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Diskutiere im Thema Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe... im Forum ADS/ADHS und Hochbegabung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Morgenröte schreibt:
    Ich kenne das tatsächlich von mir selbst. Normalerweise habe ich keine Probleme mit Lesen (oder Rechtschreibung). Wenn ich aber unaufmerksam bin oder z.B. einen Schriftzug nicht aktiv lese, sondern ich ihn nur aus dem Augenwinkel "passiv" erfasse, dann lese ich manchmal ziemlichen Blödsinn. Dass der Asien-Shop zum Aisen-Shop wurde, ist da noch harmlos. Leider fällt mir gerade kein krasses Beispiel ein, wo ich dann ganz verdattert ein zweites Mal "aktiv" gelesen habe, um zu schauen, ob da wirklich steht, was ich gerade gelesen habe.

    Meistens hat sich dann herausgestellt, dass mein Gehirn tatsächlich einzelne Buchstaben oder Wortteile erfasst hat und den Rest des Wortes ergänzt hat. So ähnlich wie die automatische Wortergänzung auf dem Handy, nur dass ich mal den ersten Teil des Wortes erfasse, mal den hinteren, mal einzelne Buchstaben. (Falls Ihr die automatische Wortergänzung auf dem Handy noch nicht kennt: Probiert sie nicht aus! Da kommt wirklich absoluter Blödsinn raus!).
    hehe =)

    Ja, das Beispiel mit dem Handy ist gut, sogar sehr gut. Was soll der Zweck dieser Ergänzung beim Handy sein? Er ermöglicht ein schnelleres Tippen.

    Tja, was ist nun der Zweck der Aufmerksamkeit beim Lesen?

    Wraum knönt ihtr das trtozedm ertsuanilcehrewise gnaz gut lseen?

    Habt ihr dazu jeden Buchstaben erst einzeln an seine richtige Stelle sortieren müssen? Wie lange hätte sowas wohl gedauert?

    Die Frage ist immer inwieweit ist das normal. Wie gesagt, das sind Abstufungen und jeder gesunde Mensch wird das kennen. Bei manchen ADHSlern mag das so häufig passieren dass sie Probleme haben überhaupt etwas zu lesen oder zu schreiben =) Danke für deine Antwort

  2. #12
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Ermöglicht ein schnelleres Tippen?

    Nein. Wenn man "Brasserie" schreiben will, kommt man nur bis "Bra", und schon hat die Wortergänzung eine Bratwurst draus gemacht. Und dann braucht man wesentlich länger, um dieses Wort wieder zu löschen, und erst beim 6. Versuch kann man "Brasserie" schreiben, weil das Autoprogramm immer wieder stur eine Bratwurst draus macht. Letztlich braucht man wesentlich mehr Zeit, um eine vernünftige und verständliche sms zu schreiben, als wenn man die Wortergänzung ausstellt.

    OT Ende.

    Ich denke, ein Faktor beim Lesen ist auch die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der man den Text erfassen kann. Irgendwo habe ich einmal gehört, dass es unterschiedliche Lesetypen gibt.

    Die einen lesen Buchstaben für Buchstaben bzw. Silbe für Silbe und brauchen daher sehr lange, um einen Text zu lesen und sinnerfassend zu verstehen.

    Andere erfassen ein ganzes Wort oder sogar mehrere Wörter mit einem Blick, weil sie das Schriftbild erfassen und mit bereits bekannten Schriftbildern abgleichen. Das braucht wesentlich weniger Zeit, d.h. Texte können leichter sinnerfassend aufgenommen werden. Allerdings kommen diese Leser schnell aus dem Konzept, wenn die Optik nicht mehr stimmt.
    Mir geht es z.B. so, wenn Texte ausschliesslich in Kleinbuchstaben geschrieben sind. (Bitte jetzt nicht persönlich nehmen und verunsichern lassen, falls sich jetzt jemand angesprochen fühlen sollte! Mir ist bewusst, dass manche von euch Probleme mit Rechtschreibung etc. haben, deshalb sehe ich es in diesem Forum als normal an, dass jeder so schreibt, wie er / sie es am besten kann!)

