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Diskutiere im Thema AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?! im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 54

    AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo, ihr liebenswerten "Chaoten",

    ich habe hier mal eine Antwort auf einen Bericht von mir "separat" veröffentlicht, weil mich eure Meinung interessiert.

    Bin ja auch noch neu hier und mache mir Gedanken darüber, was ist "Leben" und was davon wirklich AD(H)S-beeinflusst.

    Aber sind die Dinge nicht oft auch anders erklärbar, als "das ist AD(H)S"?

    Ist das ein "Name" den man aufklebt?

    Ist das wirklich ein so ein Problem, welches man nicht weiß, wie man es dem Partner beibringt? Kennt ihr das auch?

    Bin sehr auf die Antworten gespannt.

    Liebe Grüße
    Kristy

    ***

    Hallo, ich bin´s wieder ...

    ...habe gerade in der Wanne gelegen und noch mal über deinen Bericht nachgesonnen.

    Habe mich gerade gefragt, ob das Thema AD(H)S bzw. die Diagnose nicht doch manchmal auch ein bisschen überbewertet und überstraphaziert ist.

    Natürlich kommt es immer auf den Leidensdruck an und sicher hat der eine oder andere sicherlich auch Erfahrungen und Erlebnisse gehabt, die ich nicht kenne oder die ich so nicht habe.

    Ich meine, ich frage mich, ob nicht unabhängig von ADS grundsätzlich die Dinge ausgesprochen werden müssen.

    Wenn es Schwierigkeiten in einer Beziehung gibt, wenn man der Meinung ist, - mit mir ist es nicht so einfach, oder so - dann wäre es trotzdem notwendig darüber zu sprechen.

    Ich bin inzwischen 47 und habe den größen Teil meines Lebens als Single gelebt. Bei mir war es so schlimm, dass ich immer, wenn es ernst wurde, einen Rückzieher gemacht habe.

    Es war einfach nie das Richtige!

    Mit 32 habe ich eine Psychoanlalyse gemacht und festgestellt, dass der Grund, warum ich so lange keine Beziehung eingehen konnte nicht etwa an meiner erst vor kurzem erstellten Diagnose AD(H)S lag, sondern an der Beziehung meiner Eltern zueinander. Das eine feste Bindung, nachdem was ich bei meiner Mutter gesehen habe, so für mich nie in Frage gekommen ist.

    Ich weiß nicht, ob ich mich klar ausdrücke. Aber das ich keine Beziehung eingehen konnte lag meines Erachtens nicht am AD(H)S - sondern an dem was mir vorgelebt wurde.

    ...um es auf dein Problem zu bringen, ...es war ausgesprochen schwierig mit mir zusammen zu sein.

    Darüberhinaus hatte ich in Beziehungen selbst sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Hatte als 17jährige einen Freund der mich brutal geprügelt hat.

    Aber für mich war das fast normal, weil ich einen sehr autoritären Vater hatte, der uns Kinder auch geschlagen hat. Also dachte ich, das muss vielleicht so sein.

    Mangelndes Selbstvertrauen habe ich nicht durch AD(H)S, sondern davon, dass mir ein Vater ein lebenlang gesagt hat, dass ich nicht tauge, nichts bin und nichts werde erreichen können im Leben.

    Welch ein Wunder, dass ich heute Depressionen habe - und sie schon länger habe, wie ich für mich kürzlich erkannt habe.

    Was ich meine ist, dass es für viele Verhaltensweisen auch "natürliche" Erklärungen gibt.

    Und wenn ich von Hause aus mehr gefördert und unterstützt worden wäre, wären wahrscheinlich auch meine Leistungen nicht so schlecht gewesen. Die einzige "Hilfe" war Strafe. Ist es da ein Wunder, dass ein Kind, welches Angst hat, nicht gut lernen kann?

    Ich habe mich als Kind schon durchkämpfen müssen - lag das an AD(H)S?

    Lag es daran, dass meine Eltern vielleicht AD(H)S hatten?

    Was ich für mich als AD(H)S-Folge immer wieder hier gefunden habe ist, dass "wir" es alles ein wenig mehr und intensiver tun.

    Aber ist das immer schlimm?

