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Diskutiere im Thema Die Mischung macht's... im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Die Mischung macht's...

    Hallo !

    Als ich eure Beiträge las, musste ich an meinen Sohn denken und an den Film "Nummer 5 lebt".
    Mein Sohn war noch keine zwei Jahre alt und interessierte sich für alles.
    Aber kaum hatte er etwas Interessantes entdeckt und sich damit eine Weile beschäftigt, hielt er schon nach Neuem Ausschau.
    In diesem Film ist der Roboter ganz gierig nach Wissen.... Input.... Input....
    So habe ich meinen Sohn erlebt...... und erlebe ihn noch "so".
    Hohe Ablenkbarkeit mit der Fähigkeit, sich aber auch über Stunden mit einem Spielzeug zu beschäftigen oder
    heute beim Lego: er kann erst aufhören, wenn es fertig aufgebaut ist.
    Er kann einfach nicht loslassen.... Hyperfokus.

    In diesem Spannungsfeld lebe auch ich.

    Für mich sind eine meiner Hauptziele.... meinen Sohn beim Loslassen zu unterstützen!
    Und mich selbst im Loslassen zu schulen.

    Meine hohe Ablenkbarkeit zeigt sich eher im Abdriften in Gedankenwelten,
    in denen ich dann dies oder das tun könnte oder erschaffe ganze Artikel über Themen, die mich interessieren.
    Oft wünsche ich mir, einen Gedankenschreiber zu haben, der alles mitschreibt.
    Denn wiederholen lässt sich nichts mehr.


    Auf der anderen Seit beginne auch ich Projekte, ohne sie abzuschließen.
    Vor allem wenn ich das, was ich beginne, nicht tun will.
    Aber auch wenn mich etwas interessiert, fehlt mir die Ausdauer?

    Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, dass mir auch da die Ausdauer fehlt
    oder dass es langweilig wird....
    Ich komme eher nicht zum Abschluss, weil ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin
    und immer wieder Verbesserungen einfüge oder etwas ändere.

    Dinge, die ich nicht tun will, mache ich immer nur eine bestimmte festgelegte Zeit
    und dann höre ich auf.
    Auf diese Weise schaffe ich es, überhaupt damit anzufangen und nicht schon vorher frustriert es sein zu lassen.

    Und ich versuche zu akzeptieren, dass das Ergebnis okay ist.
    Aufhören. Zum Abschluss kommen. Jetzt.

    Zu viele Baustellen aufmachen.... auch das kenne ich!!!
    Wenn ich bemerke, dass ich es tue,
    -und das ist meiner Meinung nach der Schlüssel zur Veränderung!-
    dann höre ich mit dem auf, was ich gerade neu begonnen habe
    und widme mich dem, was ich gerade vorher gemacht habe.

    Innehalten, sich erinnern, was ich mir vorgenommen habe,
    dann
    aufhören und zurückkehren!!!!

    Sich dies vornehmen und dann auch tun.
    Das Abkommen mit sich selbst einhalten wollen,
    das ist der Anfang.

    Und damit einverstanden sein, dass es schwierig ist,
    dass Scheitern jeden Tag, immer und immer wieder dazu gehört.
    Das "es" bemerken ALLES ist.

    Mehr ist nicht möglich...
    erst einmal
    für wie lange auch immer...

    Sich zuviel aufzubürden, ob nun aus Interesse, aus Freude, aus Verantwortungsgefühl oder warum auch immer
    führt letztlich nur zu Überforderungs-, aber auch Ohnmachtsgefühlen.
    Und diese enden irgendwann im Burn out.

    Gerade der Hyperfokus prädestiniert uns ADHS-ler uns völlig zu erschöpfen.

    Eure 50-60 Stundenwoche ist ein Kennzeichen dafür.
    Geregelte Pausen festsetzen
    absichtlich - faul sein -
    diese einzuhalten auch lernen wollen, weil mit sich selbst abgesprochen.
    Weil für sich zu sorgen nicht egoistisch ist,
    sondern (über)lebensnotwendig!!!!

    Alles Liebe
    Michi

  2. #12
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Die Mischung macht's...