    Ich kann mir vorstellen, dass je nach Lesetyp unterschiedliche Probleme entstehen können.

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 87

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    "Die einen lesen Buchstaben für Buchstaben bzw. Silbe für Silbe und brauchen daher sehr lange, um einen Text zu lesen und sinnerfassend zu verstehen."

    da hast du deine erklärung.
    das konzentrationsproblem spielt beim lesen nur eine rolle,
    wenn ich buchstabe für buchstabe lese.
    wenn ich allerdings das ganze wort erfasse,
    spielt die aufmerksamkeit keine große rolle mehr.


    ist nur die frage,
    woher das buchstabe-für-buchstabe-lesen kommt.

  4. #14
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 806

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    hallo

    hab schon mal nen langen text erfasst für hier, wieder gelöscht ... sorry geht grad nicht gut zum schreiben später mehr vielleicht

    aber: ich lese wort für wort, und habe manchmal wortsalat! aufmerksamkeit spielt ne rolle, definitiv!

    mit mph kann ihc auch gross-klein-schreibung! und rechtschreibung,

    normal geht auch ohne, aber nicht im rebound!
    boaaah mann, dieses hirn

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 409

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Hallo Hypocampus,

    ich verstehe nicht ganz was du da jetzt genau für eine überwältigende Idee hast? Also kann das irgendwie nicht genau herauslesen.

    Meines Erachtens möchtest du anhand eines Lesen/Schreiben Testes ADHS diagnostizieren? Wie stellst du dir das denn vor?

    lg Sandra


    Ach nochwas: Wo wohnst du denn bzw. welchem leitenden Professor möchtest du das denn vorstellen? Da muss man ja auch erstmal einen Termin bekommen...
    Geändert von Sandra (27.10.2011 um 21:02 Uhr)

  6. #16
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 564

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Also, das klingt irgendwie spannend, deine Gedanken ... so ganz folgen kann ich dir aber nicht, was vielleicht an mir liegt. Ich habe mir jetzt alles durchgelesen.

    Ich für meinen Teil kann sagen das ich schon Rechtschreibprobleme in der Kindheit hatte und auch immernoch habe.

    Versteh ich dich jetzt richtig, das es deine Idee ist wenn du sagst wir AD(H)Sler können unwichtiges nicht vom wichtigen trennen? Aber das ist doch nicht neu oder bekomm ich jetzt alles durcheinander ?

    Und du arbeitest jetzt an einer Testung?


    Falls das jetzt so gar nicht hierher passt, dann ...ignorieren.

  7. #17
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Eine eierlegende Wollmilchsau ist schwer zu erlegen.
    Da zerbricht man sich das Hirn über Jagdmethoden und
    dann ist dieses Biest über alle Berge.
    Läuft es dann einem über den Weg, dann hat man seine grandiose Idee
    wie es zu erlegen sei wieder vergessen.
    Mist, aber auch.

    LG --hirnbeiß--

  8. #18
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Morgenröte schreibt:
    Ermöglicht ein schnelleres Tippen?

    Nein. Wenn man "Brasserie" schreiben will, kommt man nur bis "Bra", und schon hat die Wortergänzung eine Bratwurst draus gemacht. Und dann braucht man wesentlich länger, um dieses Wort wieder zu löschen, und erst beim 6. Versuch kann man "Brasserie" schreiben, weil das Autoprogramm immer wieder stur eine Bratwurst draus macht. Letztlich braucht man wesentlich mehr Zeit, um eine vernünftige und verständliche sms zu schreiben, als wenn man die Wortergänzung ausstellt.

    OT Ende.
    Nein nein. Nein! Ich muss dazu nochmal was schreiben, das fliegt mir schon die gesamte Zeit auf dem Nachhauseweg im Kopf herum.