    Vielleicht ist es gar nicht so vorrangig wichtig, deinem Freund das AD(H)S zu beichten, als viel mehr zu sagen, ich habe hier und da ein Defizit - ich brauche Liebe, Verständnis und ein bisschen Hilfe von dir.

    Bei mir ist es so, dass ich nur sehr schwer Ordnung halten kann. Es kostet mich sehr viel Mühe und Überwindung meinen Haushalt zu erledigen. Das war auch immer ein großes Problem in meinen früheren Beziehungen.

    Was ich meine ist, man muss über diese Schwäche sprechen, nicht über AD(H)S in dem Sinne.

    Wie siehst du das?

    Liebe Grüße
    Kristy

    P.S.: Ich werde meine Antwort hier mal als Beitrag einstellen. Würde mich interessieren, was die anderen "Chaoten" dazu sagen.

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 735

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Also ich empfinde diese AD(H)S Geschichte als Art Schutz.
    Als Schild: "Stop, ich definiere mich anders. Sei vorsichtig. Sei behutsam.
    Sei menschlich. Ich bin empfindsam. Meine Denk - und Gefühlsstrukturen
    sind anders geartet."

    Handle with care.

    Für mich. Im Inneren.
    Ich erzähle das ja eh keinem.

    Ganz ehrlich, ich bin der festen Überzeugung, das ich ohne diese "Anlage",
    dieses SoSein schon längst verzweifelt wäre. Im Gefängnis sitzen würde,
    oder tot. -
    Für mich ist diese "Anlage" einfach eine Erklärung, keine Rechtfertigung.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    Mit dem Rest muss ich klarkommen, das kann mir keiner abnehmen.

    Im grossen und ganzen: Schon okay.

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.633

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Genau genommen ist es unterbewertet.

    Und, man höre und staune, der stärkste Unterbewerter von ADHS und ihren Folgen, ist weder die Gesellschaft, noch die Medien, noch die Psychiater, die sich in aller Regel damit nicht auskennen u.s.w.

    Der stärkste Unterbewerter von ADHS, ist der ADHSler.

    Es gibt da - jedenfalls am Anfang - vor Beginn von Diagnose und Therapie so eine Tendenz, das "Problemchen" herunterzuspielen.

    Übel nehmen kann man des aber niemand. Des ist so eine Art lebenslang antrainierter Schutzmechanismus, die Probleme wegzuschieben, beliebteste Varianten sind a) Scheiss Lebenspartner, b) Scheiss Arbeit und c) Scheiss Gesellschaft.

    In anderen Worten: "Verrückt" sind die anderen.

    Aber des gibt sich mit der Zeit, wenn die wirkliche Auseinandersetzung anfängt.

    Des kommt so sicher wie des Amen in der Kirche.

    Es sei denn man steckt auf und gibt sich erstmal geschlagen.

    Des heisst, viele gehen nach der Diagnose und ersten, teils noch unzureichenden Therapieversuchen, erst mal auf Tauchstation. Um der anstehenden Trauerarbeit erst mal auszumweichen.

    Des ist auch o.k.

    Aber no koi Panik, sie kommen alle wieder.

    Des mit dem sich selber aus dem Wege gehen und sich alle übrigen Sachen schönzureden, klappt nämlich ned auf Dauer.


  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 78

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Eiselein schreibt:
    beliebteste Varianten sind a) Scheiss Lebenspartner, b) Scheiss Arbeit und c) Scheiss Gesellschaft.
    a) kenn ich auch, davon hatte ich einige, deswegen hab ich ja auch die meisten abgeschossen...
    b) hatte ich auch schon, kann ich aber auch 1:1 auf meine Schulzeit übertragen - nicht umsonst hab ich die Schule einmal abgebrochen
    c) sowieso, in mir steckt ja eh eine große Revoluzzerin

    Eiselein schreibt:
    In anderen Worten: "Verrückt" sind die anderen.
    Genau so ist es! Nein, ernsthaft... das denk ich seit Jahren, wenn ich mir manche Leute so anschaue....

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 51

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo Kristy, zu deinen Fragen fallen mir so viele Antworten ein, vielleicht schaffe ich es ja einigermaßen verständlich über die Tastatur zu bringen (sortieren ist momentan nicht meine Stärke).