    Hallo Michi,

    Auf der anderen Seit beginne auch ich Projekte, ohne sie abzuschließen.
    Vor allem wenn ich das, was ich beginne, nicht tun will.
    Aber auch wenn mich etwas interessiert, fehlt mir die Ausdauer?
    Ja, das geht mir auch so - meine Dissertation z.B. hab ich auch abgebrochen, obwohl ich das Thema nach wie vor interessant fände...
    Ich bin aber einfach auch lieber die Planerin, die Durchführung überlasse ich ganz gern anderen.
    Find ich auch ganz ok, denn andere planen nicht gern und führen lieber aus, so fügt sich das oft ganz gut.

    Zu viele Baustellen aufmachen.... auch das kenne ich!!!
    Wenn ich bemerke, dass ich es tue,
    -und das ist meiner Meinung nach der Schlüssel zur Veränderung!-
    dann höre ich mit dem auf, was ich gerade neu begonnen habe
    und widme mich dem, was ich gerade vorher gemacht habe.
    Für kurzfristige Aufgaben kann ich mir das vorstellen, also wenn ich den Abwasch unterbreche, weil ich kurz mal meine Mails checken will, kann ich schnell wieder zurück zum Abwasch - den Schritt finde ich sinnvoll.
    Aber wie machst Du das denn bei größeren Unternehmungen?
    Ich z.B. habe neben meinem Beruf mehrere Ehrenämter und zusätzlich ein paar Hobbies. Gerade habe ich wieder eine neue Idee (naja, ok, ehrlich gesagt eher 3) für Hobbies/Weiterbildungen. Auf keine davon will ich verzichten, weil ich sie mir super spannend und spaßig vorstelle. Das, was ich bisher mache, find ich auch großartig. Und nun?

    Ein kleiner Versuch, den ich daher gerade angefangen (und natürlich noch nicht beendet) habe:
    ich habe für mich mal aufgeschrieben, welche meiner Eigenschaften und Fähigkeiten bei welcher meiner verschiedenen Aktivitäten gefragt sind.
    Und auch, welche ich vermute, bei den neuen Ideen einbringen zu können.
    Dabei viel mir auf, dass mir in allem, was ich bisher mache, das Einbringen von Spontanität, Albernheit und Ausgelassenheit fehlt.
    Ich will jetzt langfristig versuchen, eine ausgewogene Mischung zu aus Aktivitäten zusammenzustellen, bei der dann alles irgendwo zum Einsatz kommt - ich hoffe, dass ich dann etwas mehr zur Ruhe komme.
    Mal gucken, ob es klappt...

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Die Mischung macht's...

    Weniger ist manchmal mehr !

    Liebe Maya,

    du hast deine Dissertation abgebrochen und hast für dich eine stimmige Begründung gefunden.
    Das ist okay, wenn es für dich wirklich okay ist ?!

    Ich habe vor Jahren mein Studium abgebrochen, weil ich erkennen musste, dass ich es wohl nie beenden würde.
    Mit Anfang dreißig war es Zeit mich der Realität zu stellen.
    Und es war Zeit, meinem Leben eine neue Richtung zu geben.
    Aber es nagt immer noch an mir, dass ich mein Studium ohne Abschluss beendet habe.
    Meine Gründe sind heute immer noch stimmig und doch.....

    Rückblickend stelle ich fest, dass mein Leben in 5 Jahresspannen verläuft....
    So lange halte ich aus, dann "muss" eine Veränderung her... irgendetwas Neues.

    Was deine vielen Baustellen betrifft, beruflich oder privat,
    kann ich deine Begründungen verstehen. Jedoch!
    Meiner Meinung nach liegt der Grund in der hohen Ablenkbarkeit.
    Die positive Kehrseite dieser hohen Ablenkbarkeit ist gekennzeichnet durch
    starke Neugierde, hohes Interesse und Offenheit fast allem Neuen gegenüber
    überhaupt allem gegenüber, was unsere Aufmerksamkeit erregt.

    Nummer 5 lebt.... Input... Input...Input!!!
    Auch da zeigen wir fast schon eine Art Suchtverhalten.... immer auf der Suche nach etwas Neuem, Interessantem!!!!
    Weniger ist manchmal mehr!
    Heißt: wir sollten nicht allem unsere Aufmerksamkeit schenken, das uns gerade interessant erscheint.