    Also nochmal zur Erinnerung:

    Morgenröte schreibt:
    Ich kenne das tatsächlich von mir selbst. Normalerweise habe ich keine Probleme mit Lesen (oder Rechtschreibung). Wenn ich aber unaufmerksam bin oder z.B. einen Schriftzug nicht aktiv lese, sondern ich ihn nur aus dem Augenwinkel "passiv" erfasse, dann lese ich manchmal ziemlichen Blödsinn. Dass der Asien-Shop zum Aisen-Shop wurde, ist da noch harmlos. Leider fällt mir gerade kein krasses Beispiel ein, wo ich dann ganz verdattert ein zweites Mal "aktiv" gelesen habe, um zu schauen, ob da wirklich steht, was ich gerade gelesen habe.

    Meistens hat sich dann herausgestellt, dass mein Gehirn tatsächlich einzelne Buchstaben oder Wortteile erfasst hat und den Rest des Wortes ergänzt hat. So ähnlich wie die automatische Wortergänzung auf dem Handy, nur dass ich mal den ersten Teil des Wortes erfasse, mal den hinteren, mal einzelne Buchstaben. (Falls Ihr die automatische Wortergänzung auf dem Handy noch nicht kennt: Probiert sie nicht aus! Da kommt wirklich absoluter Blödsinn raus!).
    Vielleicht hast du ja das "Gleichnis" mit den Kieseln und den Diamanten von mir oben gelesen. Ich will das an diesem Beispiel erläutern.

    Verstehst du, ich habe mich da inzwischen auf Basis eines Riesenstapels an Fachliteratur - vielleicht 200 Seiten insgesamt? - sehr tief in die Materie eingelesen und bekomme so langsam eine Ahnung worum sich das alles dreht.

    Ich weiß, wie das Lesen funktioniert, ich kenne inzwischen die Theorien in der Fachliteratur zum Theme Leseschwächen.

    Und dann lese ich dass du deine Verpeiltheiten beim Lesen schilderst. Dann machst du einen sprunghaften, scheinbar sinnlosen Themensprung zur Textautomatik von Handys und wie fehleranfällig der ist.

    Nun, das ist soetwas dass dir jeder Normalo, ja auch jeder unwissende Leser als chaotische Gedankensprünge auslegen würde.

    Aber ich meine, ich habe gerade verstanden, was da wirklich passiert.

    Zum Lesen nochmal zurück:


    So wie ich das Ganze momentan überblicke, so hast du den Nagel mit diesem Vergleich exakt auf den Kopf getroffen ohne es zu bemerken.

    Wie funktioniert das Lesen denn nun wirklich? Du registrierst nicht wirklich nur "W-o-r-t. Wort." Das ist nur beim Erlernen so. Hast du mal Kinder beim Lesen gehört? Wie lesen die? Langsam. Ungefähr genau so wie mein Beispiel hört sich das an. Irgendwann jedoch lernen sie das zu beschleunigen.

    Wie?

    Sie haben ein zunehmend umfangreicheres Wörterbuch in ihrem Gehirn geschrieben. Und was jetzt passiert ist: Ein Wort muss nicht mehr Buchstabe für Buchstabe in der richtigen Reihenfolge wahrgenommen werden. Wir gucken kurz auf ein Wort und nehmen die Gesamtstruktur wahr. Du siehst nicht "W-a-h-r-n-e-h-m-u-n-g" Du siehst "Wahrnehmung".

    Das Ganze beruht quasi auf exakt denselben Prinzipien wie das genannte Handywörterbuch, so absurd das nun mal klingen mag. Bevor wir jeden Buchstaben einzeln begutachtet haben, trifft unser Gehirn eine Vorentscheidung, was diese Struktur darstellen könnte. Und sobald es genug Informationen gesammelt hat bekommt es aus deinem Wörterbuch bevor (!) jeder Buchstabe einzeln angeschaut wurde die Information: Es ist folgendes Wort.

