangsläufig beinhalten.

    Kurzzeitige Intervalle habe ich mal probiert, fand die aber - für mich - nicht hilfreich. Was bei mir funktioniert sind Stimmungstricks, also z.B. motivierende Musik hören und dann loslegen mit der Aufräumerei. Auf die Art finde ich es auch nicht kräftezehrend oder stressig. Dazu kommt - durchs MPH - dass ich nicht nur Listen schreibe, sondern die gelegentlich sogar benutze.

    Wenn mein Chaos überhand nimmt, schreibe ich eine Liste für den nächsten Tag. Eine möglichst lange Liste, mit möglichst vielen kleinen Aufgaben. Denn abhaken oder durchstreichen finde ich sehr motivierend. So eine Liste arbeite ich nicht ab, dazu ist sie auch nicht gedacht. Ich benutze sie um überhaupt etwas von den anstehenden Dingen anzugehen. Es reicht meist, wenn ich nur ein paar Dinge von der Liste tatsächlich umsetze. Fühlt sich gut an, tut meiner Wohnung gut und dann hat die Liste ausgedient. Was dann noch übrig ist, flutscht entweder von selbst im Alltag mal mit durch oder landet auf der nächsten Liste. Klingt chaotisch, aber wenn ich mir meine Wohnung ansehe, wirkt es viel effektiver als ich selbst vorher für möglich gehalten hätte.

  9. #29
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    Auri, die Stimmungsmusik reisst es leider nicht bei mir. Sie hilft wenn ich mich durchringe anzufangen, aber wenn das nicht gelingt....
    Ist gut zu lesen, das es viele Wege gibt zum Glück und Gelingen.
    (Das mit den Listen ist bei mir aber auch so, einfach sammeln was gemacht werden muss, ein bissl Prioritätssortierung und was ich nicht schaffe, landet auf der nächsten.)


    Die Uhrmethode ist prima, weil man weiss, man muss sich einfach nur für 5 Minuten motivieren.
    Das geht meistens bei mir. (Zum Glück, wenns gut läuft, spule ich derzeit dann in andertahlb Stunden mein ganzes Putz-Programm ab.)

    Mein Problem ist eher, wenn es eine Zeitlang gut funktioniert hat,
    verlasse ich mich darauf, vergesse es oder mute mir wieder zuviel auf einmal zu.

    Wenn Unvorhergesehenes passiert ist auch der ganze Stundenplan futsch.

    Allerdings erinnere ich mich das dieses Putzprinzip beim Lernen für mich sehr gut funktioniert hat.
    Wichtig war dabei für mich, das Thema zu wechseln zwischendurch
    und auch von Lesen auf schriftliche Arbeiten zu wechseln.
    Auch wenn ich kein Hyperaktiver Typ bin, Bewegungspausen einzulegen.
    Das Gegenteil gilt bei körperlichen Arbeiten.
    Ausruhen per Eieruhr ohne das man das Gefühl hat, man bräuchte schon eine Pause.

    Klingt komisch aber es hat damals funktioniert. Schade das ich so tüddelig bin.
    Muss ich mal wieder mit anfangen

    Dann fehlt nur noch eine Eieruhr, die mich vor die Haustür befördert, ohne Kinder.
    Geändert von stargazer (11.07.2012 um 20:45 Uhr)

  10. #30
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Die stark wechselnden Fähigkeiten

    stargazer schreibt:
    Auri, die Stimmungsmusik reisst es leider nicht bei mir. Sie hilft wenn ich mich durchringe anzufangen, aber wenn das nicht gelingt....
    Ist gut zu lesen, das es viele Wege gibt zum Glück und Gelingen.
    (Das mit den Listen ist bei mir aber auch so, einfach sammeln was gemacht werden muss, ein bissl Prioritätssortierung und was ich nicht schaffe, landet auf der nächsten.)
    Musik hilft mir größtenteils. Aber da muss ich irgendwie schon "bereit" dazu sein. Meine Ärztin meinte, ich Musik hören, damit ich einschlafe. Aber das kann ich echt nicht. Musik ist bei mir schon mit Aktivität verbunden.