    Nach einem Hyperfokusanfall oder nach dem Versuch, allen meinen Vorstellungen und Ideen gerecht zu werden,
    beruflich und privat,
    fühle ich mich meist physisch und emotional völlig erschöpft.

    Deshalb ist es für mich so wichtig geworden

    Innehalten
    Erinnern
    Aufhören
    Loslassen

    zu lernen.

    Die Frage lautet doch:
    "Möchte ich das wirklich oder lebe ich nur mal wieder eine meiner ADHS - Muster ?"

    Ich möchte meine Ressourcen ausgewogen einsetzen und mir
    meiner Gedanken, Gefühle und Handlungen wirklich bewusst werden und sein.

    Lieben Gruß

    Michi

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 4

    AW: Die Mischung macht's...

    Also was hier allgemein beschrieben wird kenn ich nur zu gut.

    ich hab da auch das typische muster

    Ich hab ne supertolle idee oder ich finde was super interessant.
    Ruck zuck auch ein plan zusammen gestellt wie ich das mache und wie ich es am schnellsten und am besten umsetzten kann.
    Dann reicht meine Motivation auch das ich die ersten schritte zum erfolg schnell erreiche...

    ...dann machts PAM und BUFF...
    und dann kommt die totale antriebslosigkeit inklusive desinteresse...

    mit so gedanken wie " BAH ich kann mir das ergebnis schon vorstellen" oder "hmm...system verstanden und durchschaut...."

    darauf werd ich wieder zu Nr.5 und es geht wieder los mit "INPUT INPUT INPUT"




    soweit ist das ja hier allen bekannt .......

    an sich auch nix schlimmes WÄRE da nicht dieses gefühl das man schon wieder was abgebrochen hat und eigendlich NIX geschaft hat ...





    das ging mir ganz oft so, aber ich bin an einen punkt gekommen wo ich mir echt gedacht habe das ich was dagegen tun muss...
    was nützt es einen vielseitig begabt, interessiert und talentiert zu sein und ich doch nix erreicht habe...



    UND ich hab für mich eine persönliche lösung gefunden die super klappt!


    ich wollte schon immer gitarre lernen.
    Habs auch versucht aber dann kam wieder dieser effekt ...(ich glaube ich nenne ich ab jetzt nur noch Nr.5 - Effekt )
    zwei jahre später hab ich eine bekannt gefragt. sie spielt schon ewig gitarre.
    sie meinte okay...(kannte sie bis dahin eher so über freunde)

    Nunja, ich hab seit november letzten jahres jetzt jeden Donnerstag Gitarrenunterricht.
    in ihren augen mache ich super schnell fortschritte und bin voll talentiert. Sie ist richtig begeistert und ich merke selbst auch das ich ja doch echt was drauf hab

    DER AUSSCHLAGGEBENDE PUNKT IST DER:

    wenn der Nr.5-Effekt einsetzt dann denke ich mir "NEEE du bist jetzt schon so weit gekommen, wenn du jetzt nicht für dich üben willst dann mach es für SIE, immerhin nimmt sie sich zeit für dich und plant das und wenn mich ein lied interessiert dann sucht sie dir das raus, das kannst du nicht bringen einfach nicht zu üben....usw...."

    ich trickse also meine schwäche der ausdauer mit meiner stärke in Emphatie aus.... weil mich kann ich ja enttäuschen, bin ich ja gewohnt. Aber sie eben nicht^^




    Das gibt mir die motivation die gitarre in die hand zunehmen ...und nach den ersten 5 minuten bin ich voll drinne und froh doch zu üben.

    wenn ich dann wieder unterricht habe, ihr zeige was ich gelernt hab, und sie sich dann freut und mich lobt.
    Dann gehe ich mit so einen entspannten, gelassenen gefühl nachhause ...das ich einfach weiter lernen will und wieder voll motiviert bin .