    Jemand mit Dyslexie, also Lese-Rechtschreibschwäche hat folgendes Problem: Diese flüchtige Begutachtung der Form ist bei ihm stark störanfällig. Er kann nicht genau entscheiden, welchen Merkmalen des Wortes er nun Aufmerksamkeit (!) schenken soll um eine schnelle, bzw. möglichst richtige Information aus seinem Wörterbuch nun abzurufen.
    Das entscheidende Merkmal: Er würfelt Informationen durcheinander. Er kann die Position von Buchstaben nicht einordnen. Die darumstehenden Buchstaben irritieren seine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche quasi, er würfelt Informationen unbemerkt durcheinander.

    Na, kommt dir das irgendwoher bekannt vor? Ohne es zu merken Informationen, Gedanken, Erinnerungen in den falschen Zusammenhang zu setzen und dann erst den Fehler zu merken wenn seine Auswirkung offensichtlich wird?
    Du könntest schwören, der Termin war um halb 7 nicht um halb 8?
    Ein ganz typisches Beispiel von mir persönlich - ich verwechsele ständig Uhrzeiten miteinander, die man als zwei Ziffern alternativ ausdrücken kann. War es nun 18:30 oder war es 19:30? Habe ich mir nun halb 7 oder halb 8 gemerkt? Ich erinnere mich an etwas mit "halb" in kombination mit "acht" - war es nun die Acht in den 18:30 oder die in "halb acht"? Das ist derselbe Prozess - Fehler kommen von irgendwoher und verschieben die Wahrnehmung ohne dass es bemerkt wird - bis du deinen Termin verschlafen hast oder nochmal drüber nachdenkst.

    Aber: Wie du das Wort "Wahrnehmung" nicht bewusst als Summe deiner Beobachtungsprozesse wahrgenommen hast, so merkt auch der Betroffene der Leseschwäche diese einfließenden Fehler beim Wortverständnis nicht. Er sieht da in jenem Moment konkret etwas anderes stehen als du. Und nur wenn er sich sehr genau darauf konzentriert, das Wort Buchstabe für Buchstabe auseinandernimmt, dann kann er dir sagen was dort steht - aber das ist langsam.

    Nun, die Handywörterbücher sind quasi die Dyslektiker unter den technischen Umsetzungen - simulierte Leserechtschreibschwäche wenn du so willst. So ähnlich wirst du dir die Wahrnehmung eines Betroffenen vorstellen können - mit Ausnahme dass niemand im Kopf sitzt, der sich darüber aufregt dass da nicht rauskommt was er eigentlich schreiben wollte. Und mit der Ausnahme dass diese Fälle der frühen Lese-Rechtschreibschwäche erst garkein vernünftiges Wörterbuch aufbauen können - dazu müssten sie den Prozess ja ohne Fehler bereits beim lernen durchführen können.
    Der sich aufregende Part sitzt dann daneben am Tisch als Elternteil und regt sich darüber auf wieso das Kind denn zu dumm ist vernünftig zu schreiben...


    Um nun endlich auf den Teil des zu Beginn angesprochenen Gleichnisses zu sprechen zu kommen - du kannst das wenn du willst auch auf deine Antwort abstrahieren.

    Deine Antwort ist eine typische ADHSler Antwort. Sie hat nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun. Natürlich war das Zufall.

    War es das wirklich?

    Ich möchte hier die Behauptung aufstellen, dass sich genau dort der Knackpunkt offenbart, der eine Schwäche zur Stärke machen kann wenn man es denn richtig macht.

    Wenn du so willst gilt das Beschriebene nicht nur fürs Lesen. Dieser Prozess, unbemerkt unwichtige vs. wichtige Informationen abzuwägen und ihnen anhand diesem Bewertungsprozess der Wichtigkeit entsprechen den Zugang ins Bewusstsein zu ermöglichen ist ein ständig aktiver Prozess, der in allen Menschen geschieht. Es ist in meinen Augen genau jener Prozess der Gewichtung zwischen "dies ist nun wichtig" zwischen "jenes ist doch wichtiger" (ein wie gesagt vollkommen unbewusster Vorgang, nicht mit Gedanken verbunden - Ausgang jedes Konfliktes mit "Normalos" weil sie niemals verstehen wie du BEWUSST so dumm handeln konntest).