    Überbewertet wird AD(H)S meiner Ansicht nach oft von Leuten, die es nicht haben. Die sind auch schnell dabei und meinen, bloß kein Ritalin, sind doch alles Drogen. Mich macht diese Einstellung immer wieder wütend.
    Ich selbst habe schon lange den "Verdacht" gehabt, dass ich vielleicht ADS habe, meinte aber immer, sowas hab ich doch nicht wirklich....

    Aber das ich keine Beziehung eingehen konnte lag meines Erachtens nicht am AD(H)S - sondern an dem was mir vorgelebt wurde.
    Sicher hast du damit auch recht, und manche meinen ja auch, in einer glücklichen Umgebung hat man kein ADS. Aber ich bin sicher, dass eine glückliche Umgebung es einem ADS-ler leichter macht, besonders in der Kindheit. Vielleicht ist das ADS bei meinen Töchtern deshalb nicht so sehr ausgeprägt, denn ich habe zumindest versucht, es ihnen so schön, so leicht wie möglich zu machen.

    ...es war ausgesprochen schwierig mit mir zusammen zu sein.
    Wir sind wie wir sind, Kristy!! Wenn es den Menschen zu schwierig ist mit dir, dann versuch sie aus deinem Umkreis zu entfernen. Sie sind dich nicht wert!

    Ich bin auch nicht sehr "pflegeleicht"... ein guter Freund meinte mal, Feinwaschmittel wirken bei mir nicht, es müsse schon die Kochwäsche sein, aber die würde mir ja wieder wehtun.... aber das nur am Rande...

    Ich habe mich als Kind schon durchkämpfen müssen - lag das an AD(H)S?

    Lag es daran, dass meine Eltern vielleicht AD(H)S hatten?
    Es lag wohl eher an deiner Umgebung, aber das ADHS hat es dir nicht leichter gemacht. Und ich denke, einige unserer Eltern haben oder hatten wohl ADS, aber vielleicht irre ich mich da auch .... meine Mutter hat auf jeden Fall ADHS... heute weiß ich das.

    Was ich für mich als AD(H)S-Folge immer wieder hier gefunden habe ist, dass "wir" es alles ein wenig mehr und intensiver tun.
    Das kann ich genauso unterschreiben und finde es auch überhaupt nicht schlecht.

    Bei mir ist es so, dass ich nur sehr schwer Ordnung halten kann. Es kostet mich sehr viel Mühe und Überwindung meinen Haushalt zu erledigen. Das war auch immer ein großes Problem in meinen früheren Beziehungen.
    Was ich meine ist, man muss über diese Schwäche sprechen, nicht über AD(H)S in dem Sinne.
    Ich denke, man sollte das beides nicht trennen. Ich kann auch leider nur sehr schwer Ordnung halten, und ich habe meinem Freund das nicht so gesagt, ich hab ADHS, darum ist es unordentlich, aber ich hab ihm gesagt, ich bemühe mich um Ordnung, aber es fällt mir schwer wegen dem ADHS. Wenn er da ist, bemühe ich mich auch um mehr Ordnung, aber da wir nicht zusammen wohnen, gibt es auch immer wieder Chaos-Zeiten bei mir.

    Reden muss man, müssen wir unbedingt darüber, aber lass dir von niemandem einreden, dass du ADHS als "Schutzschild" benutzt, wenn du es erwähnst.

    Welch ein Wunder, dass ich heute Depressionen habe - und sie schon länger habe, wie ich für mich kürzlich erkannt habe.
    Zu den Depressionen will ich noch sagen, dass bei mir der Arzt eine besondere Ausprägung der Depression durch das ADHS festgestellt hat. Und auch dadurch, dass ich sie jahrelang nicht habe behandeln lassen. Auch ein "Runterspielen" unserer Probleme, was aus deinem Beitrag auch rauszulesen ist (sorry, falls ich was falsches zwischen den Zeilen lese...)

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 85

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo Kristy,

    ich finde ADS wird von Aussenstehenden eher unterbewertet.

    Sie können es nicht nachvollziehen. Es ist ja auch nicht mit zwei Sätzen erklärt und einzelne Symptome kennt jeder. Aussagen wie: "dann müsste ich das ja auch haben..." kommen da häufig.

    Ich habe mich bewusst dafür entschieden es anderen zu sagen, nicht jedem, aber denen, die mir näher stehen oder mit denen ich oft zu tun habe. Ich denke ich werde schon mal öfter belächelt, aber darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum mein Verhalten/ meine Schwächen vor den Leuten damit zu rechtfertigen.