    Kurz gesagt: Wenn ich grade kein bock hab es für mich zumachen dann für jemand anderes



    ......also bei diesen hobby von mir klappt das supergut. parallel lerne ich sie auch besser kennen und wir quatschen immer noch meist ne stunde lang.
    ......und ich bin nicht mehr so am INPUT such(t)en



    ich hoffe das konzept hilft euch vllt weiter, oder gibt euch ein paar weitere anreize

    lg fusionist

  5. #15
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Die Mischung macht's...

    Hallo !Grundlage jeder Ausdauer ist die Motivation.Meinen Sohn nicht vergiften zu wollen, hat dazu geführt, dass ich nach 22 Jahren aufgehört habe zu rauchen.Und auch nicht mehr angefangen habe.Mein Leben habe ich zum größten Teil danach ausgerichtet, von anderen Bestätigung oder Anerkennung zu bekommen.Ich nenne das "im außen sein". Nur selten war ich bei mir, habe die "Dinge" für mich getan.Was geschieht mit deinem Gitarrenspiel, wenn deine Freundin keine Zeit mehr hat....????Was geschieht, wenn das positive Feedback ausbleibt....????Wenn das Gegenüber fehlt oder wegfällt, dann fällt auch die Motivation weg.Etwas für andere tun, für andere da sein, sich für andere einsetzen....Gitarre spielen, Sport treiben, Meditieren, Studieren........hat dann Bestand, wenn es um seiner selbst willen getan wird, weil das Tun selbst Freude bereitet.Lernen die Langeweile zu überwinden,Immer wieder von vorne beginnen.Etwas finden, das einen anhaltend im Herzen berührt.GrußMichi

  6. #16
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Die Mischung macht's...

    Ich gebe zu, ich habe die letzten paar Antworten nicht mehr gelesen - da ich meine Gedanken zu dem Thema nicht verlieren, sondern sofort aufschreiben wollte. Und zwar ergeht es mir ähnlich wie vielen hier - auf eine Baustelle folgt die nächste.

    Das Schlimme ist, dass all diese Baustellen auf ein "inneres Konto" kommen, sodass sich dort im Laufe der Zeit saumäßig viel Müll angesammelt hat. Loslassen kann ich irgendwie nicht. Außerdem scheint es ein Kompensationsmechanismus zu sein, dass ich mir Dinge auf eine "Zwischenstation" einlagere, um sie nicht ganz zu vergessen. Aber diese Dinge DRÜCKEN! Sie bedrücken mich so sehr, dass mir dadurch eine ordentliche Portion Lebensfreude flöten geht. Und ich werde sie auch nicht los, selbst wenn es Dinge sind, die inzwischen kaum noch eine klare Form haben, geschweige denn ich mich konkret an diese unerledigten Aufgaben erinnern könnte...sie sind einfach immer da und sind es nicht die alten, sind es aktuelle unerledigte Dinge.

    Achso, ich sollte kurz erwähnen, dass ich sowohl Termine und Pflichten als auch Wünsche, persönliche Ziele und Interessen meine. Habe ich so etwas einmal in meinen "inneren Terminkalender" eingetragen, lässt es sich nicht mehr ausradieren - nur erledigen. Leider erledigt man -vor allen Dingen als ADSler- nie alles.

    Beispielsweise habe ich meine Diplomarbeit bereits fertig geschrieben, kann sie aber seit 2-3 Jahren nicht einreichen, weil der bürokratische Weg dahin so weit verzweigt ist, dass ich nach gefühlten 2 Metern schon aufgebe. Wie oft habe ich mir gedacht, endlich aufzugeben und mein Studium als Misserfolg abzuschreiben - geht auf keinen Fall, es würde den Rest meines Lebens als die "größt-riesige anzunehmende unerledigte Sache" (Super-GRAUS)^^ über mir schweben und Entspannung schlicht unmöglich machen.

    Meine Diplomarbeit hat mich damals (ja, lang ist´s her) voll interessiert, aber auch da war sie für mich eigentlich schon fertig, als ich die wesentlichen Prinzipien rausgearbeitet hatte - dann nachher meine Gedankengänge haarklein zu dokumentieren, furchtbar. Ich hasse es, kleine Schritte zu machen.
    Lieber komme ich in einem Thema schnell zum Kern der Sache und widme mich dann dem nächsten Thema...hach, aber diese Verzettelung...