    Und bei uns ist genau jener unbewusste Prozess der Gewichtung von Informationen fehlerbehafteter als bei anderen. Es fließen mehr unwichtige, unbewusst als wichtig eingestufte Informationen in unser Verhalten ein als bei einem Gesunden. Man könnte jene Zusatzinformationen von irgendwoher auch zeitweise als "Intuition" betrachten, weil sie von einem unbewussten Prozess kommt.

    Sprich: ADHSler sehen die Welt fehlerbehafteter. Das ist die eine Seite der Medaille.

    Aber: Sie sehen gleichzeitig mehr, nämlich auch die Fehler.


    Wo ist daran etwas Gutes?

    Nun, bei all dem Scheiß den man sich als ADHSler im Leben so geben muss - es gibt ihn wirklich - den kleinen Vorteil, den wir dadurch haben. Und das ist genau dieser unbewusste, fehlerhafte Entscheidungsprozess was wichtig für uns erscheint, denn nicht alles davon ist wirklich unwichtig.Denn wir sehen mehr als Gesunde. Wer sagt uns, dass die Entscheidung unseres Gehirns immer gut ist, was nun gerade wichtig ist, wenn wir nie Gelegenheiten haben darüber nachzudenken?

    Verstehst du - ein Nicht-ADHSler wäre vermutlich eher nicht auf die Idee gekommen, diese Parallele zum Handywörterbuch zu ziehen. Sein Gehirn hätte bevor diese Assoziation überhaupt bewusst geworden wäre beschlossen: "Stopp, hat hier nichts an dieser Stelle zu suchen, momentan unwichtig zurück an seinen Platz, on-topic plz!!!"

    In der Regel wirst du es nicht bemerken - du weißt ja nicht woher die Assoziation kommt. Deine "normale" Umwelt wird es nicht bemerken - weil sie den Gedanken eh als weit hergeholt empfindet.

    Nicht immer hast du da jemanden wie mich, der weiß, wie die Dinge funktionieren. Der dir sagen kann "Deine unbeabsichtigte Assoziation war schon ganz richtig".

    Das was du hier geschrieben hast könnte in meinen Augen ein Ausdruck genau eines solchen, assoziativen Talentes sein, dass diese Krankheit mit sich bringt. Dein Gehirn hat insgeheim gerade deine Erinnerungen durchwühlt und grobe Ähnlichkeiten zwischen zwei Beobachtungen entdeckt. Weil du den Zusammenhang nicht einordnen konntest hast du es einfach grundlos in den Raum gequatscht. In Wirklichkeit hast du mit deinem thematischen Abschweifen jedoch tatsächlich nur Parallelen aufgezeigt, die du unbewusst zwischen einem Handy-Wörterbuch und deinen falsch gelesenen Wörtern gezogen hast. Parallelen die so subtil sind, dass sie einem als vollkommen zusammenhanglos erscheinen mögen.

    Sind sie aber nicht, ich kann es in diesem Falle bezeugen. Und ich glaube, dass unsere Gedankensprünge nicht vollkommen zufällig sind, sie haben eine Ursache, die uns nicht bewusst ist.

    Ich weiß nicht ob das ankommt was ich ausdrücken möchte.

    Ihr könnt ja mal Feedback geben, ob ihr verstanden habt was ich ausdrücken wollte.

    P.S.: Wenn ihr wüsstet, wie oft ich diesen Text korrigieren musste, weil offensichtlich meine Gedanken während der Formulierung eines Satzes in der Grammatik herumspringen...
    Geändert von hypocampus (27.10.2011 um 22:46 Uhr)

  9. #19
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Sandra schreibt:
    Hallo Hypocampus,

    ich verstehe nicht ganz was du da jetzt genau für eine überwältigende Idee hast? Also kann das irgendwie nicht genau herauslesen.