    Mir geht es darum: Ich habe schon immer einen grossen Leidensdruck dadurch, dass ich nicht so Leistungsfähig bin. Das geht einher mit ständigem schlechten Gewissen und der Angst für faul oder dämlich/hypochondrisch gehalten zu werden. Das ganze zu vertuschen ist dann zusätzlich anstrengend und setzt mich unter Druck.

    Jetzt kann ich aber sagen: "Sorry, hier ist meine Kraft zu ende" oder "Meine Konzentration ist jetzt aufgebraucht". Meistens geben sich die Menschen damit zufrieden.
    Wenn nicht, kann ich Ihnen aber ganz klar sagen, dass es am ADS liegt und dass ich mich behandeln lasse.
    Es geht eigentlich um die Erklärung für mich selbst: Ich bin nicht so leistungsfähig und habe eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne weil ich ADS habe und nicht weil ich mich nicht genug bemühe oder faul bin. Die ständige Frage:Was ist los mit mir? Andere können das doch auch! ist nicht mehr da. Es ist jetzt einfach, wie es ist und ich brauche nichts mehr zu vertuschen, kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, zumal ich ja sogar daran arbeite.

    Damit geht es mir eindeutig besser!

    LG sychotante

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 245

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    sychotante schreibt:

    Ich habe schon immer einen grossen Leidensdruck dadurch, dass ich nicht so Leistungsfähig bin. Das geht einher mit ständigem schlechten Gewissen und der Angst für faul oder dämlich/hypochondrisch gehalten zu werden. Das ganze zu vertuschen ist dann zusätzlich anstrengend und setzt mich unter Druck.

    Jetzt kann ich aber sagen: "Sorry, hier ist meine Kraft zu ende" oder "Meine Konzentration ist jetzt aufgebraucht". Meistens geben sich die Menschen damit zufrieden.
    Wenn nicht, kann ich Ihnen aber ganz klar sagen, dass es am ADS liegt und dass ich mich behandeln lasse.
    Es geht eigentlich um die Erklärung für mich selbst: Ich bin nicht so leistungsfähig und habe eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne weil ich ADS habe und nicht weil ich mich nicht genug bemühe oder faul bin. Die ständige Frage:Was ist los mit mir? Andere können das doch auch! ist nicht mehr da. Es ist jetzt einfach, wie es ist und ich brauche nichts mehr zu vertuschen, kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, zumal ich ja sogar daran arbeite.

    Damit geht es mir eindeutig besser!

    LG sychotante

    HA, da ist mal jemand, der das nachvollziehen kann!
    Ich fühle mich gerade wieder sooo unfähig. Obwohl meine Depressionen einigermaßen im Griff sind, dieses Unfähigkeitsgefühl ist oft noch da. Dabei habe ich schon einiges erreicht. Aber es ist mir nie genug!

    Diese Einstellung von dir hätte ich auch endlich gerne!!
    Aber da gibt es ja noch andere Leute, vor denen ich mich immer wieder rechtfertigen muss und die die besten Erklärungen nicht verstehen (weil sie vermutlich auch ADS haben ).

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Vermutlich ist beides der Fall.
    Meist wird AD(H)S sicherlich unterbewertet, aber in seltenen Fällen kann es auch einmal überbewertet werden. Ich glaube, dass man nicht alles auf AD(H)S schieben kann.
    Auf jeden Fall kann man sich nach einer Diagnose bestimmte Verhaltensweisen besser erklären. Vielleicht kann dadurch dann erst eine entsprechende Therapie und Behandlung erfolgreich werden.
    Trotzdem ist jeder mit AD(H)S anders und in jedem Leben spielen noch viele andere Faktoren wie Erlebtes oder auch (anderes) Geerbtes eine Rolle.
    Es müssen auch nicht alle mit AD(H)S einen Leidensdruck haben, denn es gibt ja manchmal leichte oder gut kompensierte Formen.
    Viele Probleme entstehen wohl erst durch das Unverständnis (das Eigene und das der anderen). Hätten alle die Gabe, uns so zu behandeln, wie es zu unserem persönlichen AD(H)S passen würde, dann wären wir sicher nicht so oft traurig oder wütend und möglicherweise würde man unser AD(H)S manchmal nicht einmal spüren. Wenn ich zum Beispiel mit Menschen zusammen bin, die mich so behandeln, wie es mir guttut, dann sehe ich mein ADS nur als Bereicherung an. Dagegen benehme ich mich sehr merkwürdig und bin übersensibel, wenn ich von anderen unter Druck gesetzt oder gekränkt werde.
    Leider ist eine „artgerechte“ Behandlung uns gegenüber nicht sehr oft möglich, sie könnte aber vielleicht durch eine weitere Aufklärung ein wenig zunehmen.
    Auch mit einem Partner, der vielleicht ebenfalls AD(H)S hat oder auch nicht, ist es immer wieder schwer, sich selbst so zu benehmen, dass man ihn nicht verletzt oder dass man die Grenzen richtig setzt.