    Irgendwer meinte hier im Thread, dass es doch nicht unbedingt schlimm sein muss, wenn man so viele verschiedene Interessen hat...ähm, naja, wenn man seinen Lebensunterhalt irgendwie verdienen will, muss man sich schon ein wenig auf eine berufliche Richtung beschränken. Find ich persönlich ziemlich doof. Aber was soll man machen...manchmal möcht ich mich einfach nur den ganzen Tag im Bett verkriechen, wenn ich daran denke, mich irgendwann in eine feste Form gießen zu müssen, einen geregelten Tagesablauf und Struktur haben zu müssen...ich kann mir das einfach überhaupt nicht vorstellen und bekomme Beklemmungsgefühle beim Gedanken daran, dass ich das irgendwann sein MUSS. Da wird eine riesige Verweigerungsmauer in mir hochgefahren.

    Weiß jemand von euch, wie man in diesem Leben zurechtkommt? Wie man alte "Baustellen" los wird und nicht Zeit seines Lebens mit schlechtem Gewissen wegen unerledigter Dinge rumläuft? Wo es das lauschige Plätzchen gibt, an dem ich nach Lust und Laune mal Schmetterlingen hinterherlaufen und mal den Lauf der Sterne berechnen darf?

    Bei so einem Chaos hab ich irgendwann einfach keine Lust auf gar nichts mehr - Verweigerung. Wenn so vieles zusammenkommt, wenn sich so vieles ansammelt, kann es ja irgendwann nur noch steckenbleiben, weil sich alles gegenseitig behindert. Wie werde ich diesen Müll los?

    Chamaeleon


    P.S.: Normalerweise schreibe ich anders, ich hoffe, es kann trotzdem irgendwer damit etwas anfangen. Und sorry für den langen Text.

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Die Mischung macht's...

    Hey Ihr

    @ Fusionist:
    Funktioniert Deine "ich mache das für andere"-Strategie auch langfristig oder überbrückst Du damit phasenweise mangelnde Motivation bei Dingen, die Dir selbst eigentlich wichtig sind?
    Bei mir stellt sich einfach nach einer gewissen Zeit eine grundsätzliche Unlust/Desinteresse an Dingen ein, die ich zunächst mit viel Elan begonnen habe. Wenn ich mir zu Beginn dieses Gefühls unsicher bin, ob es eine Phase oder grundlegend ist, überbrücke ich das auch zunächst, indem ich mir sage "mach's für den/die". Stellt sich aber heraus, dass es keine Phase ist, sondern es mir tatsächlich keinen Spaß mehr macht, dann bringt es mir nichts, für jemand anderen weiter zu machen und dann breche ich ab.
    So verfahre ich insbesondere bei Aktivitäten, die von sich aus kein klares Ende haben (Sportarten im Verein, Dein Gitarrenkurs usw.).
    Bei Dingen, die ein Ende haben (z.B. Weiterbildungen o.ä.) ziehe ich sie, je nachdem wie nah am Ende ich bereits bin, mit minimal nötigem Aufwand und Einsatz zum Ende durch.
    Das ist ein Weg, mit dem ich gut fahre, denn was habe ich davon, jemandem zuliebe etwas weiter zu machen, das mir selbst nichts mehr gibt (vorausgesetzt natürlich, ich schade keinem damit!)?

    @Chamaeleon:
    Im Vergleich zu Dir habe ich den großen Vorteil - und nur darauf bezog sich meine Aussage, dass man die Vielfalt auch genießen kann -, dass ich in einen Beruf selbständig bin, der von Natur aus sehr abwechslungsreich ist und mir viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet.
    Da auch das mir nicht ausreicht, lebe ich das, was mir fehlt in meiner Freizeit und gönne mir da durchaus den Wechsel.