    Meines Erachtens möchtest du anhand eines Lesen/Schreiben Testes ADHS diagnostizieren? Wie stellst du dir das denn vor?

    lg Sandra


    Ach nochwas: Wo wohnst du denn bzw. welchem leitenden Professor möchtest du das denn vorstellen? Da muss man ja auch erstmal einen Termin bekommen...
    Den Termin hole ich mir noch, nachdem ein perfekt ausgearbeitetes Konzept steht, mein Arzt kennt den Herrn Professor persönlich und sagte mir ich solle ihn mal unter Erwähnung seines Namens anschreiben und um einen solchen Termin zur Vorstellung der Idee beten. Ich nehme diese Reaktion meines Arztes auf meine Präsentation mal so, dass ich hier nicht eine totale Spinnerei verkaufen möchte.


    Nein, von der eigentlichen Thematik mit der ich mich beschäftige werde ich hier nicht schreiben. Ich mag das vielleicht etwas übervorsichtig und zu hochmütig angehen aber im Endeffekt habe ich all das nur deswegen entwickeln können, weil ich einer der Sonderfälle mit Fachwissen und ADS zugleich bin. Ausschlaggebend war eine Beobachtung an mir selbst im Zusammenhang mit MPH, die man in dieser Form sozusagen nur als Betroffener machen kann. Mit der LRS hat das quasi nichts zu tun. Meine Ausführungen dazu sind ein Nebeneffekt ausführlicher Recherche, sonst nichts.

  10. #20
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 806

    AW: Ich glaube inzwischen es ist eine Gabe...

    Ich fahre regelmässig zu meinen Therapiesitzungen in einem kleinen Kaff unweit von Zürich. An dem betreffenden Tag hatte ich meine blöden Pillen ein Bisschen später genommen, vergessen. So musste ich wohl oder übel in meinem normalen verwirrten Zustand losfahren. Wie immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Fahrt dauert ziemlich genau eine halbe Stunde. Nun gut, dachte ich, dann wirken die Medis erst wenn ich Da bin, das muss jetzt auch so gehen!

    Um zu meiner Therapeutin in A zu kommen, muss ich zuerst den Bus Richtung Zürich nehmen. In B muss ich dann umsteigen, wo mein erster Bus vor der Garage auf der grossen Platz anhält. Der Bus Richtung A fährt normalerweise auf der gegenüberliegenden Strassenseite, bei einem Wartehäuschen mit Sitzbank und Fahrplan.

    Als ich, noch ohne ausreichend Dopamin in den Synapsen ausstieg, sah ich plötzlich: da war eine Baustelle! genau vor dem Wartehäuschen! Bauarbeiter, Absperrungen, fauchende und zischende Maschinerie. Ich war geschockt, durcheinander, keine Ahnung wo ich mich nun hinstellen musste, um rechtzeitig zur Therapie zu kommen. Panik stieg auf. Ich beschloss, erst mal auf die andere Strassenseite zu gehen, ohne dabei überfahren zu werden.

    Ich ging zu besagtem Wartehäuschen und sah: da war keine Infotafel! Gleich nochmals ne Runde Nervenstress ...

    So musste ich also einen der herumstehenden Bauarbeiter fragen. Der sagt etwas unverständliches, ich "wie bitte?" er drehte sich weg.

    Netterweise hatte ein gleich daneben stehender anderer Arbeiter meine Frage auch gehört, und erklärte mir, dass sein Kollege gerade am Handy telefonierte, was mir völlig entgangen war.

    "Der Bus hält entweder dort, nur ein paar Meter die Strasse runter, gleich bei der Ampel, oder aber gegenüber, bei der Garage".

    Da erst sah ich die Tafel mit der grossen Aufschrift: Ersatzhaltestelle. Bedankte mich bei dem netten Mann und marschierte zu Ampel und Tafel.

    Las die Infos darauf: "Bus nach C". Das war aber nicht meiner! ich musste doch nach A!

    Zum Glück, dachte ich, steht da noch jemand, ein bärtiger, rauchender Typ mit Anzug und Schlips.