    Ich versuche mir immer wieder zu sagen, dass ich das, was ich selbst nicht mag, auch mit dem anderen nicht machen sollte. Leider gelingt mir das nicht immer. Wenn aber beide verstehen, wie es zu einer Disharmonie gekommen ist, dann kann man sich viel besser wieder versöhnen und vielleicht dann noch mehr zusammengehörig fühlen. Auch Humor kann dann sehr hilfreich sein.


    Dass die anderen verrückt sind, denke ich auch sehr oft. Warum sollten denn die „Nicht-ADS`ler“ immer normal sein. Es ist doch nicht so, dass wir nur die „schlimmen“ Eigenschaften haben und die anderen die „guten“! Außerdem gibt es viele psychische Erkrankungen oder merkwürdige Eigenarten. Im Grunde müsste man versuchen, allen gegenüber tolerant zu sein. Leider sind mir dann immer wieder meine eigenen Emotionen im Weg. Ich nehme es mir aber zumindest vor.
    Egal, ob man nun AD(H)S hat, oder nicht, es gibt überall Menschen, die in unterschiedlicher Ausprägung sozial oder dissozial sind.
    Unter uns gibt es, wie bei allen anderen auch, Verbrecher (die vielleicht trotzdem, bis auf bestimmte Teilbereiche, oft sehr liebe Menschen sein können) oder andere, die extrem Gutes geleistet haben, mit einem hohen Anspruch an Moral, die vielleicht auch manchmal ihre dunklen Seiten haben.
    Es gibt so viele Faktoren, dass es wohl überhaupt keine richtige Antwort auf diese Frage geben kann. Auf jeden Fall liegt nicht alles am AD(H)S allein.

    Kristy, Du hast schon sehr früh so viel Schlimmes erlebt, dass es kein Wunder ist, wenn Du bei Beziehungen bisher sehr zurückhaltend warst. Dieser „Selbstschutz“ muss nicht allein am AD(H)S liegen, sondern kann unter anderem auch durch das Erlebte entstanden sein.
    Es ist aber wohl gut möglich, dass zumindest bei einem Deiner Elternteile auch AD(H)S eine Rolle gespielt hat.
    Vielleicht wurde einer Deiner Elternteile ebenfalls schon als Kind geschlagen? Sicher spielt bei Deinen Eltern vieles eine Rolle.

    Wenn bei Dir zu viele schlimme Erlebnisse zusammenkommen, dann würde Dir möglicherweise jetzt noch eine weitere Therapie guttun. Vorausgesetzt, Du findest einen kompetenten Therapeuten, der sich auch mit AD(H)S auskennt.
    Ich drücke Dich und wünsche Dir, dass Du bald die Schmerzen aus Deiner Vergangenheit hinter Dich bringen und positiv in die Zukunft sehen kannst.

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.633

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    sychotante schreibt:
    Hallo Kristy,

    ich finde ADS wird von Aussenstehenden eher unterbewertet.

    Sie können es nicht nachvollziehen. Es ist ja auch nicht mit zwei Sätzen erklärt und einzelne Symptome kennt jeder. Aussagen wie: "dann müsste ich das ja auch haben..." kommen da häufig.


    Japp, ADHS wird nicht als schwere, schon gar nicht als lebensgefährliche Krankheit angesehen. Es wird bagatellisiert.

    Von Aussenstehenden, weil sie glauben, der Betroffene verwendet das als Ausrede, um seine durch Faulheit entstehenden Lebensprobleme zu kaschieren.