    wenn man seinen Lebensunterhalt irgendwie verdienen will, muss man sich schon ein wenig auf eine berufliche Richtung beschränken. Find ich persönlich ziemlich doof. Aber was soll man machen...
    Muss man sich wirklich so festlegen, wie es Dir im Moment vorkommt?
    Für Dein Studium konntest Du Dich ja auch entscheiden und hast damit ja durchaus auch eine gewisse Richtung eingeschlagen und anderes dafür andere Möglichkeiten (erstmal) aufgegeben. Da ging das für Dich also - warum nicht beim Einstieg in den Beruf? Was hindert Dich da genau?
    Ich habe ein Studium gewählt und abgeschlossen, an dessen Ende ein ganz klares Berufsbild steht - viele Optionen gab es am Ende des Studiums also nicht.
    Schon während meines Studiums schwankte ich zwischen Zufriedenheit, weil ich ein klares Ziel hatte und der Angst vor Festlegung.
    Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich nichtmal annähernd so festgelegt bin, wie ich anfangs dachte.
    Es gibt völlig unabhängig vom gewählten Beruf zahlreiche Möglichkeiten für Weiterbildungen - und genau diesen Weg gehe ich jetzt.
    Mich interessiert so viel und ich habe sogar schon einen Beruf, der mich sehr ausfüllt. Aber ich habe weitere Interessen und Ideen für andere/zusätzliche Tätigkeiten.
    Die dafür notwendigen Kompetenzen und Qualifizierungen baue ich mir nach und nach durch Weiterbildungen auf.

    Natürlich kann ich nicht sagen, ob das für Dich der richtige Weg ist. Mir hat es aber geholfen, mir klar zu machen, dass die erste Entscheidung für einen Beruf nicht bedeutet, dass ich für den Rest meines Lebens festgelegt bin. Es ist ein Anfang, ein Schritt auf meinem Weg. Mein Ziel kenne ich selbst nicht so genau - nur eine sehr, sehr grobe Richtung. Ansonsten lasse ich mich auf meinem Weg gern überraschen - von Veränderungen, neuen Möglichkeiten und von mir selbst mit neuen Ideen und Interessen.
    Häufig fügen sich so plötzlich Dinge zusammen, die ich selbst vorher als völlig willkürlich und unzusammenhängend sah und bilden eine neue Möglichkeit.

    Liebe Grüße,
    Maya

  8. #18
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Die Mischung macht's...

    Maya schreibt:


    Muss man sich wirklich so festlegen, wie es Dir im Moment vorkommt?
    Für Dein Studium konntest Du Dich ja auch entscheiden und hast damit ja durchaus auch eine gewisse Richtung eingeschlagen und anderes dafür andere Möglichkeiten (erstmal) aufgegeben. Da ging das für Dich also - warum nicht beim Einstieg in den Beruf? Was hindert Dich da genau?
    Ich habe mich für mein Studium entschieden, weil ich MUSSTE. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich 5 Studiengänge gewählt. So aber habe ich nur 2 gewählt, um wenigstens ein paar Wahlmöglichkeiten zu haben - eine Studienrichtung hätte mich schon eingeengt. Während meines Studiums habe ich es genossen, unter so vielen verschiedenen Veranstaltungen wählen zu dürfen - es gibt ja innerhalb einer Studienrichtung auch einige Gestaltungsmöglichkeiten, außerdem die freien Wahlfächer, die man sich frei nach Schnauze zusammenstellen kann. Insofern war das nicht wirklich eine Festlegung.

    Was mich an der Festlegung beim Einstieg in den Beruf hindert:

    Ich habe ein Studium gewählt und abgeschlossen, an dessen Ende ein ganz klares Berufsbild steht - viele Optionen gab es am Ende des Studiums also nicht.
    Ich dagegen habe ein Studium gewählt, an dessen Ende überhaupt kein klares Berufsbild steht, sondern eine nicht einzuschätzende Anzahl an "Nischen". Wo soll ich da anfangen zu suchen? Das, was ich suche, steht nicht auf den Seiten des Arbeitsamtes und man kann es auch nicht googeln. Ich bin gerade dabei, überhaupt erstmal Worte dafür zu finden - meinem Wesen aber entspricht es eher, durch intuitives Handeln vorwärts zu kommen und weniger durch Festlegung auf Worte. Sollte eigentlich ein Vorteil sein bei einer solchen Suche, ist es aber (noch) nicht. Ich weiß erst, dass ich richtig bin, wenn ich richtig bin - wenn der Schlüssel ins Schloss passt. Nur - nochmal: Wo soll ich anfangen? Es gibt zu viele Schlüssellöcher.