    "Guten Tag! Fahren Sie auch nach A?" fragte ich ihn, ganz normal und höflich.

    "Ja."

    "Sind Sie sicher, dass der Bus hier hält?"

    Er sah mich an, als wäre ich die Vollidiotin, die gerade aus dem nahe gelegenen Heim für geistig Behinderte weggelaufen war.

    "Da steht doch: Ersatzhaltestelle! deutlich, Deutsch, weiss auf blau!"

    Na gut ... wo er recht hat, hat er recht, dachte ich, wandte jedoch ein: "aber da steht doch nur der andere Bus, der nach C drauf, ausserdem hat der Bauarbeiter gesagt ... "

    Keine Chance, der Typ begriff einfach mein Problem nicht. "Ersatzhaltestelle, da!" sagte er, wurde arrogant-ärgerlich und meinte "Sie haben mich gefragt, ich habe Ihnen eine Antwort gegeben. Punkt!"

    Ich ging ein paar Schritte weg, mühevoll meine aufwallenden Emotionen bezwingend. Nach 20 Metern hörte ich seinen Ruf: "Fräulein!" - Mann, in welchem Jahrhundert lebst du? - ich drehte mich um, und sah, dass unser Bus kam. Natürlich hatte der Unsympathling recht behalten, er hielt genau bei der Tafel.

    Nach einigen Minuten ruhigem durchatmen, und nachdem meine Tabletten endlich zu wirken begannen, legte sich die Wut auf den A... ein Bisschen, und ich war in der Lage zu reflektieren und zu analysieren ...

    Eigentlich war das doch ein typisches Beispiel für die unterschiedliche Wahrnehmung und deren Umsetzung von ADHS-lern und Stinos!

    Ich war von den vielen Eindrücken der Baustelle völlig überrumpelt, unfähig die Informationsflut zu sortieren. Danach entgingen mir sowohl die Tafel mit der Aufschrift "Ersatzhaltestelle" als auch das Telefon in der Hand des ersten Arbeiters.

    Bei der Ersatzhaltestelle schliesslich dachte ich viel zu weit und war nicht in der Lage, den Anweisungen maschinengleich zu folgen, ohne mir bereits mögliche Szenarien von Bus-Verpassen vorzustellen und mich über die schlechte Information seitens der Verkehrsbetriebe aufzuregen, und den Typen dann natürlich auch noch.

    Er aber machte es sich, in seiner ganzen Schlichtheit, sehr einfach und dachte: Na, wenn da Ersatzhaltestelle steht, dann ist das so, ich gehorche.

    Jahrelang habe ich geglaubt, ach was, ich war überzeugt davon, dass ich dumm sei. Genau wegen solchen Dingen. Mit dem zwischenzeitlich angehäuften Wissen über ADHS aber beginne ich nun einzusehen, dass mein Hirn nicht eigentlich "dümmer" ist, sondern es funktioniert einfach anders. In dieser Situation, und in vielen anderen, ist der Stino im Vorteil, denn er wird nie den Bus verpassen, während der ADHS-ler wieder mal zu spät zur Sitzung kommt (ist ja nicht passiert, zum Glück).

    In einem anderen Umfeld, einem kreativen oder wissenschaftlichen beispielsweise, wenn es darum geht, weiter zu denken, nicht einfach dem zu folgen was an weiss auf blau Geschriebenem zur Verfügung steht, dann ist er, der Stino, der Idiot. Der Ärmste wird wohl immer pünktlich und aufregungslos an seinem immer gleichen Ziel ankommen. Tag für Tag, bis an sein Lebensende. Der ADHS-ler aber, der ist in der Lage, das Aussergewöhnliche zu sehen, die Ausnahmen und Unregelmässigkeiten, die Fehler im System und in den Denkweisen. Und möglicherweise - mit sehr viel Anstrengung, Elan und Willen, wird er dadurch in der Lage sein, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Welt ein Stück weit zu verändern.

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