    Zum anderen aber eben auch von den Betroffenen selbst, als eine Art Selbstschutz.

    Tatsache ist aber, dass ADHS eine absolut ernst zu nehmende Erkrankung darstellt.

    Wir leben überhaupt nur noch deshalb, weil wir es gar nicht anders kennen, und im Laufe der Jahrzehnte, Überlebensstrategien entwickelt haben, damit zurecht zu kommen, meist mehr schlecht als recht.

    Wäre ADHS eine Erkrankung, die über Nacht käme, beispielsweise wie ein grippaler Infekt, würde deutlicher werden, was damit gemeint ist.

    Ein sogenannter Normalo also, der ADHS plötzlich über Nacht bekäme, würde beispelsweise keine Woche im heutigen Strassenverkehr überleben, ob als Fussgänger, Radfahrer oder Autofahrer.

    Also, es ist durchaus mal an der Zeit, die Sache etwas ernster zu nehmen.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.120

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Wir leben überhaupt nur noch deshalb, weil wir es gar nicht anders kennen, und im Laufe der Jahrzehnte, Überlebensstrategien entwickelt haben, damit zurecht zu kommen, meist mehr schlecht als recht.

    Wäre ADHS eine Erkrankung, die über Nacht käme, beispielsweise wie ein grippaler Infekt, würde deutlicher werden, was damit gemeint ist.

    Ein sogenannter Normalo also, der ADHS plötzlich über Nacht bekäme, würde beispelsweise keine Woche im heutigen Strassenverkehr überleben, ob als Fussgänger, Radfahrer oder Autofahrer.
    dem kann ich nur zustimmen , habe erst gelesen das von 10 tödlich verunfallten Kindern 9 davon AD(H)S hatten

    Überlebensstrategien , das trifft es... vor allem wundert mich nicht mehr, das die meisten zwischen 30 /40 Jahren in ein Burnout oder Erschöpfung rutschen, wenn man sich das mal vorstellt,:..... sämtliche Wege werden zig mal mehr gelaufen (vergessen, nochmal , zurück ins Zimmer...also man hat schon tagsüber Alltag viel mehr Laufstrecken...das mein ich jetzt nicht im Spaß... das kam mal zufällig raus, hatte mal nen Bewegungszähler , und normalerweise läuft man so 2-3000 Schritte am Tag , wenn nix außergewöhnliches dazu kommt, bei mir waren es locker mehr als doppelt soviel ...na und da wunderts sich müder zu fühlen ....

    und wenn man bedenkt wieviel Kraft es kostet ,seelisch, köperlich.... die Überlebensstrategien, da wundert mich es nicht mehr , das der Akku dann mal leer ist und nix mehr geht und man sich mit 40 wie mit 80 fühlt

    Überbewertet??? Nein , denke ich nicht, aber total falsch eingeschätzt, was das volle Ausmaß für den Betroffenen bedeutet und wie Eiselein das sagte, der Betroffene, das ja selbst meist falsch einschätzt, es nicht mal merkt wie schlecht es einem geht ...

    ...und wenn dann so langsam die "Erkenntnis" kommt....

    Tatsache ist aber, dass ADHS eine absolut ernst zu nehmende Erkrankung darstellt.
    da muß ich dir widersprechen , Eiselein... AD(H)S selbst ist keine Erkrankung , laut medizinischer Definition , wohl aber die Komorbitäten , die oft dabei sind..wie Depression, Sucht, .... und eben weil AD(H)S oft nicht ernst genug geworden wird, wird dann die Behandlung umso breitfächiger, weil noch andere Sachen dazu kommen...seufz.... inzwischen ist schon zu erkennen , je früher AD(H)S behandelt wird , eben mit den ganzen Begleiterscheinungen im Kindesalter (Entwicklungsverzoegerungen, LRS, rechtyeitig Medikation und Therapie, bei Bedarf... die haben als Erwachsene, nicht so ein vollbepackten Rucksack, der zu bearbeiten ist ...

    aber das ADHS ueberbewertet ist , vielleicht, teilweise... aber eher unterbewertet , wenn man bedenkt ,was die Einzelnen die betroffen sind, alles erlebt und durchgemacht haben , ist es eher erstaunlich , wie das leben trotzdem noch einigermasen gemeistert wird ...

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