    Ich habe Leute immer beneidet, die ein Studium wählen konnten, an dessen Ende ein klares Berufsbild steht. Ich konnte es nicht - nicht, weil ich mich nicht festlegen wollte, sondern weil mir die Fächer, die solcher Art sind, nicht liegen. Ich brauche eine große Bandbreite an Handlungsmöglichkeiten, keinen Job, in dem das meiste vorgegeben ist. Ich kann nicht Ärztin sein oder Anwältin. Wenn ich nicht genug gestalten darf, versiegt mein "innerer Lebensquell".

    Mein Problem ist also, dass ich nicht festgelegt bin, weil es in den Bereichen, in denen ich mich gerne tummel (kreative Bereiche wie Musik, Theater usw), nicht wirklich klare Berufsbilder gibt - außer "Lehrerin" (was ich schon allein wegen der Reizüberflutung nicht sein könnte) und "Profimusiker" (und das wäre mir doch zu eng gesteckt und mit zu viel Disziplin verbunden).


    Häufig fügen sich so plötzlich Dinge zusammen, die ich selbst vorher als völlig willkürlich und unzusammenhängend sah und bilden eine neue Möglichkeit.
    Das kenne ich ja auch (wer kennt es nicht), aber im Beruflichen funktioniert das irgendwie nicht. Ich habe zwei Strategien ausprobiert: Ich warte, bis mich das Schicksal mit einer unerwarteten Fügung überrascht UND ich suche selbst nach Zusammenhängen, nach einem Beruf, in dem ich wenigstens ein paar meiner Fähigkeiten einsetzen kann. Ich bräuchte schon einen, in dem ich an verschiedenen Stellen gefordert werde. Aber...bisher hat sich nichts ergeben und mit bisher meine ich seit 6 Jahren. Alles, was ich mir hätte vorstellen können, liegt am Ende eines harten Weges, den ich mit meinem ADS-Problem und fehlender Disziplin sicher nicht bis zu Ende gehen kann. Dagegen forderten alle Nebenjobs, die ich gemacht habe, nur ein bis zwei Fähigkeiten von mir und oft genug eine, die mir eigentlich nicht wirklich zu eigen war. Na zumindest hab ich dadurch mein Fähigkeiten-Repertoire erweitert (z.B. soziale Kompetenzen antrainiert).

    Aber insgesamt gesehen treffe ich immer nur auf Berufsbilder, die mich entweder überfordern oder unterfordern. In denen es zu viel oder zu wenig ist. Zu viel Stress, zu wenig Möglichkeiten, wenig Stress und zu wenig Möglichkeiten, viele Möglichkeiten, aber zu viel Stress....


    Hm, ich wollte gar nicht so viel schreiben...und so wirkliche Aussage hat das auch nicht. Ich lasse es trotzdem stehen, weil da schließlich auch Arbeit drin steckt und evtl. sogar doch eine kräftige Aussage.

    Liebe Grüße
    C.
    Geändert von Chamaeleon ( 8.05.2012 um 20:00 Uhr)

  9. #19
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Die Mischung macht's...