    Listen: Hm, ich habe auch welche. Aber so lange Listen demotivieren mich und ich verliere schnell den Überblick und kann die schlecht nach Priorität ordnen. Und dann mache ich einfach irgendwas von der Liste, das aber nicht so dringend war. Und unbezahlte Rechnungen verliere ich vollkommen aus dem Blick.
    Ich habe mir daher unterschiedliche Listen angelegt. Zum einen thematische Listen: Finanzielles, Einkaufen, Soziales (Mails schreiben, anrufen, etc.), Studium etc.
    Und dann habe ich noch Listen, die Zeiträume umfassen: Meine Tagesliste, eine kurzfristige Listen mit Dingen, die in den nächsten Tagen erledigt werden müssen, eine mittelfristige (Dinge, die in der Woche erledigt werden müssen) und eine langfristige.
    So kann ich das alles besser im Blick behalten und weiß, was wann wichtig ist und was ich wann erledigen muss.

    Mein Problem ist eher, wenn es eine Zeitlang gut funktioniert hat,
    verlasse ich mich darauf, vergesse es oder mute mir wieder zuviel auf einmal zu.
    Mir hilft es, wenn ich mir selber einen Brief schreibe. Ich weiß ja, dass ich nach eine gewissen Zeit die Lust verliere oder dass ich es vergesse.... Da schreibe ich mir dann ganz zu Beginn einen Brief, warum das wichtig ist und warum ich das machen möchte und dass ich das doch bitte weiter machen soll, weil sonst wieder alles im Chaos versinkt und ich meine Ziele nicht erreiche.

    Hilfreich für mich sind auch verschiedene Kontrollinstrumente und ein konstruktiver Umgang mit mir selber. Ich setze mich z.B. jeden Abend hin und schaue, was ich geschafft habe und was nicht. Und da überlege ich mir dann auch, warum ich manches nicht geschafft habe. War es zuviel? Hatte ich keine Lust? Ist mir die Sache grundsätzlich zu komplex? Und dann überlege ich mir, wie ich das an den nächsten Tagen besser machen kann.
    Weil ich dazu neige, unwichtigen mist zu erledigen und dabei die wichtigen Sachen aus dem Blick zu verlieren, ist es für mich auch wichtig zu schauen was ich erledigt habe und ob das wirklich sinnvoll war.


    Allerdings erinnere ich mich das dieses Putzprinzip beim Lernen für mich sehr gut funktioniert hat.
    Wichtig war dabei für mich, das Thema zu wechseln zwischendurch
    und auch von Lesen auf schriftliche Arbeiten zu wechseln.
    Auch wenn ich kein Hyperaktiver Typ bin, Bewegungspausen einzulegen.
    Das Gegenteil gilt bei körperlichen Arbeiten.
    Ausruhen per Eieruhr ohne das man das Gefühl hat, man bräuchte schon eine Pause.
    Danke für die Tipps zum Studium. Ich habe nämlich ein zweites Studium angefangen und bin noch bisschen ratlos, wie ich das denn angehen soll. Ich weiß nur, dass ich es nicht so machen kann/will wie beim ersten.

    @ auri: Wir sind total unterschiedlich.
    Da sieht man mal, dass die Tips, die der einen Person helfen, bei einer anderen nicht zwangsweise helfen müssen.
    Und ich finde es klasse, dass man hier so einen vielfältigen Austausch hat.
    Wir haben zwar alle ADHS, das verbindet uns, aber trotzdem sind wir ganz unterschiedliche Menschen.
    Mich nervt es bisschen, dass in der gängigen ADHS Literatur die Tips, die dort gegeben werden, von den Autoren als das Non Plus Ultra dargestellt werden. Das ist echt Blödsinn. Jeder ADHSler muss seinen eigenen Weg finden.

    Und ich muss jetzt mal den Weg zum Kühlschrank finden und dort das abgelaufen Zeugs rausräumen

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