    Chamaeleon schreibt:
    Wo soll ich da anfangen zu suchen? Das, was ich suche, steht nicht auf den Seiten des Arbeitsamtes und man kann es auch nicht googeln. Ich bin gerade dabei, überhaupt erstmal Worte dafür zu finden - meinem Wesen aber entspricht es eher, durch intuitives Handeln vorwärts zu kommen und weniger durch Festlegung auf Worte. Sollte eigentlich ein Vorteil sein bei einer solchen Suche, ist es aber (noch) nicht. Ich weiß erst, dass ich richtig bin, wenn ich richtig bin - wenn der Schlüssel ins Schloss passt. Nur - nochmal: Wo soll ich anfangen? Es gibt zu viele Schlüssellöcher.
    [...]
    Ich habe zwei Strategien ausprobiert: Ich warte, bis mich das Schicksal mit einer unerwarteten Fügung überrascht UND ich suche selbst nach Zusammenhängen, nach einem Beruf, in dem ich wenigstens ein paar meiner Fähigkeiten einsetzen kann. Ich bräuchte schon einen, in dem ich an verschiedenen Stellen gefordert werde. Aber...bisher hat sich nichts ergeben und mit bisher meine ich seit 6 Jahren. Alles, was ich mir hätte vorstellen können, liegt am Ende eines harten Weges, den ich mit meinem ADS-Problem und fehlender Disziplin sicher nicht bis zu Ende gehen kann.
    Das von Dir Geschriebene verstehe ich so, dass Du eine (oder ein paar) Idealvorstellung(en) von einem Beruf hast, den Du ergreifen möchtest, die Realisierung aber langwierig wäre.
    Was ich mich dabei frage: warum fängst Du nicht erstmal klein und weniger ideal an und guckst mal, was dabei heraus kommt (vielleicht tust Du das ja schon, aber das konnte ich dem Geschriebenen bisher nicht entnehmen)?
    Ich selbst habe auch eine "perfekte-Welt-Vorstellung" von dem, was ich gern machen würde. Die lässt sich aber gerade (noch) nicht umsetzen. Das ist sehr schade, lässt sich aber leider nicht ändern - vielleicht irgendwann, aber sicher nicht jetzt. Das ist blöd und kurz habe ich mir dafür auch leid getan und fand die Welt höchst ungerecht und gemein.
    Allerdings kamen mir dann meine (manchmal sehr lästige, in diesem Fall aber äußerst willkommene) Impulsivität und Pragmatik zur Hilfe. Beides gepaart mit hunderttausend Dingen, die ich sonst noch interessieren, hab ich schnell was anderes gefunden, das mir (mindestens) genauso viel Spaß gemacht hat und das sich sofort umsetzen lässt.
    Die ursprüngliche Idee dessen, was ich gern machen würde, habe ich immer noch im Hinterkopf, aber da es sich grad eh nicht umsetzen lässt, brauch ich mir darüber auch nicht (mehr) den Kopf zerbrechen, sondern mache lieber etwas, das mir Spaß macht. Irgendwann wird sicher die Gelegenheit kommen, meine Vorstellung zu realisieren - vorausgesetzt, ich will dann überhaupt noch, denn wer weiß, was sich bis dahin alles spannendes Neues ergibt.
    Und wenn die Gelegenheit doch nie kommt? - Kein Beinbruch, denn ich mach ja auch so die ganze Zeit spannende Dinge, die mir Spaß machen.

    Aber insgesamt gesehen treffe ich immer nur auf Berufsbilder, die mich entweder überfordern oder unterfordern. In denen es zu viel oder zu wenig ist. Zu viel Stress, zu wenig Möglichkeiten, wenig Stress und zu wenig Möglichkeiten, viele Möglichkeiten, aber zu viel Stress....
    Hmm, einen Beruf zu finden, der immer nur toll und in jedem Punkt perfekt auf einen zugeschnitten ist, ist wohl eher schwierig.
    Aber muss das überhaupt sein?
    Klar, wir verbringen ziemlich viel Zeit im Beruf und von daher sollte der Job schon einigermaßen passen - letztlich ist es aber nur ein Teil des Lebens. Was im Job fehlt, kann man sich doch wunderbar durch entsprechende Hobbies und Aktivitäten ergänzen.
    Ich persönlich finde meinen Beruf ganz wunderbar und gehe (fast) jeden Tag sehr gern arbeiten. Das ändert aber nichts daran, dass für mich manche Aspekte im Job fehlen oder zu kurz kommen. Manche Fähigkeiten kann ich dort gar nicht einbringen. Dafür habe ich mir in meiner Freizeit andere Bereiche gesucht, in denen ich das nutzen kann, was in meinem Beruf nicht gefragt ist.

    Ich hab grad ziemlich Kopfschmerzen und kann deshalb nicht so richtig klar denken, hoffe aber, dass trotzdem irgendwie verständlich wird, worauf ich hinaus will...

    Schönes Wochenende,
    Maya

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